Zum Inhalt springen
OD WH

Technik · Ladeprinzipien

Magazine und Zuführung

Das unterschätzte Bauteil — warum die meisten Störungen einer Selbstladewaffe nicht am Verschluss liegen

plausibel

Dieses Register beschreibt an anderer Stelle, wie ein Verschluss verriegelt und woher die Energie kommt, die ihn bewegt. Beide Texte behandeln die Rückwärtsbewegung. Der Vorwärtsweg — die Patrone aus dem Magazin ins Lager — kommt darin nur als ein Halbsatz vor, und das entspricht dem Rang, den das Thema in der Literatur meist hat.

In der Werkstatt ist es umgekehrt. Die Zuführung ist die Strecke, auf der eine Selbstladewaffe scheitert. Der Verschluss ist ein gehärtetes, geführtes, gekapseltes Bauteil, das im Normalbetrieb ohne Zutun des Benutzers arbeitet. Das Magazin ist ein Blechkasten mit einer Feder darin, den derselbe Benutzer abnimmt, fallen lässt, mit dem Daumen füllt, in eine Tasche steckt und im Staub wieder ansetzt. Es ist Verschleiß- und Verlustteil, es wird verbogen, und es trägt bei den meisten Konstruktionen keine Seriennummer — anders als Gehäuse, Lauf und Verschluss, die bei den Ordonnanzwaffen dieses Registers durchnummeriert sind.

Was dieser Satz nicht ist. Die Aussage „die meisten Störungen sind Zuführungsstörungen” ist ein Erfahrungssatz der Waffenmeisterpraxis, kein hier belegtes Ergebnis. Eine Störungsstatistik wurde für diesen Eintrag nicht ausgewertet. Der praktische Niederschlag des Satzes ist allerdings überall dieselbe erste Handlung jeder Störungsbeseitigung: Magazin heraus.

Der Nutzen dieses Eintrags liegt darin, dass die Zuführung am Objekt sichtbar ist. Ein Verschlussproblem muss man aus dem Verhalten erschließen; ein Zuführungsproblem hinterlässt Spuren — Anlaufmarken am Lauf, Kupferabrieb an der Rampe, Kratzer über dem Patronenboden, aufgebogene Lippen, einseitig gelaufene Zubringer. Wer diese Spuren lesen kann, beurteilt eine Waffe, ohne sie geschossen zu haben.

1. Bauarten

Zuerst eine Abgrenzung, die im Sprachgebrauch regelmäßig zusammenfällt und drei verschiedene Dinge meint:

BegriffenglischVerbleib beim LadenBeispiele im Register
Wechselmagazindetachable magazineist selbst der Behälter, wird als Ganzes getauschtMP 40, Glock 17, MPi K
Ladestreifenstripper clip, chargerbleibt außerhalb; die Patronen werden von ihm ins Magazin abgestreiftGewehr 98, K98k, Lee-Enfield
Ladeblock (Rahmen, Mannlicher-System)en-bloc clip, packetwird mitgeladen und bleibt im Magazin, bis er unten herausfällt oder oben ausgeworfen wirdM1 Garand, Gewehr 88

Der Unterschied zwischen den letzten beiden ist kein Wortstreit. Beim Ladestreifen ist das Magazin ein vollständiges Bauteil, das auch ohne Streifen einzeln geladen funktioniert; beim Ladeblock dagegen ist der Block Teil des Magazins — ohne ihn hat die Waffe keine Patronenführung mehr und ist Einzellader.

Röhrenmagazin

Die Patronen liegen hintereinander in einer Röhre unter dem Lauf oder im Schaft, gehalten von einer langen Schraubenfeder, und ein Zubringerlöffel schwenkt die jeweils hinterste Patrone nach oben in die Verschlussbahn.

  • Vorteil: hohe Kapazität in einer schlanken Waffe, ohne dass etwas nach unten vorsteht; kein abnehmbares Teil, das verloren gehen kann.
  • Nachteil, konstruktiv entscheidend: Die Geschossspitze der einen Patrone liegt auf dem Zündhütchen der nächsten. Für Zentralfeuermunition mit Spitzgeschoss ist das nicht zulässig — Rückstoßstöße im Magazin können eine Kettenzündung auslösen. Röhrenmagazine bleiben deshalb der Randfeuermunition, Flach- und Rundkopfgeschossen und Schrotpatronen vorbehalten. (Die moderne Ausnahme sind Geschosse mit elastischer Kunststoffspitze.)
  • Weiterer Nachteil: Der Schwerpunkt wandert beim Leerschießen; das Entladen erzwingt den Durchlauf aller Patronen durch das Schloss oder ein herausziehbares Innenrohr; die Zuführstrecke ist die längste aller Bauarten und damit die reibungsempfindlichste.
  • Im Register: keine Patronenwaffe. (Das Kugelmagazin des Luftgewehrs Haenel 310 für 4,4-mm-Rundkugeln ist kein Röhrenmagazin im hier behandelten Sinn — es führt kein Patronenlager zu und kennt das Zündhütchenproblem nicht.) Der Bestand dieses Registers besteht aus militärischen Selbstladern, Ordonnanzrepetierern, Sportwaffen mit Einzelladung oder Kleinmagazin und kipplaufigen Jagdwaffen. Die Heimat des Röhrenmagazins — der amerikanische Unterhebelrepetierer und das Selbstlade-Kleinkalibergewehr — liegt außerhalb des Sammelgebiets. Das ist ein Befund über den Fertigungsraum, keine Lücke im Text.

Kastenmagazin, einreihig

Die Patronen liegen unmittelbar übereinander in einer Säule.

  • Vorteil: einfachste Geometrie; der Stapel steigt geradlinig, die Patronenlage ändert sich von Schuss zu Schuss nicht. Schmaler Griff beziehungsweise schmaler Schacht. Die geringste Reibung aller Kastenbauarten.
  • Nachteil: Für eine gegebene Patronenzahl ist das Magazin am längsten. Bei Kurzwaffen begrenzt das die Kapazität auf die Griffhöhe.
  • Im Register: die Masseverschlusspistolen (Walther PP, Sauer 38H, Makarow) sowie die Sportgewehre — der Suhler Unterlader trägt ein einreihiges Kunststoffmagazin zu fünf Patronen.

Kastenmagazin, zweireihig mit einreihiger Abgabe (single-feed)

Der Schacht ist so weit, dass die Patronen gestaffelt in zwei Reihen stehen; nach oben verjüngt er sich, und die Lippen geben nur noch eine Position frei. Der Stapel muss also im oberen Drittel von zwei Reihen auf eine zusammenlaufen.

  • Vorteil: hohe Kapazität, aber nur eine einzige Patronenlage an der Abgabestelle. Die Waffe sieht immer dieselbe Ausgangsgeometrie, was Zuführrampe und Patronenlagerkonus einfacher macht.
  • Nachteil: Genau die Übergangszone ist die Schwachstelle. Dort werden die Patronen gegen die sich verengenden Wände geschoben, die Reibung steigt, und Staub, verharztes Öl und Blechverformungen wirken sich unmittelbar aus. Zudem ist das Füllen von Hand mühsam, weil jede Patrone unter die Lippen und zugleich seitlich in den Stapel gedrückt werden muss.
  • Im Register: die MP 40. Ihr Magazin ist der Lehrfall dieser Bauart — doppelreihig gefüllt, einreihig abgebend, mit den dokumentierten Zuführstörungen. Eine Verfügung vom 23. März 1942 schrieb gesickte Magazingehäuse vor; die vorhandenen glatten Bestände wurden nachgesickt, weshalb sich zwei gesickte Ausführungen unterscheiden lassen — bei der nachgerüsteten setzen die Sicken erst unterhalb der oberen Verstärkung an. Als Zweck nennt die Fachliteratur ausdrücklich die geringere Sand- und Schmutzempfindlichkeit, nicht eine Reibungsminderung. Für die Bestimmung ist das ein enger datierbarer Befund am Blechteil.

Kastenmagazin, zweireihig mit zweireihiger Abgabe (double-feed)

Die Staffelung bleibt bis unter die Lippen erhalten; die oberste Patrone liegt abwechselnd links und rechts.

  • Vorteil: kein Verengungszwang, daher deutlich geringere Abstreifkraft und geringere Schmutzempfindlichkeit; leichtes Füllen von Hand; kürzestes Magazin für eine gegebene Kapazität.
  • Nachteil: Der Schacht baut breit — bei Kurzwaffen wird der Griff dick. Vor allem aber muss die Waffe zwei verschiedene Ausgangslagen der Patrone auf dasselbe Patronenlager abbilden. Zuführrampe, Patronenlagerkonus und Stoßbodenausnehmung müssen für beide Seiten funktionieren; eine einseitig verbogene Lippe erzeugt entsprechend ein Störungsbild, das nur bei jeder zweiten Patrone auftritt. Das ist ein diagnostisch sehr aussagekräftiges Bild.
  • Im Register: Glock 17 (17 Patronen), die Kalaschnikow-Reihe (MPi K und MPi KM, MPi AK-74N) und das StG 44 mit je 30 Patronen.

Trommelmagazin

Die Patronen liegen in einer Spirale oder radial in einer flachen Trommel und werden von einer aufgezogenen Spiralfeder zum Auslass geschoben.

  • Vorteil: Kapazität ohne Baulänge nach unten. Für eine liegend oder aus Deckung geführte Waffe der einzige Weg zu großen Vorratsmengen.
  • Nachteil: Gewicht, Preis und Fertigungsaufwand liegen um ein Vielfaches über dem Stangenmagazin; die Zuführstrecke ist die längste und kurvenreichste aller Bauarten und damit die reibungs- und schmutzempfindlichste; das Füllen verlangt Werkzeug oder Übung; die Feder muss gespannt werden und ermüdet; und die Trommel klappert.
  • Im Register: die MP 18,I in ihrer Erstausstattung mit der von der Parabellum-Selbstladepistole übernommenen Schneckentrommel TM 08 zu 32 Patronen, seitlich eingeführt. Für den Gebrauch an der MP 18 trug die Trommel eine Adapterhülse über dem Hals; sie begrenzt die Einschubtiefe im weiteren Magazinschacht der Maschinenpistole und ist damit ein Anschlag, kein Kaliberadapter. Erhaltene Hülsen laufen im Sammlerhandel als eigenes Zubehör — für die Vollständigkeitsbeurteilung eines Stücks ein eigener Prüfpunkt. Die Umstellung auf ein gerades Stangenmagazin erfolgte erst nach 1920 und ist nach dem Modelleintrag ein Datierungsmerkmal — und zugleich das früheste Beispiel dieses Registers dafür, dass die Magazinbauart die Waffengeschichte mitschreibt.

Rahmen- oder Mannlicher-System (Ladeblock)

Der Block mit Patronen wird als Ganzes von oben in den Kasten eingesetzt. Er bleibt darin und führt die Patronen; erst wenn die letzte entnommen ist, fällt er durch eine Öffnung im Magazinboden heraus (Mannlicher-Bauart, so beim Gewehr 88) oder wird nach oben ausgeworfen (M1 Garand).

  • Vorteil: die schnellste Nachladeart der Repetiererzeit — ein Griff, keine Einzelbewegungen. Das Magazin selbst kann einfach bleiben, weil der Block die Führung mitbringt.
  • Nachteil, und zwar erheblich: Ohne Block ist die Waffe Einzellader. Der Block ist ein Verbrauchsteil, das nachgeschoben werden muss. Die Bodenöffnung, durch die er herausfällt, ist ein offener Schmutzeintritt. Teilweises Auffüllen ist nicht möglich: Wer nach vier Schüssen nachladen will, muss den Block verwerfen oder leerschießen. Und der Magazinkasten selbst muss den Block aufnehmen, steht deshalb beim Gewehr 88 unter dem Schaft vor und stört die Handhabung. Die Bauart wurde 1898 verworfen — das Gewehr 98 kehrte zum Ladestreifen zurück und bekam ein im Schaft versenktes, gestaffeltes Kastenmagazin.
  • Terminologische Warnung: Ein Ladeblock ist kein Ladestreifen. Die beiden Begriffe werden in Verkaufsanzeigen und Sammlerlisten ständig vertauscht, und das ist folgenreich, weil ein originaler Mannlicher-Block ein Waffenteil ist und ein Ladestreifen ein Hilfsmittel.

Ladestreifen

Ein Blechstreifen hält fünf (Gewehr 98, K98k), zehn oder eine andere Zahl Patronen am Rand beziehungsweise an der Ausziehrille. Er wird in eine Führung am Hülsenkopf gesetzt; der Daumen drückt die Patronen nach unten ins Magazin; der leere Streifen wird abgeworfen oder beim Vorschieben der Kammer ausgeworfen.

  • Vorteil: Der Streifen ist billig, leicht und geht nicht als Waffenteil verloren. Das Magazin bleibt geschlossen, ohne Bodenöffnung. Aufmunitionieren ist jederzeit möglich, auch bei teilweise gefülltem Magazin und auch einzeln. Die Waffe funktioniert ohne Streifen weiter.
  • Nachteil: Es braucht zwei Hände und ein offenes Schloss; gegenüber dem Magazinwechsel ist der Vorgang um ein Vielfaches langsamer. Genau das ist die im Register mehrfach dokumentierte Schwäche der Ordonnanzrepetierer gegenüber Selbstladern mit Wechselmagazin.
  • Bemerkenswert: Der Ladestreifen überlebt das Repetierergewehr. Das Gewehr 43 hat ein abnehmbares Zehn-Schuss-Magazin und kann zusätzlich von oben über Ladestreifen aufgefüllt werden — die Kombination beider Verfahren. Gegenüber dem G 41(W) mit fest eingebautem Magazin ist das der auffälligste Bedienungsunterschied; die Überlegenheit des G 43 insgesamt beruht nach dem Modelleintrag daneben auf dem einfacheren Gassystem und der billigeren Fertigung.

2. Geometrie

Ab hier wird es messbar. Alle folgenden Größen lassen sich an einem vorliegenden Magazin mit Messschieber, Federwaage, Lineal und Auge feststellen.

Magazinlippen

Die Lippen leisten drei Dinge gleichzeitig, und die drei stehen gegeneinander:

  1. Sie halten den Stapel gegen die Zubringerfeder im Magazin.
  2. Sie geben die oberste Patrone an einem bestimmten Punkt des Verschlussvorlaufs frei.
  3. Sie bestimmen dabei die Lage der Patrone — vor allem den Winkel der Geschossspitze.

Lippenlänge. Je weiter die Lippen nach vorn reichen, desto länger bleibt die Patrone geführt und desto weiter ist die Geschossspitze schon in den Patronenlagerkonus eingelaufen, bevor sie freikommt. Das ist die sichere Variante — bezahlt mit höherer Abstreifkraft, weil die Patrone über die gesamte Lippenlänge unter Federdruck an Blech reibt. Kurze Lippen entlassen die Patrone früh; sie fliegt dann geführt nur noch von Stoßboden und Rampe. Das ist schnell und reibungsarm und verlangt eine gut ausgeführte Rampe.

Öffnungswinkel und Lippenform. Zwei Grundformen sind zu unterscheiden:

  • Parallele Lippen. Der lichte Abstand ist über die ganze Lippenlänge gleich. Die Patrone wird vollständig gehalten und kommt erst am vorderen Lippenende frei. Der Freigabepunkt ist scharf definiert und liegt fest.
  • Sich öffnende Lippen (in der englischsprachigen Magazinliteratur feathered oder tapered feed lips; ein eingeführter deutscher Ausdruck ist nicht gebräuchlich). Der lichte Abstand wächst nach vorn. Die Patrone steigt beim Vorschieben allmählich aus der Führung heraus und wird fließend entlassen statt schlagartig. Verbreitet sind Mischformen: hinten parallel, vorn aufgehend.

Für die Beurteilung am Objekt ist der Unterschied entscheidend, weil er die Fehlerdiagnose umkehrt. Bei parallelen Lippen ist der Abstand die kritische Größe. Bei aufgehenden Lippen ist es der Winkel, mit dem sie aufgehen — eine gleichmäßig aufgebogene Lippe kann im Abstand am hinteren Messpunkt völlig unauffällig sein und trotzdem viel zu früh entlassen.

Kein Sollmaß in diesem Eintrag. Für diesen Text wurde kein Magazin vermessen. Es werden deshalb bewusst keine Zahlenwerte für Lippenabstände genannt. Die Messung ist ohnehin nur im Vergleich aussagekräftig: gegen ein bekannt gutes Magazin desselben Modells, an denselben drei Punkten (hinten, Mitte, vorn), auf beiden Seiten getrennt. Ein Seitenunterschied ist aussagekräftiger als ein Absolutwert.

Zuführwinkel

Gemeint ist hier nicht der Winkel zwischen Magazinachse und Seelenachse — der beträgt bei einem senkrecht von unten eingeführten Magazin schlicht 90 Grad. Maßgeblich ist die Abweichung von der Senkrechten zur Seelenachse, also davon, wie schräg das Magazin gegenüber der einfachsten Lage steht. Sie bestimmt, wie stark die Patrone auf ihrem Weg umgelenkt werden muss.

  • Null Grad — das Magazin steht senkrecht unter der Verschlussbahn, die Patrone steigt gerade hoch und läuft geradlinig ein. So bei der MP 40, beim StG 44 und bei den Kalaschnikow-Magazinen. Kürzester Weg, geringste Umlenkung, unempfindlichste Bauart.
  • Griffwinkel bei Kurzwaffen — das Magazin sitzt schräg im Griff, bei den geläufigen Bauarten etwa 15 bis 25 Grad gegen die Senkrechte geneigt (Colt M1911 flacher, Glock stärker); stark geneigte Griffe wie der der Pistole 08 liegen deutlich darüber. Die Patrone muss beim Einlaufen ihre Richtung ändern; dafür braucht es die Zuführrampe.
  • Extremfälle kommen im Bestand dieses Registers vor: Die MP 18,I führt ihr Magazin von der Seite ein, und der Suhler Unterlader Modell 626 setzt das Magazin um rund 135 Grad zur Vertikalachse seitlich ein — beim 626-1 dagegen gerade. Der Wechsel des Magazinschachtwinkels ist dort ein Modellunterscheidungsmerkmal, also unmittelbar bestimmungsrelevant.

Jede Umlenkung kostet Zuverlässigkeit — was erklärt, warum die Serienwaffen mit hoher Kadenz im Bestand dieses Registers durchweg senkrecht zuführen. Ein Naturgesetz ist das nicht: Wo die Bauhöhe wichtiger war als die Einfachheit der Zuführung, sind auch bei hoher Kadenz aufwendig umgelenkte Bauarten gebaut worden — die FN P90 dreht ihre Patronen aus einem oben liegenden, längs zum Lauf gerichteten Magazin über eine Wendelbahn um 90 Grad, die PP-19 Bizon führt ein Schneckenmagazin längs unter dem Lauf. Beide liegen außerhalb dieses Registers; sie zeigen aber, dass der Satz eine Auslegungsregel ist und keine Zwangsläufigkeit.

Patronenlage-Winkel — Nase hoch, Nase tief

Die oberste Patrone liegt im Magazin nicht waagerecht, sondern in der Regel mit leicht angehobener Spitze. Eingestellt wird der Winkel durch die Form des Zubringers, die Lippenlänge und den hinteren Anschlag im Schacht, und er ist die empfindlichste Einstellgröße des ganzen Systems. Ablesbar ist er an der Waffe, nicht nur am Magazin:

BefundBedeutung
Kupfer- oder Tombakabrieb, Riefen unterhalb der Lagermündung, gestauchte GeschossspitzeNase zu tief — die Patrone stößt gegen die Rampe statt in den Konus
Marke oberhalb der Lagermündung, am Laufhals oder am Verschlussstückdach, blank gescheuerte Stelle am Geschossmantel dicht hinter der SpitzeNase zu hoch — die Patrone verkeilt sich zwischen Lagerdach und Stoßboden
beide Marken an ein und derselben WaffeDas Magazin liefert zwei verschiedene Lagen — bei doppelreihiger Abgabe der klassische Befund einer einseitig verbogenen Lippe

Der letzte Fall ist der wertvollste, weil er ohne jede Zerlegung die Ursache lokalisiert.

Zubringerkipp

Der Zubringer (Follower) kann im Schacht nach vorn oder hinten kippen. Ein gewisses Kippen ist konstruktiv gewollt — es stellt den Nasenwinkel ein. Unkontrolliertes Kippen ist dagegen eine der häufigsten Störungsursachen, und zwar typischerweise bei den letzten zwei bis drei Patronen: Dann steht die Feder am weitesten ausgefahren, führt am schlechtesten, und der Zubringer verkantet sich im Schacht.

Gegenmaßnahmen der Konstruktion sind lange, breite Zubringer mit tiefen Schürzen, eine Federgeometrie, die vorn und hinten unterschiedlich abstützt, und enge Schachtführung.

Am Objekt zu prüfen: Zubringer bis auf wenige Patronen entleeren, mit dem Finger abwechselnd vorn und hinten drücken und den Kippweg fühlen; danach den Zubringer herausnehmen und auf einseitigen Laufabrieb ansehen. Blanke Stellen nur auf einer Seite bedeuten, dass er schon verkantet gelaufen ist. Die Innenseite des Schachts trägt dann meist die Gegenspur.

Zubringerfeder — was sie wirklich leisten muss

Hier lohnt eine Größenordnungsrechnung, weil sie ein verbreitetes Missverständnis auflöst.

Wie weit muss der Stapel je Schuss steigen? In einem gestaffelten Magazin liegen die Patronen nicht übereinander, sondern versetzt. Mit dem Hülsendurchmesser d und der lichten Schachtweite w ist der seitliche Versatz x = w − d und die senkrechte Teilung

y = √(d² − x²)

Für 9 × 19 mm ist d = 9,93 mm (C.I.P. P₁). Die lichte Weite w ist hier nicht gemessen; sie ist aber nach oben und unten eingegrenzt: Über 2 d ≈ 19,9 mm kippt die Staffelung in zwei getrennte Säulen um, unter etwa 17 mm wird der Stapel so steil, dass ein Magazin für die üblichen Kapazitäten nicht mehr in einen Griff passt. Deshalb wird hier eine Spanne gerechnet statt eines Einzelwerts:

w (angenommen)x = wdy = √(d² − x²)
17 mm7,07 mm≈ 7,0 mm
18 mm8,07 mm≈ 5,8 mm
19 mm9,07 mm≈ 4,0 mm

Der Stapel steigt also je Schuss um vier bis sieben Millimeter, nicht um einen Hülsendurchmesser. (Dieselbe Formel liefert nebenbei die Auslegungsregel: je breiter der Schacht, desto flacher der Stapel und desto kürzer das Magazin.)

Wieviel Zeit bleibt dafür? Bei angenommenen 600 Schuss je Minute dauert ein Zyklus 100 ms. Der Magazinmund ist davon nur einen Bruchteil frei; als Abschätzung sei mit 20 ms gerechnet. Aus dem Stand und mit konstanter Beschleunigung:

a = 2 y / t² = 2 · (0,0040 … 0,0070) m / (0,020 s)² ≈ 20 bis 35 m/s², also 2 bis 3,5 g

Welche Kraft folgt daraus? Sechzehn Patronen zu je etwa 12 g plus Zubringer sind rund 0,2 kg. Die Feder muss dieses Gewicht tragen und beschleunigen:

F = m (g + a) = 0,2 kg · (9,81 + 20 … 35) m/s² ≈ 6 bis 9 N

Unter zehn Newton über die ganze Spanne der plausiblen Annahmen — und das ist deutlich weniger, als eine Magazinfeder tatsächlich aufbringt. Die Aussage hängt erkennbar nicht an der Wahl von w: Selbst wenn man y verdoppelte, bliebe die Kraft unter zwanzig Newton.

Und genau das ist der Punkt. Die Federauslegung hängt nicht am Hubbedarf; der Hubbedarf ist klein. Was die Feder wirklich überwinden muss, ist die Reibung — des Stapels an den Schachtwänden, an den Lippen, an der Verengungszone eines single-feed-Magazins — dazu die Konizität der Patronen, die den Stapel gegen die Wand drückt (dazu gleich mehr), Verschmutzung, verharztes Öl und der Fall, dass die Waffe selbst beschleunigt wird. Die Feder ist um ein Vielfaches überdimensioniert, und sie muss es sein.

Zwei praktische Folgerungen:

  • Die Federkraft ist im vollen Magazin am größten und im leeren am kleinsten — die Abstreifreibung aber ebenfalls. Der kritische Fall ist deshalb nicht die letzte Patrone aus Kraftgründen, sondern aus Geometriegründen: Zubringerkipp und Lage der letzten Patrone.
  • Zur Frage, ob gefüllte Magazine die Feder ermüden: Eine Feder, die unterhalb ihrer Elastizitätsgrenze gespannt bleibt, verliert bei Raumtemperatur keine technisch erhebliche Kraft. Kraftverlust entsteht durch Lastwechsel (Ermüdung) und durch Überdrücken über die Elastizitätsgrenze — etwa beim Erzwingen einer Patrone mehr als vorgesehen oder beim Einsetzen eines vollen Magazins bei geschlossenem Verschluss, wenn die Konstruktion das nicht vorsieht. Das ist Literaturstandard und hier nicht messtechnisch belegt; für die Zustandsbeurteilung heißt es: Ein Magazin mit vielen Ladezyklen ist verdächtiger als eines, das lange gefüllt lag.

Konizität und Schachtkrümmung

Warum ist ein Magazin für 7,62 × 39 mm stärker gekrümmt als eines für 5,45 × 39 mm? Die Antwort ist reine Geometrie und lässt sich ausrechnen.

Eine Flaschenhalspatrone ist in der Seitenansicht ein Keil. Legt man solche Keile aufeinander, fächert der Stapel auf. Mit dem Hülsendurchmesser am Boden d₁, dem Durchmesser am vorderen Berührpunkt d₂ und dem axialen Abstand zwischen beiden Messstellen ist der Keilwinkel je Patrone Δθ = (d₁ − d₂)/, und der Krümmungsradius der Stapelmittellinie:

R = · / (d₁ − d₂) mit = (d₁ + d₂)/2

Die Maße der folgenden Tabelle sind den C.I.P.-Datenblättern entnommen (Spalte „Cartridge maxi”): d₁ = P₁, d₂ = P₂ bei Flaschenhalspatronen beziehungsweise H₂ (Mündungsdurchmesser) bei zylindrischen. Für wird durchgehend dieselbe Größe verwendet — bei Flaschenhalspatronen die C.I.P.-Länge L₁ (Boden bis Beginn des Übergangskegels), bei zylindrischen die Hülsenlänge L₃. Diese Konvention überschätzt um den kleinen Abstand der P₁-Messebene vom Hülsenboden und damit R um wenige Prozent — für alle Patronen gleichsinnig, das Verhältnis bleibt davon unberührt. Alle fünf Zeilen stammen damit aus einem Normwerk; C.I.P.- und SAAMI-Maße werden hier nicht gemischt. Für die .45 Auto führt die C.I.P. kein eigenes Blatt — stellvertretend steht die .45 Auto Rim, die randversehene Schwesterpatrone, deren Hülsenkörper mit dem der .45 Auto übereinstimmt. Diese Gleichsetzung ist hier nicht am Objekt geprüft; sie trägt aber nur die Zeile einer Patrone, die in diesem Register ohnehin nur als Kontrollfall auftritt.

Patroned₁ (P₁)dKonizitätR (Modell)
.45 Auto Rim (für .45 Auto)12,09 mm11,99 mm (Mund)22,81 mm0,44 %≈ 2.750 mm
9 × 19 mm9,93 mm9,65 mm (Mund)19,15 mm1,5 %≈ 670 mm
7,92 × 33 mm Kurz11,94 mm11,40 mm (Schulter)24,38 mm2,2 %≈ 530 mm
5,45 × 39 mm10,00 mm9,25 mm (Schulter)30,00 mm2,5 %≈ 385 mm
7,62 × 39 mm11,35 mm10,07 mm (Schulter)30,50 mm4,2 %≈ 255 mm

Wo die Formel numerisch unbrauchbar wird. R hängt am Kehrwert einer sehr kleinen Differenz. Bei der .45 beträgt d₁ − d₂ nur 0,10 mm — zwei Hundertstel mehr oder weniger verschieben R um einen halben Meter und mehr. (Die gängig zitierten SAAMI-Maße für die .45 Auto ergeben mit 0,08 mm rund 3.400 mm.) Für die zylindrischen Patronen trägt die Rechnung deshalb nur die Aussage „praktisch gerade”, keinen Zahlenwert. Erst bei den Flaschenhalspatronen, wo die Differenz über einen halben Millimeter beträgt, ist das Ergebnis stabil genug für einen Vergleich.

Das Ergebnis deckt sich mit dem, was man an den Magazinen sieht:

  • .45 Auto ist praktisch zylindrisch — welchen der beiden Normwerte man auch nimmt, der Modellradius liegt bei mehreren Metern. Ein einreihiges Magazin dafür ist schnurgerade, und das ist es tatsächlich.
  • 9 × 19 mm liegt im Grenzbereich. Der Keil je Patrone beträgt nur rund 0,28 mm; das nimmt das Spiel im Schacht auf, und kurze Magazine bleiben gerade. Bei langen Magazinen summiert sich der Fehler jedoch, und er geht dann nicht in eine Krümmung, sondern in Anpressdruck und Reibung über. Dass ausgerechnet das 32-schüssige, gerade Magazin der MP 40 als reibungsempfindlich dokumentiert ist, passt zu diesem Bild — als zusätzlicher Beitrag neben der bereits belegten Verengungszone. Das ist eine Folgerung aus dem Modell, keine Quellenaussage.
  • 5,45 × 39 gegen 7,62 × 39 ist der eigentliche Fall: Das Verhältnis der Radien beträgt rund 1,5 (385 gegen 255 mm). Das Magazin der MPi AK-74N muss also nur etwa zwei Drittel so stark gekrümmt sein wie das der MPi KM — und ist erkennbar flacher. Die Umstellung von der Kurzpatrone auf die innere Mittelpatrone (siehe Patronenklassen) hat damit ein unmittelbar sichtbares Bauteil verändert, und die Magazinform ist ein Unterscheidungsmerkmal der beiden Waffen, das aus zwanzig Metern Entfernung funktioniert.
  • 7,92 × 33 mm Kurz — und hier korrigiert die Rechnung eine im Register selbst stehende Behauptung. Der Eintrag Munitionsfertigung führt die Hülsenkontur der Kurzpatrone auf ihre lackierte Stahlhülse zurück: Stahl federe schlechter zurück als Messing, deshalb sei die Hülse „stark konisch” ausgeführt worden, und der Konus senke den Ausziehwiderstand. Die Werkstoffbegründung mag zutreffen — die Steigerung „stark” trägt nach den C.I.P.-Maßen nicht. Mit 2,2 % ist die Kurzpatrone weniger konisch als die 7,62 × 39 mm (4,2 %) und liegt sogar unter der 5,45 × 39 mm; ihr Modellradius von rund 530 mm ist gut das Doppelte des Kalaschnikow-Werts. Die Krümmung des StG-44-Magazins entsteht demnach nicht aus einer besonders keilförmigen Patrone, sondern daraus, dass sich ein mäßiger Keil über dreißig Patronen aufsummiert. Daraus folgt eine am Objekt prüfbare Vorhersage: Bei gleicher Patronenzahl — StG 44 und MPi KM fassen beide 30 — muss das StG-44-Magazin flacher gekrümmt sein als das Kalaschnikow-Magazin, und zwar um gut den Faktor zwei. Nachgemessen ist das für dieses Register nicht. Die Kausalkette Hülsenwerkstoff → Magazinkontur ist damit als Erklärung der Krümmung nicht haltbar; ob sie den Konus als solchen erklärt, ist eine Frage an den dortigen Eintrag und hier nicht entschieden.

Grenzen des Modells — und sie sind groß. Gerechnet ist eine einreihige Säule in einem Schacht konstanten Querschnitts. Wie weit das von einem wirklichen Magazin abliegt, zeigt die Gegenprobe am Fächerwinkel: Der Keil je Patrone beträgt bei 7,62 × 39 mm Δθ = 1,28 / 30,5 ≈ 0,042 rad, also 2,4 Grad. Eine einreihige Säule zu dreißig Patronen müsste sich demnach um rund 70 Grad auffächern. Ein Magazin der MPi KM tut das ersichtlich nicht — es ist gekrümmt, aber nicht annähernd so stark. Die Staffelung und die ihrerseits verjüngte Schachtwand nehmen einen erheblichen Teil des Keils auf; das Modell überschätzt die Krümmung also um ein Mehrfaches, nicht um Prozente.

Daraus folgt die Reichweite dieses Abschnitts: Die Rechnung ist ein Verhältnisinstrument. Sie ordnet Patronen danach, welche ein stärker gekrümmtes Magazin verlangt, und sie tut das auch dann zuverlässig, wenn der Umrechnungsfaktor zum wirklichen Magazin unbekannt ist — sofern dieser Faktor für die verglichenen Patronen derselbe ist. Ob er das ist, ist hier nicht gezeigt. Absolute Radien liefert das Modell nicht, und gemessene Krümmungsradien realer Magazine liegen diesem Register nicht vor.

Randpatronen: die Verhakung

Bei Patronen mit vorstehendem Rand kommt ein zweites Geometrieproblem hinzu, das mit Konizität nichts zu tun hat. Der Rand der oberen Patrone muss vor dem Rand der darunterliegenden liegen. Liegt er dahinter, hakt er beim Vorschieben ein, die obere Patrone kippt mit der Spitze nach unten und verklemmt — die Randverhakung (rim lock).

Im Register betrifft das die Lee-Enfield in .303 British. Ihr Magazin sichert die Randlage über Zubringerform und Magazingeometrie; ob es zusätzlich ein Unterbrecherfederblech besitzt, geben die Quellen dort widersprüchlich an, und der Modelleintrag lässt den Widerspruch stehen. Für die Objektarbeit reicht die Regel: Bei einer Randpatrone gehört zur Prüfung eines Magazins immer der Blick von der Seite auf den gefüllten Stapel.

3. Störungsbilder und ihre Ursachen

Der praktisch wertvollste Teil. Für jedes Bild: was man in der Waffe sieht, woher es kommt, und was man am Magazin misst.

Vorab die wichtigste Vorprüfung, die vor jedem Magazinverdacht steht: Läuft die Waffe vollständig durch? Eine zu schwache Schließfeder, ein verschmutztes Gassystem oder schwache Munition erzeugen Störungsbilder, die von Magazinfehlern kaum zu unterscheiden sind. Kennzeichen eines Kurzhubs ist, dass die Störung mit stärkerer Munition verschwindet und mit jedem Magazin gleich auftritt.

Zuführstörung (Ladehemmung im engeren Sinn)

Bild: Der Verschluss bleibt vor der Verriegelung stehen; die Patrone steht schräg — Spitze gegen die Rampe unterhalb der Lagermündung oder gegen das Lagerdach.

Ursachen: Lippenabstand zu weit (Patrone kommt zu früh frei, Nase fällt) oder zu eng (Verschluss kann nicht abstreifen); falscher Nasenwinkel; ermüdete oder überdrückte Feder; Zubringerkipp; verbeulter Schacht; beschädigte Zuführrampe an der Waffe; Kurzhub.

Am Magazin messen und sehen:

  • Lippenabstand an drei Punkten, beide Seiten getrennt, gegen Referenzmagazin.
  • Magazin auf eine Planfläche legen und gegen Licht auf Verzug prüfen; ein verbeultes Magazin ist meist an einer Kante zu sehen, an der die Schweiß- oder Falznaht aufgegangen ist.
  • Gefülltes Magazin in der Hand halten und die oberste Patrone mit dem Daumen nach vorn schieben: Die Abstreifkraft muss gleichmäßig und mäßig sein. Ruckt es, sitzt der Fehler in der Verengungszone oder an einer Lippenkante.
  • Zubringer heraus, auf einseitigen Laufabrieb ansehen.

Auszieherversagen

Bild: Die abgeschossene Hülse bleibt im Lager; der Verschluss läuft ohne sie zurück und schiebt die nächste Patrone gegen den Hülsenboden. Das Ergebnis sieht aus wie eine Doppelzuführung und wird ständig damit verwechselt.

Ursachen: ausgebrochene oder abgenutzte Auszieherkralle, schwache oder gebrochene Auszieherfeder, rauhes oder verschmutztes Patronenlager, überhöhter Gasdruck, Hülsenreißer.

Erkennen: Ist eines der beiden Teile in der Waffe eine gebrannte Hülse, ist es kein Magazinfehler. An ausgeworfenen Hülsen die Ausziehrille ansehen: ein blanker Kratzbogen oder ein abgescherter Randabschnitt zeigt, dass die Kralle abgerutscht ist.

Trotzdem eine Magazinverbindung — und eine nicht offensichtliche: Bei einer Konstruktion mit geführter Zuführung (controlled feed, so beim System Mauser 98 im Gewehr 98 und K98k) soll der Hülsenrand beim Aufsteigen aus dem Magazin unter die Auszieherkralle gleiten. Präsentiert das Magazin die Patrone zu hoch oder zu tief, wird die Kralle stattdessen über den Rand gezwungen — sie federt auf, verliert Vorspannung und bricht mit der Zeit aus. Dasselbe geschieht, wenn man eine solche Waffe durch Einlegen einer Patrone ins Lager und Schließen der Kammer einzeln lädt. Ein Auszieherschaden an einem Mauser-System ist deshalb ein Hinweis, das Magazin und die Ladegewohnheit mit zu prüfen.

Auswerferversagen

Bild: Die Hülse wird ausgezogen, aber nicht aus der Waffe geworfen — sie fällt in den Kasten zurück oder wird beim Vorlauf wieder eingeklemmt.

Ursachen: abgenutzter oder gebrochener Auswerfer (feste Klinge oder gefederter Stößel), verkürzter Verschlussweg, zu früher Griffverlust des Ausziehers.

Am Magazin: in der Regel nichts. Eine Ausnahme ist zu prüfen: Bei manchen Konstruktionen ist der Zubringer an der Auswurflage der letzten Hülse beteiligt — der leere Zubringer stützt oder lenkt sie. Ob das für ein bestimmtes Modell gilt, ist am Objekt festzustellen und hier für kein Modell des Registers belegt. Die diagnostische Regel dazu ist aber allgemein und belastbar:

Tritt eine Auswurfstörung nur bei der letzten Patrone auf, gehört das Magazin in den Verdacht. Tritt sie über die ganze Füllung verteilt auf, gehört es das nicht — dann sind Schließfeder, Auswerfer, Auszieherspannung oder die Munition zu prüfen.

Stovepipe (Hülsenklemmer)

Bild: Die Hülse steht senkrecht oder schräg im Auswurffenster und wird vom vorlaufenden Verschluss eingeklemmt; der Verschluss steht nicht ganz vorn. Der Name kommt vom Bild des Ofenrohrs.

Es ist ein Sonderfall des Auswerferversagens: Die Hülse wurde ausgezogen, aber zu spät oder zu schwach ausgeworfen.

Ursachen: zu weiche Abstützung der Waffe (die Rückstoßarbeit geht in die Handgelenke statt in den Verschlussweg), schwache Munition, ermüdete Schließfeder, trockene oder verschmutzte Führungen, verschlissener Auswerfer, zu geringe Auszieherspannung.

Am Magazin: siehe die Regel oben — verteilt heißt Waffe, letzte Patrone heißt Magazin.

Doppelzuführung — zwei verschiedene Störungen unter einem Namen

Das ist die folgenreichste Begriffsverwirrung des ganzen Feldes, denn die beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun.

(a) Echte Doppelzuführung(b) Auszieherversagen mit Nachschub
Was steckt in der Waffezwei scharfe Patroneneine gebrannte Hülse im Lager, dahinter eine scharfe Patrone
UrsacheDas Magazin hat zwei Patronen zugleich entlassenDie Hülse wurde nicht ausgezogen; der Verschluss hat nachgeladen
Wo der Fehler sitztausschließlich im MagazinAuszieher, Patronenlager, Munition — nicht im Magazin
PrüfungLippen: zu weit oder zu kurz; gefülltes Magazin, oberste Patrone vorschieben — steigt die zweite über die Lippen, bevor die erste frei ist?Auszieherkralle, Auszieherfeder, Lagerzustand

Ohne diese Unterscheidung führt der englische Sammelbegriff double feed dazu, dass ein Auszieherschaden mit einem neuen Magazin „behoben” wird — bis er wiederkommt.

Bolt-over-base (Überlaufen des Patronenbodens)

Bild: Der Verschluss läuft über den Boden der obersten Patrone hinweg, statt sie anzuschieben, und schließt auf leerem Lager. Die Patrone bleibt im Magazin oder wird halb herausgeschoben und verkantet quer.

Signatur, und die ist eindeutig: eine frische, blanke Kratzspur quer über den Patronenboden oder über den Hülsenkopf — der Stoßboden hat darüber gescheuert. Wer eine solche Spur an einer Patrone aus dem Magazin findet, hat die Ursache lokalisiert, bevor er das Magazin geöffnet hat.

Ursachen — in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit:

  1. Magazin nicht vollständig eingerastet. Der häufigste Fall überhaupt und in Sekunden zu prüfen: Magazin einsetzen und mit der Hand nach unten ziehen; es darf sich nicht bewegen.
  2. Verschlissener Magazinhalter oder ausgeschlagene Rastnut — das Magazin sitzt einige Zehntel zu tief, und das genügt.
  3. Ermüdete Feder oder Zubringerkipp — der Stapel kommt nicht rechtzeitig hoch. Tritt dann typischerweise bei hoher Kadenz oder im Dauerfeuer auf, nicht beim langsamen Repetieren von Hand.
  4. Aufgebogene Lippen — die Patrone sitzt tiefer, als sie soll.

Messen: Wie weit unterhalb der Verschlussbahn liegen die Lippen bei eingesetztem Magazin? Diese Höhe ist die eigentliche Schnittstelle zwischen Magazin und Waffe. Sie erklärt zugleich, warum ein Magazin in einer Waffe geht und in der nächsten nicht: Schachttiefe und Rastnutlage streuen in der Fertigung, und ein Wechselmagazin ist nur so gut wie seine Lage im konkreten Stück.

4. Prüfgang am Magazin

Ein Vorgehen, das ohne Sonderwerkzeug auskommt und für jedes Kastenmagazin gleich ist. Es setzt ein Referenzmagazin desselben Modells in bekannt gutem Zustand voraus; ohne Vergleichsstück sind die meisten Maße nicht zu bewerten.

  1. Sichtprüfung außen. Verzug, Beulen, aufgegangene Naht, Risse an den Falzkanten, Verlust der Oberflächenbehandlung. Auf eine Planfläche legen, gegen Licht ansehen.
  2. Lippen. Abstand an drei Punkten, beide Seiten getrennt. Anschließend von vorn ansehen: Sind die Lippen symmetrisch? Ein Höhenunterschied zwischen links und rechts erklärt Störungen bei jeder zweiten Patrone.
  3. Zerlegen. Bodenplatte abziehen, Feder und Zubringer entnehmen.
  4. Zubringer. Einseitiger Laufabrieb, Risse an den Schürzen, bei Kunststoffzubringern Verformung. Wieder einsetzen und den Kippweg fühlen.
  5. Feder. Freie Länge gegen die Referenzfeder. Windungen auf Schiefstellung, Scheuerstellen und Anrisse ansehen. Wenn eine Federwaage vorhanden ist: Kraft am Zubringer im vollen Zustand messen und notieren — nicht bewerten, sondern gegen die Referenz vergleichen.
  6. Schacht innen. Blank gescheuerte Bahnen zeigen, wo der Stapel drückt. Eine einseitige Bahn zeigt Verzug.
  7. Funktionsprüfung ohne Waffe. Voll füllen. Oberste Patrone mit dem Daumen vorschieben: Kraft gleichmäßig? Kommt genau eine Patrone frei? Danach das gefüllte Magazin umdrehen und leicht auf den Handballen klopfen: Springt eine Patrone über die Lippen, sind sie zu weit.
  8. Sitzprüfung in der Waffe (entladen, Lager kontrolliert). Rastet das Magazin hörbar ein? Lässt es sich nach unten bewegen? Wie viel Spiel hat es nach vorn und hinten?
  9. Funktionsprüfung mit Exerzierpatronen. Langsam von Hand durchrepetieren und jede Exerzierpatrone anschließend ansehen: Kratzer über dem Boden, Marken an der Spitze, blanke Stellen am Mantel. Diese Spuren sind das eigentliche Ergebnis des ganzen Prüfgangs.
  10. Notieren, was gemessen wurde, und woran verglichen wurde. Ein Magazinbefund ohne Angabe des Referenzstücks ist im Gutachten wertlos.

5. Für die Bestimmung

Fertigungsart des Magazinkörpers

Der Magazinkörper ist ein Blechteil und trägt dieselbe Fertigungsgeschichte wie das Gehäuse der Waffe — siehe Fertigungsverfahren. Drei Bauweisen sind am Stück zu unterscheiden:

BauweiseWoran erkennbarWas daraus folgt
Gefalzt / gebördeltdurchgehende Längsnaht, meist hinten oder auf einer Flachseite; scharfe Falzkanten; innen sichtbare Blechdicke an der Nahteinfachste Werkzeuge, kein Schweißgerät nötig; typisch für Massen- und Ausweichfertigung
GeschweißtPunkt- oder Rollnahtschweißung entlang der Naht; bei nicht nachbehandelten Stücken Anlauffarben oder eine schmale Wärmeeinflusszoneverlangt eine eingerichtete Schweißerei; die Nahtform (Einzelpunkte gegen Rollnaht) ist selbst ein Datierungshinweis
Tiefgezogenkeine Längsnaht; gleichmäßige Wandstärke; innen gerundete Ecken; feine Ziehriefen in Längsrichtungverlangt Presse und Ziehwerkzeug, also einen eingerichteten Großbetrieb — dieselbe Technik, die die Hülsenfertigung trägt

Dazu die Werkstoffachse: Stahlblech (brüniert, phosphatiert, lackiert oder verzinkt), Leichtmetall, Kunstharzpressstoff und moderner Thermoplast — beim Glock-17-Magazin ein Kunststoffkörper mit eingelegtem Stahlblechmantel (Liner), also die Kombination beider Welten in einem Bauteil. Die Reihenfolge ist nicht beliebig: Tragend ist der Kunststoffkörper, das Blech versteift ihn und hält vor allem die Lippen auf Maß. Ein Magazin ohne Liner funktioniert, weitet sich unter Füllung aber so weit, dass es nicht mehr von selbst herausfällt. Die Sammlerliteratur berichtet von einem Übergang von einer nur teilweisen zu einer umlaufenden Auskleidung; das wäre ein Datierungsmerkmal, ist für dieses Register aber nicht geprüft.

Kennzeichnungen und Bodenplattenstempel

Magazine tragen Fertigungskennzeichen, Abnahmestempel, Kapazitätsangaben, Modell- und Teilenummern. Die Systematik der deutschen Fertigungskennzeichen ab 1940/41 ist in der Stempelkunde dieses Registers geführt; für Magazine gelten dieselben Codes wie für andere Baugruppen. Konkrete magazinbezogene Codes werden hier nicht genannt, weil für diesen Eintrag keine geprüft wurden.

Zwei Regeln, die sich aus der Bauform ergeben und die man ständig braucht:

  1. Die Bodenplatte ist die einzige ebene, dicke Fläche des Bauteils — und trägt deshalb die meisten Stempel. Sie ist zugleich das Teil, das am häufigsten getauscht wird, weil es ohne Werkzeug abgeht. Daraus folgt unmittelbar: Ein Bodenplattenstempel datiert die Bodenplatte, nicht das Magazin. Das ist derselbe Schluss wie beim Bodenstempel der Patronenhülse, der die Hülse datiert und nicht die Waffe — siehe Munitionsfertigung.
  2. Ein Stempel auf dem Magazinkörper ist aussagekräftiger als einer auf der Bodenplatte, und ein Stempel, der über eine Naht oder eine Sicke läuft, ist aussagekräftiger als einer auf glatter Fläche — er lässt sich schlechter nachträglich anbringen. Wie beim Hülsenboden gilt: Prüfen, ob die Zeichen aus dem Blech kommen (im Prägewerkzeug entstanden, mit Materialfluss ringsum) oder auf ihm liegen (nachträglich geschlagen, mit aufgeworfenem Rand).

Warum das originale Magazin seltener ist als die Waffe

Bei etlichen Stücken dieses Registers ist das passende Originalmagazin schwerer zu beschaffen und teurer als ein erheblicher Teil der Waffe. Dafür gibt es fünf voneinander unabhängige Gründe, und sie summieren sich:

  1. Das Magazin ist Verbrauchsteil, die Waffe ist Bestandsteil. Eine beschädigte Waffe wird instand gesetzt und bleibt in der Nummernbuchführung; ein beschädigtes Magazin wird verschrottet und ersetzt. Über die Dienstzeit einer Waffe verschwindet der Magazinbestand mehrfach.
  2. Waffen wurden aufbewahrt, Magazine nicht. Kriegsrückkehrer, Trophäensammler und spätere Sammler haben das nummerierte, erkennbare Stück behalten; das Blechteil, das nach nichts aussieht, blieb liegen.
  3. Trennung bei Überführung, Einfuhr und Deaktivierung. Bei Beständeübernahmen, Einfuhren und Unbrauchbarmachungen werden Waffe und Magazin regelmäßig getrennt behandelt.
  4. Die Rechtslage wirkt asymmetrisch (dazu sogleich): Ein Magazin über der Kapazitätsgrenze ist ein verbotener Gegenstand, die zugehörige Waffe nicht. Was verboten ist, wird abgegeben oder vernichtet — die Waffe bleibt.
  5. Nachfertigungen sind zahlreich und oft gut. Gerade weil das Originalteil knapp ist, gibt es viel Nachbau. Für die Zuschreibung sind deshalb Fertigungsart, Nahtbild und Stempelsitz wichtiger als der optische Eindruck.

Konkret im Bestand: Die Schneckentrommel TM 08 der frühen MP 18,I ist zusammen mit ihrem Zubehör heute das Bauteil, an dem die Vollständigkeit eines solchen Stücks hängt. Der Mannlicher-Ladeblock des Gewehrs 88 ist ein Verbrauchsteil aus Blech, dessen Überlieferungsrate naturgemäß gering ist. Und beim VG 1-5, von dem der Modelleintrag 28 bekannte Exemplare nennt, ist die Frage nach einem zeitgenössisch zugehörigen Magazin ein eigener Belegvorgang und nicht mit der Waffe mitbelegt.

Regel dieses Registers. Ein Magazin ist ein eigener Zuschreibungsgegenstand. Dass ein Magazin in eine Waffe passt, belegt nicht, dass es zu ihr gehört — genauso wenig, wie ein Ort einen Betrieb belegt oder ein Konstrukteur einen Hersteller. Siehe Methodik.

6. Waffenrechtliche Einordnung

Die folgende Darstellung ist eine Orientierung für die Objektarbeit. Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft.

Die Waffenliste in Anlage 2 zum Waffengesetz führt seit dem Dritten Waffenrechtsänderungsgesetz — mit dem die Bundesrepublik die Richtlinie (EU) 2017/853 umgesetzt hat — Wechselmagazine als eigenständige verbotene Gegenstände. Der Wortlaut ist knapper, als die verbreitete Wiedergabe vermuten lässt, und die Abweichung ist erheblich:

  • Nr. 1.2.4.3 — Wechselmagazine für Kurzwaffen für Zentralfeuermunition, die mehr als 20 Patronen „des kleinsten nach Herstellerangabe bestimmungsgemäß verwendbaren Kalibers” aufnehmen können.
  • Nr. 1.2.4.4 — Wechselmagazine für Langwaffen für Zentralfeuermunition, die mehr als zehn Patronen desselben Maßstabs aufnehmen können. Ein Magazin, das in beiden Gattungen verwendbar ist, gilt als Kurzwaffenmagazin, sofern der Besitzer nicht zugleich eine Erlaubnis für eine passende Langwaffe hat.
  • Nr. 1.2.4.5 — die Magazingehäuse zu solchen Magazinen. Das nackte Blechgehäuse ohne Feder und Zubringer ist also mit erfasst.

Vier Punkte, die in der Praxis regelmäßig übersehen werden:

  1. Der Text sagt nicht „halbautomatisch”. Anders als die europäische Richtlinie, die von Ladevorrichtungen für halbautomatische Zentralfeuerwaffen spricht, knüpfen 1.2.4.3 und 1.2.4.4 allein an Kurz- oder Langwaffe und an die Kapazität an. Das Merkmal „halbautomatisch” steht im deutschen Text erst in den Nummern 1.2.6 und 1.2.7 — und dort geht es um Waffen mit fest eingebautem Magazin, nicht um Wechselmagazine. Wer die Vorschrift mit dem Zusatz „halbautomatisch” zitiert, zitiert die Richtlinie und nicht das Gesetz.
  2. Das Verbot hängt am Magazin, nicht an der Waffe. Die Waffe kann vollkommen erlaubnisfähig sein, während ihr serienmäßiges Magazin ein verbotener Gegenstand ist. Der Modelleintrag zum VG 1-5 führt genau diesen Fall vor: ein Selbstlader ohne Dauerfeuer, also keine Kriegswaffe — mit einem Magazin zu 30 Patronen.
  3. Maßgeblich ist die Einsetzbarkeit, nicht die Zugehörigkeit. Es kommt darauf an, in welche Waffengattung das Magazin eingeführt werden kann. Für das Sammlungsstück heißt das: Ein Magazin ist auch dann zu bewerten, wenn die zugehörige Waffe gar nicht vorhanden ist.
  4. Die Übergangsregelung für Altbesitz ist abgelaufen (§ 58 Abs. 17 WaffG). Sie betraf Magazine und Magazingehäuse, die vor dem 13. Juni 2017 erworben worden waren, und verlangte die Anzeige bei der zuständigen Behörde oder die Überlassung an einen Berechtigten spätestens am 1. September 2021. Für Erwerbe zwischen dem 13. Juni 2017 und dem
    1. September 2020 gilt eine gesonderte Regelung mit Antrag nach § 40 Abs. 4 WaffG. Wer ein solches Stück heute vorfindet, hat es also nicht mit einer offenen Frist zu tun, sondern mit der Frage, ob seinerzeit angezeigt wurde.

Nicht erfasst sind nach dem Wortlaut Magazine für Randfeuermunition — was den gesamten Kleinkaliber-Sportbereich dieses Registers betrifft, also die Suhler und Anschütz-Sportgeräte in .22 lfB. Zur Begriffsabgrenzung siehe Patronenklassen.

Offene Rechtsfrage, hier nicht entschieden. Ob Ladestreifen und Ladeblöcke unter den Begriff des Wechselmagazins fallen, ist für diesen Eintrag nicht geprüft worden. Der Ladestreifen ist kein Behälter und verbleibt nicht in der Waffe; der Mannlicher-Ladeblock dagegen wird mitgeladen und ist funktional Teil des Magazins. Das Register benennt die Frage und beantwortet sie nicht.

7. Einordnung ins Register

Vier Punkte, die dieser Eintrag für die übrigen Bestände festhält:

  1. Die Magazinform folgt der Patrone. Konizität und Rand bestimmen Krümmung, Schachtbreite und Randführung, bevor ein Konstrukteur etwas entscheidet. Das ist derselbe Satz, den dieses Register bei Verschlusssystemen und Patronenklassen vertritt — die Patrone bestimmt die Bauart. Am Magazin ist er am unmittelbarsten sichtbar, weil man ihn nachmessen kann.
  2. Die Magazinbauart ist ein Datierungs- und Unterscheidungsmerkmal. Trommel gegen Stangenmagazin bei der MP 18,I, glattes gegen gesicktes Gehäuse bei der MP 40 ab März 1942, seitlicher gegen gerader Magazinschacht beim Suhler Unterlader 626 und 626-1, gekrümmtes 7,62er gegen flacheres 5,45er Magazin bei MPi KM und MPi AK-74N — in allen vier Fällen trennt das Magazin Varianten, die sich sonst schwer trennen lassen.
  3. Störungsbilder sind Objektbefunde. Anlaufmarken, Kratzspuren über dem Patronenboden und einseitiger Zubringerabrieb sind dauerhafte, lesbare Spuren am Stück. Sie gehören zur Zustandsbeurteilung und sind, anders als eine Schussprobe, an der unbeschossenen Waffe zu erheben.
  4. Das Magazin ist zuschreibungsrechtlich ein eigenes Objekt. Es hat in der Regel keine Seriennummer, es passt in mehrere Stücke, und es wird nachgebaut. Wer es als selbstverständlichen Bestandteil einer Waffe behandelt, trifft eine unbelegte Zuschreibung.

Offene Forschungsfragen. Erstens fehlt diesem Eintrag jeder Objektbefund: Es wurde kein Magazin vermessen, es liegen keine Lippenmaße, keine Federkräfte und keine gemessenen Krümmungsradien vor. Solange das so ist, sind alle Zahlen dieses Textes Rechnung und Normmaß, nicht Messung. Der lohnendste Einzelversuch wäre die Gegenprobe zur Konizitätsrechnung: zwei Magazine gleicher Kapazität — StG 44 und MPi KM — auf Papier abgezeichnet und die Krümmungsradien verglichen. Das Modell sagt für das StG-44-Magazin den gut doppelten Radius voraus; trifft das nicht zu, ist das Modell falsch. Zweitens ist die Leitthese — Zuführungsstörungen überwiegen — nicht statistisch belegt; ob eine auswertbare Erhebung existiert, ist nicht geprüft. Drittens weicht dieser Eintrag beim Hülsenkonus der 7,92 × 33 mm Kurz von der Munitionsfertigung dieses Registers ab: Die dortige Kennzeichnung „stark konisch” ist mit den C.I.P.-Maßen nicht vereinbar. Der Widerspruch ist hier benannt, aber nicht aufgelöst — er gehört in das Korrekturregister, sobald geklärt ist, worauf sich die dortige Quelle stützt. Viertens fehlen belegte magazinbezogene Fertigungskennzeichen: Für kein Modell dieses Registers ist hier ein am Magazin geprüfter Code dokumentiert — ein Feld, das sich an vorhandenen Stücken in kurzer Zeit füllen ließe und die Stempelkunde unmittelbar erweitern würde. Fünftens ist die Unterbrecherfrage des Lee-Magazins in der Literatur strittig und im Modelleintrag bewusst offen gelassen; sie ist an einem zerlegten Magazin in Minuten zu entscheiden.

Beispiele im Register

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (de) — Magazin (Waffentechnik) Link
  2. [Online] Wikipedia (de) — Ladehemmung Link
  3. [Online] Wikipedia (de) — Ladestreifen Link
  4. [Online] Wikipedia (de) — Trommelmagazin Link
  5. [Online] Wikipedia (de) — 7,62 × 39 mm Link
  6. [Online] Wikipedia (de) — 5,45 × 39 mm Link
  7. [Literatur] C.I.P. — Tables of Dimensions of Cartridges and Chambers — Übersicht Link
  8. [Literatur] C.I.P. — TAB. I — 7,62 × 39 (Datenblatt; P1, P2, L1 der Krümmungstabelle) Link
  9. [Literatur] C.I.P. — TAB. I — 5,45 × 39 (Datenblatt; P1, P2, L1 der Krümmungstabelle) Link
  10. [Literatur] C.I.P. — TAB. I — 7,92 × 33 kurz (Datenblatt; belegt die Konizität von 2,2 % und damit den Widerspruch zur Angabe „stark konisch") Link
  11. [Literatur] C.I.P. — TAB. IV — 9 mm Luger (Datenblatt; P1 = 9,93 mm, H2 = 9,65 mm, L3 = 19,15 mm) Link
  12. [Literatur] C.I.P. — TAB. IV — 45 Auto Rim (Datenblatt; als Kontrollwert für den Hülsenkörper der .45 Auto herangezogen, die die C.I.P. nicht eigenständig führt) Link
  13. [Online] Wikipedia (en) — MP 18 — Adapterhülse („special sleeve") für die Trommel TM 08 und Umstellung auf das Stangenmagazin nach 1920 Link
  14. [Online] littlegun.info — Magazines for the MP38 and MP40 — Verfügung LVIB vom 23. März 1942 (gesickte Gehäuse, Typ B; Nachrüstung der glatten Bestände als Typ A; Zweck ausdrücklich Sand- und Schmutzempfindlichkeit) Link
  15. [Literatur] Gesetze im Internet — Anlage 2 zum Waffengesetz — Waffenliste, verbotene Waffen und Gegenstände Link
  16. [Literatur] Gesetze im Internet — § 58 WaffG — Übergangsvorschriften Link
  17. [Literatur] EUR-Lex — Richtlinie (EU) 2017/853 zur Änderung der Feuerwaffenrichtlinie Link