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Stempelkunde

Fertigungskennzeichen (Buchstabencodes ab 1940)

1940–1945 plausibel

Verschlüsselte Herstellerkennungen der Wehrmacht: ab 1. Juli 1940 angeordnet, ab 1. Januar 1941 verbindlich, in der Endform drei Kleinbuchstaben. Über 9.300 Kennzeichen sind bekannt — sie sind der Schlüssel zur Fertigerbestimmung, und zugleich die häufigste Quelle falscher Ortszuschreibungen.

Ab Mitte der 1920er Jahre verlangte das Heereswaffenamt verschlüsselte Herstellerkennzeichnungen. Die Systeme wechselten mehrfach:

FormBeispielhafte Ausprägung
frühZahlen von 1 bis 99
erweitertdreistellige Ziffernfolgen, Zahl-Buchstaben-Kombinationen
Übergangzweistellige Buchstabenkombinationen
Endformdrei Kleinbuchstaben

Die Endform wurde durch Anordnung des Oberkommandos des Heeres zum 1. Juli 1940 eingeführt und ab 1. Januar 1941 verbindlich. Bekannt sind über 9.300 verschiedene Kennzeichen.

Bislang belegte Zuordnungen mit Regionsbezug

CodeFertigerWerkbelegt an
acCarl WaltherZella-MehlisPistole 38
337Gustloff-WerkeWeimarKarabiner 98k
bcdGustloff-WerkeWeimarKarabiner 98k

Das ist absichtlich eine sehr kurze Tabelle — und sie wächst nur um Einträge, die an einem konkreten Modell und mit benannter Quelle gedeckt sind. Die Spalte Werk ist dabei die wichtigste: Sie ist der Punkt, an dem dieses Register schon einmal gescheitert ist.

Bemerkenswert am Weimarer Fall: Ein Fertiger, zwei Codes. Die Gustloff-Werke führten für dasselbe Werk sowohl eine Ziffern- als auch eine Buchstabenkennung — ein Beleg dafür, dass die Umstellung von 1940/41 nicht überall zu einem sauberen Schnitt führte.

Warum hier keine große Codetabelle steht

Codetabellen kursieren in Sammlerforen zu Tausenden — und sie sind die häufigste Quelle falscher Ortszuschreibungen. Dieses Register hat den Fehler selbst gemacht: Der Code cyq wurde einem brandenburgischen Werk zugeordnet, obwohl die Fertigung im Werk Grottau im Sudetenland lief. Der Eintrag musste zurückgezogen werden; siehe Korrekturen.

Daraus folgt die Regel für diesen Bereich: Ein Code benennt eine Firma, nicht zwingend einen Ort. Firmen hatten mehrere Werke, mehrere Codes, und Codes wechselten. Wer von einem Buchstabentripel auf einen Fertigungsort schließt, ohne die Werksstruktur der Firma zu kennen, zieht einen Fehlschluss.

Aufgenommen werden hier deshalb nur Zuordnungen, die durch eine konkrete, benannte Quelle gedeckt sind — und jede mit dem zugehörigen Werk, nicht nur mit dem Firmennamen.

Abgrenzung: Fertigungskennzeichen ist nicht Abnahmestempel

Am selben Stück treten regelmäßig drei verschiedene Zeichenarten auf, die häufig verwechselt werden:

  • Fertigungskennzeichen — wer hat gefertigt (verschlüsselt, ab 1940 dreibuchstabig)
  • Abnahmestempel — wer hat für den Auftraggeber abgenommen (Adler mit Prüfnummer, etwa das bei Spreewerk-Fertigung dokumentierte e/88)
  • Beschusszeichen — die gesetzlich vorgeschriebene Haltbarkeitsprüfung

Nur das dritte ist staatlich normiert und über die Systemwechsel hinweg vergleichbar. Es ist deshalb der belastbarste Befund für Datierung und Rechtsraum.

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (de) — Deutsche Fertigungskennzeichen Link
  2. [Online] Wikipedia (de) — Walther P38 — Fertiger und Codes Link