Glossar
Die Modelleinträge dieses Registers beschreiben Technik genau, und Genauigkeit verlangt Fachbegriffe. Wer sie nicht kennt, soll trotzdem verstehen, wie eine Waffe funktioniert — dafür steht diese Seite.
Jeder Modelleintrag beginnt außerdem mit einem Abschnitt „So funktioniert sie", der ganz ohne Fachsprache auskommt. Die ausführliche technische Beschreibung steht darunter.
Die Grundbegriffe
Fünf Begriffe genügen, um die meisten Beschreibungen auf dieser Seite zu verstehen. Wer sie kennt, kommt durch jeden Modelleintrag.
- Patrone
- Die vollständige Munition: Hülse, Treibladung, Zündhütchen und Geschoss.
- Nur das Geschoss fliegt; die Hülse bleibt in der Waffe und wird ausgeworfen. „Kugel" ist umgangssprachlich für das Geschoss — im Fachgebrauch bezeichnet es nur die runden Geschosse alter Vorderlader.
- Patronenklassen
- Patronenlager
- Der hintere, etwas weitere Teil des Laufs, in dem die Patrone beim Schuss sitzt.
- Es ist genau auf die Patrone zugeschnitten. Deshalb passt in eine Waffe nur eine bestimmte Patronensorte — und deshalb steht die Kaliberangabe auf dem Lauf.
- Verschluss
- Das Bauteil, das den Lauf nach hinten zuhält, damit der Druck nicht nach hinten entweicht.
- Beim Schuss entstehen im Patronenlager mehrere tausend bar. Der Verschluss muss das aufnehmen. Wie er das tut, ist der wichtigste Unterschied zwischen den Waffen dieses Registers.
- Verschlusssysteme
- Verriegelung
- Eine formschlüssige Sperre, die den Verschluss festhält — Metall greift in Metall.
- Nicht jede Waffe hat eine. Manche halten den Verschluss allein durch sein Gewicht zu (Masseverschluss). Verriegelt oder unverriegelt ist die erste Frage, die man an eine Selbstladewaffe stellt.
- Ladeprinzip
- Woher die Energie kommt, die die leere Hülse auswirft und die nächste Patrone zuführt.
- Bei der Handwaffe der Schütze selbst (Repetierer). Bei Selbstladern entweder der Rückstoß oder abgezweigtes Pulvergas. Verriegelung und Ladeprinzip sind zwei verschiedene Fragen und werden auf dieser Seite immer getrennt genannt.
- Ladeprinzipien
Wie eine Waffe geladen und entladen wird
Diese Bauteile tauchen in fast jedem Funktionsablauf auf. Sie erledigen den Kreislauf, der nach jedem Schuss abläuft.
- Magazin
- Der Behälter, aus dem die Patronen nachrücken, getrieben von einer Feder.
- Es kann fest eingebaut oder wechselbar sein. Erstaunlich viele Störungen einer Selbstladewaffe kommen vom Magazin, nicht vom Verschluss.
- Magazine und Zuführung
- Stoßboden
- Die vordere Fläche des Verschlusses, die gegen den Patronenboden drückt.
- Sie schiebt die Patrone beim Vorlauf ins Lager und nimmt beim Schuss den Druck auf.
- Auszieher
- Eine Kralle am Verschluss, die den Rand der Hülse fasst und sie aus dem Lager zieht.
- Auswerfer
- Ein fester Vorsprung, gegen den die zurücklaufende Hülse stößt, sodass sie seitlich herausgeschleudert wird.
- Auszieher und Auswerfer arbeiten zusammen: Der eine zieht, der andere kippt. Fällt einer aus, bleibt die Hülse in der Waffe — eine der häufigsten Störungen.
- Schlagbolzen
- Der Stift, der auf das Zündhütchen schlägt und den Schuss auslöst.
- Hahn
- Ein außen oder verdeckt liegender Hebel, der beim Auslösen nach vorn schnellt und den Schlagbolzen trifft.
- Manche Waffen haben statt eines Hahns ein federgespanntes Schlagstück, das direkt vorschnellt. Am Hahn erkennt man auf einen Blick, ob eine ältere Pistole gespannt ist.
- Schließfeder
- Die Feder, die den zurückgelaufenen Verschluss wieder nach vorn treibt.
Die Verschlussarten
Hier liegen die Unterschiede, an denen sich die Konstruktionen dieses Registers auseinanderhalten lassen. Zu den meisten gibt es auf den Modellseiten eine bewegte Schemaskizze.
- Masseverschluss
- Keine Verriegelung — der Verschluss wird allein durch sein Gewicht und die Schließfeder zugehalten.
- Er beginnt sofort zurückzuweichen, ist aber so schwer, dass er in der kurzen Zeit bis zum Druckabfall kaum Weg zurücklegt. Einfach und billig, aber nur für schwächere Patronen brauchbar. Deshalb ist die Makarow auf eine schwächere Patrone begrenzt als die Pistole 38.
- Verriegelter Rückstoßlader
- Lauf und Verschluss laufen ein Stück gemeinsam zurück, erst dann gibt eine Sperre den Verschluss frei.
- So lassen sich starke Patronen beherrschen. Wie die Sperre gelöst wird, unterscheidet die Bauarten: Kniegelenk, Schwenkriegel, Kippverschluss.
- Gasdrucklader
- Ein Teil der Pulvergase wird aus dem Lauf abgezweigt und treibt einen Kolben, der den Verschluss öffnet.
- Der Lauf bleibt stehen. Das ist das übliche Prinzip bei Gewehren und Sturmgewehren, weil es auch bei sehr starken Patronen funktioniert.
- Rollenverriegelung
- Zwei Rollen werden von einem Keil nach außen gedrückt und sperren den Verschluss formschlüssig.
- Der Lauf läuft mit zurück. So arbeitet das MG 42.
- Rollenverzögerung
- Dieselben Rollen, aber sie sperren nicht — sie bremsen nur.
- Der Lauf steht fest; die Rollen laufen auf schrägen Flächen und geben den größten Teil der Kraft an ein schweres Bauteil weiter, das sich dadurch schneller bewegen muss. Der Verschluss ist also nie verriegelt, nur verzögert. Der Unterschied zur Rollenverriegelung wird häufig verwechselt und ist auf den Modellseiten von G3 und MP5 gezeichnet.
- Zylinderverschluss
- Der von Hand betätigte Verschluss einer Repetierbüchse: hochdrehen, zurückziehen, vorschieben, niederdrücken.
- Beim System Mauser 98 greifen zwei Warzen vorn am Verschlusskopf in das Gehäuse — die verbreitetste Konstruktion des 20. Jahrhunderts.
- Zuschießend
- Der Verschluss steht vor dem Schuss offen und läuft beim Auslösen erst nach vorn.
- Gezündet wird noch im Vorlauf. Die vorwärts bewegte Masse wirkt dem Rückstoß entgegen, und das offene Patronenlager kühlt zwischen den Feuerstößen aus. Der Preis ist die Präzision im Einzelschuss, weil die vorlaufende Masse den Halt verzieht. So arbeitet die MP 18.
Begriffe, die oft falsch verwendet werden
Auf einer Fachseite sind die richtigen Begriffe keine Stilfrage. Diese vier werden am häufigsten verwechselt — auch in gedruckter Literatur.
- Kleinkaliber
- Bezeichnet ausschließlich die Randfeuerpatrone .22 lfB und ihre Verwandten.
- Militärische Patronen wie 5,45 × 39 mm sind trotz ihres kleinen Durchmessers KEIN Kleinkaliber, sondern innere Mittelpatronen — sie haben ein Vielfaches der Energie. Dieses Register hat den Begriff selbst einmal falsch verwendet und die Korrektur öffentlich vermerkt.
- Patronenklassen
- Maschinenpistole und Sturmgewehr
- Der Unterschied liegt in der Patrone, nicht in der Größe oder der Bauform.
- Eine Maschinenpistole verschießt eine Pistolenpatrone, ein Sturmgewehr eine Mittelpatrone. Die DDR nannte ihre Kalaschnikow „MPi" — das ist eine Truppenbezeichnung, waffentechnisch ist es ein Sturmgewehr.
- Kriegswaffe
- Ein Rechtsbegriff, kein technischer: geregelt im Kriegswaffenkontrollgesetz.
- Vollautomatische Waffen fallen darunter. Eine Pistole 38 ist trotz militärischer Herkunft keine Kriegswaffe, eine MP 40 sehr wohl. Dieses Register kennzeichnet das bei jedem Modell.
- Kaliber
- Die Bezeichnung einer Patrone — nicht einfach ein Durchmesser.
- Angaben wie 9 × 19 mm nennen Geschossdurchmesser und Hülsenlänge. Zwei Patronen mit gleichem Durchmesser können völlig unterschiedlich sein: 9 × 18 mm und 9 × 19 mm passen nicht ineinander.