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Technik · Ladeprinzipien

Ladeprinzipien

Woher die Energie kommt, die den Verschluss bewegt

plausibel

Eine häufige Verwechslung im Fachgespräch: „Masseverschluss” und „Rückstoßlader” sind keine Gegensätze, und „Gasdrucklader” ist keine Verriegelungsart. Es sind zwei unabhängige Merkmalsachsen:

  • Verriegelung — was hält den Verschluss zu? Siehe Verschlusssysteme
  • Ladeprinzip — was liefert die Energie zum Öffnen, Auswerfen und Zuführen?

Jede Kombination ist möglich. Eine vollständige Beschreibung nennt immer beides.

Rückstoßlader

Die Energie stammt aus dem Rückstoß selbst. Drei Ausprägungen:

Unverriegelter Rückstoßlader (Masseverschluss)

Der Lauf steht fest. Nur der Verschluss läuft zurück, gehalten allein durch seine Trägheit — der einfachste Selbstlademechanismus überhaupt, wenige Teile, keine Steuerkurven, keine bewegte Laufführung.

Im Register: Walther PP/PPK, Sauer 38H, Dreyse M1907, Makarow

Kurzer Laufrücklauf

Lauf und Verschluss laufen verriegelt ein kurzes Stück gemeinsam zurück — typischerweise wenige Millimeter, gerade so weit, dass das Geschoss den Lauf verlässt und der Druck abfällt. Dann wird entriegelt, der Lauf abgefangen, der Verschluss läuft allein weiter.

Im Register: Pistole 08, Pistole 38

Langer Laufrücklauf

Lauf und Verschluss laufen verriegelt über die volle Verschlussöffnungsstrecke zurück. Selten, weil bauaufwendig und schwingungsanfällig — im Register nicht vertreten.

Gasdrucklader

Ein Teil der Pulvergase wird durch eine Bohrung aus dem Lauf abgezweigt und treibt den Verschlussträger an. Der Lauf bleibt fest — ein entscheidender Präzisionsvorteil gegenüber allen Rückstoßladern mit bewegtem Lauf.

Langhubkolben

Der Gaskolben ist fest mit dem Verschlussträger verbunden und läuft die ganze Strecke mit.

  • Vorteil: außerordentlich zuverlässig, unempfindlich gegen Verschmutzung und schwankenden Gasdruck; toleriert weite Fertigungstoleranzen
  • Nachteil: große bewegte Masse, dadurch stärkerer Schwerpunktwechsel beim Schuss und geringere Präzision im Einzelfeuer
  • Im Register: MPi K / MPi KM und MKb 42(H) / StG 44

Kurzhubkolben

Der Kolben gibt nur einen kurzen Impuls ab; den Rest des Weges legt der Verschlussträger durch seine eigene Trägheit zurück.

  • Vorteil: geringere bewegte Masse, ruhigerer Lauf, bessere Präzision
  • Nachteil: empfindlicher gegenüber Gasdruckschwankungen, engere Toleranzen nötig
  • Im Register: Gewehr 43 — übernommen vom sowjetischen SVT-40

Direkte Gasabnahme

Die Gase wirken ohne Kolben unmittelbar auf den Verschlussträger. Leichter und präziser, aber die Verbrennungsrückstände landen im Verschluss. Im Register nicht vertreten; als Vergleichsmaßstab relevant, weil das Prinzip die spätere westliche Sturmgewehrentwicklung prägte.

Handrepetierer

Die Energie liefert der Schütze. Kein Selbstlademechanismus, dafür keine Gasentnahme, keine bewegte Masse — und deshalb historisch die präziseste Bauart.

Im Register: Karabiner 98k, Reichsrevolver (als Handspanner)

Die Systematik am regionalen Beispiel

An zwei Suhler Waffen lässt sich der ganze Unterschied zeigen:

MKb 42(H) / StG 44MPi KM
LadeprinzipGasdrucklader, LanghubGasdrucklader, Langhub
VerriegelungKippblockDrehkopf

Gleiches Ladeprinzip, verschiedene Verriegelung. Beide Waffen kommen aus derselben Stadt, zwei Jahrzehnte auseinander. Das ist der beste Beleg dafür, dass die beiden Achsen unabhängig sind. Und es ist zugleich das sachliche Argument gegen die Behauptung, die eine Waffe sei aus der anderen abgeleitet worden; siehe Die Schmeissers.

Beispiele im Register

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (de) — Gasdrucklader Link
  2. [Online] Feuerlinie — Gasdrucklader — Geschichte, Modelle & Funktionsweise Link