Modell
Gewehr 43 / Karabiner 43
- Fertigung
- Walther , Gustloff-Werke Weimar
- Kaliber
- 7,92 × 57 mm
- Zeitraum
- 1943–1945
- Belegstatus
- plausibel
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Dieses Gewehr lädt sich selbst nach. Der Schütze muss nach dem Schuss nur den Abzug loslassen und erneut ziehen; die Arbeit übernehmen die Pulvergase. Sobald das Geschoss im Lauf an einer kleinen seitlichen Bohrung vorbeigeflogen ist, tritt ein Teil der heißen Gase dort aus, gelangt in einen Zylinder über dem Lauf und stößt einen kurzen Kolben an. Der Kolben läuft nur ein kleines Stück, gibt seinen Stoß an die dahinterliegende Baugruppe weiter und bleibt dann stehen — den Rest des Weges legt sie aus dem Schwung zurück. Das ist der Unterschied zu Bauarten, bei denen der Kolben die ganze Strecke mitfährt: Es bewegt sich weniger Masse, die Waffe liegt ruhiger in der Hand. Verschlossen wird der Lauf im Augenblick des Schusses durch zwei Klappen, die seitlich nach außen gestellt sind und sich im Gehäuse abstützen. Erst wenn die zurücklaufende Baugruppe sie freigibt, kippen sie nach innen und geben den Weg nach hinten frei. Die leere Patronenhülse fliegt heraus, eine Feder schiebt alles wieder nach vorn, dabei kommt die nächste Patrone aus dem abnehmbaren Magazin mit zehn Patronen in den Lauf. Bemerkenswert an dieser Waffe ist weniger die Mechanik als ihre Herkunft: Das Gassystem ist von einem sowjetischen Gewehr übernommen, weil sich die eigene, aufwendigere Vorgängerlösung als zu schmutzempfindlich erwiesen hatte.
Das Gewehr 43 ist nach der Pistole 38 die zweite große Konstruktion, die aus Zella-Mehlis in den Wehrmachtsdienst ging. Von den beiden Fällen ist es der interessantere. An ihm zeigt sich, wie Konstruktionswissen im Krieg tatsächlich wanderte.
Entwicklung
Der Vorgänger G 41(W) war ein Fehlschlag: zu teuer für die Massenfertigung, mit einem komplexen Gassystem, das zur Verschmutzung neigte, und einem fest eingebauten Magazin, das das Nachladen erschwerte.
Die Lösung fand Walther nicht im eigenen Haus, sondern beim Gegner. Das kurzhubige Gaskolbensystem des sowjetischen SVT-40 war einfacher, unempfindlicher und billiger zu fertigen. Es wurde übernommen und mit der bereits vorhandenen Flappenverriegelung des G 41(W) kombiniert; dazu kamen ein abnehmbares Zehn-Schuss-Magazin und der Ersatz vieler spanend gefertigter Teile durch Blechpressteile.
Das Ergebnis gilt als eine der besseren Selbstladekonstruktionen ihrer Zeit. Bemerkenswert ist vor allem der Weg dorthin, eine Verbesserung durch Kopie, dokumentiert an einer Waffe aus Thüringer Fertigung.
Fertigung
Zwischen Oktober 1943 und Kriegsende entstanden über 400.000 Stück bei Walther, der Berlin-Lübecker Maschinenfabrik und den Gustloff-Werken. Zwei der drei Fertiger sind damit in diesem Register erfasst, beides Betriebe der Region.
Ab 1944 lief dieselbe Waffe unter der Bezeichnung Karabiner 43; die Modelle unterscheiden sich ausschließlich durch den aufgeschlagenen Buchstaben.
Die Zielfernrohrschiene
Ein Merkmal hebt das G 43 von allen zeitgenössischen Selbstladern ab. Die Zielfernrohrschiene war Serienausstattung und kein Sonderzubehör. Jede Waffe konnte ohne Umbau als Scharfschützengewehr geführt werden. Deshalb war das G 43 in dieser Rolle verbreiteter als in der Rolle, für die es entwickelt wurde.
Waffenrechtliches
Das G 43 ist ein Selbstlader ohne Dauerfeuer und keine Kriegswaffe; es ist auf eine Waffenbesitzkarte eintragbar. Siehe Methodik.
Konstruktion
- Verschluss
- Verriegelung über seitlich ausschwenkende Verriegelungsklappen (Flappenverriegelung), übernommen vom Vorgänger G 41(W)
- Ladeprinzip
- Gasdrucklader mit kurzhubigem Gaskolben und seitlicher Gasentnahme — konstruktiv am sowjetischen SVT-40 orientiert
- Zuführung
- Abnehmbares Stangenmagazin, 10 Patronen; Nachladen auch über Ladestreifen
- Abzug
- Einzelfeuer
- Visierung
- Offenes Visier; serienmäßig Zielfernrohrschiene am Gehäuse — jede Waffe war als Scharfschützengewehr verwendbar
Maße und Leistung
- Magazin
- 10 Patronen
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Verriegelt und schussbereit
Zwei seitlich ausschwenkende Verriegelungsklappen (Flappen) liegen in Rastflächen des Gehäuses. Sie werden vom Verschlussträger nach außen gedrückt gehalten — solange dieser vorn steht, kann der Verschluss sich nicht öffnen.
- 2
Schuss und Gasentnahme
Nach dem Passieren einer seitlichen Entnahmebohrung strömen Pulvergase in einen Zylinder oberhalb des Laufs und treiben einen **kurzhubigen** Kolben an. Er gibt nur einen kurzen Impuls ab und bleibt dann stehen — die geringe bewegte Masse ist der Unterschied zum Langhubsystem und der Grund für den ruhigeren Lauf.
- 3
Entriegelung
Der vom Kolbenimpuls beschleunigte Verschlussträger läuft zurück und gibt die Flappen frei; sie schwenken nach innen aus den Rastflächen. Erst danach nimmt der Träger den Verschluss mit.
- 4
Rücklauf, Auswurf, Spannen
Auszieher und Auswerfer entfernen die Hülse; der Hahn wird gespannt, die Schließfeder komprimiert.
- 5
Vorlauf und Zuführung
Die Schließfeder treibt vor. Der Stoßboden führt die nächste Patrone aus dem **abnehmbaren** Zehn-Schuss-Magazin zu — der wichtigste Bedienungsunterschied zum G 41(W) mit fest eingebautem Magazin. Nachladen ist zusätzlich über Ladestreifen von oben möglich.
- 6
Erneute Verriegelung
In der vorderen Endlage drückt der Verschlussträger die Flappen wieder nach außen in die Rastflächen.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verriegelt: Die Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter den Rastflächen des Gehäuses. Der Lauf steht fest — er läuft nicht mit zurück.
- 2 Gasentnahme: Hinter dem Geschoss strömt ein Teil der Pulvergase durch die Laufbohrung in den Gaszylinder und treibt den Kolben zurück. Der Kolben ist fest mit dem Verschlussträger verbunden (Langhub).
- 3 Entriegelung: Eine Steuerkurve im Träger dreht den Verschlusskopf aus den Rastflächen; erst danach nimmt der Träger ihn nach hinten mit.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
SWT-40 (Tokarew)
Tulaer Waffenfabrik und weitere · Sowjetunion · 1940- System
- Gasdrucklader mit kurzhubigem Kolben, Kippblockverriegelung, abnehmbares Magazin für 10 Patronen, 7,62 × 54 mm R
- Unterschied
- Die Quelle des Gassystems. Walther übernahm den kurzhubigen Gaskolben des SWT-40 nahezu unverändert und kombinierte ihn mit der bereits vorhandenen Flappenverriegelung des G 41(W).
- Befund
- Ein selten so offen dokumentierter Fall von Konstruktionsübernahme im Krieg — und ein Beleg dafür, dass technische Entwicklung entlang der Front in beide Richtungen lief.
M1 Garand
Springfield Armory und weitere · USA · 1936- System
- Gasdrucklader mit Langhubkolben und Drehkopfverschluss, festes Magazin für 8 Patronen mit Ladeblock
- Unterschied
- Das amerikanische Gegenstück, sieben Jahre früher eingeführt und flächendeckend beschafft. Konstruktiv arbeitet es mit Langhub und Drehkopf, also mit größerer bewegter Masse und einem festen Magazin.
- Befund
- Das G 43 ist konstruktiv das modernere Gewehr — abnehmbares Magazin, Kurzhub, serienmäßige Zieloptik. Es kam nur zu spät und in zu geringer Zahl, um Wirkung zu entfalten.
Karabiner 98k
Gustloff-Werke und zahlreiche weitere · Deutschland · 1935- System
- Zylinderverschluss System Mauser 98, Handrepetierer, 5 Patronen
- Unterschied
- Dieselbe Patrone, dieselbe Truppe, dieselbe Zeit — aber Handrepetierer gegen Selbstlader und fünf gegen zehn Patronen aus abnehmbarem Magazin.
- Befund
- Beide wurden bis Kriegsende parallel gefertigt, teils in denselben Werken. Für die Objektbestimmung lohnt der Blick auf die Fertigungskennzeichen: Sie sind bei beiden Modellen dieselben.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Der Vorgänger G 41(W) als Negativbeispiel
Das G 41(W) scheiterte an drei Punkten: zu teuer für die Massenfertigung, ein komplexes Gassystem, das zur Verschmutzung neigte, und ein fest eingebautes Magazin, das das Nachladen erschwerte. Das G 43 behebt genau diese drei Mängel — die Fehlerliste des Vorgängers ist die Konstruktionsvorgabe des Nachfolgers.
plausibel
-
Zu spät und in zu geringer Zahl
Die Serienfertigung begann erst im Oktober 1943; bis Kriegsende entstanden gut 400.000 Stück bei allen Fertigern zusammen. Als Standardgewehr der Infanterie kam die Waffe damit nie zum Zuge — der Kar 98k blieb bis zuletzt die Massenwaffe.
plausibel
-
Blechteile der Spätfertigung
Viele zuvor spanend gefertigte Teile wurden durch Blechpressteile ersetzt, um Kosten und Fertigungszeit zu senken. Für die Zustandsbeurteilung heißt das: Blechbaugruppen sind bei diesem Modell original und kein Indiz für Reparatur.
plausibel
Verwendung
- Wehrmacht ab Oktober 1943, überwiegend an ausgewählte Schützen einer Gruppe ausgegeben statt flächendeckend
- Wegen der serienmäßigen Zielfernrohrschiene verbreitet als Scharfschützengewehr eingesetzt
- Ab 1944 unter der Bezeichnung Karabiner 43 (K 43) — technisch identisch