Vergleichsstück · USA
M1 Garand
- Fertigung
- Springfield Armory, Winchester und weitere
- Kaliber
- .30-06 Springfield
- Zeitraum
- 1936–1957
- Belegstatus
- plausibel
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Die M1 Garand lädt sich selbst nach und nutzt dafür die Gase, die beim Schuss ohnehin entstehen. Kurz vor der Mündung sitzt eine kleine Bohrung im Lauf. Sobald die Kugel daran vorbei ist, strömt ein Teil der heißen Pulvergase nach unten in einen Zylinder und schiebt dort einen Kolben nach hinten. Der Kolben hängt an einer Stange, die Stange am Verschluss — dem Metallstück, das den Lauf hinten zuhält. Der Verschluss ist mit zwei Nasen im Gehäuse eingehakt; die zurücklaufende Stange dreht ihn über eine schräge Führung zuerst aus diesem Halt heraus und nimmt ihn dann mit nach hinten. Dabei fliegt die leere Hülse heraus, der Schlagmechanismus wird für den nächsten Schuss gespannt, dann drückt eine Feder alles wieder nach vorn und die nächste Patrone rutscht in den Lauf. Der Schütze muss nur noch abdrücken. Die Besonderheit steckt im Magazin: Die acht Patronen sitzen in einem Blechrahmen, der als Ganzes von oben eingesetzt wird. Nach dem letzten Schuss springt der leere Rahmen mit einem hellen Klang von selbst nach oben heraus. Zwischendurch nachfüllen ist nicht vorgesehen — wer nach vier Schüssen auffüllen will, muss den Rahmen verwerfen oder erst leerschießen. Serienfeuer beherrscht die Waffe nicht: Ihre Patrone ist eine volle Gewehrpatrone und stößt so kräftig zurück, dass eine Schussfolge aus der Hand nicht zu halten wäre. Es bleibt beim Einzelschuss.
Vergleichsstück. Gehört nicht zur Fertigung im Untersuchungsraum; steht hier als Maßstab.
Die M1 Garand ist für dieses Register das wichtigste Vergleichsstück überhaupt. Sie macht eine Behauptung prüfbar, die an mehreren Stellen aufgestellt wird.
Einordnung
Das Register vertritt die These, die eigentliche Erfindung von 1942 in Suhl sei die Patrone gewesen und nicht die Mechanik. Die M1 Garand belegt das.
| M1 Garand (1936) | MKb 42(H) (1942) | |
|---|---|---|
| Ladeprinzip | Gasdrucklader, Langhub | Gasdrucklader, Langhub |
| Verriegelung | Drehkopf | Kippblock |
| Patrone | .30-06, volle Gewehrpatrone | 7,92 × 33 mm Kurz |
| Feuerart | nur Einzelfeuer | Einzel- und Dauerfeuer |
Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss gab es also sechs Jahre vorher, flächendeckend eingeführt. Was Suhl hinzufügte, war die verkürzte Patrone. Erst sie machte beherrschbares Dauerfeuer aus der Hand möglich. Siehe Patronenklassen.
Umgekehrt ordnet die M1 das Gewehr 43 ein. Beim Selbstlader lag Deutschland zurück. Die M1 war 1936 eingeführt, das G 43 kam erst im Oktober 1943 in Serie.
Beim Nachziehen fand Walther allerdings die besseren Lösungen: Kurzhubkolben statt Langhub, abnehmbares Zehn-Schuss-Magazin statt Ladeblock, serienmäßige Zielfernrohrschiene. Nur nutzte das nichts mehr. Bis Kriegsende entstanden gut 400.000 Stück, während die M1 in Millionen gefertigt wurde.
Konstruktion
Das bekannteste Merkmal ist zugleich die bekannteste Schwäche. Die acht Patronen sitzen in einem en-bloc-Ladeblock, der als Ganzes eingesetzt und nach dem letzten Schuss selbsttätig nach oben ausgeworfen wird — mit dem charakteristischen Klang, den jeder kennt.
Teilweise nachladen geht nicht. Wer nach vier Schüssen auffüllen will, muss den Block verwerfen oder leerschießen; sieben Jahre später beseitigte das G 43 genau diese Einschränkung mit dem abnehmbaren Magazin.
Konstruktion
- Verschluss
- Drehkopfverschluss mit zwei Verriegelungswarzen, die in Rastflächen des Gehäuses greifen
- Ladeprinzip
- Gasdrucklader mit langhubigem Gaskolben unterhalb des Laufs, fest mit der Verschlussstange verbunden
- Zuführung
- Fest eingebautes Kastenmagazin für 8 Patronen, gefüllt mit einem **Ladeblock** (en bloc clip), der als Ganzes eingesetzt wird und nach dem letzten Schuss selbsttätig nach oben ausgeworfen wird
- Abzug
- Einzelfeuer
- Sicherung
- Sicherungshebel im vorderen Abzugsbügel
- Visierung
- Lochkimme mit langer Visierlinie, in Höhe und Seite verstellbar
Maße und Leistung
- Länge
- ca. 1100 mm
- Lauflänge
- ca. 610 mm
- Gewicht
- ca. 4,3 kg
- Magazin
- 8 Patronen im Ladeblock
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Verriegelt und schussbereit
Die beiden Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter den Rastflächen des Gehäuses — dasselbe Prinzip wie bei der späteren MPi KM, nur zwei Jahrzehnte früher und für die volle Gewehrpatrone ausgelegt.
- 2
Schuss und Gasentnahme
Nahe der Mündung wird Gas in einen Zylinder unter dem Lauf abgezweigt und treibt den Langhubkolben zurück. Die Entnahmestelle liegt weit vorn — das ergibt einen späten, dafür gleichmäßigen Impuls.
- 3
Drehentriegelung
Die zurücklaufende Verschlussstange dreht über eine Steuerkurve den Verschlusskopf aus den Rastflächen.
- 4
Rücklauf, Auswurf, Spannen
Die Hülse wird ausgezogen und ausgeworfen, der Hahn gespannt, die Schließfeder komprimiert.
- 5
Vorlauf und Zuführung
Die Schließfeder treibt vor; der Stoßboden nimmt die nächste Patrone aus dem Ladeblock.
- 6
Auswurf des Ladeblocks
Nach dem letzten Schuss wird der leere Ladeblock mit einem charakteristischen Klang nach oben ausgeworfen und der Verschluss bleibt offen stehen. Ein teilweises Nachladen ist konstruktiv nicht vorgesehen — die bekannteste Einschränkung dieser Waffe.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verriegelt: Die Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter den Rastflächen des Gehäuses. Der Lauf steht fest — er läuft nicht mit zurück.
- 2 Gasentnahme: Hinter dem Geschoss strömt ein Teil der Pulvergase durch die Laufbohrung in den Gaszylinder und treibt den Kolben zurück. Der Kolben ist fest mit dem Verschlussträger verbunden (Langhub).
- 3 Entriegelung: Eine Steuerkurve im Träger dreht den Verschlusskopf aus den Rastflächen; erst danach nimmt der Träger ihn nach hinten mit.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
Gewehr 43 / Karabiner 43
Carl Walther, Gustloff-Werke · Deutschland (Zella-Mehlis, Weimar) · 1943- System
- Gasdrucklader mit **Kurzhub**kolben, Flappenverriegelung, **abnehmbares** Magazin für 10 Patronen
- Unterschied
- Sieben Jahre später und konstruktiv das modernere Gewehr: Kurzhub statt Langhub, abnehmbares Magazin statt Ladeblock, serienmäßige Zielfernrohrschiene. Es kam nur zu spät und in zu geringer Zahl.
- Befund
- Der Vergleich zeigt, dass Deutschland beim Selbstlader nicht führend war, sondern nachzog — und beim Nachziehen die besseren Lösungen fand, ohne sie noch nutzen zu können.
Maschinenkarabiner 42(H) und Sturmgewehr 44
C. G. Haenel · Deutschland (Suhl) · 1942- System
- Gasdrucklader, Kippblockverriegelung, **Kurzpatrone** 7,92 × 33 mm
- Unterschied
- Der eigentliche Gegenentwurf. Die M1 bleibt bei der vollen Gewehrpatrone und damit beim Einzelschuss; das Sturmgewehr verkürzt die Patrone und gewinnt dadurch beherrschbares Dauerfeuer.
- Befund
- **Der entscheidende Vergleich dieses Registers.** Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss gab es 1936 längst — die Suhler Neuerung lag nicht in der Mechanik, sondern in der Munitionsauslegung. Siehe Patronenklassen.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Ladeblock statt Wechselmagazin
Der en-bloc-Ladeblock lässt sich nicht teilweise nachfüllen. Wer nach vier Schüssen aufmunitionieren will, muss den Block verwerfen oder leerschießen. Das G 43 hatte drei Jahre später ein abnehmbares Magazin.
plausibel
-
Gewicht
Mit rund 4,3 kg deutlich schwerer als die Repetierer, die es ablöste — der Preis des Selbstlademechanismus bei voller Gewehrpatrone.
plausibel
-
Volle Gewehrpatrone als konzeptionelle Grenze
Kein Konstruktionsfehler, sondern die Auslegungsentscheidung: Mit .30-06 ist Dauerfeuer aus der Hand nicht beherrschbar. Die Waffe bleibt deshalb ein Selbstlader für den Einzelschuss.
plausibel
Verwendung
- Standardgewehr der US-Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg und in Korea
- Erste in großer Zahl eingeführte Selbstladewaffe der Infanterie überhaupt — ein Vorsprung von rund sieben Jahren gegenüber dem deutschen G 43
Quellen
- [Online] Wikipedia (de) — M1 Garand Link