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OD WH

Modell

MPi K / MPi KM

Fertigung
GWB Wiesa
Kaliber
7,62 × 39 mm
Zeitraum
1959–1990
Belegstatus
plausibel

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Beim Schuss strömt ein Teil der Pulvergase durch eine Bohrung im Lauf in ein Rohr darüber und drückt dort auf einen Kolben. Der Kolben ist fest mit dem Verschlussträger verbunden und fährt die ganze Strecke mit ihm — eine große, schwere Baugruppe, die sich da in Bewegung setzt. Der Träger führt den Verschluss, also das Stahlstück, das den Lauf von hinten zuhält. Er läuft zuerst ein Stück für sich allein, ohne den Verschluss mitzunehmen. Dieses Leerstück ist Absicht: In dieser Zeit fällt der Druck im Lauf ab, so dass sich der Verschluss erst öffnet, wenn es gefahrlos möglich ist. Danach greift eine schräge Kurve in einen Zapfen des Verschlusskopfs, dreht ihn um ein Stück und löst dabei zwei Nasen aus den Aussparungen des Gehäuses, in denen sie den Druck aufgenommen haben. Weil die beiden Nasen einander genau gegenüberliegen, verteilt sich die Last gleichmäßig — deshalb verträgt diese Verriegelung gröbere Fertigungsmaße als andere Bauarten, und darauf beruht ihr Ruf. Nun läuft der Verschluss zurück, wirft die leere Patronenhülse aus und spannt das Schlagstück; eine Feder schiebt alles wieder nach vorn, die nächste Patrone gelangt aus dem gekrümmten Magazin in den Lauf, der Kopf dreht sich wieder fest. Vor dem Schuss steht der Verschluss geschlossen und ruhig, was dem Einzelschuss zugutekommt. An diesem Ablauf änderte die DDR-Fertigung nichts. Der Einschnitt von 1965 betraf die Herstellung: Das Gehäuse wurde nicht mehr aus vollem Stahl gearbeitet, sondern aus Blech gepresst.

Ab 1959 fertigte die DDR die MPi K (Maschinenpistole Kalaschnikow) auf Grundlage der sowjetischen AK, ab 1965 die MPi KM nach dem Vorbild der AKM im material- und kostensparenden Blechpressverfahren. Die Endmontage lief im Gerätewerk Wiesa.

Für die Bestimmung

Die frühen Serien erhielten Buchenholzschäfte, weil das vorgesehene Birkenholz nicht verfügbar war; das Material erwies sich als zu wenig formstabil für die Dauerprüfungen der NVA. Schaftmaterial und Schaftausführung sind damit belastbare Datierungsmerkmale am Objekt.

Varianten

Ab 1988 entstand aus der MPi KM die PG 500 (Präzisionsgewehr, 500-mm-Lauf) mit durchbrochenem Schaft und Zieloptik.

Waffenrechtliches

MPi K und MPi KM sind vollautomatische Waffen und damit Kriegswaffen nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Sie sind für Sammlerinnen und Sammler nicht erwerbbar und stehen in diesem Register ausschließlich zur Dokumentation. Wer die Waffengattung sammeln will, ist auf halbautomatische zivile Ableitungen, Schnittmodelle oder unbrauchbar gemachte Exemplare verwiesen. Deren rechtliche Bewertung fällt jeweils eigen aus. Siehe Methodik.

Verzeichnet ist sie hier trotzdem. Das Register dokumentiert die Fertigung der DDR und beschränkt sich nicht auf das, was sich sammeln lässt.

Konstruktion

Verschluss
Drehkopfverschluss mit zwei Verriegelungswarzen, die in Rastflächen des Gehäuses greifen
Ladeprinzip
Gasdrucklader mit langhubigem Gaskolben oberhalb des Laufs, fest mit dem Verschlussträger verbunden
Zuführung
Gekrümmtes Stangenmagazin, 30 Patronen
Abzug
Umschaltbar Einzel- und Dauerfeuer
Visierung
Korn mit Kornschutz, Kurvenvisier

Maße und Leistung

Magazin
30 Patronen
Kadenz
ca. 600 Schuss/min

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Verriegelt und schussbereit

    Die beiden Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter Rastflächen im Gehäuse. Weil sie einander gegenüberstehen, wird der Gasdruck symmetrisch aufgenommen — das ist der Grund, warum diese Verriegelung gröbere Fertigungstoleranzen verträgt als ein Kippblock.

  2. 2

    Schuss und Gasentnahme

    Nach dem Passieren der Gasentnahmebohrung strömen Pulvergase in den Gaszylinder über dem Lauf. Der Kolben ist fest mit dem Verschlussträger verbunden und läuft die volle Strecke mit (Langhub) — eine große bewegte Masse, die zuverlässig, aber unruhig arbeitet.

  3. 3

    Freiweg und Drehentriegelung

    Der Träger legt zunächst einen Freiweg zurück, in dem der Druck abfällt. Dann greift eine Steuerkurve im Träger in einen Zapfen des Verschlusskopfs und dreht diesen aus den Rastflächen heraus.

  4. 4

    Rücklauf, Auswurf, Spannen

    Erst nach der Drehung nimmt der Träger den Verschlusskopf nach hinten mit. Die Hülse wird ausgezogen und ausgeworfen, der Hahn gespannt, die Schließfeder komprimiert.

  5. 5

    Vorlauf und Zuführung

    Die Schließfeder treibt die Baugruppe vor; der Stoßboden schiebt die oberste Patrone aus dem gekrümmten Magazin ins Patronenlager.

  6. 6

    Erneute Verriegelung

    In der Endlage dreht die Steuerkurve den Verschlusskopf zurück hinter die Rastflächen. Die Waffe schießt aus der geschlossenen Verschlussstellung — im Unterschied zum zuschießenden MKb 42(H) ein Vorteil für den Einzelschuss.

Gasdrucklader mit Langhubkolben und Drehkopfverschluss

Schemaskizze, nicht maßstäblich

1 2 3
  1. 1 Verriegelt: Die Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter den Rastflächen des Gehäuses. Der Lauf steht fest — er läuft nicht mit zurück.
  2. 2 Gasentnahme: Hinter dem Geschoss strömt ein Teil der Pulvergase durch die Laufbohrung in den Gaszylinder und treibt den Kolben zurück. Der Kolben ist fest mit dem Verschlussträger verbunden (Langhub).
  3. 3 Entriegelung: Eine Steuerkurve im Träger dreht den Verschlusskopf aus den Rastflächen; erst danach nimmt der Träger ihn nach hinten mit.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

MKb 42(H) / StG 44

C. G. Haenel · Deutschland (Suhl) · 1942
System
Gasdrucklader mit Langhubkolben, aber Kippblockverriegelung; Kurzpatrone 7,92 × 33 mm
Unterschied
Dieselbe Stadt, zwei Jahrzehnte früher, dasselbe Ladeprinzip — aber eine andere Verriegelung. Kippblock gegen Drehkopf ist der greifbarste Beleg dafür, dass Ladeprinzip und Verriegelung zwei unabhängige Merkmale sind; siehe Ladeprinzipien.
Befund
Ausgerechnet an den beiden Suhler Automatwaffen lässt sich die Systematik am besten zeigen — und zugleich das sachliche Gegenargument zur These, die eine sei aus der anderen abgeleitet.

M16 / AR-15

Colt und Lizenznehmer · USA · 1963
System
Direkte Gasabnahme ohne Kolben, Drehkopfverschluss mit sieben Warzen, Kaliber 5,56 × 45 mm
Unterschied
Das westliche Gegenstück derselben Waffengattung. Gleicher Grundgedanke (Mittelpatrone, Einzel- und Dauerfeuer), aber ohne Gaskolben: Die Gase wirken unmittelbar auf den Verschlussträger. Die 5,56 × 45 mm gehört als innere Mittelpatrone derselben Oberklasse an wie die 7,62 × 39 mm — siehe Patronenklassen.
Befund
Leichter und präziser, dafür empfindlicher gegen Verschmutzung — der klassische Zielkonflikt zwischen Kolben- und Direktsystem. Die MPi steht konsequent auf der Robustheitsseite.

Vz. 58

Česká zbrojovka Uherský Brod · Tschechoslowakei · 1958
System
Gasdrucklader mit Kurzhubkolben und linear verschiebendem Sperrstück, gleiche Patrone 7,62 × 39 mm
Unterschied
Der andere Warschauer-Pakt-Weg: gleiche Patrone und äußerlich ähnlich, aber konstruktiv vollständig eigenständig — Kurzhub statt Langhub, Sperrstück statt Drehkopf, kein einziges austauschbares Teil.
Befund
Widerlegt die verbreitete Annahme, alle Ostblock-Sturmgewehre seien Kalaschnikow-Ableitungen. Für die Bestimmung DDR-naher Bestände ein wichtiger Abgrenzungsfall.

Bekannte Schwächen

Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.

  • Buchenholzschäfte der Frühserien

    Weil das vorgesehene Birkenholz nicht verfügbar war, erhielten die ersten Serien Schäfte aus Buche. Das Material erwies sich als nicht formstabil genug und hielt den Dauerprüfungen der NVA nicht stand. Schaftmaterial ist damit zugleich Mangel- und Datierungsmerkmal.

    plausibel

  • Verteilte Fertigung, uneinheitliche Kennzeichnung

    Baugruppen entstanden in zahlreichen Zulieferbetrieben und liefen erst in Wiesa zusammen. Für die Objektbestimmung heißt das, dass Teile eines einzelnen Stücks unterschiedliche Fertigungskennungen tragen können — abweichende Markierungen sind hier kein Indiz für nachträglichen Tausch.

    ungeklärt

Verwendung

  • Standardwaffe der Nationalen Volksarmee von 1959 bis 1990
  • Grenztruppen, Volkspolizei-Bereitschaften und Kampfgruppen
  • Ab 1988 die Ableitung PG 500 mit 500-mm-Lauf und Zieloptik

Quellen

  1. [Online] Faktory 47 — East German AK History Link
  2. [Online] RRT877 — MPi KM — die Geschichte der Kalaschnikow in der DDR, Teil 1 Link
  3. [Online] DDR Museum — MPi KMS-72 (Maschinenpistole Kalaschnikow modifiziert) Link

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