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OD WH

Vergleichsstück · USA

M16 / AR-15

Fertigung
Colt und zahlreiche Lizenznehmer
Kaliber
5,56 × 45 mm NATO
Zeitraum
1963–…
Belegstatus
plausibel

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Die M16 lädt sich selbst nach, und sie tut das mit einem Kniff, den kaum eine andere Waffe verwendet. Bei den meisten Selbstladern werden beim Schuss durch eine Bohrung im Lauf heiße Pulvergase abgezweigt, die zuerst einen Kolben antreiben; der Kolben schiebt dann über eine Stange den Verschluss nach hinten — jenes Metallstück, das den Lauf hinten zuhält. Die M16 lässt den Kolben weg. Ein dünnes Rohr führt die Gase über dem Lauf nach hinten und bläst sie unmittelbar in den Träger des Verschlusses. Dort dehnen sie sich aus und drücken den Träger zurück; der Träger ist also selbst der Kolben. Der Verschlusskopf davor ist mit sieben Nasen in einen Ring eingehakt, der am hinteren Ende des Laufs sitzt — nicht im Gehäuse. Der zurücklaufende Träger dreht ihn über eine schräge Nut aus diesem Halt heraus und nimmt ihn dann mit. Die leere Hülse fliegt aus, eine Feder in einem Rohr im Schaft schiebt alles wieder nach vorn, die nächste Patrone kommt in den Lauf. Daraus folgen zwei Dinge. Weil der Lauf die Kräfte des Schusses selbst aufnimmt, muss das Gehäuse nichts tragen und kann aus Aluminium bestehen — die Waffe ist deshalb leicht. Und weil die Gase in den Verschluss geleitet werden, lagern sich die Verbrennungsrückstände genau dort ab, wo sie am meisten stören. Die Waffe muss deshalb regelmäßig gereinigt werden.

Vergleichsstück. Gehört nicht zur Fertigung im Untersuchungsraum; steht hier als Maßstab.

Die M16 ist das westliche Gegenstück zu den Wiesaer Kalaschnikow-Fertigungen, und bei ihr greift die landläufige Darstellung besonders häufig daneben.

Konstruktion

Beide verriegeln mit einem Drehkopfverschluss. Der Unterschied liegt nicht in der Verriegelungsart. Die M16 dreht sieben Warzen in einen Ring der Laufverlängerung, die MPi KM zwei kräftige Warzen in Rastflächen des Gehäuses. Das Prinzip ist dasselbe.

Die Warzenzahl hat eine praktische Folge, die den Rest der Konstruktion erklärt. Weil die M16-Warzen in der Laufverlängerung greifen und nicht im Gehäuse, nimmt der Lauf die Verriegelungskräfte selbst auf. Erst dadurch kann das Gehäuse aus Aluminium bestehen.

Verschieden ist das Gassystem. Die M16 hat keinen Gaskolben; ein Rohr leitet die Gase unmittelbar in den Verschlussträger, der selbst als Kolben wirkt. Wenig bewegte Masse, ruhiger Lauf, gute Präzision. Die Verbrennungsrückstände landen dafür im Verschluss.

Die Kalaschnikow macht das Gegenteil. Großer Langhubkolben, viel bewegte Masse, unruhiger Lauf; der Rückstand bleibt dabei im Gaszylinder, außerhalb des Verschlusses.

Einzelheiten unter Kalaschnikow gegen AR-15.

Einordnung

Der interessanteste Vergleichsfall ist die Wieger StG-940 und nicht die MPi KM. Gleiche Patrone, gegensätzliches Gassystem. Die DDR entwickelte ab 1986 ein Sturmgewehr in 5,56 × 45 mm NATO, also in der Munitionsnorm der M16, mit AK-Mechanik.

Damit bot sie eine Kombination an, die es sonst nicht gab: NATO-Munition mit Kolbenzuverlässigkeit. Die Wieger war die unmittelbare Exportkonkurrentin der M16 in Staaten außerhalb beider Bündnisse. Der Exportstopp von 1990 beendete den Versuch.

Waffenrechtliches

Die vollautomatische M16 ist Kriegswaffe nach dem KWKG und wird hier ausschließlich technikgeschichtlich dokumentiert. Halbautomatische zivile Ableitungen der AR-15-Familie unterliegen einer eigenen rechtlichen Bewertung. Siehe Methodik.

Konstruktion

Verschluss
Drehkopfverschluss mit **sieben** Verriegelungswarzen, die in einen Ring der Laufverlängerung greifen — nicht ins Gehäuse. Dadurch nimmt der Lauf die Verriegelungskräfte selbst auf, und das Gehäuse kann aus Aluminium bestehen.
Ladeprinzip
Gasdrucklader mit **direkter Gasabnahme**: Ein Gasrohr leitet die Gase unmittelbar in den Verschlussträger, der als Gaskolben wirkt. Kein separater Kolben, keine Kolbenstange.
Zuführung
Zweireihiges Stangenmagazin, 20 oder 30 Patronen
Abzug
Umschaltbar; je nach Ausführung Einzelfeuer, Feuerstoß oder Dauerfeuer
Sicherung
Sicherungs- und Feuerwahlhebel am Daumen der Schießhand
Visierung
Lochkimme mit langer Visierlinie, in Höhe und Seite verstellbar; später Montageschiene für optische Visiere

Maße und Leistung

Magazin
20 oder 30 Patronen

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Verriegelt und schussbereit

    Die sieben Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter den Rastflächen der Laufverlängerung. Weil die Kräfte im Lauf selbst aufgenommen werden, trägt das Gehäuse keine Verriegelungslast — die Voraussetzung für die Aluminiumbauweise.

  2. 2

    Schuss und Gasabnahme

    Ein Teil der Gase wird in ein Rohr abgezweigt und **unmittelbar in den Verschlussträger** geleitet. Dort wirken sie zwischen Trägerinnenraum und Verschlusskopf: Der Träger wird nach hinten, der Kopf nach vorn gedrückt. Der Träger selbst ist also der Gaskolben.

  3. 3

    Freiweg und Drehentriegelung

    Der Träger legt einen Freiweg zurück, in dem der Druck abfällt. Eine Steuerkurve im Träger greift in einen Zapfen des Verschlusskopfs und dreht ihn aus den Rastflächen.

  4. 4

    Rücklauf, Auswurf, Spannen

    Die Baugruppe läuft in ein Pufferrohr im Schaft zurück — deshalb hat die Waffe einen geraden Schaft ohne Abwinkelung, was den Rückstoß in einer Linie hält und den Hochschlag verringert.

  5. 5

    Vorlauf, Zuführung, Verriegelung

    Die Schließfeder im Pufferrohr treibt vor; die nächste Patrone wird zugeführt, der Verschlusskopf zurückgedreht.

  6. 6

    Folge für die Wartung

    Weil die Gase in den Verschluss geleitet werden, lagern sich die Verbrennungsrückstände dort ab, wo sie am meisten stören. Das ist der Kern der bis heute geführten Debatte um die Wartungsempfindlichkeit — und der Punkt, an dem die Kalaschnikow das Gegenteil tut.

Gasdrucklader mit Langhubkolben und Drehkopfverschluss

Schemaskizze, nicht maßstäblich

1 2 3
  1. 1 Verriegelt: Die Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter den Rastflächen des Gehäuses. Der Lauf steht fest — er läuft nicht mit zurück.
  2. 2 Gasentnahme: Hinter dem Geschoss strömt ein Teil der Pulvergase durch die Laufbohrung in den Gaszylinder und treibt den Kolben zurück. Der Kolben ist fest mit dem Verschlussträger verbunden (Langhub).
  3. 3 Entriegelung: Eine Steuerkurve im Träger dreht den Verschlusskopf aus den Rastflächen; erst danach nimmt der Träger ihn nach hinten mit.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

MPi K / MPi KM

VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa · DDR · 1959
System
Gasdrucklader mit **Langhubkolben**, Drehkopfverschluss mit zwei Warzen, Patrone 7,62 × 39 mm
Unterschied
Die Verriegelungsart ist **dieselbe** — beide drehen einen Verschlusskopf hinter Rastflächen. Verschieden sind Gassystem (Kolben gegen direkte Abnahme), Toleranzlage, Gehäusewerkstoff und Visierung.
Befund
Der Vergleich im Einzelnen unter Kalaschnikow gegen AR-15. Kernkorrektur an der landläufigen Darstellung: Der Unterschied liegt NICHT in der Verriegelung.

Wieger StG-940

VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa · DDR · 1986
System
Gasdrucklader mit Langhubkolben, Drehkopf, Patrone 5,56 × 45 mm NATO
Unterschied
Der interessanteste Vergleichsfall überhaupt: **gleiche Patrone, gegensätzliches Gassystem.** Die DDR bot mit der Wieger AK-Robustheit für NATO-Munition an — genau die Kombination, die weder M16 noch AK boten.
Befund
Damit wird die Wieger zur unmittelbaren Konkurrentin der M16 auf dem Exportmarkt. Der Exportstopp von 1990 beendete den Versuch, bevor er Wirkung entfalten konnte.

MKb 42(H) / StG 44

C. G. Haenel · Deutschland (Suhl) · 1942
System
Gasdrucklader, Langhubkolben, Kippblock, Kurzpatrone 7,92 × 33 mm
Unterschied
Der Urahn der Gattung, 21 Jahre älter. Das Konzept — Mittelpatrone, Einzel- und Dauerfeuer aus einer Waffe — ist identisch; Verriegelung, Gassystem und Werkstoffe sind es nicht.
Befund
Beide großen Sturmgewehrfamilien des Kalten Krieges beruhen auf einer Konzeptidee, die 1942 in Suhl zur Serienreife kam.

Bekannte Schwächen

Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.

  • Verbrennungsrückstände im Verschluss

    Systembedingt, nicht fehlerhaft: Die direkte Gasabnahme führt die Gase dorthin, wo die Ablagerungen am meisten stören. Die Waffe verlangt deshalb mehr Pflegedisziplin als kolbengetriebene Systeme.

    plausibel

  • Enge Toleranzen

    Sie liefern die Präzision und verlangen dafür Sauberkeit. Das ist keine Qualitätsdifferenz zur AK, sondern eine Zieldifferenz: Berufsarmee mit Pflegedisziplin gegen Wehrpflichtigenarmee mit einfacher Wartung.

    plausibel

Verwendung

  • Standardgewehr der US-Streitkräfte ab 1963 bis heute in Ableitungen
  • In zahlreichen Staaten eingeführt; die zivile Ableitung AR-15 ist die verbreitetste Selbstladebüchse der Gegenwart

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (de) — M16 (Sturmgewehr) Link
  2. [Online] Wikipedia (en) — Direct impingement Link