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OD WH

Vergleichsstück · Tschechoslowakei

Samopal vz. 58

Fertigung
Česká zbrojovka, n. p. Uherský Brod — ab 1965 Přesné strojírenství, n. p.; Konstruktion Konstrukta Brno (Jiří Čermák)
Kaliber
7,62 × 39 mm
Zeitraum
1958–1984
Belegstatus
plausibel

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Das vz. 58 sieht aus wie eine Kalaschnikow und verschießt dieselbe Patrone, arbeitet innen aber ganz anders. Beim Schuss entweicht ein Teil der Pulvergase durch eine Bohrung im Lauf nach oben in einen Zylinder und stößt dort einen kurzen Kolben an. Der Kolben schlägt gegen den Träger des Verschlusses, gibt seinen Schwung ab und wird von seiner eigenen Feder gleich wieder nach vorn geschoben — den Weg nach hinten läuft er nicht mit. Der Träger läuft allein weiter. Unter dem Verschluss, dem Stück, das den Lauf hinten zuhält, hängt bei dieser Waffe ein eigenes kleines Sperrstück: vorn eingehängt, hinten beweglich. Im Moment des Schusses ist sein hinteres Ende abgesenkt und steht mit zwei Nasen in Aussparungen des Gehäuses, und der Träger liegt darüber und lässt es nicht ausweichen. Läuft der Träger zurück, schiebt sich nach einem kurzen Anlauf eine keilförmige Fläche darunter und hebt das Sperrstück wieder heraus. Erst danach nimmt er den Verschluss mit: Die leere Hülse fliegt aus, eine Feder schiebt alles nach vorn, die nächste Patrone kommt in den Lauf, und das Sperrstück senkt sich von selbst wieder ab. Der Verschluss selbst dreht sich dabei nie, er läuft nur geradeaus. Die Kalaschnikow löst genau diese Aufgabe umgekehrt, nämlich durch Drehen. Aus dieser einen Entscheidung folgt, dass die beiden Waffen kein einziges Teil gemeinsam haben — nicht einmal das Magazin.

Vergleichsstück. Gehört nicht zur Fertigung im Untersuchungsraum; steht hier als Maßstab.

Das vz. 58 ist der lehrreichste Bestimmungsfehler des Ostblock-Sammelgebiets. Es hat die Silhouette einer Kalaschnikow, den gekrümmten Magazinbogen, den Spannhebel rechts und dieselbe Patrone. Austauschbar ist kein einziges Teil, nicht einmal das Magazin. Wer es als AK-Variante anspricht, hat die Waffe verwechselt und nicht bloß ungenau gearbeitet; an diesem Fall zeigt sich, ob nach Merkmalen bestimmt wird oder nach Umriss.

Fertigung

Dieses Register führt bereits zwei tschechoslowakische Vergleichsstücke, die ČZ vz. 27 und die ČZ vz. 52. Beide tragen denselben Firmennamen wie das vz. 58. Sie stammen trotzdem aus einem anderen Betrieb: Die Pistolen kamen aus Strakonice in Südböhmen, das Sturmgewehr aus Uherský Brod in Südostmähren. Uherský Brod wurde 1936 von Strakonice aus gegründet, weil die Wehrverwaltung Rüstungsfertigung von der bedrohten Grenze ins Landesinnere verlagern wollte; nach der Verstaatlichung war es ein eigener Betrieb und ab 1965 Přesné strojírenství.

Damit wiederholt sich die Falle, die schon der Eintrag zur vz. 27 beschreibt, eine Ebene höher. Dort täuschte der Firmensitz Prag über den Fertigungsort Strakonice hinweg, hier täuscht der Firmenname selbst. „Česká zbrojovka” bezeichnet nicht ein Werk, sondern mindestens zwei. Nach den Zuschreibungsregeln dieses Registers ist der Firmenname kein Fertigungsnachweis und ein Ort kein Betrieb; hier gilt beides zugleich.

Die Bezeichnung

Amtlich hieß die Waffe 7,62 mm samopal vz. 58, und samopal ist im Tschechischen die Maschinenpistole. Sie verschießt eine Mittelpatrone und ist damit waffentechnisch ein Sturmgewehr. Die Truppenbezeichnung ändert daran nichts. Derselbe Vorgang findet sich in der DDR, wo die Kalaschnikow als MPi, also als Maschinenpistole, geführt wurde. Zwei Armeen, zwei Sprachen, derselbe Begriffsfehler in der Dienstvorschrift.

Gattung folgt der Patrone. 7,62 × 39 mm ist eine Kurzpatrone und damit eine Mittelpatrone. Ein Vollautomat für diese Patrone ist ein Sturmgewehr, gleichgültig wie ihn die einführende Armee nennt. Die Sammlerform „ČZ vz. 58” ist geläufig, aber ebenfalls keine Dienstbezeichnung.

Konstruktion

Verriegelung

Bei der Kalaschnikow trägt der Verschlusskopf zwei einander gegenüberliegende Warzen; eine Steuerkurve im Träger dreht ihn um seine Längsachse, bis die Warzen hinter Rastflächen stehen. Der Kraftfluss ist symmetrisch um die Seelenachse. Was die eine Warze aufnimmt, nimmt die andere gegengleich auf, ein Kippmoment entsteht nicht. Daher verträgt die Bauart grobe Toleranzen, und daher ließ sie sich in Blech bauen. Die Rastflächen sitzen nämlich in einem eingesetzten, geschmiedeten Verriegelungsstück, das zugleich den Lauf hält, und eben nicht im Blech. Das Gehäuse der MPi KM ist Träger für Baugruppen, nicht tragendes Glied der Verriegelung.

Beim vz. 58 dreht sich nichts. Unter dem Verschluss hängt ein gesondertes, vorn angelenktes Kippstück; beim Schließen senkt sich sein hinterer Teil, zwei Warzen greifen in Rastflächen, und der darüberliegende Träger sperrt es dort. Der Kraftfluss läuft unsymmetrisch nach unten — vom Stoßboden über das Kippstück in den Gehäuseboden. Daraus folgen zwei Dinge. Erstens muss das Gehäuse selbst die Verriegelungslast tragen; es ist aus dem Vollen gearbeitet und blieb es über die ganze Fertigungszeit, während die sowjetische Linie 1959 mit der AKM auf das Pressteil umstellte. Zweitens erzeugt die Bauart ein Kippmoment, das die Passung zwischen Kippstück, Verschluss und Rastfläche empfindlich macht. Verschleiß an diesen drei Flächen ist zusammen zu beurteilen, nicht einzeln.

Wer nach der Verriegelung ordnet, stellt das vz. 58 neben das Sturmgewehr 44 und nicht neben die Kalaschnikow. Auch dort kippt ein Block nach unten in eine Rastfläche und wird vom zurücklaufenden Träger ausgehoben. Eine Verwandtschaft begründet das nicht. Es ist derselbe Griff in denselben Kasten verfügbarer Lösungen.

Antrieb

Die Kalaschnikow hat einen Langhubkolben, fest mit dem Verschlussträger verbunden, der den vollen Weg mitläuft. Die bewegte Masse ist groß und arbeitet über den gesamten Zyklus. Robust, aber unruhig. Das vz. 58 hat einen Kurzhubkolben mit eigener Rückholfeder, der mit dem Träger nicht verbunden ist. Er läuft eine kurze Strecke, schlägt gegen den Träger, gibt seinen Impuls ab und kehrt allein zurück; was danach geschieht, geschieht ohne ihn. Für die Zerlegung heißt das, dass Kolben und Kolbenfeder eine eigene Baugruppe bilden. Ein gebrochener Kolbenfederdraht ist ein Fehlerbild, das es bei der Kalaschnikow nicht gibt.

Nach dem Anstoß läuft der Träger einen Freiweg zurück, bevor er das Kippstück anhebt. Hier widersprechen sich die Quellen: 22 mm nennt die eine Darstellung, 12 mm die andere; der Unterschied ist nicht nebensächlich, weil er die Dauer der verriegelten Phase bestimmt. Ein Überschlag ordnet die Größenordnung ein (Rechnung dieses Registers, keine Quellenaussage): Bei 390 mm Lauflänge und 705 m/s hat das Geschoss den Lauf in der Größenordnung einer Millisekunde verlassen, während für den gesamten Zyklus bei 800 Schuss/min rund 75 ms zur Verfügung stehen. Als Sperre bis zum Geschossaustritt wirkt der Freiweg also nicht; der ist längst vorbei. Er wirkt als Wartezeit, bis der Restdruck im Patronenlager abgefallen ist.

Schlagwerk

Die Kalaschnikow hat einen Drehhahn, der um eine querliegende Achse schwenkt. Das vz. 58 hat ein linear geführtes Schlagstück, einen zylindrischen Körper mit eigener Feder, der geradlinig nach vorn läuft und einen frei fliegenden Schlagbolzen im Verschluss antreibt. Der Begriff ist wichtig. Ein Schlagbolzenschloss im engeren Sinn hätte Schlagstück und Schlagbolzen als ein Stück, und das ist hier nicht der Fall. Richtig ist: linear geführtes Schlagstück, gesonderter Schlagbolzen. Praktisch folgt daraus, dass die Abzugsgruppe des vz. 58 mit der einer Kalaschnikow nichts gemein hat, auch nicht im Aufbau der Stollen.

Magazin

Das Magazin besteht aus Leichtmetall und wiegt leer 0,19 kg; das Stahlmagazin der Kalaschnikow wiegt rund 0,33 kg. Es lässt sich in eine Kalaschnikow nicht einsetzen und umgekehrt ebenso wenig. Damit ist es das Merkmal, das ohne Werkzeug, ohne Zerlegen und ohne Fachliteratur in Sekunden geprüft werden kann. Passt ein AK-Magazin, ist es kein vz. 58. Zwei weitere Merkmale liegen ähnlich offen: die durchlaufende Rippe am Magazin, in der der Zubringeransatz für den Verschlussfang läuft, und die Ladestreifenführung am Verschlussträger, mit der sich das eingesetzte Magazin bei offenem Verschluss nachfüllen lässt. Die Kalaschnikow hat in sowjetischer und DDR-Ausführung keine.

Für die Bestimmung

Nach steigendem Aufwand geordnet; die ersten drei Zeilen entscheiden die Bestimmung bereits, ohne dass die Waffe zerlegt wird.

PrüfungSamopal vz. 58 (1958)MPi K / MPi KM (1959/1965)
Magazin einsetzenLeichtmetall, 0,19 kg, mit LängsrippeStahl, rund 0,33 kg — passt nicht ins vz. 58
Feuerwahlhebelkleiner Hebel rechts über dem Abzug, deckt nichts abgroßer Hebel rechts, deckt den Spannschlitz ab
Gehäusedeckelreicht etwa bis zur Gehäusemittereicht über die volle Gehäuselänge
Verschlussfangvorhanden, Hebel vor dem Abzugsbügelnicht vorhanden
Verschlussangelenktes Kippstück, zwei Warzen nach untenDrehkopf, zwei Warzen seitlich
Kraftflussin das gefräste Gehäusein ein eingesetztes Verriegelungsstück
GaszylinderKurzhub, Kolben lose, eigene FederLanghub, Kolben fest am Träger
Schlagwerklineares Schlagstück, gesonderter SchlagbolzenDrehhahn
Masse ohne Magazin2,91 kgGrößenordnung 3,1 kg (AKM-Bauart)
Kadenzca. 800 Schuss/minca. 600 Schuss/min
Patrone7,62 × 39 mm7,62 × 39 mm

Einordnung

Erstens dient das vz. 58 als Gegenprobe zur DDR-Fertigung. DDR und Tschechoslowakei standen im selben Bündnis, hatten beide eine leistungsfähige Waffenindustrie und beide dieselbe Aufgabe, ein Sturmgewehr für die Patrone 7,62 × 39 mm. Die DDR baute die sowjetische Konstruktion in Lizenz nach, erst gefräst als MPi K, ab 1965 gepresst als MPi KM, 1985 mit der MPi AK-74N auch der Kaliberwechsel. Die Tschechoslowakei konstruierte selbst. Unter den europäischen Warschauer-Pakt-Staaten ist das der einzige Fall einer eigenständigen Sturmgewehrkonstruktion; Polen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien bauten sämtlich Kalaschnikow-Ableitungen.

Zweitens belegt es, was verordnet war und was nicht. Der Ablauf ist dokumentiert und nicht nur behauptet. Die Tschechoslowakei hatte eine eigene Mittelpatrone entwickelt, die 7,62 × 45 mm, und musste sie Mitte der 1950er Jahre zugunsten der sowjetischen 7,62 × 39 mm aufgeben; die vorhandenen Selbstladebüchsen wurden als vz. 52/57 umgerüstet. Erst danach entstand das vz. 58. Vereinheitlicht wurde die Munition, die Waffe nicht. Für das Verständnis der DDR-Fertigung liegt darin die eigentliche Auskunft. Dass in Wiesa eine Kalaschnikow gebaut wurde und keine eigene Konstruktion, war keine technische Zwangsläufigkeit des Bündnisses. Die Nachbaurepublik hatte einen Nachbarn, der es anders machte.

Drittens ist das vz. 58 ein Prüfstein der Registerthese. Dieses Register vertritt, dass die Patrone die Bauart bestimmt. Reichweite und Grenze dieser These zeigen sich hier zugleich. Die Patrone legte Gattung, Magazinbogen und die Größenordnung von Lauflänge und Waffenmasse fest; Verriegelung, Antrieb und Schlagwerk ließ sie offen. Dieselbe Beobachtung hatte das Register schon in Suhl gemacht, wo die Kurzpatrone 7,92 × 33 mm zwei Antworten fand, das StG 44 und das Volkssturmgewehr. Die Patrone eröffnet einen Lösungsraum; sie besetzt ihn nicht.

Waffenrechtliches

Das vz. 58 ist eine vollautomatische Waffe und damit Kriegswaffe nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Es wird hier ausschließlich technik- und industriegeschichtlich dokumentiert. Siehe Methodik.

Davon zu unterscheiden sind die halbautomatischen Ableitungen, die in mehreren Staaten als Sportwaffen gefertigt wurden. Sie sind eigene Modelle mit eigener rechtlicher Bewertung; die Beurteilung eines konkreten Stücks obliegt der zuständigen Behörde, dieses Register gibt keine Rechtsauskunft. Für die Bestimmung ist der Hinweis wichtig, weil solche Ableitungen im Sammlerbestand häufiger sind als das Original und einzelne der hier beschriebenen Merkmale an ihnen verändert wurden.

Offene Forschungsfragen. Erstens der Freiweg des Verschlussträgers vor der Entriegelung: Die Angaben 22 mm und 12 mm stehen unvereinbar nebeneinander, und der Wert bestimmt die Dauer der verriegelten Phase. Am zerlegten Stück ist er in Minuten zu messen und damit die billigste offene Frage dieses Eintrags. Zweitens der Kraftfluss: Sind die Rastflächen unmittelbar in das gefräste Gehäuse eingearbeitet, oder trägt sie ein eingesetztes Stück wie bei der Kalaschnikow? Die hier gezogene Fertigungsfolge, gefrästes Gehäuse als Bedingung der Bauart, hängt an dieser Antwort. Drittens die Massenangaben: 2,91 kg gegen 3,10 kg gegen 3,60 kg lassen sich nur vereinbaren, wenn die Bezugsgrößen verschieden sind; keine Quelle weist aus, was jeweils mitgewogen wurde. Viertens das Fertigungsende, 1982 oder 1984, und die Gesamtzahl 919.650, die aus einer einzelnen Darstellung stammt. Fünftens, und für dieses Register am interessantesten: Gibt es Unterlagen darüber, ob die DDR das vz. 58 geprüft, erprobt oder erwogen hat? Eine Beschaffungsentscheidung setzt eine Alternative voraus; ob die Alternative in Ost-Berlin überhaupt betrachtet wurde, ist hier nicht bekannt.

Konstruktion

Verschluss
**Kippstückverriegelung.** Ein gesondertes, am Verschluss angelenktes Kippstück liegt unter dem Verschluss und senkt sich beim Schließen mit zwei Warzen in Rastflächen des Gehäuses. Der Verschluss selbst bewegt sich rein geradlinig; er dreht sich nicht. Formschluss, keine Verzögerung.
Ladeprinzip
Gasdrucklader mit **kurzhubigem** Gaskolben über dem Lauf. Der Kolben hat eine eigene Rückholfeder und ist mit dem Verschlussträger **nicht verbunden** — er stößt ihn an und kehrt allein zurück. Geschlossener Verschluss.
Zuführung
Gekrümmtes Stangenmagazin aus Leichtmetall, 30 Patronen, **nicht** mit Kalaschnikow-Magazinen austauschbar. Ladestreifenführung am Verschlussträger — das eingesetzte Magazin lässt sich bei offenem Verschluss nachfüllen.
Abzug
Umschaltbar Einzel- und Dauerfeuer. Kein Drehhahn, sondern ein linear geführtes Schlagstück mit eigener Feder, das einen frei fliegenden Schlagbolzen im Verschluss antreibt.
Sicherung
Kombinierter Sicherungs- und Feuerwahlhebel rechts über dem Abzug, drei Stellungen (gesichert, Einzelfeuer „1", Dauerfeuer „30"); in der Sicherungsstellung wird die Verbindung zwischen Abzug und Fangstollen mechanisch getrennt.
Visierung
Korn mit Kornschutz, Kurvenvisier bis 800 m

Maße und Leistung

Länge
845 mm (Ausführung P); Ausführung V mit eingeklappter Stütze 636 mm
Lauflänge
390 mm (vier Züge, Drall 240 mm)
Gewicht
2,91 kg ohne Magazin; eine Darstellung nennt 3,10 kg „leer" und 3,60 kg geladen — vereinbar nur bei verschiedenen Bezugsgrößen
Magazin
30 Patronen, Leichtmetall, 0,19 kg leer
V₀
705 m/s
Kadenz
ca. 800 Schuss/min

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Verriegelt und schussbereit

    Der Verschluss liegt am Patronenlager an. Unter ihm hängt das vorn angelenkte Kippstück; sein hinterer Teil ist abgesenkt, zwei Warzen stehen in Rastflächen des Gehäuses. Der darüberliegende Verschlussträger hält es in dieser Lage — es kann nicht ausweichen, solange der Träger vorn steht.

  2. 2

    Schuss und Gasentnahme

    Passiert das Geschoss die Gasentnahmebohrung im vorderen Laufabschnitt, strömen Pulvergase in den Gaszylinder über dem Lauf. Der Kolben läuft nur eine kurze Strecke, schlägt gegen den Verschlussträger und wird von seiner **eigenen** Feder wieder vorgeführt; den Zyklus läuft er nicht mit.

  3. 3

    Freiweg, Entriegelung, Erstauszug

    Der angestoßene Träger läuft zunächst allein zurück — für diesen Freiweg nennen die Quellen 22 mm und 12 mm, der Widerspruch ist nicht aufgelöst —, während die Waffe verriegelt bleibt und der Restdruck abfällt. Dann schiebt sich eine keilförmige Fläche des Trägers **unter** das Kippstück und hebt dessen hinteren Teil aus den Rastflächen. Weil das Kippstück schwenkt, während der Verschluss noch steht, wirkt die Bewegung zugleich als Übersetzung für den Erstauszug und löst die anhaftende Hülse.

  4. 4

    Rücklauf, Auswurf, Spannen

    Erst jetzt nimmt der Träger den Verschluss mit. Auszieher und Auswerfer entfernen die Hülse; die zurücklaufende Baugruppe drückt das lineare Schlagstück nach hinten, bis der Fangstollen es hält, und komprimiert die Schließfeder.

  5. 5

    Vorlauf, Zuführung, erneute Verriegelung

    Die Schließfeder treibt vor, der Stoßboden schiebt die oberste Patrone ins Patronenlager. In der vorderen Endlage läuft die Keilfläche unter dem Kippstück hervor; dieses senkt sich mit beiden Warzen in die Rastflächen, der Träger legt seinen Restweg zurück und sperrt es dort. Die Waffe schießt aus dem geschlossenen Verschluss.

  6. 6

    Letzter Schuss — Verschlussfang

    Das Magazin trägt außen eine durchlaufende Rippe, in der ein Ansatz des Zubringers läuft. Nach dem letzten Schuss drückt dieser gegen den Fanghebel vor dem Abzugsbügel, und die Verschlussgruppe bleibt hinten stehen — was die Kalaschnikow nicht tut. Einen Auslöser zum Schließen gibt es nicht: Der Träger ist zurückzuziehen.

Kippblockverschluss

Schemaskizze, nicht maßstäblich

1 2
  1. 1 Verriegelt: Der Verschlussblock ist als Ganzes nach unten in eine Rastfläche des Gehäuses gekippt und stützt sich dort ab.
  2. 2 Entriegelt: Der zurücklaufende Verschlussträger hebt den Block aus der Rastfläche aus; die Baugruppe läuft gemeinsam zurück.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

MPi K / MPi KM

VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa · DDR · 1959
System
Gasdrucklader mit langhubigem, fest mit dem Verschlussträger verbundenem Kolben; Drehkopfverschluss mit zwei Warzen; Drehhahn; Stahlmagazin; gleiche Patrone 7,62 × 39 mm
Unterschied
Der eigentliche Gegenstand dieses Eintrags. Gleiche Patrone, gleiches Bündnis, gleiches Jahrzehnt, ähnliche Silhouette — und in jedem einzelnen Hauptmerkmal die andere Lösung: Kippstück gegen Drehkopf, Kurzhub gegen Langhub, Schlagstück gegen Hahn, Leichtmetall- gegen Stahlmagazin, Verschlussfang gegen keinen. Kein Teil passt vom einen ins andere.
Befund
Beide Waffen belegen, dass im Warschauer Pakt die Patrone vorgegeben war und die Waffe nicht. Die DDR baute nach, die Tschechoslowakei konstruierte — und zwar für dieselbe sowjetische Patrone, auf die sie zuvor gegen ihren eigenen Standard verpflichtet worden war.

MKb 42(H) / Sturmgewehr 44

C. G. Haenel · Deutschland (Suhl) · 1942
System
Gasdrucklader mit Langhubkolben und Kippblockverschluss, Kurzpatrone 7,92 × 33 mm
Unterschied
In der Verriegelungsart der nähere Verwandte des vz. 58 als die Kalaschnikow: Auch hier kippt ein Block nach unten in eine Rastfläche und wird vom zurücklaufenden Träger ausgehoben. Anders sind der Antrieb — Langhub gegen Kurzhub — und die Ausführung des Sperrglieds: Beim StG 44 kippt der hintere Teil des Verschlusses selbst, beim vz. 58 ein gesondertes, angelenktes Stück.
Befund
Zeigt, dass Ladeprinzip und Verriegelung unabhängige Merkmalsachsen sind. Nach der Verriegelung geordnet stehen StG 44 und vz. 58 gegen die Kalaschnikow, nach dem Antrieb geordnet StG 44 und Kalaschnikow gegen das vz. 58. Beide Ordnungen sind richtig, und keine begründet eine Ableitung.

ČZ vz. 52 (Pistole)

Česká zbrojovka Strakonice · Tschechoslowakei · 1952 plausibel
System
Rückstoßlader mit kurzem Laufrücklauf, Rollenverriegelung, 7,62 × 25 mm
Unterschied
Dasselbe Muster sechs Jahre früher und in der Kurzwaffe: sowjetische Patrone, eigenes Verschlusssystem. Zu unterscheiden ist sie vom gleichnamigen Gewehr — die Selbstladebüchse samopal vz. 52 im Kaliber 7,62 × 45 mm ist ein anderes Gerät aus einem anderen Werk. Die Jahreszahl 52 steht in diesem Register für zwei verschiedene Waffen.
Befund
Pistole und Sturmgewehr ergeben eine Linie: Die Tschechoslowakei übernahm die Munition des Ostblocks und lehnte dessen Waffen ab. Erst 1982, mit der vz. 82 im Kaliber 9 × 18 mm, gab sie diese Haltung bei der Kurzwaffe auf.

ČZ vz. 27

Česká zbrojovka a.s., Werk Strakonice · Tschechoslowakei · 1927 plausibel
System
Unverriegelter Masseverschluss, feststehender Lauf, 7,65 mm Browning
Unterschied
Kein technischer, sondern ein Zuschreibungsvergleich. Beide Waffen tragen den Firmennamen Česká zbrojovka und entstanden doch in zwei verschiedenen Werken quer durch die Republik: die vz. 27 in Strakonice in Südböhmen, das vz. 58 in Uherský Brod in Südostmähren, das 1936 von Strakonice als Verlagerungsstandort gegründet worden war.
Befund
Wer „ČZ" liest und daraus einen Fertigungsort ableitet, kann sich um ein halbes Land irren — bei der vz. 27 lag die Falle im Firmensitz Prag, hier liegt sie im Firmennamen selbst.

Samopal vz. 52 und vz. 52/57 (Selbstladebüchse)

Považské strojárne (Erstserie), danach Česká zbrojovka Uherský Brod · Tschechoslowakei · 1952 plausibel
System
Gasdrucklader, festes Magazin für 10 Patronen; zunächst tschechoslowakische Patrone 7,62 × 45 mm, ab 1957 auf 7,62 × 39 mm umgestellt
Unterschied
Der unmittelbare Vorgänger und der Grund, warum es das vz. 58 gibt: Die Tschechoslowakei musste ihre eigene Mittelpatrone Mitte der 1950er Jahre zugunsten der sowjetischen aufgeben; die umgerüsteten Stücke heißen vz. 52/57, ihre Fertigung endete 1959, als das vz. 58 anlief.
Befund
Damit ist die Reihenfolge dokumentiert: erst die erzwungene Munitionsangleichung, dann die eigene Waffe für die fremde Patrone.

Bekannte Schwächen

Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.

  • Gefrästes Gehäuse als Kostenfaktor

    Die Rastflächen liegen nach den vorliegenden Beschreibungen im Gehäuse selbst, das aus dem Vollen gearbeitet ist. Damit blieb dem vz. 58 der Weg versperrt, den die Kalaschnikow 1959 mit der AKM ging: Dort nimmt ein eingesetztes, geschmiedetes Verriegelungsstück die Kräfte auf, das Blechgehäuse trägt sie nicht.

    plausibel

  • Leichtmetallmagazin

    Das Magazin wiegt leer 0,19 kg gegen rund 0,33 kg beim Stahlmagazin der Kalaschnikow, ist dafür empfindlicher gegen Verformung, und ein verzogenes Magazinmaul ist bei Leichtmetall nicht rückformbar. Bei der Zustandsbeurteilung gehört das Magazin deshalb geprüft und nicht als Zubehör behandelt.

    plausibel

  • Hohe Kadenz bei geringer Masse

    Rund 800 Schuss/min gegen rund 600 bei der Kalaschnikow, bei geringerer Waffenmasse: Beides zusammen verschlechtert die Trefferlage im Feuerstoß. Der Vorteil der leichten bewegten Massen im Einzelschuss wird im Dauerfeuer teilweise wieder aufgezehrt. Literaturwerte, nicht gemessen.

    ungeklärt

  • Bedienlage des Feuerwahlhebels, Verschlussfang ohne Auslöser

    Der Hebel sitzt rechts über dem Abzug und wird mit dem Zeigefinger bedient, nicht mit dem Daumen — für Linksschützen und mit Handschuh ungünstig. Der Verschlussfang hält auch nach Entnahme des leeren Magazins, und ein Auslöser zum Schließen fehlt: Der Träger ist zurückzuziehen.

    plausibel

Verwendung

  • Am 10. Februar 1959 als 7,62-mm-samopal vz. 58 bei der Tschechoslowakischen Volksarmee eingeführt; Standardwaffe bis zum Ende des Warschauer Pakts
  • Ausführungen P (fester Schaft), V (klappbare Schulterstütze) und Pi (Schiene für Nachtzielgerät); Schaft und Handschutz aus holzgefülltem Kunstharz
  • Nach 1993 bei den Streitkräften Tschechiens und der Slowakei weitergeführt und erst in den 2000er und 2010er Jahren abgelöst
  • In erheblichem Umfang exportiert; halbautomatische Ableitungen sind in mehreren Staaten als Sportwaffen im Handel

Quellen

  1. [Objektbefund] VHÚ Praha — Samopal (útočná puška) vz. 58 P , Führt Truppenbezeichnung und Gattung nebeneinander Link
  2. [Online] Wikipedia (cs) — Samopal vzor 58 , Maße, Magazin, Fertigungsabschnitte, Gesamtzahl 919.650, Freiweg 12 mm Link
  3. [Online] Wikipedia (en) — vz. 58 , Kippstück, Freiweg 22 mm, Schlagstück, Verschlussfang Link
  4. [Online] Modern Firearms — Samopal vzor 58 — SA vz.58 assault rifle , Kurzhubkolben mit eigener Feder, Schlagwerk, Ladestreifenführung Link
  5. [Online] The Firearm Blog — 10 Reasons Why Vz. 58 is NOT an AK , Merkmalsvergleich gegen die Kalaschnikow, Bedienelemente Link
  6. [Online] Gun Digest — CZ's Vz 58, Not Another AK Knockoff , Gefrästes Gehäuse, Schaftmaterial, Wirkungsweise des Verschlussfangs Link
  7. [Online] American Rifleman — Cold War Conformity: The Czech vz.52/57s , Aufgabe der Patrone 7,62 × 45 mm auf sowjetische Forderung Link
  8. [Online] Forgotten Weapons — Czech vz. 52/57: The SKS We Have At Home , Vorgängerwaffe, Fertigungsende 1959 Link
  9. [Online] Wikipedia (de) — Česká zbrojovka (Uherský Brod) , Gründung 1936 als Verlagerungsstandort der ČZ Strakonice Link