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OD WH

Vergleichsstück · Tschechoslowakei (Werk Strakonice)

ČZ vz. 27

Fertigung
Česká zbrojovka a.s. Praha, Werk Strakonice — 1939 bis 1945 als Böhmische Waffenfabrik AG in Prag
Kaliber
7,65 mm Browning
Zeitraum
1927–1951
Belegstatus
plausibel

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Diese Pistole ist technisch unauffällig, und genau das ist ihr Merkmal. Der Lauf steht fest im Griffstück, und verriegelt wird nichts — Lauf und Verschlussstück sind an keiner Stelle miteinander verhakt. Nur das Gewicht des Verschlussstücks, des Stahlblocks über dem Lauf, und die Kraft seiner Feder halten das Patronenlager, den hintersten Abschnitt des Laufs, geschlossen. Beim Schuss weicht das Verschlussstück zwar sofort zurück, bewegt sich aber, solange der Druck hoch ist, nur um Bruchteile eines Millimeters — bis es wirklich in Fahrt kommt, hat das Geschoss den Lauf verlassen. Dann läuft es frei nach hinten, ein Haken zieht die Hülse aus dem Lager, ein fester Vorsprung kippt sie seitlich heraus, der Hahn, der Schlaghebel für den nächsten Schuss, wird dabei niedergedrückt und bleibt gespannt stehen, und die Feder schiebt das Verschlussstück wieder vor, wobei es die nächste Patrone aus dem Magazin über eine Schräge ins Lager schiebt. So arbeiten viele Waffen dieser Größe. Bemerkenswert ist eher, was fehlt: Der Abzug kann den Hahn nicht selbst spannen, er löst ihn nur aus, und einen Hebel zum kontrollierten Entspannen gibt es nicht. Der Hahn liegt zudem fast ganz im Verschluss verborgen, nur ein kurzer gerundeter Sporn ragt heraus. Damit bleiben zwei Zustände, in denen sich die Waffe vernünftig tragen lässt: leer, oder mit Patrone im Lauf, gespannt und über den Sicherungshebel gesperrt. Ein dritter — geladen und in Ruhe — ist nicht vorgesehen, obwohl die deutsche Konkurrenz derselben Jahre ihn längst beherrschte.

Vergleichsstück. Gehört nicht zur Fertigung im Untersuchungsraum; steht hier als Maßstab.

Die vz. 27 steht in diesem Register aus zwei Gründen. Der eine ist technisch, der andere methodisch, und der methodische wiegt schwerer.

Für die Bestimmung

Ab 1939 lief die Fertigung unter deutscher Verwaltung weiter. Das Unternehmen wurde in Böhmische Waffenfabrik AG in Prag umbenannt, die Waffe erhielt die deutsche Bezeichnung Pistole Modell 27, deutsche Abnahmestempel und ab der Spätfertigung das Fertigungskennzeichen fnh.

Damit trägt ein in Südböhmen gefertigtes Stück eine durchgehend deutsche Signatur. Wer vom Kennzeichen auf den Fertigungsort schließt, sucht das Werk im falschen Staat; wer der Schlittenbeschriftung folgt, immer noch rund 110 Kilometer neben Strakonice.

Die Falle hat sogar zwei Böden. Der zweite ist der Ortsname im Firmennamen selbst.

ZeitraumBeschriftung auf dem SchlittenTatsächliches Werk
1927–1939ČESKÁ ZBROJOVKA A.S. v PRAZEStrakonice
ab Anfang 1940BÖHMISCHE WAFFENFABRIK A.G. IN PRAG, dazu Pistole Modell 27 Kal. 7,65Strakonice
ab etwa Mitte 1943fnh Pistole Modell 27 Kal. 7,65, Firmenanschrift entfälltStrakonice

In Prag wurde nie eine vz. 27 gefertigt. Prag war seit 1922/23 der Sitz der Aktiengesellschaft, das Werk lag von Anfang an in Strakonice. Die deutsche Umbenennung war eine Übersetzung des vorhandenen Firmennamens, keine Verlagerung. Selbst die deutschen Codelisten führen den Eintrag als „Böhmische Waffenfabrik, Werk Strakonitz, Prag”; die Verwaltung wusste es, die Beschriftung verschwieg es.

Wer also fnh liest, hat zwei Angaben vor sich, die beide nicht der Fertigungsort sind, einen deutschen Behördencode und einen tschechischen Firmensitz. Der Ort steht nirgends auf der Waffe.

Einordnung

Gegen die Walther PP und die Mauser HSc gehalten, zeigt sich die vz. 27 als Vertreterin der älteren Bauart. Alle drei sind unverriegelte Masseverschlüsse in 7,65 mm Browning mit feststehendem Lauf, alle drei standen ab 1940 gleichzeitig in deutscher Beschaffung. Der Unterschied liegt allein im Abzug.

WaffeRaumJahrAbzugZustandswechsel
Walther PPZella-Mehlis1929SpannabzugEntspannhebel
Sauer 38HSuhl1938SpannabzugHebel spannt und entspannt
Mauser HScOberndorf1940SpannabzugEntspannhebel, Sporn zum Spannen
ČZ vz. 27Strakonice1927nur Single Actionkeiner

Der halb verdeckte Hahn mit kurzem Sporn sieht der HSc täuschend ähnlich. Bei Mauser ist er allerdings Komfort neben einem Spannabzug, bei ČZ der einzige Zugang zum Schlagwerk überhaupt. Dass die Wehrmacht die vz. 27 trotzdem zu Hunderttausenden abnahm, hatte keinen konstruktiven Grund, sondern einen fertigungswirtschaftlichen: In Strakonice lief 1939 eine eingerichtete Straße, die sich ohne Umstellung weiternutzen ließ.

Varianten

Eine kleine Serie erhielt einen verlängerten, an der Mündung aufgeweiteten Lauf. Der Schalldämpfer wurde über eine Klemmhülse auf den Wulst gespannt statt aufgeschraubt. Diese Stücke gelten als Beschaffung deutscher Sicherheitsorgane; die Zuordnung zu einer konkreten Dienststelle ist Sammlerüberlieferung und nicht aktenmäßig belegt.

Siehe auch Kurzwaffen im Systemvergleich und Fertigungskennzeichen ab 1940.

Konstruktion

Verschluss
Unverriegelter Masseverschluss bei feststehendem Lauf. Der Lauf sitzt mit Haltewarzen im Griffstück nach Art der Colt M1903 und wird durch Drehen gelöst, nicht vom Zerlegestück gehalten; die Verschlussmasse allein hält gegen den Gasdruck.
Ladeprinzip
Rückstoßlader, unverriegelt (Blowback)
Zuführung
Einreihiges Stangenmagazin im Griff
Abzug
Nur Single Action. Der Hahn liegt weitgehend im Verschlussrücken verborgen, ein kurzer gerundeter Sporn ragt gerade so weit heraus, dass er von Hand gespannt werden kann.
Sicherung
Hebelsicherung links am Griffstück ohne Entspannfunktion, dazu eine Magazinsicherung, die den Abzug bei entnommenem Magazin sperrt
Visierung
Feste Kimme und Korn, sehr flach ausgeführt

Maße und Leistung

Länge
ca. 162 mm
Lauflänge
ca. 99 mm
Gewicht
ca. 690 bis 710 g leer
Magazin
8 Patronen (einzelne Quellen nennen 9)
V₀
ca. 280 m/s, je nach Quelle bis 320 m/s

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Ruhelage und Spannen von Hand

    Der Verschluss liegt am Laufansatz an. Weil es keinen Spannabzug gibt, muss der Schütze den Zustand selbst herstellen — entweder durch Durchladen oder am kurzen Hahnsporn. Damit ist die vz. 27 im sicheren Zustand entweder leer oder gespannt und gesichert. Ein dritter Zustand, geladen und entspannt, ist praktisch nicht bedienbar.

  2. 2

    Zündung und Trägheitsphase

    Der Hahn schlägt auf den Schlagbolzen. Der Gasdruck presst die Hülse gegen den Verschlussboden. Der Verschluss weicht sofort zurück, bewegt sich in der Druckphase aber nur um Bruchteile eines Millimeters. Diese Trägheitsverzögerung ist die einzige Sicherheitsreserve des Systems und der Grund, warum es bei 7,65 mm Browning bleiben muss.

  3. 3

    Öffnen und Ausziehen

    Nach dem Druckabfall läuft der Verschluss frei zurück. Der Auszieher hält die Hülse am Bodenrand. Der Lauf bleibt unbewegt im Griffstück stehen — er wird weder gedreht noch gekippt.

  4. 4

    Auswurf und Hahnspannen

    Die Hülse trifft auf den Auswerfer und kippt seitlich aus. Der zurücklaufende Verschluss drückt den Hahn nieder und spannt ihn, die Verschlussfeder wird komprimiert.

  5. 5

    Vorlauf und Zuführung

    Die Verschlussfeder treibt vor, der Stoßboden nimmt die oberste Patrone aus dem einreihigen Magazin und schiebt sie über die Zuführrampe ins Patronenlager. Der Hahn bleibt gespannt; die Waffe ist wieder im einzigen betriebsfähigen Zustand, den sie kennt.

  6. 6

    Zerlegen

    Bei zurückgezogenem Schlitten wird der federbelastete Stift an der rechten Gehäuseseite eingedrückt, das Zerlegestück an der linken Seite nach unten geschoben und samt Stift nach links entnommen; danach lässt sich der Verschluss nach vorn abziehen. Der feststehende Lauf hängt daran nicht — er wird von seinen Haltewarzen gefasst und kommt erst nach Entnahme des Laufhaltestücks und einer Drehung frei.

Masseverschluss — unverriegelter Rückstoßlader

Schemaskizze, nicht maßstäblich

1 2 3
  1. 1 Verschlussruhelage: Die Schließfeder presst den Verschluss gegen den feststehenden Lauf. Verriegelt ist nichts — es hält allein die Masse.
  2. 2 Schuss: Der Gasdruck treibt Geschoss und Hülse auseinander. Der Verschluss beginnt zurückzuweichen, bewegt sich wegen seiner Trägheit aber nur wenige Zehntelmillimeter, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat.
  3. 3 Rücklauf: Erst nach dem Druckabfall öffnet der Verschluss weit, wirft die Hülse aus und spannt die Feder.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

Walther PP

Carl Walther · Deutschland (Zella-Mehlis) · 1929 gesichert
System
Unverriegelter Masseverschluss, feststehender Lauf, 7,65 mm Browning, Spannabzug mit Entspannhebel und Ladeanzeige
Unterschied
Gleiches Kaliber, gleiches Verschlussprinzip, gleicher Einsatzzweck, aber zwei Jahre jünger und mit dem entscheidenden Mehr an Bedienlogik. Die PP kann geladen, entspannt und sicher geführt werden; die vz. 27 kann das nicht. Beide standen ab 1940 gleichzeitig in deutscher Beschaffung.
Befund
Der Vergleich zeigt, dass die vz. 27 technisch die ältere Generation vertritt. Ihr Vorteil lag nicht in der Konstruktion, sondern in einer laufenden Fertigungsstraße, die 1939 einfach übernommen werden konnte.

Mauser HSc

Mauser-Werke AG · Deutschland (Oberndorf am Neckar) · 1940 gesichert
System
Unverriegelter Masseverschluss, feststehender Lauf, 7,65 mm Browning, Spannabzug, teilverdeckter Hahn mit kurzem Sporn
Unterschied
Äußerlich die nächste Verwandte — auch die HSc verbirgt den Hahn bis auf einen kurzen Sporn. Der Unterschied liegt im Abzug — bei der HSc ein Spannabzug mit Entspannhebel, bei der vz. 27 nur Single Action. Der Sporn löst bei Mauser ein Komfortproblem, bei ČZ ein Grundproblem.
Befund
Beide Waffen liefen ab 1940 parallel in deutscher Beschaffung und tragen beide Waffenamt-Abnahme. Die HSc entstand in Württemberg, die vz. 27 in Südböhmen. Aus der Beschriftung allein ist dieser Unterschied nicht zu lesen.

Sauer 38H

J. P. Sauer & Sohn · Deutschland (Suhl) · 1938 plausibel
System
Masseverschluss, Spannabzug, vollständig verdeckter Hahn mit Hebel zum Spannen und Entspannen
Unterschied
Die konsequenteste Gegenposition — Sauer verbirgt den Hahn ganz und bedient ihn über einen Hebel. ČZ verbirgt ihn fast ganz und bietet gar keine Bedienung außer dem Sporn.
Befund
Im Dreiklang Suhl, Oberndorf, Zella-Mehlis ist die vz. 27 der vierte Fall und der einzige, der die Frage nach dem Zustandswechsel überhaupt nicht beantwortet.

ČZ vz. 52

Česká zbrojovka Strakonice · Tschechoslowakei · 1952 plausibel
System
Rollenverriegelter Rückstoßlader, 7,62 × 25 mm
Unterschied
Dieselbe Fertigungsstätte eine Generation später, unter sowjetischem Einfluss statt deutschem, mit verriegeltem System und Mittelkaliber der Ostblock-Norm.
Befund
Strakonice ist damit im Register zweimal vertreten — einmal unter deutscher, einmal unter sowjetischer Bündnislage. Der Ort blieb, die Kennzeichen wechselten zweimal.

Bekannte Schwächen

Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.

  • Kein Spannabzug

    Die Waffe kennt keinen bedienbaren Zustand zwischen leer und gespannt. Wer sie einsatzbereit führen will, führt sie gespannt und gesichert. Die zeitgleiche Konkurrenz aus Thüringen und Württemberg hatte dieses Problem 1929 beziehungsweise 1940 gelöst.

    gesichert

  • Kaliberobergrenze des Masseverschlusses

    7,65 mm Browning ist das Ende der Fahnenstange für ein unverriegeltes System dieser Verschlussmasse. Ein stärkeres Dienstkaliber hätte eine Verriegelung verlangt — genau den Weg, den der Vorgänger vz. 24 mit dem Drehlauf gegangen und den die vz. 27 bewusst verlassen hatte.

    gesichert

  • Sinkende Ausführungsgüte in der Besatzungsfertigung

    Oberflächengüte und Ausstattung der Kriegsfertigung liegen deutlich unter der Vorkriegsarbeit, in der Spätfertigung bis zu phosphatierten Oberflächen. Für die Bestimmung am Einzelstück gilt daher dieselbe Regel wie bei den deutschen Vergleichsstücken — grobe Ausführung ist eher ein Datierungs- als ein Zustandsmerkmal.

    plausibel

  • Magazinsicherung

    Der Abzug ist bei entnommenem Magazin gesperrt. Was als Sicherheitsmerkmal gedacht war, nimmt der Waffe im Notfall die Verwendbarkeit der bereits geladenen Patrone.

    plausibel

Verwendung

  • Tschechoslowakische Polizei- und Behördenwaffe ab 1927
  • Ab 1939 Beschaffung durch Wehrmacht, Polizei und deutsche Sicherheitsorgane unter der Bezeichnung Pistole Modell 27
  • Kleine Sonderfertigung mit aufgeweitetem Laufüberstand zur Aufnahme eines Schalldämpfers
  • Nach 1945 Weiterfertigung für tschechoslowakische Behörden bis zur Ablösung durch die vz. 50

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (en) — ČZ vz. 27 Link
  2. [Online] VHÚ Praha — Pistole ČZ vz. 27 Link
  3. [Online] American Rifleman — I Have This Old Gun — CZ vz.27 Link
  4. [Online] American Rifleman — CZ Model 27 Pistol Link
  5. [Online] Múzeum zbraní — ČZ vz. 27 — Beschriftung und Abnahmestempel WaA 76 Link
  6. [Online] Guns.com — Historic Arms — Ceska Zbrojovka Model 27 Link
  7. [Online] Forgotten Weapons — Polish and German Police Silenced CZ-27 Pistols Link
  8. [Online] Wikipedia (en) — Česká zbrojovka Strakonice Link