Vergleichsstück · Sowjetunion
Tokarew TT-33
- Fertigung
- Tulaer Waffenfabrik und weitere Werke
- Kaliber
- 7,62 × 25 mm
- Zeitraum
- 1933–1954
- Belegstatus
- plausibel
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Die TT-33 arbeitet nach demselben Grundmuster wie die amerikanische Colt M1911: Lauf und Verschlussstück, der Stahlblock außen über dem Lauf, sind vor dem Schuss ineinander verhakt und laufen ein kurzes Stück gemeinsam zurück; dann zieht ein kleines schwenkbares Glied das hintere Laufende nach unten, die Verbindung löst sich, der Lauf bleibt stehen, das Verschlussstück läuft allein weiter, wirft die leere Hülse aus, spannt den Hahn, den Schlaghebel für den nächsten Schuss, und schiebt beim Vorlaufen die nächste Patrone in das Patronenlager am hinteren Ende des Laufs. Bemerkenswert ist, wie konsequent diese Waffe an jeder Stelle Fertigungsarbeit spart. Die Verhakung besteht nicht aus einzelnen Nasen, die genau zueinander passen müssen, sondern aus Rippen, die den Lauf ringsum umlaufen und sich in einem Arbeitsgang eindrehen lassen. Die gesamte Abzugs- und Schlagwerkgruppe sitzt in einem eigenen Block, der sich als Ganzes aus dem Griffstück herausnehmen lässt — gut für Fertigung wie Instandsetzung. Und die beiden Lippen, die die Patrone beim Zuführen führen, sitzen am Rahmen der Waffe statt oben am Magazin, sodass die Magazine gröber ausfallen dürfen, ohne Störungen zu verursachen. Der Preis steht auf der anderen Seite: Ein Sicherungshebel fehlt vollständig, ebenso ein Hebel zum Entspannen und eine Anzeige des Ladezustands. Es gibt nur eine Rast, in der der Hahn ein Stück vor dem Zündstift stehen bleibt. Getragen wird die Waffe deshalb entweder mit leerem Lauf oder auf dieser Rast — gegen einen harten Stoß schützt sie nicht.
Vergleichsstück. Gehört nicht zur ostdeutschen Fertigung; steht hier als Maßstab.
Die TT-33 ist für dieses Register doppelt einschlägig: als zeitgleicher Gegenentwurf zur Pistole 38 und als unmittelbare Vorgängerin der Makarow im selben Dienst.
Konstruktion
| Tokarew TT-33 (1933) | Pistole 38 (1938) | |
|---|---|---|
| Patrone | 7,62 × 25 mm, leistungsstärker | 9 × 19 mm |
| Verriegelung | Browning-Kipp, vereinfacht | Schwenkriegel |
| Abzug | Single Action | Spannabzug |
| Sicherungshebel | keiner | Entspannhebel |
| Ladeanzeige | keine | vorhanden, im Dunkeln ertastbar |
| Fertigung | auf Vereinfachung ausgelegt | aufwendiger |
Die TT-33 ist keine schlechtere Konstruktion, sondern eine mit anderem Optimierungsziel. Umlaufende Verriegelungsrippen statt einzelner Warzen, Schlossgruppe als herausnehmbarer Block, Zuführlippen am Rahmen statt am Magazin: Jedes dieser Merkmale senkt Fertigungsaufwand oder Störanfälligkeit.
Ebenso aufschlussreich ist, was fehlt. Kein Sicherungshebel, kein Entspannhebel, keine Ladeanzeige, und alle drei hatte die Walther PP vier Jahre zuvor zusammengeführt.
Einordnung
1951 löste die Makarow die TT-33 ab, und interessanter als die Ablösung selbst ist der Tausch. Aufgegeben wurden Patronenleistung und Verriegelung. Gewonnen wurden Spannabzug, Sicherungshebel und weniger Teile.
In diesem Moment übernimmt die östliche Dienstpistole die Bedienlogik, die 1929 in Zella-Mehlis entstanden war. Für das Register schließt sich damit ein Kreis. Die Dienstpistole der NVA, ab 1958 in Suhl in Lizenz gefertigt, geht über den Umweg Moskau auf eine Thüringer Konstruktion zurück.
Für die Bestimmung
Aus sachverständiger Sicht ist das Fehlen einer Sicherung das erste, was zu benennen ist. Es handelt sich um ein Konstruktionsmerkmal und weder um einen Defekt noch um eine Manipulation, mit der Folge, dass Fallsicherheit konstruktiv nicht gegeben ist. Siehe Abzugs- und Sicherungssysteme.
Konstruktion
- Verschluss
- Verriegelter Verschluss mit kurzem Laufrücklauf nach Browning-Prinzip, vereinfacht: umlaufende Verriegelungsrippen am Lauf statt einzelner Warzen
- Ladeprinzip
- Rückstoßlader mit kurzem Laufrücklauf
- Zuführung
- Einreihiges Stangenmagazin, 8 Patronen
- Abzug
- Single Action. Die gesamte Schlossgruppe ist als herausnehmbarer Block ausgeführt — eine fertigungs- und instandsetzungstechnische Vereinfachung ohne Vorbild in der westlichen Konkurrenz.
- Sicherung
- Keine Sicherung im eigentlichen Sinn. Es gibt lediglich eine Sicherheitsrast am Hahn; ein Sicherungshebel fehlt vollständig.
- Visierung
- Feste Kimme und Korn
Maße und Leistung
- Länge
- ca. 195 mm
- Lauflänge
- ca. 116 mm
- Gewicht
- ca. 840 g
- Magazin
- 8 Patronen
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Verriegelt und schussbereit
Umlaufende Rippen am Laufrücken greifen in entsprechende Nuten des Schlittens. Weil die Rippen den Lauf ganz umlaufen, entfällt die Notwendigkeit, einzelne Warzen exakt zueinander zu fertigen — eine erhebliche Fertigungserleichterung gegenüber der M1911.
- 2
Gemeinsamer Rücklauf
Lauf und Schlitten laufen verriegelt zurück, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat.
- 3
Entriegelung durch Absenken
Ein Schwenkglied senkt das Laufende ab; die Rippen treten aus den Nuten. Das Prinzip entspricht der Colt M1911, die Ausführung ist vereinfacht.
- 4
Auswurf und Spannen
Auszieher und Auswerfer entfernen die Hülse; der Schlitten spannt den offen liegenden Hahn.
- 5
Vorlauf und Zuführung
Der Schlitten führt die nächste Patrone zu. Die Zuführlippen sitzen ungewöhnlicherweise **am Waffenrahmen statt am Magazin** — dadurch werden Magazine unkritischer in der Fertigung und Zuführstörungen seltener.
- 6
Bereitschaftszustand
Es gibt keinen Sicherungshebel und keinen Entspannhebel. Die Waffe wird entweder mit leerem Patronenlager oder auf der Sicherheitsrast des Hahns geführt — eine Handhabung, die Disziplin voraussetzt und in westlichen Armeen so nicht akzeptiert worden wäre.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verriegelt: Das keilförmige Riegelstück unter dem Lauf steht oben und greift beidseitig in Ausnehmungen des Verschlusses.
- 2 Entriegelung: Nach wenigen Millimetern gemeinsamen Rücklaufs trifft der Steuerstift am Griffstück das Riegelstück und schwenkt es nach unten aus den Ausnehmungen.
- 3 Getrennt: Der Lauf wird abgefangen, der Verschluss läuft allein weiter, wirft aus und spannt den Hahn.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
Pistole 38
Carl Walther · Deutschland (Zella-Mehlis) · 1938- System
- Verriegelter Rückstoßlader mit Schwenkriegel, Spannabzug, Entspannhebel, Ladeanzeige, 9 × 19 mm
- Unterschied
- Zeitgleiche Ordonnanzpistolen zweier Systeme. Die TT-33 hat die leistungsstärkere Patrone und die einfachere Fertigung, die P 38 die ungleich sicherere Handhabung. Wo Walther drei Bedienelemente einführt (Spannabzug, Entspannhebel, Ladeanzeige), verzichtet Tokarew auf alle drei.
- Befund
- Der Gegensatz beschreibt zwei Rüstungsphilosophien: Bedienungssicherheit für den Einzelschützen gegen Fertigbarkeit in großer Zahl.
Pistole M (Makarow)
VEB Ernst-Thälmann-Werk und weitere · DDR / Sowjetunion · 1951- System
- Unverriegelter Masseverschluss, Spannabzug, Sicherungshebel, 9 × 18 mm
- Unterschied
- Die Nachfolgerin im selben Dienst — und ein bewusster Tausch: weniger Patronenleistung und keine Verriegelung mehr, dafür Spannabzug, Sicherungshebel und deutlich weniger Teile.
- Befund
- Genau hier übernimmt der Osten die Bedienlogik, die 1929 in Zella-Mehlis entstand. Beide Waffen standen in DDR-Beständen nebeneinander; die Ablösung ist an Objekten derselben Sammlung nachvollziehbar.
Colt M1911A1
Colt und Auftragsfertiger · USA · 1924- System
- Verriegelter Rückstoßlader, Browning-Kippverschluss, Single Action
- Unterschied
- Dieselbe Verriegelungsfamilie, aber mit Griff- und Handsicherung. Die TT-33 streicht beide ersatzlos.
- Befund
- Zeigt, dass die Vereinfachung der TT-33 nicht dem Stand der Technik geschuldet war, sondern einer Beschaffungsentscheidung.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Kein Sicherungshebel
Das auffälligste Merkmal aus sachverständiger Sicht. Die Waffe besitzt nur eine Sicherheitsrast am Hahn; eine Sicherung gegen unbeabsichtigte Auslösung im Sinne moderner Konstruktionen fehlt. Bei der Beurteilung eines Altstücks ist das kein Defekt, sondern Konstruktionsmerkmal — es muss aber als solches benannt werden.
plausibel
-
Fallsicherheit konstruktiv nicht gegeben
Ohne automatische Schlagbolzensicherung ist bei geladenem Patronenlager und gespanntem oder halbgespanntem Hahn kein Schutz gegen Auslösung durch Stoß vorhanden.
ungeklärt
Verwendung
- Ordonnanzpistole der Roten Armee ab 1933, Ablösung durch die Makarow ab 1951
- In zahlreichen Staaten des Warschauer Pakts und darüber hinaus in Lizenz gefertigt; in DDR-Beständen neben der Makarow geführt
Quellen
- [Online] Wikipedia (de) — Tokarew TT-33 Link