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Technik · Verschlusssysteme

Abzugs- und Sicherungssysteme

Die Achse, auf der Thüringen den Weltmarkt geprägt hat

plausibel

Für die sachverständige Beurteilung einer Kurzwaffe ist diese Achse oft wichtiger als der Verschluss. Sie entscheidet über drei Dinge, die ein Gutachten benennen muss: wie die Waffe geführt werden konnte, welche Sicherungen vorhanden sind, und ob der Zustand am Objekt ablesbar ist.

Abzugssysteme

Single Action (SA)

Der Abzug löst nur aus; gespannt wird durch Repetieren oder von Hand. Kurzer, leichter Abzugsweg — aber die Waffe muss gespannt und gesichert geführt werden, sonst ist der erste Schuss langsam.

Im Register: Pistole 08, Dreyse M1907, Reichsrevolver (als Handspanner) Vergleich: Colt M1911, Tokarew TT-33, ČZ vz. 52

Double Action / Single Action (Spannabzug)

Der erste Schuss wird über den Abzug gespannt und ausgelöst. Die folgenden gehen als Single Action, und genau das erlaubt es, die Waffe fertiggeladen, entspannt und dennoch sofort schussbereit zu führen.

Im Register: Walther PP/PPK (1929, erstmals im Serienbau), Sauer 38H, Pistole 38 (erste Militärpistole der Welt mit dieser Bauart), Pistole M (Makarow)

Vorspannabzug

Das Schlagsystem wird beim Repetieren teilgespannt und beim Abziehen fertiggespannt — gleicher Abzugswiderstand bei jedem Schuss.

Vergleich: Glock 17 („Safe Action”, Österreich, 1982) und die meisten modernen Schlagbolzenpistolen

Sicherungskonzepte

KonzeptWirkungBeispiel
Hebelsicherungsperrt Abzug oder SchlagbolzenPistole 08, Makarow
Entspannhebellässt den Hahn gefahrlos ab und sperrt die SchlagbolzenbahnWalther PP, Pistole 38
Spann- und Entspannhebellässt ab und spannt wiederSauer 38H
Magazinsicherungverhindert den Schuss bei entnommenem MagazinSauer 38H
Griffsicherungentsichert nur bei umfasstem GriffColt M1911, HK P7
Spanngriffspannt und entsichert zugleich, ersetzt alle AußenhebelHK P7
Automatische Schlagbolzensicherunggibt den Schlagbolzen erst bei durchgezogenem Abzug freimoderne Dienstpistolen

Zustandsanzeigen

Für die Zustandsbeurteilung am Einzelstück und für die Sicherheitsbewertung eines Altbestands sind sie das entscheidende Merkmal:

  • Spannanzeige — der Schlagbolzen ragt bei gespannter Waffe hinten heraus. Dreyse M1907, eine der frühesten überhaupt.
  • Ladeanzeige — ein Stift tritt aus, wenn das Patronenlager gefüllt ist. Walther PP (1929), danach Pistole 38 — dort ausdrücklich im Dunkeln ertastbar.

Die thüringische Linie

Der Beitrag der Region lässt sich als eine einzige Entwicklungslinie über sechzig Jahre lesen:

JahrWaffeBeitrag
1907Dreyse M1907, SömmerdaSpannanzeige am herausragenden Schlagbolzen
1929Walther PP, Zella-MehlisSpannabzug + selbsttätig entspannender Sicherungshebel + Ladeanzeige, erstmals zusammen im Serienbau
1938Sauer 38H, SuhlHebel, der den verdeckten Hahn auch wieder spannt; dazu Magazinsicherung
1938Pistole 38, Zella-Mehliserste Militärpistole mit Spannabzug und Entspannhebel
1951/58MakarowÜbernahme des Konzepts in die östliche Dienstpistole

Der eigentliche Befund dieses Registers. Beim Verschluss setzte sich international das Browning-Prinzip durch, nicht das Kniegelenk und nicht der Schwenkriegel. Bei der Bedienlogik dagegen setzte sich die Thüringer Lösung durch: Praktisch jede moderne Dienstpistole vereint heute eine Browning-Verriegelung mit einer Bedienung, die auf die Walther PP von 1929 zurückgeht.

Die Region hat den Pistolenbau also nicht über den Verschluss geprägt, sondern über die Frage, wie man eine geladene Waffe sicher trägt. Das ist der Kern, den eine waffentechnische Darstellung zu diesem Gebiet vertreten kann.

Praxis: Sicherheitsbewertung eines Altstücks

Was bei der Begutachtung eines Stücks aus diesem Gebiet zu prüfen ist:

  1. Welche Sicherungen sind konstruktiv vorhanden? Altwaffen vor 1929 haben typischerweise nur eine Hebelsicherung, keine automatische Schlagbolzensicherung — Fallsicherheit ist bei ihnen konstruktiv nicht gegeben.
  2. Funktioniert der Entspannvorgang bestimmungsgemäß? Bei P38 und PP ist der Entspannhebel die am stärksten beanspruchte Sicherheitsbaugruppe; Verschleiß dort ist sicherheitsrelevant, nicht kosmetisch.
  3. Ist die Ladeanzeige funktionsfähig? Ein klemmender Anzeigestift täuscht einen leeren Zustand vor — der gefährlichste denkbare Defekt an diesen Modellen.
  4. Wurde nachgearbeitet? Veränderte Abzugsgewichte oder entfernte Magazinsicherungen sind bei Behördenwaffen häufig und für die Beurteilung erheblich.

Beispiele im Register

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (de) — Walther PP — Spannabzug, Sicherungs- und Entspannhebel, Ladeanzeige Link
  2. [Online] Wikipedia (en) — Sauer 38H — Spann- und Entspannhebel, Magazinsicherung Link
  3. [Online] Wikipedia (de) — HK P7 — Spanngriff als Griffsicherung Link