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OD WH

Modell

MPi AK-74N / MPi AKS-74N

Fertigung
GWB Wiesa
Kaliber
5,45 × 39 mm
Zeitraum
1985–1990
Belegstatus
plausibel

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Mechanisch ist diese Waffe ihre Vorgängerin MPi KM, unverändert. Ein Teil der Pulvergase wird aus dem Lauf in ein Rohr darüber geleitet und treibt dort einen Kolben zurück, der fest mit dem Verschlussträger verbunden ist — dem Schlitten, der den Verschluss führt, also das Stahlstück, das den Lauf von hinten zuhält. Der Träger legt zuerst ein Stück Weg allein zurück, damit der Druck im Lauf abfallen kann; dann greift eine schräge Kurve in den vorn sitzenden Verschlusskopf, dreht ihn um ein Stück und löst dessen zwei Nasen aus den Aussparungen des Gehäuses. Erst danach öffnet sich der Verschluss, wirft die leere Patronenhülse aus und spannt das Schlagstück. Eine Feder schiebt alles wieder nach vorn, die nächste Patrone kommt aus dem gekrümmten Magazin in den Lauf, der Kopf dreht sich wieder fest. Geändert wurde nicht der Verschluss, sondern die Munition: 1981 entschied die DDR, auf eine deutlich leichtere Patrone mit dünnerem und schnellerem Geschoss umzustellen. Die Folgen merkt der Schütze sofort — weniger Rückstoß, eine flachere Flugbahn, mehr Patronen bei gleichem Traggewicht; dafür lässt sich das leichte Geschoss von Zweigen oder Mauerwerk stärker ablenken. Der Westen ging in denselben Jahren aus denselben Gründen denselben Weg. Ein zweites Merkmal betrifft nicht die Funktion, sondern die Ausstattung: Jede dieser Waffen trug ab Werk eine Schiene an der Seite des Gehäuses, an der sich ein Zielfernrohr befestigen lässt. Die sowjetische Fertigung desselben Musters bekam sie erst rund zehn Jahre später.

1981 entschied die DDR, auf die Patrone 5,45 × 39 mm umzustellen. Am 15. Mai 1981 wurde der Lizenzvertrag geschlossen; ab 1985 war die MPi AK-74N Standardwaffe der beweglichen Kräfte der NVA und löste die MPi KM-72 teilweise ab.

Fertigung

Aus der Sowjetunion wurden keine AK-74 zugekauft. Stattdessen entstanden im VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa neue Maschinen und Anlagen für die Eigenfertigung.

Bei der Makarow war es anders gelaufen. Deren Suhler Lizenzfertigung endete 1965 auf sowjetischen Druck, danach wurde importiert. Bei den Automatwaffen hielt die DDR ihre Fertigungstiefe.

Für die Bestimmung

Alle DDR-AK-74 trugen serienmäßig eine seitliche Zielfernrohrschiene. Die sowjetische Fertigung führte dieses Merkmal erst etwa zehn Jahre später mit der AK-74M ein, und eine AK-74 mit serienmäßiger Schiene aus den 1980er Jahren ist deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit DDR-Fertigung. Weitere Unterscheidungsmerkmale sind die Kunststoffausstattung und, bei der Klappschaftvariante MPi AKS-74N, eine eigene Schaftkonstruktion.

Einordnung

Der Kaliberwechsel ist der bemerkenswerteste Zug dieser Waffe. Beide Blöcke gingen innerhalb weniger Jahre denselben Schritt vom mittelschweren zum leichten, sehr schnellen Geschoss, und zwar aus identischen Gründen. Die Einzelheiten stehen unter Kalaschnikow gegen AR-15.

Waffenrechtliches

Vollautomatische Waffe und damit Kriegswaffe nach dem KWKG. Sie steht hier ausschließlich zur Dokumentation. Siehe Methodik.

Konstruktion

Verschluss
Drehkopfverschluss mit zwei Verriegelungswarzen
Ladeprinzip
Gasdrucklader mit langhubigem Gaskolben
Zuführung
Gekrümmtes Stangenmagazin, 30 Patronen
Abzug
Umschaltbar Einzel- und Dauerfeuer
Sicherung
Kombinierter Sicherungs- und Feuerwahlhebel rechts am Gehäuse
Visierung
Korn mit Kornschutz und Kurvenvisier; zusätzlich serienmäßig eine seitliche Zielfernrohrschiene am Gehäuse

Maße und Leistung

Magazin
30 Patronen

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Verriegelt und schussbereit

    Die beiden Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter den Rastflächen des Gehäuses. Der Aufbau entspricht der MPi KM — die Umstellung betraf die Patrone und den Lauf, nicht das Verschlussprinzip.

  2. 2

    Schuss und Gasentnahme

    Pulvergase strömen durch die Laufbohrung in den Gaszylinder und treiben den mit dem Verschlussträger fest verbundenen Langhubkolben zurück.

  3. 3

    Freiweg und Drehentriegelung

    Nach einem Freiweg zum Druckabfall dreht eine Steuerkurve im Träger den Verschlusskopf aus den Rastflächen heraus.

  4. 4

    Rücklauf, Auswurf, Spannen

    Die Baugruppe läuft zurück, wirft die Hülse aus und spannt den Hahn. Die leichtere Patrone erzeugt dabei einen deutlich geringeren Rückstoßimpuls als beim Vorgängermodell.

  5. 5

    Vorlauf, Zuführung, Verriegelung

    Die Schließfeder treibt vor, der Stoßboden führt die nächste Patrone zu, die Steuerkurve dreht den Verschlusskopf zurück hinter die Rastflächen.

Gasdrucklader mit Langhubkolben und Drehkopfverschluss

Schemaskizze, nicht maßstäblich

1 2 3
  1. 1 Verriegelt: Die Warzen des Verschlusskopfs liegen hinter den Rastflächen des Gehäuses. Der Lauf steht fest — er läuft nicht mit zurück.
  2. 2 Gasentnahme: Hinter dem Geschoss strömt ein Teil der Pulvergase durch die Laufbohrung in den Gaszylinder und treibt den Kolben zurück. Der Kolben ist fest mit dem Verschlussträger verbunden (Langhub).
  3. 3 Entriegelung: Eine Steuerkurve im Träger dreht den Verschlusskopf aus den Rastflächen; erst danach nimmt der Träger ihn nach hinten mit.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

MPi KM-72

VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa · DDR · 1965
System
Gasdrucklader, Langhubkolben, Drehkopf; Patrone 7,62 × 39 mm
Unterschied
Der unmittelbare Vorgänger aus demselben Werk. Mechanisch nahezu identisch — der Unterschied liegt in Patrone, Lauf und Magazin. Genau deshalb ist der Vergleich lehrreich: Er isoliert die Wirkung des Kaliberwechsels bei sonst gleicher Konstruktion.
Befund
Geringerer Rückstoß, flachere Flugbahn, mehr mitführbare Munition — erkauft mit empfindlicherem Verhalten an Zwischenmedien.

M16A2

Colt und Lizenznehmer · USA · 1982
System
Direkte Gasabnahme ohne Kolben, Drehkopfverschluss mit sieben Warzen, Patrone 5,56 × 45 mm
Unterschied
Das westliche Gegenstück derselben Generation und derselben Entscheidung für die innere Mittelpatrone. Beide Blöcke wechselten binnen weniger Jahre aus denselben Gründen auf ein leichtes, schnelles Geschoss.
Befund
Der Vergleich beider Systeme im Einzelnen unter Kalaschnikow gegen AR-15.

Sowjetische AK-74

Ischmasch · Sowjetunion · 1974
System
Baugleiches Grundsystem, Patrone 5,45 × 39 mm
Unterschied
Das Lizenzvorbild. Die DDR-Fertigung unterscheidet sich vor allem durch Kunststoffausstattung, eine eigene Schaftausführung bei der Klappschaftvariante — und durch die serienmäßige seitliche Zielfernrohrschiene.
Befund
Die Schiene führte die sowjetische Fertigung erst rund zehn Jahre später mit der AK-74M ein. In diesem Punkt war Wiesa voraus.

Verwendung

  • Ab 1985 bis zur deutschen Einheit Standardwaffe der beweglichen Kräfte der NVA; löste die MPi KM-72 teilweise ab
  • MPi AKS-74N als Ausführung mit Klappschaft

Quellen

  1. [Online] swisswaffen.com — DDR MPi AK-74 / AKS-74 Link
  2. [Online] The Firearm Blog — East Germany AKs — Part 3: Less Known Variants Link
  3. [Online] Waffen Wiki — MPi AK-74 Link

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