Hersteller · Wiesa (Erzgebirge)
VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa
Für die Endmontage der DDR-Kalaschnikows wurde ein Betrieb mit der Tarnbezeichnung „Gerätewerk Wiesa” beziehungsweise VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa im Erzgebirge eingerichtet. Er arbeitete unter demselben VEB-Dach wie der Suhler Betrieb.
Verteilte Fertigung, zentrale Montage
Die Konstruktionsweise der DDR-Rüstung war bewusst dezentral. Einzelteile entstanden in zahlreichen Betrieben im ganzen Land, die Endmontage lief in Wiesa zusammen; für die Objektbestimmung heißt das, dass Baugruppen unterschiedliche Fertigungskennungen tragen können — ein Punkt, der in der Stempelkunde noch systematisch zu erfassen ist.
Modellfolge
| Ab | Modell | Grundlage |
|---|---|---|
| 1959 | MPi K | sowjetische AK |
| 1965 | MPi KM | sowjetische AKM, Blechpressverfahren |
| 1988 | PG 500 | MPi-KM-Ableitung, 500-mm-Lauf, Zielfernrohr |
Eine Fertigungsanekdote mit Objektrelevanz: Die ersten Serien erhielten mangels Birkenholz Buchenholzschäfte, die den Dauerprüfungen der NVA nicht standhielten. Schaftmaterial ist damit ein Datierungsmerkmal.
Wichtige Abgrenzung. MPi K und MPi KM sind vollautomatische Waffen und damit Kriegswaffen nach dem KWKG. Sie werden hier ausschließlich industriegeschichtlich dokumentiert; halbautomatische zivile Ableitungen unterliegen einer eigenen rechtlichen Bewertung.
Offene Forschungsfragen. Schreibweise des Ortsnamens, Gründungsdatum, Verhältnis zum Suhler Werk, Liste der Zulieferbetriebe, Kennzeichnungssystematik der Baugruppen.
Rechtsform und Firmierung
- 1959
- Gerätewerk Wiesa · Tarnbezeichnung
Der Name verschleiert den Zweck — Endmontage von Automatwaffen — und ist selbst ein Beleg für die Geheimhaltungspraxis der DDR-Rüstung.
- DDR-Zeit
- VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa · Volkseigener Betrieb
Arbeitete unter demselben VEB-Dach wie der Suhler Betrieb.
Fertigungsprogramm
- ab 1959
- MPi K
nach dem Vorbild der sowjetischen AK
- ab 1965
- MPi KM
nach dem Vorbild der AKM, im material- und kostensparenden Blechpressverfahren
- ab 1985
- MPi AK-74N und MPi AKS-74N
Lizenzvertrag vom 15. Mai 1981; für die Fertigung wurden eigene Maschinen und Anlagen aufgebaut, sowjetische Waffen wurden nicht zugekauft.
- ab 1988
- PG 500
MPi-KM-Ableitung mit 500-mm-Lauf, durchbrochenem Schaft und Zieloptik.
Standorte
- Wiesa (Erzgebirge)
Eigens eingerichteter Montagebetrieb unter Tarnbezeichnung. Die Schreibweise schwankt in den Quellen zwischen „Wiesa" und „Weisa".
Zwangsarbeit — Zeitraum nicht einschlägig
Der Betrieb bestand ab 1959 und liegt damit außerhalb des Zeitraums, für den die Prüfregel dieses Registers gilt.
Stehende Regel dieses Registers: Bei jedem Betrieb, der zwischen 1933 und 1945 gefertigt hat, wird der Einsatz von Zwangsarbeit geprüft und der Stand ausgewiesen — auch wenn die Prüfung noch aussteht. Siehe Die Waffenregion im Nationalsozialismus .
Verbleib
Mit der deutschen Einheit endete die Fertigung. Der Betrieb ist damit der einzige des Registers, der ausschließlich in der DDR bestand — ohne Vorgänger vor 1949 und ohne Fortsetzung nach 1990.
Modelle dieses Herstellers
- MPi AK-74N / MPi AKS-74N (Kriegswaffe — nur Dokumentation)
- MPi K / MPi KM (Kriegswaffe — nur Dokumentation)
- Wieger StG-940 (Modelle 941 und 942) (Kriegswaffe — nur Dokumentation)