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OD WH

Modell

MP 40

Fertigung
ERMA , Haenel
Kaliber
9 × 19 mm
Zeitraum
1940–1945
Belegstatus
plausibel

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Die MP 40 arbeitet nach demselben einfachen Grundgedanken wie die MP 18 von 1918. Vor dem Schuss steht der schwere Verschlussblock ganz hinten und wird dort festgehalten, der Lauf ist leer. Beim Abdrücken wird er losgelassen, eine Feder treibt ihn nach vorn, er schiebt die oberste Patrone aus dem Magazin in den Lauf, und sobald sie dort ankommt, zündet der fest im Block sitzende Zündstift sie. Der Rückstoß wirft den Block zurück, die leere Patronenhülse fliegt nach rechts heraus, und solange der Abzug gezogen bleibt, wiederholt sich das. Verriegelt wird nichts — allein das Gewicht des Blocks hält den Lauf lange genug geschlossen, und bei einer Pistolenpatrone genügt das. Das Eigene dieser Waffe steckt in zwei Entscheidungen. Die Feder läuft in einem dreiteiligen, ineinandergeschobenen Rohr, das sie gegen Schmutz abschirmt und beim Vorlauf zugleich als Luftpuffer wirkt. Zusammen mit dem bewusst schwer gehaltenen Block ergibt das eine für eine Maschinenpistole niedrige Feuerfolge von rund fünfhundert Schuss je Minute — langsam genug, dass ein geübter Schütze durch kurzes Antippen einzelne Schüsse abgeben kann, denn eine Umschaltung dafür gibt es nicht. Und das Gehäuse ist nicht aus vollem Stahl gefräst, sondern aus Blech gepresst und punktverschweißt, die Griffschalen sind Kunststoff. Das verbessert die Funktion nicht, es beantwortet den Zwang, sehr viele Waffen in sehr kurzer Zeit zu bauen.

Die MP 40 ist die fertigungsvereinfachte Serienform der MP 38, jener Waffe, die 1938 aus dem Erfurter Konstruktionsbüro der ERMA hervorging und ihrerseits auf den Versuchsträger EMP 36 zurückgeht. Am Funktionsprinzip ändert die MP 40 nichts. Sie ändert, wie die Waffe entsteht.

Entwicklung

Die geläufige Zuschreibung „Heinrich Vollmer bei ERMA” verkürzt zwei Dinge. Vollmer war kein Erfurter Werksangehöriger, sondern selbständiger Konstrukteur in Biberach an der Riß; die ERMA hatte um 1930 seine Maschinenpistolen-Patente erworben und daraus die Reihe EMP entwickelt. Die entscheidenden Bauteile der MP 38, der Verschluss mit Teleskopfeder und das doppelreihig gefüllte, einreihig abgebende Magazin, gehen auf Patente Hugo Schmeissers bei C. G. Haenel in Suhl zurück. Die Sammlerliteratur beschreibt die MP 38 deshalb als Ausarbeitung des Geipel’schen Büros unter Nutzung Suhler Schutzrechte. Für dieses Register liegt darin der eigentliche Befund. Die Linie von der MP 18 zur MP 40 verläuft über Thüringen, und zwar nicht bloß geografisch, sondern über dieselben Patentfamilien.

Fertigung

WerkOrtCodeFertigungStück (ca.)
ERMAErfurt27 / ayf1940–1943204.000
C. G. HaenelSuhl122 / fxo1940–1942123.000
Steyr-Daimler-PuchSteyr (Österreich)660 / bnz1940–1944536.000

Die Erfurter Zeile dieser Tabelle hat eine zweite Seite. Unmittelbar neben dem Geipel-Werk in der Altonaer Straße (die Quellen führen die Adresse teils als ERMA, teils als Schwesterfirma Feima, beide unter derselben Leitung), zwischen Leipziger, Bremer, Emdener und Greifswalder Straße, waren in 17 Baracken rund 2.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter untergebracht, in denselben Jahren, in denen dort die 204.000 Maschinenpistolen entstanden. Das Lager war kein KZ-Außenlager; Einzelheiten, Belegstand und das, was ausdrücklich nicht belegt ist, stehen unter ERMA. Für Suhl und Steyr ist die Frage in diesem Register noch nicht geprüft.

Die Zahlen summieren sich auf rund 863.000 Stück. Gemessen daran stellte der Untersuchungsraum rund zwei Fünftel; legt man die andernorts genannte Gesamtzahl von etwa 1,1 Millionen zugrunde, sind es eher drei Zehntel. In beiden Rechnungen entstand die Mehrheit außerhalb, in Steyr. Wer die MP 40 als thüringische Waffe führt, meint zu Recht ihre Herkunft, nicht ihren Fertigungsschwerpunkt.

Konstruktion

Die MP 38 hatte ein aus dem Vollen bearbeitetes Gehäuse mit Längsfräsungen und ein Griffstück aus Leichtmetall. Bei der MP 40 entfallen die Fräsungen, Magazinschacht und Anbauteile entstehen als Blechpressteile, gefügt wird punktverschweißt; Griffschalen und Handschutz bestehen aus Kunststoff auf Phenolharzbasis. Kunststoff hat hier also die Griffpartie erobert und nicht die tragende Struktur. Lauf, Verschluss und Verschlussgehäuse bleiben Stahl.

Einordnung

Suhl liefert nicht nur Stückzahlen. Von dort stammt die Abhilfe für die gefährlichste Schwäche der Waffe, den offen einhängbaren Spannhebel, der sich an Ausrüstung verfangen konnte. Der gesicherte, zweiteilige Hebel geht auf Schmeisser zurück. Als Haenel 1941 mit der MP 41 den Verschluss der MP 40 in einen Holzschaft mit Umschaltabzug setzte, klagte die ERMA wegen Patentverletzung. Die Fertigung endete nach rund 26.700 Stück.

Waffenrechtliches

Vollautomatische Waffe und damit Kriegswaffe nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Sie wird hier ausschließlich industrie- und technikgeschichtlich dokumentiert. Siehe Methodik.

Konstruktion

Verschluss
Unverriegelter Masseverschluss. Die Verschlussmasse allein hält das Patronenlager lange genug geschlossen — bei der Pistolenpatrone 9 × 19 mm genügt das, eine Verriegelung wäre Aufwand ohne Nutzen.
Ladeprinzip
Rückstoßlader, unverriegelt, zuschießend. Die Schließfeder sitzt in einem dreiteiligen Teleskoprohr, das die Feder gegen Schmutz kapselt und beim Vorlauf zugleich als Luftpuffer wirkt — das ist das eigentliche Konstruktionsmerkmal der Linie EMP – MP 38 – MP 40.
Zuführung
Gerades Stangenmagazin für 32 Patronen, senkrecht von unten. Doppelreihig gefüllt, aber einreihige Abgabe über einen verengten Magazinmund.
Abzug
Nur Dauerfeuer, keine Umschaltung. Die niedrige Kadenz von etwa 500 Schuss je Minute erlaubt dem geübten Schützen Einzelschüsse durch kurzes Antippen.
Sicherung
Ursprünglich nur eine Rast am Gehäuseschlitz, in die der Spannhebel in hinterer Stellung eingehängt wird. Ab etwa 1942 zweiteiliger Spannhebel, der den Verschluss auch in vorderer Stellung sperrt.
Visierung
Feste Kimme 100 m mit klappbarem Blatt für 200 m, Korn im Schutzring

Maße und Leistung

Länge
833 mm mit ausgeklappter Stütze, 630 mm eingeklappt
Lauflänge
251 mm
Gewicht
3,97 kg ohne Magazin
Magazin
32 Patronen
V₀
rund 380 m/s
Kadenz
500–550 Schuss/min

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Ausgangslage — Verschluss offen

    Der Verschluss steht hinten, gehalten vom Abzugsstollen; das Patronenlager ist leer und kühlt zwischen den Feuerstößen aus. Gesichert wird bei der frühen Ausführung durch Einhängen des Spannhebels in eine Rast am Gehäuseschlitz.

  2. 2

    Auslösen und Vorlauf

    Der Abzug gibt den Verschluss frei. Die im Teleskoprohr geführte Schließfeder treibt ihn nach vorn; der Stoßboden schiebt die oberste Patrone aus dem Magazin ins Lager. Die Luft im Teleskoprohr wird komprimiert und bremst den Vorlauf leicht ab.

  3. 3

    Zündung im Vorlauf

    Der Schlagbolzen steht fest im Verschlussboden. Sobald die Patrone anliegt, zündet sie, während der Verschluss noch Restschwung nach vorn hat. Diese vorwärts gerichtete Masse arbeitet dem Rückstoß entgegen — der Grund, warum die Waffe trotz geringen Gewichts im Feuerstoß beherrschbar bleibt.

  4. 4

    Rücklauf, Auszug, Auswurf

    Der Gasdruck über den Hülsenboden treibt den Verschluss zurück. Der Auszieher hält die Hülse, der feste Auswerfer schleudert sie nach rechts aus; die Schließfeder wird komprimiert, die Luft im Teleskoprohr entweicht kontrolliert.

  5. 5

    Endlage und Umkehr

    Der Verschluss läuft bis zum hinteren Anschlag, ohne auf eine Pufferfeder-Wucht angewiesen zu sein — die Masse selbst begrenzt die Geschwindigkeit. Aus dieser bewusst schweren Massenauslegung ergibt sich die für eine Maschinenpistole ungewöhnlich niedrige Kadenz.

  6. 6

    Fortsetzung oder Halt

    Bleibt der Abzug gezogen, wiederholt sich der Zyklus. Beim Loslassen fängt der Abzugsstollen den Verschluss wieder hinten — die Waffe bleibt mit leerem Lager stehen.

Masseverschluss — unverriegelter Rückstoßlader

Schemaskizze, nicht maßstäblich

1 2 3
  1. 1 Verschlussruhelage: Die Schließfeder presst den Verschluss gegen den feststehenden Lauf. Verriegelt ist nichts — es hält allein die Masse.
  2. 2 Schuss: Der Gasdruck treibt Geschoss und Hülse auseinander. Der Verschluss beginnt zurückzuweichen, bewegt sich wegen seiner Trägheit aber nur wenige Zehntelmillimeter, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat.
  3. 3 Rücklauf: Erst nach dem Druckabfall öffnet der Verschluss weit, wirft die Hülse aus und spannt die Feder.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

MP 18,I

Theodor Bergmann Waffenbau, Abteilung Suhl (Konstruktion Hugo Schmeisser) · Deutschland (Suhl) · 1918
System
Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, 9 × 19 mm
Unterschied
Funktionsprinzip identisch. Unterschiedlich ist alles, was mit Fertigung zu tun hat: Die MP 18 hat gefrästes Gehäuse und Holzschaft und ist eine Büchsenmacherarbeit, die MP 40 ist ein aus Blech gefügtes Massenprodukt mit klappbarer Metallstütze.
Befund
Zwischen beiden liegen 22 Jahre, aber kein Prinzipienwechsel. Die MP 40 ist die MP 18 unter den Bedingungen der Kriegswirtschaft — und die Verbindung läuft nicht nur über die Landschaft, sondern über Patente Hugo Schmeissers, die im Verschluss und im Magazin der MP 38/40 stecken.

MP 41

C. G. Haenel · Deutschland (Suhl) · 1941
System
Verschluss, Gehäuse und Magazin der MP 40 in Holzschaft, dazu Umschaltabzug für Einzel- und Dauerfeuer nach Art der MP 28
Unterschied
Hugo Schmeissers Gegenentwurf aus derselben Fertigung: Er nimmt der MP 40 genau die zwei Eigenschaften, die Truppenkritik erzeugten — fehlendes Einzelfeuer und die kurze, unruhige Metallstütze.
Befund
Nach einer Patentklage der ERMA Ende 1941 wurde die Fertigung beendet; rund 26.700 Stück. Der Vorgang belegt, dass Suhl an der MP 40 nicht nur Lohnfertiger, sondern Mitkonstrukteur mit eigenen Ansprüchen war.

MKb 42(H) / StG 44

C. G. Haenel · Deutschland (Suhl) · 1942
System
Gasdrucklader, verriegelt, Mittelpatrone 7,92 × 33 mm
Unterschied
Löst dieselbe Aufgabe — beherrschbares Dauerfeuer aus der Hand — über die Patrone statt über die Verschlussmasse und behält dabei Gewehrreichweite. Damit ist die Rolle der Maschinenpistole als Hauptwaffe des Schützen erledigt.
Befund
Die MP 40 ist der Endpunkt der Linie, die 1918 begann; das Sturmgewehr ist ihr Nachfolger, nicht ihre Weiterentwicklung.

PPSch-41

Staatliche Werke der UdSSR · Sowjetunion · 1941
System
Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, 7,62 × 25 mm, Trommelmagazin für 71 Patronen
Unterschied
Noch konsequenter auf Blechpressfertigung getrimmt, aber mit Holzschaft, etwa doppelter Kadenz und stärkerer Patrone. Die MP 40 ist die genauere, die PPSch die schneller und billiger herstellbare Waffe.
Befund
Der unmittelbare Vergleichsmaßstab an der Ostfront; erbeutete PPSch wurden deutscherseits umgekammert weiterverwendet.

Bekannte Schwächen

Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.

  • Magazin mit einreihiger Abgabe

    Das doppelreihig gefüllte Magazin gibt die Patronen einreihig ab. Der Übergang erzeugt Reibung; Staub und verharztes Öl führten zu Zuführstörungen. Ab März 1942 wurden gerippte Magazingehäuse eingeführt und glatte Altbestände nachgerüstet. Die Sicken liegen in der Magazinwand, nicht als Innenrippen im Zuführweg; die Fachliteratur nennt als Hauptzweck die geringere Schmutzempfindlichkeit, nicht eine Reibungsminderung. Davon zu trennen ist die ebenfalls gesickte Ausführung des Magazinschachts an späteren Waffen.

    gesichert

  • Greifen an den Magazinschacht

    Die Waffe hat keinen Vordergriff; wird zum Halten das Magazin statt des Schachts gefasst, verkantet der Magazinmund. Der Effekt ist in der Literatur Allgemeinplatz, konstruktiv aber schwer von den Magazinmängeln selbst zu trennen.

    plausibel

  • Sicherung der Frühausführung

    Der hakenförmige Spannhebel konnte sich an Ausrüstung verfangen und aus der Rast springen; der Verschluss lief vor und die Waffe feuerte. Abhilfe schuf der von Hugo Schmeisser patentierte zweiteilige Spannhebel, der sich bei vorderer Verschlussstellung eindrücken und in einer Ausnehmung des Gehäuses verriegeln lässt; er kam ab 1942 zum Einsatz. Wie lange sich die Umrüstung der Truppenbestände hinzog, ist aus den eingesehenen Quellen nicht belastbar zu beziffern.

    gesichert

  • Kein Einzelfeuer, kurze wirksame Reichweite

    Nur Dauerfeuer und eine Pistolenpatrone; jenseits von etwa 200 m ist die Waffe wirkungslos. Genau diese Lücke zwischen Maschinenpistole und Gewehr führte zur Mittelpatrone.

    gesichert

  • Klappstütze

    Die nach vorn unter das Gehäuse klappende Metallstütze verschleißt an den Gelenken und wird dann wacklig; bei Altstücken ist Spiel in der Stütze ein übliches Zustandsmerkmal.

    plausibel

Verwendung

  • Standardmaschinenpistole der Wehrmacht 1940–1945, vorrangig für Gruppenführer, Fallschirmjäger und Fahrzeugbesatzungen
  • Erprobungsvariante MP 40/I mit zwei nebeneinander geführten Magazinen, 1943 bei ERMA und Steyr, nicht eingeführt
  • Nach 1945 in zahlreichen Armeen und Konflikten weiterverwendet, unter anderem in Norwegen und in Israel bis in die 1950er Jahre

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (de) — Maschinenpistole 40 Link
  2. [Online] Wikipedia (en) — MP 40 Link
  3. [Online] mp40.nl — Die Maschinenpistole MP38, MP40, MP41 — MP40 Link
  4. [Online] mp40.nl — Die Maschinenpistole MP38, MP40, MP41 — The prototypes Link
  5. [Online] Wikipedia (en) — Erma Werke Link
  6. [Online] Modern Firearms — MP.41 Schmeisser Link

Aus derselben Fertigung