Modell
MP 28,II
- Fertigung
- Haenel
- Kaliber
- 9 × 19 mm, 9 × 23 mm Largo, 7,63 × 25 mm Mauser, 7,65 × 21 mm Parabellum, .45 ACP
- Zeitraum
- 1928–1940
- Belegstatus
- plausibel
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Auch diese Maschinenpistole kommt ohne Verriegelung aus: Im Augenblick des Schusses hakt nichts ineinander, den Lauf hält allein das Gewicht des schweren Verschlussblocks zu. Vor dem Schuss steht dieser Block hinten, gehalten von einem Riegel, der von unten in seine Bahn ragt. Beim Abdrücken weicht der Riegel nach unten, eine Feder treibt den Block nach vorn, er schiebt eine Patrone aus dem waagerecht von links eingeführten Magazin in den Lauf, und im Augenblick des Anschlagens zündet der fest im Block stehende Zündstift sie. Der Rückstoß wirft den Block zurück, die leere Patronenhülse fliegt nach rechts heraus. Neu gegenüber der zehn Jahre älteren MP 18 ist der Umschalter — ein quer durch das Gehäuse geführter Bolzen über dem Abzug, der auf die Marke D für Dauerfeuer oder E für Einzelfeuer gestellt wird. Auf D bleibt der Riegel unten, solange der Finger zieht; der Block läuft frei hin und her, die Waffe feuert weiter. Auf E muss der Riegel nach jedem Schuss wieder hochkommen, und zwar bevor der zurücklaufende Block ihn passiert hat, obwohl der Finger den Abzug noch gezogen hält. Genau darin liegt der Kunstgriff: Die Waffe trennt die Schüsse selbst, weil ein Mensch es nicht kann. Ein vollständiger Umlauf dauert etwa ein Zehntel einer Sekunde, eine bewusste Fingerbewegung mindestens das Doppelte; wer bei einer reinen Dauerfeuerwaffe antippt, gibt zwei bis drei Schuss ab und keinen einzelnen. Wie der Umschalter das im Inneren bewerkstelligt, ist für diesen Eintrag nicht belegt.
Dieser Eintrag hat gefehlt, während fünf andere auf ihn verwiesen. Zufall ist das nicht. Es ist die Nachwirkung eines Fehlers. Dieses Register hatte die MP 18,I lange C. G. Haenel zugeschrieben. Nach der Korrektur, gefertigt hat sie Theodor Bergmann, blieb im Haenel-Programm ein Verweis auf die Waffe stehen, die das Haus tatsächlich baute, ohne dass es sie als Eintrag gab. Die MP 28,II ist diese Waffe.
Entwicklung
Der Versailler Vertrag untersagte der Reichswehr die Einführung von Maschinenpistolen. Der Polizei war ein Kontingent zugestanden, nach der geläufigen Angabe eine Maschinenpistole je 20 Mann. Für diesen Markt wurde die MP 28 gebaut, und er erklärt zugleich ihre Ausstattung: Kurvenvisier, Bajonetthalterung und Holzschaft ergeben eine Waffe für den geschlossenen Verband, nicht für den Stoßtrupp.
Die zweite Jahreszahl gehört daneben. Das Pariser Abkommen vom 31. Januar 1927 beendete die Interalliierte Militär-Kontrollkommission, die zum 1. Februar 1927 ihre Arbeit einstellte. Ein Jahr später erschien die MP 28. Dass beides zusammenhängt, ist eine naheliegende Deutung dieses Registers und keine Quellenaussage; belegt ist nur die Abfolge. Belegt ist auch, dass die Waffe von Anfang an auf den Auslandsvertrieb angelegt war. Um 1930 erwarb die S. A. des Anciens Établissements Pieper in Herstal eine Fertigungs- und Exportlizenz.
Konstruktion
Am Verschluss ändert sich nichts. Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, fester Schlagbolzen, Sicherung durch Einhängen des Spannhebels: alles wie 1918. Geändert ist, was der Schütze bedient.
| Merkmal | MP 18,I (1918) | MP 28,II (1928) | MP 18,Iv, Haenel-Umbau (1930er) |
|---|---|---|---|
| Feuerarten | nur Dauerfeuer | Einzel- und Dauerfeuer, umschaltbar | nur Dauerfeuer |
| Magazin | Trommelmagazin TM 08, 32 Patronen | gerades Stangenmagazin, 20 oder 32 | gerades Stangenmagazin, 20 oder 32 |
| Magazinstutzen | schräg nach hinten gestellt | gerade, waagerecht | auf waagerecht umgebaut |
| Visier | feste Kimme | Kurvenvisier 100–1000 m | feste Kimme |
Die rechte Spalte ist der Grund für die verbreitete Verwechslung, und ihre Jahreszahl steht mit Absicht dort und nicht in der Mitte. Haenel rüstete vorhandene MP 18,I für die Polizei auf gerade Stangenmagazine um, in der Sammlerliteratur „System Schmeisser” oder „MP 18,Iv” genannt. Naheliegend wäre, darin den Entwicklungsschritt zur MP 28 zu sehen; nach der englischen Darstellung wurden diese Umbauten aber erst in den 1930er Jahren ausgeführt, also nach der MP 28 und gerade als deren billiger Ersatz. Die Polizei bekam das neue Magazin, ohne neue Waffen kaufen zu müssen. Ein solches Stück trägt einen Haenel-Bezug, ist aber keine MP 28. Es fehlen Umschalter und Kurvenvisier. Beide sind von außen zu sehen; das ist die schnellste Unterscheidung am Objekt.
Und noch eine Zwischenstufe. Das gerade Stangenmagazin ist keine Suhler Neuerung von 1928. Die Patentrechte an der MP 18 waren nach 1920 an die SIG in Neuhausen gegangen, und die dortige M1920 hatte das gerade Magazin bereits, von links, 50 Patronen. Wer eine Bergmann-artige Maschinenpistole mit geradem Magazin vor sich hat, hat damit noch keine Suhler Waffe: Es kann eine SIG, ein chinesischer Nachbau davon oder ein Haenel-Umbau sein.
Der Umschalter
Einzelfeuer aus einem zuschießenden Verschluss ist die interessante Frage dieses Eintrags, und sie ist mechanisch schärfer, als sie klingt.
Eine zuschießende Waffe hat weder Hahn noch beweglichen Schlagbolzen. Der Verschluss ist das auslösende Teil, und das einzige, was ihn zurückhält, ist der Abzugsstollen, ein von unten in die Verschlussbahn ragender Riegel, der in eine Rast an der Verschlussunterseite greift. Im Dauerfeuer ist die Sache einfach. Der Abzug drückt den Stollen nach unten und hält ihn dort, solange der Finger zieht. Der Verschluss läuft frei hin und her.
Für Einzelfeuer muss der Stollen nach jedem Schuss wieder hochkommen, und zwar, bevor der zurücklaufende Verschluss die Rast passiert hat, obwohl der Finger den Abzug weiter gezogen hält. Das ist die ganze Aufgabe.
Durch Fingerfertigkeit lässt sie sich nicht lösen, und das ist nachrechenbar. Bei 500 bis 600 Schuss je Minute dauert ein voller Zyklus 100 bis 120 Millisekunden. Der hier maßgebliche Abschnitt, vom Zündpunkt bis zur Rückkehr des Verschlusses über den Stollen, ist noch einmal deutlich kürzer, in der Größenordnung von 50 ms; das ist ein Überschlag dieses Registers und keine Messung. Menschliche Reaktionszeiten liegen bei 150 bis 250 ms. Rechnet man diese Spanne gegen 100 bis 120 ms Zyklusdauer, ergibt der kürzestmögliche bewusste Abzugsdruck rund zwei bis drei Schuss. Wer bei einer reinen Dauerfeuerwaffe „antippt”, gibt keinen Einzelschuss ab; er gibt eine kurze Garbe ab. Die Trennung muss die Waffe selbst vornehmen und nicht der Schütze.
Belegt ist am Objekt der Umschalter: ein Querbolzen im Abzugsgehäuse oberhalb des Abzugs, der sich von einer Seite zur anderen durchdrücken lässt und dabei die Marke „D” für Dauerfeuer beziehungsweise „E” für Einzelfeuer freigibt. Was der Bolzen im Inneren bewirkt, ist in den für diesen Eintrag zugänglichen Darstellungen nirgends beschrieben. Systematisch bleiben genau zwei Wege, weil die Trennung entweder von außen oder von innen angestoßen werden muss:
- Fremdgesteuert. Ein Zwischenglied zwischen Abzug und Stollen wird vom laufenden Verschluss selbst ausgehoben. Der Verschluss ist dabei Taktgeber; die Trennung findet immer an derselben Stelle seines Weges statt.
- Eigengesteuert. Das Zwischenglied trägt eine Schrägfläche und rutscht unter dem fortdauernden Fingerzug von der Stollennase ab, sobald diese entlastet ist. Hier bestimmt die Geometrie der Eingriffsflächen den Zeitpunkt, nicht der Verschluss.
Welcher der beiden Wege in der MP 28 verwirklicht ist, sagt dieser Eintrag nicht; er weiß es nicht. An einem zerlegten Abzugsgehäuse wäre es in Minuten entschieden. Trägt der Verschluss an der Unterseite eine zweite, flachere Steuerfläche vor der Fangrast, ist es Weg 1; findet sich nur ein federbelastetes Glied mit Schrägfläche im Gehäuse, ist es Weg 2. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang eine Sammlerauskunft zur britischen Kopie: Die Lanchester habe den MP-28-Abzugsmechanismus gerade nicht übernommen, ihr eigener sei schlechter gewesen und beim Mk I* geändert worden. Wenn das zutrifft, war der Suhler Abzug der schwierigste und nicht der einfachste Teil der Konstruktion.
Fertigung
Hier liegt die Zuschreibungsfrage, an der dieses Register schon vier Fehler gemacht hat, und sie liegt diesmal anders als sonst. Unsicher ist nicht der Betrieb, unsicher ist der Anteil.
Für Suhl gibt es den Nachweis, der bei der MP 18 gefehlt hatte, und zwar am Stück und nicht in der Biografie eines Konstrukteurs. Er hat zwei Stufen. Erstens die Beschriftung. Der Magazinstutzen deutscher Serienwaffen trägt „M.P.28,II — SYSTEM SCHMEISSER — PATENT” nebst Seriennummer; die Firmenbeschriftung „C. G. HAENEL — WAFFENFABRIK — SUHL” wird in Auktionsbeschreibungen genannt, ihr Sitz am Stück ließ sich hier nicht nachprüfen. Zweitens, und davon unabhängig, die Abnahme. Stücke tragen neben dem Handelsbeschusszeichen Krone/N einen Abnahmeadler mit der Prüfnummer 37, und WaA37 ist das Abnahmezeichen von C. G. Haenel. Zwei voneinander unabhängige Objektmerkmale zeigen damit nach Suhl; nach der Methodik dieses Registers genügt das für die Zuweisung des Musters.
Für den Umfang genügt es nicht. Über die in Suhl gebaute Stückzahl war nichts zu finden. Kein Jahr, keine Zahl, kein Abnahmevorgang. Die eingesehenen Darstellungen sagen übereinstimmend nur „in geringer Zahl für die Polizei”. Demgegenüber stehen die Zahlen, die außerhalb Suhls entstanden und die belegbar sind oder wenigstens beziffert werden:
| Fertigung | Ort | Zeit | Umfang |
|---|---|---|---|
| C. G. Haenel | Suhl | ab 1928 | keine Zahl ermittelbar |
| Pieper (Bayard) | Herstal, Belgien | ab etwa 1930 | belgische und niederländische Armee, 1.000 Stück für die Pariser Polizeipräfektur |
| Naranjero, lizenzlos | Alberique bei Valencia | 1938 | rund 2.000 |
| Lanchester, Kopie | Dagenham und Northampton, Birmingham, London | 1941–1945 | rund 81.000 (eine abweichende Aufstellung: rund 95.000) |
Die Tabelle steht schief, und sie steht mit Absicht schief. Die mit Abstand größte Zahl von Waffen dieser Konstruktion entstand in einem Land, das damit gegen Deutschland Krieg führte.
Die Suhler Zeile ist nicht nur unbekannt, sie ist auch strittig. Mehrere Darstellungen sprechen von belgischer Lizenzfertigung in erheblichem Umfang. Die französische Wikipedia dagegen hält ausdrücklich fest, das belgische Werk habe in Deutschland gefertigte Waffen lediglich montiert. Beide Angaben stützen sich auf keine erkennbare Betriebsquelle, und sie schließen einander aus. Der Unterschied ist erheblich:
- Trifft die erste zu, war Herstal ein echter Fertigungsort und die Suhler Zeile bleibt klein.
- Trifft die zweite zu, war die belgische Lizenz eine Etikettenlösung. Suhl fertigte, Herstal stempelte, und der Versailler Vertrag wurde verdeckt gebrochen statt umgangen. Dann wäre der Fertigungsanteil des Untersuchungsraums um ein Vielfaches größer als hier ausgewiesen.
Dieser Eintrag entscheidet das nicht. Er benennt den Widerspruch und sagt, wie er zu entscheiden wäre: über Beschriftungen sowie Beschuss- und Abnahmezeichen an belgischen Stücken. Dabei ist eine Ungenauigkeit zu vermeiden, die sich leicht einschleicht. Ein deutsches Beschusszeichen weist auf Deutschland und nicht auf Suhl. Krone/N bis 1939 und Adler/N danach sind reichsweite Nitro-Beschusszeichen; Suhl und Zella-Mehlis lassen sich nur an der Schriftform des Wortes „NITRO” auseinanderhalten. Lütticher Zeichen dagegen sind eindeutig belgisch. Und bei Lieferungen an Streitkräfte trägt das Stück ohnehin eine Abnahme statt eines Handelsbeschusszeichens: auf deutscher Seite den Adler mit Prüfnummer (WaA37 ist das Zeichen von Haenel), auf belgischer Seite die dortige Heeresabnahme. Eine Aktenfrage ist das nicht. Es ist eine Objektfrage, und in jeder größeren Sammlung zu klären.
Zwei Kunden, die dieses Register nicht führt. In den Nutzerlisten der MP 28 erscheinen regelmäßig Portugal, China und Japan. Für Portugal stehen die Ordonnanzbezeichnungen m/938 und m/942 nachweislich für die Steyr-Solothurn S1-100, eine andere Konstruktion; ein portugiesischer Beschaffungsvorgang für die MP 28 war nicht zu belegen. Für China und Japan gilt der Befund der Zwischenstufe: Die dort verbreiteten Waffen und die Nachbauten der Arsenale von Tsingtao, Dagu und Hanyang gehen auf die Schweizer SIG M1920 zurück, in Japan bei der Marineinfanterie als Typ Be geführt. Ein Lieferbeleg aus Suhl oder Herstal fehlt. Beide Angaben sind deshalb hier weggelassen und nicht abgeschwächt. Ein Nutzer ohne Beschaffungsakte ist kein Nutzer.
Varianten
Nach Dünkirchen 1940 brauchte Großbritannien sofort Maschinenpistolen. Was 1941 in Serie ging, war keine Neukonstruktion, sondern die MP 28,II, angepasst an britische Fertigung und britische Ausrüstung. Übernommen wurden Verschluss, Ladeprinzip, Gehäuseform und die Magazinlage von links. Geändert wurde, was gefertigt oder beschafft werden musste:
- Züge von sechs auf zwei reduziert, allein um Fertigungszeit zu sparen. Für die Bestimmung ist das der härteste Unterscheidungspunkt zwischen Original und Kopie, weil er im Laufinneren sitzt und sich nicht wegrestaurieren lässt.
- Schaft aus dem Bestand des Lee-Enfield, also zugeschnittenes Gewehrholz statt einer eigenen Konstruktion, damit weder Entwurfszeit noch Ausbildung neu anfangen mussten. Welches Muster, ist in den Quellen strittig: Die englische Wikipedia nennt das No. 4 Mk I, mehrere andere Darstellungen das SMLE No. 1 Mk III. Zwei Sachgründe sprechen für das SMLE. Das No. 4 Mk I lief erst 1941 in die Massenfertigung, die Lanchester entstand aber 1940, und das Bajonett des No. 4 ist der Dorn, während die Lanchester das Pattern-1907-Seitengewehr des SMLE führt. Dieser Eintrag folgt deshalb dem SMLE und weist den Widerspruch aus.
- Bajonetthalterung für das Seitengewehr Pattern 1907, auf ausdrückliches Verlangen der Admiralität. Die MP 28 hatte eine solche Halterung rechts; die britische sitzt mittig unter der Mündung und passt zum vorhandenen Gewehrbajonett.
- Magazingehäuse aus Bronze. Eine Darstellung führt das ausdrücklich auf die spanischen Nachbauten zurück; dann wäre der Weg der Konstruktion von Suhl über Herstal nach Valencia und von dort nach England gelaufen. Reizvoll ist der Gedanke, belegt ist er in dieser Kausalität nicht.
- 50-Schuss-Magazin, wechselseitig passend mit dem 32-schüssigen Sten-Magazin, das nach englischer Darstellung ursprünglich für die Lanchester entworfen wurde.
Rund 81.000 Stück entstanden bis 1945 bei Sterling in Dagenham und Northampton, bei Greener in Birmingham und bei Boss in London; eine abweichende Aufstellung kommt auf rund 95.000 und lässt die Fertigung schon 1943 enden. Die Royal Navy führte sie bis in die 1970er Jahre. Für dieses Register ist das der bemerkenswerteste einzelne Befund des Eintrags: Die meistgebaute Ausführung einer Suhler Maschinenpistolenkonstruktion trug den Namen eines englischen Automobilingenieurs und diente auf britischen Kriegsschiffen.
Über die Lanchester, die als Behelf zu teuer blieb, führt die Linie weiter zur Sten. Dieselben Konstrukteure, Shepherd und Turpin, hatten zuvor die Fertigungszeichnungen für die Lanchester nach erbeuteten MP 28 angefertigt, und die seitliche Magazinlage samt Magazin wanderte mit. Was die Sten sonst ausmacht, ist Neuentwurf. Mit rund vier Millionen Stück wurde sie die meistgebaute Maschinenpistole des Westens; die meistgebaute des Krieges überhaupt war die sowjetische PPSch-41 mit über fünf Millionen Stück bis Kriegsende.
Für die Bestimmung
An einem Stück der Bergmann-Schmeisser-Familie sind vier Merkmale in dieser Reihenfolge zu prüfen:
- Umschalter über dem Abzug? Nein → MP 18,I oder SIG M1920 oder deren Nachbau. Ja → MP 28,II oder eine ihrer Ausführungen.
- Visierung. Feste Kimme → MP 18-Familie einschließlich der Haenel-Umbauten. Kurvenvisier mit Marken bis 1000 m → MP 28. Kurvenvisier mit Marken bis 600 Yard → Lanchester Mk I; einfaches Klappvisier 100/200 Yard → Lanchester Mk I*. Entscheidend ist hier die Einheit auf der Visierleiter, nicht die Bauart des Visiers.
- Beschriftung an Gehäuse und Magazinstutzen. Der Magazinstutzen deutscher Stücke trägt „M.P.28,II / SYSTEM / SCHMEISSER / PATENT” mit Seriennummer; weiter Haenel/Suhl, Pieper/Herstal, Sterling/Greener/Boss. Fehlt jede Beschriftung, deutet das auf den spanischen Nachbau, der nach einer Darstellung ohne Herstellerzeichen ausgeliefert wurde. Ergänzend die Kleinstempel: Krone/N (deutscher Handelsbeschuss bis 1939) und der Abnahmeadler mit Prüfnummer, wobei WaA37 auf Haenel weist.
- Magazinstutzen und Kaliber. Waagerecht und 9 × 19 mm → deutsche oder belgische Ausführung. 9 × 23 mm Largo mit 36-Schuss-Magazin → spanisch. 7,63 × 25 mm Mauser → mit hoher Wahrscheinlichkeit SIG-Linie, nicht MP 28.
Ein fünftes Merkmal betrifft die Kopie. Zwei statt sechs Züge im Laufinneren weisen auf die Lanchester, gleich was außen steht.
Einordnung
Erstens schließt der Eintrag die Lücke, die eine Korrektur hinterlassen hat. Die Reihenfolge lautet: Bergmann Suhl (MP 18, 1918), Haenel Suhl (MP 28, ab 1928), Haenel Suhl (MKb 42(H), ab 1942). Über alle drei liegt dieselbe Werkstattbeziehung, aber nicht dasselbe Haus. Genau das war der Fehler.
Zweitens belegt die MP 28, dass Suhler Konstruktionen über den Export wirkten und nicht über die Beschaffung. Die Reichswehr durfte sie nicht haben, die Wehrmacht wollte sie nicht; eingeführt haben sie Belgien und die Niederlande, nachgebaut haben sie Spanien und Großbritannien. Damit steht sie quer zu der Erzählung, die die Waffenregion an deutschen Rüstungsaufträgen misst. Sie ist das Gegenstück zum MP 40, bei dem der Untersuchungsraum die Konstruktion stellte und den Fertigungsschwerpunkt verlor.
Drittens liefert sie den Prüfstein für die eigene Methodik. Bei der MP 18 war der Fehler eine Zuschreibung ohne Objektquelle. Hier gibt es die Objektquelle, und sie beantwortet trotzdem nur die halbe Frage. Sie sagt, wessen Muster es ist; sie sagt nichts darüber, wie viele Stück wo entstanden. Eine Firmenbeschriftung ist ein Musternachweis und kein Mengennachweis.
Waffenrechtliches
Vollautomat und damit verbotene Waffe nach Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.2.1.1 des Waffengesetzes. Das gilt unabhängig von der Stellung des Umschalters. Maßgeblich ist die Fähigkeit zum Dauerfeuer, nicht die eingestellte Feuerart.
Kriegswaffe nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz ist sie dagegen nicht, anders als es der erste Blick auf „Vollautomat” nahelegt. Nr. 29 b) der Kriegswaffenliste erfasst Maschinenpistolen ausdrücklich nur, soweit sie nicht „als Modell vor dem 2. September 1945 bei einer militärischen Streitkraft eingeführt worden sind”. Die MP 28,II ist 1934 bei der belgischen und der niederländischen Armee eingeführt worden und fällt damit unter die Ausnahme. Dieselbe Systematik erklärt, warum Nr. 29 a) wassergekühlte Maschinengewehre ausnimmt und Nr. 29 c) dieselbe Altmodell-Grenze für vollautomatische Gewehre zieht.
Praktisch heißt das: keine KWKG-Erlaubnis, wohl aber die Ausnahme vom Verbot nach dem Waffengesetz. Die Einordnung im Einzelfall trifft die zuständige Behörde; dieser Eintrag ersetzt keine Feststellung. Die Waffe wird hier ausschließlich industrie- und technikgeschichtlich dokumentiert. Siehe Methodik.
Offene Forschungsfragen. Erstens die Suhler Stückzahl: Existieren im Firmenbestand C. G. Haenel im Staatsarchiv Meiningen Auftrags- oder Lieferunterlagen zur MP 28, und bis wann lief die Fertigung? Zweitens die belgische Frage: Fertigte Pieper, oder montierte Pieper? Beschusszeichen an belgischen Stücken entscheiden das. Drittens der innere Aufbau der Umschaltung, fremdgesteuert oder eigengesteuert, an einem zerlegten Abzugsgehäuse in Minuten zu klären. Viertens die Lizenzfrage zur Lanchester: Hielt Sterling vor 1939 tatsächlich eine Fertigungslizenz, und was wurde daraus im Kriegsfall? Fünftens, und für dieses Register nicht nachrangig: Fällt ein Teil der MP-28-Fertigung in die Jahre, für die bei Haenel der Zwangsarbeitereinsatz belegt ist? Solange das Fertigungsende unbekannt ist, bleibt die Frage offen und wird hier weder behauptet noch ausgeschlossen.
Konstruktion
- Verschluss
- Unverriegelter Masseverschluss, zylindrisch, mit fest im Verschlussboden stehendem Schlagbolzen. Bei der Pistolenpatrone genügt die Verschlussmasse; eine Verriegelung wäre Aufwand ohne Nutzen.
- Ladeprinzip
- Rückstoßlader, unverriegelt, zuschießend — der Verschluss steht vor dem Schuss offen und zündet im Vorlauf. Gegenüber der MP 18,I unverändert.
- Zuführung
- Gerades doppelreihiges Stangenmagazin, waagerecht von links eingeführt, 20 oder 32 Patronen; doppelreihig gefüllt, einreihig abgebend. Auswurffenster rechts.
- Abzug
- Einzel- und Dauerfeuer, umschaltbar. Der Umschalter ist ein quer durch das Abzugsgehäuse geführter Druckbolzen oberhalb des Abzugs; je nach Durchdrückrichtung erscheint die Marke „D" (Dauerfeuer) oder „E" (Einzelfeuer). Das ist das auffälligste äußere Unterscheidungsmerkmal gegenüber der MP 18,I.
- Sicherung
- Keine eigene Sicherung. Gesichert wird wie bei der MP 18,I durch Zurückziehen des Spannhebels und Einhängen in eine nach oben ausgeschnittene, L-förmige Rast am hinteren Ende des Spannhebelschlitzes auf der rechten Gehäuseseite — bei der Zustandsbeurteilung eines Altstücks der sicherheitsrelevante Prüfpunkt.
- Visierung
- Balkenkorn, hinten Kurvenvisier (Rahmenvisier) mit Marken von 100 bis 1000 m — eine Gewehrgewohnheit der Zeit, keine Trefferentfernung dieser Patrone. Lauf im gelochten Kühlmantel, Bajonetthalterung rechts.
Maße und Leistung
- Länge
- 813 mm (Lexikon der Wehrmacht), 820 mm (Händlerbeschreibung und Modern Firearms) — der Ausreißer 843 mm der französischen Darstellung steht dort zusammen mit 269 mm Lauflänge und beschreibt damit nicht dieselbe Ausführung
- Lauflänge
- 200 mm (die französische Darstellung nennt abweichend 269 mm)
- Gewicht
- 4,0 kg ohne Magazin; eine Darstellung nennt 4,08 kg, geladen rund 4,7 kg
- Magazin
- 20 oder 32 Patronen; zwei Darstellungen nennen zusätzlich 50, eine zusätzlich 25. Spanischer Nachbau 36 Patronen in 9 × 23 mm Largo
- V₀
- in den eingesehenen Quellen nicht angegeben. Aus 200 mm Lauf unterhalb der rund 380 m/s der MP 40 (251 mm Lauf) zu erwarten — Abschätzung, nicht belegt
- Kadenz
- Quellen schwanken erheblich: 400 bis 450 (Lexikon der Wehrmacht), 500 (deutsche und französische Darstellung), 550 bis 600 Schuss/min (Modern Firearms)
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Ruhelage — Verschluss offen
Der Verschluss steht hinten, gehalten vom Abzugsstollen, der von unten durch eine Öffnung des Gehäusebodens in die Verschlussbahn ragt und in eine Rast an der Verschlussunterseite greift. Das Patronenlager ist leer. Gesichert wird durch Einhängen des Spannhebels in die Rast am Gehäuseschlitz — dieselbe Behelfslösung wie bei der MP 18,I.
- 2
Auslösen und Vorlauf
Der Abzug drückt den Stollen aus der Verschlussbahn nach unten. Die Schließfeder treibt den Verschluss nach vorn; der Stoßboden streift die oberste Patrone aus dem von links eingeführten Magazin und schiebt sie ins Lager.
- 3
Zündung im Vorlauf
Der Schlagbolzen steht fest im Verschlussboden. Sobald die Patrone anliegt und der Verschluss noch Restschwung nach vorn hat, zündet sie. Die nach vorn bewegte Masse arbeitet dem Rückstoß entgegen — der Kunstgriff des zuschießenden Prinzips, unverändert von der MP 18,I übernommen.
- 4
Rücklauf, Auszug, Auswurf
Der Gasdruck über den Hülsenboden treibt den Verschluss zurück. Der Auszieher hält die Hülse, der Auswerfer schleudert sie nach rechts aus, die Schließfeder wird komprimiert. Bis hierher verhalten sich beide Abzugsstellungen gleich.
- 5
Stellung „D" — Wiederholung
Der Stollen bleibt unten gehalten, solange der Finger zieht. Der zurücklaufende Verschluss überfährt ihn ungehindert, erreicht die hintere Endlage und läuft sofort wieder vor. Der Zyklus wiederholt sich, bis der Abzug losgelassen oder das Magazin leer ist.
- 6
Stellung „E" — Unterbrechung im laufenden Zyklus
Der Umschalter trennt die Verbindung zwischen Abzug und Stollen, während der Verschluss noch unterwegs ist. Der Stollen kommt durch seine Feder wieder hoch, bevor der zurücklaufende Verschluss ihn passiert hat, und fängt ihn in der hinteren Stellung. Erst nach Loslassen und erneutem Ziehen des Abzugs greift die Verbindung wieder. Welches Zwischenglied das im Inneren leistet, ist in diesem Eintrag NICHT belegt — siehe Belegnotiz.
- 7
Fangen und Halt
In beiden Stellungen endet der Vorgang gleich: Der Stollen fängt den Verschluss hinten, die Waffe bleibt mit leerem, offenem Patronenlager stehen. Das ist zugleich der Grund, warum eine offen stehende Waffe dieser Bauart bei Stoß oder Sturz auslösen kann.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verschlussruhelage: Die Schließfeder presst den Verschluss gegen den feststehenden Lauf. Verriegelt ist nichts — es hält allein die Masse.
- 2 Schuss: Der Gasdruck treibt Geschoss und Hülse auseinander. Der Verschluss beginnt zurückzuweichen, bewegt sich wegen seiner Trägheit aber nur wenige Zehntelmillimeter, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat.
- 3 Rücklauf: Erst nach dem Druckabfall öffnet der Verschluss weit, wirft die Hülse aus und spannt die Feder.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
MP 18,I
Theodor Bergmann Waffenbau, Abteilung Suhl (Konstruktion Hugo Schmeisser) · Deutschland (Suhl) · 1918- System
- Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, 9 × 19 mm, nur Dauerfeuer, anfangs Trommelmagazin über schräg gestellten Magazinstutzen
- Unterschied
- Derselbe Verschluss, dasselbe Ladeprinzip, dieselbe Behelfssicherung. Geändert sind Abzugsgruppe (Umschaltung Einzel-/Dauerfeuer), Magazinstutzen (waagerecht statt schräg) und Visierung (Kurvenvisier statt fester Kimme). Die drei Änderungen liegen alle außerhalb des Verschlusses.
- Befund
- Der Vergleich zeigt, was zehn Jahre Truppenerfahrung an einer schon funktionierenden Konstruktion verändern: nichts am Prinzip, alles an der Bedienung.
SIG Bergmann M1920
Schweizerische Industrie-Gesellschaft, Neuhausen · Schweiz · 1920 plausibel- System
- MP 18,I nach erworbenen Bergmann-Patentrechten, mit geradem Stangenmagazin von links (50 Patronen), 7,65 × 21 mm Parabellum und 7,63 × 25 mm Mauser
- Unterschied
- Die Zwischenstufe, die in den Darstellungen meist fehlt: Das gerade Stangenmagazin ist keine Neuerung von 1928, sondern acht Jahre älter und nicht in Suhl entstanden. Die MP 28 übernimmt eine bereits eingeführte Lösung und fügt Umschaltung und Kurvenvisier hinzu.
- Befund
- Für dieses Register vor allem eine Warnung bei der Bestimmung: Die in China und Japan verbreiteten „Bergmann"-Maschinenpistolen und ihre chinesischen Nachbauten gehen überwiegend auf diese Schweizer Ausführung zurück, nicht auf die MP 28.
Mitraillette Modèle 1934 (Pieper/Bayard)
S. A. des Anciens Établissements Pieper, Herstal · Belgien · 1934 ungeklärt- System
- Lizenzausführung der MP 28,II, 9 × 19 mm, Stangenmagazin 32 Patronen
- Unterschied
- Maßlich fast identisch — eine Darstellung nennt 2 cm kürzer und 100 g schwerer. 1934 von der belgischen und der niederländischen Armee eingeführt; erbeutete Stücke führte die Wehrmacht ab 1940 als MP 740(b).
- Befund
- Der eigentliche Verbreitungsweg der Konstruktion — und die offene Zuschreibungsfrage dieses Eintrags: ob in Herstal gefertigt oder nur montiert wurde, ist hier nicht geklärt.
Naranjero
Subsecretaría de Armamento, Werkstätten Alberique (Valencia) · Spanien · 1938 plausibel- System
- Lizenzloser Nachbau der MP 28,II in 9 × 23 mm Largo, Magazin 36 Patronen, abgerundeter statt hakenförmiger Spannhebel
- Unterschied
- Kein Export, sondern Reproduktion unter Kriegsbedingungen: rund 2.000 Stück 1938, nach einer Darstellung ohne jede Herstellerbezeichnung. Die Kaliberwahl folgt der spanischen Ordonnanzpatrone.
- Befund
- Zeigt die Kehrseite eines erfolgreichen Exports: Wer eine Waffe liefert, liefert die Vorlage mit. Der Name wurde in Spanien zum Gattungswort für Maschinenpistole.
Lanchester Mk I
Sterling Engineering Co. (Dagenham) und Sterling Armaments (Northampton), W. W. Greener (Birmingham), Boss & Co. (London) · Großbritannien · 1941- System
- Nahezu unveränderte Kopie der MP 28,II, 9 × 19 mm, gerades Stangenmagazin 50 Patronen von links, Schaft aus dem Bestand des Lee-Enfield, Magazingehäuse aus Bronze, Bajonetthalterung für das Seitengewehr Pattern 1907
- Unterschied
- Übernommen sind Verschluss, Ladeprinzip, Magazinlage und Gehäuseform. Geändert ist, was britische Fertigung und britische Ausrüstung verlangten: Züge von sechs auf zwei reduziert, Schaft und Bajonett aus dem Gewehrbestand, Visierung in Yards (Mk I Kurvenvisier 100–600 yd, Mk I* Klappvisier 100/200 yd). Der Abzugsmechanismus ist nach einer Sammlerauskunft gerade NICHT unmittelbar kopiert worden.
- Befund
- Der aufschlussreichste Vergleich dieses Eintrags: rund 81.000 Stück einer Suhler Konstruktion, gefertigt für die Royal Navy, im Krieg gegen Deutschland. Über die Konstrukteure Shepherd und Turpin und über die seitliche Magazinlage führt die Linie weiter zur Sten — der mit rund vier Millionen Stück meistgebauten westalliierten Maschinenpistole des Krieges; die meistgebaute überhaupt war mit über fünf Millionen Stück bis Kriegsende die sowjetische PPSch-41.
MP 40
ERMA Erfurt, C. G. Haenel Suhl, Steyr-Daimler-Puch · Deutschland und Österreich · 1940- System
- Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, 9 × 19 mm, Blechpressfertigung, Teleskop-Schließfeder, nur Dauerfeuer
- Unterschied
- Fertigungstechnisch der Gegenentwurf: Fräsarbeit und Holzschaft gegen Blechpressteile und Klappstütze. Funktional ein Rückschritt — die MP 40 kann kein Einzelfeuer, was die MP 28 zwölf Jahre früher konnte. Genau diese Lücke füllte Haenel 1941 mit der MP 41, indem es den MP-40-Verschluss in einen Holzschaft mit Umschaltabzug nach Art der MP 28 setzte.
- Befund
- Im selben Haus gefertigt, im selben Krieg im Einsatz. Der Vergleich trennt sauber, was Fortschritt und was Kriegswirtschaft ist.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
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Keine Sicherung im eigentlichen Sinn
Von der MP 18,I unverändert übernommen: Gesichert wird durch Einhängen des Spannhebels in eine Rast am Gehäuseschlitz. Springt der Hebel aus der Rast, läuft der Verschluss vor und die Waffe feuert. Bei der Beurteilung eines Altstücks ist der Zustand dieser Rast der erste Prüfpunkt — dieselbe Schwäche, die in der Spätfertigung von MP 38 und MP 40 durch den zweiteiligen, einrastenden Spannhebel behoben wurde (ein Einführungsjahr nennen die eingesehenen Darstellungen nicht) und bei der Lanchester ab 1944 durch einen aufgesetzten Verschlussanschlag, der die Ausführung Mk I** kennzeichnet.
plausibel
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Fertigungsaufwand
Gefrästes Gehäuse, gelochter Kühlmantel, durchgehender Holzschaft, Kurvenvisier, Bajonetthalterung — eine Büchsenmacherarbeit, kein Massenprodukt. Eine belgische Darstellung nennt die Waffe zuverlässig, aber teuer in der Herstellung. Das ist der Grund, warum ihr Nachfolger in beiden Lagern billiger ausfiel: MP 40 hier, Sten dort.
plausibel
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Magazin mit einreihiger Abgabe
Das doppelreihig gefüllte Magazin gibt die Patronen einreihig ab; der Übergang erzeugt Reibung und ist die klassische Störstelle dieser Bauartfamilie. Die Verwandtschaft ist unmittelbar: Das 32-schüssige Sten-Magazin, für seine Störanfälligkeit berüchtigt, war nach englischer Darstellung ursprünglich für die Lanchester und damit für dieses Magazingehäuse entworfen und passt wechselseitig.
plausibel
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Visierung bis 1000 m
Das Kurvenvisier trägt Marken bis 1000 m. Die 9 × 19 mm verlässt einen 200-mm-Lauf mit einer Größenordnung von 380 m/s; die praktische Wirkungsentfernung wird in der Literatur mit 100 bis 150 m angegeben. Die Marke bezeichnet also keine Trefferentfernung, sondern die Gewehrgewohnheit der Konstrukteure. Die britische Kopie hat das erkannt und beim Mk I* auf ein Klappvisier für 100 und 200 Yard zurückgebaut.
plausibel
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Zuschießendes Prinzip beim Einzelschuss
Die Umschaltung auf Einzelfeuer beseitigt nicht die Ursache der schlechten Einzelschussleistung: Auch im Einzelfeuer läuft vor jedem Schuss die volle Verschlussmasse nach vorn und verzieht den Halt. Der gewonnene Vorteil ist Munitionsersparnis und Feuerdisziplin, nicht Präzision. Denselben Befund hatte 1918 die MP 18,I und 1942 noch das MKb 42(H), das ebenfalls in beiden Feuerarten zuschoss. Behoben wurde er dort erst mit dem Übergang zur MP 43, die den Hahnschlag und den geschlossenen Verschluss des MKb 42(W) übernahm — und zwar für beide Feuerarten, nicht nur für das Einzelfeuer.
plausibel
Verwendung
- Deutsche Polizei ab 1928; die Reichswehr durfte Maschinenpistolen nach dem Versailler Vertrag nicht einführen
- Belgische und niederländische Armee ab 1934 als Mitraillette Modèle 1934 aus belgischer Lizenzfertigung; Auftrag über 1.000 Stück der Pariser Polizeipräfektur
- Spanischer Bürgerkrieg 1936–1939, überwiegend belgische Stücke in 9 × 23 mm Largo; ab 1938 republikanischer Nachbau Naranjero
- Im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite bei Besatzungstruppen, Polizei, SS und SD — unter anderem beim Niederschlagen des Aufstands im Warschauer Ghetto. Als Ordonnanz eingeführt hat die Wehrmacht die Waffe nicht; von Truppenverwendung abgeschnitten war sie damit nicht — rückwärtige Verbände erhielten sie, und einzelne Stücke tragen neben dem Beschusszeichen Krone/N eine Heeresabnahme Adler/WaA37, das Abnahmezeichen des Suhler Haenel-Werks
- Erbeutete belgische Stücke als Beutegerät MP 740(b)
Quellen
- [Online] Wikipedia (de) — MP28 , führt die Waffe als „Bergmann MP28"; Beschreibung, Versailles, Spanien, Lanchester Link
- [Online] Wikipédia (fr) — Maschinenpistole 28 , Lizenz Pieper um 1930, Angabe „das belgische Werk montierte nur in Deutschland gefertigte Waffen", Mitraillette 1934, Maße 843 mm Link
- [Online] Lexikon der Wehrmacht — Maschinenpistolen — MP 28 und MP 740(b) , 813 mm, 200 mm Lauf, 4,0 kg, 400–450 Schuss/min; Hersteller dort „Bergmann (Suhl)" Link
- [Online] Modern Firearms — MP.28,II Schmeisser , Umschalter als Querbolzen über dem Abzug, Kurvenvisier 100–1000 m, Kaliberliste Link
- [Online] Modern Firearms — SIG 1920 / 1930 , Schweizer Ausführung der MP 18 mit geradem Stangenmagazin, 1920–1927 Link
- [Online] Forgotten Weapons — MP-28: Hugo Schmeisser Improves the MP18 , Magazin doppelreihig gefüllt und einreihig abgebend, Kurvenvisier, Umschalter Link
- [Online] Dockery Armory — Maschinenpistole 28,II , Umschaltermarken „D" und „E", Sicherung über den Spannhebel, 81 cm / 20 cm / 4,08 kg Link
- [Objektbefund] International Military Antiques — Original German Schmeisser MP-28/II , 820 mm, 200 mm Lauf, 4 kg; Kurvenvisier bis 1000 m Link
- [Objektbefund] Rock Island Auction — Schmeisser MP28,II Submachine Gun , Gehäuse- und Magazinstutzenbeschriftung „M.P.28,II SYSTEM SCHMEISSER PATENT" und „C.G. HAENEL WAFFENFABRIK SUHL" Link
- [Objektbefund] Royal Armouries — Naranjero — copy of the Bergmann MP28/II by the Spanish Second Republic Link
- [Objektbefund] Imperial War Museums — MP28/II Link
- [Online] Bellumartis Historia Militar — El Naranjero: el MP28 versión mediterránea , Alberique/Valencia, rund 2.000 Stück 1938, 9 mm Largo, 36 Patronen, ohne Herstellerzeichen Link
- [Online] littlegun.be — La société anonyme des Anciens Établissements Pieper , Übernahme des Auftrags „Mitraillette 34" 1934 Link
- [Online] Belgian Armed Forces 1940 — Belgian versus German infantry weapons , Ausstattungsschlüssel der belgischen Divisionen (rund 80 Stück je Division, 216 bei den Chasseurs Ardennais), Bewertung „zuverlässig, aber teuer" Link
- [Online] Wikipedia (en) — Lanchester submachine gun , 81.000 Stück bei Sterling, Greener und Boss 1941–1945; Züge von sechs auf zwei reduziert; 50-Schuss-Magazin, Sten-Magazin wechselseitig passend Link
- [Online] The Armory Life — Lanchester Submachine Gun: German Inspired Royal Navy SMG , Umschalter vor dem Abzugsbügel beim Mk I, Magazingehäuse aus Bronze Link
- [Online] Wikipedia (de) — Interalliierte Militär-Kontrollkommission , Abzug zum 31. Januar 1927 Link
- [Online] Wikipedia (de) — Maschinenpistole , Verbot für die Reichswehr, Polizeikontingent von einer Maschinenpistole je 20 Mann Link
- [Objektbefund] International Military Antiques — Original German Schmeisser MP-28/II, Serie 2587 , Magazinstutzen „M.P.28.II / SYSTEM / SCHMEISSER / PATENT" mit Seriennummer; ein weiteres Stück des Hauses mit Beschusszeichen Krone/N und Heeresabnahme Adler/37 Link
- [Online] Wikipedia (en) — MP 18 , MP 18,Iv als Haenel-Umbau vom 45°-Trommelmagazin auf 90°-Stangenmagazin auf Verlangen der deutschen Polizei — ausgeführt erst in den 1930er Jahren, nicht wie meist angenommen ab 1920; TM 08 mit 32 Patronen Link
- [Online] Bundesministerium der Justiz — Kriegswaffenkontrollgesetz, Anlage (Kriegswaffenliste) , Nr. 29 b): „Maschinenpistolen, ausgenommen solche, die als Modell vor dem 2. September 1945 bei einer militärischen Streitkraft eingeführt worden sind" Link
- [Online] Bundesministerium der Justiz — Waffengesetz, Anlage 2 (Waffenliste) , Abschnitt 1 Nr. 1.2.1.1 — Vollautomaten sind verbotene Waffen; die Ausnahme für Kriegswaffen in Nr. 1.1 betrifft nur halbautomatische Waffen Link