Thema
Die Rollenlinie
Ein Bauteil, zwei Aufgaben — und was daran belegt ist
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Die technischen Einzelaussagen zu MG 42, StG 45(M), CETME Modelo 58, G3, MP5, Volkssturmgewehr, P7 und Wieger StG 940 sind in den jeweiligen Einträgen belegt und tragen deren Belegstatus; dieser Aufsatz führt sie zusammen. Kein Stück wurde für ihn eingesehen. Über die Einzeleinträge hinaus gehen zwei Angaben, und beide stammen aus Netzdarstellungen: die Rücklaufwege des MG 42 (7 mm bis zum Beginn der Entriegelung, 21 mm insgesamt) und die Aussage, dass die Rollen beim Schuss auf Flächen parallel zur Seelenachse aufliegen. Die Jahres- und Bauartangaben zu HK21, HK33, PSG1, G41, G36 und MG5 stützen sich ebenfalls ausschließlich auf zugängliche Netzdarstellungen; eine Werksquelle von Heckler & Koch lag für keine davon vor. AUSDRÜCKLICH NICHT BELEGT ist das entscheidende Glied der ganzen Kette: Es existiert keine eingesehene Werksquelle, kein Erprobungsbericht und kein Aktenvermerk, der zeigt, dass die Mauser-Abteilung 37 das MG 42 als Vorbild vor sich hatte. Die Herleitung ist überall zu lesen und nirgends belegt; sie bleibt eine Bauartverwandtschaft und ist kein Übertragungsnachweis. NICHT BEKANNT ist ferner, wer die Rollenverriegelung des MG 42 konstruiert hat, und ob das polnische Patent Edward Steckes aus den 1930er Jahren Vorbild war. Die Linie hat damit einen unbekannten Anfang. NICHT BELEGT ist die Ursache dafür, dass Heckler & Koch die Rollenverzögerung bei Neukonstruktionen aufgab: Belegt sind die Anlässe (Einstellung des G11-Programms, Ablehnung des G41, Eigentümerwechsel 1991), nicht eine Aussage des Hauses über die Bauart. Der im Text gezogene Zusammenhang mit den Systemeigenschaften ist erschlossen und als Bewertung gekennzeichnet. Für die zweite Linie gilt: Dass die Literatur das Verschlussprinzip der Steyr GB als „Barnitzke-System" führt, ist belegt; dass Unterlagen, Verfahren oder Personal von den Gustloff-Werken nach Steyr oder nach Oberndorf gelangt wären, ist NICHT belegt und wird hier nicht behauptet. Ausdrücklich NICHT als Einwand taugt die Jahreszahl 1981 der Steyr GB: Deren Gasbremse geht auf eine Entwicklung ab Ende der 1960er Jahre und auf eine Patentschrift vom 6. Dezember 1972 zurück, 1981 ist nur das Jahr der Serie. Sie ist damit älter als die P7 und nicht jünger. Als Zwischenglied nennen die Darstellungen zu beiden Pistolen übereinstimmend den Schweizer Prototyp Pistole 47 W+F; ein Übergang von Unterlagen ist auch für ihn nicht belegt. Die Gegenüberstellung von G41 und Wieger StG 940 ist eine Zusammenstellung dieses Registers; eine Kenntnisnahme der einen Konstruktion durch die andere ist NICHT belegt und wäre auch nicht zu erwarten. Sämtliche Rang- und Reichweitenaussagen dieses Aufsatzes sind Bewertungen, keine Tatsachenbehauptungen; sie sind im Text als solche gekennzeichnet und widerlegbar.
1942 ging in Döbeln in Sachsen ein Maschinengewehr in Serie, dessen Verschluss von zwei Stahlrollen gesperrt wurde. Vierzig Jahre später führte ein Hersteller in Oberndorf am Neckar ein Programm, in dem dasselbe Rollenpaar in fast jeder Langwaffe steckte: im Maschinengewehr, im Standardgewehr, im Sturmgewehr, im Präzisionsgewehr und in der Maschinenpistole. Die Linie dazwischen wird in der Literatur seit Jahrzehnten gezogen, und dieses Register zieht sie an mehreren Stellen mit.
Der Aufsatz verfolgt sie und prüft sie zugleich. Das Ergebnis vorweg: Sie trägt, aber sie trägt weniger, als ihr üblicherweise zugetraut wird. Zwischen Döbeln und Oberndorf liegt keine Übernahme, sondern eine Umdeutung.
Konstruktion
Zwei Rollen, ein keilförmiges Steuerstück, eine Laufverlängerung. Das MG 42 und das StG 45(M) benutzen dieselben Bauteile in derselben Anordnung, und die Literatur wirft sie deshalb regelmäßig in einen Topf. Mechanisch sind es zwei verschiedene Maschinen.
Beim MG 42 liegen die Rollen in Ausnehmungen der Laufverlängerung, und sie liegen dort beim Schuss auf Flächen parallel zur Seelenachse auf. An einer solchen Fläche erzeugt eine Kraft in Laufrichtung keine radiale Komponente. Hinter den Rollen steht zusätzlich das keilförmige Steuerstück und hält sie außen. Beides zusammen sperrt formschlüssig: Die Rollen können nicht ausweichen, gleichgültig wie hoch der Druck steigt. Geöffnet wird der Verschluss erst, wenn eine andere Bewegung ihn dazu zwingt, und genau dafür braucht die Waffe den Laufrücklauf. Lauf, Laufverlängerung und Verschluss laufen einundzwanzig Millimeter zurück; nach den ersten sieben treffen die Rollen auf schräge Steuerflächen und werden nach innen gezwungen.
Beim StG 45 steht der Lauf fest, und die Widerlager stehen schräg. Damit kehrt sich die Aufgabe um. Eine Kraft in Laufrichtung erzeugt an einer schrägen Fläche sofort eine radiale Komponente, die die Rollen nach innen drängt; jeder Millimeter, den eine Rolle einwärts wandert, wirft den schweren Verschlussträger um ein Vielfaches nach hinten. Es gibt keinen Zustand, in dem der Verschluss nicht aufgehen könnte. Es gibt nur einen, in dem das Aufgehen teuer ist.
| MG 42 (1942, Döbeln) | StG 45(M) (1944/45, Oberndorf) | |
|---|---|---|
| Abstützfläche beim Schuss | parallel zur Seelenachse, dahinter das Steuerstück | schräg |
| Zustand beim Schuss | formschlüssig gesperrt | nur verzögert |
| Lauf | läuft zurück | steht fest |
| Was die Rollen tun | sperren | übersetzen |
| Patronenlager | glatt | Druckausgleichsrillen nötig; ob das Kriegsstück von 1945 sie trug, ist offen |
Beide Bauarten führt dieses Register als getrennte Werte, rollenverriegelung und
rollenverzoegerung, und zeichnet zu jeder eine eigene Schemaskizze. Wer den Unterschied sehen
will, findet die eine auf der Seite zum MG 42 und die andere beim
StG 45(M) und beim G3.
Wer die Rollenverzögerung nach Sachsen zurückdatiert, macht deshalb einen Fehler. Drei Befunde stehen dem entgegen, und alle drei stammen aus dem Untersuchungsraum selbst. Erstens verriegelt das MG 42; schräge Flächen hat es zwar, aber nur als Steuerflächen zum Entriegeln und nicht als tragende Abstützung. Zweitens griff der Döbelner Betrieb nicht zu Rollen, als er 1945 selbst ein Sturmgewehr für die Kurzpatrone baute, sondern zu einer Gasverzögerung; das Großfuß-Sturmgewehr Kurt Horns, gelegentlich StG 45(G) genannt, ist der schlagendste Einwand gegen jede Rückdatierung. Drittens ist die Herkunft der Rollenverriegelung selbst ungeklärt: Wer sie für das MG 42 konstruierte, ist unbekannt, und das seit Jahrzehnten als Vorbild diskutierte polnische Patent Edward Steckes beschreibt bemerkenswerterweise einen verzögerten und keinen verriegelten Verschluss.
Entwicklung
| Station | Was geschah |
|---|---|
| Döbeln 1942 | Das MG 42 bei Großfuß bringt die Rollenanordnung in Großserie — als Verriegelung |
| Oberndorf 1944/45 | Mauser lässt beim StG 45(M) das Gassystem weg und ändert die Winkel: aus dem Riegel wird ein Getriebe |
| Mülhausen 1946–1950 | Die aus der Mauser-Abteilung 37 hervorgegangene CEAM baut rollenverzögerte Karabiner; nicht beschafft |
| Madrid 1950–1958 | Bei CETME wird aus dem unfertigen Kriegsentwurf eine Dienstwaffe, der Modelo 58 |
| Oberndorf 1959 | Ausführung für die volle NATO-Patrone: das G3 |
Zwei Einzelheiten dieser Kette verdienen mehr Aufmerksamkeit, als sie gewöhnlich bekommen. In Mülhausen arbeiteten Vorgrimler und Löffler ab Februar 1948 nebeneinander an derselben Bauart; Löfflers Entwürfe setzten sich durch, Vorgrimler arbeitete danach an fremden Zeichnungen weiter und verließ Mülhausen Mitte 1950. Beschafft wurde von beidem nichts. In Madrid trat sein rollenverzögerter Entwurf dann gegen einen Gasdrucklader an und wurde im Juli 1952 zur Weiterentwicklung ausgewählt. Durchgesetzt hat sich die Bauart also dort, wohin der in Mülhausen unterlegene Konstrukteur ging — und dort gegen genau das Prinzip, das sie vier Jahrzehnte später ablösen sollte. Die Rückkehr nach Deutschland folgte zudem keiner technischen Zwangsläufigkeit: Belgien verweigerte für das FN FAL, das von 1956 bis 1959 als G1 Ordonnanzwaffe der Bundeswehr war, die Fertigungslizenz, und erst danach begann die Suche nach einem im Inland baubaren Entwurf.
Der eigentliche Erfindungsschritt liegt 1944 in Oberndorf, der eigentliche Entwicklungsschritt zwischen 1950 und 1958 in Madrid. Aus Döbeln kommt die Anordnung.
Das Programm eines Hauses
Von 1959 an trug die Bauart das gesamte Serienprogramm an Langwaffen, das in Oberndorf entstand. Eine Ausnahme gibt es, und sie ist die aufwendigste Einzelentwicklung des Hauses: das ab den 1970er Jahren betriebene G11 für hülsenlose Munition, das mit Rollen nichts zu tun hat.
| Jahr | Waffe | Patrone | Gattung nach der Regel dieses Registers |
|---|---|---|---|
| 1959 | G3 | 7,62 × 51 mm NATO | Selbstladegewehr |
| 1961 | HK21 (Maschinengewehr) | 7,62 × 51 mm NATO | — |
| 1966 | MP5 | 9 × 19 mm | Maschinenpistole |
| 1968 | HK33 | 5,56 × 45 mm NATO | Sturmgewehr |
| 1972 | PSG1 (Präzisionsgewehr) | 7,62 × 51 mm NATO | Selbstladegewehr |
| 1981 | G41 | 5,56 × 45 mm NATO | Sturmgewehr |
Dazu die Selbstladepistole P9S, die dieselbe Anordnung in eine Kurzwaffe brachte. Die Reihe durchläuft damit drei der vier Patronenklassen dieses Registers — Pistolen-, Mittel- und Gewehrpatrone, nicht die Randfeuerpatrone —, und sie führt nebenbei den Beweis für eine Regel, die anderswo nur behauptet wird: Der Verschluss entscheidet die Gattung nicht. Dieselbe Mechanik steckt in einer Maschinenpistole, in einem Sturmgewehr und in einem Selbstladegewehr, und was sie unterscheidet, ist allein die Patrone. Das G3 und das HK33 haben denselben Verschluss, dieselbe Bauform und dasselbe Haus; das eine verschießt eine volle Gewehrpatrone, das andere eine innere Mittelpatrone, und deshalb steht das eine neben dem FN FAL und das andere neben dem StG 44.
Bemerkenswert ist das PSG1. Eine Bauart, die zu keinem Zeitpunkt formschlüssig sperrt und deren Verschlussabstand ein Verschleißmaß ist, wurde zur Grundlage eines Präzisionsgewehrs gemacht. Ganz gegenläufig ist das nicht: Dieselbe Systematik, die den Verschlussabstand als Verschleißmaß führt, nennt für die Präzision auch zwei Vorteile, nämlich dass weder Lauf noch Verschluss eine Dreh- oder Kippbewegung ausführen und dass der Rückstoß ohne Kraftspitzen wirkt. Eine Rechnung oder Messung, die zeigt, wie sich das gegen die Streuung aus dem wandernden Verschlussabstand verhält, lag allerdings nicht vor. Der Befund bleibt damit verzeichnet und nicht erklärt.
Die zweite Linie: die Gasbremse
Neben der Rollenlinie führt eine zweite aus dem Untersuchungsraum nach Westen, und sie ist schwächer belegt, als ihr Name vermuten lässt. Karl Barnitzke konstruierte bei den Gustloff-Werken das Volkssturmgewehr: unverriegelt, gebremst durch Pulvergas, in Serie ab Anfang 1945. Die Literatur führt das Verschlussprinzip der Steyr GB ausdrücklich als Barnitzke-System und verweist dabei auf die Suhler Waffe als erste Anwendung. Die H&K P7, 1976 als PSP vorgestellt und ab 1979 in Serie, arbeitet nach derselben Bauart.
Der Vergleich hält der Prüfung nur zur Hälfte stand, aber an einer anderen Stelle, als es zunächst aussieht. Die Jahreszahlen taugen nicht als Einwand: Die Steyr GB erschien zwar erst 1981, ihre Entwicklung beginnt jedoch Ende der 1960er Jahre, die Patentschrift des Konstrukteurs Hannes Kepplinger datiert vom 6. Dezember 1972, und Erprobungsmuster liefen im selben Jahr. Sie ist damit älter als die P7. Beide Darstellungen nennen zudem ein Zwischenglied, das in diesem Register bisher fehlte: den Schweizer Prototyp Pistole 47 W+F der Waffenfabrik Bern. Die Kette lautet also nicht Suhl–Oberndorf, sondern Suhl–Bern–Oberndorf beziehungsweise Steyr, und für keines ihrer Glieder ist ein Übergang von Unterlagen belegt.
Der Einwand liegt beim Mechanismus. Die Suhler Waffe zapft durch vier Bohrungen kurz vor der Mündung an und bremst erst, wenn das Geschoss fünf Sechstel des Laufweges hinter sich hat; P7 und Steyr GB zapfen unmittelbar vor dem Patronenlager an und halten den Verschluss über die ganze Hochdruckphase zu. Gleich ist die Bauart, verschieden ist der Wirkungszeitpunkt, und der ist bei einer Bremse das Entscheidende.
Für die Bilanz heißt das zweierlei. Heckler & Koch steht auf beiden Linien, mit dem G3 auf der sächsischen und mit der P7 auf der thüringischen. Und beide Male ist die Verbindung eine Bauartverwandtschaft mit einem entscheidenden Unterschied in der Ausführung, nicht ein nachgewiesener Übergang von Unterlagen, Verfahren oder Personal.
Wo die Linie endet
1997 nahm die Bundeswehr das G36 an. Es ist ein Gasdrucklader mit Kurzhubkolben und Drehkopfverschluss und hat mit der Rollenlinie nichts mehr zu tun. Belegt sind die Anlässe: Das Programm für das hülsenlose G11 wurde nach der Wiedervereinigung aus Sparzwang eingestellt, das G41 fand keinen größeren Abnehmer und lief 1996 aus, und 1991 ging Heckler & Koch an die Royal-Ordnance-Sparte von British Aerospace über. Aus dieser Lage heraus entstand der Entwurf eines modernen 5,56-mm-Gewehrs.
Die zweite Hälfte des Befunds steht auf der anderen Seite des Programms. Das MG 3 der Bundeswehr war die unmittelbare Fortsetzung des MG 42 und blieb rollenverriegelt; abgelöst wird es seit 2022 durch das 2015 eingeführte MG 5, ebenfalls ein Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss. Damit sind beide Zweige der Döbelner Anordnung, der verriegelnde und der verzögernde, im deutschen Dienst binnen zweier Jahrzehnte durch dasselbe konkurrierende Prinzip ersetzt worden.
Eine Einschränkung gehört dazu, sonst wird aus dem Ende mehr gemacht, als es ist. Die MP5 blieb im Programm, rollenverzögerte Waffen werden weiter gebaut und beschafft, und Lizenzfertigungen des G3 laufen in mehreren Staaten. Zu Ende ist nicht die Bauart, sondern ihre Rolle als Hausprinzip für Neukonstruktionen.
Bewertung, keine Quellenaussage. Eine Erklärung des Hauses, warum es die Bauart verließ, lag nicht vor. Was vorliegt, sind ihre in den Einzeleinträgen dieses Registers belegten Systemeigenschaften: Auszug unter Restdruck ohne Vorentspannung und deshalb ein geriefeltes Patronenlager samt sichtbar beanspruchter Hülse, der Verschlussabstand als Einstell- und Verschleißmaß, und die fehlende Nachstellbarkeit auf die Munition, weil ein Gasregler bei dieser Bauart konstruktiv nicht vorgesehen ist. Genau an diesen drei Punkten ist ein Gasdrucklader mit Drehkopf überlegen. Der Schluss von den Eigenschaften auf die Entscheidung ist naheliegend und bleibt erschlossen.
Die Gegenprobe: G41 und Wieger
Am 28. Oktober 1980 normte die NATO die 5,56 × 45 mm unter STANAG 4172 als zweite Standardpatrone. Beide deutschen Staaten reagierten darauf im selben Jahrzehnt, und die beiden Antworten sind bisher nirgends nebeneinandergestellt worden.
| G41 (Oberndorf) | Wieger StG 940 (Wiesa) | |
|---|---|---|
| Zeit | 1981 vorgestellt, Serie 1984–1996 | Auftrag Juli 1986, Fertigung ab 1988 |
| Verschluss | Rollenverzögerung, Hausprinzip seit 1959 | Gasdrucklader mit Drehkopf, Hausprinzip der AK-Familie |
| Adressat | Beschaffung durch Streitkräfte | ausdrücklich der Exportmarkt |
| Eigene Armee | führte weiter das G3 und ging 1997 zum G36 | führte 1985 die MPi AK-74N in 5,45 × 39 mm |
| Ausgang | kein größerer Vertrag, Rechte an Luigi Franchi | Exportstopp 1990, Markt praktisch nicht erreicht |
Die konstruktive Aufgabe war in beiden Fällen dieselbe, und sie lag in beiden Fällen nicht im Verschluss. Ein ererbtes System musste auf einen fremden Druckverlauf abgestimmt werden, über Gasentnahme, bewegte Massen und Federkräfte bei der einen Waffe, über Winkel und Massen bei der anderen. Keines der beiden Häuser entwarf dafür etwas Neues; beide passten an, was sie hatten. Gescheitert sind beide, das eine am Markt, das andere am Untergang seines Staates.
Die Asymmetrie ist der interessantere Teil. Die DDR baute für die Patrone des Gegners, weil sie verkaufen wollte, und rüstete die eigene Armee zeitgleich mit einer sowjetischen Patrone aus. Der westdeutsche Hersteller baute für die eigene Bündnispatrone und fand gerade bei der eigenen Armee keinen Abnehmer.
Bewertung, keine Quellenaussage. Dass die beiden Entwicklungen voneinander wussten, ist nicht belegt und auch nicht zu erwarten. Der Vergleich ist eine Zusammenstellung dieses Registers und behauptet keine Beziehung zwischen den Konstruktionen, sondern eine gemeinsame Ursache: dieselbe Norm von 1980.
Was nicht dazugehört
Eine Linie ist nur so brauchbar wie die Grenze, die sie zieht. Vier Abgrenzungen sind ausdrücklich festzuhalten.
Das FAMAS gehört nicht dazu. Das französische Sturmgewehr von 1978 ist zwar verzögert und nicht verriegelt, aber es verzögert über einen Kipphebel und nicht über Rollen. Die Bauart wird gewöhnlich Pál Király zugeschrieben, der sie in den 1910er und 1930er Jahren verwendete; eines der ersten bekannten Patente darauf hält daneben John Pedersen, ohne dass die Reihenfolge zwischen beiden geklärt wäre, und die französische Linie läuft über das Maschinengewehr AA-52. Die Projektleitung lag ab 1967 bei Paul Tellié. Dass Frankreichs CEAM in Mülhausen dieselben Mauser-Ingenieure beschäftigte, begründet keine Abstammung. Was dort entstand, waren rollenverzögerte Karabiner, die niemand beschaffte; im FAMAS sitzt kein Rollenpaar, und zwischen dem Ende der Mülhausener Arbeiten 1950 und dem Beginn des FAMAS-Projekts 1967 liegen siebzehn Jahre. Nach der Methodik dieses Registers muss eine Abstammung über das Bauteil belegt sein und nicht über gemeinsame Personen.
AUG, SG 550 und M16 gehören nicht dazu. Alle drei sind Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss und stehen damit in der konkurrierenden Familie. Sie teilen mit dem HK33 und dem G41 die Patrone, und mehr nicht. Gleiches Kaliber ist keine Verwandtschaft; siehe Kalaschnikow gegen AR-15.
Der verriegelnde Zweig gehört dazu, aber getrennt. Die ČZ vz. 52 von 1952 ist die erste Pistole mit Rollenverriegelung und setzt die Döbelner Anordnung in ihrer ursprünglichen Aufgabe fort. Sie mit dem G3 in eine Reihe zu stellen, verwischt genau den Unterschied, um den es hier geht.
Die Blechpressbauweise ist eine andere Linie. Sie stammt ebenfalls aus Döbeln und aus Suhl, sie wirkt bis heute, und sie hat mit der Verriegelungsfrage nichts zu tun. Wer beide Linien vermengt, schreibt der Region eine geschlossene Wirkung zu, die sie nicht hatte; siehe Fertigungsverfahren.
Für die Bestimmung
Am Stück lässt sich die Unterscheidung in wenigen Minuten treffen.
| Frage | Befund | Folgerung |
|---|---|---|
| Ist der Lauf beweglich gelagert? | ja | rollenverriegelt (MG 42, MG 3, ČZ vz. 52) |
| nein, Lauf fest im Gehäuse | rollenverzögert (StG 45, CETME, G3, HK33, PSG1, G41, MP5) | |
| Stehen die tragenden Flächen der Widerlager parallel zur Seelenachse oder schräg? | parallel | Riegel |
| schräg | Getriebe | |
| Trägt die abgeschossene Hülse dunkle Längsriefen auf Schulter und vorderer Wandung? | ja | geriefeltes Patronenlager und damit unverriegelte, verzögerte Bauart |
| Spalt zwischen Verschlusskopf und Träger | zu klein | Verschleiß an Rollen, Steuerstück oder Widerlagern; die Waffe öffnet zu früh |
Für die Gasbremse gilt eine eigene Prüffrage, und sie ist die wichtigste dieser Bauart überhaupt: Treibt das abgezweigte Gas ein Teil an, oder hält es eines auf? Eine Gasentnahmebohrung am Lauf beweist keinen Gasdrucklader.
Einordnung
Die Reichweite der Linie ist erheblich. Eine 1942 in einer sächsischen Metall- und Lackwarenfabrik in Serie gebrachte Anordnung trug ein halbes Jahrhundert später Waffen in über fünfzig Staaten, und sie hat dabei drei der vier Patronenklassen dieses Registers durchlaufen und vier seiner Gattungen — Pistole, Maschinenpistole, Sturmgewehr, Selbstladegewehr — dazu das Maschinengewehr, für das dieses Register bisher keinen eigenen Wert führt. Wer nach der weitreichendsten technischen Nachwirkung des Untersuchungsraums sucht, findet sie hier.
Nur ist der Satz genau so weit belastbar, wie er formuliert ist. Was aus Döbeln kommt, ist die Rollenanordnung; was aus ihr eine Bremse machte, kam 1944 aus Oberndorf, und was daraus eine Dienstwaffe machte, kam zwischen 1950 und 1958 aus Madrid. Von den drei konstruktiven Leistungen liegt eine im Untersuchungsraum.
Damit bestätigt dieser Aufsatz einen Befund, den das Register an anderer Stelle bereits gezogen hat. Die Region war stark in der Bedienlogik und in der Fertigung und schwach in der Verriegelung; siehe Was diese Region hervorbrachte. Ausgerechnet die längste Verriegelungslinie, die sich von hier aus ziehen lässt, widerlegt diesen Befund nicht, sondern stützt ihn. Sie liefert ein Bauteil und nicht das Prinzip, das es später trug.
An beiden Enden fehlt zudem etwas. Am Anfang fehlt die Urheberschaft: Wer die Rollenverriegelung des MG 42 konstruierte, ist unbekannt, und ob das Patent Steckes dahintersteht, ist offen. Am Ende steht ein Datum statt einer Erklärung. Und in der Mitte fehlt das wichtigste Dokument überhaupt, nämlich der Nachweis, dass die Mauser-Abteilung 37 das MG 42 tatsächlich vor sich hatte. Solange er fehlt, ist die Rollenlinie eine gut begründete Bauartverwandtschaft und kein Übertragungsnachweis; siehe Wie weit reicht die Wirkung.
Waffenrechtliches
Von den hier genannten Waffen sind MG 42, MG 3, MG 5, StG 45(M), CETME Modelo 58, G3, HK21, HK33, G41, G36, G11, MP5, Wieger StG 940, FAMAS, AUG, SG 550 und M16 vollautomatisch und damit Kriegswaffen nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Sie werden hier ausschließlich technik- und industriegeschichtlich dokumentiert und sind nicht sammelbar. PSG1, P9S, P7, Steyr GB, Pistole 47 W+F, ČZ vz. 52 und das Volkssturmgewehr sind Selbstlader und fallen nicht darunter; für halbautomatische zivile Ableitungen der übrigen Baureihen gilt eine eigene rechtliche Bewertung. Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft. Siehe Methodik.
Offene Forschungsfragen. Erstens der Übertragungsnachweis Döbeln–Oberndorf: Existieren Zeichnungen, Erprobungsberichte oder Aktenvermerke der Mauser-Abteilung 37, die das MG 42 als Vorbild belegen? Zweitens die Urheberschaft der Rollenverriegelung des MG 42 und das Verhältnis zum Patent Edward Steckes. Drittens die Abkehr von der Bauart: Gibt es eine Werksäußerung oder eine Beschaffungsakte, die begründet, warum das G36 als Gasdrucklader ausgelegt wurde? Viertens das PSG1: Wie wurde die Streuung einer Bauart beherrscht, deren Abstützung ein Verschleißmaß ist? Fünftens die Gasbremse: Gibt es außer der Bezeichnung „Barnitzke-System” einen Beleg dafür, dass die Waffenfabrik Bern, Steyr oder Oberndorf die Suhler Konstruktion tatsächlich kannten, und welche Unterlagen lagen der Berner Pistole 47 W+F zugrunde? Wer zu einer dieser Fragen etwas hat, findet die Anschrift unter Korrekturen.
Quellen
- [Online] Wikipedia (de) — Rollenverschluss , Unterscheidung von „vollständig verriegeltem Stützrollenverschluss" (MG 42, Pistole vz. 52) und „beweglich abgestütztem Rollenverschluss" als verzögertem Masseverschluss; Zuschreibung des zweiten an Löffler und Vorgrimler im Rahmen des StG 45; Verhältnis rund 3:1; der Verschlussträgerabstand als Verschleißmaß; Druckausgleichsrillen im Patronenlager; genannte Vorteile für die Präzision; Aufzählung von StG 45, MG 42/MG 3, G3, MP5 und P9S Link
- [Online] Wikipedia (en) — MG 42 , Rollen liegen beim Schuss auf Flächen parallel zur Seelenachse; Lauf und Verschluss laufen 21 mm gemeinsam zurück, die Entriegelung beginnt nach 7 mm; Rollen von der keilförmigen Front der Schlagbolzenhülse nach außen gehalten Link
- [Online] Wikipedia (en) — Ludwig Vorgrimler , Februar 1948 Vorgrimler und Löffler mit rollenverzögerten Karabinern für Frankreich beauftragt; Löfflers Entwürfe setzten sich durch, Vorgrimler arbeitete danach an ihnen weiter und ging Mitte 1950 nach Madrid; dort trat sein rollenverzögerter Entwurf gegen einen Gasdrucklader an, Auswahl des Modelo 2 im Juli 1952; Rückkehr nach Deutschland 1956 Link
- [Online] Wikipedia (en) — Blowback (firearms) , Hebelverzögerung mit Patent John Pedersens und Verwendung durch Pál Király (Danuvia 39M/43M, AA-52, FAMAS, Benelli B76); Rollenverzögerung erstmals am Mauser Gerät 06 H, erste Serienfertigung CETME; Gasverzögerung bei HK P7, Steyr GB und Volkssturmgewehr Link
- [Online] Wikipedia (en) — FAMAS , hebelverzögerter Masseverschluss wie beim Maschinengewehr AA-52, Einführung 1978, 5,56 × 45 mm NATO, Projektleitung Paul Tellié ab 1967, Herleitung aus französischen Vorkriegsentwürfen Link
- [Online] Wikipedia (en) — Heckler & Koch HK21 , 1961 aus dem G3 abgeleitet, rollenverzögert, 7,62 × 51 mm NATO, Fertigung 1961 bis 1990 Link
- [Online] Wikipedia (en) — Heckler & Koch HK33 , Entwicklung in den 1960er Jahren, Einführung 1968, 5,56 × 45 mm NATO, rollenverzögert, Lizenzfertigung unter anderem bei MKEK in der Türkei und in Thailand Link
- [Online] Wikipedia (en) — Heckler & Koch PSG1 , rollenverzögert, 7,62 × 51 mm NATO, Fertigung 1972 bis 2014; als Entwicklungsanlass wird der Anschlag bei den Olympischen Spielen in München 1972 nur referiert („is said to have been"), während dieselbe Darstellung 1968 als Entwurfsjahr führt Link
- [Online] Wikipedia (en) — Heckler & Koch G41 , Entwicklung Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre, 1981 vorgestellt, 5,56 × 45 mm NATO, rollenverzögert, Serienfertigung 1984 bis 1996, kein größerer Beschaffungsvertrag, Fertigungsrechte an Luigi Franchi Link
- [Online] Wikipedia (en) — Heckler & Koch G36 , Entwurf Anfang der 1990er Jahre, Kurzhubkolben mit Drehkopfverschluss, Annahme durch die Bundeswehr 1997; Einstellung des G11-Programms nach der Wiedervereinigung, Ablehnung des G41, Übernahme von Heckler & Koch durch Royal Ordnance 1991 Link
- [Online] Wikipedia (en) — Heckler & Koch MG5 , Langhubkolben mit Drehkopfverschluss, zuschießend; 2015 eingeführt, Ablösung des MG 3 ab 2022 Link
- [Online] Wikipedia (en) — 5.56×45mm NATO , Normung als zweite NATO-Standardpatrone am 28. Oktober 1980 unter STANAG 4172, gestützt auf das belgische Geschoss SS109 Link
- [Online] Wikipedia (en) — Steyr GB , gasgebremster Masseverschluss ausdrücklich „based on the Barnitzke system, first used in the Volkssturmgewehr 1-5", daneben der Schweizer Prototyp Pistole 47 W+F; Anzapfung vor dem Patronenlager; Entwicklung ab Ende der 1960er Jahre, Patentschrift Hannes Kepplinger vom 6. Dezember 1972, Erprobungsmuster „Pi 18" 1972, Serie als GB 1981 bis 1988 Link
- [Online] Wikipedia (en) — Heckler & Koch P7 , 1976 als PSP vorgestellt, Serie ab 1979; gasgebremster Masseverschluss nach dem Vorbild des Schweizer Prototyps Pistole 47 W+F und „ultimately on the Barnitzke system first used in the Volkssturmgewehr 1-5"; Anzapfung durch eine Bohrung vor dem Patronenlager Link