Modell
MG 42
- Fertigung
- Großfuß , Gustloff-Werke Suhl
- Kaliber
- 7,92 × 57 mm
- Zeitraum
- 1942–1945
- Belegstatus
- plausibel
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Bei diesem Maschinengewehr treibt nicht abgezweigtes Gas den Nachladevorgang an, sondern der Rückstoß selbst. Beim Schuss wird der Lauf zusammen mit dem Verschluss ein kurzes Stück nach hinten geschoben — der Verschluss ist das Stahlstück, das den Lauf von hinten zuhält. Zusammengehalten werden beide von zwei Stahlrollen an seinem vorderen Ende, die ein keilförmiges Stück von innen nach außen in Aussparungen drückt; solange der Keil dahintersteht, kann der Druck des Schusses die Rollen nicht hereindrücken. Nach dem kurzen gemeinsamen Weg laufen die Rollen auf schräge Flächen, werden nach innen gedrängt und geben den Verschluss frei — ganz ohne Drehbewegung, weshalb die Baugruppe kurz baut und sehr schnell arbeitet. Der Verschluss läuft zurück, wirft die leere Patronenhülse aus, zieht über einen Nocken im Deckel den Patronengurt um eine Stelle weiter und wird von einer Feder wieder nach vorn geschoben. Dazu kommt ein zweiter Kniff an der Mündung: Ein aufgesetztes Teil fängt die austretenden Gase auf und stößt den Lauf damit zusätzlich nach hinten. Das beschleunigt den Ablauf so stark, dass die Waffe etwa zwölfhundert Schuss in der Minute abgibt — mehr als jede vergleichbare Konstruktion ihrer Zeit. Der Preis steht unmittelbar daneben: Der Lauf wird in kürzester Zeit glühend heiß und lässt sich deshalb seitlich ausschwenken und in Sekunden gegen einen Ersatzlauf tauschen. Ohne diesen Wechsel ist längeres Feuern nicht möglich.
Das MG 42 gehört in dieses Register, weil es in Döbeln in Sachsen entstand, bei der Metall- und Lackwarenfabrik Johannes Großfuß, einem Betrieb, der zuvor nie Waffen gebaut hatte.
Fertigung
Die Konstruktion kam aus Döbeln, gebaut wurde in mehreren Werken. Für dieses Register ist eines davon entscheidend. 1944 fertigten die Gustloff-Werke in Suhl annähernd 62.000 MG 42, dazu 2.500 Lafetten für die 2-cm-Flak 38.
Damit liegen Entwurf und Großserienfertigung dieser Waffe beide im Untersuchungsraum, an zwei Orten, die sonst wenig miteinander zu tun haben: eine sächsische Lackierwarenfabrik und der enteignete Suhler Simson-Betrieb. Kein anderer Einzelfall belegt so deutlich, dass die Region im Zweiten Weltkrieg nicht nur konstruierte, sondern auch in Größenordnungen fertigte.
Die Kehrseite gehört dazu. Das Suhler Werk war 1944 ein Betrieb der Wilhelm-Gustloff-Stiftung, also ein enteigneter jüdischer Familienbetrieb, und produzierte unter Einsatz von Zwangsarbeit. Wer die Fertigungsleistung nennt, muss die Bedingungen mitnennen.
Konstruktion
Blechpressbauweise
Konstrukteur Werner Gruner war Fachmann für Massenfertigung und nicht für Waffen. Sein Beitrag bestand darin, ein Maschinengewehr aus gestanzten und geformten Blechteilen zu bauen statt aus gefrästen.
Dasselbe Verfahren machte im selben Jahr in Suhl das Sturmgewehr massenfertigbar und zwei Jahrzehnte später in Wiesa die MPi KM. Es ist der technische rote Faden dieser Region; siehe Fertigungsverfahren.
Rollenverriegelung
Zwei Rollen werden von einem keilförmigen Steuerstück nach außen in Ausnehmungen gedrückt. Zur Entriegelung laufen sie auf schräge Flächen und werden nach innen gezwungen, und zwar ohne Drehbewegung, wodurch die Baugruppe kurz und schnell wird.
Von hier führen zwei Linien in die Gegenwart:
- ČZ vz. 52 (1952), die erste Pistole überhaupt mit Rollenverriegelung
- Über die Mauser’sche Weiterentwicklung vom verriegelnden zum verzögernden Rollensystem entstand die Grundlage der gesamten Heckler-&-Koch-Familie: G3, MP5 und ihre Ableitungen. Siehe HK G3.
Zurechnung mit Vorsicht. Wer die Rollenverriegelung des MG 42 konstruierte, ist unbekannt; Gruner wurde vermutlich von Fachleuten unterstützt. Die HK-Linie geht auch nicht unmittelbar auf Döbeln zurück, sondern auf die Mauser’sche Umdeutung des Prinzips. Die Verbindung ist real, aber indirekt.
Waffenrechtliches
Vollautomatische Waffe und damit Kriegswaffe nach dem KWKG. Sie wird hier ausschließlich industrie- und technikgeschichtlich dokumentiert. Siehe Methodik.
Konstruktion
- Verschluss
- Rollenverriegelung: Zwei Rollen am Verschlusskopf werden von einem Steuerstück nach außen in Ausnehmungen der Laufverlängerung gedrückt. Beim Rücklauf laufen sie auf schräge Flächen und werden nach innen gezwungen — die Entriegelung erfolgt ohne Drehbewegung.
- Ladeprinzip
- Rückstoßlader mit kurzem Laufrücklauf, unterstützt durch einen Rückstoßverstärker an der Mündung
- Zuführung
- Gurtzuführung
- Abzug
- Nur Dauerfeuer
- Visierung
- Klappvisier
Maße und Leistung
- Kadenz
- rund 1.200 Schuss/min — deutlich über allen zeitgenössischen Konstruktionen
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Verriegelt und schussbereit
Die beiden Rollen sitzen in Ausnehmungen der Laufverlängerung, nach außen gedrückt von einem keilförmigen Steuerstück im Verschlussträger. Der Gasdruck kann sie nicht nach innen drücken, solange das Steuerstück sie hält.
- 2
Gemeinsamer Rücklauf
Lauf, Laufverlängerung und Verschluss laufen verriegelt zurück. Ein **Rückstoßverstärker** an der Mündung fängt die austretenden Gase ab und treibt den Lauf zusätzlich nach hinten — daraus stammt ein erheblicher Teil der außergewöhnlich hohen Kadenz.
- 3
Entriegelung
Die Rollen treffen auf schräge Steuerflächen und werden nach innen gezwungen; das Steuerstück wird dabei zurückgedrängt. Der Verschlusskopf ist frei — **ohne jede Drehbewegung**, was die Baugruppe kurz und schnell macht.
- 4
Rücklauf, Auswurf, Gurttransport
Der Verschluss läuft zurück, wirft die Hülse aus und betätigt über einen Steuernocken im Deckel den Gurttransport.
- 5
Vorlauf und Verriegelung
Die Schließfeder treibt vor; das Steuerstück drückt die Rollen wieder nach außen in die Ausnehmungen.
- 6
Laufwechsel
Wegen der hohen Kadenz überhitzt der Lauf schnell. Er lässt sich seitlich ausschwenken und in Sekunden wechseln — eine Bedienlösung, die aus der Kadenz folgt und ohne sie unnötig wäre.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verriegelt: Ein keilförmiges Steuerstück am Verschlusskopf drückt zwei Rollen nach außen in Ausnehmungen des Laufhalters. Der Formschluss ist vollständig — der Verschluss kann sich nicht öffnen, solange die Rollen außen stehen.
- 2 Gemeinsamer Rücklauf: Lauf, Laufhalter und verriegelter Verschluss laufen als eine Einheit zurück, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat. Diese Waffen haben Laufrücklauf.
- 3 Zwangsentriegelung: Feste Steuerflächen im Gehäuse laufen gegen die Rollen und drücken sie nach innen. Erst danach trennt sich der Verschluss vom Lauf und läuft allein weiter — die Rollen wirken hier als Riegel, nicht als Bremse.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
MKb 42(H) / StG 44
C. G. Haenel · Deutschland (Suhl) · 1942- System
- Gasdrucklader, Kippblockverriegelung, Kurzpatrone, Blechpressbauweise
- Unterschied
- Im selben Jahr und im selben Untersuchungsraum entstanden, mit derselben fertigungstechnischen Grundidee: Blechpressteile statt gefräster Bauteile. Verschieden sind Ladeprinzip, Verriegelung und Patrone.
- Befund
- Zwei Waffen, zwei Betriebe, ein Verfahren. Die Blechpresstechnik ist der technische rote Faden dieser Region — siehe Fertigungsverfahren.
ČZ vz. 52
Česká zbrojovka · Tschechoslowakei · 1952- System
- Pistole mit Rollenverriegelung, 7,62 × 25 mm
- Unterschied
- Die erste Pistole überhaupt mit Rollenverriegelung — abgeleitet von diesem Prinzip und zehn Jahre später.
- Befund
- Der erste Beleg dafür, dass die Rollenverriegelung über das Maschinengewehr hinaus wirkte.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Munitionsverbrauch durch die hohe Kadenz
Rund 1.200 Schuss pro Minute sind taktisch nicht nur ein Vorteil: Der Verbrauch ist entsprechend hoch, und die Streuung des Feuerstoßes wächst. Die hohe Kadenz ist Folge der Konstruktion, nicht ihr Ziel.
plausibel
-
Laufüberhitzung
Die Kadenz erzwingt den schnellen Laufwechsel — ein Ersatzlauf gehört zur Waffe. Ohne ihn ist der Dauereinsatz nicht möglich.
plausibel
Verwendung
- Standard-Maschinengewehr der Wehrmacht ab 1942
- Nach 1945 in mehreren Staaten weitergeführt; die Bauart prägte den Maschinengewehrbau der Nachkriegszeit