Modell
Suhler Drilling
- Fertigung
- Gebr. Merkel , VEB Ernst-Thälmann-Werk
- Kaliber
- 12/70 und 16/70 Schrot, diverse Büchsenkaliber
- Zeitraum
- 1905–…
- Belegstatus
- plausibel
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Ein Drilling ist kein technisch besonders raffiniertes Gerät, sondern ein besonders vielseitiges. Drei Läufe stecken in einem Bündel: meist zwei für Schrot, also für viele kleine Kugeln auf einmal, und einer für ein einzelnes Geschoss. Nachgeladen wird ausschließlich von Hand. Ein Hebel oben am Gehäuse wird zur Seite geschwenkt; damit ziehen sich die Riegel zurück, die das Laufbündel im Gehäuse halten, und das Bündel kippt vorn nach unten. Dabei werden die Hülsen angehoben oder die abgeschossenen herausgeworfen. Jeder Lauf wird einzeln gefüllt, dann wird zugeklappt, und die Riegel greifen wieder in die Haken unter dem Bündel. Die eigentliche Schwierigkeit steckt in diesen Riegeln. Schrot- und Kugelläufe arbeiten mit sehr verschiedenen Drücken, und beide Belastungen muss dasselbe Gehäuse aushalten, ohne sich mit den Jahren locker zu arbeiten. Die Suhler Lösung ist ein zusätzlicher Bolzen, der quer zur Schussrichtung durch eine Verlängerung des Laufbündels greift und die Kräfte aufnimmt, für die die unteren Riegel allein nicht ausgelegt sind. Vor dem Schuss wählt der Schütze über einen Umschalter, welcher Lauf ausgelöst wird. Bei den guten Ausführungen stellt derselbe Handgriff auch die Zielhilfen mit um: Für Schrot wird über eine Schiene auf dem Laufbündel geschossen, für das einzelne Geschoss über ein eigenes, feiner einzustellendes Visier — daran ist die sorgfältige Arbeit am ehesten zu erkennen.
Dieses Register handelt überwiegend von Militär- und Behördenwaffen. Wirtschaftlich war das jedoch nie der Hauptgegenstand der Region. Der Drilling war es.
Fertigung
Suhler Waffenfabriken deckten einen erheblichen Teil der Weltproduktion an Drillingen ab, und zwischen 1980 und 1989 exportierte der staatliche Außenhandel Suhler Jagd- und Sportwaffen in über 50 Länder. Gebaut wurde unter den Markennamen Simson, Fortuna und Merkel.
Das ordnet die DDR-Waffenfertigung anders ein, als es die Militärgeschichte nahelegt. Die Makarow-Lizenz endete 1965, die Kalaschnikow-Fertigung lief für die eigene Armee. Geld verdiente das Land mit Jagdwaffen.
Konstruktion
Ein Drilling vereint typischerweise zwei Schrotläufe und einen Büchsenlauf in einem Laufbündel. Daraus folgt das konstruktive Kernproblem. Schrot- und Büchsenläufe arbeiten mit sehr verschiedenen Gasdrücken, und der Verschluss muss beide beherrschen.
Die Suhler Antwort war das Kastenschloss mit Doppelverriegelung und Greener-Querbolzen, also ein Bolzen, der quer zur Schussrichtung durch eine Verlängerung des Laufbündels greift und die Kräfte aufnimmt, die eine bloße Doppelverriegelung nicht sicher beherrscht.
Selbstlademechanismus und Verriegelungsakrobatik fehlen. Die Konstruktionsleistung steckt vollständig in Verriegelung, Laufbündel und Abzugsanlage. Das gute Stück erkennt man daran, dass der Umschalter zwischen den Läufen zugleich die Visierung mit umstellt.
Für die Bestimmung
Der DDR fehlten Devisen für den Rohstoffeinkauf auf dem Weltmarkt, und das ist am Objekt ablesbar: Die Holzqualität der Standardausführungen litt darunter, während Exportmodelle besser bestückt wurden.
Einfaches Schaftholz ist bei DDR-Drillingen also kein Zeichen minderer Fertigung, sondern der Devisenlage. Die Metallarbeit kann daneben ausgezeichnet sein.
Einordnung
Derselbe Zusammenhang erklärt umgekehrt den bis heute guten Ruf dieser Waffen: Weil sie Devisenbringer waren, durfte die Fertigungsqualität nicht nachlassen. Bei Erzeugnissen für den Binnenmarkt war der Druck geringer.
Konstruktion
- Verschluss
- Kastenschloss (Boxlock) mit Doppelverriegelung und Greener-Querbolzen — eine kräftige, dreifach wirkende Verriegelung, die den unterschiedlichen Gasdrücken von Schrot- und Büchsenlauf standhalten muss.
- Ladeprinzip
- Kipplauf, von Hand geöffnet und geladen. Kein Selbstlademechanismus — die Konstruktionsleistung liegt vollständig in Verriegelung, Laufbündel und Abzugsanlage.
- Zuführung
- Einzelladung in jeden Lauf
- Abzug
- Mehrere Abzüge beziehungsweise Umschaltung zwischen Schrot- und Büchsenlauf; der Wechsel stellt zugleich die Visierung um
- Visierung
- Schiene mit Korn für die Schrotläufe, aufklappbares Visier oder Zielfernrohrmontage für den Büchsenlauf
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Öffnen
Der Verschlusshebel wird zur Seite geschwenkt; die Verriegelungselemente geben das Laufbündel frei, das nach unten abkippt. Auszieher oder Ejektoren heben die Hülsen an.
- 2
Laden
Jeder Lauf wird einzeln geladen — typischerweise zwei Schrotläufe und ein Büchsenlauf. Genau diese Kombination ist der Zweck der Waffe: ein Gerät für Schrot- und Kugelschuss, ohne Wechsel.
- 3
Verriegeln
Beim Schließen greifen die Verriegelungselemente in die Laufhaken. Der **Greener-Querbolzen** durchdringt zusätzlich eine Verlängerung des Laufbündels quer zur Schussrichtung — er nimmt die Kräfte auf, die Doppelverriegelung allein nicht sicher beherrscht.
- 4
Laufwahl
Über einen Umschalter wird zwischen Schrot- und Büchsenlauf gewählt. Bei guten Ausführungen stellt derselbe Vorgang die Visierung um — das Konstruktionsdetail, an dem sich Qualität am ehesten zeigt.
- 5
Schuss und Öffnen
Nach dem Schuss wird von Hand geöffnet; Ejektoren werfen nur die abgeschossenen Hülsen aus und heben die unabgeschossenen lediglich an.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Schaftholz der Standardmodelle
Der DDR fehlten Devisen für den Einkauf von Rohstoffen auf dem Weltmarkt. Das schlug sich unmittelbar in der Holzqualität der Standardausführungen nieder — während Exportmodelle besser bestückt wurden. Für die Zustandsbeurteilung heißt das: Einfaches Schaftholz ist bei DDR-Stücken kein Zeichen minderer Fertigung, sondern der Devisenlage.
plausibel
-
Kein Spielraum für Mängel
Weil diese Waffen Devisenbringer waren, durfte die Fertigungsqualität nicht nachlassen — anders als bei Erzeugnissen für den Binnenmarkt. Das erklärt, warum DDR-Drillinge bis heute einen guten Ruf haben, während andere DDR-Konsumgüter ihn nicht haben.
plausibel
Verwendung
- Jagd; die Kombination aus Schrot- und Büchsenläufen erlaubt beide Schussarten ohne Waffenwechsel
- Zwischen 1980 und 1989 exportierte der staatliche Außenhandel Suhler Jagd- und Sportwaffen in über 50 Länder