Modell
Suhl Modell 150
- Fertigung
- VEB Ernst-Thälmann-Werk
- Kaliber
- .22 lfB
- Zeitraum
- 1960–1990
- Belegstatus
- ungeklärt
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Mechanisch ist dieses Gewehr denkbar einfach, und das ist Absicht. Hinter dem Lauf sitzt ein walzenförmiges Verschlussstück mit einem seitlichen Griff. Der Griff wird angehoben, das Stück nach hinten gezogen, und das hintere Ende des Laufs liegt frei. Dort wird eine einzelne Patrone von Hand eingelegt — einen Vorratsbehälter gibt es nicht, denn im Wettkampf ist jeder Schuss ohnehin ein eigener Vorgang, und jedes zusätzliche Teil brächte nur zusätzliches Spiel in die Waffe. Beim Vorschieben nimmt das Verschlussstück die Patrone mit und schiebt sie in den Lauf; das Niederdrücken des Griffs hakt es im Gehäuse fest, sodass es dem Druck des Schusses nicht nachgeben kann. Beim Abdrücken schlägt ein Bolzen nicht auf die Mitte des Patronenbodens, sondern auf dessen umlaufenden Rand — dort sitzt bei dieser Munition der Zündstoff. Danach wird das Verschlussstück wieder zurückgezogen, die leere Hülse dabei herausgezogen und ausgeworfen. Besonders ist an der 150 kein einzelner Kunstgriff, sondern eine Folgerung: Weil die verwendete Patrone nur wenig Druck erzeugt, muss dieser Halt nur wenig aushalten. Er darf klein und leicht ausfallen, der Weg des Verschlussstücks kurz, der Griff weich zu bewegen — und genau deshalb lässt sich die Waffe bedienen, ohne dass der Schütze Schulter und Kopf und damit sein Zielbild verlässt. Ein Gefechtsgewehr für die volle Gewehrpatrone kann sich das nicht leisten.
Die Suhl 150 war das Kleinkaliber-Matchgewehr der DDR. Sie ist zugleich der einzige Eintrag dieses Registers, bei dem der Begriff „Kleinkaliber” fachlich korrekt ist, denn sie verschießt die Randfeuerpatrone .22 lfB, für die der Begriff im heutigen deutschen Sprachgebrauch reserviert ist. Siehe Patronenklassen und das dort dokumentierte Begriffsproblem.
Konstruktion
Matchgewehr und Ordonnanzrepetierer arbeiten beide mit Zylinderverschluss. Die Auslegung ist gegensätzlich.
| Karabiner 98k | Suhl 150 | |
|---|---|---|
| Zweck | Gefecht | Wettkampf |
| Verriegelung | massiv, drei Warzen, für Vollpatrone | leicht, für geringen Gasdruck |
| Kammerweg | lang, kräftig zu bedienen | kurz, weich, ohne Absetzen bedienbar |
| Zuführung | Magazin für 5 Patronen | Einzellader |
| Visierung | Kurvenvisier bis 2000 m | Diopter mit Ringkorn, UIT-Schiene |
| Abzug | Druckpunktabzug | einstellbarer Matchabzug |
Die geringe Leistung der .22 lfB erlaubt eine leichte Verriegelung, und daraus folgt die weiche, geräuscharme Bedienung, die Matchgewehre auszeichnet. Auch hier bestimmt die Patrone die Bauart.
Die Randfeuerzündung
Bei Zentralfeuerpatronen sitzt die Zündmasse in einem eigenen Zündhütchen im Hülsenboden. Bei der .22 lfB ist sie im umlaufenden Hülsenrand untergebracht; der Schlagbolzen trifft diesen Rand, nicht die Mitte.
Daraus folgen zwei praktische Einschränkungen. Randfeuerhülsen lassen sich nicht wiederladen. Und die Zündmassenverteilung im Rand ist fertigungsbedingt nie ganz gleichmäßig, was der Präzision eine Grenze setzt, die auch das beste Gewehr nicht überschreitet.
Einordnung
Nach den Luftdruckwaffen ist der Sportwaffenbau das zweite Feld, auf dem sich östliche und westliche Erben derselben Region unmittelbar gegenüberstanden: hier die Suhl 150 aus dem VEB Ernst-Thälmann-Werk, dort die Matchgewehre von Anschütz, 1856 in Zella-Mehlis gegründet, 1945 enteignet, 1950 in Ulm neu aufgebaut.
Auch hier gilt der Grund, der die Luftgewehre zum Sonderfall macht: Sportwaffen unterlagen keinen Besatzungsbeschränkungen. Beide Seiten konnten sofort fertigen.
Belegstatus ungeklärt. Dieser Eintrag beruht auf Händler- und Auktionsbeschreibungen. Einführungsjahr, Fertigungszeitraum, Stückzahlen und Modellchronologie sind nicht belegt; die angegebenen Eckdaten sind vorläufig. Zu klären an Betriebsunterlagen und Sportverbandsquellen der DDR.
Konstruktion
- Verschluss
- Zylinderverschluss mit kurzem Kammerweg, auf Matchgebrauch ausgelegt: Die Bedienung soll aus der Anschlagposition ohne Absetzen möglich sein.
- Ladeprinzip
- Einzellader, Handrepetierer
- Zuführung
- Einzelladung — kein Magazin. Im Wettkampf ist jeder Schuss ein eigener Vorgang; ein Magazin brächte keinen Vorteil und nur zusätzliches Spiel ins System.
- Abzug
- Einstellbarer Matchabzug
- Visierung
- Diopter mit Ringkorn, UIT-Schiene zur Aufnahme genormter Matchvisiere
Maße und Leistung
- Lauflänge
- rund 660 mm
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Öffnen
Der Kammerstängel wird angehoben und zurückgezogen. Anders als beim Ordonnanzrepetierer ist der Weg kurz und leicht — die Bedienung soll die Anschlagposition nicht stören.
- 2
Laden
Die Patrone wird einzeln in das Ladefenster eingelegt. Bei Randfeuermunition genügt eine flache Zuführrampe; die Hülse wird beim Vorschieben in das Lager geschoben.
- 3
Verriegeln
Der Kammerstängel wird niedergedrückt und verriegelt. Weil die .22 lfB nur geringen Gasdruck erzeugt, ist die Verriegelung leicht auszuführen — das ist der Grund, warum Matchgewehre dieser Klasse so weich und geräuscharm zu bedienen sind.
- 4
Schuss
Der Schlagbolzen trifft nicht die Mitte, sondern den **umlaufenden Hülsenrand**, in dem die Zündmasse sitzt. Das ist der Kernunterschied der Randfeuermunition zur Zentralfeuerpatrone — siehe Patronenklassen.
- 5
Auswerfen
Beim Zurückziehen der Kammer wird die Hülse ausgezogen und ausgeworfen. Da Randfeuerhülsen nicht wiedergeladen werden können, entfällt jede Rücksicht auf ihre Schonung.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verriegelt: Zwei vordere Verriegelungswarzen am Kammerkopf liegen unmittelbar hinter dem Patronenlager in Rastflächen des Hülsenkopfs; eine dritte, hintere Warze dient als Sicherheitsreserve.
- 2 Entriegeln: Der Kammerstängel wird nach oben gedreht. Die Warzen treten aus den Rastflächen, und eine Steuerfläche zieht die Kammer zugleich ein Stück zurück — das löst die Hülse aus dem Lager (Erstauszug).
- 3 Zurückziehen und Vorschieben: Die Kammer läuft zurück, der Auszieher hält die Hülse, der Auswerfer wirft sie aus. Beim Vorschieben nimmt der Stoßboden die oberste Patrone aus dem Kastenmagazin mit; Niederdrücken des Stängels verriegelt erneut.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
Anschütz Matchgewehre
J. G. Anschütz · Deutschland (Ulm)- System
- Kleinkaliber-Matchgewehre, Zylinderverschluss, Einzellader, .22 lfB
- Unterschied
- Das westliche Gegenstück — und aus demselben Ursprung: Anschütz wurde 1856 in Zella-Mehlis gegründet, wurde 1945 enteignet und baute 1950 in Ulm neu auf. Beide Linien fertigten Matchgewehre derselben Klasse für denselben Wettkampfzweck.
- Befund
- Nach den Luftgewehren der zweite Fall unmittelbarer Ost-West-Konkurrenz aus geteiltem Ursprung. Sportwaffen unterlagen wie Luftdruckwaffen keinen Besatzungsbeschränkungen — siehe J. G. Anschütz, Zella-Mehlis.
Haenel Modell 312
VEB Ernst-Thälmann-Werk · DDR (Suhl) · 1966- System
- Federkolben-Luftgewehr, Seitenspanner, Einzellader, Diopter
- Unterschied
- Dasselbe Werk, derselbe Zweck — Wettkampfschießen —, aber eine Stufe darunter in der Ausbildungsfolge: erst Luftgewehr, dann Kleinkaliber.
- Befund
- Beide zusammen bilden die Sportschützenausbildung der DDR ab. Der Weg vom Luftgewehr zur Kleinkaliberbüchse war der übliche Werdegang.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Schaftausführung der Standardmodelle
Wie bei den Jagdwaffen wirkte sich der Devisenmangel auf die Holzqualität aus. Spätere Ausführungen erhielten verstellbare Schaftbacken und Schaftkappen; die frühen sind starr.
ungeklärt
-
Nur Einzellader
Für den Wettkampf ein Vorteil, für Ausbildung und Freizeitgebrauch eine Einschränkung. Wer schnelle Schussfolgen üben wollte, brauchte eine andere Waffe.
plausibel
Verwendung
- Kleinkaliber-Wettkampfschießen in der DDR bis zur Meisterschaftsebene
- Bis heute auf dem Gebrauchtmarkt gesucht und in Wettkämpfen einsetzbar
Quellen
- [Online] swisswaffen.com — Suhl Mod. 150 Standard .22 Sportgewehr, DDR Link