Modell
Karabiner 98a (Kar 98AZ)
- Fertigung
- Gewehrfabrik Erfurt
- Kaliber
- 8 × 57 mm IS / 7,92 × 57 mm — zeitgenössisch schlicht „Patrone S" beziehungsweise 7,9 mm S-Bohrung; von Beginn an dafür ausgelegt
- Zeitraum
- 1908–1918
- Belegstatus
- plausibel
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Innen arbeitet dieser Karabiner genau wie das lange Gewehr 98. Nach jedem Schuss klappt der Schütze den Griff hoch und zieht ihn zurück; dabei wird die leere Patronenhülse aus dem Lauf gezogen und seitlich ausgeworfen. Beim Vorschieben nimmt derselbe Stahlzylinder die nächste der fünf Patronen aus dem Kasten im Schaft mit, und das Niederdrücken des Griffs dreht ihn um eine Vierteldrehung, so dass er mit zwei Nasen dicht hinter der Patrone im Gehäuse einhakt. Das Besondere liegt deshalb nicht im Ablauf, sondern in den Maßen. Der Lauf ist fünfzehn Zentimeter kürzer als beim Gewehr, und das ist keine Kleinigkeit: Je kürzer der Lauf, desto mehr Druck steht noch in ihm, wenn das Geschoss ihn verlässt — entsprechend lauter der Knall und greller die Flamme an der Mündung. Eine erste, noch deutlich kürzere Fassung von 1902 war deswegen kaum brauchbar; die 590 Millimeter dieser Waffe sind der Wert, bei dem es gerade erträglich blieb. Zwei weitere Änderungen folgen aus dem Zweck als Waffe für Reiter und technische Truppen: Der Griff dieses Zylinders ist nach unten gebogen und liegt in einer Mulde des Schafts, damit er nicht absteht, und der Trageriemen läuft seitlich statt unten, damit die Waffe im Sattel flach am Rücken bleibt.
Dieser Eintrag schließt eine Lücke, die das Register selbst aufgerissen hat. Im Eintrag zur Gewehrfabrik Erfurt steht die Zahl von rund 1,5 Millionen „Karabiner 98” bis 1918, und daneben steht die Warnung, damit sei nicht der Karabiner 98k von 1935 gemeint. Nur fehlte bislang der Eintrag zu der Waffe, die tatsächlich gemeint ist. Er steht hier.
Die Verwechslung ist keine Marginalie. Sie betrifft die nach Stückzahl größte Fertigung, die dieses Register für die Kaiserzeit führt; mit dem Kar 98k der Gustloff-Werke steht eine noch größere daneben, nur eben siebenundzwanzig Jahre später. Ausräumen lässt sie sich mit der einen Frage, die die Methodik dieser Seite ohnehin verlangt. Ein Jahr prüft eine Zuschreibung. Die Königlich Preußische Gewehrfabrik Erfurt wurde 1919 aufgelöst, der Karabiner 98k entstand 1935. Sechzehn Jahre liegen dazwischen. Einen Kar 98k aus der Erfurter Gewehrfabrik kann es nicht geben.
Die Bezeichnungen
Sie hieß, wenn man ihr eigenes Blech befragt, schlicht „Kar. 98.”. So steht es auf der linken Seitenschiene der Hülse, und so heißt sie in den Dienstvorschriften der Zeit. Alles Weitere ist nachgereichte Ordnung.
| Bezeichnung | Herkunft | Gilt für |
|---|---|---|
| Kar. 98 | zeitgenössische Beschriftung und Vorschrift | diese Waffe ab 1908, leider auch ihre Vorgängerin von 1902 |
| Kar 98A (großes A) | überwiegend englischsprachige Literatur | die kurze Waffe von 1902, rund 95 cm, nicht diese hier |
| Kar 98AZ | Annahmebezeichnung Januar 1908 nach Übersichtsdarstellungen; in der Sammlerliteratur teils als Versuchsmuster-, teils als bloßer Sammlerbegriff bestritten | die Ausführung mit Aufpflanz- und Zusammensetzvorrichtung |
| Kar 98a (kleines a) | Reichswehr, 1923 | dieselbe Waffe, nun abgegrenzt vom Kar 98b |
| Kar 98b | ab 1923 | das Gewehr 98 mit umgebogenem Kammerstängel und neuem Visier, ein 1250-mm-Gewehr und kein Karabiner |
| Kar 98k | ab 1935 | die verkürzte Einheitswaffe der Wehrmacht |
Auf die Groß- und Kleinschreibung des Buchstabens kommt es an. Kar 98A und Kar 98a sind zwei verschiedene Waffen mit 15 cm Längenunterschied, und wer eine englischsprachige Quelle zitiert, muss den Buchstaben mitzitieren.
AZ steht für Aufpflanz- und Zusammensetzvorrichtung, also Bajonetthalter und Zusammensetzhaken in einem Bauteil am Mündungsstück. Dass ein Karabiner ein Bajonett aufnehmen und mit anderen zur Pyramide zusammengesetzt werden konnte, war 1908 nicht selbstverständlich; genau deshalb wurde es in den Namen geschrieben.
Für die Bestimmungsarbeit folgt daraus eine Warnung, die sich nicht umgehen lässt. Der Schriftzug „Kar. 98.” auf der Seitenschiene unterscheidet nicht zwischen dem Karabiner von 1902 und dem von 1908. Das tut die Gesamtlänge. Rund 95 cm hat der kurze von 1902, rund 109 cm der hier behandelte.
Die unterste Visierteilung trägt hier nichts aus. Der naheliegende Schluss „ab 200 m = kurzer, ab 300 m = langer” ist falsch. Lehner weist am kurzen Kar. 98 sieben Visierausführungen nach, darunter 300–1800 (Lange) und 300–2000 (Mauser); die Teilung ab 300 m trennt den Kar 98a vom Kar 98k, nicht von seiner eigenen Vorgängerin.
Fertigung
Die einzige objektnahe Hochrechnung, die dieses Register auffinden konnte, stammt von Peter Kuck und beruht auf gesammelten Seriennummernreihen. Eine Fertigungsstatistik ist sie nicht. Man sieht ihr das an: Einige Jahreswerte sind auf die Einerstelle genau, andere glatt gerundet.
| Arsenal | Jahre | Hochrechnung |
|---|---|---|
| Erfurt | 1907–1918 | rund 1.715.000 |
| Danzig | 1909–1914, 1918 | rund 315.000 |
| Amberg | 1909–1911 | rund 37.700 (Storz: 44.362) |
| Spandau | 1908–1910 | rund 12.000 |
Die Erfurter Jahreswerte zeigen dabei etwas, das man in keiner Gesamtzahl mehr sieht:
| 1907 | 1908 | 1909 | 1910 | 1911 | 1912 | 1913 | 1914 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 358 | 14.164 | 13.426 | 16.796 | 18.345 | 15.000 | 22.000 | 54.000 |
| 1915 | 1916 | 1917 | 1918 |
|---|---|---|---|
| 313.869 | 405.722 | 495.267 | 348.193 |
1907 ist ein Anlaufjahr mit 358 Stück. Die sechs Jahre 1908 bis 1913 bewegen sich zwischen 13.400 und 22.000 Waffen; 1914 verdoppelt sich die Ausbringung auf 54.000, ab 1915 steht sie noch einmal um den Faktor sechs höher. Die Summe der vier Kriegsjahre 1915–1918 beträgt 1.563.051 gegenüber 154.089 aus den acht Vorjahren. 91 Prozent der Erfurter Karabinerfertigung entfallen damit auf die Kriegsjahre. Ein Friedensprodukt mit Kriegsspitze ist der Karabiner 98a nicht; er ist ein Kriegsprodukt mit langer Vorgeschichte. (Die Jahreswerte summieren sich auf 1.717.140; Kuck rundet auf 1.715.000, auch das ein Hinweis auf den Schätzcharakter.)
Es bleibt ein Widerspruch, den dieser Eintrag benennt, ohne ihn aufzulösen:
- John Walter gibt, nach Kuck, für alle deutschen Arsenale zusammen über 1,5 Millionen an.
- Erfurter Ortsdarstellungen geben für Erfurt allein rund 1,5 Millionen an.
- Kucks Hochrechnung ergibt für Erfurt allein rund 1,715 Millionen und für alle vier Arsenale zusammen gut zwei Millionen.
Dieselbe Zahl steht einmal für ein Werk und einmal für vier. Ohne Archivgut ist das nicht abschließend zu entscheiden, aber die Beweislast liegt einseitig. Auch die englischsprachigen Übersichtsdarstellungen führen die 1,5 Millionen jeweils als Gesamtzahl des Modells bis zum Waffenstillstand, nie als Werkszahl Erfurts. Die Erfurter Größenordnung von deutlich über einer Million ist durch die Seriennummernreihen unabhängig gestützt; die Zuweisung der Zahl an das lange Gewehr dagegen durch nichts.
Konstruktion
Ein gekürztes Gewehr 98 ist der Karabiner nicht. Er hat eine eigene Hülsenbauform mit derselben Kammer darin.
| Gewehr 98 | Karabiner 98a | |
|---|---|---|
| Lauf | 740 mm | 590 mm |
| Gesamtlänge | 1250 mm | 1090 mm |
| Hülsenring, Außendurchmesser | 35,8 mm (großer Ring) | rund 33 mm (kleiner Ring) |
| Laufgewindeansatz | 28 mm | 28 mm, unverändert groß |
| Laufkontur | abgesetzt | durchgehend konisch |
| Visier | Lange-Visier, 400–2000 m nach S-Umstellung | Mauser-Visier, 300–2000 m |
| Kammerstängel | gerade abstehend | nach unten umgebogen, unten abgeflacht, Mulde im Schaft |
| Riemenführung | Bügel an der Unterseite | seitlich links, Durchbruch im Kolben und im hinteren Band |
| Mündungsstück | Bajonetthalter | Bajonetthalter plus Zusammensetzhaken, keine Reinigungsstockbohrung |
| Munition | erst Patrone 88, S-Patrone 1903 angenommen und 1904/05 eingeführt | von Beginn an S-Patrone |
Beim kleinen Hülsenring sieht ein Büchsenmacher zuerst hin. Der Ring misst rund 33 statt 35,8 mm, während das Laufgewinde mit rund 28 mm (1,10 Zoll × 12 Gang) groß blieb. Im Mauser-Bau ist die Paarung „kleiner Ring, großes Gewinde” ungewöhnlich. Entdeckt hat sie dieses Register nicht. Übersichtsdarstellungen nennen sie, und die angelsächsische Büchsenmacherpraxis führt die Hülse unter genau diesem Stichwort. Günstig ist die praktische Folge gerade nicht: Zwischen Gewindegrund und Warzenrastflächen bleibt wenig Wandstärke, weshalb beim Neuverlauf auf starke Lasten vor Aufweitung gewarnt wird.
Einen Gewichtsvorteil erklärt die Paarung nicht. Ein Ring von 33 statt 35,8 mm Außendurchmesser über rund 25 mm Länge spart rechnerisch etwa 30 g, knapp ein Prozent der Waffe und am Objekt nicht spürbar. Wer den zivilen Nachbau der 1920er Jahre damit begründet, rechnet nicht nach. Für die Bestimmung bleibt: Der Ring wird gemessen, nicht geschätzt. Ein Kar 98a mit großem Ring ist ein Widerspruch, der aufzuklären ist.
Die seitliche Riemenführung ist keine Kosmetik. Sie folgt aus dem Verwendungszweck. Ein über die Schulter getragener Karabiner mit unten liegendem Riemen dreht sich beim Reiten und Radfahren weg; die Führung durch den Kolbendurchbruch legt die Waffe flach an den Rücken. Dieselbe Lösung übernahm 1935 der Kar 98k.
Für die Bestimmung
Über die Länge gelingt die Abgrenzung gegen den Kar 98k nicht. 1090 gegen 1110 mm Gesamtlänge, 590 gegen 600 mm Lauf. Wer die beiden nach Augenmaß über die Größe trennen will, trennt sie nicht. (Und selbst die 590 mm sind bestritten; englischsprachige Darstellungen nennen 600 mm, siehe Belegnotiz. Für die Unterscheidung ist der Streit gegenstandslos, weil der Unterschied in beiden Lesarten zu klein ist, um ihn zu sehen.)
Was funktioniert, in dieser Reihenfolge:
- Der Zusammensetzhaken am Mündungsstück. Ein kleiner, nach unten oder schräg vorn abstehender Haken unter dem vorderen Band. Nur der Kar 98a hat ihn; der Kar 98k hat ihn nicht. Das schnellste Merkmal überhaupt, aus zwei Metern Entfernung zu sehen.
- Die unterste Visierteilung. 300 beim Kar 98a, 100 beim Kar 98k. Ein Blick auf die Kurve, fertig.
- Die Reinigungsstockbohrung. Der Kar 98k trägt einen Reinigungsstock im Vorderschaft, sein Mündungsstück ist dafür durchbohrt. Beim Kar 98a ist die Unterseite des Bajonetthalters geschlossen.
- Der Hülsenring. Rund 33 mm gegen 35,8 mm, mit dem Messschieber eindeutig, mit dem Daumen nach etwas Übung ebenfalls.
- Die Beschriftung des Hülsenkopfs. Kar 98a: Krone, Arsenalname, Jahreszahl (ERFURT 1917).
Kar 98k: Fertigungskennzeichen wie
337,bcd,byfund Jahreszahl. Zwei verschiedene Beschaffungssysteme, zwei verschiedene Beschriftungsgrammatiken. - Die Kammer. Kaiserzeitliche Kar 98a tragen eine blanke, nicht brünierte Kammer.
Kommt eine zweite Jahreszahl 1920 auf der Hülse hinzu, ist das kein Fertigungsdatum, sondern die Kennzeichnung der Übernahme in Reichswehr- oder Polizeibestand.
Der Verschluss ist der des Gewehr 98 und des Kar 98k; der Ablauf steht oben im Maßblatt Schritt für Schritt. Drei Punkte lohnen bei diesem Modell besondere Aufmerksamkeit.
Erstens die dritte Warze. Sie ist Sicherheitsreserve und kein Traglager; im Normalfall liegt sie mit Spiel in ihrer Ausnehmung, weshalb die geläufige Rede von der „dritten Verriegelungswarze” schief ist. Trägt sie sichtbar mit, erkennbar an einer blanken, gestauchten Anlagefläche, dann sind die vorderen Warzen oder ihre Rastflächen nicht mehr in Ordnung. Ein Befund, kein Verschleißbild.
Zweitens der Auszieher. Die große Kralle sitzt auf einem Ring, in dem sich die Kammer dreht; sie macht die 90 Grad Kammerdrehung also nicht mit und hält den Hülsenrand von der Aufnahme aus dem Magazin bis zum Auswurf. Wer eine Patrone einzeln ins Lager legt und die Kammer darüber schließt, zwingt die Kralle über den Rand. Ob das den Auszieher tatsächlich schädigt, ist in der Literatur umstritten; die Kralle ist dafür ausgelegt, es zu überstehen. Als Prüfpunkt taugt die Frage trotzdem. Bei einem Stück, das jahrzehntelang zivil geführt wurde, ist die Kralle anzusehen.
Drittens der Auswerfer. Das Blatt sitzt im Kammerfang links hinten in der Hülse und schlägt durch den Längsschlitz der linken vorderen Warze gegen den Hülsenboden. Fehlt der Auswurf oder kommt er unregelmäßig, liegt die Ursache fast immer dort und nicht am Auszieher.
Am Karabiner tritt ein vierter Punkt hinzu, den das lange Gewehr nicht kennt: die Schaftmulde für den Kammerstängel. Sie ist eine quer zur Faser eingearbeitete Ausnehmung an einer ohnehin belasteten Stelle. Risse, die dort beginnen, sind bei dieser Waffe häufig und für die Zustandsbeurteilung wichtiger als der Zustand der Oberfläche.
Entwicklung
Der Karabiner 98a beantwortet ein Munitionsproblem, kein Waffenproblem. Um zu verstehen, warum er 590 mm Lauf hat und nicht 435, muss man die S-Patrone dazwischenschieben.
Die kurze Ausführung von 1902 war für die Patrone 88 mit Rundkopfgeschoss (14,7 g) ausgelegt, Visier 200 bis 1200 m. Am 3. April 1903 nahm die Gewehr-Prüfungskommission die S-Patrone an: Spitzgeschoss, 9,9 g, doppelbasiges Pulver, rund 38 Prozent mehr Anfangsgeschwindigkeit und 27 Prozent mehr Mündungsenergie bei 300 MPa Gebrauchsdruck. Umgearbeitet wurde dafür das Patronenlager und nicht „die Laufbohrung”. Der Übergangskonus musste aufgerieben werden, weil das neue Geschoss dicker und der Hülsenhals stärker war. Neue Läufe erhielten die S-Bohrung mit 8,20 mm Zugdurchmesser bei 7,89 bis 7,92 mm Felddurchmesser; das Visier wurde neu geteilt. Beim langen Gewehr ging das gut. Beim kurzen Karabiner nicht. Lehner beschreibt „a foot-long flame at the muzzle” und einen als untragbar empfundenen Rückstoß. Die Fertigung wurde 1905 eingestellt, und die meisten Stücke von 1903 bis 1905 bekamen Ersatz-Visierkurven, die sie auf die alte Patrone 88 zurückbanden. Erst im Hochsommer 1907 zeigten Versuchskarabiner mit 590-mm-Lauf ein hinnehmbares Verhalten; im Januar 1908 wurde die Waffe angenommen.
Die überzeugendste zeitgenössische Bestätigung des Mündungsproblems steht in keinem Erprobungsbericht. Sie liegt in einer Änderung am Seitengewehr. Die Mündung des Karabiners endet vor dem Mündungsring des aufgepflanzten Seitengewehrs 98/05, der Gasstrahl trifft also unmittelbar auf dessen hölzerne Griffschalen. Im Feld sengten sie an oder wurden abgesprengt. 1915 erhielt das Seitengewehr deshalb ein Feuerschutzblech am Rücken; diese Ausführung heißt neuer Art (n. A.) und unterscheidet sich zusätzlich durch die auf eine kurze Halbschale verkürzte Parierstange. Überliefert sind außerdem aufsteckbare Feuerdämpfer für die Waffe selbst.
Daraus wird ein Datierungsmerkmal, allerdings eines am Seitengewehr und nicht am Karabiner. Ein S 98/05 ohne Feuerschutzblech ist alter Art und vor 1915 gefertigt; im Gebrauch blieben diese Stücke bis Kriegsende, und viele wurden nie nachgerüstet. Aus der Zusammenstellung „Kar 98a mit Bajonett alter Art” folgt daher kein Datum für die Waffe. Umgekehrt kann ein Seitengewehr n. A. nicht vor 1915 an die Waffe gekommen sein.
Der Mündungsdruck im Überschlag
Was die 155 mm mehr Lauf ausmachen, ist rechenbar, sofern man die Annahmen offenlegt. Nach dem Druckmaximum, das schon in den ersten Zentimetern des Geschosswegs erreicht wird, ist der restliche Lauf im Wesentlichen Expansionsraum. Der Mündungsdruck sinkt dann näherungsweise mit dem Gesamtvolumen hinter dem Geschoss. Gerechnet wird mit dem Hülsenrauminhalt von 4,09 cm³ und einer Bohrungsfläche von rund 0,53 cm²; angesetzt ist dafür der Zugkreisdurchmesser 8,2 mm, denn der Felddurchmesser beträgt 7,89 bis 7,92 mm und die tragende Fläche liegt dazwischen. Entscheidend ist der Geschossweg, nicht die Lauflänge. Vom Lauf sind rund 65 mm Patronenlager, in denen sich das Geschoss noch nicht bewegt.
| Lauflänge | Geschossweg | Volumen hinter dem Geschoss bei Mündungsaustritt | Mündungsdruck relativ |
|---|---|---|---|
| 740 mm (Gewehr 98) | 675 mm | rund 40 cm³ | 1,00 |
| 590 mm (Kar 98a) | 525 mm | rund 32 cm³ | rund 1,32 |
| 435 mm (Kar 98 von 1902) | 370 mm | rund 24 cm³ | rund 1,92 |
Angenommen wurde eine adiabatische Expansion mit einem Isentropenexponenten von etwa 1,25 für Pulvergas. Die Rechnung vernachlässigt den Abbrand, der bei der kurzen Waffe noch andauert, und den Wärmeverlust an die Laufwand; beides verstärkt den Befund eher, als es ihn abschwächt. Das Ergebnis ist eine Größenordnung und kein Messwert. Die Verlängerung von 435 auf 590 mm senkte den Mündungsdruck um grob ein Drittel. Weil Blitz, Knall und Rückstoßspitze überproportional am Mündungsdruck hängen, erklärt das den Unterschied zwischen „unbrauchbar” und „hinnehmbar”, ohne dass sich an der Patrone etwas geändert hätte. (Setzt man statt 435 mm die von Kuck genannten 17,7 Zoll = 450 mm an, ändert sich am Bild nichts Wesentliches.)
Für die Mündungsgeschwindigkeit ist in den eingesehenen Quellen kein Wert für den Kar 98a zu finden. Der einzige belastbare Anker ist der dokumentierte Paarvergleich derselben Ladung an zwei Lauflängen. Die s.S.-Patrone leistet 785 m/s aus 740 mm und 760 m/s aus 600 mm, also 25 m/s auf 140 mm oder 0,18 m/s je Millimeter. Abschneideversuche an vergleichbaren Vollleistungspatronen liegen mit 0,27 bis 0,37 m/s je Millimeter höher. Auf 878 m/s und 150 mm weniger Lauf angewandt, ergibt das einen Verlust von 27 bis 56 m/s und damit rund 820 bis 850 m/s, also 3 bis 6 Prozent Geschwindigkeit und 6 bis 13 Prozent Mündungsenergie weniger als beim Gewehr 98.
Der in Sammlerdiskussionen gelegentlich genannte Gradient von 0,4 bis 0,5 m/s je Millimeter, der auf rund 800 m/s führen würde, lässt sich mit keiner Messung an dieser Patrone belegen und liegt gut doppelt so hoch wie der einzige harte Vergleichswert. Auch der hier genannte Bereich bleibt eine Abschätzung dieses Registers und ausdrücklich kein Quellenwert. Eine einzige Chronographenreihe an einem Originallauf würde ihn ersetzen.
Einordnung
Erstens als Korrektur einer Zuschreibung. Die größte kaiserzeitliche Fertigung dieses Registers gehört einer Waffe, die bislang keinen Eintrag hatte, während die Zahl beim Nachbarmodell stand. Der Fall gehört zu derselben Fehlerklasse wie die Werksverwechslungen, aus denen die Zuschreibungsregeln hervorgegangen sind. Vertauscht wurden hier allerdings zwei Erzeugnisse desselben Betriebs und nicht zwei Betriebe.
Zweitens als Beleg dafür, dass die Einsicht früher da war als die Entscheidung. Der Karabiner 98a ist 1908 im Wesentlichen die Waffe, die das Heer 1935 als Kar 98k für alle einführte. Was 1935 geschah, war eine organisatorische Leistung und keine konstruktive. Die kurze Waffe wurde von der Sonderausgabe für Kavallerie und Technik zur Waffe der Infanterie. Großbritannien hatte diesen Schritt 1903 getan. Die deutsche Verzögerung um zweiunddreißig Jahre beruht auf derselben Fehlannahme, die auch im Lange-Visier des Gewehr 98 eingebaut ist: dass das Infanteriegefecht auf großer Entfernung stattfinde.
Drittens als Bindeglied zum zivilen Büchsenbau. Nach 1918 wurden Hülsen dieser Waffe zur Grundlage ziviler Pirschbüchsen, ein Geschäftsfeld, von dem die Suhler Häuser lebten, als Ordonnanzaufträge nicht mehr zu haben waren. Dass das System Mauser 98 im Jagdwaffenbau bis heute fortlebt, wird meist am Kar 98k festgemacht; der frühere Zugang lief über den Karabiner dieses Eintrags. Woran das lag, ist damit noch nicht gesagt. Die naheliegende Begründung „leichteres System” ist rechnerisch zu klein, um sie zu tragen (siehe oben), und ein zeitgenössischer Beleg für die Motivlage liegt diesem Register nicht vor. Die verfügbare Stückzahl ist die schlichtere Erklärung.
Waffenrechtliches
Der Karabiner 98a ist ein Repetierer und keine Kriegswaffe; er fällt nicht unter das Kriegswaffenkontrollgesetz. Als Langwaffe mit Zylinderverschluss ist er auf eine Waffenbesitzkarte eintragbar; eine Freistellung als Altwaffe greift nicht, weil das System nach 1871 entwickelt wurde. Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft. Siehe Methodik.
Ein Hinweis zum Zubehör, der den Sachverstand betrifft und nicht die Waffe: Aufgepflanzte Seitengewehre und Zusammensetzhaken sind Teil des originalen Erscheinungsbilds und keine nachträgliche Zurüstung.
Offene Forschungsfragen. Erstens die Stückzahl: Existieren Ausbringungsnachweise der Gewehrfabrik Erfurt, mit denen sich die 1,5-Millionen-Angabe eindeutig entweder dem Werk oder allen Arsenalen zusammen zuordnen lässt? Zweitens die Lauflänge, 590 oder 600 mm; an drei gemessenen Stücken in einer Stunde zu klären. Eine solche Messreihe ist diesem Register nicht bekannt, was nicht heißt, dass es sie nicht gibt. Drittens die Mündungsgeschwindigkeit, für die kein Messwert vorliegt. Hier wäre schon eine einzige Chronographenreihe an einem Originallauf mehr wert als jeder Überschlag. Viertens die Bezeichnung: Welches Dokument des Jahres 1908 nennt die Waffe wie, und stimmt das Datum des Einführungserlasses, 16. Januar oder 6. Februar? Fünftens der Anteil des Karabiners an der deutschen Gewehrfertigung insgesamt; die kursierenden Prozentangaben von 65 und 80 sind beide unbelegt und einander verdächtig ähnlich.
Konstruktion
- Verschluss
- Zylinderverschluss System Mauser 98 mit zwei vorderen Verriegelungswarzen am Kammerkopf und einer hinteren Sicherheitswarze; Kammerdrehung 90 Grad. Abweichend vom Gewehr 98 sitzt das System in einer Hülse mit KLEINEM Hülsenring (rund 33 mm statt 35,8 mm Außendurchmesser) bei unverändert großem Laufgewindeansatz (rund 28 mm, 1,10 Zoll × 12 Gang) — die im Mauser-Bau ungewöhnliche Paarung „kleiner Ring, großes Gewinde"
- Ladeprinzip
- Repetierer, Handrepetierung über den umgebogenen Kammerstängel; Spannen der Schlagbolzenfeder beim Öffnen
- Zuführung
- Fest eingebautes Kastenmagazin für 5 Patronen, Füllung von oben über Ladestreifen; Ladestreifenführung in der Hülsenbrücke
- Abzug
- Druckpunktabzug, zweistufig
- Sicherung
- Flügelsicherung am Verschlusshinterteil, dreistellig — Feuer, gesichert bei bedienbarer Kammer, gesichert und Kammer gesperrt
- Visierung
- Kurvenvisier („Mauser-Visier") mit Schieber auf gekrümmter Bahn, geteilt 300 bis 2000 m — NICHT das Lange-Visier des Gewehr 98 und nicht die 100-m-Teilung des Kar 98k. Visierlinie rund 500 mm (eine Quelle)
Maße und Leistung
- Länge
- 1090 mm
- Lauflänge
- 590 mm (deutschsprachige Darstellungen und Lehner); 600 mm bzw. 23,62 Zoll (Kuck, en-Wikipedia); 23,2 Zoll = 589 mm und „23 Zoll" in weiteren englischsprachigen Darstellungen — die Spaltung verläuft also NICHT sauber zwischen den Sprachräumen, siehe Belegnotiz
- Gewicht
- Angaben zwischen 3,2 und 3,8 kg; die deutschsprachige Angabe lautet 3800 g, englischsprachige nennen 3,7 kg, 8,0 lbs (3,63 kg) und 7 lbs (3,2 kg)
- Magazin
- 5 Patronen, Ladestreifen
- V₀
- Nicht belegt. Überschlag dieses Registers: Größenordnung 820 bis 850 m/s mit der S-Patrone (9,9 g) gegenüber 878 m/s aus dem 740-mm-Lauf des Gewehr 98 — Abschätzung, kein Messwert, Rechenweg und Anker im Text
- Kadenz
- ca. 12–15 Schuss/min (praktische Feuergeschwindigkeit)
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Verriegelt und schussbereit
Die beiden Verriegelungswarzen am Kammerkopf stehen unmittelbar hinter dem Patronenlager in den Rastflächen des Hülsenkopfs. Die dritte Warze auf dem Kammerkörper vor dem Kammerstängel liegt mit Spiel in einer Ausnehmung der Hülsenbrücke — sie trägt im Normalbetrieb nicht, sondern ist reine Sicherheitsreserve (weshalb „dritte Verriegelungswarze" streng genommen falsch ist). Der Kammerweg muss die Patronengesamtlänge von rund 81 mm überschreiten; das System ist deshalb genauso lang wie beim Gewehr 98. Verkürzt wurde der Lauf, nicht die Hülse.
- 2
Schuss und Gasabfuhr
Der beim Öffnen gespannte Schlagbolzen wird freigegeben und zündet. Reißt ein Zündhütchen aus oder versagt die Hülse, tritt Gas durch die Schlagbolzenbohrung in die Kammerbohrung ein; zwei Gasabführbohrungen im Kammerkörper leiten es ab, der Kragen (Gasschild) am vorderen Ende des Schlösschens hält es vom Schützengesicht fern. Wohin genau die beiden Bohrungen abblasen, geben die Darstellungen unterschiedlich an — teils in den Magazinkasten nach unten, teils nach links in die Führungsnut der linken Warze und die Ausfräsung der Hülse. Diese Gasführung ist der eigentliche Grund für den Ruf des Systems — nicht die Verriegelungskraft allein.
- 3
Entriegeln mit Erstauszug
Beim Hochdrehen des Kammerstängels um 90 Grad treten die Warzen aus den Rastflächen. Die Steuerfläche sitzt dabei am FUSS DES KAMMERSTÄNGELS und läuft gegen die schräge Anlagefläche an der Hinterkante der Hülsenbrücke — nicht an der Führungsrippe, die nur die Kammer führt und die Ausziehfeder abstützt. Dieser Erstauszug zieht die Kammer um rund 4 mm (0,16 Zoll nach der Literatur) zurück und löst die am Lager anliegende Hülse mit großer Kraft bei kleinem Weg. Am Einzelstück ist der Weg hier nicht nachgemessen.
- 4
Zurückziehen, Ausziehen, Auswerfen
Die lange federnde Auszieherkralle sitzt auf einem Ring, in dem sich die Kammer dreht — sie macht die 90 Grad also nicht mit und behält den Hülsenrand über den gesamten Weg im Griff. Am hinteren Ende der Bewegung tritt das Auswerferblatt, das im Kammerfang links hinten in der Hülse sitzt, durch den Längsschlitz der linken vorderen Warze und schlägt gegen den Hülsenboden; die Hülse kippt nach rechts oben aus.
- 5
Vorschieben und Zuführen
Der Stoßboden nimmt die oberste Patrone aus dem Kastenmagazin, ihr Rand läuft von unten unter die Auszieherkralle. Weil die Kralle den Rand von Beginn an führt, statt beim Verriegeln über ihn zu schnappen — kontrollierte Zuführung —, kann bei unvollständiger Bewegung keine zweite Patrone nachrücken.
- 6
Verriegeln und Sichern
Das Niederdrücken des Kammerstängels dreht die Warzen zurück in die Rastflächen. Der Kammerstängel ist beim Kar 98a nach unten umgebogen und unten abgeflacht; dazu ist in den Schaft eine Mulde eingearbeitet, damit der Griff überhaupt zu fassen ist. Diese Kombination — umgebogener Stängel plus Schaftmulde — ist am Gewehr 98 nicht vorhanden und am Kar 98k wieder vorhanden.
- 7
Nachladen über Ladestreifen
Bei geöffneter Kammer wird ein Blechladestreifen mit fünf Patronen in die Führung der Hülsenbrücke gesetzt und der Inhalt mit dem Daumen ins Magazin gedrückt; der leere Streifen wird beim Vorschieben ausgeworfen. Die Ladeeinheit ist dieselbe wie beim Gewehr 98 — das war der Zweck der Einheitswaffe.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verriegelt: Zwei vordere Verriegelungswarzen am Kammerkopf liegen unmittelbar hinter dem Patronenlager in Rastflächen des Hülsenkopfs; eine dritte, hintere Warze dient als Sicherheitsreserve.
- 2 Entriegeln: Der Kammerstängel wird nach oben gedreht. Die Warzen treten aus den Rastflächen, und eine Steuerfläche zieht die Kammer zugleich ein Stück zurück — das löst die Hülse aus dem Lager (Erstauszug).
- 3 Zurückziehen und Vorschieben: Die Kammer läuft zurück, der Auszieher hält die Hülse, der Auswerfer wirft sie aus. Beim Vorschieben nimmt der Stoßboden die oberste Patrone aus dem Kastenmagazin mit; Niederdrücken des Stängels verriegelt erneut.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
Gewehr 98 (Erfurter Fertigung)
Gewehrfabrik Erfurt und weitere · Deutsches Reich · 1898- System
- Dasselbe Verschlusssystem Mauser 98, Lauf 740 mm, Gesamtlänge 1250 mm, großer Hülsenring, gerader Kammerstängel, Lange-Visier auf gekrümmter Bahn
- Unterschied
- Gleiche Kammer, andere Hülse: Der Karabiner hat den kleinen Hülsenring (rund 33 mm), der Gewehrbau den großen (35,8 mm). Dazu 150 mm weniger Lauf, 160 mm weniger Gesamtlänge, Mauser-Visier 300 bis 2000 statt Lange-Visier, umgebogener Kammerstängel mit Schaftmulde, seitliche Riemenführung statt Riemenbügel an der Unterseite, Aufpflanz- und Zusammensetzvorrichtung am Mündungsstück.
- Befund
- Für den Registerzusammenhang der wichtigere Befund: Erfurt fertigte beide Waffen. Wenn eine Erfurter Zahl mit „Karabiner 98" bezeichnet ist, meint sie diese Waffe und nicht das Gewehr. Ob die Erfurter Karabinerfertigung die dortige Gewehrfertigung insgesamt übertraf, ist hier NICHT entschieden — für das Gewehr 98 lag diesem Register keine werksbezogene Ausbringungszahl vor.
Karabiner 98k
mehrere, u. a. Gustloff-Werke Weimar · Deutsches Reich · 1935- System
- Dasselbe Verschlusssystem, Lauf 600 mm, Gesamtlänge 1110 mm, großer Hülsenring, Kurvenvisier 100 bis 2000 m, Reinigungsstock im Vorderschaft
- Unterschied
- Die beiden Waffen sind fast gleich lang — 1090 gegen 1110 mm, 590 gegen 600 mm Lauf. Die Lauflänge trennt sie also gerade NICHT. Eindeutig sind der Zusammensetzhaken (nur Kar 98a), die unterste Visierteilung (300 gegen 100 m), der Hülsenringdurchmesser (rund 33 gegen 35,8 mm) und die Reinigungsstockbohrung im Mündungsstück (nur Kar 98k).
- Befund
- Der Kar 98k ist die Einheitswaffe von 1935; der Kar 98a war 1908 schon dieselbe Idee für einen Teil der Truppe. Zwischen beiden liegen siebenundzwanzig Jahre — und genau diese Spanne verschwindet, wenn Sekundärdarstellungen die Zahl 98 für eine Modellangabe halten.
Karabiner 98 (kurze Ausführung, 1902)
Gewehrfabrik Erfurt, vereinzelt Spandau und Danzig · Deutsches Reich · 1902 plausibel- System
- System Mauser 98, Gesamtlänge rund 950 mm; Lauflänge je Quelle 435 mm (deutschsprachig), 425 mm (ein gemessenes Stück bei Lehner) oder 17,7 Zoll = 450 mm (Kuck). Visierteilung im Endzustand 200 bis 1200 m für die Patrone 88 — Lehner weist am kurzen Kar. 98 aber auch Visiere 200–1800, 300–1800 und 300–2000 nach
- Unterschied
- Die unmittelbare Vorgängerin und der Grund für den Kar 98a. Mit der S-Patrone umgekammert erzeugte dieser Karabiner nach zeitgenössischer Beschreibung eine fußlange Stichflamme an der Mündung und einen als untragbar empfundenen Rückstoß; die Fertigung wurde 1905 eingestellt.
- Befund
- Ein seltenes Stück — Lehners Schätzung lautet mindestens 20.000 Waffen für 1898 bis 1905, überwiegend an Schutztruppen in Afrika und an das Ostasiatische Expeditionskorps. Für die Bestimmung wichtig: Ein „Kar. 98" mit rund 95 cm Gesamtlänge ist NICHT der hier behandelte Karabiner. Nicht verwechseln: In der englischsprachigen Literatur heißt diese kurze Waffe „Kar 98A" mit GROSSEM A — der hier behandelte Karabiner „Kar 98a" mit kleinem a.
Lee-Enfield SMLE Mk III
Royal Small Arms Factory Enfield und weitere · Großbritannien · 1907- System
- Zylinderverschluss mit hinten liegenden Warzen, abnehmbares Kastenmagazin für 10 Patronen, .303 British, Lauf 640 mm
- Unterschied
- Großbritannien machte die kurze Einheitswaffe 1903 zur Regel für die gesamte Armee. Deutschland führte 1908 eine vergleichbare Länge ein (1090 gegen rund 1130 mm beim SMLE), aber nur als Sonderwaffe für Kavallerie, Artillerie, Pioniere, Radfahrer, Fernsprech- und Maschinengewehrformationen — und behielt das lange Gewehr für die Infanterie bis 1935.
- Befund
- Der Vergleich datiert nicht die Konstruktion, sondern die Einsicht: Die Waffe war da, die organisatorische Entscheidung fehlte. Im Grabenkrieg griffen deutsche Sturmtruppen genau auf diesen Karabiner zurück.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Mündungsknall und Mündungsfeuer bleiben spürbar
Die Verlängerung von 435 auf 590 mm entschärfte das Problem der kurzen Ausführung von 1902, beseitigte es aber nicht. Der belastbarste zeitgenössische Beleg steht nicht in der Waffenakte, sondern am Zubehör: 1915 erhielten die Seitengewehre 98/05 ein Feuerschutzblech am Rücken, weil die Mündung des Karabiners vor dem Mündungsring des Seitengewehrs endete und der Gasstrahl die hölzernen Griffschalen ansengte oder absprengte („neuer Art", n. A.). Überliefert sind außerdem aufsteckbare Feuerdämpfer. Das datiert allerdings das SEITENGEWEHR, nicht die Waffe: Ein Stück ohne Feuerschutzblech ist alter Art und damit vor 1915 gefertigt, blieb aber bis Kriegsende in Gebrauch. Aus der Zusammenstellung Karabiner + a.-A.-Bajonett folgt kein Datum.
plausibel
-
Visier erst ab 300 m
Die unterste Teilung liegt bei 300 m. Wer auf 100 m anhält, schießt hoch: Der Überschlag ergibt bei einer Anfangsgeschwindigkeit um 840 m/s etwa 15 bis 20 cm Hochschuss — für einen Kopfschuss zu viel, für einen Rumpftreffer gerade noch tolerierbar. Das ist keine Fehlkonstruktion, sondern die Folge der Auslegung auf die volle Ausnutzung der S-Patrone; der Kar 98k geht 1935 auf 100 m herunter.
plausibel
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Kleiner Hülsenring — die Austauschfalle
Der Hülsenring misst rund 33 mm gegen 35,8 mm beim Gewehr 98 und beim Kar 98k, während der Laufgewindeansatz mit rund 28 mm unverändert groß blieb. Die Folge ist eine dünne Wand zwischen Laufgewinde und Warzenrastflächen — Büchsenmacherliteratur warnt an dieser Stelle vor Aufweitung beim Neuverlauf mit starken Lasten. Läufe, Hülsen, Zubehör und Montagen sind zwischen den beiden Bauformen nicht ohne Weiteres austauschbar. Kammern lassen sich dagegen tauschen — was in Instandsetzungen auch geschah und heute Nummerngleichheit vortäuschen kann. Für die Begutachtung heißt das: Der Hülsenring wird gemessen, nicht geschätzt.
plausibel
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Kriegsinstandsetzung als Regelfall
Nicht zusammenpassende Schäfte, Bänder und Kammern sind bei dieser Waffe häufig legitime Kriegsinstandsetzung und nicht zwingend spätere Zusammenstellung. Prüfmerkmal ist eine fünf Millimeter hohe Zifferngruppe auf der Kolbenkappe: Sie bezeichnet nach der Literatur eines von elf Instandsetzungsdepots (1 Danzig, 2 Küstrin, 3 Spandau, 4 Köln, 5 Koblenz, 6 Mainz, 7 Rastatt, 8 Ingolstadt, 9 Königsberg, 10 Thorn, 11 Posen). Ebenso spricht ein später Buchenschaft an einer frühen Waffe für einen Umbau im Krieg.
plausibel
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Schaftvarianten als Datierungsmerkmal — und als Fehlerquelle
Die Sammlerdokumentation unterscheidet vier Schaftformen: ohne Griffrillen und ohne Zerlegescheibe (bis 1915/16), mit Zerlegescheibe (ab 1915), mit Zerlegescheibe und Griffrillen (ab 1917) sowie zweiteilig verleimt (Buche, Amberg ab 1917). Die Formen lösen einander nicht sauber ab, sondern laufen nebeneinander weiter. Ein Schaftmerkmal datiert deshalb eine Untergrenze, nie ein Baujahr.
plausibel
Verwendung
- Ab 1908 bei den berittenen und bespannten Waffengattungen und den technischen Truppen — Kavallerie, Artillerie, Pioniere, Radfahrer, Fernsprech- und Telegrafentruppen, Maschinengewehrformationen, Train, Feldgendarmerie
- Im Ersten Weltkrieg zunehmend als Gefechtswaffe der Infanterie, weil im Graben handlicher als das 1250 mm lange Gewehr 98; bevorzugte Waffe der Sturmtruppen
- Nach 1918 Übergangswaffe der Reichswehr und Waffe der Polizeien; erhaltene Stücke tragen dann häufig eine zusätzliche Jahreszahl 1920 auf der Hülse
- Nach 1918 an Polen gelangt; mit dem Maschinenpark der Danziger Gewehrfabrik ging die Fertigung nach Warschau, wo ab 1921 der karabinek wz. 98 (kbk wz. 98) als polnische Ausführung dieses Karabiners gebaut wurde
- Nach Versailles und noch in den 1930er Jahren Grundlage zivil umgearbeiteter Jagd- und Pirschbüchsen. Die verbreitete Begründung, das kleine System sei dafür „leichter" gewesen, trägt nicht: Der kleinere Ring spart rechnerisch nur rund 30 g. Gesucht war die kurze, im Kaliber 8 × 57 fertige und nach 1918 massenhaft verfügbare Hülse
Quellen
- [Literatur] Kuck, The Kar.98a — The Kar.98a (Stand 24.08.2012) , Fertigungshochrechnungen nach Seriennummernreihen (Mark Wieringa), vier Schaftformen, Kammer- und Beschussstempel, elf Instandsetzungsdepots nach Storz S. 129, Zubehör einschließlich Feuerdämpfer Link
- [Literatur] Lehner, The Original Kar. 98 — The Original Kar. 98 — a little-known German Military arm , Gun Collectors Digest, 4. Auflage 1985; Objektliste überlieferter Karabiner 98 aus Museum für Deutsche Geschichte Berlin, Bayerisches Armeemuseum Ingolstadt, Imperial War Museum London, Musée d'Armes Liège, Museum Swakopmund; Versuchskarabiner 1090 mm mit 590 mm Lauf, Annahme des Kar 98a am 16. Januar 1908 Link
- [Literatur] Storz, Rifle & Carbine 98 — Rifle & Carbine 98, 1. Auflage 2006, ISBN 3-902526-05-X , Hier NICHT eingesehen, sondern über Kuck zitiert (Instandsetzungsdepots S. 129, zweiteilige Schäfte S. 96, abweichende Amberger Stückzahl S. 69). Für eine Nachprüfung die einschlägige Primärdarstellung
- [Literatur] Walter, The German Rifle — The German Rifle, Arms and Armour Press, London 1979 , Hier NICHT eingesehen, sondern über Kuck zitiert — Gesamtfertigung aller deutschen Arsenale über 1,5 Millionen
- [Online] Wikipedia (en) — Gewehr 98 , Abschnitt Kar 98AZ — kleiner Hülsenring 33 mm, Laufgewindeansatz 28 mm (1,10 Zoll × 12 Gang), Hülsenring des M98 35,8 mm, Visierlinie 500 mm, Umbenennung 1923, Abgrenzung „Kar 98A" (groß) von „Kar 98a" (klein), Gewicht 3,7 kg, Streuung nach der Schießvorschrift von 1909 Link
- [Online] Wikipedia (en), 7,92 × 57 — 7.92×57mm Mauser , Hülsenrauminhalt 4,09 cm³, Felddurchmesser 7,89/7,92 mm gegen Zugdurchmesser 8,20 mm, Patronengesamtlänge 80,6 mm, S-Patrone vom 3. April 1903 mit 9,9 g und 878 m/s aus 740 mm bei 300 MPa Gebrauchsdruck, Umarbeitung der Patrone-88-Waffen durch Aufreiben des Übergangskonus, s.S.-Patrone 785 m/s aus 740 mm gegen 760 m/s aus 600 mm Link
- [Online] American Rifleman, Study of the Mauser 98 — A Study of the Mauser 98 , Gasabführung über zwei Bohrungen im Kammerkörper und den Gasschild am Schlösschen, Sicherheitswarze ohne Traganteil, Auszieherring als kontrollierte Zuführung, Auswerfer im Kammerfang durch den Schlitz der linken Warze, Erstauszugsnocken am Fuß des Kammerstängels Link
- [Online] Wikipedia (de) — Gewehr 98 , Kar 98 Kavallerie 1900 und Kar 98A 1902 mit 435 mm Lauf, Kar 98AZ 590 mm / 1090 mm / 3800 g, Kar 98b von 1923 mit 740 mm Lauf Link
- [Online] American Rifleman — I Have This Old Gun: Karabiner 98AZ , Kurzer Hülsenring, verlängerter Handschutz, umgebogener Kammerstängel, Fertiger Erfurt, Spandau, Danzig, Amberg Link
- [Online] Shooting Illustrated — The Kar98az , Visierteilung 300 bis 2000 m, Griffrillen ab 1915, Zusammensetzhaken am Mündungsband, Abgrenzung zum Kar 98k über dessen Fehlen Link
- [Online] Erfurt-Web — Gewehrfabrik Erfurt — Karabiner 98 , „bis 1918 rund 1,5 Millionen Karabiner", rund 20.000 Beschäftigte im Ersten Weltkrieg; ohne Angabe der Ausführung Link
- [Online] Infanterie-Regiment Nr. 63 — Seitengewehr 98/05 , Feuerschutzblech ab 1915, weil die kürzere Mündung des Karabiner 98 die Griffschalen des Seitengewehrs beschädigte Link