Nachwirkung · Deutschland (Oberndorf am Neckar)
Heckler & Koch PSG1 (Präzisionsschützengewehr 1), mit MSG90
- Fertigung
- Heckler & Koch GmbH
- Kaliber
- 7,62 × 51 mm NATO
- Zeitraum
- 1985–…
- Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden
Mehrfach übereinstimmend belegt sind: die Ableitung aus der G3-Familie, der rollenverzögerte Masseverschluss ohne Gassystem, die Beschränkung auf Einzelfeuer, der schwere freischwingende Lauf mit Polygonprofil, der einstellbare Abzug mit aufschiebbarem Triggerstop, die Schließhilfe zum geräuscharmen Anlegen des Verschlusses, das werksseitige Hensoldt 6 × 42 mit Entfernungseinstellung 100 bis 600 m, Lauflänge 650 mm, Magazine zu 5 und 20 Patronen, die zwölf Nuten des Patronenlagers (Krcma führt die PSG1 namentlich in der Tabelle der G3-Reihe) sowie die Ableitung MSG90 mit 600-mm-Lauf und geringerem Gewicht. ZUM JAHR gilt nach Prüfung Folgendes: 1985 ist dreifach gestützt — die deutschsprachige Wikipedia nennt Produktionsstart 1985 und schreibt, die Waffe sei 1985 verfügbar gewesen; Modern Firearms datiert „by the mid-1980s“; und der Artikel der englischsprachigen Wikipedia zum G3 führt die PSG1 ausdrücklich als 1985 eingeführt. Dagegen steht allein die Infobox des englischsprachigen PSG1-Artikels mit „designed 1968“ und „in service 1972“ — also eine Angabe, der das eigene Schwesterlemma widerspricht. Sie wird hier nicht als vierte Lesart geführt, sondern als Fehler behandelt. Als dessen wahrscheinliche Ursache ist belegbar, dass derselbe G3-Artikel das ausgelesene G3 SG/1 auf 1972 datiert; 1972 ist damit das Jahr des Vorgängers. Dieser Eintrag führt 1985 als Jahr der Verfügbarkeit und behandelt 1972 als Anlassjahr, nicht als Einführungsjahr — siehe die Ausführungen unter Entwicklung. BELEGT ist damit auch die Teileauslese, allerdings nur für das G3 SG/1: Dessen Stücke wurden beim Einschießen einzeln aus der Serie herausgesucht. Für die PSG1 selbst bleibt die Auslese unbelegt. NICHT belegt ist der Kausalsatz selbst: Dass die Waffe „nach“ der Geiselnahme von München entwickelt wurde, steht in mehreren Darstellungen, jedoch ohne Aktennachweis, ohne Beschaffungsvorgang und ohne Werksquelle. Was belegt ist, ist eine zeitliche Nachbarschaft und eine plausible Bedarfslage. WIDERSPRÜCHLICH sind Länge (1208 mm gegen 1230 mm) und Gewicht (8,1 kg gegen 7,2 kg), und zwar nicht entlang der Sprachgrenze: Die deutschsprachige Wikipedia UND Modern Firearms nennen übereinstimmend 1208 mm und 8,1 kg, allein die englischsprachige Wikipedia 1230 mm und 7,2 kg. Ob eine der Zahlen das Zielfernrohr einschließt, sagt keine Darstellung. NICHT belegt ist eine Mündungsgeschwindigkeit: Die englischsprachige Wikipedia nennt 868 m/s, führt dieselbe Zahl aber auch für die MSG90 mit dem um 50 mm kürzeren Lauf und versieht sie mit dem eigenen Vorbehalt, es handele sich nur um eine beispielhafte Messung. Eine Zahl, die für zwei verschiedene Lauflängen gilt, ist an keiner von beiden gemessen. Beim Zweibein liegt KEIN Widerspruch der Sache nach vor, sondern eine Verwechslung zweier Fragen: Dass der Handschutz eine Aufnahme trägt, sagen die deutschsprachige Wikipedia („Zweibein oder Schießriemen“) und die englischsprachige („T-way rail for sling swivel or tripod“) gleichlautend; Modern Firearms sagt nur, ein Zweibein sei nicht mitgeliefert, die Waffe sei mit gesonderter Auflage auf kurzem Dreibein ausgegeben worden. Offen ist damit die Ausstattung, nicht die Bauform. NICHT unabhängig geprüft sind die Präzisionsangabe (80-mm-Kreis auf 300 m bei 50 Schuss, rechnerisch 0,92 Bogenminuten) und der Preis von rund 9000 US-Dollar; beide gehen auf Herstellernähe zurück und tragen kein Stichjahr. Die englischsprachige Darstellung bindet die Angabe zusätzlich an Matchmunition und hält fest, dass dieselbe Leistung für Repetierbüchsen unauffällig ist. WIDERSPRÜCHLICH ist ferner die Magazinreihe: 5 und 20 Patronen sind übereinstimmend belegt, ein Magazin zu 10 und ein Trommelmagazin zu 50 nennt allein die englischsprachige Wikipedia. NICHT geklärt ist das Fertigungsende — genannt werden „um 2010“ (Modern Firearms) und 1972 bis 2014 (englischsprachige Wikipedia); die deutschsprachige lässt das Feld leer. Der Eintrag führt deshalb kein Endjahr. NICHT belegt im engeren Sinn ist die verbreitete Angabe, die Verschlussrollen der PSG1 seien besonders ausgesucht: Belegt ist allein die Angabe einer Darstellung, die Rollen seien halbzylindrisch statt zylindrisch ausgeführt, um die Anlage eindeutig statt zufällig zu machen. Der übliche Satz von der „Auslese“ der Teile bleibt eine Werksüberlieferung. NICHT ermittelbar sind Stückzahlen, weder für die PSG1 noch für die MSG90. UNEINHEITLICH ist auch die Datierung der MSG90: Modern Firearms nennt 1987 als Einführungsjahr, die englischsprachige Wikipedia 1987 als Entwurfsjahr und 1990 als Beginn von Dienst und Fertigung. Dieser Eintrag nennt 1987 als Entwurfsjahr und weist 1990 daneben aus. Zur Einstufung als Kriegswaffe siehe den Abschnitt Waffenrechtliches; ein Feststellungsbescheid zu diesem Modell lag nicht vor, die dortige Einordnung folgt dem Gesetzeswortlaut und der allgemeinen Praxis für halbautomatische Zivilausführungen, nicht einem geprüften Bescheid. Die Einstufung als behördlich eingeführte Waffe folgt der polizeilichen Beschaffung; eine militärische Einführung ist für die PSG1 selbst nicht belegt, sie betrifft die MSG90, die hier mitgeführt und nicht als eigener Eintrag geführt wird.
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Dieses Gewehr lädt selbst nach und trifft trotzdem sehr genau, und beides zusammen ist schwerer, als es klingt. Der Lauf sitzt fest im Gehäuse und bewegt sich beim Schuss nicht. Hinten hält ihn ein Stahlstück zu, das aus zwei Teilen besteht: vorn ein leichter Kopf, der an der Patrone anliegt, dahinter ein schweres Stück mit einem keilförmigen Fortsatz. Der Keil drückt zwei Rollen, die seitlich im Kopf sitzen, nach außen gegen schräge Flächen am hinteren Laufende. Fest zugesperrt ist damit nichts. Beim Schuss kommt der Kopf nur zurück, wenn die Rollen an den Schrägen nach innen ausweichen, und dabei werfen sie das schwere Stück ein Mehrfaches weiter nach hinten. Diese Arbeit kostet Zeit, und die Zeit ist die ganze Bremse. Für Genauigkeit ist die Anordnung eigentlich ungünstig. Während das Geschoss noch im Lauf ist, bewegen sich hinter ihm bereits große Massen, und die leere Hülse wird herausgezogen, solange im Lauf noch Druck ansteht. Heckler & Koch hat diesen Nachteil nicht beseitigt, sondern überall sonst Aufwand dagegengesetzt. Der Lauf ist dick, schwer und berührt die Verkleidung an keiner Stelle, damit ihn nichts verzieht; seine Innenform ist nicht scharf gekerbt, sondern sanft verwunden. Die beiden Rollen sind nach einer Angabe nicht ringsum rund, sondern an einer Seite flach, damit sie immer an derselben Stelle anliegen und nicht einmal so und einmal anders. Der Abzug lässt sich auf ein leichtes, immer gleiches Losbrechen einstellen. Und wer den Verschluss nach dem Laden nicht vorschnappen lassen will, weil ihn das Geräusch verraten würde, kann ihn von Hand langsam vorlassen und mit einem Druckstück lautlos ganz zudrücken.
Nachwirkung. Gefertigt in Oberndorf am Neckar und damit außerhalb des Untersuchungsraums. Der Eintrag steht hier, weil das konstruktive Prinzip auf eine im Untersuchungsraum entstandene Bauart zurückgeht: die Rollenverriegelung des MG 42 aus Döbeln, bei Mauser zur Rollenverzögerung umgedeutet.
Die Rollenlinie dieses Registers reicht vom MG 42 über das StG 45(M), das G3 und die MP5 bis hierher. Die PSG1 ist ihr letzter Eintrag und der einzige, an dem sich die Bauart gegen ihre eigene Eignung behaupten muss. Alle vorherigen Anwendungen spielten der Rollenverzögerung in die Hände: Beim Maschinengewehr zählt Feuerdichte, beim Sturmgewehr Kosten, bei der Maschinenpistole Handlichkeit. Präzision zählte nirgends. Hier zählt nur sie.
Konstruktion
Ein rollenverzögerter Verschluss ist für eine Präzisionswaffe die denkbar ungünstige Wahl. Drei Eigenschaften des Systems arbeiten unmittelbar gegen die Treffleistung.
Erstens öffnet der Verschluss unter Restdruck. Er muss das, denn seine Bremse ist die Beschleunigung einer Masse, und beschleunigen kann er nur, solange Druck ansteht. Ein Drehkopfverschluss bleibt zu, bis der Druck weitgehend abgebaut ist. Zweitens sind im Augenblick des Schusses erhebliche Massen in Bewegung. Der leichte Verschlusskopf weicht zurück, das Schließstück wird nach hinten geworfen, der schwere Träger nimmt Fahrt auf, und all das geschieht, während das Geschoss die 650 mm des Laufs noch nicht hinter sich hat. Drittens wird die Hülse aus einem geriefelten Patronenlager gezogen, weil sie sonst klemmen würde. Der Weg über die eigene, mehrfach geladene Hülse steht dem Schützen damit nur eingeschränkt offen.
Keine dieser drei Eigenschaften hat Heckler & Koch beseitigt. Sie sind das System. Was die Waffe teuer macht, ist der Aufwand, der überall sonst dagegengesetzt wurde:
| Maßnahme | Wogegen sie arbeitet |
|---|---|
| Schwerer, kaltgehämmerter Lauf mit Polygonprofil | Erwärmung, Schwingung, Geschossverformung |
| Lauf freischwingend, ohne Berührung zum Handschutz | Verzug durch Riemen, Auflage, Handdruck |
| Rollen nach Angabe halbzylindrisch statt zylindrisch | zufällige statt eindeutiger Anlage im Widerlager |
| Einstellbarer Abzug mit Triggerstop | Losbrechkraft und Nachweg als Streuungsquelle |
| Verstellbare Schulterstütze, Wangenauflage, Handballenauflage | wechselnde Anlage des Schützen |
| Schließhilfe hinter dem Auswurffenster | unvollständiges Anlegen beim leisen Laden |
Bemerkenswert an dieser Liste ist, was fehlt. Kein einziger Punkt greift in die Verzögerung ein. Der Verschluss der PSG1 arbeitet wie der eines G3, bis hin zum Nutbild: Die zwölf Längsnuten des Patronenlagers sind dieselben, die Krcma für die gesamte Reihe von G3 bis HK91 tabelliert hat. Verbessert wurde alles, was den Verschluss umgibt, und zwar so weit, dass die Waffe trotz ihres Verschlusses in die Klasse unter einer Bogenminute kam — mit Matchmunition, wie eine der Darstellungen ausdrücklich hinzufügt, und mit dem Zusatz, dass dieselbe Leistung bei einer Repetierbüchse niemand erwähnen würde. Genau das ist der Punkt. Der Aufwand kaufte nicht eine außergewöhnliche Präzision, sondern eine gewöhnliche an einem Selbstlader.
Was die Bauart auch beiträgt. Ein Punkt spricht für sie, und er wird selten genannt. Weil die Waffe aufschießend arbeitet und beim Auslösen nur der Hammer bewegt wird, bricht der Schuss aus einer stehenden Waffe. Ein zuschießendes System wäre für diese Aufgabe von vornherein ausgeschieden. Die Rollenverzögerung war also nicht nur Ballast; sie war die Bedingung dafür, aus geschlossenem Verschluss ohne unvertretbare Verschlussmasse zu arbeiten. Siehe Verschlusssysteme.
Entwicklung
Die Vorgeschichte ist älter als die Waffe. Aus der Serienfertigung des G3 wurden Zielfernrohrausführungen abgeleitet, darunter das G3 A3 ZF und das G3 SG/1 mit Stecher, Zeiss-Optik und Zweibein. Das Prinzip war die Auslese, und für das SG/1 ist sie ausdrücklich belegt: Die Stücke wurden beim Einschießen einzeln aus der laufenden Fertigung herausgesucht und anschließend umgebaut. Die PSG1 kehrt dieses Verhältnis um. Sie ist keine ausgesuchte G3, sondern eine eigens gebaute Waffe, die vom G3 nur noch die Mechanik übernimmt. Wie groß der Abstand ist, zeigt eine Zahl: Für das G3 A3 ZF galt als Abnahmemaß ein Streukreis von 80 mm auf 100 m, also knapp drei Bogenminuten; für die PSG1 werden 80 mm auf 300 m genannt, also 0,92. Dieselbe Angabe, dreifache Entfernung.
Über den Anlass gibt es eine feste Erzählung und eine wacklige Chronologie. Die Erzählung lautet, Heckler & Koch habe die Waffe entwickelt, nachdem die Befreiung der Geiseln bei den Olympischen Spielen 1972 in München gescheitert war. Sie ist plausibel und steht in mehreren Darstellungen. Belegt ist sie nicht: Es fehlen Beschaffungsvorgang, Ausschreibung und Werksquelle.
Die Jahresangaben widersprechen einander offen:
| Darstellung | Entwicklung | Verfügbar |
|---|---|---|
| deutschsprachige Wikipedia | „1970er“ | 1985 |
| englischsprachige Wikipedia, Infobox zur PSG1 | 1968 | 1972 („in service“) |
| englischsprachige Wikipedia, Artikel zum G3 | — | 1985 |
| Modern Firearms | „by the mid-1980s“ | Mitte der 1980er |
Die dritte Zeile ist der Schlüssel, und sie ist bei der Prüfung dieses Eintrags hinzugekommen. Dieselbe Enzyklopädie, deren PSG1-Infobox 1968 und 1972 nennt, datiert die PSG1 in ihrem eigenen Artikel zum G3 auf 1985. Damit steht die Infobox allein gegen drei Darstellungen, darunter eine im selben Werk. Sie ist keine vierte Meinung, sondern ein Fehler.
Woher er stammt, lässt sich am selben Ort ablesen. Der Artikel zum G3 datiert das G3 SG/1 auf 1972 — ein Präzisionsgewehr aus dem Hause, ausgelesen statt gebaut, mit Stecher und Zeiss-Optik. Damit gibt es tatsächlich eine 1972 verfügbare deutsche Antwort auf die Aufgabe, die München gestellt hat; sie heißt nur nicht PSG1. Die Dienstjahre des Vorgängers in der Infobox des Nachfolgers zu finden, ist die naheliegendste Erklärung für den Widerspruch.
Nach der Zuschreibungsregel dieses Registers prüft ein Jahr eine Zuschreibung, und hier prüft es die Erzählung gleich mit. Eine Waffe, die 1985 verfügbar wurde, kann eine Antwort auf ein Ereignis vom September 1972 sein, aber dann liegen dreizehn Jahre zwischen Anlass und Erzeugnis. Diese dreizehn Jahre sind jetzt nicht mehr leer: In ihnen steht das G3 SG/1 von 1972 als die schnelle Lösung aus dem Bestand, und die PSG1 ist nicht die Reaktion auf München, sondern die Ablösung der Reaktion auf München. Der Eintrag führt deshalb 1985 als Jahr der Verfügbarkeit und behandelt 1972 als Anlassjahr. Was weiterhin fehlt, ist der Aktennachweis für beide Schritte. Siehe Methodik.
Fertigung
Der Fertigungsort ist Oberndorf am Neckar. Über Losgrößen, Stückzahlen und Fertigungsverfahren im Einzelnen geben die eingesehenen Darstellungen fast nichts her; genannt wird allein das Kalthämmern der Läufe, das Heckler & Koch auch für die Serienwaffen verwendete. Für ein Erzeugnis dieser Preisklasse ist ein hoher Anteil an Nacharbeit und Paarung von Teilen anzunehmen, belegt ist er nicht. Wo in Beschreibungen von „ausgesuchten“ Rollen die Rede ist, handelt es sich um Werksüberlieferung. Fassbar ist nur die eine Angabe, die Rollen seien halbzylindrisch ausgeführt, damit sie im Widerlager eindeutig anliegen statt zufällig.
Kosten
Die Waffe war eine der teuersten Selbstladepräzisionswaffen ihrer Zeit. Genannt wird ein Preis ab rund 9000 US-Dollar, ohne Stichjahr und ohne Angabe, was darin enthalten ist. Als Preisangabe taugt die Zahl nicht, als Größenordnung schon: Sie liegt um ein Vielfaches über dem, was ein gutes Repetiergewehr derselben Aufgabe kostete, und sie ist der Grund, warum die PSG1 fast nur bei Polizeieinheiten und kaum bei Streitkräften ankam.
Die zweite Kostenrechnung ist die interessantere. Setzt man sie neben den Ursprung der Bauart, ergibt sich die schärfste Pointe der ganzen Linie. Die Rollenverzögerung wurde 1944 bei Mauser gewählt, um zu sparen: kein Gasrohr, kein Gaskolben, keine Steuerbahnen, Gehäuse aus gepresstem Blech, rund 45 Reichsmark gegen rund 70 für das StG 44. Vier Jahrzehnte später trägt dasselbe Prinzip eine Waffe am oberen Ende des Marktes. Dazwischen liegt kein technischer Fortschritt am Verschluss selbst. Dazwischen liegt Aufwand an allem anderen.
Genau deshalb steht die PSG1 in diesem Register. Sie ist der Nachweis, wie weit ein 1944 in Oberndorf zum Sparen gewähltes Prinzip getrieben werden konnte, und zugleich der Nachweis, was das kostete. Ein Prinzip, das billig sein sollte, wird teuer, sobald man ihm etwas abverlangt, wofür es nicht gemacht war. Aus Döbeln stammt dabei nur die Rollenanordnung, und die war dort eine Verriegelung mit rücklaufendem Lauf; die Verzögerung am feststehenden Lauf ist die Oberndorfer Umdeutung von 1944. Das ist keine Wortklauberei, sondern der Unterschied zwischen zwei Verschlussarten. Siehe Die Rollenlinie.
Varianten
- PSG1 — Grundausführung, Hensoldt 6 × 42, Einstellung 100 bis 600 m, keine offene Visierung.
- PSG1A1 (2006) — Spannschieber um einige Grad gedreht, damit er bei großen Zielfernrohren nicht anschlägt; statt der Hensoldt-Optik ein Schmidt & Bender 3–12 × 50 auf 34-mm-Ringen, um über die 600-m-Grenze hinauszukommen.
- MSG90 (Entwurf 1987, nach einer Darstellung Dienst und Fertigung ab 1990) — die militärische Ableitung. Kürzerer Lauf von 600 mm, nicht der schwere, sondern ein konturierter und an der Mündung beschwerter Lauf, leichterer Schaft, rund 6,3 kg, dafür billiger. Als Optik wird ein zwölffach vergrößerndes Glas mit Einstellung bis 800 m genannt; eine zweite Darstellung führt dagegen dieselbe Hensoldt-Optik wie beim PSG1 auf, was für eine Übernahme aus dem PSG1-Datensatz spricht. Die MSG90A1 hat ein Mündungsgewinde für Mündungsfeuerdämpfer und Schalldämpfer; die MSG90A2 wird auf die späten 1990er Jahre und auf das US-Programm Designated Marksman Rifle zurückgeführt.
- MSG3 (1988) — Militärisches Scharfschützen Gewehr, nach einer Darstellung für die Bundeswehr gebaut und deutlich seltener. Lauf 600 mm, Gehäuse nicht verstärkt, verstellbare Schulterstütze mit Wangenauflage, dazu die Einzelfeuer-Abzugsgruppe der PSG1 und eine eigene Zielfernrohrmontage, die die offene Visierung verdeckt. Damit liegt die MSG3 zwischen G3 und MSG90 und nicht hinter ihnen.
Die MSG90 ist der Beleg dafür, dass die PSG1 an ihrer eigenen Auslegung scheiterte. Sie war für den militärischen Gebrauch zu schwer, zu teuer und in der Optik zu kurz gebunden. Die militärische Ausführung entstand, indem man einen Teil des Aufwands wieder herausnahm.
Verwendung
Der Hersteller führte die Waffe als „Polizei-Präzisionsschützengewehr“, und dort blieb sie im Wesentlichen. Polizeiliche Scharfschützen arbeiten auf kurzen, sicher zu beurteilenden Entfernungen; die Bindung der Optik auf 600 m ist für sie keine Einschränkung. Militärische Aufgaben beginnen in diesem Bereich erst. Die zweite Eigenschaft, die im Polizeidienst zählt, ist der schnelle zweite Schuss ohne Anschlagsunterbrechung. Genau dafür nimmt man die Nachteile des Selbstladers in Kauf, und nur dafür.
Für die Bestimmung
Ein Stück der Rollenfamilie gibt sich am ausgeworfenen Metall zu erkennen, bevor man die Waffe in der Hand hat. Vier Merkmale sind am Objekt zu prüfen:
- Längsriefen auf der Hülse, und zwar zwölf. Dunkle Streifen auf Schulter und vorderem Wandungsteil stammen aus den Nuten des Patronenlagers. Sie sind das Erkennungsmerkmal der ganzen Familie, von MP5 über G3 bis hierher, und sie schließen jeden Gasdrucklader aus. Die Zahl trennt weiter: Krcma zählt für die gesamte 7,62-mm-Reihe einschließlich der PSG1 zwölf Nuten, für die 5,56-mm-Reihe um die HK33 achtzehn. Die Streifen enden rund 13 mm vor dem Hülsenboden; ein Nutbild, das bis an den Boden reicht, gehört zu keiner Waffe dieser Familie. Zur PSG1 allein führt das Merkmal jedoch nicht — es führt nur in die richtige Reihe.
- Verschlussabstand. Der Spalt zwischen Verschlusskopf und Träger ist bei dieser Bauart kein Toleranzmaß, sondern das Einstellmaß der Verzögerung. Bei einer Präzisionswaffe ist es zusätzlich das erste Maß, das eine wachsende Streuung erklärt.
- Lauf ohne Berührung. Zwischen Lauf und Handschutz muss überall Luft stehen. Wer ein Blatt Papier zwischen beiden durchziehen kann, hat den freischwingenden Lauf am Objekt bestätigt; wo das nicht geht, liegt entweder ein anderer Handschutz oder ein Schaden vor.
- Feuerwahl. Die PSG1 hat keine Dauerfeuerstellung. Eine Abzugsgruppe mit dritter Stellung gehört nicht zu dieser Waffe, und ihr Vorhandensein ist waffenrechtlich der entscheidende Befund, nicht ein Ausstattungsdetail.
Zur Abgrenzung gegen die MSG90 dient die Lauflänge, 650 gegen 600 mm, dazu der leichtere Schaft. Zur Abgrenzung gegen eine mit Zielfernrohr versehene G3 dient der schwere Lauf; ein G3 A3 ZF trägt den Serienlauf.
Einordnung
Zur Gattung. Der Eintrag führt die PSG1 als Selbstladegewehr. Die Regel dieses Registers lautet, dass die Gattung der Patronenklasse folgt, und 7,62 × 51 mm NATO mit voller Ladung ist eine Gewehrpatrone. Damit steht die Waffe neben FN FAL, G3 und Gewehr 43. Der Fall ist hier einfacher als beim G3, weil die PSG1 ohnehin kein Dauerfeuer kennt und die Truppenbezeichnung „Sturmgewehr“ ihr niemand angehängt hat. Er ist trotzdem der Prüfstein: Die HK 33 teilt mit ihr den Verschluss und ist wegen ihrer Patrone ein Sturmgewehr. Ein und dieselbe Mechanik trägt in diesem Register drei Gattungen. Zur Umstellung von G3 und FG 42 siehe das Korrekturregister.
Für die Rollenlinie ist die PSG1 die Grenzmarke. Beim StG 45(M) war die Verzögerung eine Sparmaßnahme, beim G3 eine Truppenlösung, bei der MP5 ein Präzisionsanspruch im Polizeidienst, der mechanisch nicht nötig gewesen wäre. Hier wird das Prinzip zum ersten Mal gegen seine eigene Neigung eingesetzt. Es trägt, aber es trägt nur mit einem Aufwand, der die Waffe aus dem Markt hebt.
Der Vergleich mit Suhl fällt dabei nicht so aus, wie man es erwarten würde. Das Scharfschützengewehr 82 entstand 1982 in Suhl für dieselbe polizeiliche Aufgabe — allerdings nicht im Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk, sondern in einer getarnten Werkstatt des Ministeriums für Staatssicherheit auf dessen Gelände (Korrekturen). Suhl ging nicht vom Militärgewehr aus, sondern vom eigenen Sportgerät: Grundlage war das Kleinkaliber-Standardgewehr 150. Heraus kam ein Repetierer mit vier Verriegelungswarzen, 4,5 kg schwer, in einer inneren Mittelpatrone, mit einem Zielfernrohr aus Jena. Präzision erreichte diese Waffe auf dem geraden Weg. Was sie nicht konnte, war der zweite Schuss ohne Anschlagsunterbrechung, und genau dafür wurde in Oberndorf der ganze Aufwand getrieben.
Ein letzter Befund gehört dazu, weil er den Zusammenhang dieses Registers berührt. Der Fortner-Verschluss der Anschütz-Biathlonbüchsen entstand 1984, also im selben Jahrzehnt, und er löst dasselbe Problem von der anderen Seite: Statt die bewegte Masse zu beherrschen, schafft er sie ab und verkleinert nur noch die Bewegung, die der Schütze selbst ausführen muss. Wo der zweite Schuss nicht unter Zeitdruck steht, hat sich diese Antwort durchgesetzt. Selbstlader spielen in den Präzisionsdisziplinen bis heute keine Rolle.
Die Verbindung zum Untersuchungsraum ist an dieser Stelle allerdings enger zu fassen, als sie gern gezogen wird. Anschütz wurde 1856 in Mehlis gegründet und baute nach Enteignung und Demontage 1950 in Ulm neu auf; der Geradezugverschluss selbst stammt jedoch von Peter Fortner in Rohrdorf-Geiging und hat mit der Mehliser Werksgeschichte konstruktiv nichts zu tun. Was hier verglichen wird, sind zwei Lösungen desselben mechanischen Problems, nicht zwei Zweige einer Abstammung. Für die Rollenlinie gilt der Vorbehalt schärfer als für jede Firmenlinie: Belegt ist sie über das Bauteil, nicht über Namen und Orte.
Waffenrechtliches
Die naheliegende Begründung ist falsch, und sie steht überall. Sie lautet: Die PSG1 hat kein Dauerfeuer, also ist sie keine Kriegswaffe. Der Schluss trägt nicht. Die Kriegswaffenliste erfasst unter Teil B Abschnitt V Nummer 29 nicht nur vollautomatische, sondern ausdrücklich auch halbautomatische Gewehre. Buchstabe d) nennt „halbautomatische Gewehre mit Ausnahme derjenigen, die als Modell vor dem 2. September 1945 bei einer militärischen Streitkraft eingeführt worden sind, und der Jagd- und Sportgewehre“.
Aus der Liste heraus führt die PSG1 damit nicht die fehlende Dauerfeuerstellung, sondern die Ausnahme für Jagd- und Sportgewehre. Ob sie darunter fällt, ist eine Frage der Feststellung im Einzelfall und nicht des Augenscheins. Dieses Register hat für dieses Modell keinen Feststellungsbescheid eingesehen; die Einordnung als Nicht-Kriegswaffe folgt dem Gesetzeswortlaut und der allgemeinen Handhabung ziviler Halbautomaten, nicht einem geprüften Bescheid.
Zwei weitere Punkte gehören für die Bestimmungspraxis dazu:
- Feuerwahl. Wird an einer Waffe dieser Bauart eine Abzugsgruppe mit Dauerfeuerstellung angetroffen, ändert sich die rechtliche Lage vollständig. Buchstabe c) derselben Nummer erfasst vollautomatische Gewehre ohne die Sport- und Jagdausnahme.
- Magazine. Das 20-Schuss-Magazin des G3 ist seit der Gesetzesänderung von 2020 ein verbotener Gegenstand: Anlage 2 Abschnitt 1 Nummer 1.2.4.4 des Waffengesetzes erfasst Wechselmagazine für Langwaffen für Zentralfeuermunition, die mehr als zehn Patronen aufnehmen. Das 5-Schuss-Magazin ist davon nicht betroffen. Für Altbestände bestanden Übergangsregelungen.
Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft. Die genannten Vorschriften sind im Wortlaut zu prüfen, die Einstufung eines konkreten Stücks obliegt der zuständigen Behörde. Siehe Methodik.
Offene Fragen. Erstens die Datierung: Gibt es einen Beschaffungsvorgang, eine Ausschreibung oder eine Werksmitteilung, die den Entwicklungsbeginn festlegt? Solange nicht, stehen 1968, 1972 und „Mitte der 1980er“ nebeneinander, und die Münchner Erzählung bleibt eine plausible Zuordnung ohne Beleg. Zweitens die Teileauslese: Sind Verschlusskopf, Rollen und Widerlager der PSG1 gepaart gefertigt, und liegt dazu eine Werksangabe vor? Die Behauptung ist in der Sammlerliteratur allgemein, die Quelle nirgends. Drittens das Zweibein: Dass der Handschutz eine Aufnahme trägt, sagen zwei Darstellungen übereinstimmend; offen ist allein, was mit der Waffe ausgeliefert wurde, denn eine dritte berichtet von einer gesonderten Auflage auf kurzem Dreibein statt eines Zweibeins. Viertens die Zahlen: Für PSG1 und MSG90 ließ sich keine Fertigungsstückzahl ermitteln, und auch das Fertigungsende steht mit „um 2010“ und 2014 zweifach im Raum. Fünftens die Mündungsgeschwindigkeit: Für den 650-mm-Lauf fehlt eine belastbare Angabe, weil die einzige genannte Zahl unverändert auch für den 600-mm-Lauf der MSG90 geführt wird.
Konstruktion
- Verschluss
- Rollenverzögerter Masseverschluss der G3-Familie, unverändert im Prinzip. Zweiteiliger Verschluss aus leichtem Kopf mit zwei seitlichen Rollen und schwerem Träger mit keilförmigem Schließstück. Die Rollen stützen sich an schrägen Flächen der Laufverlängerung ab und übersetzen — sie sperren nicht. Der Lauf steht fest. Patronenlager mit zwölf Längsnuten wie die ganze G3-Reihe; Krcma führt die PSG1 in seiner Tabelle ausdrücklich dort. Eine Darstellung nennt für die PSG1 halbzylindrische statt zylindrische Rollen, um die Anlage eindeutig statt zufällig zu machen; das ist die einzige gefundene Angabe dazu.
- Ladeprinzip
- Rückstoßlader, verzögert, aufschießend (geschlossener Verschluss). Kein Gassystem, keine Gasentnahme, kein Gaskolben. Nur Einzelfeuer — eine Dauerfeuerstellung ist nicht vorhanden.
- Zuführung
- Stangenmagazin des G3, 5 oder 20 Patronen. Eine Darstellung nennt zusätzlich ein Magazin zu 10 Patronen und ein Trommelmagazin zu 50; beides ist nicht unabhängig bestätigt.
- Abzug
- Einstellbarer Präzisionsabzug in entnehmbarer Abzugsgruppe, mit aufschiebbarem Triggerstop. Genannt wird ein Abzugsgewicht von rund 1,5 kg; ob es sich um eine Werksangabe oder um einen Einstellwert handelt, geht aus den eingesehenen Darstellungen nicht hervor.
- Sicherung
- Sicherungshebel an der Abzugsgruppe. Die Stellung „Dauerfeuer“ der Militärausführungen entfällt; der Hebel kennt nur „sicher“ und „Feuer“.
- Visierung
- Ausschließlich Zielfernrohr, keine offene Notvisierung. Werksseitig Hensoldt 6 × 42 mit beleuchtetem Absehen und Entfernungseinstellung von 100 bis 600 m. Beim PSG1A1 von 2006 stattdessen Schmidt & Bender 3–12 × 50 auf 34-mm-Ringen.
Maße und Leistung
- Länge
- 1208 mm nach zwei Darstellungen (deutschsprachige Wikipedia und Modern Firearms); die englischsprachige Wikipedia nennt allein 1230 mm. Für die MSG90 werden 1218 mm (Modern Firearms) und 1230 mm (englischsprachige Wikipedia) genannt
- Lauflänge
- 650 mm (PSG1), 600 mm (MSG90)
- Gewicht
- 8,1 kg mit leerem Magazin nach zwei Darstellungen (deutschsprachige Wikipedia und Modern Firearms); die englischsprachige Wikipedia nennt allein 7,2 kg. Ob eine der Zahlen das Zielfernrohr einschließt, sagt keine der eingesehenen Darstellungen. MSG90 rund 6,3 kg
- Magazin
- 5 oder 20 Patronen, Stangenmagazin des G3; die englischsprachige Wikipedia nennt daneben 10 Patronen und ein passendes Trommelmagazin zu 50, wofür sich in den übrigen Darstellungen kein Beleg findet
- V₀
- 868 m/s nach der englischsprachigen Wikipedia — dieselbe Zahl steht dort auch für die MSG90 mit dem um 50 mm kürzeren Lauf, weshalb sie nicht an einem der beiden Läufe gemessen sein kann. Die Angabe trägt in der Quelle selbst den Vorbehalt, sie sei nur eine beispielhafte Messung. Die übrigen Darstellungen nennen keine v0
- Kadenz
- entfällt — reiner Selbstlader. Eine Darstellung nennt eine praktische Schussfolge von 30 Schuss/min, was eine Bedienangabe ist und keine Waffeneigenschaft
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Ausgangslage
Der Verschluss steht vorn, die Patrone liegt im Lager, der Hammer ist gespannt. Das keilförmige Schließstück des schweren Trägers hat die beiden Rollen nach außen an die schrägen Widerlager der Laufverlängerung gedrückt. Zwischen Verschlusskopf und Träger steht ein definierter Spalt, der Verschlussabstand. Er bestimmt, wie weit die Rollen vorstehen, und damit die Verzögerung. Bei dieser Waffe bestimmt er zusätzlich, wie gleichmäßig sie schießt.
- 2
Auslösen
Der eingestellte Abzug gibt den Hammer frei, dieser schlägt auf den Schlagbolzen. Weil beim Auslösen keine Masse nach vorn läuft, liegt hier der eine Punkt, an dem die Bauart der Präzision entgegenkommt: Der Schuss bricht aus einer stehenden Waffe. Alles Weitere arbeitet dagegen.
- 3
Schuss und Kraftteilung
Der Gasdruck presst den Hülsenboden gegen den Stoßboden. Der Verschlusskopf kann nur zurück, wenn die Rollen aus den Widerlagern nach innen ausweichen. Weil das Widerlager schräg steht, zerlegt sich die Kraft an der Rolle in einen Anteil, der sich in der Laufverlängerung abstützt, und einen kleineren, der die Rolle nach innen gegen das Schließstück drückt. Nur dieser zweite Anteil arbeitet.
- 4
Die Verzögerung
Jeder Millimeter, den eine Rolle nach innen wandert, schiebt Schließstück und Träger um ein Vielfaches nach hinten; für die G3-Auslegung wird rund 4:1 angegeben. Um den leichten Kopf zu bewegen, muss die große Trägermasse beschleunigt werden, und diese Beschleunigungsarbeit ist die Bremse. Formschlüssig gesperrt ist zu keinem Zeitpunkt etwas. Für den Schützen heißt das: Während das Geschoss den 650 mm langen Lauf durchläuft, sind hinter ihm bereits mehrere hundert Gramm Stahl in Fahrt.
- 5
Auszug unter Restdruck
Sind die Rollen ganz eingetaucht, laufen Kopf und Träger gemeinsam zurück. Der Auszug beginnt, während im Lauf noch Druck ansteht, und es gibt keine Vorentspannung durch eine Drehbewegung. Die Hülse liegt aufgeweitet an der Lagerwandung, wenn der Auszieher zieht. Deshalb trägt auch diese Waffe die Längsrillen im Patronenlager, durch die Gas außen an der Hülse entlangströmt und sie von der Wand löst.
- 6
Auswurf und Spannen
Auszieher und Auswerfer entfernen die Hülse, der Hammer wird gespannt, die Schließfeder aufgenommen. Die Hülse verlässt die Waffe mit den dunklen Längsstreifen der ganzen Rollenfamilie und mit einer Beanspruchung, die dem Präzisionsschützen als Wiederlader unmittelbar zu schaffen macht.
- 7
Vorlauf und Wiederanlegen
Die Schließfeder treibt den Träger vor, der Kopf führt die nächste Patrone zu, das Schließstück drückt die Rollen wieder nach außen an die Schrägen. Läuft der Träger nicht vollständig vor, stehen die Rollen zu weit innen, und die Verzögerung fällt beim nächsten Schuss zu kurz aus. Bei einer Gebrauchswaffe ist das ein Funktionsproblem, bei einer Präzisionswaffe zusätzlich ein Streuungsproblem.
- 8
Der leise Weg
Genau deshalb hat die Waffe eine Schließhilfe. Wer den Verschluss nicht vorschnappen lassen will, weil das Geräusch die Stellung verrät, führt ihn am Spannschieber langsam vor und drückt ihn anschließend über ein Druckstück hinter dem Auswurffenster vollständig an. Beide Schritte gehören zusammen: Das langsame Vorlassen allein legt den Verschluss nicht sicher an.
- 9
Nach dem Schuss
In Stellung Feuer fängt die Abzugsstange den Hammer, der Verschluss bleibt geschlossen, die nächste Patrone liegt im Lager. Eine Dauerfeuerstellung gibt es nicht. Nach dem letzten Schuss bleibt der Verschluss in der Grundausführung vorn; einen Verschlussfang bei leerem Magazin hat die G3-Familie nicht.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Ausgangslage: Der Lauf steht FEST. Der Verschluss ist zweiteilig — ein leichter Verschlusskopf vorn, ein schwerer Verschlussträger dahinter, dazwischen ein keilförmiges Steuerstück. Die Rollen liegen in Ausnehmungen des Laufhalters, sind aber nicht formschlüssig gesperrt.
- 2 Kraftteilung: Der Hülsenboden drückt den Verschlusskopf zurück. Die Rollen laufen auf schrägen Flächen und übertragen dabei den größten Teil der Kraft auf den schweren Träger — der muss sich ungefähr um den Faktor der Flächenneigung schneller bewegen als der Kopf. Der Kopf wird dadurch ausgebremst.
- 3 Öffnen: Sobald die Rollen aus den Ausnehmungen heraus sind, laufen Kopf und Träger gemeinsam zurück. Der Verschluss war nie verriegelt — er wurde nur so lange gebremst, bis der Druck gefallen war. Genau deshalb brauchen diese Waffen ein geriefeltes Patronenlager: Die Hülse löst sich unter Restdruck.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
Heckler & Koch G3
Heckler & Koch GmbH · Deutschland (Oberndorf am Neckar) · 1959- System
- Rollenverzögerter Masseverschluss, 7,62 × 51 mm NATO
- Unterschied
- Dasselbe System, dieselbe Patrone, gegensätzlicher Zweck. Das G3 ist auf Fertigungskosten und Truppentauglichkeit ausgelegt, die PSG1 auf die kleinstmögliche Streuung. Geändert wurden nicht das Prinzip, sondern die Randbedingungen: schwerer Lauf statt leichtem, freischwingend statt am Handschutz anliegend, nach einer Angabe halbzylindrische statt zylindrische Rollen, einstellbarer Abzug statt Truppenabzug, Zielfernrohr statt Drehtrommelvisier, Einzelfeuer statt Feuerwahl. Das Nutbild des Patronenlagers blieb dasselbe: zwölf Nuten wie bei jeder Waffe der Reihe.
- Befund
- Der Vergleich zeigt, wie viel Aufwand nötig ist, um dieselbe Mechanik von der Gebrauchs- in die Präzisionsklasse zu heben. Die Waffe wurde dabei erheblich schwerer; eine Zahl nennt dieser Eintrag nicht, weil das Register für das G3 kein Gewicht führt und die Angaben zur PSG1 selbst um fast ein Kilogramm auseinandergehen.
Sturmgewehr 45 (StG 45(M), Gerät 06 H)
Mauser-Werke AG, Oberndorf am Neckar · Deutschland (Oberndorf am Neckar) · 1944- System
- Rollenverzögerter Masseverschluss, 7,92 × 33 mm Kurz, Blechpressgehäuse
- Unterschied
- Der Ausgangspunkt, und zwar als Sparkonstruktion: Die Rollenverzögerung wurde 1944 gewählt, weil sie Gasrohr, Gaskolben und Steuerbahnen einspart und mit gepresstem Blech auskommt. Angesetzt waren rund 45 Reichsmark gegenüber rund 70 für das StG 44. Vier Jahrzehnte später trägt dasselbe Prinzip eine Waffe, deren Preis in der Literatur mit rund 9000 US-Dollar angegeben wird.
- Befund
- Die schärfste Pointe der Rollenlinie. Ein Verfahren, das erfunden wurde, um billiger zu werden, endet am oberen Ende des Marktes — und es endet dort nicht wegen, sondern trotz seiner Eigenschaften.
Heckler & Koch HK33
Heckler & Koch GmbH · Deutschland (Oberndorf am Neckar) · 1968 plausibel- System
- Rollenverzögerter Masseverschluss, 5,56 × 45 mm NATO, Einzel- und Dauerfeuer
- Unterschied
- Dieselbe Mechanik in der inneren Mittelpatrone. Für die Gattungsfrage ist die HK33 der Prüfstein neben der PSG1: Beide Waffen teilen den Verschluss und trennen sich an der Patrone. Die HK33 verschießt eine Mittelpatrone und ist nach der Regel dieses Registers ein Sturmgewehr, die PSG1 verschießt die volle NATO-Gewehrpatrone und ist ein Selbstladegewehr. Angepasst wurde für die schwächere Patrone der Winkel des Schließstücks — rund 3:1 statt rund 4:1 —, und am Objekt zeigt sich das an achtzehn Nuten im Patronenlager statt zwölf.
- Befund
- Der Beleg dafür, dass die Gattung nicht am Verschluss hängt. Ein und dieselbe Bauart trägt in diesem Register drei Gattungen: Maschinenpistole (MP5), Sturmgewehr (HK33, G41), Selbstladegewehr (G3, PSG1).
Scharfschützengewehr 82 (SSG 82)
Abteilung BCD des MfS, Werkstatt auf dem Gelände des VEB FAJAS · DDR (Suhl) · 1982 plausibel- System
- Repetierer mit Kammerverschluss, vier Verriegelungswarzen, 60 Grad Drehwinkel, 5,45 × 39 mm, kaltgehämmerter freischwingender Lauf
- Unterschied
- Die zeitgleiche Antwort des Untersuchungsraums auf dieselbe Aufgabe, und der Gegenentwurf in jedem einzelnen Punkt. Suhl ging nicht vom Militärgewehr aus, sondern vom eigenen Sportgerät: Grundlage war das Kleinkaliber-Standardgewehr 150. Statt eines Selbstladers ein Repetierer, statt der vollen Gewehrpatrone eine innere Mittelpatrone, statt 8,1 kg rund 4,5 kg, statt Hensoldt ein Ziel4/S aus Jena. Verwendet wurde die Waffe von der Hauptabteilung XXII des Ministeriums für Staatssicherheit und von Kräften des Ministeriums des Innern.
- Befund
- Beide Waffen entstanden für dieselbe polizeiliche Aufgabe im Abstand weniger Jahre. Der Vergleich fällt nicht zugunsten einer Seite aus: Suhl erreichte über den Repetierer ohne Umwege, was Oberndorf dem Selbstlader mit erheblichem Aufwand abringen musste, gab dafür aber den zweiten Schuss ohne Anschlagsunterbrechung auf.
Anschütz Biathlon-Kleinkalibergewehre (Reihe 1827 Fortner)
J. G. Anschütz GmbH & Co. KG, Ulm; Verschluss Peter Fortner · Deutschland (Ulm und Rohrdorf-Geiging) · 1984- System
- Handrepetierer, Geradezug-Zylinderverschluss mit radial ausweichenden Kugeln, .22 lfB
- Unterschied
- Der Gegenpol: Präzision ohne Selbstladeprinzip. Beide Waffen entstehen im selben Jahrzehnt, beide treiben Aufwand bis an die Grenze des Wirtschaftlichen, und beide kämpfen gegen dieselbe Störgröße — bewegte Masse im Augenblick des Schusses. Fortner beseitigt sie, indem er den Zyklus vollständig dem Schützen überlässt und nur noch die Bewegung verkleinert, die dieser ausführen muss. Heckler & Koch nimmt die Masse in Kauf und kompensiert sie an Lauf, Abzug und Anlage.
- Befund
- Der Vergleich beantwortet die Frage, warum Präzisionsdisziplinen ohne Zeitdruck bis heute keine Selbstlader benutzen. Der Selbstlader zahlt für den zweiten Schuss mit Bewegung im ersten. Wo der zweite Schuss nicht zählt, gibt es dafür keinen Grund.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Bewegte Massen im Augenblick des Schusses
Der Verschluss beginnt sich zu öffnen, während das Geschoss noch im Lauf ist. Bei einem Repetierer steht in diesem Moment alles still, bei einem Gasdrucklader setzt die Bewegung später und über einen längeren Hebel ein. Beim rollenverzögerten Verschluss ist die Massenbewegung Teil des Bremsvorgangs und lässt sich deshalb nicht wegkonstruieren. Sie ist die Systemschwäche dieser Waffe, und alles, was die PSG1 aufwendig macht, arbeitet gegen sie.
plausibel
-
Hülsen aus dem geriefelten Lager
Der Auszug unter Restdruck zwingt zu Längsrillen im Patronenlager. Die Hülsen tragen danach die kennzeichnenden dunklen Streifen und sind stark beansprucht. Für eine Waffe, deren Nutzer typischerweise mit ausgesuchter oder selbst geladener Munition arbeitet, ist das ein realer Nachteil: Der Weg über die eigene Hülse, mit dem sich sonst die letzte Streuung herausholen lässt, ist eingeschränkt.
plausibel
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Verschlussabstand als Präzisionsmaß
Wie weit die Rollen im Anlegezustand vorstehen, entscheidet über die Verzögerung. Verschleiß an Rollen, Schließstück oder Widerlagern verändert dieses Maß und damit den Öffnungszeitpunkt. Bei einer Gebrauchswaffe zeigt sich das erst als Funktionsstörung, bei einer Präzisionswaffe schon vorher als wachsende Streuung. Bei der Zustandsbeurteilung eines Stücks ist das Maß vor allem anderen zu prüfen.
plausibel
-
Zielfernrohr auf 600 m begrenzt
Die werksseitige Hensoldt-Optik lässt sich auf 100 bis 600 m einstellen. Für polizeiliche Entfernungen genügt das reichlich; militärische Scharfschützenaufgaben beginnen dort erst. Diese Grenze und der Preis erklären, warum die Waffe kaum militärisch beschafft wurde und warum Heckler & Koch mit der MSG90 nachlegen musste. Eine Darstellung nennt einen dritten Grund, der zu den beiden anderen quer steht: Ein Teil der Verbesserungen habe die Waffe für den Truppengebrauch zu empfindlich gemacht. Der Aufwand, der die Präzision erkaufte, hätte demnach zugleich die Feldtauglichkeit gekostet — der Befund ist nicht unabhängig bestätigt, passt aber genau zu dem, was die MSG90 anschließend zurücknahm.
plausibel
-
Gewicht und Preis
Rund acht Kilogramm und ein in der Literatur mit etwa 9000 US-Dollar angegebener Preis machen die Waffe zum Sonderfall. Die Zahl steht ohne Stichjahr und ohne Angabe, ob Zielfernrohr und Zubehör enthalten sind; sie taugt als Größenordnung und nicht als Preisangabe.
ungeklärt
Verwendung
- Polizeiliche Spezialeinheiten im In- und Ausland; der Hersteller führte die Waffe ausdrücklich als „Polizei-Präzisionsschützengewehr“
- Militärisch nur in der abgeleiteten MSG90; für die Bundeswehr wird daneben eine Ausführung MSG3 genannt, zu der die eingesehenen Darstellungen keine Einzelheiten bieten
- Ziviler Markt als halbautomatische Büchse, in Deutschland erlaubnispflichtig; die 20-Schuss-Magazine unterliegen seit 2020 dem Magazinverbot des Waffengesetzes
Quellen
- [Online] Wikipedia (de) — HK PSG1 , Entwicklungsjahr 1970er, Produktionsstart 1985, 1208 mm, 8,1 kg, 650 mm, Magazine 5/20, Hensoldt 6 × 42 mit 100 bis 600 m, Schließhilfe, Triggerstop, 80 mm auf 300 m bei 50 Schuss, Preis ab rund 9000 US-Dollar, PSG1A1 von 2006 mit Schmidt & Bender 3–12 × 50, Zweibein am Handschutz Link
- [Online] Wikipedia (en) — Heckler & Koch PSG1 , abweichende Datierung (designed 1968, in service 1972, produced 1972–2014), 1230 mm, 7,2 kg, v0 868 m/s mit ausdrücklichem Vorbehalt, Magazine zu 5, 10 und 20 sowie Trommel zu 50, halbzylindrische Verschlussrollen, entnehmbare Abzugsgruppe, low-noise bolt closing device, freischwingender Polygonlauf, T-Schiene am Vorderschaft für Riemenbügel oder Dreibein, Genauigkeit unter 1 MOA mit Matchmunition und Einordnung dieser Leistung als für Repetierbüchsen durchschnittlich, PSG1A1 von 2006 Link
- [Online] Wikipedia (en) — Heckler & Koch PSG1, Abschnitt MSG90 , eigener Abschnitt im PSG1-Artikel, auf den das Stichwort MSG90 weiterleitet: design date 1987, Dienst und Fertigung ab 1990 bis 2021, 600 mm Lauf, 6,3 kg, 1230 mm, v0 868 m/s (dieselbe Zahl wie beim PSG1), abweichende Abzugsgruppe, konturierter statt schwerer Lauf, MSG90A1 mit Mündungsgewinde, MSG90A2 Link
- [Online] Modern Firearms — HK PSG-1 sniper rifle , Entwicklung „by the mid-1980s“, kaltgehämmerter Polygonlauf, Abzug rund 1,5 kg, Druckknopf hinter dem Auswurffenster, kein eingebautes Zweibein, Ausgabe mit gesonderter Auflage auf kurzem Dreibein, Fertigungsende um 2010, dazu 1208 mm und 8,1 kg — also gegen die englischsprachige Wikipedia und mit der deutschsprachigen Link
- [Online] Modern Firearms — HK MSG90 sniper rifle , 1987 als militarisierte Ausführung der PSG1, leichter und billiger, 1218 mm, 6,3 kg, 600 mm Lauf, zwölffache Optik mit Einstellung 100 bis 800 m, MSG3 für die Bundeswehr mit dünnerem Lauf und unverstärktem Gehäuse, MSG90 A2 in den späten 1990er Jahren für das US-Programm Designated Marksman Rifle Link
- [Literatur] Krcma 1996 — Fluted and Annular Grooved Barrel Chambers in Firearms , Journal of Forensic Sciences, JFSCA, Vol. 41, No. 3, Mai 1996, S. 407–417. Tabelle 1 führt die PSG1 namentlich in der G3-Reihe mit 12 Nuten; Tabelle 4: die Nuten enden rund 13 mm vor dem Hülsenboden Link
- [Online] Wikipedia (de) — HK G3 , Ausführung G3 SG 1 mit Stecher, Zielfernrohr Zeiss Diavari-DA und Zweibein; G3 A3 ZF als Zielfernrohrgewehr aus der Serie Link
- [Online] Wikipedia (en) — Heckler & Koch G3, Abschnitt „Variants" , führt die PSG1 als 1985 eingeführt — im Widerspruch zur Infobox des eigenen PSG1-Artikels; G3SG/1 als 1972 eingeführt und beim Einschießen einzeln aus der Serienfertigung ausgelesen, mit Stecherabzug, Zeiss Diavari-DA 1,5–6 × 36 und Zweibein am verlängerten Handschutz; G3A3ZF mit Abnahmemaß 80 mm Fünfschussstreukreis (0,8 mil, 2,75 MOA); MSG3 von 1988 mit 600-mm-Lauf, unverstärktem Gehäuse und der Einzelfeuer-Abzugsgruppe der PSG1; als Grund für das militärische Scheitern der PSG1 wird dort neben dem Preis genannt, ein Teil der Verbesserungen habe die Waffe zu empfindlich gemacht Link
- [Online] Wikipedia (de) — Scharfschützengewehr 82 , Suhl 1982, Grundlage KK-Standardgewehr 150, 5,45 × 39 mm, Kammerverschluss mit vier Warzen, 4,5 kg, Ziel4/S 4 × 32 aus Jena, Verwendung durch die Hauptabteilung XXII des MfS Link
- [Online] Bundesministerium der Justiz — Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen, Anlage (Kriegswaffenliste), Teil B Abschnitt V Nummer 29 Link
- [Online] Bundesministerium der Justiz — Waffengesetz, Anlage 2 Abschnitt 1 Nummer 1.2.4.4 und 1.2.7 Link