Modell
KK-MPi Mod. 69
- Fertigung
- VEB Ernst-Thälmann-Werk
- Kaliber
- 5,6 × 15,5 mm R (.22 lfB)
- Zeitraum
- 1969–1989
- Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden
ÜBEREINSTIMMEND belegt sind Hersteller (VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann", Suhl), Zweck, die Maße (870 mm Gesamtlänge, 440 mm Lauf, 3,4 kg ohne Magazin), Kaliber 5,6 × 15,5 mm R, Magazin zu 15 beziehungsweise 18, V0 310 m/s, der unverriegelte Masseverschluss und die drei Stellungen des Feuerwahlhebels einschließlich Dauerfeuer. Ebenso die Unterscheidungsmerkmale gegenüber der MPi-KM: schmalerer Handschutz, fehlendes Gasrohr, fehlende Mündungsmutter, brauner Kunststoff, kein Bajonetthalter, kein Putzstock. Die Stückzahl von rund 50.000 steht übereinstimmend in mehreren Darstellungen, ist aber in keiner davon belegt; sie ist hier als Größenordnung geführt. NICHT ERMITTELT sind Fertigungsbeginn und -ende im Einzelnen, Jahresstückzahlen, der Konstrukteur und die Frage, ob es Vorläufermodelle gab — die Modellbezeichnung 69 legt ein Erprobungsjahr 1969 nahe, mehr nicht. UNGEPRÜFT und hier ausdrücklich nur als Zitat wiedergegeben ist die Angabe, ein erheblicher Teil des Bestands sei nach 1990 statt in die Verschrottung in illegale Märkte in der Schweiz und in Westdeutschland gelangt. Die Aussage steht in einer einzelnen Übersichtsdarstellung ohne Quellenangabe. Belegt ist dagegen, dass Stücke legal umgebaut im Handel sind: Schweizer Anbieter führen die Waffe als „abgeänderte Seriefeuerwaffe", also als auf Selbstladefunktion zurückgebautes Stück.
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Diese Waffe ist eine Nachbildung — aber keine Attrappe. Sie schießt scharf, sie schießt sogar im Dauerfeuer, nur mit einer sehr viel schwächeren Patrone: der .22, wie sie auf jedem Schießstand verwendet wird. Von außen gleicht sie der Kalaschnikow der Nationalen Volksarmee bis in die Bedienung hinein — derselbe Hebel an derselben Stelle, dieselben drei Stellungen für Gesichert, Einzelfeuer und Dauerfeuer, dasselbe Einsetzen des Magazins, dasselbe Durchladen. Innen ist sie etwas ganz anderes. Die Kalaschnikow zweigt beim Schuss Pulvergase aus dem Lauf ab, treibt damit einen Kolben zurück und dreht so ihren Verschluss auf. Nichts davon gibt es hier: Der Verschluss ist nur ein schweres Stahlstück, das die Patrone durch sein bloßes Gewicht und den Druck einer Feder im Lager hält. Beim Schuss drückt der Gasdruck es einfach nach hinten, es wirft die Hülse aus, die Feder schiebt es wieder vor. Man erkennt den Unterschied von außen an einer einzigen Stelle: Über dem Lauf fehlt das Gasrohr. Wer die Waffe kennt, sieht sofort, dass da etwas nicht ist, was dort sein müsste.
Von dieser Waffe wurden rund 50.000 Stück gebaut. Das ist die höchste Stückzahl, die dieses Register für ein DDR-Erzeugnis führt — mehr als von der Pistole M aus Suhler Fertigung, mehr als vom SSG 82, und sie wurde nicht für die Armee gebaut, sondern für den Unterricht.
Wozu sie da war
Die DDR bildete ihre Jugend an der Waffe aus, bevor sie zur Armee kam. Getragen wurde das von der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), einer Massenorganisation, die seit 1952 bestand und später dem Ministerium für Nationale Verteidigung unterstand.
Ab dem Schuljahr 1978/79 kam der Wehrunterricht als Pflichtfach in den Klassen 9 und 10 hinzu — acht Doppelstunden je Schuljahr, dazu am Ende der 9. Klasse ein zweiwöchiges Wehrlager für die Jungen, während die Mädchen in Zivilverteidigung unterrichtet wurden. Getragen wurde das von NVA und GST gemeinsam; in den Klassen 11 und 12 der Erweiterten Oberschule lief die vormilitärische Ausbildung weiter.
Die KK-MPi 69 ist neun Jahre älter als dieses Pflichtfach. Sie entstand für die GST — der Wehrunterricht vervielfachte dann ihren Einsatz.
Zum Ausbildungsstoff gehörten Ballistik, Waffenhandhabung, Anschlagsarten, Feuerarten und Nachladen. Belegt ist der Einsatz auch in der betrieblichen Lehrlingsausbildung, etwa im Eisen- und Hüttenwerk Thale, dokumentiert in einem Ausbildungsfilm von 1969.
Eine Nachbildung, die scharf schießt
Der entscheidende Punkt: Die KK-MPi 69 ist keine Attrappe und kein Exerziergerät. Sie schießt scharf, und sie schießt sogar im Dauerfeuer — der Sicherungs- und Feuerwahlhebel sitzt an derselben Stelle wie bei der MPi-KM und hat dieselben drei Stellungen: Gesichert, Einzelfeuer, Dauerfeuer.
Das unterscheidet sie von den meisten westlichen Kleinkaliber-Übungswaffen, die üblicherweise nur Einzelfeuer kennen. Wer hier ausgebildet wurde, hat einen Feuerstoß tatsächlich abgegeben und nicht nur beschrieben bekommen.
Innen ist alles anders
Und genau hier liegt der interessante Teil. Äußerlich und in der Bedienung ist die Waffe eine getreue Nachbildung. Mechanisch hat sie mit der Kalaschnikow nichts gemein.
| MPi-KM | KK-MPi 69 | |
|---|---|---|
| Ladeprinzip | Gasdrucklader, langhubiger Kolben | reiner Rückstoß |
| Verriegelung | formschlüssiger Drehkopf | keine — Masseverschluss |
| Patrone | 7,62 × 39 mm, Zentralfeuer | 5,6 × 15,5 mm R, Randfeuer |
| V₀ | rund 715 m/s | 310 m/s |
Die MPi-KM zweigt Pulvergase aus dem Lauf ab, treibt damit einen Kolben zurück und dreht so ihren Verschluss auf. Nichts davon gibt es hier: Der Verschluss ist ein schweres Stahlstück, das die Patrone durch seine bloße Trägheit und den Druck der Schließfeder im Lager hält, bis der Gasdruck gefallen ist. Bei einer .22 lfB genügt das ohne Weiteres. Siehe Verschlusssysteme und Ladeprinzipien.
Was daraus folgt, ist der eigentliche Befund dieser Waffe: Wer an ihr ausgebildet wurde, lernte die Griffe der Kalaschnikow, nicht ihre Technik. Magazinwechsel, Anschlag, Visierbild und Feuerwahlhebel sind identisch und übertragbar. Gasdrucksystem, Verriegelung und vor allem der Rückstoß sind es nicht — und der Unterschied im Rückstoß zwischen .22 lfB und 7,62 × 39 ist erheblich.
Das war vermutlich kein Mangel, sondern die Absicht: Ausgebildet wurde die Handhabung, nicht die Waffenkunde, und die Munition war ein Bruchteil so teuer.
Woran man sie erkennt
Auf Entfernung und auf Fotografien ist die KK-MPi 69 von einer MPi-KM kaum zu unterscheiden. Für die Beurteilung eines Bildbelegs ist das ein methodisches Problem — es lohnt sich, die Merkmale zu kennen. Sie sind alle klein:
- Kein Gasrohr über dem Lauf. Das ist das sicherste Merkmal und aus jeder Perspektive zu sehen, in der die Waffe von der Seite abgebildet ist: Bei der Kalaschnikow läuft über dem Lauf ein zweites Rohr, hier fehlt es. Was fehlt, ist schwerer zu sehen als was da ist — deshalb wird es übersehen.
- Schmalerer Handschutz, weil er kein Gasrohr aufnehmen muss.
- Keine Mündungsmutter am Laufende.
- Brauner Kunststoff an Griff, Handschutz und Schaft.
- Kein Bajonetthalter.
- Kein Putzstock unter dem Lauf.
Die Merkmale 3 bis 6 sind Weglassungen. In der Summe ergeben sie eine Waffe, an der überall dort nichts ist, wo beim Vorbild etwas wäre.
Das Magazin folgt der Nachbildung, nicht der Funktion
Das Magazin ist gekrümmt — wie beim Vorbild. Nötig wäre das nicht: Die Krümmung eines Kalaschnikow-Magazins folgt der konischen Form der 7,62 × 39. Die .22 lfB ist kurz und nahezu zylindrisch und würde in einem geraden Magazin besser laufen.
Darin liegt vermutlich auch die Ursache der bekannten Zuführstörungen. Eine Randfeuerpatrone in einer Magazingeometrie, die für eine ganz andere Patrone entworfen wurde, ist eine ungünstige Paarung. Die Form folgt hier der Ähnlichkeit, nicht der Funktion — was bei einem Ausbildungsgerät konsequent ist und in der Handhabung seinen Preis hat. Siehe Magazine und Zuführung.
Suhl baute beide Enden desselben Kalibers
Bemerkenswert ist, was im selben Werk und in denselben Jahren sonst noch entstand. Das Kleinkaliber-Standardgewehr 150 war für den internationalen Leistungssport gebaut und auf den ruhigen Einzelschuss ausgelegt; aus ihm wurde später das SSG 82 abgeleitet. Die KK-MPi 69 ahmt im selben Kaliber eine Militärwaffe nach.
Dasselbe Haus, dieselbe Patrone, entgegengesetzte Zwecke — und zusammen mit dem Haenel 310 als Luftgewehr ergibt sich eine durchgehende Leiter vom Schulhof bis zur Kaserne, auf der die KK-MPi 69 die mittlere Sprosse ist. Siehe Sportwaffenbau in der DDR.
Was 1990 damit geschah
Die Waffen gehörten der GST. Mit deren Auflösung gingen sie an die NVA und damit an die Bundeswehr — und weil für NVA-Waffen ein Verkaufsverbot galt, war der gesamte Bestand von rund 50.000 Stück zur Verschrottung vorgesehen.
Eine Übersichtsdarstellung schreibt, viele Stücke seien stattdessen in illegale Märkte in der Schweiz und in Westdeutschland gelangt. Diese Angabe steht dort ohne Quelle und wird von diesem Register nicht übernommen, sondern nur zitiert.
Belegt ist dagegen der legale Weg: Schweizer Anbieter führen die Waffe als „abgeänderte Seriefeuerwaffe” — also als Stück, das auf Selbstladefunktion zurückgebaut wurde. Wer heute eine KK-MPi 69 vor sich hat, hat deshalb mit einiger Wahrscheinlichkeit kein Originalstück in Ursprungsausführung, sondern ein umgebautes. Das ist bei der Beurteilung zu prüfen und für die rechtliche Einordnung entscheidend.
Zur Einordnung in dieses Register
Die Systematik dieses Registers ordnet Vollautomaten nach der Patronenklasse ein: Vollautomat mit Pistolenpatrone ergibt eine Maschinenpistole, Vollautomat mit Mittelpatrone ein Sturmgewehr. Die .22 lfB ist weder das eine noch das andere — sie ist eine Randfeuer-Kleinkaliberpatrone und schwächer als jede Pistolenpatrone dieses Registers.
Der Eintrag führt die Waffe gleichwohl als Maschinenpistole, weil das Merkmal der Gattung — Dauerfeuer aus der Hand mit einer Patrone unterhalb der Gewehrklasse — zutrifft und weil die Waffe selbst so heißt. Es ist ein Grenzfall, und er wird hier benannt statt weggeordnet. Siehe Patronenklassen.
Offene Forschungsfragen. Fertigungsbeginn und -ende, Jahresstückzahlen und der Beleg für die Zahl von 50.000. — Der Konstrukteur; kein eingesehener Text nennt einen Namen. — Gab es Vorläufer? Die Bezeichnung 69 legt ein Erprobungsjahr nahe, mehr nicht. — Wie viele Stücke wurden nach 1990 tatsächlich verschrottet, und was geschah mit dem Rest? — Und trug die Waffe Abnahme- oder Beschusszeichen? In den eingesehenen Darstellungen ist davon nicht die Rede, was bei einem GST-Gerät nicht selbstverständlich ist.
Waffenrechtliches
In der Ursprungsausführung eine vollautomatische Waffe. Ob sie damit unter die Kriegswaffenliste fällt, hat dieses Register nicht ermittelt — die Liste nennt Maschinenpistolen, aber ob eine Randfeuer-Übungswaffe darunter zu fassen ist, war aus den eingesehenen Quellen nicht zu beantworten. Der Eintrag setzt das Kriegswaffen-Merkmal deshalb nicht, statt eine Einstufung zu behaupten, die er nicht belegen kann.
Hinzu kommt, dass die rechtliche Lage vom Einzelstück abhängt: Ein Großteil der im Umlauf befindlichen Exemplare ist auf Selbstladefunktion zurückgebaut. Dieses Register dokumentiert die Waffe ausschließlich technik- und zeitgeschichtlich; verbindlich ist allein die Entscheidung der zuständigen Behörde. Siehe Methodik.
Konstruktion
- Verschluss
- Unverriegelter Masseverschluss — und damit das genaue Gegenteil der Waffe, der sie nachgebildet ist. Die MPi-KM verriegelt formschlüssig über einen Drehkopf; hier hält allein die Verschlussmasse zusammen mit der Schließfeder. Bei .22 lfB genügt das.
- Ladeprinzip
- Rückstoßlader, unverriegelt. Kein Gasdrucklader. Es gibt weder Gasrohr noch Kolben — genau daran ist die Waffe von außen zu erkennen.
- Zuführung
- Gebogenes Stangenmagazin zu 15 Patronen, mit Verlängerung 18. Die Magazinform ahmt das Kalaschnikow-Magazin nach, obwohl die kurze Randfeuerpatrone die Krümmung nicht bräuchte.
- Abzug
- Wie beim Vorbild: Sicherungs- und Feuerwahlhebel rechts am Gehäuse mit drei Stellungen — Gesichert, Einzelfeuer, Dauerfeuer. Die Waffe kann tatsächlich Dauerfeuer, was sie von den meisten westlichen Kleinkaliber-Übungswaffen unterscheidet.
- Sicherung
- Der große Hebel des Vorbilds, der zugleich die Ladeöffnung abdeckt.
- Visierung
- Kimme und Korn nach Art der MPi-KM
Maße und Leistung
- Länge
- 870 mm
- Lauflänge
- 440 mm
- Gewicht
- 3,4 kg ohne Magazin
- Magazin
- 15 Patronen, mit Verlängerung 18
- V₀
- 310 m/s
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Ausgangslage
Der Verschluss steht vorn, die Patrone im Lager, gehalten allein von der Verschlussmasse und der Schließfeder. Es gibt keine Verriegelung, die geöffnet werden müsste — der Unterschied zur MPi-KM beginnt hier.
- 2
Schuss
Der Schlagbolzen trifft den Rand der Patrone — es ist eine Randfeuerpatrone, das Zündmittel sitzt im Hülsenrand, nicht in einem mittigen Zündhütchen. Siehe Patronenklassen.
- 3
Rücklauf
Der Gasdruck schiebt Hülse und Verschluss unmittelbar nach hinten. Nichts wird abgezweigt, nichts gedreht, nichts entriegelt. Die Trägheit der Verschlussmasse hält das Lager so lange geschlossen, bis der Druck gefallen ist.
- 4
Auswurf und Spannen
Der Auszieher nimmt die Hülse mit, der Auswerfer schleudert sie heraus; die Schließfeder wird gespannt.
- 5
Vorlauf
Die Schließfeder treibt den Verschluss vor, der die nächste Patrone aus dem Magazin ins Lager schiebt. In der Stellung Dauerfeuer wiederholt sich der Ablauf, solange der Abzug gezogen bleibt.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verschlussruhelage: Die Schließfeder presst den Verschluss gegen den feststehenden Lauf. Verriegelt ist nichts — es hält allein die Masse.
- 2 Schuss: Der Gasdruck treibt Geschoss und Hülse auseinander. Der Verschluss beginnt zurückzuweichen, bewegt sich wegen seiner Trägheit aber nur wenige Zehntelmillimeter, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat.
- 3 Rücklauf: Erst nach dem Druckabfall öffnet der Verschluss weit, wirft die Hülse aus und spannt die Feder.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
MPi-KM
VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa · DDR (Wiesa) · 1957 plausibel- System
- Gasdrucklader mit langhubigem Kolben, formschlüssig verriegelter Drehkopfverschluss, 7,62 × 39 mm
- Unterschied
- Das Vorbild, dem die KK-MPi äußerlich und in der Bedienung nachgebildet ist — und von dem sie sich innen in jedem einzelnen Punkt unterscheidet. Verriegelt gegen unverriegelt, Gasdruck gegen reinen Rückstoß, Zentralfeuer gegen Randfeuer, 7,62 × 39 gegen .22 lfB.
- Befund
- Das ist die eigentliche Aussage dieser Waffe. Wer an ihr ausgebildet wurde, lernte die Griffe der Kalaschnikow, nicht ihre Technik. Für den Zweck genügte das: Magazinwechsel, Anschlag, Visierbild und Feuerwahlhebel sind identisch. Wie die Waffe innen arbeitet, war nicht Gegenstand des Unterrichts.
Suhl Modell 150
VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann" · DDR (Suhl) · 1960 plausibel- System
- Kleinkaliber-Standardgewehr, Zylinderverschluss, .22 lfB
- Unterschied
- Dieselbe Patrone, dasselbe Werk, entgegengesetzter Zweck. Das Modell 150 war für den Leistungssport gebaut und auf den ruhigen Einzelschuss ausgelegt; die KK-MPi ahmt eine Militärwaffe nach.
- Befund
- Suhl fertigte in denselben Jahren beide Enden desselben Kalibers: das Sportgerät für internationale Wettkämpfe und das Ausbildungsgerät für die Wehrerziehung. Siehe Sportwaffenbau in der DDR.
Haenel Modell 310
VEB Ernst Thälmann Suhl · DDR (Suhl) · 1949 plausibel- System
- Federkolben-Luftgewehr
- Unterschied
- Die Stufe davor. Wo die Ausbildung noch kein scharfes Kaliber verlangte, stand das Luftgewehr — auf Jahrmärkten, in Schulen und in GST-Ausbildungsräumen.
- Befund
- Zusammen ergeben Luftgewehr, Kleinkaliber-Nachbildung und Ordonnanzwaffe eine durchgehende Leiter vom Schulhof bis zur Kaserne. Die KK-MPi 69 ist die mittlere Sprosse.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Zuführstörungen
Die Waffe gilt als anfällig für Ladehemmungen. Das ist bei einer Randfeuerpatrone in einem gekrümmten Magazin, das für eine ganz andere Patrone geformt wurde, nicht überraschend: Die kurze, zylindrische .22 lfB hat in einer für die 7,62 × 39 entworfenen Magazingeometrie nichts verloren. Die Form folgt hier der Nachbildung, nicht der Funktion.
plausibel
-
Sie lehrt die Bedienung, nicht die Waffe
Keine Schwäche der Ausführung, sondern der Sache: Wer nur an der KK-MPi ausgebildet wurde, kennt die Handgriffe der Kalaschnikow und nichts von ihrem Gasdrucksystem, ihrer Verriegelung oder ihrem Rückstoß. Der Unterschied im Rückstoß zwischen .22 lfB und 7,62 × 39 ist erheblich — das Übungsgerät bereitet darauf gerade nicht vor.
plausibel
-
Verwechslungsgefahr
Auf Entfernung und auf Fotografien ist die KK-MPi 69 von einer MPi-KM kaum zu unterscheiden. Für die Bestimmung ist das ein praktisches Problem, für die Beurteilung eines Bildbelegs ein methodisches. Die Unterscheidungs- merkmale stehen unten und sind alle klein.
plausibel
Verwendung
- Gesellschaft für Sport und Technik (GST) — vormilitärische Ausbildung Jugendlicher
- Ab dem Schuljahr 1978/79 im Wehrunterricht, der in den Klassen 9 und 10 Pflichtfach wurde
- Lehrlingsausbildung in Betrieben
- Nach 1990: Eigentum der GST, mit deren Auflösung an die NVA und damit an die Bundeswehr; wegen des Verkaufsverbots für NVA-Waffen war der gesamte Bestand zur Verschrottung vorgesehen
Quellen
- [Online] Wikipedia (de) — KK-MPi 69 , Entwicklung und Fertigung in der DDR zu Ausbildungszwecken beim Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann" Suhl; Rückstoßlader mit unverriegeltem Masseverschluss, 5,6 × 15,5 mm; Gesamtlänge 870 mm, Lauf 440 mm, 3,4 kg ohne Magazin, Magazin zu 15 beziehungsweise 18, V0 310 m/s; Unterscheidungsmerkmale schmalerer Handschutz, fehlendes Gasrohr, fehlende Mündungsmutter, brauner Kunststoff, kein Bajonetthalter, kein Putzstock; Verwendung in der wehrtechnischen Ausbildung der GST; Anfälligkeit für Zuführstörungen; rund 50.000 Stück nach 1990 zur Vernichtung vorgesehen, nach dieser Darstellung gelangten viele in illegale Märkte in der Schweiz und in Westdeutschland Link
- [Online] Waffen-Analysen — Die KK-MPi 69 — das ostdeutsche Kleinkaliber-Kalaschnikow für die vormilitärische Ausbildung , Sicherungs- und Feuerwahlhebel entsprechend der AKM mit drei Stellungen für Gesichert, Einzelfeuer und Dauerfeuer; die Waffe konnte anders als die meisten westlichen Kleinkaliber-Übungswaffen tatsächlich Dauerfeuer; Abzugseinrichtung weitgehend dem Vorbild entsprechend. Über den in diesem Register üblichen Weg nicht abrufbar (TLS-Fehler), ausgewertet über die Suchergebnisdarstellung Link
- [Objektbefund] Deutsche Digitale Bibliothek — Kleinkaliber-Maschinenpistole Modell 69, DDR , Objektnachweis mit Maßangaben: Höhe 24,5 cm, Breite 5,5 cm, Länge 87 cm, Kaliber 5,6 mm, Gewicht 3.400 g Link
- [Online] Zeitklicks — Wehrkundeunterricht wird in der DDR Pflichtfach , Einführung als Pflichtfach in den Klassen 9 und 10 im Schuljahr 1978/79, öffentlich bekannt im Frühjahr 1978; acht Doppelstunden je Schuljahr; zweiwöchiges Wehrlager am Ende der 9. Klasse für Jungen, Zivilverteidigung für Mädchen; Unterstützung durch NVA und GST; Fortsetzung der vormilitärischen Ausbildung in den Klassen 11 und 12 der EOS Link
- [Online] Cool'is im Osten — Früh übt sich — die vormilitärische Ausbildung mit der KK MPi 69 in der DDR , Rolle der GST in der vormilitärischen Ausbildung; Einsatz in der Lehrlingsausbildung im EHW Thale, belegt durch einen Ausbildungsfilm von 1969; Ausbildungsinhalte Ballistik, Waffenhandhabung, Anschlagsarten, Feuerarten, Nachladen Link