Nachwirkung · Deutschland (Oberndorf am Neckar); Lizenzmuster Luigi Franchi, Brescia
Heckler & Koch G41
- Fertigung
- Heckler & Koch GmbH
- Kaliber
- 5,56 × 45 mm NATO
- Zeitraum
- 1981–1996
- Belegstatus
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Dieser Eintrag stützt sich auf zugängliche Sekundär- und Netzdarstellungen sowie auf eine objektnahe Untersuchung eines Sammlungsstücks. Ein Erprobungsbericht, eine Werksakte oder ein Beschaffungsvorgang lag NICHT vor; kein Stück wurde von mir eingesehen oder vermessen. MEHRFACH ÜBEREINSTIMMEND BELEGT sind: die rollenverzögerte Bauart in der Nachfolge von StG 45(M), G3 und HK33, die Markteinführung 1981, der Magazinschacht für das NATO-Normmagazin, Verschlussfang, Ladehilfe, Staubschutzklappe, Dreierstoß, die Gehäuseblechstärke von 1,0 gegenüber 1,2 mm beim HK33, die beiden Drallängen 178 mm (SS109) und 305 mm (M193), die Variantenreihe G41 bis G41A3 nebst G41K und G41TGS, das Ausbleiben eines größeren Beschaffungsauftrags sowie der Übergang der Fertigungsrechte an Luigi Franchi. WIDERSPRÜCHLICH ist das Gewicht: 4,1 kg nennen die englische Wikipedia und Modern Firearms, 4,31 kg nennt die objektnahe Darstellung unter Berufung auf zusammengetragene Messdaten. Beide Werte stehen hier nebeneinander; entschieden ist nichts. WIDERSPRÜCHLICH ist ferner die Lauflänge: 450 mm nennen die englische Wikipedia und Modern Firearms, die objektnahe Darstellung dagegen 18,9 Zoll und damit rund 480 mm. Der Datensatz führt 450 mm, weil zwei Darstellungen darauf lauten und weil die englische Wikipedia den Vergleich mit dem um 60 mm kürzeren HK33A2-Lauf (390 mm) ausdrücklich zieht; die Abweichung ist damit nicht aufgelöst. WIDERSPRÜCHLICH ist auch die Granatwerferaufnahme des G41K: Die englische Wikipedia hält es für zu kurz für HK79 und Gewehrgranaten, die objektnahe Darstellung schreibt den HK79 allen Ausführungen zu. Ebenso die Drallänge des G41K: 178 mm nach der englischen Wikipedia, beide Drallängen nach der objektnahen Darstellung. NICHT ZU HALTEN ist die Normnummer der Optikschiene, so wie sie beide Darstellungen führen: STANAG 2324 bezeichnet die MIL-STD-1913 (Picatinny) aus der Mitte der 1990er Jahre und damit eine Norm, die mehr als ein Jahrzehnt jünger ist als die Waffe. Die Nummer steht im Eintrag, weil die Quellen sie führen, mit ausdrücklichem Vorbehalt zur Jahreszahl; welche Schiene das G41 tatsächlich trägt, ist damit nicht geklärt. NICHT BELEGT und deshalb hier nicht geführt ist ein Hülsenabweiser: Keine der eingesehenen Darstellungen nennt für das G41 ein solches Bauteil, und das Vorbild, auf das die Ladehilfe zurückgeführt wird — das M16A1 —, hat ebenfalls keinen; er ist eine Zutat des M16A2. WIDERSPRÜCHLICH sind ferner die Fertigungsdaten: Als Produktionszeitraum nennt die englische Wikipedia 1984 bis 1996, während die Markteinführung übereinstimmend auf 1981 datiert wird; der Datensatz führt 1981 als „von" und 1996 als „bis" und weist die Lücke hier aus. NICHT BELEGT sind die GRÜNDE des Misserfolgs. Die objektnahe Darstellung sagt ausdrücklich, sie habe keinen der Erprobungsberichte der ablehnenden Staaten einsehen können und könne deshalb nicht mit Sicherheit sagen, warum das Gewehr abgelehnt wurde. Was in der Literatur genannt wird — Gewicht, Preis, der Vorrang des G11-Programms —, sind Erklärungen aus dem Umfeld und keine Feststellungen aus einem Verfahren; dieser Eintrag stellt sie deshalb nebeneinander und legt sich nicht fest. WIDERSPRÜCHLICH ist insbesondere der Preis: Modern Firearms führt ihn als Hauptgrund des Misserfolgs an, die deutsche Wikipedia bezeichnet das G41 umgekehrt als die preiswertere Waffe für die Truppen der zweiten Reihe. NICHT BELEGT und hier NICHT übernommen ist die Angabe der englischen Wikipedia, das G41 sei 1989 von der Bundeswehr abgelehnt worden: Sie steht dort in einem Satz, der die italienische Auswahlentscheidung für die Beretta AR70/90 von 1990 erklärt, ist mit keinem eigenen Nachweis versehen und lässt sich mit der belegten Erprobung von 18 Stück im Jahr 1979 nicht ohne Weiteres in eine Chronologie bringen. Der Eintrag führt allein, was gesichert erscheint: 1979 Erprobung, keine Beschaffung. WIDERSPRÜCHLICH ist auch die Vorgeschichte des G36: Eine objektnahe Darstellung datiert das Projekt HK50 auf „seit Mitte der 1970er Jahre", die deutschsprachige Darstellung dagegen auf die Zeit nach der Neufassung der Heeresforderung von 1992 und führt für die 1970er Jahre das äußerlich ähnliche HK36. NICHT ERMITTELBAR war jede Stückzahl — weder für die Oberndorfer noch für die italienische Fertigung lag eine Werks- oder Beschaffungszahl vor. NICHT objektnah belegt ist die Lage der Bedienteile im Einzelnen: Eine Darstellung setzt Magazinhalter und Verschlussfanghebel gemeinsam auf die linke Seite, eine andere nennt nur den Fanghebel links. Am Stück wäre das in Sekunden zu entscheiden; hier ist es nicht entschieden. ZUR GATTUNG: Die Einordnung als Sturmgewehr folgt der Regel dieses Registers, dass die Patronenklasse entscheidet. 5,56 × 45 mm NATO ist eine innere Mittelpatrone; damit ist die Einordnung eindeutig und stellt sich anders dar als beim G3, das nach derselben Regel als Selbstladegewehr geführt wird. ZUR ZURECHNUNG: Die Verbindung in den Untersuchungsraum ist dieselbe indirekte wie bei G3 und MP5 — Rollenanordnung aus Döbeln, Umdeutung zur Verzögerung bei Mauser, Anwendung durch Heckler & Koch. Der Anschluss an die HK33 hängt dagegen an Bauteilen und ist objektnah bebildert: zweiteiliger Verschluss, Rollen, Schließstück, Widerlager der Laufverlängerung, genutetes Patronenlager. Ein Bauteilnachweis für die Übernahme aus Döbeln liegt auch hier nicht vor; für dieses Glied der Kette ist keine Werksquelle und kein Aktenvermerk eingesehen, und der Eintrag behauptet dort keine Übertragung, sondern eine Bauartverwandtschaft. ZUM ENDE DER LINIE: Die Aussage, das G41 sei das letzte Glied, gilt für das Infanteriegewehr. MP5 und MSG90 (1987) sind jünger und rollenverzögert; das ist im Text ausgewiesen.
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Das G41 hat kein Gassystem: keine Bohrung im Lauf, keinen Kolben, kein Rohr darüber. Es lässt den Rückstoß arbeiten und muss ihn deshalb bremsen, denn fest zugesperrt wird der Lauf zu keinem Zeitpunkt. Der Lauf selbst bewegt sich dabei nicht. Das Stahlstück, das den Lauf von hinten zuhält, besteht aus zwei Teilen: vorn ein leichter Kopf, der an der Patrone anliegt, dahinter ein schweres Trägerstück mit einem keilförmigen Fortsatz. Der Keil greift zwischen zwei Rollen, die seitlich im Kopf sitzen, und drückt sie nach außen gegen schräge Flächen am hinteren Laufende. Beim Schuss will der Kopf nach hinten. Er kann das nur, wenn die Rollen an den Schrägen nach innen ausweichen, und dabei werfen sie den Keil und das schwere Stück ein Mehrfaches weiter zurück, als sie selbst wandern. Der leichte Kopf kommt also erst voran, wenn er die große Masse hinter sich in Fahrt gebracht hat. Das kostet Zeit, und die Zeit reicht, bis der Druck im Lauf gefallen ist. Danach laufen beide Teile gemeinsam zurück, die leere Hülse fliegt aus, eine Feder schiebt alles wieder nach vorn. Neu an dieser Waffe war nicht die Bremse, sondern das, was um sie herum sitzt: Sie nimmt die Magazine des amerikanischen Standardgewehrs, sie bleibt nach dem letzten Schuss von selbst offen stehen, sie hat eine Klappe gegen Schmutz über der Auswurföffnung, und ein Druckknopf schiebt das Stahlstück von Hand ganz nach vorn. Ein Merkmal der Bauart bleibt: Die Hülsen tragen dunkle Längsstreifen aus Rillen im hinteren Laufstück. Sie sind der Preis dafür, dass die Hülse noch unter Druck herausgezogen wird.
Nachwirkung. Entwickelt und gebaut in Oberndorf am Neckar und damit außerhalb des Untersuchungsraums. Der Eintrag steht hier, weil er das letzte Glied der Baureihe ist, deren Rollenanordnung dieses Register nach Döbeln zurückverfolgt — und weil an ihm ablesbar ist, wo diese Linie endet.
Die doppelte Bezeichnung
Wer in diesem Register „G 41” liest, muss zuerst das Jahrzehnt klären. Der Name ist zweimal vergeben, und die beiden Waffen haben nichts miteinander zu tun.
| Bezeichnung | Jahr | Was gemeint ist |
|---|---|---|
| G 41(W) und G 41(M) | 1941 | Zwei verschiedene deutsche Selbstlader in 7,92 × 57 mm mit Mündungsgasfänger nach System Bang. Behandelt sind sie beim Gewehr 43, das aus dem G 41(W) hervorging |
| G41 | 1981 | Dieser Eintrag: Heckler & Koch, 5,56 × 45 mm NATO, rollenverzögert |
Die Schreibweise hilft ein Stück weit. Die Wehrmachtsbezeichnung wird mit Leerzeichen und Herstellerkürzel geführt, die Oberndorfer Bezeichnung ohne beides. Verlassen sollte man sich darauf nicht, weil die Sammlerliteratur beides mischt. Sicher ist das Kaliber: 7,92 × 57 mm gegen 5,56 × 45 mm.
Der Fall ist die zweite Namensfalle dieser Art in diesem Register. Bei „StG 45” trennen erst die Klammerzusätze (M) für Mauser und (G) für Großfuß zwei völlig verschiedene Waffen; siehe Sturmgewehr 45. Beide Male hängt an der Bezeichnung eine Zuordnung, die gutachterlich zählt.
Was hier nicht steht. Der Eintrag zum Gewehr 43 behandelt das G 41(W) von Walther als dessen Vorgänger. Die Mauser-Ausführung G 41(M) ist in diesem Register bisher nirgends eigenständig geführt. „G 41” hat damit sogar drei mögliche Bezugspunkte, von denen zwei aus demselben Jahr stammen.
Konstruktion
Mechanisch ist das G41 ein HK33 und damit ein verkleinertes G3; die Baureihe im Überblick steht unter Die Rollenlinie. Zwei Rollen im leichten Verschlusskopf stützen sich an schrägen Widerlagern der Laufverlängerung ab; jeder Millimeter, den sie nach innen laufen, wirft den schweren Träger ein Vielfaches weiter nach hinten. Gesperrt wird nichts, gebremst wird über eine mechanische Übersetzung. Der Lauf steht fest. Einzelheiten des Prinzips stehen beim Sturmgewehr 45 und unter Verschlusssysteme.
Die Neuerungen sitzen sämtlich außen. Sie sind eine Antwort auf einen Beschluss und nicht auf ein mechanisches Problem: Im Oktober 1980 einigten sich die Rüstungsdirektoren der NATO darauf, auf 5,56 × 45 mm zu normen. Die Munition wurde als STANAG 4172 festgeschrieben. Für das Magazin lag ein Entwurf vor, STANAG 4179, der das 30-Schuss-Magazin des M16 zur Norm erheben sollte; er wurde nie ratifiziert, aber das Magazin setzte sich als tatsächlicher Standard trotzdem durch. Genau daran hatte das HK33 seit den 1960er Jahren gelitten, denn es verlangte ein hauseigenes Magazin.
Vier Änderungen gegenüber dem HK33 sind für die Bestimmung wie für die Bedienung erheblich:
- Magazinschacht. Das Griffstück wurde neu gestaltet, damit die Waffe aus dem NATO-Normmagazin des M16 zuführt. Das ist die eigentliche Daseinsberechtigung des Entwurfs.
- Verschlussfang. Nach dem letzten Schuss bleibt der Verschluss hinten stehen; freigegeben wird er über einen eigenen Hebel an der linken Gehäuseseite. G3 und HK33 haben das nicht.
- Ladehilfe. Ein Druckknopf rechts am Gehäuse schiebt den Verschluss von Hand vollständig zur Anlage. Er stammt aus dem Maschinengewehr HK21A1 und entspricht der Sache nach dem Vorbild am M16A1. Beim HK33 half man sich mit Riffelungen am Verschlussträger, die durch die Auswurföffnung greifbar sind.
- Staubschutzklappe. Eine federnde Kunststoffklappe schließt die Auswurföffnung. Auch das ist eine amerikanische Lösung.
Dazu kamen die NATO-Optikschiene nach STANAG 2324 anstelle der HK-Klauenmontage, ein klappbarer Tragegriff am Schwerpunkt, ein dünneres Gehäuseblech von 1,0 statt 1,2 mm, eine leichtere Verschlussbaugruppe mit neuem Auszieher und eine fünfgängig gewickelte Schließfeder. Die Kadenz stieg von rund 750 auf rund 850 Schuss/min.
Vorsicht bei der Normnummer. Beide Darstellungen, auf die sich dieser Eintrag stützt, nennen für die Optikschiene STANAG 2324. Unter dieser Nummer führt die NATO die amerikanische MIL-STD-1913, die sogenannte Picatinny-Schiene, und die stammt aus der Mitte der 1990er Jahre — mehr als ein Jahrzehnt nach der Markteinführung des G41. Eine Waffe von 1981 kann nicht nach dieser Norm gebaut worden sein; die Nummer ist hier übernommen, weil die Quellen sie führen, und nicht, weil sie zur Jahreszahl passt. Dieselbe englischsprachige Darstellung nennt an anderer Stelle für das Zielfernrohr eine hauseigene abnehmbare Halterung. Welche Schiene die Waffe tatsächlich trägt, ist damit nicht geklärt.
Zur Gattung. Das G41 verschießt 5,56 × 45 mm NATO. Nach der Patronensystematik dieses Registers ist das eine innere Mittelpatrone, und damit ist die Waffe ein Sturmgewehr. Sein Vorgänger G3 ist nach derselben Regel ein Selbstladegewehr, weil 7,62 × 51 mm NATO eine volle Gewehrpatrone ist; siehe Korrekturen. Vorgänger und geplanter Nachfolger stehen in diesem Register also in verschiedenen Gattungen — was den Vorgang genau trifft, denn es ging um nichts anderes als den Patronenwechsel.
Entwicklung
Die Arbeit begann 1977, als sich im Verlauf der NATO-Erprobungen abzeichnete, dass 5,56 × 45 mm kommen würde. 1979 waren die Grundzüge fertig, und Heckler & Koch gab achtzehn Stück zur Erprobung an das Heer der Bundesrepublik. Auf den Markt kam die Waffe 1981.
Sie war dabei nie das Hauptvorhaben des Hauses. Oberndorf arbeitete seit 1968 am G11, einem Gewehr für hülsenlose Munition; die ersten Prototypen wurden im Oktober 1971 vorgestellt, und seit 1976 flossen bis 1990 über 90 Millionen DM öffentlicher Mittel hinein. Vorgesehen war eine Arbeitsteilung: das G11 für die Fronteinheiten, das billigere G41 für die Truppen der zweiten Reihe. Beschafft werden sollten bis zu 20.000 G11 im Jahr und bis 2003 insgesamt 224.000 Stück.
Daraus wurde nichts. Das G11 erhielt 1990 zwar die Truppentauglichkeit, doch die Kosten der deutschen Einheit beendeten das Vorhaben; am 25. Juni 1993 sagte das Verteidigungsministerium endgültig ab. 1992 fasste das Heer die Forderung an einen G3-Nachfolger neu und verlangte nun eine marktverfügbare, leichtere Waffe. Heckler & Koch bot dafür nicht das G41 an, sondern setzte auf den Gasdrucklader HK50. Er setzte sich im Truppenversuch gegen das Steyr AUG durch; die Einführungsgenehmigung wurde am 8. Mai 1995 unterzeichnet, die Übergabe an das Heer erfolgte am 3. Dezember 1997 in Hammelburg unter der Bezeichnung G36.
Vorsicht bei den Gründen. Warum das G41 in keinem Verfahren gewann, ist nicht belegt. Die objektnahe Untersuchung, auf die sich dieser Eintrag stützt, sagt ausdrücklich, ihr habe kein einziger Erprobungsbericht der ablehnenden Staaten vorgelegen. Genannt werden in der Literatur drei Gründe, und sie stehen hier nebeneinander, weil keiner von ihnen aus einem Verfahren stammt: das Gewicht, der Preis und der Vorrang des G11-Programms. Der Gewichtsvorwurf ist der einzige, der sich unmittelbar nachrechnen lässt. Beim Preis widersprechen sich die Darstellungen sogar; siehe die vermerkten Schwächen. Der dritte Grund erklärt kein einzelnes Verfahren, sondern nur, warum das Haus nicht mehr Kraft in die Waffe steckte.
Fertigung
Als Fertigungszeitraum nennt die englische Wikipedia 1984 bis 1996. Damit klafft eine Lücke zur Markteinführung von 1981, die keine der eingesehenen Darstellungen erklärt; der Datensatz führt beide Jahre. Stückzahlen sind nicht zu ermitteln, weder für Oberndorf noch für die Lizenzausführung.
Luigi Franchi in Brescia legte 1988 eine Musterserie von G41, G41A2 und G41K für eine mögliche Lizenzfertigung auf und arbeitete sie für die italienische Heereserprobung um; die Fertigungsrechte gingen später ganz an das Haus über. Die italienische Ausführung hatte einen polygonalen Lauf mit vier Zügen und verchromter Bohrung. Polygonal war allerdings schon der Oberndorfer Lauf — kalt gehämmert, mit sechseckigem Profil —, der Unterschied liegt also im vierzügigen Profil und in der Verchromung und nicht im Verfahren. Den italienischen Auftrag gewann gleichwohl die Beretta AR70/90.
Varianten
| Ausführung | Schulterstütze | Drall | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| G41 | fest | 178 mm (1:7”) | für SS109 |
| G41A1 | fest | 305 mm (1:12”) | für M193 |
| G41A2 | ausziehbar | 178 mm | |
| G41A3 | ausziehbar | 305 mm | |
| G41K | ausziehbar | 178 mm; nach der objektnahen Darstellung beide Drallängen | Karabiner, Lauf 380 mm (15 Zoll) |
| G41TGS | mit angesetztem 40-mm-Granatwerfer HK79 anstelle des Handschutzes | ||
| LF G41 | Lizenzmuster Luigi Franchi, polygonaler Lauf mit vier Zügen |
Die Drallängen trennen die Ausführungen nach Munition und nicht nach Baujahr: 178 mm für das schwerere SS109-Geschoss der NATO-Norm, 305 mm für das ältere amerikanische M193.
Widerspruch bei der Granatwerferaufnahme. Die englischsprachige Darstellung hält fest, das G41K sei zu kurz, um den HK79 aufzunehmen oder Gewehrgranaten zu verschießen. Die objektnahe Darstellung schreibt das Gegenteil: Der HK79 lasse sich an allen Ausführungen des G41 anbringen, indem er den Kunststoff-Handschutz ersetzt. Am Stück wäre die Frage mit einem Blick auf Laufmündung und Handschutzsitz entschieden; hier ist sie offen.
Verwendung
Eine Truppeneinführung als Standardgewehr fand nirgends statt. Das Gewehr trat in mehreren Auswahlverfahren an und verlor: in Schweden gegen das FN FNC, in Italien gegen die Beretta AR70/90, 1986 in Irland gegen das Steyr AUG; Spanien entschied sich 1984 für das eigene CETME L. Geblieben sind kleine Stückzahlen bei Sondereinheiten in Dänemark, Argentinien, der Türkei, Spanien und Indien sowie eine britische Erprobung. Die Lizenzausführung kam bei den italienischen Kampfschwimmern zum Einsatz.
Für die Bestimmung
Die Reihenfolge ist wichtig, weil die drei Waffen einander äußerlich sehr ähneln. Zuerst wird das Kaliber geklärt, dann wird der Blick auf die rechte Gehäuseseite gerichtet.
Erster Schritt — G3 oder eine der beiden kleinen? Am Magazin und am Patronenlager. Das G3 trägt ein gerades Magazin für zwanzig Patronen in 7,62 × 51 mm, ist rund 1025 mm lang und deutlich massiger. HK33 und G41 sind kürzer und schlanker.
Zweiter Schritt — HK33 oder G41? An der Auswurföffnung, und das ist in einer Sekunde zu sehen:
| Merkmal | G3 | HK33 | G41 |
|---|---|---|---|
| Klappe über der Auswurföffnung | keine | keine | federnde Kunststoffklappe |
| Ladehilfe rechts am Gehäuse | keine | keine | Druckknopf |
| Verschlussfanghebel links | keiner | keiner (Ausnahme: Lizenzbau T223) | vorhanden |
| Magazin | HK, 7,62 mm | HK, 5,56 mm (spätere Baustände auch NATO) | NATO-Normmagazin (M16) |
| Optikaufnahme | Klauenmontage | Klauenmontage | Schiene nach NATO-Muster |
| Tragegriff | serienmäßig keiner | serienmäßig keiner | klappbar, am Schwerpunkt |
Drei Fallen. Erstens taugt der Drall nicht zur Unterscheidung: Auch spätere HK33-Läufe wurden auf 178 mm umgestellt, um SS109 zu stabilisieren. Zweitens ist das Magazin allein kein Beweis, und zwar aus zwei Richtungen. Schon spätere Baustände der HK33 selbst sind auf das NATO-Einheitsmagazin eingerichtet — so führt es der Eintrag zur HK33 —, und Lizenz- und Nachbauten, etwa die burmesischen Ausführungen, sind mit Adaptern beschrieben. Drittens ist auch der Verschlussfang kein sicheres Merkmal: Die amerikanische Lizenzausführung T223 von Harrington & Richardson aus den 1960er Jahren hatte einen Verschlussfang samt Freigabehebel im Abzugsbügel, den die HK33 selbst nicht kennt. Wer nach einem einzelnen Merkmal geht, muss die übrigen danebenlegen.
Gemeinsam bleibt allen dreien das Bild an der abgeschossenen Hülse: dunkle Längsstreifen aus den Druckausgleichsrillen des Patronenlagers. Sie weisen die Familie nach, nicht das Modell, und im Fall des G41 nicht einmal die Ausführung. Die kriminaltechnische Tabellierung der Nutbilder, die der Eintrag zum HK33 wiedergibt, führt für die gesamte 5,56-mm-Familie einschließlich G41 achtzehn Nuten gegenüber zwölf bei den 7,62-mm-Waffen. Die Hülse trennt also G3 von G41, aber nicht G41 von HK33. Dafür muss die Waffe selbst her.
Einordnung
Das G41 ist das letzte Infanteriegewehr, das Heckler & Koch auf den rollenverzögerten Verschluss gebaut hat. Damit markiert es das Ende einer Linie, die dieses Register über vier Stationen führt: die Rollenanordnung des MG 42 aus Döbeln, ihre Umdeutung von der Verriegelung zur bloßen Verzögerung beim StG 45(M) in Oberndorf, die Rückführung als G3 über Frankreich und Spanien und die Übertragung auf die Pistolenpatrone in der MP5.
Zwei Einschränkungen gehören unmittelbar daneben. Die erste betrifft den Beleg: Von HK33 an abwärts hängt die Linie an nachweisbaren Bauteilen — zweiteiliger Verschluss, Rollen, Schließstück, Widerlager, Nutbild —, für ihr erstes Glied aber nicht. Dass die Mauser-Abteilung das MG 42 vor sich hatte, ist überall zu lesen und in keiner eingesehenen Werksquelle und keinem Aktenvermerk festgehalten; es bleibt eine Bauartverwandtschaft und ist kein Übertragungsnachweis (siehe Die Rollenlinie). Die zweite betrifft das Ende: Es endet hier das Infanteriegewehr, nicht die Bauart. In der Maschinenpistole lief sie mit der MP5 weiter, im Präzisionsgewehr mit der PSG1 und deren militärischer Ableitung MSG90 von 1987 — beide jünger als das G41.
Aufschlussreich ist, woran das Ende hing — und das Folgende ist Bewertung und nicht Befund, denn ein Erprobungsbericht liegt für keine der Ablehnungen vor. Die Bauart wurde nicht widerlegt; sie funktionierte. Sie verlor an drei Größen, die mit dem Verschlussprinzip nur mittelbar zu tun haben: an Gewicht, an Fertigungsaufwand und an der Schnittstelle nach außen. Der ganze Aufwand des G41 bestand darin, eine funktionierende Mechanik an eine fremde Norm anzuschließen — Magazin, Optikschiene, Bedienteile. Als 1992 ein leichteres Gewehr verlangt wurde, bot das eigene Haus nicht diese Waffe an, sondern eine mit Gaskolben, Drehkopf und Kunststoffgehäuse. Die Entscheidung gegen die Rollenverzögerung fiel damit nicht in einem Vergleichsschießen, sondern in einer Konstruktionsabteilung.
Der Vergleich mit der Wieger StG-940 drängt sich auf und ist für dieses Register der eigentliche Ertrag des Eintrags. In denselben Jahren, für denselben Weltmarkt, versuchten Oberndorf und Wiesa dasselbe: eine eingeführte Mechanik auf die NATO-Munitionsnorm zu bringen und damit zu exportieren. Beide scheiterten, aber an ganz verschiedenen Dingen — die eine an Gewicht und Preis, die andere an der Auflösung des Staates, der sie baute. Wer aus dem Misserfolg der Wieger auf technische Rückständigkeit schließt, möge zur Kenntnis nehmen, dass es dem westdeutschen Marktführer mit derselben Aufgabe nicht besser erging.
Ein Zusatz mit Datum, weil solche Sätze sonst still altern: In der Bundeswehr wird das G36 seit Dezember 2025 durch das G95 abgelöst. Auch dieses arbeitet mit Gasdruck und Drehkopf. Die Rollenverzögerung ist im deutschen Infanteriegewehr damit seit über einem Vierteljahrhundert Geschichte; in der Maschinenpistole hält sie sich mit der MP5, im Präzisionsgewehr mit der PSG1.
Waffenrechtliches
Vollautomatische Waffe und damit Kriegswaffe nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Sie wird hier ausschließlich technik- und industriegeschichtlich dokumentiert und ist nicht sammelbar. Halbautomatische zivile Ableitungen der Rollenverschlussfamilie unterliegen einer eigenen rechtlichen Bewertung. Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft. Siehe Methodik.
Konstruktion
- Verschluss
- Rollenverzögerter Masseverschluss, nicht verriegelt; der Lauf steht fest. Zweiteiliger Verschluss aus leichtem Kopf mit zwei Rollen und schwerem Träger mit keilförmigem Schließstück; die Rollen stützen sich an schrägen Widerlagern der Laufverlängerung ab und übersetzen. Gegenüber dem HK33 ist die Verschlussbaugruppe leichter, die Geometrien sind überarbeitet und der Auszieher ist neu. Die Rückprallsicherung der Familie (federnde Klaue am Träger, die den Kopf beim Anlegen fasst) ist beibehalten. Patronenlager mit Druckausgleichsrillen.
- Ladeprinzip
- Rückstoßlader, verzögert, aufschießend. Kein Gaskolben, keine Gasentnahme, kein Laufrücklauf. Die Schließfeder ist fünfgängig um einen Kern gewickelt statt einfach gewunden; nach der Werbeschrift senkt das den empfundenen Rückstoß.
- Zuführung
- NATO-Normmagazin des M16 zu 30 Patronen — der auffälligste Bruch mit dem HK33, der ein hauseigenes Magazin verlangte. Dazu Verschlussfang nach dem letzten Schuss mit eigenem Fanghebel links, Ladehilfe (Druckknopf rechts, aus dem HK21A1 übernommen) und federnde Staubschutzklappe aus Kunststoff über der Auswurföffnung.
- Abzug
- Wechselbare Abzugsgruppe mit Hammerschloss; Stellungen sicher, Einzelfeuer, Dreierstoß und Dauerfeuer, mit Piktogrammen bezeichnet. Der Feuerwahlhebel ist beidseitig geführt.
- Sicherung
- Kombinierter Sicherungs- und Feuerwahlhebel, beidhändig bedienbar
- Visierung
- Drehtrommelvisier mit offener Kimme und drei Lochkimmen für 200 bis 400 m, Korn im Tunnel. Auf dem Gehäuse eine Optikschiene nach NATO-Muster (STANAG 2324) anstelle der bisherigen HK-Klauenmontage.
Maße und Leistung
- Länge
- G41 und G41A1 997 mm; G41A2/A3 985 mm mit ausgezogener, 800 mm mit eingeschobener Schulterstütze; G41K 930 mm beziehungsweise 740 mm
- Lauflänge
- 450 mm; G41K 380 mm (15 Zoll). Die objektnahe Darstellung nennt für das G41 abweichend 18,9 Zoll und damit rund 480 mm
- Gewicht
- widersprüchlich. 4,1 kg nennen die englische Wikipedia und Modern Firearms, 4,31 kg eine objektnahe Darstellung unter Berufung auf zusammengetragene Messdaten. Für G41A2/A3 werden 4,4 kg genannt, für das G41K 4,3 kg. Zum Vergleich: HK33A2 3,65 kg bei 60 mm kürzerem Lauf
- Magazin
- 30 Patronen, NATO-Normmagazin (M16)
- V₀
- mit SS109 rund 920 m/s, G41K rund 880 m/s; mit M193 rund 950 m/s, G41K rund 910 m/s
- Kadenz
- rund 850 Schuss/min gegenüber rund 750 beim HK33A2
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Ausgangslage — Verschluss vorn, Hammer gespannt
Der Verschlusskopf liegt am Patronenlager an, die Patrone ist zugeführt, der Hammer steht gespannt. Die Schließfeder drückt den Träger und mit ihm das keilförmige Schließstück zwischen die beiden Rollen, die dadurch nach außen an die schrägen Widerlager der Laufverlängerung gedrängt werden. Zwischen Kopf und Träger bleibt der Verschlussabstand: ein Einstellmaß, keine Toleranz.
- 2
Auslösen und Zündung
Der Abzug gibt den Hammer frei, dieser schlägt auf den Schlagbolzen im Verschlusskopf. Weil beim Auslösen keine große Masse nach vorn läuft, bleibt die Waffe im Augenblick der Schussabgabe ruhig. In der Stellung Dreierstoß begrenzt ein Zählwerk die Folge auf drei Schuss.
- 3
Kraftteilung an der Rolle
Der Gasdruck presst den Hülsenboden gegen den Stoßboden. Der Verschlusskopf kann nur zurück, wenn die Rollen aus den Widerlagern nach innen ausweichen. Weil das Widerlager schräg steht, zerlegt sich die Kraft an der Rolle in einen Anteil, der sich in der Laufverlängerung abstützt, und einen kleineren, der die Rolle gegen das Schließstück drückt. Nur der zweite arbeitet.
- 4
Die Verzögerung — Weg gegen Weg
Die Flanke des Schließstücks steht ihrerseits schräg. Jeder Millimeter, den eine Rolle nach innen läuft, wirft den Träger um ein Vielfaches nach hinten; für die 5,56-mm-Ausführungen dieser Familie wird rund 3:1 angegeben, gegenüber rund 4:1 beim G3. Diese Beschleunigungsarbeit ist die Bremse. Formschlüssig gesperrt ist zu keinem Zeitpunkt etwas. Weil Winkel und Massen auf einen Druckverlauf gerechnet sind, liefert der Hersteller Schließstücke abgestufter Masse und Schulterwinkel.
- 5
Auszug unter Restdruck
Ein Erstauszug wie beim Drehkopf fehlt der Bauart vollständig: Der Kopf dreht nicht, und er beginnt sich zu bewegen, solange noch Druck ansteht. Die aufgeweitete Hülse liegt an der Lagerwandung an, wenn der Auszieher zieht. Deshalb trägt das Patronenlager Längsrillen, durch die Gas außen an der Hülse entlangströmt und den Druck ausgleicht.
- 6
Auswurf, Spannen, Umkehr
Sind die Rollen ganz eingetaucht, laufen Kopf und Träger gemeinsam zurück. Der Auswerferhebel sitzt in der Abzugsgruppe; die Hülse verlässt die Waffe nach rechts, die Staubschutzklappe schlägt dabei auf. Der Träger spannt den Hammer und nimmt die Schließfeder auf.
- 7
Vorlauf, Zuführung, Rückprallsicherung
Die Schließfeder treibt vor, der Stoßboden nimmt die oberste Patrone aus dem NATO-Normmagazin, das Schließstück drückt die Rollen wieder nach außen. Eine federnde Klaue am Träger fasst beim Anlegen den Kopf und verhindert das Zurückprellen; sonst könnte im Dauerfeuer eine Zündung auf einen nicht angelegten Verschluss fallen.
- 8
Verschlussfang nach dem letzten Schuss
Ist das Magazin leer, hält der Verschlussfang den Verschluss hinten. Das ist der bedienungstechnisch größte Unterschied zum HK33 und zum G3, bei denen der Verschluss auch dann vorläuft und sich nur von Hand über den Spannhebel in seiner Rast halten lässt. Freigegeben wird er beim G41 über einen eigenen Fanghebel an der linken Gehäuseseite.
- 9
Ladehilfe statt Daumenriffelung
Gleitet der Spannhebel langsam nach vorn, statt zu schnappen, kommt der Verschluss wegen der einzudrückenden Rollen unter Umständen nicht ganz zur Anlage. Beim HK33 half man sich mit Riffelungen am Träger, die durch die Auswurföffnung greifbar sind; das G41 hat dafür einen Druckknopf rechts am Gehäuse nach Art des M16A1. Die Werbeschrift nennt das leises Durchladen; die objektnahe Darstellung bestreitet die Wirkung.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Ausgangslage: Der Lauf steht FEST. Der Verschluss ist zweiteilig — ein leichter Verschlusskopf vorn, ein schwerer Verschlussträger dahinter, dazwischen ein keilförmiges Steuerstück. Die Rollen liegen in Ausnehmungen des Laufhalters, sind aber nicht formschlüssig gesperrt.
- 2 Kraftteilung: Der Hülsenboden drückt den Verschlusskopf zurück. Die Rollen laufen auf schrägen Flächen und übertragen dabei den größten Teil der Kraft auf den schweren Träger — der muss sich ungefähr um den Faktor der Flächenneigung schneller bewegen als der Kopf. Der Kopf wird dadurch ausgebremst.
- 3 Öffnen: Sobald die Rollen aus den Ausnehmungen heraus sind, laufen Kopf und Träger gemeinsam zurück. Der Verschluss war nie verriegelt — er wurde nur so lange gebremst, bis der Druck gefallen war. Genau deshalb brauchen diese Waffen ein geriefeltes Patronenlager: Die Hülse löst sich unter Restdruck.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
Heckler & Koch HK33
Heckler & Koch GmbH · Deutschland (Oberndorf am Neckar) · 1968- System
- Rollenverzögerter Masseverschluss, 5,56 × 45 mm, hauseigenes Stangenmagazin
- Unterschied
- Dieselbe Bauart, dieselbe Patronenklasse, dreizehn Jahre früher — und der eigentliche Bezugspunkt des G41. Geändert wurden vier Dinge: der Magazinschacht auf das NATO-Normmagazin, der fehlende Verschlussfang, die fehlende Ladehilfe und die fehlende Staubschutzklappe. Dazu kamen dünneres Gehäuseblech (1,0 statt 1,2 mm), eine leichtere Verschlussbaugruppe, eine fünfgängige Schließfeder und die NATO-Optikschiene anstelle der Klauenmontage.
- Befund
- Das G41 ist kein neues System, sondern ein HK33 mit neuer Schnittstelle nach außen. Der Preis dafür war Gewicht: Trotz dünnerem Blech und leichterem Verschluss wiegt es mehr als der Vorgänger.
Heckler & Koch G3
Heckler & Koch GmbH · Deutschland (Oberndorf am Neckar) · 1959- System
- Rollenverzögerter Masseverschluss, 7,62 × 51 mm NATO
- Unterschied
- Die abzulösende Waffe und der Ursprung der ganzen Baureihe. Dasselbe Prinzip, aber die volle Gewehrpatrone und ein entsprechend größer ausgelegtes Verzögerungsverhältnis von rund 4:1 gegenüber rund 3:1. Für dieses Register liegen beide zudem in verschiedenen Gattungen: Das G3 verschießt eine Vollpatrone und ist Selbstladegewehr, das G41 eine innere Mittelpatrone und damit Sturmgewehr.
- Befund
- Der Gattungsunterschied zwischen Vorgänger und geplantem Nachfolger ist hier kein Formalismus. Er benennt genau den Schritt, um dessentwillen das G41 überhaupt gebaut wurde.
M16 / AR-15
Colt und Lizenznehmer · USA · 1963- System
- Gasdrucklader mit direkter Gasabnahme, Drehkopfverschluss, 5,56 × 45 mm NATO
- Unterschied
- Der Maßstab, an dem das G41 gemessen wurde, und zugleich der Lieferant seiner Schnittstellen: Magazin, Ladehilfe und Staubschutzklappe sind der Sache nach amerikanische Lösungen. Verschieden bleibt alles Innere — Gasabnahme gegen gar kein Gassystem, Verriegelung gegen bloße Verzögerung, Aluminiumgehäuse gegen Stahlblech.
- Befund
- Der Gewichtsvergleich entschied mehr als die Mechanik: rund 3,4 kg beim M16A2 gegen rund 4,1 bis 4,3 kg beim G41. Ein Sturmgewehr, das ein Kilo mehr wiegt als der Marktführer, muss dafür etwas bieten, und der rollenverzögerte Verschluss bot es nicht mehr.
Wieger StG-940
VEB Geräte- und Werkzeugbau Wiesa · DDR · 1986- System
- Gasdrucklader mit Langhubkolben, Drehkopfverschluss, 5,56 × 45 mm NATO
- Unterschied
- Dieselbe Patrone, derselbe Weltmarkt, dieselben Jahre — und beide Male ein bewährtes System, das auf die NATO-Munitionsnorm gebracht wurde: hier die Rollenverzögerung aus Oberndorf, dort das Kalaschnikow-System aus Wiesa. Die Wieger blieb beim hauseigenen gekrümmten Magazin, das G41 wechselte auf das M16-Magazin.
- Befund
- Ein selten sauberes Paar. Zwei Häuser aus beiden deutschen Staaten versuchten in denselben Jahren dasselbe, nämlich eine eingeführte Mechanik an eine fremde Patronennorm anzupassen und zu exportieren; beide scheiterten am Markt, das eine an Gewicht und Preis, das andere am Exportstopp von 1990.
Heckler & Koch G36
Heckler & Koch GmbH · Deutschland (Oberndorf am Neckar) · 1997 plausibel- System
- Indirekter Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss, Gehäuse aus faserverstärktem Kunststoff, 5,56 × 45 mm NATO
- Unterschied
- Die Waffe, die stattdessen kam, und der Bruch mit der Baureihe: kein Rollenverschluss mehr, sondern Gaskolben und Drehkopf, kein Stahlblech mehr, sondern Kunststoff mit Stahleinlagen. Gewicht je nach Ausführung 2,82 bis 3,63 kg gegenüber rund 4,1 bis 4,3 kg.
- Befund
- Hier endet die Linie, die dieses Register vom MG 42 über das StG 45(M) bis nach Oberndorf verfolgt — jedenfalls im Infanteriegewehr. In der Maschinenpistole lief sie mit der MP5 weiter, im Präzisionsgewehr mit PSG1 und MSG90.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
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Zu schwer für seine Klasse
Der in den meisten eingesehenen Darstellungen zuerst genannte Punkt — nicht in allen: Modern Firearms nennt an dieser Stelle den Preis. Trotz dünnerem Gehäuseblech und leichterer Verschlussbaugruppe wiegt das G41 mehr als das HK33A2 (3,65 kg), das dabei einen um 60 mm kürzeren Lauf hat. Gegenüber dem M16A2 (3,39 kg) und dem spanischen CETME L (3,72 kg), beides zeitgleiche Bewerber um dieselben Aufträge, ist der Rückstand deutlich. Die Angaben für das G41 selbst schwanken zwischen 4,1 und 4,31 kg; auch der untere Wert reicht für den Vergleich.
plausibel
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Fertigungsaufwand — und ein Widerspruch in den Quellen
Ein rollenverzögerter Verschluss verlangt eng tolerierte Rollen, Schließstücke und Widerlager; eine Übersichtsdarstellung nennt den Preis als eigentlichen Grund des Misserfolgs. Eine deutsche Darstellung führt das G41 dagegen ausdrücklich als die *preiswertere* Waffe, mit der die Truppen der zweiten Reihe hätten ausgerüstet werden sollen, während das G11 den Fronteinheiten vorbehalten war. Beide Aussagen lassen sich vereinbaren, wenn man den Bezugspunkt beachtet — preiswert gegenüber dem Hülsenlosgewehr, teuer gegenüber dem M16 —, aufgelöst ist der Widerspruch damit aber nicht.
ungeklärt
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Auszug unter Restdruck ohne Vorentspannung
Die Systemeigenschaft der ganzen Familie, hier unverändert vorhanden. Ohne Druckausgleichsrillen im Patronenlager klemmt die Hülse, der Auszieher reißt über den Rand, im Grenzfall trennt sich der Hülsenboden ab. Die Rillen beheben das und beanspruchen die Hülse sichtbar. Ein verharztes oder verschmutztes Rillenprofil hebt die Wirkung auf, und der Befund zeigt sich zuerst an der Hülse und nicht an der Waffe.
gesichert
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Der Verschlussabstand als Verschleißmaß
Die Bremswirkung hängt daran, wie weit die Rollen im angelegten Zustand vorstehen; gemessen wird das über den Spalt zwischen Verschlusskopf und Träger. Verschleiß an Rollen, Schließstück oder Widerlagern verkleinert ihn, die Waffe öffnet zu früh, und das Schadensbild wandert unmittelbar auf die Hülse. Bei jedem Stück dieser Familie ist das Maß vor allem anderen zu prüfen. Dass der Hersteller Schließstücke abgestufter Winkel liefert, ist die Kehrseite derselben Eigenschaft.
plausibel
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Das fremde Magazin als möglicher Zuverlässigkeitspunkt
Eine objektnahe Darstellung erwägt, dass der Wechsel vom eigens abgestimmten HK-Magazin auf das NATO-Normmagazin Störungen begünstigt haben könnte. Sie kennzeichnet das ausdrücklich als Vermutung, nicht als Befund; ein Erprobungsbericht, der das stützte, lag ihr nicht vor. Der Punkt steht hier, weil er ein Prüfauftrag ist und keine Feststellung.
ungeklärt
Verwendung
- Von keiner Armee als Standardgewehr eingeführt. 1979 gab Heckler & Koch 18 Stück zur Erprobung an das Heer der Bundesrepublik; eine Beschaffung folgte nicht
- Unterlegen in mehreren Auswahlverfahren: Schweden (Wahl fiel auf FN FNC), Italien (Beretta AR70/90), Irland 1986 (Steyr AUG); Spanien entschied sich 1984 für das eigene CETME L
- In kleinen Stückzahlen bei Sondereinheiten: Dänemark (Jægerkorpset und Frømandskorpset), Argentinien (Grupo de Operaciones Especiales), Türkei (Gendarmerie-Sondereinheiten), Spanien (UEI und GEO), Indien (Para-Kommandos); in Großbritannien in den 1980er Jahren eine kleine Zahl erprobt
- Die italienische Lizenzausführung LF G41 kam bei den Kampfschwimmern der COMSUBIN zum Einsatz
Quellen
- [Objektbefund] The Armourer's Bench — Heckler & Koch G41 , Untersuchung eines Sammlungsstücks mit Aufnahmen von G41 und HK33 im zerlegten Zustand; NATO-Beschluss vom Oktober 1980, STANAG 4172 (SS109) und Entwurf STANAG 4179 (M16-Magazin, nicht ratifiziert); Entwicklungsbeginn 1977, 18 Erprobungsstücke an das Heer 1979; Gehäuseblech 1,0 gegen 1,2 mm; Spannhebel und Ladehilfe aus dem HK21A1 (XM262), Ladehilfe auf der Bildunterschrift der rechten Waffenseite; Optikschiene STANAG 2324; Verschlussfang und Fanghebel links am Griffstück; klappbarer Tragegriff am Schwerpunkt; Gewicht 4,31 kg gegen 3,39 kg (M16A2), 3,72 kg (CETME L) und 3,13 kg (G36); Lauflänge 18,9 Zoll, G41K 15 Zoll und mit beiden Drallängen lieferbar; HK79 an allen Ausführungen anbringbar; Ablehnungen in Schweden (FNC), Italien (AR70/90, daneben die Franchi mod. 641), Spanien 1984 (CETME L) und Irland 1986 (Steyr AUG); britische Erprobung einer kleinen Zahl mit drei nachweisbaren Seriennummern; geplante Beschaffung von bis zu 20.000 G11 je Jahr und 224.000 Stück bis 2003; HK50 „seit Mitte der 1970er Jahre"; als Vermutung gekennzeichnet, der Wechsel auf das STANAG-Magazin könne Störungen begünstigt haben; ausdrücklicher Hinweis, dass keine Erprobungsberichte vorlagen Link
- [Online] Wikipedia (en) — Heckler & Koch G41 , Einführung 1981, Fertigung 1984–1996, Maße und Geschwindigkeiten, Lauf 450 mm und G41K 380 mm, Drallängen 178 und 305 mm, kalt gehämmerter Lauf mit sechseckigem Polygonprofil, Variantenreihe, Rückprallsicherung (federnde Klaue am Träger), Kunststoff-Staubschutzklappe, Auswerferhebel in der Abzugsgruppe, Schließstücke abgestufter Masse und Schulterwinkel, Magazinhalter links und Freigabetaste des Verschlussfangs darüber, Drehtrommelvisier mit V-Kimme und drei Lochkimmen 200 bis 400 m, Optikschiene STANAG 2324 und daneben eine hauseigene abnehmbare Zielfernrohrhalterung, G41K zu kurz für HK79 und Gewehrgranaten, LF G41 (Musterserie 1988 von G41, G41A2 und G41K, Umarbeitung für die italienische Heereserprobung, polygonaler Lauf mit vier Zügen und verchromter Bohrung, Verwendung bei der COMSUBIN), LF Mod. 641, Fertigungsrechte an Luigi Franchi, Nutzer nebst Einheiten (Argentinien Grupo de Operaciones Especiales der Luftwaffe, Dänemark Jægerkorpset und Frømandskorpset, Indien Para-Kommandos, Spanien UEI und GEO, Türkei Gendarmerie-Sondereinheiten); dort auch die hier nicht übernommene Angabe einer Ablehnung durch die Bundeswehr 1989 Link
- [Online] Modern Firearms — HK G41 assault rifle (Germany) , G41 als Ergänzung zum G11-Programm für Truppen der zweiten Linie; STANAG Magazine und Optikmontage, Ladehilfe nach Art des M16A1, integrierte Staubschutzklappe, klappbarer Tragegriff; Maße 450 mm / 4,1 kg / 997 mm; Misserfolg wegen des Preises Link
- [Online] The Firearm Blog — Heckler & Koch's Forgotten Rifle of the 80s — the G41 , Anlass NATO-Normung, Übernahmen vom M16A2 (Ladehilfe, Verschlussfang, Dreierstoß), fünfgängige Schließfeder, Gewicht 4,31 kg gegen 3,39 kg beim M16A2, Ablehnungen und Ablösung durch das G36 Link
- [Online] Wikipedia (en) — Heckler & Koch HK33 , Einführung 1968, hauseigene Magazine zu 20, 25, 30 und 40 Patronen; Lizenzausführung T223 von Harrington & Richardson mit Verschlussfang und Freigabehebel im Abzugsbügel, ausdrücklich als Merkmal, das die HK33 selbst nicht hat; burmesische Ausführungen MA-11 und MA-12 mit STANAG-Adaptermagazinen; Verzögerungsverhältnis 3:1 für 5,56 × 45 mm, HK33A2 mit 3,65 kg und 390 mm Lauf, 750 Schuss/min, Klauenmontage, spätere Umstellung auf 178 mm Drall; ausdrücklicher Hinweis, dass HK33 und seine Magazine keinen Verschlussfang haben Link
- [Online] Wikipedia (de) — HK G36 , G41 als preiswertere Waffe für die Truppen der zweiten Reihe neben dem G11; G11 mit Truppentauglichkeit 1990, endgültige Absage am 25. Juni 1993, über 90 Millionen DM seit 1976; Neufassung der Heeresforderung 1992, HK50, Truppenversuch gegen Steyr AUG, Einführungsgenehmigung 8. Mai 1995, Übergabe als G36 am 3. Dezember 1997 in Hammelburg; Gewicht 2,82–3,63 kg Link
- [Online] Wikipedia (en) — Gewehr 41 , G41(M) und G41(W) als zwei verschiedene Konstruktionen, Mündungsgasfänger nach System Bang, 6.673 Stück des G41(M), davon rund 1.700 als unbrauchbar zurückgegeben Link
- [Online] Wikipedia (de) — HK G11 , Entwicklungszeitraum 1968 bis 1990, erste Prototypen im Oktober 1971, seit 1976 über 90 Millionen DM Steuergelder, Truppentauglichkeit 1990, endgültige Absage am 25. Juni 1993 Link
- [Online] Wikipedia (en) — Picatinny rail , MIL-STD-1913 als Bestandteil der NATO-Norm STANAG 2324; Normungsarbeit und Typklassifizierung in der ersten Hälfte der 1990er Jahre — Grundlage des im Text vermerkten Zeitvorbehalts gegen die Nummer Link
- [Online] Wikipedia (de) — Rollenverschluss , Abgrenzung des beweglich abgestützten (verzögernden) vom vollständig verriegelten Stützrollenverschluss; Verschlussträgerabstand, Druckausgleichsrillen, Notwendigkeit der Rückprallsicherung Link
- [Online] Bundeswehr — Das Gewehr G95 ist das neue Standardgewehr der Bundeswehr , Auslieferung ab Dezember 2025, Ablösung des G36 Link
- [Online] Bundesministerium der Justiz — Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen, Anlage (Kriegswaffenliste) Link