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Technik · Fertigungsverfahren

Werkstoffe und Oberflächen

Stahl, Schicht und Politur — und warum die Oberfläche das Merkmal ist, das am leichtesten und am folgenreichsten erneuert wird

plausibel

Eine Waffe besteht aus Bauteilen, und Bauteile lassen sich zählen, messen und mit Stempeln belegen. Die Oberfläche ist etwas anderes: Sie lässt sich in einem Arbeitsgang vollständig ersetzen, ohne dass ein einziges Bauteil ersetzt wird — und der Eingriff kostet einen Nachmittag und keine Werkstatteinrichtung. Genau daraus folgen die beiden Sätze, die diesen Eintrag tragen.

Erstens: Eine originale Oberfläche ist eines der aussagekräftigsten Merkmale überhaupt. Sie trägt das Fertigungsverfahren, die Werkstattroutine des Fertigers, den Zeitpunkt der letzten Werksbehandlung und die gesamte Gebrauchsgeschichte des Stücks in einer einzigen Schicht von wenigen Mikrometern.

Zweitens: Eine nicht originale Oberfläche ist der gefährlichste Befund am Objekt. Sie vernichtet nicht nur sich selbst, sondern regelmäßig auch das Beweismaterial darunter — Stempel, Kanten, Werkzeugspuren, Korrosionsbild. Wer eine neu brünierte Waffe nicht als solche erkennt, datiert nicht ungenau, sondern falsch.

Dieser Eintrag ergänzt damit das Fertigungsverfahren als Datierungsmerkmal: Dort geht es darum, wie das Bauteil entstand, hier darum, was danach mit seiner Haut geschah.

Teil 1: Stähle und ihre Wärmebehandlung

Vier Verfahren, vier Wirkungen am Gefüge

Die Wärmebehandlung ist der Punkt, an dem aus einem Werkstoff ein Bauteil wird. Vier Verfahren decken praktisch den gesamten Waffenbau ab, und sie unterscheiden sich nicht graduell, sondern grundsätzlich: darin, wo im Querschnitt sie wirken.

VerfahrenAblaufWirktiefeWas am Gefüge geschiehtVerzug
VergütenHärten, dann Hochanlassen bei etwa 500 bis 700 °Cdurch den ganzen Querschnittspröder Martensit wird in zähes, feinkörniges Vergütungsgefüge umgewandeltmittel, vor der Endbearbeitung
EinsatzhärtenAufkohlen bei 880 bis 950 °C, Abschrecken, AnlassenRand, üblich einige Zehntel bis rund 1,5 mmdie aufgekohlte Randschicht wird martensitisch und hart, der kohlenstoffarme Kern (unter 0,25 Prozent C) bleibt zäherheblich — Abschrecken aus Austenitisierungstemperatur
Randschichthärten (induktiv, Flamme)nur der Rand wird austenitisiert und abgeschrecktRand, je nach Auslegung Zehntel bis MillimeterRandmartensit ohne Änderung der Zusammensetzung; setzt mindestens rund 0,3 Prozent Kohlenstoff voraus, beim Flammhärten üblich 0,4 bis 0,6 Prozentgering bis mittel, örtlich begrenzt
NitrierenStickstoffdiffusion bei 500 bis 520 °C, 1 bis 100 StundenVerbindungsschicht rund 10 bis 20 µm, darunter eine Diffusionszone von einigen ZehntelmillimeternEisennitride in ferritischer Grundmasse; kein Abschreckensehr gering — Bauteil kann fertigbearbeitet sein

Korrekturhinweis zur Verbindungsschicht. Die deutschsprachige Wikipedia gibt die Verbindungsschicht des Nitrierens mit „einige Zehntelmillimeter” an. Das ist die Größenordnung der Diffusionszone, nicht der Verbindungsschicht: Diese liegt nach der Verfahrensliteratur bei rund 5 bis 20 µm, beim Salzbadnitrocarburieren bei 10 bis 20 µm. Dieser Eintrag folgt der Verfahrensliteratur.

Der letzte Punkt ist der eigentliche Unterschied. Einsatzhärten heißt Abschrecken, Abschrecken heißt Verzug, Verzug heißt Nacharbeit an gehärteten Flächen — teuer und riskant. Nitrieren kommt ohne Phasenumwandlung im Kern aus, das Bauteil kann fertig geschliffen in den Ofen. Die deutsche Entwicklungslinie dazu ist gut datiert: Adolph Machlet ließ das Gasnitrieren in Ammoniak 1908 patentieren, Adolf Fry meldete 1921 seine Untersuchungen zur Wirkung des Stickstoffs auf Legierungselemente zum Patent an und entwickelte 1923 Nitrierhärteverfahren und Nitrierstahl. Das Plasmanitrieren geht auf Arbeiten von Wehnelt und Berghaus ab 1932 zurück und kam 1944/45 militärisch zur Anwendung.

Warum ein Verschlusskopf anders behandelt wird als ein Griffstück

Der Grund ist keine Werkstattgewohnheit, sondern der Lastfall. Eine Abschätzung an der Vollpatrone 7,92 × 57 mm — die Zahlen sind gerechnet, nicht nachgeschlagen, und als Größenordnung zu lesen:

Der Gasdruck wirkt auf den inneren Querschnitt des Hülsenbodens. Der Patronenboden misst außen 11,95 mm; setzt man als obere Schranke rund 11 mm inneren Durchmesser an, sind das etwa 95 mm². Die tatsächliche lichte Weite über dem Hülsenboden liegt darunter, die Rechnung fällt also eher zu groß aus. Als Druck ist der Höchstgebrauchsgasdruck der C.I.P. für 8 × 57 IS einzusetzen: 3.900 bar, also 390 N/mm². Daraus folgt ein Verschlussschub in der Größenordnung von 37 kN, knapp vier Tonnen. Diese Kraft trägt beim System Mauser 98 nicht der Verschluss als Ganzes, sondern die tragende Fläche zweier Verriegelungswarzen. Nimmt man je Warze 40 mm² an, ergibt das eine Flächenpressung um 460 N/mm² — und weil sich beim Verriegeln fertigungsbedingt nie beide Warzen gleichmäßig anlegen, trägt die erste eine Zeit lang allein, also das Doppelte.

Messsystem beachten. Die 3.900 bar sind ein Piezowert nach heutiger C.I.P.-Messung. Die Gasdruckangaben der deutschen Fertigung dieses Zeitraums stammen aus der Messung mit dem Kupferstauchzylinder und sind mit Piezowerten nicht vergleichbar und nicht ineinander umrechenbar; Stauchwerte fallen regelmäßig niedriger aus. Wer historische und heutige Druckangaben nebeneinanderstellt, muss das Messverfahren mitnennen. Für die Größenordnung dieser Abschätzung ist der Unterschied ohne Belang, für jede Zahlenangabe im Gutachten nicht.

Daraus folgt die Behandlung:

  • Verschlusskopf und Verriegelungsflächen: harte Randschicht gegen Flächenpressung und Verschleiß, zäher Kern gegen Schlag und Rissausbreitung — der klassische Fall des Einsatzhärtens. Ein durchgehärteter Verschluss wäre bei derselben Randhärte spröde und würde an der Warzenwurzel reißen.
  • Lauf: Vergütungsstahl, durchvergütet. Eine harte, spröde Randschicht im Rohrinneren wäre hier gerade falsch — sie ist rissempfindlich, und ein Riss in der Laufwand endet anders als ein Riss in einem Zahnrad.
  • Schlagbolzen: zäh vor hart. Ein zu hart vergüteter Schlagbolzen bricht an der Spitze oder am Bund; das ist ein wiederkehrendes Ausfallbild und ein Prüfpunkt am Objekt.
  • Griffstück, Verschlussgehäuse, Abzugsbügel, Magazingehäuse: tragen Führungs- und Schraubenkräfte, keine Verriegelungslast. Vergütet, einfach gehärtet oder — in der Massenfertigung — gar nicht wärmebehandeltes Blech.

Diese Staffelung erklärt zugleich einen Befund, der Anfänger irritiert. An einer Waffe treffen regelmäßig Bauteile mit sehr verschiedener Randhärte aufeinander, und dass sich der Verschlusskopf mit der Feile nicht anritzen lässt, das Magazingehäuse aber sehr wohl, ist kein Mangel, sondern die Konstruktion.

Werkstoffsubstitution im Krieg — und was sich davon belegen lässt

Die deutsche Rüstungsfertigung arbeitete mit importabhängigen Legierungselementen. Nickel, Chrom und Molybdän mussten eingeführt werden; Mangan und Silizium standen im Inland zur Verfügung. Wie wichtig Nickel war, zeigt die Lage im Norden: Im Gebiet um Petsamo wurden Erze zur Gewinnung von Kupfer, Nickel und Molybdän abgebaut, und das machte den Raum für die deutsche Kriegswirtschaft bedeutend genug, ihn bis Oktober 1944 zu halten. Die nach ihm benannte Petsamo-Kirkenes-Operation war allerdings eine sowjetische Offensive und kein deutsches Unternehmen — die Zahlen, die in Sammlerforen zum Petsamo-Anteil an der deutschen Nickelversorgung kursieren, sind hier nicht übernommen.

Der naheliegende Schluss lautet: Wo Nickel knapp wird, treten manganlegierte Sorten an seine Stelle. Mangan ist wie Nickel austenitstabilisierend und verbessert die Durchhärtbarkeit, es ist in dieser Rolle der klassische Sparwerkstoff. Für die deutsche Handfeuerwaffenfertigung ist das hier aber ausdrücklich nicht belegt. Eine Liste von Ersatzwerkstoffen mit Werkstoffnummern, ein Erlass, eine Werksvorschrift — nichts davon konnte für diesen Eintrag beigebracht werden, und der Satz „Manganstahl statt Nickelstahl” ist eine plausible Rekonstruktion der Zwangslage, keine Fertigungsangabe.

Belegen lassen sich dagegen vier Substitutionen im Umfeld dieses Registers:

SubstitutionWoBeleglage
Messing → Stahl bei der Patronenhülse, phosphatiert und lackiertMunitionsfertigung, 7,92 × 33 mmgut belegt, siehe dort
Kupfer → Sinterwerkstoff beim Geschoss-FührungsringArtilleriemunition, Forschung gegen KriegsendeVerlagsbeschreibung eines Fachwerks, Werk nicht eingesehen
Leichtmetall → Blech beim GriffstückMP 38 → MP 40im Registereintrag belegt
Aluminium → Kunstharzpressstoff bei der LaufauflageMP 40Sammlerdarstellung, ein Fertiger genannt (Presswerke AG, Essen)

Zum Zinkdruckguss. Er gilt als typischer Ersatzwerkstoff der Zeit, und die Legierungsgüte war in Deutschland von kurz vor bis kurz nach dem Krieg tatsächlich schlecht — daher die als Zinkpest bekannte interkristalline Korrosion, die betroffene Teile aufquellen und zerbröseln lässt. Ein konkretes Bauteil der deutschen Handfeuerwaffen-Serienfertigung dieser Jahre in Zinkdruckguss ließ sich für diesen Eintrag jedoch nicht nachweisen, und er wird deshalb nicht behauptet.

Für die Bestimmung ist Zinkdruckguss trotzdem wichtig, weil er sich in Sekunden erkennen lässt und weil er eine harte Aussage über die Oberfläche erlaubt:

  • unmagnetisch — anders als die ferritischen und martensitischen Stähle des Waffenbaus. (Der Magnettest schließt Stahl nicht restlos aus: austenitische Sorten sind ebenfalls unmagnetisch. Im Zeitraum dieses Registers kommen sie an tragenden Teilen nicht vor.)
  • Dichte rund 6,6 bis 6,8 g/cm³ bei den Zink-Aluminium-Druckgusslegierungen der Zamak-Reihe gegen 7,85 g/cm³ bei Stahl — spürbar leichter bei gleicher Form. (Reines Zink liegt bei 7,14 g/cm³; wer diesen Wert für Druckguss ansetzt, rechnet mit dem falschen Werkstoff.)
  • Bruchfläche grau und feinkörnig, nicht faserig,
  • nicht brünierbar. Das Brünierbad ist stark alkalisch; Zink und Aluminium sind amphoter und lösen sich darin auf. Ein schwarzes Zinkteil ist folglich lackiert, galvanisch beschichtet oder chemisch schwarz gefärbt — brüniert ist es nie.

Kunststoff schließlich hat in dieser Zeit die Griffpartie erobert, nicht die tragende Struktur: Bei der MP 40 bestehen Griffschalen und Handschutz aus Kunstharzpressstoff auf Phenolharzbasis, während Lauf, Verschluss und Gehäuse Stahl bleiben.

Teil 2: Die Oberflächenverfahren

Die erste Gabelung: drei Familien

Bevor man Verfahren benennt, ordnet man sie. Es gibt genau drei Familien, und sie sind unter der Lupe an ihrem geometrischen Verhalten zu unterscheiden — nicht an der Farbe.

FamilieBeispieleVerhalten an der Oberfläche
KonversionsschichtenBrünieren, Phosphatierenwachsen aus dem Grundwerkstoff; folgen der Oberfläche exakt; können nichts überbrücken, nichts füllen, nicht abplatzen
AuflagenVernickeln, Verchromen, Lack, PTFE-Schichtenliegen auf der Oberfläche; überbrücken Riefen und Narben; haben Kanten, Läufer und Absätze; können abplatzen
DiffusionsschichtenNitrieren, Nitrocarburierenverändern den Grundwerkstoff selbst; kein Auftrag, keine Grenzfläche zum Abplatzen

Diese Einteilung ist der erste Prüfschritt am Objekt und beantwortet mehr Fragen als jede Farbansprache. Eine Konversionsschicht kann eine Narbe nicht zudecken. Eine Auflage kann es.

Brünieren

Brünieren erzeugt eine schwarze Mischoxidschicht aus Eisen(II,III)-oxid — im Kern Magnetit, Fe₃O₄. Die Schicht ist dünn: Die typische Oxidationstiefe liegt bei ein bis zwei Mikrometern, und entsprechend ist der Korrosionsschutz von sich aus sehr gering. Er entsteht erst durch das Öl, das die Schicht hält. Wer eine brünierte Waffe entfettet und trocken lagert, hat sie schutzlos gemacht. Genormt ist das Verfahren in DIN 50938, die zwischen Ein-, Zwei- und Dreibadverfahren unterscheidet und die Nachbehandlung im Kurzzeichen mitführt.

Was die Schicht mit dem Maß macht — eine Rechnung

Magnetit entsteht aus dem Eisen des Bauteils. Das Volumenverhältnis von Oxid zu verbrauchtem Metall (Pilling-Bedworth-Verhältnis) beträgt für Fe₃O₄ auf Eisen rund 2,1. Daraus folgt: Von einer Schicht der Dicke t liegen etwa t/2,1, also knapp die Hälfte, unterhalb der alten Oberfläche; der Rest wächst nach außen. Für 1 µm Schicht werden also rund 0,5 µm Stahl verbraucht, und das Maß wächst um rund 0,5 µm je Fläche.

Das ist wenig genug, um an Passflächen bedeutungslos zu sein — an einem Durchmesser rund 1 µm, an einer Paarung rund 2 µm. Merken Sie sich diese Zahl. Bei der Phosphatierung fällt sie anders aus, und daraus folgt ein praktischer Unterschied.

Badbrünierung (Heißbrünierung, Schwarzoxidieren)

Das industrielle Verfahren: Eintauchen in eine siedende alkalische Lösung aus Natronlauge mit Nitrat- und Nitritzusatz, klassisch bei 140 bis 145 °C, bei neueren Ansätzen ab 93 bis 115 °C. Die Behandlung dauert Minuten, nicht Tage.

  • Aussehen: tiefschwarz bis blauschwarz, mit dem Glanz der darunterliegenden Politur. Die Schicht ist so dünn, dass sie den Untergrund unverändert durchscheinen lässt: Ein hochglanz polierter Untergrund gibt Hochglanzbrünierung, ein feingeschliffener eine matte. Der Glanz kommt aus der Vorbereitung, nicht aus dem Bad.
  • Griff: glatt, geschlossen, leicht seifig unter dem Ölfilm.
  • Farbstreuung: Legierung und Kohlenstoffgehalt beeinflussen den Ton. Dass an einem originalen Stück Lauf, Gehäuse, Kleinteile und Schrauben leicht verschiedene Schwarztöne zeigen, ist der Normalfall — und ein wichtiges Gegenargument gegen die verbreitete Annahme, ein einheitlicher Ton spreche für Originalität.
  • Grenze: Das Bad greift Weichlot, Zink und Aluminium an. Die Badtemperatur liegt mit 140 °C zwar unter dem Schmelzpunkt eutektischen Weichlots (Sn63Pb37 schmilzt bei 183 °C) — der Angriff ist also kein thermischer, sondern ein chemischer: Zinn und Blei sind amphoter und gehen in starker Lauge in Lösung.

Rostbrünierung (Langsambrünierung) und Streichbrünierung

Das ältere und für den Waffenbau wichtigere Verfahren. Der Ablauf ist ein Zyklus, der mehrfach wiederholt wird:

  1. Entfetten — restlos; jeder Fingerabdruck bleibt als Fehlstelle sichtbar.
  2. Beschichtungslösung auftragen, klassisch säurehaltig, mit Wattebausch oder Pinsel (daher Streichbrünierung).
  3. Anrosten lassen im feuchtwarmen Schrank — es entsteht zunächst roter Rost, also Eisen(III)-oxidhydrat.
  4. Auskochen in destilliertem Wasser. Der rote Rost wird dabei in schwarzes Fe₃O₄ umgewandelt. Dieser Schritt ist der eigentliche Kern des Verfahrens.
  5. Abkarden — der lose, pulvrige Anteil wird mit feiner Drahtbürste abgenommen, die feste Schicht bleibt stehen.
  6. Wiederholen, üblich in der Größenordnung von fünf bis zehn Durchgängen über mehrere Tage.
  • Aussehen: tiefer, satter, matter als die Badbrünierung, mit einer feinen, gleichmäßigen Körnung aus dem wiederholten Anrosten und Abkarden. Sie glänzt nicht wie ein Bad, sie schimmert.
  • Haltbarkeit: dicker und dichter als die Badschicht, weil sie in mehreren Lagen aufgebaut wird — das ist der Grund, warum die Rostbrünierung im hochwertigen Jagdwaffenbau nie verschwunden ist.
  • Und der eigentliche Punkt für dieses Register: Ein weichgelötetes Laufbündel gehört nicht ins Brünierbad, weil das Zinn-Blei-Lot in der heißen Natronlauge angegriffen wird. Doppelflinten, Drillinge, Büchsflinten — also genau das Erzeugnis, für das Suhl steht — sind deshalb im Regelfall auf Rost- oder Streichbrünierung verwiesen. Zwei Einschränkungen gehören dazu, sonst wird aus der Regel ein Fehlurteil: Erstens werden Haken und tragende Verbindungen üblicherweise hartgelötet (Silberlot), und Hartlot wird vom Bad nicht angegriffen — verwundbar sind die weichgelöteten Schienen und Zwischenstücke. Zweitens berichten Büchsenmacher, dass sich ein einwandfrei gelötetes Bündel bei kurzer Tauchzeit durchaus badbrünieren lässt. Eine glasige Badbrünierung auf dem Bündel eines Suhler Drillings ist also kein Beweis für einen Fehler, wohl aber ein Anlass, die Schienenlötung auf offene Fugen und Lotausblühungen durchzusehen. Das ist ein Prüfpunkt, der eine Minute kostet.

Begriffswarnung. Das Wort Schnellbrünierung bezeichnet im Handel zwei verschiedene Dinge: einerseits das beschleunigte Streichverfahren am erwärmten Werkstück, andererseits — und heute überwiegend — die kalt aufzutragenden Selenpräparate aus der Flasche. Wer im Gutachten „Schnellbrünierung” schreibt, ohne zu sagen welche, hat nichts gesagt. Dasselbe gilt für die Gleichsetzung von „matter Brünierung” mit Phosphatierung: Eine matte Brünierung ist eine Brünierung auf mattem Untergrund, keine Phosphatschicht.

Kaltbrünierung (Selenpräparate)

Chemisch ein anderes Verfahren mit ähnlichem Ergebnis: Kupfersalze und selenige Säure schlagen bei Raumtemperatur einen dunklen Belag nieder. Es entsteht kein Eisenoxid, sondern im Wesentlichen ein Kupfer-Selen-Niederschlag.

Erkennung unter der Lupe und am schiefen Licht:

  • kupferig-brauner Stich im Streiflicht, besonders auf sonst schwarzem Umfeld,
  • liegt auf der Oberfläche statt aus ihr zu wachsen: Sie wischt sich mit Lösungsmittel und Tuch teilweise ab — unter den hier behandelten Brünierarten die einzige, bei der das gelingt,
  • deckt fleckig, weil sie ungleichmäßig aufzieht,
  • Korrosionsschutz praktisch null.

Sie ist das mit Abstand häufigste Retuschemittel: Ein Stück mit frischem Schwarz exakt auf den Verschleißkanten und ehrlichem Blank an anderer Stelle ist kaltbrüniert nachgeholfen worden.

Anlassbrünierung (Feuerbrünierung, Nitre Blue)

Kein chemisches Bad, sondern reine Wärme: Ein blank poliertes Teil wird in heißem Sand, Salzschmelze oder auf der Platte auf Temperatur gebracht und im Augenblick der gewünschten Anlassfarbe abgezogen. Die Farbe ist eine Interferenzfarbe an einer wenige Nanometer bis Zehntel-Mikrometer dicken Oxidhaut. Richtwerte für Stahl:

TemperaturAnlassfarbe
rund 220 °Cstrohgelb
rund 250 °Cbraunrot
rund 280 °Cviolett
rund 290 bis 320 °Ckornblumen- bis hellblau
ab rund 340 °Cgraublau, darüber grau

Verwendet für Schrauben, Sicherungshebel, Abzüge, Kleinteile hochwertiger Waffen. Erkennung: Die Farbe ist durchsichtig, das Politurbild liegt unverändert darunter, und ein Kratzer zeigt sofort blanken Stahl — es gibt keine Schicht, in der er stecken bleiben könnte.

Derselbe Befund als Schaden. Anlassfarben entstehen auch ungewollt: an Schweißstellen, nach Brand, nach zu heißem Schleifen. Ein gelb-violett-blauer Farbverlauf neben einer Reparaturstelle ist keine Verzierung, sondern der Nachweis, dass der Grundwerkstoff dort in den Anlassbereich gekommen ist — bei einem gehärteten Bauteil also örtlich weichgeglüht wurde. Das gehört in jeden Befund, weil es die Tragfähigkeit betrifft und nicht die Erhaltung.

Phosphatieren

Das Werkstück kommt in eine verdünnte Lösung aus Phosphorsäure und primärem Metallphosphat. Die Säure greift das Eisen an, dadurch steigt der pH-Wert unmittelbar an der Oberfläche, und das schwerlösliche tertiäre Phosphat fällt als kristalline, poröse Schicht aus. Drei Varianten sind zu unterscheiden:

VarianteBadtemperaturAussehenSchichtdickeRolle
EisenphosphatierungRaumtemperaturunauffälligeinige hundert Nanometerreiner Lackhaftgrund, kein Waffenüberzug
Zinkphosphatierung (Parkerisieren)50 bis 85 °Chell- bis mittelgrau, matt, feinkristallindünn eingestellt rund 1 bis 3 µm, in der Standardausführung ebenfalls bis 8 µmKorrosionsschutz, Umformhilfe, Lackgrund
Manganphosphatierung90 bis 95 °Cdunkelgrau bis schwarz, seidig-matt, gröber kristallinrund 3 bis 8 µmVerschleißschutz hochbelasteter Gleitpartner — und die Waffenschicht

Vorsicht mit der Schichtdicke als Unterscheidungsmerkmal. Es ist verbreitet, Zinkphosphat als die dünne und Manganphosphat als die dicke Schicht gegeneinanderzustellen. Die Bäder überlappen: Auch Zinkphosphat wird in der Standardeinstellung mit 3 bis 8 µm abgeschieden. Zuverlässig trennen Farbe und Korngröße, nicht die Dicke.

Im Büchsenmacherbereich wird ein Schichtgewicht von 5 bis 10 g/m² genannt — die dafür angeführte Fundstelle war bei der Prüfung dieses Eintrags nicht abrufbar (HTTP 403) und ist insoweit ungeprüft. Gegenprobe: Bei einer Schichtdichte in der Größenordnung von 3 g/cm³ entspricht das rund 1,7 bis 3,3 µm — die Angabe passt zur Größenordnung der Schichtdickenangaben, und die tatsächliche geometrische Dicke liegt wegen der Porosität darüber.

Die Porosität ist der Punkt, nicht ein Nebeneffekt. Eine Phosphatschicht ist ein kristallines Vlies, das Öl aufnimmt und hält. Phosphatierung allein schützt mäßig; Phosphatierung plus Öl schützt gut. Für die Beurteilung folgt daraus ein häufig falsch gelesener Befund: Eine trocken-kreidig wirkende, hellgraue Phosphatoberfläche ist eine konservierte Waffe, der das Öl ausgegangen ist — nicht eine „verblasste” Oberfläche und kein Hinweis auf Nachbehandlung.

Die Handelsnamen — und warum sie datierungsrelevant sind

Dasselbe Verfahren läuft unter mehreren Namen, und die Namen tragen Firmengeschichte:

NameHerkunft
ParkerisierenParker Rust-Proof, Detroit; die Grundlagenarbeiten gehen auf Coslett und andere zurück
Bondern / BonderisierenMetallgesellschaft AG, Frankfurt am Main, die 1931 die Arbeiten der Deutschen Parker Rost-Schutz-Gesellschaft in Berlin übernahm
AtramentierenHandelsname für ein Phosphatierverfahren, im Schrifttum der I.G. Farbenindustrie zugeordnet

Daraus folgt die wichtigste Einschränkung des ganzen nächsten Abschnitts: Phosphatierung war in Deutschland spätestens ab den frühen 1930er Jahren industriell verfügbar — die Berliner Parker-Gesellschaft, deren Arbeiten die Metallgesellschaft 1931 übernahm, bestand ja bereits vorher. Phosphatierung ist also nicht per se ein Spätkriegsmerkmal. Wer aus einer Phosphatschicht auf „1945” schließt, schließt zu schnell.

Zur Quellenlage dieses Absatzes. Die Firmengeschichte um 1931 stammt aus der Unternehmensüberlieferung der Nachfolgegesellschaft und aus der Fachliteratur zur Phosphatierung, nicht aus dem Wikipedia-Artikel „Bondern” — der trägt sie nicht. Die Zuordnung des Namens „Atramentieren” zur I.G. Farbenindustrie ist im Schrifttum geläufig, für diesen Eintrag aber an keiner Werksquelle geprüft. Belegt ist damit die Größenordnung der Datierung (industriell etabliert in den 1930er Jahren), nicht das Jahr.

Phosphat gegen Brünierung unter der Lupe

Das ist die Unterscheidung, auf die es in der Praxis am häufigsten ankommt:

MerkmalBrünierungPhosphatierung
Struktur bei 10-facher Vergrößerunggeschlossener, spiegelnder Film; die Schleif- oder Polierriefen des Untergrunds sind durch die Schicht zu sehenmattes, kristallines Vlies; das Licht wird gestreut, im Streiflicht wie feiner Reif
Farbeschwarz bis blauschwarz, warmgrau bis grauschwarz, kalt; Zinkphosphat heller und feiner, Manganphosphat dunkler und gröber
Glanzfolgt der Vorbereitung, kann hochglänzend seinnie glänzend — die Kristallstruktur lässt keinen Spiegel zu
Griffglatt, seifigtrocken, minimal kreidig-rau
Ölaufnahmenimmt kaum auf, Öl liegt obensaugt sichtbar auf, dunkelt beim Ölen deutlich nach
Schichtdicke1 bis 2 µm1 bis 8 µm je nach Variante

Die Ölprobe ist dabei die zuverlässigste Feldmethode: Eine phosphatierte Fläche dunkelt beim Ölen erkennbar nach und hellt beim Abtrocknen wieder auf; eine brünierte tut das nicht.

Ein Maß, das man mitrechnen muss

Bei der Brünierung kam heraus: rund 2 µm Spielverlust an einer Paarung — bedeutungslos. Bei der Manganphosphatierung sieht es anders aus. Nimmt man eine Schicht von 3 µm und wie oben an, dass etwa die Hälfte nach außen wächst, ergibt sich je Fläche rund 1,5 µm Maßzuwachs, je Durchmesser rund 3 µm und für eine Paarung aus Bohrung und Welle rund 6 µm Spielverlust.

Zum Vergleich eine enge Gleitpassung H7/g6 bei 10 mm Nenndurchmesser: Bohrung 0 bis +15 µm, Welle −5 bis −14 µm, Mindestspiel also 5 µm. Die Phosphatschicht auf beiden Partnern frisst dieses Mindestspiel vollständig auf.

Zwei Folgerungen, beide als eigene Ableitung gekennzeichnet:

  1. Eine Fertigung, die phosphatiert, muss das an Passflächen entweder durch Abdecken oder durch Zugabe berücksichtigen. Welche Bauteile in der Serie phosphatiert wurden und welche nicht, ist deshalb keine Geschmacksfrage gewesen.
  2. Eine nachträglich phosphatierte Waffe kann klemmen — und zwar nicht, weil sie „streng” ist, sondern weil an einer Stelle Schicht sitzt, an der die Fertigung keine vorgesehen hatte. Schwergängigkeit nach Neubehandlung ist ein Befund, kein Einlaufverhalten.

Vernickeln und Verchromen

Beides sind Auflagen, keine Konversionsschichten: metallisch abgeschieden, bei dekorativer Vernickelung in der Größenordnung von 10 bis 50 µm, bei Hartchrom je nach Zweck von 20 µm aufwärts. Das ist eine Zehnerpotenz mehr als jede Konversionsschicht — und der Grund, warum sie sich anders verhält.

  • Nickel ist warm-weiß mit gelblichem Stich, Hartchrom kühl-weiß mit bläulichem Stich und deutlich härter.
  • Weil es eine Auflage ist, überbrückt sie: Kleine Narben werden zugedeckt statt nachgezeichnet, die Böden von Stempeln füllen sich, Kanten werden weich. Genau umgekehrt zur Brünierung.
  • Typische Fehlerbilder: Orangenhaut über schlecht vorbereitetem Untergrund, Absätze und Abplatzer an Kanten, Unterrostung, die den Belag blasenförmig anhebt.

Für den Zeitraum dieses Registers: Blanke Vernickelung war eine Handels-, Export- und Luxusausführung — der Eintrag Liliput führt sie ausdrücklich neben Vergoldung —, keine militärische Ausführung der deutschen Streitkräfte. Daraus folgt eine harte Regel: Vernickelung auf einer Dienstwaffe dieses Registers ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nachträglich — und sie hat die Abnahme- und Beschusszeichen darunter regelmäßig mit verschliffen.

Hartverchromung im Laufinneren ist dagegen ein Fertigungsmerkmal. Sie ist in der Kalaschnikow-Linie durchgängig — für dieses Register also an MPi K und MPi KM — und deshalb dort ein Erwartungswert. Ein Herkunftsindiz ist sie nicht. Verchromte Laufbohrungen gab es in der deutschen Fertigung des Zweiten Weltkriegs bereits: Die späten Bauserien des MG 42 führten hartverchromte Läufe, was die Standzeit von rund 3.500 bis 4.000 auf rund 8.000 Schuss anhob; auch westliche Nachkriegsordonnanzen führen verchromte Läufe. Wer aus einer verchromten Bohrung auf östliche Herkunft schließt, schließt falsch; die Bohrung sagt etwas über den Verwendungszweck (Dauerfeuer, korrosive Zündsätze, Reinigungsaufwand), nicht über den Fertigungsraum. Der Nutzen liegt in der Reinigungsfreundlichkeit und im Schutz gegen die Rückstände korrosiver Zündsätze — zu denen die Munitionsfertigung das Nötige sagt. Das Schadensbild ist charakteristisch und wird häufig falsch angesprochen: Chrom rostet nicht, aber wo die Schicht rissig oder durchgescheuert ist, unterwandert die Korrosion sie, und der Belag löst sich flächig mit scharfen Rändern ab. Ein spiegelblanker Lauf mit scharfkantigen Fehlstellen ist kein Narbenlauf im üblichen Sinn. Zur Bohrung selbst und zu den Folgen für die Zustandsbeurteilung siehe Läufe und Züge.

Spätere Beschichtungen

  • Salzbadnitrocarburieren (Tenifer, QPQ und verwandte Verfahren): rund 580 °C, Behandlungsdauer 60 bis 120 Minuten, üblich etwa 90. Die Härte der Verbindungsschicht hängt am Werkstoff und wird häufig zu pauschal angegeben: bei unlegierten Stählen rund 450 HV, bei Einsatzstählen 600 bis 800 HV, über 1.000 HV nur bei Nitrier- und hochlegierten Werkzeugstählen (gemessen bis etwa 1.150 HV). Die Nachoxidation der Q- und QPQ-Stufe füllt die Poren der Verbindungsschicht mit Fe₃O₄ — chemisch also mit demselben Magnetit, der auch die Brünierung ausmacht, nur auf nitriertem statt auf weichem Stahl. Erkennung: Als Diffusionsschicht kann die Nitrierschicht nicht abplatzen. Verschleiß zeigt sich als blankgeriebene, silbrige Politur, nie als Abblättern.

    Was hier gerade nicht folgt. Es liegt nahe, daraus die Pointe zu machen, das Schwarz einer modernen Dienstpistole wie der Glock 17 sei „derselbe Magnetit wie die Brünierung des 19. Jahrhunderts”. Das trägt nicht. Erstens ergibt die Tenifer-Behandlung für sich eine matte, graue Oberfläche; das sichtbare Schwarz stammt bei diesen Waffen aus einer zusätzlich aufgebrachten Deckschicht (im Schrifttum als schwarze Phosphatierung oder Schwarzoxidschicht beschrieben) und ist damit gerade keine reine Diffusionsschicht. Zweitens hat der Hersteller das Verfahren mehrfach gewechselt — vom Salzbad zum Gasnitrieren und zuletzt zu einer nDLC-Deckschicht. Für dieses Register heißt das: Am Erscheinungsbild einer modernen Pistole lässt sich nicht ablesen, welches Randschichtverfahren darunter liegt. Eine Aussage darüber ist nur aus Herstellerangaben zur jeweiligen Fertigungsserie zu gewinnen, und die sind hier nicht ausgewertet.

  • Organische Beschichtungen — PTFE-haltige Gleitlacke, keramisch gefüllte Lacke —, Richtwert in der Größenordnung von 15 bis 50 µm. Sie sind Auflagen im ausgeprägtesten Sinn: Sie überbrücken Riefen, runden Kanten optisch ab, laufen in Bohrungen zusammen und decken alles zu, was darunter liegt. Für den Sachverständigen ist eine modern beschichtete Altwaffe eine Blackbox — die Beschichtung verbirgt genau das Material, auf das es ankommt.

Teil 3: Der Datierungswert

Was eine Oberfläche datiert — und was nicht

AussageTrägt die Oberfläche?
Zeitpunkt der letzten Oberflächenbehandlungja, wenn sie original ist — sonst gar nichts
Fertigungszeitraum der Waffenur mittelbar und nur im Bündel mit anderen Merkmalen
Fertigernur schwach; Verfahren waren zugekauft und wanderten mit Zulieferern
Truppenzugehörigkeit, Verwendungnein
Gebrauchsgeschichteja, und zwar besser als jedes andere Merkmal — solange nichts erneuert wurde

Die deutsche Kriegsfertigung: die ehrliche Fassung

Die geläufige Erzählung lautet: Am Anfang steht aufwendige Brünierung, am Ende steht Phosphatierung, und dazwischen liegt ein Datum. Diese Erzählung ist in ihrer Richtung richtig und in ihrer Schärfe falsch. Fünf Punkte:

1. Phosphatierung ist kein Spätkriegsverfahren. Sie war in Deutschland spätestens seit den frühen 1930er Jahren industriell etabliert — die Metallgesellschaft übernahm 1931 die Berliner Parker-Gesellschaft und vermarktete das Verfahren als „Bonder”. Ihr Erscheinen an einem Bauteil beweist für sich genommen nichts.

2. Die Pistole 38 zeigt eine Richtung, kein Datum. Belegt ist die Abfolge: „Die Oberflächen der Waffen erhielten kein Hochglanzbrünierung mehr, sondern eine matte Brünierung, auch waren Bearbeitungsspuren zu sehen.” Und: „Am Ende des Krieges wurden die Waffen auch phosphatiert.” Ein Monat wird nicht genannt. Bemerkenswert ist der Nachsatz derselben Quelle — „Die Qualität litt darunter aber nicht” —, weil er dem naheliegenden Fehlschluss widerspricht: Phosphatierung ist kein Qualitätsverfall, sondern ein Verfahrenswechsel. Die Vereinfachung steckt in der Vorbereitung, nicht in der Schicht.

3. Für den Karabiner 98k existiert die schärfste Angabe — und sie ist die schwächste Quelle. In der Sammlerforschung kursiert, Phosphatierung sei für Hauptbauteile erst im November 1944 freigegeben worden, erste phosphatierte Teile bei byf im Dezember 1944, bei svw im Februar 1945. Diese Angabe ist für diesen Eintrag nicht im Original nachgelesen worden. Sie steht hier als Rechercheanhalt und ausdrücklich nicht als Beleg. Wer sie zitiert, zitiert ein Sammlerforum.

4. Gemischte Oberflächen an einem Stück sind für 1944/45 die Regel. Blanke, brünierte, phosphatierte und „plum”-farbene Teile nebeneinander entsprechen der Zulieferstruktur der Spätfertigung: Baugruppen kamen aus verschiedenen Betrieben, die zu verschiedenen Zeitpunkten umstellten. Daraus folgt dieselbe Warnung, die dieses Register schon für die MPi KM ausspricht: Uneinheitliche Merkmale an einem Stück sind kein Indiz für nachträglichen Teiletausch. Bei der Oberfläche gilt das mit umgekehrtem Vorzeichen besonders scharf — hier ist Einheitlichkeit der verdächtige Befund.

5. Für die meisten Waffen dieses Registers gibt es überhaupt kein Datum. Weder für die Suhler und Zella-Mehliser Fertigung im Einzelnen noch für die DDR-Fertigung liegt diesem Register eine belegte Oberflächenchronologie vor.

Die zitierfähige Formulierung. Nicht „phosphatiert, also 1944/45”, sondern: „Oberfläche phosphatiert; für dieses Modell in der Spätfertigung belegt, eine Feindatierung ist daraus nicht abzuleiten.” Der Unterschied ist der zwischen einem Befund und einer Behauptung.

Das Spätkriegsbündel

Kein Einzelmerkmal datiert. Das Bündel tut es. Beim Karabiner 98k ist es für das Kriegsmodell am schärfsten ausgeprägt, dessen Einführung im Spätjahr 1944 begann. Ein Vorbehalt gehört dazu: Die Vereinfachungen kamen nicht als geschlossenes Paket und nicht bei allen Fertigern zugleich. Stücke, die sämtliche Merkmale tragen („volles Kriegsmodell”), sind der Sammlerforschung zufolge nur von wenigen Werken bekannt; die Mehrzahl der späten Karabiner zeigt Mischbilder. Das Bündel grenzt also einen Zeitraum ein, es beweist keine Baureihe:

Merkmalfrühe FertigungSpätfertigung
OberflächeHochglanz- bis matte Brünierungmatte Brünierung mit sichtbaren Bearbeitungsspuren, später Phosphatierung, oft gemischt
Vorbereitungpoliert oder feingeschliffengrob überschliffen, Dreh- und Fräsriefen stehen gelassen
BauteilegefrästBlechstanzteile bei Abzugsbügel, Bodenplatte, Oberring und Bandfeder
entfallene TeilevollständigBajonetthalter, Ladestock, Zerlegescheibe im Schaft, Verschlussführung (Führungsrippe der Kammer), Sicherungsschrauben der Bodenplatte
Bearbeitung im Detaildie beiden Gasabzugslöcher im Kammerkörper gefräst, ovalgebohrt, rund
Schaftgeschliffen und geöltrau, häufig ungeschliffen; Schichtholz
Beschriftungvollständig, sauber gestempeltreduziert, flacher, teils entfallen

Und die Regel dazu, die dieses Register schon an anderer Stelle führt: Grobe Bearbeitung ist nicht gleich schlechte Erhaltung. Bei Spätkriegsstücken sind raue Oberflächen, sichtbare Werkzeugspuren, reduzierte Beschriftung und entfallene Ausstattungsdetails original. Wer sie für Abnutzung oder Nachbearbeitung hält, datiert falsch — und wer sie umgekehrt wegpoliert, zerstört den Datierungsbefund.

Diese Vereinfachungen stehen in einem Zusammenhang, den dieses Register nicht trennt. Sie sind das materielle Abbild einer Fertigung unter Zeitdruck, mit ungelernten und zu erheblichen Teilen unfreien Arbeitskräften. Siehe Die Waffenregion im Nationalsozialismus und, für das äußerste Ende dieser Entwicklung im Untersuchungsraum, das Volkssturmgewehr aus Suhler Fertigung.

Teil 4: Nachträgliche Behandlung erkennen

Das ist die praktisch wichtigste Frage dieses Eintrags, und sie hat eine methodische Voraussetzung, die alles Weitere trägt:

Man beurteilt eine Oberfläche nicht nach ihrer Farbe, sondern nach ihrer Geometrie. Der Schaden einer Neubehandlung entsteht nicht durch die Schicht, sondern durch die Vorbereitung — Polieren, Strahlen, Beizen. Die Schicht ist harmlos und wenige Mikrometer dick. Das Polierrad nimmt Hundertstelmillimeter ab. Man sucht also nicht nach dem Neuen, sondern nach dem, was für das Neue weggenommen wurde.

Die Prüffolge

1. Kanten und Fasen. Eine originale Werkzeugkante ist scharf oder trägt eine Fase von gleichbleibender Breite. Ein Polierrad kann einer Kante nicht folgen — es rundet sie, und zwar am stärksten dort, wo der Bearbeiter am längsten gehalten hat. Prüfen: Bleibt die Fasenbreite über die Länge einer Schlittenkante konstant? Sind die Kanten des Auswurffensters und der Führungsschienen noch scharf? Vergleichen Sie beide Seiten — Handarbeit ist asymmetrisch, Maschinenarbeit nicht.

2. Stempel: der Aufwurf verschwindet vor der Vertiefung. Ein eingeschlagener Stempel verdrängt Material; um den Eindruck herum steht ein Wulst, dessen Höhe nur einen Bruchteil der Eindringtiefe beträgt. Das Polierrad nimmt zuerst die höchsten Punkte. Daraus folgt der zentrale Satz dieses Abschnitts:

Der Stempel ist nicht der Prüfgegenstand. Das Feld um den Stempel ist es.

Ein Stempel, der lesbar ist, aber in einer glatten, wulstfreien Fläche sitzt, ist überpoliert. Weitere Zeichen: der Grund des Eindrucks ist blank glänzend oder mit Schicht zugelaufen; die oberen Kanten der Zeichen sind dünn und die unteren voll — das Rad hat die Oberkante gefressen. Zur Größenordnung, ausdrücklich als Abschätzung und für diesen Eintrag an keinem Stück gemessen: Dienststempel sitzen in der Größenordnung von Zehntelmillimetern tief, der Wulst steht nur einen Bruchteil davon hoch, also in der Größenordnung weniger Hundertstelmillimeter. Eine Politur, die zwei bis fünf Hundertstel abträgt, lässt den Stempel lesbar und vernichtet seinen Kontext vollständig.

3. Schrauben- und Stiftlöcher. Das Polierrad senkt den Rand einer Bohrung ein — es entsteht ein flacher, oft glänzender Trichter, die Senkung verliert ihre Kante. Ebenso die Schraubenschlitze: Originale Schlitze haben scharfe Schultern, überpolierte sind gerundet und der Kopf wird ballig.

4. Der stärkste Einzelbefund: Werkzeugspuren unter unbeschädigter Schicht. Eine Neubehandlung setzt Zerlegen voraus. Die Schicht kommt danach. Daraus folgt eine Kombination, die es an einer originalen Oberfläche nicht geben kann:

  • Schraubendreherspuren, die die Schicht durchbrechen → die Spuren sind jünger als die Schicht. Normal.
  • Schraubendreherspuren, die von der Schicht überdeckt sind → die Schicht ist jünger als das Zerlegen. Die Oberfläche ist nachträglich.

Das ist der sauberste logische Schluss, den man an einer Oberfläche ziehen kann, und er kostet eine Lupe und zwei Minuten.

5. Passflächen, Innenräume, Gewinde. Die Werksbehandlung spart Funktionsflächen aus oder deckt sie ab. Eine Behandlung in Eigenregie beschichtet alles: Verriegelungsflächen, Führungsbahnen, Gewinde, das Innere des Magazinschachts, oft die Bohrung des Patronenlagers. Die Konsequenz ist funktional, nicht beweisend, und sie hängt am Verfahren: Nach der Rechnung oben frisst eine Manganphosphatschicht auf beiden Partnern einer engen Gleitpassung deren Mindestspiel auf — Schicht auf Verriegelungs- und Führungsflächen ist deshalb bei einer phosphatierten Waffe ein ernstzunehmender Befund.

Hier nicht überziehen. Der oft gehörte Satz, eine brünierte Verriegelungsfläche sei „ein Widerspruch in sich”, hält der eigenen Rechnung dieses Eintrags nicht stand: Eine Brünierschicht misst 1 bis 2 µm und ist an einer Passung bedeutungslos. Serienwaffen wurden im Tauchbad behandelt, und was im Bad hängt, wird mitbrüniert — beim Karabiner 98k beispielsweise ging die Kammer im Lauf der Fertigung von blank zu brüniert über. Eine brünierte Verriegelungsfläche ist also kein Nachbehandlungsnachweis. Sie ist erst dann einer, wenn sie zu dem Fertigungsstand nicht passt, den die übrigen Merkmale des Stücks anzeigen — und das ist eine Frage an die Modellliteratur, nicht an die Oberflächenkunde.

6. Was unter der Schicht liegt. Konversionsschichten folgen dem Untergrund exakt. Daraus folgen zwei sichere Ablesungen:

  • Narben, die durch ein frisches, gleichmäßiges Schwarz hindurch sichtbar sind, waren vor der Behandlung da. Brünierung kann nichts füllen. Ein solches Stück ist neu brüniert worden, ohne vorher poliert zu werden — die ehrlichere Variante, und für die Bestimmung die günstigere.
  • Narben mit weichen, verrundeten Rändern und spiegelndem Grund wurden ausgeschliffen und danach beschichtet. Merkregel: scharfrandige Narbe = alt und unangetastet; verrundete Narbe mit blankem Grund = herauspoliert.

7. Farbe und Ton sind das schwächste Merkmal — und werden am meisten benutzt. Verschiedene Legierungen nehmen die Brünierung verschieden an; ein originales Stück zeigt Tonunterschiede zwischen Lauf, Gehäuse, Kleinteilen und Schrauben. Ein über alle Bauteile hinweg perfekt einheitlicher Ton ist an einer Militärwaffe dieses Zeitraums verdächtiger als ein uneinheitlicher. Der klassische Fehlgriff ist die glänzende Badbrünierung auf einer Waffe, die nie eine hatte — eine Spätfertigung der Pistole 38 oder ein Kriegsmodell des Karabiner 98k, die matt oder grau sein müssten, glänzen nach der Behandlung wie ein Sportgerät.

8. Übergänge zu Holz und Kunststoff. Wurde in eingebautem Zustand gearbeitet, findet sich Poliermittel oder Strahlgut in der Fuge zwischen Metall und Schaft, in Sacklöchern, in Gewinden und im Abzugsmechanismus. Strahlgut im Schloss ist ein Ausschlussbefund, nicht ein Mangel: Es hat dort nichts verloren und zerstört die Passungen.

9. Das Bündel „neu brünierte Altwaffe”. Kein Einzelzeichen entscheidet. Die Signatur lautet: verrundete Kanten plus wulstfreie Stempel plus eingesenkte Schraubenlöcher plus einheitlicher Ton bis in die Schrauben plus Schicht auf Passflächen plus frische Werkzeugspuren unter der Schicht. Dazu der Befund, der alles zusammenhält: Der Innenzustand passt nicht zum Außenzustand. Originale Waffen verschleißen von außen nach innen — glänzende Kanten, mattierter Griffbereich, unversehrte Innenräume. Eine Neubehandlung ist gleichmäßig, und Gleichmäßigkeit ist bei einem Gebrauchsgegenstand unnatürlich.

10. Die Kaltbrünierungs-Retusche ist der häufigste und leichteste Fall: frisches Schwarz genau auf den Verschleißkanten, kupferiger Stich im Streiflicht, teilweise abwischbar. Sie verändert die Waffe nicht, aber sie verdeckt das Verschleißbild — und das Verschleißbild ist bei einem Gebrauchsstück der eigentliche Befund. Sie gehört deshalb in den Bericht.

11. Die nachträgliche Phosphatierung ist der schwierigste Fall, weil sie sich als „für das Modell korrekt” verteidigen lässt. Der Unterschied liegt im Untergrund, und er ist rechnerisch begründbar: Eine Konversionsschicht von 3 bis 8 µm kann eine Rautiefe nicht einebnen, die beim Schruppdrehen in der Größenordnung von 25 bis 100 µm und beim Schlichtdrehen von 6 bis 25 µm liegt. Also gilt:

  • Originale Kriegsphosphatierung liegt über groben Bearbeitungsspuren, und diese Spuren sind durch die Schicht hindurch zu sehen und zu ertasten.
  • Eine moderne Phosphatierung auf poliertem oder gestrahltem Untergrund sieht aus wie grauer Samt: gleichmäßig, ohne Untergrundstruktur, ohne Riefenbild. Sie ist zu schön.

12. Verschliffene Stempel — drei verschiedene Befunde. Sie werden regelmäßig zusammengeworfen und sind streng zu trennen:

BefundBild am ObjektBedeutung
Überpoliertganzes Feld abgesenkt, Kanten rundum verrundet, alle Stempel gleichermaßen betroffenNeubehandlung — Erhaltungsfrage
Gezielt verschliffenörtlich begrenzte Mulde mit abweichender Oberflächenstruktur und oft abweichendem Schichtton, benachbarte Stempel unberührtabsichtliche Entfernung
AbgenutztStempel auf einer Reibfläche, umgebendes Metall blank und geglättet, benachbarte vertiefte Bereiche unversehrtGebrauch

Der mittlere Fall ist keine Zustandsfrage mehr. Eine gezielt entfernte oder veränderte Kennzeichnung — Seriennummer, Beschuss-, Abnahmezeichen — ist der zuständigen Stelle vorzulegen; die Beschussämter erstellen dafür Gutachten. Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft, aber es benennt die Grenze: Ab hier ist die Frage nicht mehr waffentechnisch.

Einordnung ins Register

Erstens: Die Oberfläche ist das am leichtesten austauschbare Merkmal. Fast alle anderen Merkmale, die dieses Register führt, setzen einen Eingriff am Bauteil voraus — die Oberfläche nicht. (Die Ausnahme, die die Regel begrenzt: Auch Kennzeichnungen lassen sich ohne Bauteiltausch verändern, nachschlagen oder entfernen. Beides betrifft dieselbe Haut des Stücks, und beides ist in derselben Prüffolge zu erledigen.) Wer die Oberfläche nicht als erstes prüft, prüft alles Weitere unter einem ungeklärten Vorbehalt.

Zweitens: Der Untersuchungsraum trägt zwei gegenläufige Oberflächentraditionen. Der Suhler Jagdwaffenbau arbeitet am weichgelöteten Laufbündel im Regelfall mit Rost- und Streichbrünierung; die Dienstwaffenfertigung derselben Region wanderte im Krieg zur Phosphatierung. Welche Verfahren die Suhler Häuser tatsächlich gefahren haben, ist für diesen Eintrag allerdings an keiner Werksunterlage geprüft — der Satz beschreibt eine Verfahrenslogik, keine belegte Werkspraxis. Beides ist am Objekt in Minuten zu prüfen. Es grenzt Fertigungszusammenhänge ein, bevor ein Stempel gelesen wird — genau wie die drei Fragen der Verschlusssystematik.

Drittens: Die Oberfläche verführt zur Überdatierung wie kein anderes Merkmal. Phosphatierung war ab den frühen 1930er Jahren verfügbar; ein einziges Modell dieses Registers hat eine scharfe Datumsangabe, und die stammt aus einem Sammlerforum. Die Zurückhaltung ist hier nicht Bescheidenheit, sondern die Anwendung der eigenen Methodik: Ein Merkmal prüft eine Zuschreibung, es begründet keine.

Offene Forschungsfragen. Erstens: Gibt es eine Vorschrift des Heereswaffenamts zum Oberflächenschutz von Handfeuerwaffen? Für diesen Eintrag wurde keine eingesehen, und es ist offen, ob eine existiert oder überliefert ist. Zweitens: War die für November 1944 genannte Freigabe der Phosphatierung für Hauptbauteile eine allgemeine Anordnung oder eine herstellerbezogene Regelung für Oberndorf? Die Angabe stammt aus Sammlerforen und ist hier nicht im Original geprüft. Drittens, und für dieses Register am dringendsten: Welche Verfahren haben die Werke in Suhl und Zella-Mehlis tatsächlich gefahren — Badbrünierung oder Streichverfahren, eigene Anlagen oder Lohnbehandlung? Es wurde keine Werksunterlage ausgewertet. Viertens: Für die DDR-Fertigung — Ernst-Thälmann-Werk, Wiesa — liegt diesem Register überhaupt keine Oberflächenchronologie vor; solange sie fehlt, ist jede Datierung eines Nachkriegsstücks über die Oberfläche unbelegt. Fünftens: Wurde in der deutschen Handfeuerwaffen-Serienfertigung dieses Zeitraums Zinkdruckguss verbaut? Der Nachweis eines konkreten Bauteils steht aus; bis dahin bleibt die verbreitete Behauptung eine Vermutung.

Beispiele im Register

Quellen

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  2. [Online] Wikipedia (de) — Phosphatierung — Eisen-, Zink- und Manganphosphatierung Link
  3. [Online] Wikipedia (de) — Bondern — Handelsname für die Phosphatierung , Trägt NUR die Gleichsetzung von Bondern und Phosphatieren. Die Firmengeschichte (Metallgesellschaft 1931, Deutsche Parker Rost-Schutz, Parker Rust-Proof, Coslett) steht dort NICHT und stammt aus der Unternehmensüberlieferung der Nachfolgegesellschaft und aus der Fachliteratur zur Phosphatierung. Link
  4. [Online] Wikipedia (de) — Einsatzhärten — Aufkohlen, Härten, Anlassen Link
  5. [Online] Wikipedia (de) — Vergüten (Metallbearbeitung) Link
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  7. [Online] Wikipedia (de) — Teniferierung — Salzbadnitrocarburieren Link
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  11. [Online] Kneissler Brüniertechnik — Phosphatieren — Schichtdicken Zink- und Manganphosphat Link
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