Technik · Ballistik
Schalldämpfer
Drei Geräusche, von denen ein Dämpfer nur eines erreicht
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GERECHNET, NICHT ZITIERT sind die Umrechnungen der Dezibelangaben. Aus den belegten Werten für die sowjetische PB — 127,5 dB gedämpft bei einer Minderung von 31,4 dB — folgen durch Anwendung der Definition des Dezibels: ein ungedämpfter Pegel von 158,9 dB, ein Schalldruckverhältnis von 10^(31,4/20) = 37,2 und ein Intensitätsverhältnis von 10^(31,4/10) = 1.380, entsprechend 99,93 Prozent entfernter Schallenergie. Die Rechenwege stehen im Text. Die Vergleichspegel für Schmerzschwelle, Presslufthammer und Gespräch sind Anhaltswerte und nicht auf eine Messnorm bezogen. BELEGT sind die Angaben zur PB: Entwicklung durch A. A. Derjagin, Einführung 1967 im Ischewsker Mechanischen Werk, zweiteiliger integrierter Dämpfer mit abnehmbarem Vorderteil, Laufbohrungen zur Gasableitung in eine Expansionskammer mit Drahtgeflecht als Kühlelement, Schalldruck 127,5 dB bei 31,4 dB Minderung, Verwendung durch KGB und Spezialkräfte, Gesamtlänge 31 cm mit und 17 cm ohne Vorderteil, Lauf 10,5 cm. Ebenso die Registerbefunde zur schallgedämpften CZ vz. 27 mit Klemmhülse auf einem Mündungswulst, zur gedämpften Kleinserie der Erma EMP und zum regelbaren Gasabgriff des Haenel MK 556. NICHT ERMITTELT ist die entscheidende Frage für dieses Register: ob und in welchem Umfang die DDR schallgedämpfte Waffen beschaffte oder selbst fertigte. Für die Abteilung Bewaffnung und Chemischer Dienst des MfS ist eine Zentrale in der Freienwalder Straße in Berlin-Hohenschönhausen genannt und eine eigene Produktionsstätte in Suhl belegt; ob dort Schalldämpfer entstanden, sagt keine der eingesehenen Darstellungen. Auch ob die PB in die DDR gelangte, ist NICHT belegt. KEINE RECHTSAUSSAGE: Die waffenrechtliche Behandlung von Schalldämpfern in Deutschland hat sich in den letzten Jahren geändert. Dieses Register stellt dazu nichts fest; verbindlich ist allein die Entscheidung der zuständigen Behörde. Die akustischen und strömungstechnischen Grundlagen sind Lehrbuchwissen und hier nicht einzeln belegt.
Ein Schuss ist nicht ein Geräusch, sondern drei. Wer verstehen will, was ein Schalldämpfer leistet und was nicht, muss sie auseinanderhalten:
| Geräusch | Woher es kommt | Dämpfbar? |
|---|---|---|
| Mündungsknall | Die heißen Gase treten schlagartig ins Freie | ja — das ist die Aufgabe des Dämpfers |
| Geschossknall | Das Geschoss fliegt schneller als der Schall | nein — nur langsamere Munition hilft |
| Mechanikgeräusch | Verschluss, Auswurf, Schlagstück | nein — allenfalls konstruktiv |
Der weitverbreitete Eindruck, eine gedämpfte Waffe mache ein leises Zischen, stammt aus dem Film. Was wirklich geschieht, lässt sich rechnen.
Was 31 Dezibel wirklich bedeuten
Für die sowjetische PB, die schallgedämpfte Ableitung der Makarow, sind zwei Werte belegt: 127,5 dB gedämpft, bei einer Minderung von 31,4 dB.
Daraus folgt durch Anwendung der Dezibeldefinition:
- Ungedämpft: 127,5 + 31,4 = 158,9 dB
- Schalldruck: 10^(31,4/20) = 37,2-fach geringer
- Schallintensität: 10^(31,4/10) = 1.380-fach geringer
- Entfernte Schallenergie: 99,93 Prozent
Das ist außerordentlich viel. Ein Dämpfer, der 99,93 Prozent der Schallenergie beseitigt, ist ein sehr wirksames Gerät.
Und trotzdem bleiben 127,5 dB. Zum Vergleich, mit Anhaltswerten:
| dB | Unterschied zum gedämpften Schuss | |
|---|---|---|
| Schmerzschwelle | rund 130 | 2,5 dB darüber |
| Presslufthammer in 1 m | rund 100 | 27,5 dB darunter |
| Gespräch | rund 60 | 67,5 dB darunter |
Ein gedämpfter Schuss aus dieser Pistole liegt also knapp unter der Schmerzschwelle und deutlich über einem Presslufthammer. Er ist nicht leise. Er ist nur nicht mehr gehörschädigend im selben Maß und aus einiger Entfernung nicht mehr eindeutig als Schuss zu erkennen.
Diese Umrechnungen sind gerechnet, nicht zitiert. Belegt sind nur die beiden Ausgangswerte. Die Rechnung ist die Definition des Dezibels und in beide Richtungen nachvollziehbar.
Wie ein Dämpfer arbeitet
Der Mündungsknall entsteht, weil das Treibgas mit hohem Druck und hoher Geschwindigkeit schlagartig ins Freie tritt. Der Druckunterschied erzeugt eine Stoßwelle.
Ein Schalldämpfer gibt diesem Gas Raum und Zeit: Kammern, in denen es sich ausdehnen kann, Umlenkungen, an denen es Energie verliert, und Oberflächen, an die es Wärme abgibt. Was schließlich austritt, hat weniger Druck und weniger Geschwindigkeit — und macht deshalb weniger Lärm.
Zwei Größen entscheiden über die Wirkung:
- Das Volumen. Mehr Raum heißt stärkere Entspannung. Deshalb sind wirksame Dämpfer groß.
- Die Verweilzeit. Je länger das Gas im Dämpfer bleibt, desto mehr Energie gibt es ab. Deshalb arbeiten Dämpfer mit Umlenkungen, Prallflächen und — bei der PB — mit einem Drahtgeflecht, das die Gase kühlt.
Kühlung ist dabei kein Nebeneffekt: Kühleres Gas hat weniger Druck, und weniger Druck heißt weniger Knall.
Der Geschossknall bleibt
Fliegt das Geschoss schneller als der Schall — rund 340 m/s —, zieht es eine Stoßwelle hinter sich her wie ein Boot eine Bugwelle. Dieser Knall entsteht entlang der ganzen Flugbahn und hat mit der Mündung nichts zu tun. Kein Dämpfer der Welt kann ihn beeinflussen.
Für die Waffen dieses Registers heißt das:
- Pistolenpatronen liegen ohnehin nahe an der Schallgrenze. Die 9 × 18 mm der Makarow und die 9 × 19 mm der Pistole 08 mit 350 bis 400 m/s liegen knapp darüber — ein wenig langsamere Ladung genügt, um darunter zu kommen. Deshalb lassen sich Pistolen gut dämpfen.
- Gewehrpatronen liegen mit 700 bis 900 m/s weit darüber. Sie unter die Schallgeschwindigkeit zu bringen, kostet den größten Teil ihrer Leistung. Siehe Außenballistik und Patronenklassen.
Der Kunstgriff der PB: Gas ablassen, bevor das Geschoss draußen ist
Die Waffe hat einen eigenen Eintrag: Pistole PB (6P9).
Statt langsamere Munition zu verlangen, macht die PB die vorhandene langsamer. Ihr Lauf hat Bohrungen, durch die ein Teil der Pulvergase schon während des Geschossdurchgangs in eine Expansionskammer rings um den Lauf abströmt.
Damit wirkt weniger Gas auf das Geschoss, es verlässt den Lauf langsamer — und bleibt unter der Schallgeschwindigkeit. Der Geschossknall entsteht gar nicht erst.
Der Preis ist unmittelbar: weniger Geschwindigkeit heißt weniger Energie und mehr Fall. Eine Waffe, die so gebaut ist, gibt Wirkung und Flugbahn auf, um leise zu sein. Für den vorgesehenen Zweck — Verwendung durch KGB und Spezialkräfte auf kurze Entfernung — ist das eine sinnvolle Abwägung; für alles andere nicht.
Was ein Dämpfer mit einem Selbstlader macht
Hier liegt der Punkt, den dieses Register in einem seiner Einträge bereits ausführt und der allgemein gilt.
Ein Dämpfer staut den Druck. Er verlängert den Weg, den das Gas nach dem Mündungsaustritt zurücklegt, und hält es damit länger im System. Bei einer gasbetriebenen Waffe kommt dadurch mehr und länger Druck am Kolben an, als der Konstrukteur vorgesehen hat: Der Verschluss läuft früher an, schneller zurück und schlägt härter.
Der Haenel MK 556 löst das mit einem regelbaren Gasabgriff — und der Eintrag hält dazu den entscheidenden Satz fest: Was mit Schalldämpfer richtig ist, ist ohne ihn zu wenig, und umgekehrt. Ein Gasregler ist damit keine Feinheit, sondern die Voraussetzung dafür, dieselbe Waffe mit und ohne Dämpfer zu führen. Dieselbe Überlegung steckt schon im Gasregler der SWT-40, nur aus einem anderen Anlass.
Bei rückstoßbetriebenen Pistolen ist es umgekehrt. Dort muss der Lauf beim Schuss zurücklaufen; ein schwerer Dämpfer auf der Mündung bremst ihn so stark, dass die Waffe nicht mehr durchlädt. Die Bauformen, die dieses Problem lösen, arbeiten mit einer Feder zwischen Dämpfer und Lauf, die den Dämpfer beim Rücklauf kurz entkoppelt.
Deshalb ist die Makarow ein so dankbarer Ausgangspunkt: Sie hat einen unverriegelten Masseverschluss mit feststehendem Lauf. Es gibt nichts, was der Dämpfer bremsen könnte.
Zwei Registerbefunde
Die schallgedämpfte CZ vz. 27
Eine kleine Serie erhielt einen verlängerten, an der Mündung aufgeweiteten Lauf; der Dämpfer wurde über eine Klemmhülse auf den Wulst gespannt statt aufgeschraubt. Die Stücke gelten als Beschaffung deutscher Sicherheitsorgane — die Zuordnung zu einer Dienststelle ist Sammlerüberlieferung. Siehe ČZ vz. 27.
Die Klemmhülse ist konstruktiv aufschlussreich: Sie erspart ein Gewinde am Lauf und damit einen Arbeitsgang, macht das Stück aber auch als gedämpfte Ausführung von außen erkennbar. Der Wulst bleibt, auch wenn der Dämpfer fehlt.
Die Erma EMP, an der es nicht funktionierte
Von der Erma EMP gab es nach einer Darstellung eine gedämpfte Kleinserie bei den Brandenburgern und bei französischen Kollaborateuren — und der Eintrag hält fest, dass die Dämpfer „weder Unterschall erzwangen noch nennenswert dämpften”.
Das ist der Lehrfall. Ein Dämpfer, der die Munition nicht unter die Schallgeschwindigkeit bringt, beseitigt eines von drei Geräuschen und lässt das lauteste stehen. Wer dann feststellt, dass die Waffe immer noch knallt, hält den Dämpfer für schlecht — dabei tut er genau das, was ein Dämpfer tun kann, und nicht mehr.
Was für dieses Register offen ist
Der Bezug zum Untersuchungsraum ist an dieser Stelle schwach belegt, und das ist ein Befund für sich.
Die Makarow war nach der eingesehenen Darstellung Standardwaffe aller bewaffneten Organe der DDR, der Polizei, der Dienste und später der Kampfgruppen — und die Suhler Fertigung ist belegt. Die schallgedämpfte Ausführung PB kam aus Ischewsk. Ob sie in die DDR gelangte, sagt keine der eingesehenen Darstellungen.
Ebenso offen ist die naheliegendste Frage: Die Abteilung Bewaffnung und Chemischer Dienst des MfS entwickelte und fertigte Waffen ausschließlich für den eigenen Gebrauch — ein Scharfschützengewehr, einen Revolver „Smart”, eine Kleinstmaschinenpistole. Ob dort auch Schalldämpfer entstanden, ist nicht ermittelt. Neu greifbar ist immerhin, dass die Abteilung ihre Zentrale in der Freienwalder Straße in Berlin-Hohenschönhausen hatte — ein Ort, den dieses Register bislang nicht führt.
Keine Rechtsaussage. Die waffenrechtliche Behandlung von Schalldämpfern in Deutschland hat sich in den letzten Jahren geändert. Dieses Register stellt dazu nichts fest; verbindlich ist allein die Entscheidung der zuständigen Behörde. Siehe Methodik.
Was am Stück zu prüfen ist
- Mündungsgewinde oder Wulst? Ein Gewinde ist der Regelfall, ein aufgeweiteter Wulst für eine Klemmhülse die Ausnahme — und bei der CZ vz. 27 ein Merkmal der gedämpften Serie, auch wenn der Dämpfer fehlt.
- Laufbohrungen. Bohrungen im Lauf weisen auf einen integrierten Dämpfer mit Gasableitung — und darauf, dass die Waffe ohne ihren Dämpfer weder leise noch vollständig ist.
- Gasregler. Ein regelbarer Gasabgriff ist ein starker Hinweis darauf, dass die Waffe für den Betrieb mit und ohne Dämpfer ausgelegt wurde.
- Verschlussart. Ein feststehender Lauf mit Masseverschluss verträgt einen Dämpfer ohne Weiteres; ein zurücklaufender Lauf nicht ohne zusätzliche Vorkehrung.
Offene Forschungsfragen. Beschaffte oder fertigte die DDR schallgedämpfte Waffen, und welche? — Gelangte die PB in DDR-Bestände? — Entstanden in der MfS-Werkstatt in Suhl oder in der Berliner Zentrale der Abteilung BCD Schalldämpfer? — Und welche Unterschallmunition führte der Warschauer Pakt in 9 × 18 mm? Ohne sie ist eine gedämpfte Makarow nur halb gedämpft.
Beispiele im Register
Quellen
- [Online] Forgotten Weapons — Makarov PB: Silenced KGB Pistol , PB als schallgedämpfte Ableitung der Makarow, zweistufiger integrierter Dämpfer, Entwicklung Mitte der 1960er Jahre für Spezialkräfte und KGB Link
- [Online] Dockery Armory — Makarov PB , Index 6P9, Fertigung ab 1967, 9 × 18 mm; Gesamtlänge 31 cm mit aufgesetztem Vorderteil und 17 cm ohne, Lauf 10,5 cm Link
- [Online] Polizeihistorische Sammlung Berlin — Makarow , PB als schallgedämpfte Ausführung (pistolet bes'schumnyj); Schalldruck 127,5 dB bei einer Minderung von 31,4 dB; Makarow als Standardwaffe aller bewaffneten Organe der DDR, der Polizei, der Dienste und später der Kampfgruppen Link
- [Archiv] Bundesarchiv — Die geheimen Waffen der Stasi , Abteilung Bewaffnung und Chemischer Dienst (BCD) des MfS mit Zentrale in der Freienwalder Straße in Berlin-Hohenschönhausen; Entwicklung, Erprobung und Fertigung geheimer Waffen ausschließlich für den eigenen Gebrauch Link