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OD WH

Modell

ERMA EMP (MPE)

Fertigung
ERMA
Kaliber
9 × 19 mm, 9 × 23 mm Largo, 7,63 × 25 mm Mauser, 7,65 × 21 mm Parabellum
Zeitraum
1931–1938
Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden

GESICHERT im Sinne mehrfacher unabhängiger Nennung sind: die Ableitung der EMP aus Heinrich Vollmers VMP-Reihe, die gekapselte Teleskop-Schließfeder als deren Neuerung, die Weitergabe genau dieses Merkmals an MP 38 und MP 40, die Fertigung bei der ERMA in Erfurt, das Fertigungsende 1938 zugunsten der MP 38 und die Übernahme durch SS und Polizei bei ausbleibender Wehrmachtsbeschaffung. Objektnah belegt sind ferner die Gehäusebeschriftung „E M P" über der Nummer, die Nummerngleichheit an hinterem Gehäusedeckel, Magazinstutzenboden, Kühlmantelunterseite und Verschluss sowie die Marke „S" der Drehsicherung — sämtlich aus Händlerbeschreibungen eines Hauses und damit NICHT aus voneinander unabhängigen Quellen. WIDERSPRÜCHLICH und für die Zuschreibung erheblich ist der Zeitpunkt des Übergangs von Vollmer zur ERMA und damit auch der Fertigungsbeginn: Die englische Wikipedia nennt eine Abgabe der Rechte „Ende 1930" und eine Fertigung 1931 bis 1938; Small Arms Review nennt einen Lizenzvertrag vom 21. Oktober 1931 und an anderer Stelle eine Fertigung 1935 bis 1938; eine Sammlerdarstellung nennt eine Rechteübertragung „bis 1934" und begründet das damit, dass Will & Köhler noch bis 1933 Beschreibungen zur VMP druckten. Dieser Eintrag setzt 1931 als Beginn, weil das Vertragsdatum die präziseste Angabe ist — 1931 ist damit ausdrücklich ein RECHTSVORGANG und kein belegter Fertigungsbeginn. Eine frühere Fassung dieses Eintrags führte dagegen eine Probe: Wird die EMP im Chaco-Krieg (Waffenstillstand 12. Juni 1935) verwendet, könne die Serienfertigung nicht erst 1935 begonnen haben. Diese Probe ist zurückgenommen. Sie stützt sich auf zwei verschiedene Darstellungen und nicht, wie dort behauptet, auf zwei Angaben derselben; die Sammlerdarstellung, die den Chaco-Krieg nennt, lässt die Fertigung 1934 beginnen und ist in sich widerspruchsfrei. Zudem schreibt die englische Wikipedia die deutschen Lieferungen an Bolivien der älteren Vollmer VPK zu und nicht der EMP. WIDERSPRÜCHLICH ist die Stückzahl: rund 10.000 in drei Hauptausführungen (englische Wikipedia) gegen rund 20.000 bei beobachteten Seriennummern über 17.000 (Sammlerdarstellung). Die zweite Angabe nennt wenigstens ein Merkmal am Objekt und ist insofern die überprüfbarere; entschieden wird hier nichts. AUFGELÖST ist dagegen der Längenwiderspruch, und er war ein Lesefehler dieses Registers: Small Arms Review schreibt „0.895 m (32.23 inches)", doch 0,895 m sind 35,23 Zoll. Aus der verdrehten Zollangabe waren hier 819 mm zurückgerechnet und eine unerklärliche Differenz von 131 mm behauptet worden. Richtig stehen 950 mm (langer Lauf) gegen 895 mm (kurzer Lauf), und die 55 mm decken sich mit dem Lauflängenunterschied. WIDERSPRÜCHLICH bleiben Lauflänge und Kadenz, siehe Maßblatt. NICHT BELEGT und für dieses Register besonders unbefriedigend ist alles, was die Erfurter Fertigung selbst betrifft: kein Jahreswert, keine Belegschaftszahl, keine Angabe, in welcher der beiden Geipel'schen Gesellschaften und an welcher der Erfurter Adressen die EMP entstand. Hinzu kommt ein Namensproblem, das dieser Eintrag beim ersten Anlauf selbst übersehen hat: „Erfurter Maschinenfabrik B. Geipel GmbH" (ERMA) heißt der Betrieb nach dem Herstellereintrag erst ab 1934; 1931 firmierte er als Erfurter Maschinen- und Werkzeugfabrik GmbH. Die geläufige Zuschreibung „ab 1931 bei der ERMA" nennt also einen Firmennamen, den es damals noch nicht gab. NICHT ENTSCHIEDEN ist die Patentfrage zur Teleskopfeder, und sie ist der Kern des Eintrags — die Patentschrift ist inzwischen aber EINGESEHEN, und sie verschiebt die Lage. DRP 580620 trägt den Titel „Schlagbolzen für Maschinenpistolen, automatische Gewehre u. dgl.", ist am 22. Oktober 1932 angemeldet und am 13. Juli 1933 ausgegeben. Damit ist die in mehreren Darstellungen wiederholte Anmeldung von 1930 WIDERLEGT. Der Anspruch setzt die ineinander verschiebbaren, eine Schraubenfeder einschließenden Hülsen als bekannt voraus und beansprucht nur das innenliegende biegsame Glied (eine Darmsaite), das sie zusammenhält. Das Dokument taugt daher NICHT als Nachweis, dass die gekapselte Feder eine Vollmer-Erfindung ist; es passt eher zu der zweiten der beiden widersprüchlichen Aussagen von mp40.nl (Verbesserung an bestehender Patentlage) als zur ersten. Umgekehrt entschieden ist damit nichts: Ein Schmeisser-Patent auf den Oberbegriff ist hier ebenso wenig nachgewiesen, und der Anmelder ist im digitalisierten Bestand nicht ausgewiesen (altes Anmeldezeichen DEV27894D). Die Formulierung des MP-40-Eintrags, Verschluss, Teleskopfeder und Magazin gingen auf Schmeisser-Patente zurück, bleibt für die Feder unbelegt — sie ist jetzt aber auch nicht mehr durch DRP 580620 zu widerlegen. NICHT ERMITTELT ist der Ort der Firma Will & Köhler, über die die VMP 1930 nach einer Darstellung vertrieben und wahrscheinlich auch gefertigt wurde; genannt ist nur „Thüringen" und die Branche (Luftgewehre und Taschenpistolen). Läge dieser Betrieb in Zella-Mehlis oder Suhl, wäre die Vorgeschichte der Teleskopfeder eine Fertigungsgeschichte des Untersuchungsraums und nicht bloß eine Erfurter Nachgeschichte. Das ist hier ausdrücklich offen und wird nicht behauptet. NICHT GEKLÄRT ist der innere Aufbau der Feuerartenumschaltung — dieselbe Lücke wie bei der MP 28,II, mit derselben Auflösungsmöglichkeit am zerlegten Abzugsgehäuse. Zum Sitz des Schlagbolzens hat sich die Lage gebessert: Eine Sammlerdarstellung beschreibt das Federrohr als Träger des Schlagbolzens, und DRP 580620 beansprucht genau diese Bauart — einen aus Hülsen bestehenden Schlagbolzen, der die Feder in sich aufnimmt. Das belegt die Bauart, nicht das Einzelstück; am zerlegten Stück ist es weiterhin nicht geprüft. Ungeprüft ist ferner die Seite des Auswurffensters, die dieser Eintrag als Gegenseite des Magazins angibt. GESTRICHEN wurden zwei Angaben, die in einer früheren Fassung standen und in keiner der eingesehenen Quellen wiederzufinden waren: Schweden als Exportkunde und das Jahr 1936 für die Übernahme durch die SS. Die SS-Beschaffung als solche ist genannt, ein Jahr dafür nicht. NICHT ÜBERNOMMEN wurde die Angabe einer spanischen Darstellung, die republikanischen Bestände seien über Polen beschafft worden; ein Beschaffungsvorgang ist dazu nicht genannt. Die englische Wikipedia führt Polen allerdings als Erprobungskunden der EMP, was die Angabe nicht belegt, ihr aber einen möglichen Anknüpfungspunkt gibt. Ebenfalls nicht übernommen ist die in einer Sammlerdarstellung genannte Beutebezeichnung „MP 740(f)" für die in Frankreich vorgefundenen Stücke: Die Nummer 740 führt dieses Register im MP-28-Eintrag bereits für das belgische Beutegerät MP 740(b), und ob dieselbe Nummer mit zwei Länderkennungen vergeben wurde, ist hier nicht nachgeprüft. ZWANGSARBEIT: Die Fertigungszeit der EMP endet 1938, das für die ERMA belegte Barackenlager wird auf „ab etwa 1940" datiert. Nach dieser Datierung fällt die EMP-Fertigung NICHT in die Lagerzeit. Belastbar ist der Schluss aber nur so weit wie die Datierung, und die steht nach dem Herstellereintrag auf einem einzigen, heute nicht mehr abrufbaren Beleg. Der Einsatz von Zwangsarbeit im Betrieb ab 1933 in anderer Form ist damit weder geprüft noch ausgeschlossen. Siehe den Herstellereintrag.

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Diese Maschinenpistole kommt ohne Verriegelung aus. Im Augenblick des Schusses hakt nichts ineinander; den Lauf hält von hinten allein ein schwerer Stahlblock zu, und er hält ihn nicht fest, sondern nur träge: Er ist schwer genug, dass er in der Tausendstelsekunde, in der das Geschoss den Lauf verlässt, kaum in Bewegung kommt. Eine Feder drückt dabei mit. Vor dem Schuss steht dieser Block ganz hinten, gehalten von einem Riegel, der von unten in seine Bahn ragt. Beim Abdrücken weicht der Riegel nach unten, dieselbe Feder treibt den Block nach vorn, er schiebt eine Patrone aus dem waagerecht von links eingesteckten Magazin in das hintere Ende des Laufs, und sobald sie dort ankommt, zündet der fest im Block stehende Zündstift sie. Der Rückstoß wirft den Block zurück, die leere Patronenhülse fliegt zur Seite heraus, und solange der Finger zieht, wiederholt sich das. Bis hierhin unterscheidet sich die Waffe in nichts von der dreizehn Jahre älteren MP 18. Das Eigene steckt in zwei Kleinigkeiten am Rand. Erstens die Feder: Sie liegt in einem geschlossenen Rohr, dessen Abschnitte sich beim Zusammendrücken ineinanderschieben wie bei einem Fernrohr. Staub, Sand und altes Öl kommen so nicht an sie heran, und beim Zerlegen springt sie niemandem davon. Zweitens ein senkrechter Holzgriff unter dem Lauf, an dem die zweite Hand zufasst; aus dem Griff einer frühen Fassung ließ sich sogar ein kleiner Stützfuß herausziehen. Beides beantwortet denselben Umstand. Eine Waffe, die im Dreck liegt und von wenig geübten Händen bedient wird, scheitert selten am Grundgedanken und meistens an solchen Kleinigkeiten.

Der Eintrag zur MP 40 spricht von der „Linie EMP – MP 38 – MP 40”, der Eintrag zur ERMA von der „Linie EMP → MP 38 → MP 40”. Beide Male trägt das erste Glied die Beweislast, und beide Male gab es dazu keinen Eintrag. Er steht hier.

Die Lücke ist nicht bloß formal. Wer eine Entwicklungslinie behauptet, behauptet, dass ein bestimmtes Merkmal von einer Waffe auf die nächste übergegangen ist. Bei dieser Linie ist es genau ein Merkmal, und es ist klein: die in ein Rohr gekapselte Schließfeder. Alles andere, was die EMP ausmacht, hat die MP 38 gerade nicht übernommen.

Entwicklung

Am Anfang steht kein Erfurter Vorgang. Heinrich Vollmer, 1885 in Altdorf bei Esslingen geboren, gründete 1909 eine Maschinenfabrik für Sägenbearbeitungsmaschinen, die seit 1910 in Biberach an der Riß saß. 1925 ließ sich die Reichswehr mehrere Maschinenpistolen zum Vergleich entwickeln; Vollmers erstes Muster wurde im August 1925 in Kummersdorf erprobt und bemängelt, die Förderung aber unter Oberstleutnant Eckardt vom Heereswaffenamt fortgesetzt. Es folgten VMP 1925, VMP 1926, VMP 1928 und schließlich VMP 1930.

Die Reihe zeigt eine Konstruktion, die sich an ihren eigenen Beanstandungen entlangarbeitet. Das Trommelmagazin der ersten Muster wich einem geraden Stangenmagazin, der fehlende Kühlmantel wurde bemängelt und später wieder angebracht, die Kadenz von rund 700 Schuss je Minute galt als zu hoch. Die VMP 1930 brachte dann das eine Merkmal, das bleiben sollte. Die Sekundärliteratur datiert die zugehörige Patentanmeldung auf 1930 und die Erteilung auf 1933 unter DRP 580620. Die Patentschrift ist inzwischen eingesehen, und sie trägt beides nicht — siehe unten.

Ende 1930 stellte die Reichswehr die Förderung ein. Von hier ab kommt Erfurt ins Spiel, und der genaue Zeitpunkt ist umstritten:

Entwicklung
AngabeQuelleFolge für den Fertigungsbeginn
Rechteabgabe „Ende 1930”, Fertigung ab 1931englische Wikipedia1931
Lizenzvertrag 21. Oktober 1931Small Arms Review (Vollmer-Biografie)frühestens 1932
Vermarktung durch die ERMA ab 1932Forgotten Weapons1932
Rechteübertragung „bis 1934”, weil Will & Köhler bis 1933 VMP-Beschreibungen drucktenSammlerdarstellung firearms.96.lt1934
Fertigung „1935 bis 1938”Small Arms Review (Waffenaufsatz)1935

Fünf Angaben, vier Jahre Spanne, keine mit Betriebs- oder Vertragsakte belegt. Dieser Eintrag setzt 1931, weil das Vertragsdatum vom 21. Oktober die einzige tagesgenaue Angabe ist. Damit ist ein Rechtsvorgang datiert und keine Fertigung; im Kopf des Eintrags steht deshalb ein Jahr, das nach der eigenen Methodik dieses Registers eine Zuschreibung noch nicht trägt.

Eine Probe darauf schien das obere Ende der Spanne abzuschneiden, und sie hält nicht, was eine frühere Fassung dieses Abschnitts von ihr erwartete. Die Sammlerdarstellung firearms.96.lt nennt als erste Kampfverwendung den Chaco-Krieg zwischen Bolivien und Paraguay; der Waffenstillstand datiert vom 12. Juni 1935. Gegen die 1935 beginnende Fertigung, die Small Arms Review nennt, spricht das — aber es sind zwei verschiedene Darstellungen, nicht zwei Angaben derselben, und die Sammlerdarstellung selbst lässt die Fertigung 1934 beginnen und bleibt damit widerspruchsfrei. Hinzu kommt, dass die englische Wikipedia die deutschen Lieferungen an Bolivien nicht der EMP, sondern der älteren Vollmer VPK zuschreibt. Die Probe entscheidet also nichts; sie zeigt nur, dass die 1935er Angabe die schwächste der fünf ist.

Konstruktion

Am Verschluss ändert die EMP nichts. Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, feststehender Schlagbolzen, Zündung im Vorlauf: alles wie 1918 bei der MP 18,I. Auch die Bedienelemente sind der MP 28,II so ähnlich, dass die Ähnlichkeit selbst zum Bestimmungsproblem wird.

Konstruktion
MerkmalMP 18,I (1918)MP 28,II (1928)ERMA EMP (ab 1931)MP 40 (1940)
Schließfederoffen auf Führungsstangeoffen auf Führungsstangegekapselt im Teleskoprohrgekapselt im Teleskoprohr
MagazinTrommel, schräger StutzenStange, waagerecht von linksStange, waagerecht von linksStange, senkrecht von unten
Feuerartennur DauerfeuerEinzel und Dauer, „E”/„D”Einzel und Dauer, „E”/„D”nur Dauerfeuer
Vordergriffkeinerkeinersenkrecht, aus dem Schaftkeiner
SchaftHolzHolzHolzBlech und Kunststoff, Klappstütze
Kühlmanteljajajanein

Die Tabelle liest sich in zwei Richtungen, und beide sind für dieses Register wichtig. Von links nach rechts steht die EMP mit einer Ausnahme in der Suhler Reihe. Von rechts nach links geht genau diese Ausnahme weiter, und alles andere fällt weg.

Die Teleskopfeder

Bei MP 18 und MP 28 liegt die Schließfeder frei im Gehäuse und wird von einer Stange geführt. Sie nimmt auf, was durch den Spannhebelschlitz und den Magazinstutzen hereinkommt: Staub, Sand, verharztes Öl. Beim Zerlegen steht sie unter voller Vorspannung und springt bei ungeschickter Hand davon.

Vollmers Lösung sperrt sie ein. Die Feder sitzt in einem mehrteiligen Rohr, dessen Abschnitte sich beim Zusammendrücken ineinanderschieben. Nach außen ist die Baugruppe geschlossen; sie wird als eine Einheit entnommen und eingesetzt. Nach einer Sammlerdarstellung trägt dieses Rohr zugleich den Schlagbolzen und läuft durch den Verschluss hindurch, wo es als Puffer wirkt. Diese Beschreibung ist hier nicht gegengeprüft; sie passt allerdings zu dem, was die Literatur an der MP 40 beschreibt, wo das dreiteilige Rohr ausdrücklich auch als Luftpuffer geführt wird.

Der Nutzen liegt nicht in der Ballistik. Er liegt in Schmutzunempfindlichkeit und in der Zerlegbarkeit ohne Werkzeug und ohne Fingerspitzengefühl. Für eine Waffe, die an Polizeiverbände und an Exportkunden ohne eigene Instandsetzungsorganisation geht, ist das der praktisch wichtigere Fortschritt.

Wem das Merkmal patentrechtlich gehörte, ist die offene Frage dieses Eintrags, und sie berührt eine Formulierung, die im Register bereits steht. Mehrere Darstellungen führen die Feder auf Vollmers Anmeldung von 1930 zurück. Die im MP-40-Eintrag zitierte Spezialseite mp40.nl sagt dagegen zweierlei auf derselben Seite: einmal, Hugo Schmeisser habe die MK 36,III wegen eines Patentstreits nicht weiterentwickelt, weil Vollmer „angeblich” das Patent an der Teleskopfeder gehalten habe; und einmal, Vollmer habe lediglich Verbesserungen an einer ursprünglichen Schmeisser-Patentlage angemeldet. Beides zusammen ergibt keine Aussage.

Die Patentschrift ist für diesen Eintrag eingesehen worden, und sie hilft anders als erwartet. DRP 580620 heißt „Schlagbolzen für Maschinenpistolen, automatische Gewehre u. dgl.”, ist am 22. Oktober 1932 angemeldet und am 13. Juli 1933 ausgegeben. Die in der Sekundärliteratur durchgereichte Anmeldung von 1930 gehört damit nicht zu dieser Nummer. Entweder ist das Jahr falsch abgeschrieben, oder es ist eine andere, ältere Schrift gemeint, die niemand nennt. Das Erteilungsjahr 1933 stimmt.

Wichtiger ist der Zuschnitt des Anspruchs. Er lautet: „Aus in sich verschiebbaren Hülsen bestehender, eine Schraubenfeder in sich aufnehmender Schlagbolzen für Maschinenpistolen, automatische Gewehre u. dgl., dadurch gekennzeichnet, daß die Schlagbolzenteile durch ein innenliegendes biegsames Glied, insbesondere durch eine Darmsaite, entgegen der Wirkung der Schraubenfeder zusammengehalten sind.” Der Oberbegriff — die ineinander verschiebbaren Hülsen, die eine Feder einschließen — steht dort als bekannt. Neu ist allein die Darmsaite, die die Hülsen zusammenhält.

Für die Zuschreibung heißt das dreierlei. Erstens taugt DRP 580620 nicht als Nachweis, dass die gekapselte Feder eine Vollmer-Erfindung ist; die Schrift setzt die Bauart voraus, statt sie zu beanspruchen. Zweitens passt dieser Zuschnitt zur zweiten Lesart von mp40.nl, der Verbesserung an bestehender Patentlage, besser als zur ersten. Drittens ist die Frage damit nicht umgekehrt entschieden: Ein Schmeisser-Patent auf die Bauart ist hier ebenso wenig nachgewiesen. Wer die Schrift angemeldet hat, weist der digitalisierte Bestand nicht aus; das alte Anmeldezeichen DEV27894D enthält den Buchstaben V, was im damaligen Aktenzeichensystem auf den Anfangsbuchstaben des Anmelders zurückgeht. Ein Indiz für Vollmer, kein Nachweis.

Nebenbei entscheidet dieselbe Schrift eine Frage, die der Eintrag sonst offenlassen müsste. Der Anspruch beschreibt nicht eine Feder mit einem Schlagbolzen daneben, sondern einen Schlagbolzen, der aus den Hülsen besteht und die Feder in sich aufnimmt. Die Sammlerbeschreibung, nach der das Teleskoprohr den Schlagbolzen trägt und durch den Verschluss läuft, hat damit einen patentamtlichen Beleg für die Bauart, wenn auch nicht für das Einzelstück.

Für dieses Register folgt daraus eine Einschränkung an eigener Stelle. Die Belegnotiz des MP-40-Eintrags schreibt Verschluss, Teleskopfeder und Magazin der MP 38 Patenten Hugo Schmeissers zu. Für Verschluss und Magazin mag das tragen; für die Feder steht die Mehrzahl der eingesehenen Darstellungen dagegen, ohne dass die eine Patentschrift, die alle meinen, den Streit entscheidet. Was zu prüfen bleibt, ist nicht mehr DRP 580620, sondern die Frage, welche Schrift den Oberbegriff begründet, den DRP 580620 bereits als bekannt voraussetzt.

Der Vordergriff

Unter dem Kühlmantel sitzt ein senkrechter Holzgriff, aus dem Schaftholz gearbeitet. Er stammt nicht aus Erfurt und ist keine Zutat der Serie: Schon Vollmers erstes Muster von 1925 hatte ihn, und die VMP 1930 trug in ihm einen ausziehbaren Stützfuß, mit dem sich die Waffe im Liegen abstellen ließ. Der Stützfuß verschwand in der Erfurter Serie aus dem Regelumfang, blieb aber nach Forgotten Weapons als Bestelloption erhältlich; der Griff blieb ohnehin.

Aufgegeben wurde er mit der MP 38, und der Grund dafür steht in keiner der eingesehenen Quellen. Der Zusammenhang, der sich aus der Bauart ergibt, ist dieser: Der Griff ist aus dem durchgehenden Holzschaft gearbeitet. Mit dem Holzschaft verschwand er zwangsläufig, und ein Ersatzteil aus Blech oder Kunststoff wäre ein zusätzliches Bauteil in einer Konstruktion gewesen, deren ganzer Zweck es war, Bauteile einzusparen. Das ist eine Ableitung dieses Registers aus dem Gegenstand und keine Quellenaussage.

Die Folge ist dagegen belegt und steht bereits im Register. Ohne Vordergriff greift die zweite Hand an den Magazinschacht, und wer dabei das Magazin statt des Schachts fasst, verkantet den Magazinmund. Der MP-40-Eintrag führt das unter den Schwächen. Die EMP hatte dieses Problem nicht, weil sie eine Stelle anbot, an der zuzufassen war. Der Griff war damit kein Zierstück des Holzzeitalters; sein Wegfall ist eine Fertigungsentscheidung mit einer Folge für die Handhabung.

Fertigung

Gefertigt wurde in Erfurt, im Betrieb Berthold Geipels. Die geläufige Angabe „Erfurter Maschinenfabrik B. Geipel GmbH” ist für den Anfang dieser Fertigung allerdings ein Anachronismus, und der Herstellereintrag dieses Registers weist es selbst aus: Diesen Namen führt der Betrieb erst ab 1934. Wer 1931 die Rechte erwarb, hieß Erfurter Maschinen- und Werkzeugfabrik GmbH; daneben bestand seit 1925 die Schwestergesellschaft Feima. Das Kürzel ERMA wird hier also für eine Firma verwendet, die zum fraglichen Zeitpunkt noch anders hieß — und welche der beiden Gesellschaften die Waffen tatsächlich baute, ist damit erst recht nicht entschieden. Weiter reicht der Befund nicht, und das ist für ein Register, dessen Gegenstand die Fertigung ist, der unbefriedigendste Abschnitt des Eintrags.

Zur Menge stehen zwei Zahlen gegeneinander. Die englische Wikipedia nennt rund 10.000 Stück in drei Hauptausführungen, eine Sammlerdarstellung rund 20.000 bei beobachteten Seriennummern über 17.000. Die zweite Angabe hat wenigstens ein Merkmal am Objekt hinter sich. Entschieden wird das hier nicht, aber die Größenordnung von zehn- bis zwanzigtausend Waffen ordnet die EMP ein: ein Vielfaches des spanischen MP-28-Nachbaus, ein Zwanzigstel bis ein Zehntel der Erfurter MP-40-Fertigung von rund 204.000 Stück.

Zum Ort gilt derselbe Vorbehalt wie im Herstellereintrag. Berthold Geipel führte zwei Gesellschaften am selben Platz, ERMA und Feima, und welche von beiden die Adresse Altonaer Straße 25 führte, geben die Quellen unterschiedlich an. Für die Kriegsjahre ist dieser Widerspruch dort ausgewiesen. Für die 1930er Jahre ist er hier nicht einmal gestellt worden: In welchem Gebäude, mit welcher Belegschaft und in welchen Jahresmengen die EMP entstand, war nicht zu ermitteln.

Ein Punkt gehört nach der stehenden Prüfregel dieses Registers ausdrücklich benannt. Die EMP-Fertigung endet 1938, das für den Standort belegte Barackenlager wird auf „ab etwa 1940” datiert. Nach dieser Datierung fällt die EMP nicht in die Lagerzeit. Der Schluss ist allerdings nur so belastbar wie die Datierung, und die stützt sich nach dem Herstellereintrag auf einen einzigen, heute nicht mehr abrufbaren Beleg. Ausgeschlossen ist damit nichts.

Eine offene Spur führt vor Erfurt zurück und wäre für dieses Register die interessantere. Die VMP 1930 wurde nach einer Sammlerdarstellung über die Firma Will & Köhler vertrieben und wahrscheinlich auch dort gefertigt, einen kleinen thüringischen Betrieb für Luftgewehre und Taschenpistolen, der den Rüstungsbeschränkungen vermutlich nicht unterlag. Genannt ist nur „Thüringen”. Läge dieser Betrieb in Zella-Mehlis oder Suhl, wäre schon die Vorgeschichte der Teleskopfeder eine Fertigungsgeschichte des Untersuchungsraums. Der Ort ist hier nicht ermittelt, und die Vermutung wird nicht als Befund geführt.

Varianten

Drei Hauptausführungen werden übereinstimmend genannt, dazu zwei Sonderformen:

  • Langläufig, 300 mm, mit Kurvenvisier und Bajonetthalterung. Eine Exportausführung; genannt werden Bulgarien und Jugoslawien, ohne Beschaffungsbeleg.
  • Standardausführung, 250 mm, ohne Bajonetthalterung. Gelegentlich als „MP 34” geführt, was mit der Bergmann MP 34 nichts zu tun hat und deshalb hier vermieden wird.
  • Ausführung mit Schaft nach Art der MP 18 mit Griffrillen.
  • Flachschaftausführung ohne Vordergriff, nach einer Darstellung in sehr geringer Zahl.
  • Ausführung mit Schalldämpfer, nach derselben Darstellung in kleiner Serie bei den Brandenburgern und bei französischen Kollaborateuren; die Dämpfer sollen dabei so schlecht gewesen sein, dass sie weder Unterschall erzwangen noch nennenswert dämpften. Was ein Dämpfer leisten kann und was nicht — und warum ein Dämpfer ohne Unterschallmunition das lauteste der drei Schussgeräusche stehen lässt —, steht unter Schalldämpfer.

Innerhalb der Serie wechselt zweimal die Ausstattung. Die frühe Fertigung (nach einer Darstellung die ersten 2.000 bis 4.000 Stück) hat ein Kurvenvisier; danach folgt ein einfaches Klappvisier. Etwa gleichzeitig kommt oben rechts am Gehäuse eine Drehsicherung mit der Marke „S” hinzu, die den Verschluss in vorderer Stellung sperrt. Beide Wechsel sind am Objekt sofort zu sehen und die brauchbarste Grobdatierung, die dieser Eintrag anzubieten hat.

Das letzte Glied der Reihe trägt schon einen anderen Namen. Die EMP 36 von 1936 behält Vollmers Teleskopfeder unverändert, ersetzt aber den Vollholzschaft durch ein Holzgehäuse mit klappbarer Metallstütze und stellt den Magazinschacht nahezu senkrecht. Erhalten sind sehr wenige Stücke; eines trägt nach einer Übersichtsdarstellung die einzige Beschriftung „ERMA ERFURT EMP-36”. Aus ihr wurde die MP 38.

Verwendung

Die EMP ist eine Exportwaffe, und darin liegt ihre Existenzbedingung. Die Reichswehr durfte Maschinenpistolen nicht einführen, die Wehrmacht wollte ab 1938 etwas Billigeres. Beschafft haben sie in Deutschland die SS und Polizeiformationen; ein Jahr dafür nennt keine der eingesehenen Quellen. Im Krieg tauchte sie bei Waffen-SS, Feldgendarmerie und rückwärtigen Verbänden auf, überwiegend aus diesen Polizeibeständen. Die englische Wikipedia führt neben SS und Polizei ausdrücklich die Einsatzgruppen als Empfänger; das gehört hierher, auch wenn sich am einzelnen Stück nichts davon ablesen lässt.

Der Rest ging ins Ausland. Genannt werden Mexiko, Jugoslawien, Bulgarien, die Republik China, Norwegen, Polen und Bolivien, durchweg ohne Beschaffungsvorgang. Mehrere dieser Nennungen betreffen bei näherem Hinsehen den Vorgänger und nicht die EMP: Nach Bulgarien ging der größere Teil der rund 400 Vollmer’schen Eigenfertigung, nach Norwegen kauften 1932 acht Stück die Statspolitiet, und die bolivianische Lieferung führt die englische Wikipedia unter der Vollmer VPK. Belegbar ist am Objekt allein Spanien, und zwar zweifach: Stücke mit dem Stempel „CAL.9.L” am Magazinstutzen sind auf die spanische Ordonnanzpatrone 9 × 23 mm Largo eingerichtet, und mehrere angebotene Waffen führen Magazine mit dem gekreuzten Schwert und Rutenbündel der Guardia Civil. Ein Kaliber und ein Truppenzeichen sind ein besserer Nachweis als jede Nutzerliste.

Was in Spanien folgte, ist die Kehrseite jedes erfolgreichen Exports, und die MP 28 hat sie gleichzeitig erlebt. Die Republik baute ab 1937 in Barcelona ohne Lizenz nach. Nach dem Zusammenbruch führten rund 3.250 dieser Waffen über die Pyrenäen; sie wurden an der Grenze eingezogen und 1940 an französische Corps Francs ausgegeben, nach einer Darstellung mit nur 1.540 Magazinen dazu. Die Fertigung wurde nach dem Bürgerkrieg im Arsenal La Coruña fortgesetzt, das ab 1941 den M 41 in 9 × 23 mm Largo baute, später den M 41/44 mit einer zusätzlichen Druckbolzensicherung. Dass die Barceloneser Fertigungseinrichtungen dorthin verbracht wurden und dass es über 10.000 Stück waren, steht in einer Sammlerdarstellung und ist hier nicht gegengeprüft.

Damit steht eine Erfurter Konstruktion in einem Krieg auf beiden Seiten, wird von der Verliererin nachgebaut, von einem dritten Staat eingezogen, gegen die deutsche Besatzung eingesetzt und schließlich von der Siegerin in Serie gefertigt. Der Weg der MP 28,II über Herstal und Valencia nach England verlief nach demselben Muster.

Für die Bestimmung

Die EMP wird in zwei Richtungen verwechselt, und beide Verwechslungen sind in der Literatur belegbar.

Gegen die MP 28,II. Beide sind Holzschaftwaffen mit Kühlmantel, waagerechtem Stangenmagazin von links und einem Umschalter mit den Marken „E” und „D” über dem Abzug. In dieser Reihenfolge prüfen:

  1. Senkrechter Vordergriff unter dem Kühlmantel? Ja → EMP. Nein → MP 28 oder eine der seltenen EMP-Flachschaftausführungen. Das ist das schnellste Merkmal, aus mehreren Metern zu sehen.
  2. Schließfeder. Bei geöffnetem Gehäuse liegt bei der EMP ein geschlossenes Rohr, bei der MP 28 eine offene Feder auf einer Stange. Eindeutig, aber nur am zerlegten Stück.
  3. Beschriftung. Deutsche EMP tragen „E M P” über der Nummer am Gehäuse; der Magazinstutzen der MP 28 trägt „M.P.28,II — SYSTEM SCHMEISSER — PATENT”. Fehlt jede Firmenbeschriftung, ist ein spanischer Nachbau wahrscheinlich, und zwar für beide Vorbilder.
  4. Drehsicherung mit Marke „S” oben rechts am Gehäuse? Nur EMP, und nur die spätere Fertigung.

Gegen die eigenen spanischen Nachbauten. Der deutsche Spannhebel ist nach einer Sammlerdarstellung rund mit Mittelbohrung, der spanische massiv und oval; die Umschaltermarken lauten dort „T” und „A” für tiro a tiro und automática. Grob geschlagene Nummern ohne Firmenbeschriftung sprechen für Barcelona.

Die Namensfalle „naranjero”. In spanischen Darstellungen bezeichnet das Wort einmal den republikanischen MP-28-Nachbau aus Alberique bei Valencia, einmal die spanischen EMP-Kopien. Beide Zuordnungen sind belegbar, weil der Ausdruck in Spanien zum Gattungswort für Maschinenpistole wurde. Dasselbe gilt für „Coruña”: Das Arsenal baute sowohl EMP-Kopien (M 41, M 41/44) als auch MP-28-Kopien (Modelo 1942) nach. Eine spanische Quelle, die eine Waffe „naranjero” oder „Coruña” nennt, sagt damit über die zugrunde liegende deutsche Konstruktion nichts. Wie weit die Vermengung reicht, zeigt ein spanischer Fachblog, der die MP 28 als Entwurf Heinrich Vollmers und als Erzeugnis der ERMA führt — beides falsch, beides aus der Namensgleichheit entstanden. Der MP-28-Eintrag dieses Registers folgt der engeren Zuordnung des Namens an die Alberique-Fertigung; dieser Eintrag hält daran fest und weist den Widerspruch hier aus.

Eine dritte Falle betrifft die Bezeichnung selbst. Spanische und teils auch deutschsprachige Darstellungen führen die Waffe als „Erma MP 35”. Die MP 35 ist eine Bergmann-Konstruktion und eine andere Waffe. Wer eine Quelle zitiert, die „MP 35” schreibt, muss prüfen, welche der beiden gemeint ist.

Einordnung

Erstens trägt der Eintrag eine Behauptung, die das Register schon aufgestellt hatte. Die Linie EMP → MP 38 → MP 40 gibt es, aber sie ist schmäler, als die Pfeile aussehen lassen. Übergegangen ist eine Baugruppe, die Teleskopfeder. Nicht übergegangen sind Verschlussmasse in dieser Form, Magazinlage, Feuerartenumschaltung, Kühlmantel, Holzschaft und Vordergriff. Eine Entwicklungslinie ist keine Abstammung.

Zweitens verlangt die Linie „Vollmer → ERMA → MP 38” eine Genauigkeit, die dieses Register sich selbst auferlegt hat. Der Konstrukteur ist kein Herstellernachweis, sagt die Methodik, und sie sagt es hier gegen die eigene Erzählung. Vollmer war Schwabe und führte sein eigenes Werk in Biberach an der Riß weiter; ob er daneben in Erfurt angestellt war, ist offen und wird hier nicht mehr verneint. Die deutsche Wikipedia nennt ihn Chefkonstrukteur der Erma-Werke, ohne das zu belegen; die einzige datierte Angabe der eingesehenen Quellen ist ein Lizenzvertrag, und ein Lizenzvertrag ist das Gegenteil eines Anstellungsverhältnisses. Belegt ist damit weder das eine noch das andere. Die Feder entstand in Württemberg, und die Vorserie wurde nach einer Darstellung in Thüringen, aber nicht in Erfurt gefertigt. Erfurt ist der Ort, an dem die Rechte erworben, die Konstruktion in ein verkäufliches Erzeugnis überführt und zehn- bis zwanzigtausend Stück gebaut wurden, und der Ort, an dem daraus über die EMP 36 die MP 38 wurde. Das ist ein erheblicher Anteil. Er ist nur nicht der Anteil des Erfinders.

Drittens steht die EMP neben der MP 28,II und bildet mit ihr denselben Befund in zwei Häusern ab. Zwei deutsche Maschinenpistolen der Zwischenkriegszeit, zwei verschlossene Heimatmärkte, zwei Exportgeschäfte, zwei spanische Nachbauten, zwei Waffen, die im Bürgerkrieg gegeneinander standen. Die Waffenregion wirkte in diesen Jahren nicht über Beschaffungsakten, sondern über Ausfuhrgeschäfte. Wer ihre Bedeutung an deutschen Rüstungsaufträgen misst, misst für das Jahrzehnt zwischen 1928 und 1938 das Falsche.

Viertens, und für die Registerarbeit nicht nachrangig: Dieser Eintrag korrigiert eine Formulierung im eigenen Haus, ohne sie widerlegen zu können. Ob die Teleskopfeder ein Vollmer-Patent war oder eine Verbesserung an einer Suhler Patentlage, entscheidet, ob die MP 38 eine Erfurter Konstruktion mit Suhler Zulieferung oder eine Suhler Konstruktion mit Erfurter Ausarbeitung ist. Beide Sätze stehen derzeit im Register. Die Patentschrift, von der man sich die Entscheidung versprach, ist inzwischen eingesehen und trifft sie nicht: DRP 580620 beansprucht 1932 nur eine Kleinigkeit an einer Bauart, die es als bekannt voraussetzt. Ein Register lernt daran zweierlei. Eine Nummer, die durch die Sekundärliteratur wandert, ist noch kein Beleg — und wenn man sie nachschlägt, beantwortet sie manchmal eine andere Frage als die gestellte.

Waffenrechtliches

Vollautomat und damit verbotene Waffe nach Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.2.1.1 des Waffengesetzes. Das gilt unabhängig von der Stellung des Umschalters; maßgeblich ist die Fähigkeit zum Dauerfeuer.

Die Einordnung nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz ist in diesem Register nicht widerspruchsfrei, und der Eintrag legt das offen statt es zu verdecken. Nr. 29 b) der Kriegswaffenliste erfasst Maschinenpistolen nur, soweit sie nicht „als Modell vor dem 2. September 1945 bei einer militärischen Streitkraft eingeführt worden sind”. Der MP-28-Eintrag wendet diese Ausnahme an und führt die Waffe als keine Kriegswaffe; der MP-40-Eintrag führt die MP 40 als Kriegswaffe, obwohl sie 1940 bei der Wehrmacht eingeführt wurde und damit unter denselben Wortlaut fiele. Bei der EMP kommt hinzu, dass die deutsche Beschaffung über SS und Polizei lief und offen ist, ob das eine Einführung „bei einer militärischen Streitkraft” ist. Der Wortlaut beschränkt sich nicht auf deutsche Streitkräfte, und die EMP war bei spanischen und jugoslawischen Verbänden eingeführt — was eher für als gegen die Ausnahme spricht. Dieser Eintrag führt die Waffe gleichwohl vorsorglich als Kriegswaffe, weil eine Registerentscheidung über alle drei Einträge hinweg aussteht. Die Einordnung im Einzelfall trifft die zuständige Behörde; dieses Register gibt keine Rechtsauskunft und dokumentiert die Waffe ausschließlich industrie- und technikgeschichtlich. Siehe Methodik.

Offene Forschungsfragen. Erstens der Vorrang an der Teleskopfeder. DRP 580620 ist inzwischen eingesehen und entscheidet ihn gerade nicht: Die Schrift von 1932 setzt die Hülsenbauart als bekannt voraus. Zu suchen ist deshalb die ältere Schrift, die den Oberbegriff begründet, und der Anmelder von DRP 580620, den der digitalisierte Bestand nicht ausweist — beides Fragen an die Registerakten des Reichspatentamts beim Deutschen Patent- und Markenamt. Zweitens der Ort der Firma Will & Köhler; läge er im Untersuchungsraum, begänne die Geschichte dieser Waffe dort und nicht in Erfurt. Drittens die Erfurter Fertigungsdaten: Jahresmengen, Belegschaft, Gebäude, und ob ERMA oder Feima die EMP baute — Fragen an den Bestand des Landesarchivs Thüringen, an das Stadtarchiv Erfurt und an die nicht ausgewerteten Darstellungen Limbrechts und Schlemeiers; hinzu kommt die Frage, unter welcher Firma der Lizenzvertrag von 1931 geschlossen wurde, denn den Namen ERMA gab es damals noch nicht. Viertens der Fertigungsbeginn, für den fünf Angaben zwischen 1931 und 1935 kursieren und den ein einziger datierter Lieferschein klären würde. Fünftens der innere Aufbau der Feuerartenumschaltung, an einem zerlegten Abzugsgehäuse in Minuten zu entscheiden — dieselbe Frage, die auch der MP-28-Eintrag offen lässt. Sechstens die Beutebezeichnung der in Frankreich vorgefundenen Stücke: „MP 740(f)” steht in einer Sammlerdarstellung, während dieses Register die Nummer 740 bereits für das belgische Beutegerät MP 740(b) führt.

Konstruktion

Verschluss
Unverriegelter Masseverschluss, zylindrisch, zuschießend, mit feststehendem Schlagbolzen. Nach einer Darstellung sitzt der Schlagbolzen am vorderen Ende des gekapselten Federrohrs, das durch den Verschluss hindurchläuft, und damit gerade nicht im Verschlussboden. Am Objekt ist das hier nicht geprüft, für die Bauart aber gestützt: DRP 580620 beansprucht ausdrücklich einen „aus in sich verschiebbaren Hülsen bestehenden, eine Schraubenfeder in sich aufnehmenden Schlagbolzen".
Ladeprinzip
Rückstoßlader, unverriegelt, zuschießend. Die Schließfeder läuft in einem mehrteiligen, ineinandergeschobenen Rohr, das sie vollständig einschließt — das Merkmal, das die Linie EMP → MP 38 → MP 40 äußerlich zusammenhält.
Zuführung
Gerades Stangenmagazin, waagerecht von links eingeführt, 32 Patronen (eine Darstellung nennt zusätzlich 20); doppelreihig gefüllt, einreihig abgebend. Spannhebel rechts, Auswurf zur Gegenseite.
Abzug
Einzel- und Dauerfeuer, umschaltbar. Der Umschalter sitzt nach den eingesehenen Objektbeschreibungen oberhalb des Abzugs und trägt die Marken „E" und „D"; dieselbe Lage und dieselben Marken wie bei der MP 28,II.
Sicherung
Frühe Ausführung wie MP 18 und MP 28: Einhängen des zurückgezogenen Spannhebels in eine Rast am Gehäuseschlitz. Spätere Fertigung zusätzlich mit einer Drehsicherung oben rechts am Gehäuse (Marke „S"), die den Verschluss in VORDERER Stellung sperrt — sie sichert also die entladene oder geladene geschlossene Waffe, nicht den gespannten Verschluss.
Visierung
Frühe Fertigung (nach einer Darstellung die ersten 2.000 bis 4.000 Stück) Kurvenvisier, spätere Fertigung einfaches Klappvisier. Lauf im gelochten Kühlmantel; die langläufige Exportausführung zusätzlich mit Bajonetthalterung.

Maße und Leistung

Länge
950 mm (englische Wikipedia, zum 320-mm-Lauf des Infokastens) gegen 895 mm (Small Arms Review). Der Widerspruch ist auflösbar und war ein Lesefehler dieses Registers: Small Arms Review nennt „0.895 m (32.23 inches)", doch 0,895 m sind 35,23 Zoll — die Zollangabe ist eine Ziffernverdrehung und darf nicht zurückgerechnet werden. Bleiben 950 gegen 895 mm, also 55 mm bei 50 mm Lauflängenunterschied (300 gegen 250 mm). Eine Beschreibung eines Einzelstücks nennt für die 250-mm-Ausführung 892 mm und bestätigt die Zuordnung
Lauflänge
250 mm Standardausführung, 300 mm langläufige Exportausführung mit Bajonetthalterung. Der Infokasten der englischen Wikipedia nennt 320 mm und passt damit zu keiner der beiden im selben Artikel beschriebenen Ausführungen
Gewicht
4,0 kg (englische Wikipedia); 4,15 kg (9,16 lbs, Small Arms Review), jeweils ohne Magazin
Magazin
32 Patronen; eine Darstellung nennt zusätzlich 20
V₀
rund 380 m/s (englische Wikipedia), ohne Angabe der zugehörigen Lauflänge. Der Wert entspricht dem der MP 40 aus 251 mm Lauf und ist damit für die 250-mm-Ausführung plausibel, für die 300-mm-Ausführung zu niedrig
Kadenz
500 Schuss/min (Small Arms Review) bis 550 Schuss/min (englische Wikipedia). Der Versuchsträger VMP 1930 wurde in der Erprobung mit rund 700 Schuss/min ausdrücklich als zu schnell beanstandet — die Serienwerte liegen deutlich darunter, wodurch die Änderung dazwischen aber nicht belegt ist

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Ruhelage — Verschluss offen

    Der Verschluss steht hinten, gehalten vom Abzugsstollen, der von unten in seine Bahn ragt. Das Patronenlager ist leer und kühlt zwischen den Feuerstößen aus. Die Schließfeder ist gespannt und liegt dabei vollständig im Teleskoprohr; von außen ist von ihr nichts zu sehen und für Schmutz nichts zu erreichen.

  2. 2

    Auslösen und Vorlauf

    Der Abzug drückt den Stollen aus der Verschlussbahn. Das Federrohr schiebt sich auseinander und treibt den Verschluss nach vorn. Weil die Feder in ihrem Rohr geführt wird, kann sie nicht ausknicken und nicht an der Gehäusewand schleifen; die Vorlaufkraft bleibt über den Weg gleichmäßiger als bei einer offen liegenden Feder auf blanker Führungsstange.

  3. 3

    Zuführung aus dem Seitenmagazin

    Der Stoßboden streift die oberste Patrone aus dem waagerecht von links eingeführten Magazin. Der Zuführwinkel liegt deshalb überwiegend in der Waagerechten: Die Patrone wird seitlich in die Laufachse geschwenkt, nicht von unten angehoben. Zuführlippen und Einlaufschräge müssen die Schwenkung gemeinsam führen; bei abgenutzten Lippen liegt hier die Störstelle.

  4. 4

    Zündung im Vorlauf

    Sobald die Patrone am Stoßboden anliegt und der Verschluss noch Restschwung nach vorn hat, zündet der feststehende Schlagbolzen sie. Die nach vorn bewegte Masse arbeitet dem Rückstoß entgegen. Der Kunstgriff ist von der MP 18 unverändert übernommen und der Grund, warum eine 4 kg schwere Waffe im Feuerstoß beherrschbar bleibt.

  5. 5

    Auszug ohne Erstauszug

    Einen Erstauszug im Sinne des Zylinderverschlusses gibt es hier nicht, und das ist keine Auslassung. Ein Zylinderverschluss muss die am Lager anliegende Hülse mit großer Kraft bei kleinem Weg lösen, weil der Schütze von Hand arbeitet. Hier löst der noch anstehende Gasdruck sie selbst: Er drückt über den Hülsenboden gegen den zurückweichenden Verschluss, während die Hülsenwand sich vom Lager entspannt. Der Auszieher hat deshalb nur zu halten. Er ist entsprechend leicht gebaut und entsprechend häufig ausgeschlagen.

  6. 6

    Rücklauf und Auswerferzeitpunkt

    Der Verschluss läuft zurück, die Kralle des Ausziehers hält den Hülsenrand. Der Auswerfer greift erst, wenn die Hülse den Lauf verlassen und der Verschluss den Auswurfweg freigegeben hat; er wirft sie zur Gegenseite des Magazins aus. Ein zu früher Auswerferzeitpunkt schleudert die Hülse gegen die Gehäusewand und erzeugt das Klemmerbild dieser Bauart, die stehen gebliebene Hülse quer im Auswurffenster.

  7. 7

    Hintere Endlage

    Der Verschluss komprimiert die Feder im Rohr bis zum hinteren Anschlag. Die Kapselung dämpft dabei mit, weil die Luft aus den ineinanderlaufenden Rohrabschnitten nur über deren Spiel entweichen kann. Wie viel das bei der EMP austrägt, ist hier nicht belegt; bei der MP 40 führt die Literatur diese Wirkung ausdrücklich als Luftpuffer.

  8. 8

    Stellung „D" — Wiederholung

    Der Abzugsstollen bleibt unten gehalten, solange der Finger zieht. Der zurücklaufende Verschluss überfährt ihn, erreicht die Endlage und läuft sofort wieder vor. Der Zyklus wiederholt sich mit 500 bis 550 Schuss je Minute, bis der Abzug losgelassen oder das Magazin leer ist.

  9. 9

    Stellung „E" — der Abzugsunterbrecher

    Im Einzelfeuer muss die Verbindung zwischen Abzug und Stollen getrennt werden, während der Verschluss noch unterwegs ist, damit der Stollen hochkommt, bevor der zurücklaufende Verschluss ihn passiert hat. Der ganze Zyklus dauert bei 500 bis 550 Schuss je Minute ein Achtel bis ein Neuntel einer Sekunde; für die Trennung steht davon nur ein Bruchteil zur Verfügung. Belegt ist am Objekt nur der Umschalter über dem Abzug mit den Marken „E" und „D"; welches Zwischenglied die Trennung im Inneren leistet, ist für diesen Eintrag ebenso wenig geklärt wie bei der MP 28,II. Siehe Belegnotiz.

Masseverschluss — unverriegelter Rückstoßlader

Schemaskizze, nicht maßstäblich

1 2 3
  1. 1 Verschlussruhelage: Die Schließfeder presst den Verschluss gegen den feststehenden Lauf. Verriegelt ist nichts — es hält allein die Masse.
  2. 2 Schuss: Der Gasdruck treibt Geschoss und Hülse auseinander. Der Verschluss beginnt zurückzuweichen, bewegt sich wegen seiner Trägheit aber nur wenige Zehntelmillimeter, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat.
  3. 3 Rücklauf: Erst nach dem Druckabfall öffnet der Verschluss weit, wirft die Hülse aus und spannt die Feder.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

VMP 1930 (Vollmer Maschinenpistole)

Heinrich Vollmer, Biberach an der Riß; Vertrieb und nach einer Darstellung auch die Fertigung über Will & Köhler in Thüringen · Deutschland (Württemberg und Thüringen) · 1930 plausibel
System
Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, 9 × 19 mm, gerades Stangenmagazin von links, erstmals die gekapselte Teleskop-Schließfeder, ohne Kühlmantel, mit ausziehbarem Stützfuß im Vordergriff
Unterschied
Der unmittelbare Vorgänger und die Stelle, an der das Merkmal entsteht. Die EMP ist nach einer Darstellung im Kern die VMP 1930 mit wieder angebrachtem Kühlmantel. Aus dem Regelumfang fiel der Stützfuß — als Bestelloption blieb er nach Forgotten Weapons lieferbar —, hinzugekommen sind Kühlmantel und, in der Spätfertigung, die Drehsicherung.
Befund
Für dieses Register die wichtigste Zeile der Tabelle, weil sie die Zuschreibung begrenzt. Die Teleskopfeder entsteht 1930 in Württemberg und wird nach derselben Darstellung in Thüringen gefertigt — welcher Ort das war, ist hier nicht ermittelt. Erfurt kommt erst danach ins Spiel.

MP 28,II

C. G. Haenel, Suhl (Konstruktion Hugo Schmeisser) · Deutschland (Suhl) · 1928
System
Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, 9 × 19 mm, gerades Stangenmagazin waagerecht von links, Umschalter „D"/„E" über dem Abzug, Kurvenvisier, Holzschaft, Kühlmantel
Unterschied
Die beiden Waffen sind einander ähnlicher, als die getrennten Entwicklungslinien vermuten lassen: gleiches Verschlussprinzip, gleiche Magazinlage, gleiche Umschalterlage mit gleichen Marken. Unterschiedlich sind die Schließfeder (gekapselt gegen offen), der senkrechte Vordergriff und die spätere Drehsicherung.
Befund
Sie sind zeitgleiche Wettbewerber um denselben Markt, und beide fanden ihn im Ausland, weil der deutsche verschlossen war. Für die Bestimmung heißt die Ähnlichkeit: Am Magazinstutzen von links und am Umschalter über dem Abzug sind die beiden gerade NICHT zu trennen. Es trennt sie der Vordergriff.

MP 18,I

Theodor Bergmann Waffenbau, Abteilung Suhl (Konstruktion Hugo Schmeisser) · Deutschland (Suhl) · 1918
System
Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, 9 × 19 mm, nur Dauerfeuer, Schließfeder offen auf Führungsstange, anfangs Trommelmagazin über schräg gestellten Magazinstutzen
Unterschied
Das Prinzip ist dasselbe, und daran ändert die EMP nichts. Geändert sind Federführung, Feuerartenumschaltung, Magazinstutzen und Vordergriff — alles Bedienung und Instandhaltung, kein Funktionsprinzip.
Befund
Der Vergleich zeigt, wie wenig sich in dreizehn Jahren am Kern bewegte und wie viel an seinem Rand. Er zeigt zugleich, dass die EMP keine Suhler Ableitung ist: Vollmer arbeitete seit 1925 an einer eigenen Linie, deren Berührungspunkte mit Suhl erst bei der MP 38 zum Streitfall wurden.

MP 40

ERMA Erfurt, C. G. Haenel Suhl, Steyr-Daimler-Puch · Deutschland und Österreich · 1940
System
Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, 9 × 19 mm, dreiteilige Teleskop-Schließfeder, Blechpressfertigung, Klappstütze, Magazin senkrecht von unten, nur Dauerfeuer
Unterschied
Übernommen ist genau ein Baugruppengedanke: die gekapselte Teleskopfeder. Aufgegeben sind Holzschaft, Kühlmantel, Vordergriff, seitliche Magazinlage und die Umschaltung auf Einzelfeuer. Die MP 40 kann also weniger als die EMP und ist trotzdem ihr Nachfolger.
Befund
Die Zeile, um derentwillen dieser Eintrag angelegt wurde. Der MP-40-Eintrag dieses Registers spricht von der „Linie EMP – MP 38 – MP 40"; erst hier ist belegt, woraus das erste Glied besteht. Zugleich schränkt der Vergleich die Behauptung ein: Weitergegeben wurde die Feder, nicht die Waffe.

Subfusil Coruña M 41 und M 41/44

Fábrica de Armas de La Coruña; zuvor republikanische Fertigung in Barcelona · Spanien · 1941 plausibel
System
Lizenzloser Nachbau der EMP in 9 × 23 mm Largo, Stangenmagazin von links, beim M 41/44 zusätzlich eine Druckbolzensicherung an der Gehäuseunterseite
Unterschied
Die republikanischen Stücke aus Barcelona (1937 bis 1939) tragen nach einer Sammlerdarstellung einen massiven ovalen Spannhebel statt des deutschen runden mit Mittelbohrung, die Umschaltermarken „T" und „A" statt „E" und „D" sowie grob geschlagene Nummern ohne Firmenbeschriftung. Der Franco-Staat führte die Fertigung ab 1941 in La Coruña fort, über 10.000 Stück; die Sicherung des M 41/44 wurde nach derselben Darstellung nach Unfällen nachgerüstet.
Befund
Derselbe Vorgang wie beim spanischen MP-28-Nachbau, und genau daraus entsteht die Verwechslung, vor der dieser Eintrag warnt: Beide Waffen laufen in spanischen Darstellungen unter „naranjero", und beide wurden in La Coruña nachgebaut. Siehe „Für die Bestimmung".

Bekannte Schwächen

Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.

  • Sicherung der Frühausführung

    Von MP 18 und MP 28 unverändert übernommen: Gesichert wird durch Einhängen des zurückgezogenen Spannhebels in eine Rast am Gehäuseschlitz. Springt der Hebel heraus, läuft der Verschluss vor und die Waffe feuert. Die spätere Drehsicherung oben rechts behebt das nur zur Hälfte, weil sie den Verschluss in vorderer Stellung sperrt und damit den anderen Fehlerfall abdeckt. Dass der spanische Nachbau M 41/44 eine zusätzliche Druckbolzensicherung erhielt, wird in einer Sammlerdarstellung ausdrücklich mit Unfällen begründet. Bei der Zustandsbeurteilung ist der Zustand der Rast am Gehäuseschlitz der erste Prüfpunkt.

    plausibel

  • Fertigungsaufwand

    Gefrästes Rohrgehäuse, gelochter Kühlmantel, durchgehender Holzschaft mit angearbeitetem Vordergriff, Kurvenvisier, in der Exportausführung Bajonetthalterung. Eine Büchsenmacherarbeit, wie die MP 28 auch. Genau daran scheiterte sie 1938 im eigenen Haus: Die Wehrmacht wollte eine billiger herstellbare Waffe, und die ERMA lieferte sie mit der MP 38. Der Nachfolger konnte weniger und entstand schneller.

    plausibel

  • Auszieher ohne Löseaufgabe, aber mit Dauerlast

    Weil der Gasdruck die Hülse selbst löst, ist der Auszieher leicht gebaut. Er arbeitet dafür bei 500 bis 550 Schuss je Minute und muss den Hülsenrand über den gesamten Rücklauf halten. An Altstücken ist die Kralle deshalb ein Verschleißteil, das vor jeder Zustandsaussage anzusehen ist. Diese Bewertung ist eine Ableitung dieses Registers aus der Bauart und stützt sich auf keine Instandsetzungsvorschrift.

    ungeklärt

  • Magazin mit einreihiger Abgabe in waagerechter Lage

    Das doppelreihig gefüllte Magazin gibt einreihig ab; der Übergang erzeugt Reibung. In waagerechter Lage kommt hinzu, dass die Magazinfeder gegen die Seite und nicht gegen die Schwerkraft arbeitet, das Gewicht der Patronensäule also quer auf den Zuführlippen liegt. Dieselbe Störstelle führte bei MP 28 und Sten zu den bekannten Zuführklemmern. Eine quellenmäßige Bestätigung speziell für die EMP liegt hier nicht vor.

    ungeklärt

  • Zuschießendes Prinzip beim Einzelschuss

    Die Umschaltung auf Einzelfeuer beseitigt die Ursache der schlechten Einzelschussleistung nicht: Auch im Einzelfeuer läuft vor jedem Schuss die volle Verschlussmasse nach vorn und verzieht den Halt. Gewonnen sind Munitionsersparnis und Feuerdisziplin. Derselbe Befund gilt für die MP 18,I von 1918 und für die MP 28,II von 1928; er wird erst mit dem geschlossenen Verschluss der MP 43 behoben.

    plausibel

Verwendung

  • SS und deutsche Polizeiformationen; als Ordonnanz der Reichswehr oder der Wehrmacht ist die Waffe nicht eingeführt worden. Ein Jahr der Übernahme nennt keine der eingesehenen Quellen — die im Umlauf befindliche Angabe „ab 1936" ist hier nicht belegt
  • Im Zweiten Weltkrieg auf deutscher Seite bei Waffen-SS, Feldgendarmerie und rückwärtigen Verbänden, überwiegend aus vorhandenen Polizeibeständen; die englische Wikipedia nennt daneben ausdrücklich die Einsatzgruppen
  • Spanischer Bürgerkrieg 1936–1939 auf beiden Seiten; ab 1937 lizenzloser republikanischer Nachbau in Barcelona, ab 1941 staatliche Fertigung in La Coruña als M 41 beziehungsweise M 41/44
  • Frankreich: rund 3.250 aus Spanien mitgeführte Stücke wurden 1939 an der Grenze eingezogen und 1940 an die Corps Francs ausgegeben; nach einer Darstellung nur 1.540 Magazine dazu
  • Chaco-Krieg 1932–1935 in kleinen Stückzahlen bei Bolivien, Beutestücke bei Paraguay — so eine Sammlerdarstellung. Die englische Wikipedia schreibt dieselbe Lieferung nicht der EMP, sondern der älteren Vollmer VPK zu; welche Waffe im Chaco stand, ist damit offen (siehe Belegnotiz)
  • Exportlieferungen werden für Mexiko, Jugoslawien, Bulgarien, die Republik China und Norwegen genannt, durchweg ohne Beschaffungsbeleg; für Norwegen betrifft die einzige bezifferte Angabe 8 VMP der Statspolitiet von 1932 und damit den Vorgänger. Polen erwarb nach der englischen Wikipedia Stücke zur Erprobung

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (en) Erma EMP , Fertigung 1931–1938, rund 10.000 Stück in drei Hauptausführungen, Rechteabgabe „Ende 1930", Kaliberliste, Ausführungen mit 300 und 250 mm Lauf, Maße 950 mm / 4 kg / 550 Schuss/min / 380 m/s, Nutzerliste Link
  2. [Online] Forgotten Weapons Erma EMP: Heinrich Vollmer's Interwar Submachine Gun , Vermarktung durch ERMA ab 1932, überwiegend Export, Abgrenzung deutscher Stücke vom spanischen M 41/44 aus La Coruña, rund 3.250 an der französischen Grenze eingezogene Stücke bei 1.540 Magazinen Link
  3. [Online] Forgotten Weapons SMG With a Monopod? The Vollmer VMP-1930 , Ausziehbarer Stützfuß im senkrechten Vordergriff, gekapselte Schließfeder, Magazin waagerecht von links, Spannhebel rechts, Kummersdorfer Erprobungen 1925–1930 Link
  4. [Online] Small Arms Review Heinrich Vollmer: German Entrepreneur, Inventor, Submachine Gun Influencer , VMP 25 mit senkrechtem Vordergriff und Trommelmagazin, VMP 26, VMP 28, VMP 30 mit Teleskopfeder und Beanstandung „700 Schuss/min zu schnell"; Lizenzvertrag vom 21. Oktober 1931. Die dort genannten Lebensdaten Vollmers (6. Januar 1885, Werk in Biberach ab 1909) weichen von der deutschen Wikipedia ab (26. Juli 1885 in Altdorf; Gründung 1909 in Ebingen, Biberach ab 1910) und werden hier nicht übernommen Link
  5. [Online] Small Arms Review Erma Vollmer EMP Submachine Gun , Fertigung „1935 bis 1938", überwiegend Export; spanische Republikaner, Internierung in Frankreich, französische Corps Francs, Fertigung in La Coruña; „0.895 m (32.23 inches)" Gesamtlänge — die Zollangabe ist falsch, 0,895 m sind 35,23 Zoll; 0,250 m Lauf (9,84 Zoll), 4,150 kg (9,16 lbs), 500 Schuss/min, Magazin 20 oder 32; Holzschaft mit kurzem Vorderschaft und senkrechtem Vordergriff. Den Chaco-Krieg nennt dieser Aufsatz NICHT; er stand hier zunächst irrtümlich als seine Fundstelle Link
  6. [Online] firearms.96.lt Vollmer EMP submachine gun — Entwicklung , Reichswehr-Förderung ab 1925, Erprobung Kummersdorf August 1925, weitere Förderung durch Oberstleutnant Eckardt (HWA); VMP 1925/1926/1927/1930; „Die Schließfeder lag in einem gekammerten, teleskopierenden Mantel, der den Schlagbolzen trug"; Vertrieb und mutmaßliche Fertigung der VMP 30 über Will & Köhler in Thüringen, 350–400 Stück; ERMA-Fertigung 1934–1938, rund 20.000 Stück, Seriennummern über 17.000 Link
  7. [Online] firearms.96.lt Vollmer EMP submachine gun — Ausführungen und Kennzeichen , Kurvenvisier der ersten 2.000–4.000 Stück, später Klappvisier und Drehsicherung; langläufige Exportausführung mit Bajonetthalterung; Flachschaftausführung ohne Vordergriff; deutscher Spannhebel rund mit Mittelbohrung gegen spanischen massiven Ovalhebel; Umschaltermarken „E"/„D" gegen „T"/„A"; Barcelona 1937–1939; La Coruña M 41 und M 41/44 mit nachgerüsteter Druckbolzensicherung Link
  8. [Objektbefund] International Military Antiques Original German Pre-WWII ERMA EMP, Serie 13717 , Gehäusebeschriftung „E M P" über der Nummer; Nummer an hinterem Gehäusedeckel, Magazinstutzenboden, Kühlmantelunterseite und Verschluss; Drehsicherung oben rechts mit Marke „S"; kein Kaliberstempel am Magazinstutzen; Schaft nach Art der MP 18 mit Griffrillen Link
  9. [Objektbefund] International Military Antiques Original German Pre-WWII ERMA EMP, Serie E-3170 , Stempel „CAL.9.L" unter der Nummer am Magazinstutzen, Nummer mit E-Vorsatz, Umschalter über dem Abzug, Lauflänge 25 cm, Magazin von links Link
  10. [Objektbefund] International Military Antiques Original German Pre-WWII ERMA EMP, Serie E-0528 , Nummer mit E-Vorsatz und „CAL.9.L"; Magazin mit gekreuztem Schwert und Rutenbündel, dem Zeichen der Guardia Civil, und der Nummer 3173 Link
  11. [Online] mp40.nl Die Maschinenpistole MP38, MP40, MP41 — The prototypes , EMP 36 als unmittelbarer Vorläufer der MP 38, Abzugsgruppe und Verschluss aus der EMP übernommen; widersprüchliche Angaben zur Patentlage an der Teleskopfeder (Vollmer „angeblich" Inhaber; Vollmer als Verbesserer einer Schmeisser-Patentlage) Link
  12. [Online] Wikipedia (en) MP 36 , EMP 36 als Erma-Eigenentwicklung von 1936 mit Holzgehäuse und klappbarer Metallstütze; Beschriftung „ERMA ERFURT EMP-36"; sehr wenige erhaltene Stücke Link
  13. [Online] armas.es „Naranjero" y „Labora": dos subfusiles republicanos , Naranjero als republikanischer Nachbau, rund 2.000 Stück ab 1938 in Alberique (Valencia), 9 × 23 mm Largo, Fortsetzung in La Coruña; im Leserkommentar der ausdrückliche Einwand, es handele sich um eine Kopie der ERMA EMP und nicht der MP 28,II Link
  14. [Online] Historia Bélica Subfusil Erma MP 35 / Coruña (Alemania/España) , Führt die EMP unter der irreführenden Bezeichnung „Erma MP 35"; senkrechter Holzvordergriff, 32-Schuss-Magazin von der Seite, 500 Schuss/min, Wirkung 100–150 m; Beschaffung der republikanischen Bestände angeblich über Polen; spanische Fertigung ab 1942 als „Coruña M1942" Link
  15. [Online] Armas de Fuego Subfusil Mod. MP 28 (Erma, Coruña o Naranjero) , Beispiel für die Vermengung beider Konstruktionen: führt die MP 28 als Entwurf Heinrich Vollmers und als bei der ERMA gefertigt Link
  16. [Archiv] DRP 580620 Patentschrift Nr. 580620 — „Schlagbolzen für Maschinenpistolen, automatische Gewehre u. dgl." , Angemeldet 22. Oktober 1932, ausgegeben 13. Juli 1933, altes Anmeldezeichen DEV27894D; Anmelder im Digitalisat nicht ausgewiesen. Anspruch 1: „Aus in sich verschiebbaren Hülsen bestehender, eine Schraubenfeder in sich aufnehmender Schlagbolzen für Maschinenpistolen, automatische Gewehre u. dgl., dadurch gekennzeichnet, daß die Schlagbolzenteile durch ein innenliegendes biegsames Glied, insbesondere durch eine Darmsaite, entgegen der Wirkung der Schraubenfeder zusammengehalten sind." Der Oberbegriff setzt die Hülsenbauart als bekannt voraus; beansprucht ist allein die Darmsaite Link
  17. [Online] Wikipedia (de) Heinrich Vollmer / Vollmer Werke , Geboren 26. Juli 1885 in Altdorf (Landkreis Esslingen), gestorben 1961; Firmengründung 1909 in Ebingen, ab 1910 Biberach an der Riß; Vollmer dort als „Chefkonstrukteur" der Erma-Werke bezeichnet — ohne Beleg und im Widerspruch zur Lizenzvertragslage Link
  18. [Online] Bundesministerium der Justiz Kriegswaffenkontrollgesetz, Anlage (Kriegswaffenliste) , Nr. 29 b): „Maschinenpistolen, ausgenommen solche, die als Modell vor dem 2. September 1945 bei einer militärischen Streitkraft eingeführt worden sind" Link
  19. [Online] Bundesministerium der Justiz Waffengesetz, Anlage 2 (Waffenliste) , Abschnitt 1 Nr. 1.2.1.1 — Vollautomaten sind verbotene Waffen Link

Aus derselben Fertigung