Vergleichsstück · Tschechoslowakei
Škorpion vz. 61 (und vz. 65)
- Fertigung
- Česká zbrojovka, Uherský Brod
- Kaliber
- 7,65 × 17 mm (vz. 61), 9 × 18 mm (vz. 65)
- Zeitraum
- 1963–1990
- Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden
Dieser Eintrag ist ein VERGLEICHSSTÜCK: Die Waffe wurde in der Tschechoslowakei bei Česká zbrojovka in Uherský Brod gefertigt, nicht im Untersuchungsraum. Sie steht hier wegen ihrer belegten Verwendung durch das MfS. ÜBEREINSTIMMEND belegt sind Entwicklung 1963 bei Česká zbrojovka, das unverriegelte Masseverschlussprinzip bei feststehendem Lauf, der über Federspannung gesteuerte Kadenzverzögerer, die Maße (270 bzw. 522 mm beim vz. 61, Lauf 115 mm, 1,30 kg, V0 320 m/s, rund 750 Schuss/min) und die Ausführungen vz. 61 in 7,65 × 17, vz. 64 in 9 × 17, vz. 65 in 9 × 18 und vz. 68 in 9 × 19 mm. DAS OBJEKT: Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke" in Leipzig führt unter der Inventarnummer 15384 einen Aktenkoffer mit eingebauter Škorpion, vom Operativ-technischen Sektor des MfS umgebaut, datiert 1976/77, Maße 43,5 × 8 × 33 cm. Die Waffe konnte über einen Auslöser am Koffergriff aus der Tarnung heraus abgefeuert werden; eine sichtbare Laufmündung gab es nicht, die Kofferwand wäre vom Geschoss durchschlagen worden. Die Museumsangabe nennt die Ausführung vz. 65 — also die Fassung in 9 × 18 mm, dem Kaliber der Pistole M. Diese Übereinstimmung ist plausibel, aber vom Museum nicht als Begründung genannt; die Verbindung zieht dieses Register. NICHT ERMITTELT sind: wie viele Škorpion die DDR beschaffte und über welchen Weg, welche Diensteinheiten sie außer dem Personenschutz führten, ob es weitere Tarnungsbauten des OTS gab und ob die Waffe auch bei der Diensteinheit IX der Volkspolizei geführt wurde. Die Angabe zum Einsatz an Grenzübergangsstellen stammt aus derselben Objektbeschreibung und ist nicht gegengeprüft. ZUM BESTANDSABGLEICH: Die Bezeichnung des Objekts schwankt zwischen „vz. 61" in Übersichten und „Vz 65" in der Museumsangabe. Da die Ausführungen sich im Kaliber unterscheiden, ist das kein Schreibfehler, sondern eine Sachfrage. Der Eintrag führt beide Bezeichnungen.
So funktioniert sie
Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.
Diese Waffe ist so klein wie eine große Pistole und schießt trotzdem im Dauerfeuer. Möglich ist das, weil sie eine schwache Patrone verwendet und weil der Verschluss — das Stahlstück, das den Lauf hinten zuhält — nur durch sein Gewicht und eine Feder gehalten wird, nicht durch eine Verriegelung. Bei so kleinen Waffen entsteht damit ein Problem: Ein leichter Verschluss läuft sehr schnell hin und her, die Waffe würde ihr Magazin in einem Wimpernschlag leerschießen und dabei unkontrollierbar hochsteigen. Dagegen sitzt im Griffstück eine besondere Vorrichtung. Sie fängt den zurückgelaufenen Verschluss ab, hält ihn einen winzigen Moment fest und gibt ihn erst dann wieder frei — ein eingebauter Bremser, dessen einziger Zweck es ist, die Waffe langsamer zu machen. Ohne ihn wäre sie nicht zu beherrschen. Dazu kommt eine Drahtstütze, die sich über die Waffe klappen lässt und im ausgeklappten Zustand an die Schulter gelegt wird; damit verdoppelt sich die Länge fast, und die Waffe wird deutlich ruhiger.
Die Škorpion ist die kleinste Vollautomatwaffe dieses Registers: 27 cm lang mit eingeklappter Stütze, 1,3 kg schwer, in einer Hand zu führen. Gefertigt wurde sie in der Tschechoslowakei, nicht im Untersuchungsraum — sie steht hier als Vergleichsstück, und zwar wegen eines Objekts in Leipzig.
Der Aktenkoffer
Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke” führt unter der Inventarnummer 15384 einen schwarzen Aktenkoffer aus Kunstleder, 43,5 × 8 × 33 cm. In ihm steckt eine Škorpion, eingebaut vom Operativ-technischen Sektor (OTS) des Ministeriums für Staatssicherheit. Datiert ist der Umbau auf 1976/77.
Zwei Einzelheiten aus der Objektbeschreibung machen ihn zu mehr als einer Kuriosität:
Der Auslöser sitzt am Koffergriff. Die Waffe wird abgefeuert, ohne dass sie berührt oder sichtbar wird — der Träger hält den Koffer wie jeder andere Mensch einen Koffer hält.
Es gibt kein Loch für den Lauf. Von außen ist nichts zu erkennen. Das Geschoss hätte beim Schuss die Kofferwand durchschlagen.
Der zweite Punkt ist der bemerkenswertere, weil er eine Entscheidung offenlegt: Man hat auf die naheliegende Öffnung verzichtet, um die Tarnung vollständig zu halten — und dafür in Kauf genommen, dass der erste Schuss durch das eigene Gehäuse geht. Verdeckung war wichtiger als Wiederverwendbarkeit.
Nach der Objektbeschreibung diente das Gerät vermutlich dem Personenschutz. Die Škorpion kam außerdem an Grenzübergangsstellen bei Passkontrolleinheiten zum Einsatz — denselben Einheiten, die auch das SSG 82 führten.
Welche Ausführung, und warum
Das Museum bezeichnet die eingebaute Waffe als vz. 65. Das ist keine Nebensache: Die Škorpion-Ausführungen unterscheiden sich im Kaliber.
| Ausführung | Patrone |
|---|---|
| vz. 61 | 7,65 × 17 mm |
| vz. 64 | 9 × 17 mm |
| vz. 65 | 9 × 18 mm |
| vz. 68 | 9 × 19 mm |
Der vz. 65 verschießt 9 × 18 mm — die Patrone der Pistole M und damit die Standard-Pistolenpatrone der DDR und des Warschauer Pakts. Wer sie im Bestand hat, greift naheliegenderweise zu der Ausführung, die damit schießt.
Diese Verbindung zieht dieses Register; das Museum nennt sie nicht als Begründung. Sie ist plausibel, aber nicht belegt.
Warum diese Waffe einen eingebauten Bremser braucht
Technisch ist die Škorpion ein zuschießender Masseverschluss — dasselbe Prinzip wie bei der MP 18,I von 1918. Nur ist hier alles klein.
Und genau daraus entsteht ein Problem. Die Kadenz eines Masseverschlusses hängt an der Verschlussmasse: Ein schwerer Verschluss braucht länger für seinen Weg, ein leichter ist schnell zurück. Bei der MP 18 senkte die Masse des Blocks die Kadenz auf beherrschbare 350 bis 500 Schuss je Minute. Ein Verschluss, der in ein 27-cm-Gehäuse passt, wiegt einen Bruchteil davon — und wäre entsprechend rasend.
Die Lösung sitzt im Griffstück: eine Vorrichtung, die den zurückgelaufenen Verschluss abfängt, einen Augenblick festhält und erst dann freigibt. Die Verzögerung ist über eine Federspannung eingestellt.
Das ist ein bemerkenswertes Bauteil, weil sein einziger Zweck darin besteht, die Waffe schlechter zu machen — langsamer, als sie von selbst wäre. Es verbessert nichts; es behebt einen Nachteil, den die Verkleinerung erst erzeugt hat.
Selbst damit bleiben rund 750 Schuss je Minute. Bei 1,3 kg Gewicht heißt das: Ohne ausgeklappte Drahtstütze an der Schulter ist ein gezielter Feuerstoß kaum möglich.
Für die Zustandsbeurteilung. Verschleißt oder versagt der Verzögerer, wird die Waffe nicht langsamer, sondern schneller — und unbeherrschbar. Das ist die eine Baugruppe, auf die es an einem Škorpion-Stück ankommt, und sie lässt sich nur am funktionsfähigen Gerät prüfen.
Was daneben in Suhl entstand
Die Škorpion ist nicht die einzige verdeckt zu führende Vollautomatwaffe, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielt. Nach der Darstellung des Bundesarchivs entwickelte die Abteilung Bewaffnung und Chemischer Dienst des MfS in ihrer getarnten Suhler Werkstatt — jener, in der auch das SSG 82 entstand — neben einem Revolver „Smart” auch eine eigene Kleinstmaschinenpistole, die verdeckt getragen werden konnte.
Über sie ist diesem Register bislang nichts Näheres bekannt. Sie steht auf der Liste der Lücken. Ob sie als Ersatz für die tschechoslowakische Waffe gedacht war, als Ergänzung oder aus ganz anderen Gründen entstand, ist offen — und wäre die interessantere Geschichte, weil sie im Untersuchungsraum spielt.
Das Bundesarchiv verweist für den größeren Zusammenhang auf eine Darstellung von Patrick Hoffmann, Die geheime Waffenproduktion der Staatssicherheit der DDR (Bad Langensalza 2023). Sie ist hier benannt, aber nicht ausgewertet: Dieses Register arbeitet derzeit nur mit Online-Quellen.
Zwei Wege zu derselben Aufgabe
Die Škorpion entstand 1963, die MP5 drei Jahre später. Beide wurden von Polizei- und Sicherheitsdiensten geführt, beide für Lagen im Nahbereich — und sie lösen die Aufgabe von entgegengesetzten Enden her.
| Škorpion vz. 61 | MP5 | |
|---|---|---|
| Länge | 270 mm eingeklappt | 680 mm |
| Gewicht | 1,30 kg | rund 2,5 kg |
| Verschluss | unverriegelter Masseverschluss, zuschießend | rollenverzögert, aufschießend |
| Aufwand | Verzögerer, um die Kadenz zu senken | Rollenpaarung, um im Einzelschuss zu treffen |
| Stärke | Verdeckbarkeit | Treffgenauigkeit |
Die Škorpion ist so klein wie möglich und nimmt dafür in Kauf, dass sie schwer zu halten ist. Die MP5 treibt erheblichen mechanischen Aufwand für Präzision und nimmt dafür Größe und Gewicht in Kauf. Siehe Die Rollenlinie.
Dass die DDR zur ersten Lösung griff, hat einen einfachen Grund: Sie war im Warschauer Pakt verfügbar und passte ins Kaliber. Für Personenschutz und verdeckte Führung war Verdeckbarkeit ohnehin die maßgebliche Eigenschaft.
Offene Forschungsfragen. Wie viele Škorpion beschaffte die DDR, über welchen Weg und für welche Diensteinheiten? — Gab es weitere Tarnungsbauten des Operativ-technischen Sektors, und sind sie museal erfasst? — Führte auch die Diensteinheit IX der Volkspolizei die Waffe? Für sie ist im Eintrag zur HK 33 westdeutsches Gerät im Gespräch, aber nicht belegt. — Und vor allem: Was war die Kleinstmaschinenpistole aus der Suhler MfS-Werkstatt?
Waffenrechtliches
Vollautomatische Waffe und damit Kriegswaffe nach dem KWKG. Sie wird hier ausschließlich technik- und zeitgeschichtlich dokumentiert. Siehe Methodik.
Konstruktion
- Verschluss
- Unverriegelter Masseverschluss bei feststehendem Lauf. Bei der schwachen 7,65 × 17 mm genügt die Verschlussmasse.
- Ladeprinzip
- Rückstoßlader, unverriegelt, zuschießend. Der Verschluss ist so klein, dass ohne Zusatzeinrichtung eine unbrauchbar hohe Kadenz entstünde.
- Zuführung
- Gerades Stangenmagazin im Griffstück
- Abzug
- Einzel- und Dauerfeuer. Die Kadenz beträgt auch mit Verzögerer noch rund 750 Schuss/min.
- Sicherung
- Wählhebel am Griffstück
- Visierung
- Klappvisier mit zwei Stellungen, Korn. Auf den Entfernungen, für die die Waffe gedacht ist, spielt es kaum eine Rolle.
Maße und Leistung
- Länge
- 270 mm mit eingeklappter Stütze, 522 mm ausgeklappt (vz. 61); 305 bzw. 595 mm beim vz. 68
- Lauflänge
- 115 mm
- Gewicht
- 1,30 kg ohne Magazin (vz. 61)
- Magazin
- Stangenmagazin im Griffstück
- V₀
- 320 m/s (vz. 61); 400 m/s (vz. 68)
- Kadenz
- rund 750 Schuss/min
Funktionsablauf im Einzelnen
Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.
- 1
Ausgangslage — zuschießend
Der Verschluss steht hinten und offen, gehalten vom Abzugsstollen. Dasselbe Prinzip wie bei der MP 18 — nur dass hier alles kleiner ist.
- 2
Vorlauf und Zündung
Der Abzug gibt den Verschluss frei; er läuft vor, führt die Patrone zu und zündet im Vorlauf. Der Lauf steht dabei fest.
- 3
Rücklauf
Der Gasdruck treibt den Verschluss zurück. Er ist leicht, also wird er schnell — und genau darin liegt das Problem dieser Bauart im Kleinen.
- 4
Der Verzögerer im Griffstück
Am hinteren Umkehrpunkt greift eine Vorrichtung im Griffstück ein: Sie fängt den Verschluss ab, hält ihn einen kurzen Augenblick fest und gibt ihn erst dann wieder frei. Die Verzögerung ist über eine Federspannung eingestellt. Ihr einziger Zweck ist es, die Waffe langsamer zu machen. Ohne sie wäre die Kadenz so hoch, dass das Magazin in einem Sekundenbruchteil leer und die Waffe nicht zu halten wäre.
- 5
Fortsetzung
Nach der Freigabe läuft der Verschluss wieder vor. Auch mit Verzögerer bleiben rund 750 Schuss/min — für eine Waffe, die einhändig geführt werden kann, immer noch sehr viel.
Schemaskizze, nicht maßstäblich
- 1 Verschlussruhelage: Die Schließfeder presst den Verschluss gegen den feststehenden Lauf. Verriegelt ist nichts — es hält allein die Masse.
- 2 Schuss: Der Gasdruck treibt Geschoss und Hülse auseinander. Der Verschluss beginnt zurückzuweichen, bewegt sich wegen seiner Trägheit aber nur wenige Zehntelmillimeter, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat.
- 3 Rücklauf: Erst nach dem Druckabfall öffnet der Verschluss weit, wirft die Hülse aus und spannt die Feder.
Vergleichsstücke außerhalb der Region
Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.
Pistole M (Makarow)
VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann" u. a. · DDR (Suhl) / Sowjetunion · 1957 plausibel- System
- Unverriegelter Masseverschluss, 9 × 18 mm, Selbstlader
- Unterschied
- Dieselbe Patrone wie beim vz. 65, dasselbe Verschlussprinzip — und der Grund, warum gerade diese Ausführung für die DDR naheliegend war. Wer Makarow-Munition im Bestand hat, greift zu der Škorpion-Ausführung, die damit schießt.
- Befund
- Der Unterschied ist die Feuerart: Die Makarow ist ein Selbstlader, die Škorpion ein Vollautomat in kaum größerer Bauform. Für Personenschutz und verdeckte Führung ist das ein erheblicher Zuwachs an Feuerkraft bei nahezu gleicher Handhabung.
MP 18,I
Theodor Bergmann, Suhl · Deutsches Reich (Suhl) · 1918 plausibel- System
- Zuschießender Masseverschluss, 9 × 19 mm, Trommelmagazin, 815 mm lang, 4,18 kg
- Unterschied
- Dieselbe Grundmechanik, 45 Jahre früher — und ein Viertel des Gewichts bei einem Drittel der Länge trennt beide. Wo die MP 18 die Verschlussmasse brauchte, um die Kadenz zu senken, muss die Škorpion sie künstlich bremsen.
- Befund
- Der Vergleich zeigt, wohin die Gattung lief. Die MP 18 begründete sie mit einer Waffe, die zwei Hände und eine Schulter braucht; die Škorpion führt sie an die Grenze, an der eine Hand genügt. Die Grenze wird von der Beherrschbarkeit gesetzt, nicht von der Mechanik.
HK MP5
Heckler & Koch · Bundesrepublik (Oberndorf) · 1966 plausibel- System
- Rollenverzögerter Masseverschluss, aufschießend, 9 × 19 mm
- Unterschied
- Die westliche Antwort auf dieselbe polizeiliche Aufgabe, drei Jahre später — und der Gegenentwurf: Statt kleinstmöglicher Bauform ein erheblicher mechanischer Aufwand für Präzision im Einzelschuss.
- Befund
- Beide Waffen wurden von Polizei- und Sicherheitsdiensten geführt, und beide lösen dieselbe Aufgabe von entgegengesetzten Enden her: die Škorpion über Verdeckbarkeit, die MP5 über Treffgenauigkeit. Siehe Die Rollenlinie.
Bekannte Schwächen
Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.
-
Die Kadenz ist auch mit Verzögerer hoch
Rund 750 Schuss/min bei 1,3 kg Gewicht bedeuten, dass die Waffe im Dauerfeuer schwer im Ziel zu halten ist. Der Verzögerer macht sie beherrschbar, nicht ruhig. Ohne ausgeklappte Schulterstütze ist ein gezielter Feuerstoß kaum möglich.
plausibel
-
Schwache Patrone
Die 7,65 × 17 mm des vz. 61 ist eine Taschenpistolenpatrone. Sie erlaubt die kleine Bauform, begrenzt aber die Wirkung. Die späteren Ausführungen in 9 × 18 mm und 9 × 19 mm sind stärker und entsprechend schwerer — der vz. 68 wiegt mit gut 2 kg deutlich mehr als der vz. 61.
plausibel
-
Ein Bauteil, dessen Zweck die Selbstbeschränkung ist
Der Verzögerer ist keine Verbesserung der Waffe, sondern die Behebung eines Nachteils, den die Verkleinerung selbst erzeugt hat. Bei einem Ausfall oder Verschleiß dieser Baugruppe wird die Waffe nicht langsamer, sondern schneller — und damit unbrauchbar. Für die Zustandsbeurteilung ist das der Punkt, auf den es ankommt; geprüft werden kann er nur am funktionsfähigen Stück.
ungeklärt
Verwendung
- Tschechoslowakische Polizei, Sicherheitsorgane und Streitkräfte; Lizenzfertigung in Jugoslawien
- Ministerium für Staatssicherheit der DDR — belegt durch ein Museumsobjekt: ein vom Operativ-technischen Sektor (OTS) umgebauter Aktenkoffer mit eingebauter Škorpion vz. 65, datiert 1976/77
- Nach der Objektbeschreibung vermutlich Personenschutz; die Škorpion kam außerdem an Grenzübergangsstellen bei Passkontrolleinheiten zum Einsatz
Quellen
- [Objektbefund] Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke" — Aktenkoffer mit versteckter Maschinenpistole „Skorpion" Vz 65 , Inventarnummer 15384; Umbau durch den Operativ-technischen Sektor (OTS) des MfS; Auslösemechanismus am Koffergriff, Abfeuern aus der Tarnung heraus ohne sichtbare Laufmündung, das Geschoss durchschlug die Kofferwand; Datierung 1970er/80er Jahre, genauer 1976–1977; vermutlich für den Personenschutz; Einsatz der Škorpion außerdem an Grenzübergangsstellen bei Passkontrolleinheiten; Maße 43,5 × 8 × 33 cm; Kunstleder, Metall, Holz Link
- [Online] Wikipedia (de) — Škorpion vz. 61 , Entwicklung 1963 bei Česká zbrojovka in Uherský Brod; „vz." für „vzor"; unverriegelter Masseverschluss bei feststehendem Lauf; über Federspannung gesteuerte Verzögerungseinrichtung zur Regelung der Kadenz; vz. 61 270/522 mm, Lauf 115 mm, 1,30 kg, V0 320 m/s, 750 Schuss/min; vz. 68 305/595 mm, 2,03–2,12 kg, V0 400 m/s; Ausführungen vz. 61 (7,65 × 17), vz. 64 (9 × 17), vz. 65 (9 × 18), vz. 68 (9 × 19); Verwendung durch tschechoslowakische Polizei, Sicherheitsorgane und Streitkräfte, begrenzte Verbreitung im Ostblock und in afrikanischen Staaten, Lizenzfertigung in Jugoslawien; verdeckte Führung in Aktenkoffern durch Personenschützer Link
- [Archiv] Bundesarchiv — Die geheimen Waffen der Stasi , Eigenentwicklungen der Abteilung Bewaffnung und Chemischer Dienst des MfS in Suhl, darunter eine verdeckt zu tragende Kleinstmaschinenpistole; als NVA-Dienststelle legendierte Produktionsstätte hinter dem Zentralen Abnahmebüro; Hinweis auf die Darstellung von Patrick Hoffmann, „Die geheime Waffenproduktion der Staatssicherheit der DDR", Bad Langensalza 2023 Link
- [Literatur] Patrick Hoffmann — Die geheime Waffenproduktion der Staatssicherheit der DDR , Bad Langensalza 2023. Vom Bundesarchiv als weiterführende Darstellung genannt; in diesem Register NICHT ausgewertet, weil derzeit nur Online-Quellen herangezogen werden