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OD WH

Modell

MP 41

Fertigung
Haenel
Kaliber
9 × 19 mm
Zeitraum
1941–1944
Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden

GESICHERT im Sinne einer objektnahen Quelle ist die Herstellerzuschreibung, und zwar besser als bei den meisten Erzeugnissen dieser Jahre: Das Verschlussgehäuse trägt in drei Zeilen „M.P.41 — PATENT SCHMEISSER — C. G. HAENEL, SUHL", das Magazin „M.P.41 — PATENT SCHMEISSER — HAENEL" nebst dem Haenel-Pfeil. Das ist bemerkenswert, weil deutsche Waffen dieser Jahre den Fertigungscode statt des Firmennamens tragen; Haenels Code fxo steht auf den MP 40 und den Maschinenkarabinern desselben Hauses, nicht auf der MP 41. Warum hier der Klarname erscheint, ist NICHT geklärt. Hinzu kommen Kleinstempel Adler/WaA37 an Verschluss, Lauf und Gehäuse — die Nummer der Abnahmestelle, die bei C. G. Haenel saß. NICHT ZULÄSSIG ist der naheliegende Schluss aus diesem Stempel auf eine Wehrmachtseinführung: Das Verschlussgehäuse ist ein MP-40-Bauteil und kann den Abnahmestempel bereits als solches erhalten haben. Die deutschsprachige Darstellung führt diesen Einwand ausdrücklich selbst. NICHT BELEGT ist der Patentprozess, und das ist der Hauptbefund dieses Eintrags. Die Angabe, die ERMA habe Ende 1941 wegen Patentverletzung geklagt und Haenel daraufhin die Fertigung einstellen müssen, steht gleichlautend in mehreren englischsprachigen Darstellungen, in Objektbeschreibungen des Handels und im Sammlungsdatensatz eines großen Museums. Weder Gericht noch Aktenzeichen noch Datum noch Ausgang werden irgendwo genannt; die deutschsprachige Darstellung erwähnt den Vorgang überhaupt nicht. Belegt ist dagegen die Patentlage: Die ERMA hielt seit Juli 1937 das DRP 750348 auf die Kupplung von Verschlussgehäuse und Griffstück der MP 38/40, und Schmeisser meldete im August 1941 in Deutschland eine eigene Verbindung an, die als Schweizer Patent 223799 (7. März 1942) und französisches Patent 880350 (20. März 1942) greifbar ist. Er umging das fremde Schutzrecht also, statt es zu verletzen — jedenfalls an diesem Bauteil. NICHT ÜBERNOMMEN wird die Angabe derselben Darstellung, auch die Teleskop-Schließfeder gehe auf Schmeisser zurück und habe damit umgekehrt im Erzeugnis der ERMA gesteckt: Der Eintrag zur Erma EMP hält fest, dass dieselbe Seite an anderer Stelle Heinrich Vollmer als Inhaber dieses Patents nennt und die Frage damit offen ist. Belegt gegenläufig ist allein der zweiteilige Spannhebel. WIDERLEGT ist die behauptete Folge: Die MP 41 lief bis Anfang 1944. Ein Lieferbuch aus dem Werksbestand verzeichnet tausend Stück der Nummern 23000 bis 24000 mit Beschussdatum November und Dezember 1943 sowie einzelnen im Januar 1944; eine unmittelbar nach dem Krieg für die sowjetische Besatzungsmacht getippte Notiz aus demselben Bestand nennt für 1944 noch 1.602 Stück. Diese Aktenbefunde stammen sämtlich aus einer einzigen Zeitschriftendarstellung, die die Reste des Haenel-Archivs in Suhl ausgewertet hat; sie sind hier NICHT im Original nachgeprüft. Ihr Gewicht beruht darauf, dass sie Seriennummern, Beschussdaten und Empfänger einzeln mitteilt und damit nachprüfbar ist. UNBELEGT ist die Zahl 26.700, die als Fertigungsergebnis kursiert. Die deutschsprachige Darstellung sagt ausdrücklich, die Gesamtzahl sei unbekannt und es seien Stücke mit HÖHEREN Seriennummern als 26.700 bekannt. Damit ist 26.700 eine aus Seriennummern abgeleitete Untergrenze und keine Ausbringung. Die Aktenrechnung der Zeitschriftendarstellung kommt auf rund 25.600 und rundet auf etwa 26.000; sie enthält für 1941 und 1942 ausdrücklich Schätzanteile. Dieses Register nennt deshalb „gut 26.000" als Größenordnung und keine Zahl als gesichert. Eine Darstellung hat die Aktenrechnung überdies bereits verfälscht weitergegeben („26.000 im Jahr 1941 und weitere 1.800 im Jahr 1944") — ein Beispiel dafür, wie aus einer Hochrechnung eine Jahreszahl wird. WIDERSPRÜCHLICH ist das Gewicht (3,7 kg, 3,87 kg, 4,4 kg). KEIN WIDERSPRUCH, sondern eine Verwechslung sind dagegen die zweite Mündungsgeschwindigkeit und die zweite Kadenz: Die englischsprachige Enzyklopädie führt unter „MP 41" keinen eigenen Artikel, sondern leitet auf den MP-40-Artikel weiter. Dessen Abschnitt zur MP 41 umfasst vier Sätze und keine einzige Maßangabe; die dort sichtbaren 400 m/s und 500 bis 550 Schuss/min stehen im Datenkasten der MP 40. Für die MP 41 nennen alle eigenen Angaben 365 m/s und 500 Schuss/min. NICHT ÜBERNOMMEN wird die Längenangabe 660 mm einer englischsprachigen Darstellung: Sie liegt in der Größenordnung der MP 40 mit eingeklappter Stütze und ist mit einem durchgehenden Holzschaft unvereinbar; alle übrigen Quellen nennen 860 mm. WIDERSPRÜCHLICH ist ferner, ob der Verschluss der MP 40 unverändert übernommen wurde: Eine Darstellung sagt ja, die andere nennt eine geringfügige Formänderung für den Unterbrecher. Da eine reine Dauerfeuerwaffe kein Bauteil für die Einzelfeuertrennung besitzt, ist die zweite Angabe die sachlich plausiblere; entschieden ist es an keinem hier eingesehenen Stück. NICHT GEKLÄRT ist der Zweck der Waffe. Warum ein Werk mitten im Krieg neben der MP 40 eine zweite Maschinenpistole baute, die überwiegend ins Ausland ging, beantwortet keine der Quellen; die Zeitschriftendarstellung stellt die Frage ausdrücklich und lässt sie offen. ZWANGSARBEIT: Die Fertigungsjahre 1941 bis 1944 überschneiden sich vollständig mit dem Zeitraum, für den der Zwangsarbeitereinsatz bei Haenel archivalisch belegt ist. Welche Arbeitsgänge der MP-41-Fertigung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern ausgeführt wurden, ist NICHT belegt; die Gleichzeitigkeit ersetzt diesen Nachweis nicht. Siehe den Herstellereintrag.

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Diese Waffe ist oben eine MP 40 und unten etwas Älteres. Im Stahlrohr sitzt dasselbe schwere Stahlstück, das den Lauf von hinten zuhält, und dieselbe Feder, die es antreibt. Vor dem Schuss steht dieses Stück ganz hinten, gehalten von einem Riegel, der von unten in seine Bahn ragt; der Lauf ist leer. Beim Abdrücken weicht der Riegel nach unten, die Feder wirft das Stahlstück nach vorn, es schiebt eine Patrone aus dem Magazin in den Lauf, und im Augenblick des Anschlagens zündet der fest darin sitzende Zündstift sie. Der Rückstoß wirft das Stück zurück, die leere Patronenhülse fliegt nach rechts heraus. Ineinander hakt dabei nichts; allein das Gewicht hält den Lauf lange genug zu. Unten ist die Waffe eine andere. Statt der klappbaren Blechstütze der MP 40 trägt sie einen durchgehenden Holzschaft, wie ihn Gewehre haben, und über dem Abzug liegt ein Bolzen quer durch das Gehäuse. Steht er links, feuert die Waffe weiter, solange der Finger zieht. Steht er rechts, gibt sie auf jeden Fingerzug genau einen Schuss ab. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht: Ein voller Umlauf des Stahlstücks dauert etwa ein Zehntel einer Sekunde, ein bewusster Fingerdruck mindestens doppelt so lange. Wer bei einer reinen Dauerfeuerwaffe kurz antippt, gibt zwei oder drei Schuss ab und keinen einzelnen. Die Trennung muss deshalb die Waffe selbst besorgen. Genau dieses Stück Mechanik fehlt der MP 40.

Vier Einträge dieses Registers verweisen auf die MP 41, ohne dass es sie gab. Der MP-40-Eintrag nennt sie als Gegenentwurf aus derselben Fertigung, der MP-28-Eintrag als die Waffe, die dessen Umschaltabzug weitertrug, der Herstellereintrag führt sie im Fertigungsprogramm, und der Eintrag zur PPSch-41 braucht sie, um drei verschiedene Gegenstände auseinanderzuhalten, die alle „MP 41” heißen. Sie steht jetzt hier — und der Anlass, sie nachzutragen, ist zugleich der Anlass, zwei Angaben zu prüfen, die dieses Register bislang ungeprüft weitergereicht hat.

Entwicklung

Der Ausgangspunkt ist eine Truppenkritik, und sie ist in diesem Register bereits verzeichnet. Die MP 40 kann kein Einzelfeuer, und ihre nach vorn klappende Metallstütze verschleißt an den Gelenken und wird wacklig. Beides waren keine Marginalien: Die MP 28,II hatte zwölf Jahre früher beides besser gekonnt, festes Schaftende und Umschaltung. Der Weg von der MP 28 zur MP 40 war fertigungstechnisch ein Sprung nach vorn und bedienungstechnisch ein Rückschritt.

Hugo Schmeisser baute daraus 1941 eine Waffe, die beide Enden zusammenspannt. Oben das Verschlussgehäuse der MP 40 samt Verschluss, Schlagbolzen, Teleskopfeder, Magazinschacht und Visierung. Unten der Holzschaft und die Abzugsgruppe der MP 28,II. Das Datum im Namen ist dabei nicht so eindeutig, wie es aussieht. Ob 1941 das Entwurfsjahr, das Fertigungsjahr oder das Jahr einer Einführung bezeichnet, sagt keine Quelle; die deutsche Patentanmeldung zur tragenden Neuerung der Waffe stammt aus dem August 1941, was die Zahl erklären könnte, aber nicht belegt.

Konstruktion

Der Satz „eine MP 40 mit Holzschaft” ist bequem und falsch, und er ist an zwei Stellen falsch.

Erstens ist die MP 41 keine MP 40, weil eine reine Dauerfeuerwaffe kein Bauteil besitzt, das Schüsse voneinander trennt. Für Einzelfeuer muss der Abzugsstollen nach jedem Schuss wieder in die Verschlussbahn steigen, und zwar bevor der zurücklaufende Verschluss ihn passiert hat, obwohl der Finger den Abzug weiter gezogen hält. Das leistet der Unterbrecher der MP 28,II. Nach der deutschsprachigen Darstellung musste die Verschlussform dafür geringfügig geändert werden; eine Sammlerdarstellung hält den Verschluss dagegen für unverändert übernommen. Der Widerspruch ist an einem zerlegten Stück in Minuten zu entscheiden und steht hier offen.

Zweitens ist die MP 41 keine MP 28 mit neuem Oberbau. Die Erzählung, Haenel habe für sie liegengebliebene MP-28-Schäfte aufgebraucht, ist an den Stücken widerlegt. Die Abzugsplatte der MP 28 ist kürzer, weil vorn im Griffstück ein schwerer Stahlriegel für das Scharnier sitzt; ihr Verschlussgehäuse endet vor dem Schaftende, weil dort der Verriegelungshaken sitzt. Bei der MP 41 läuft das Rohr über die volle Länge des Griffstücks durch, damit die Verschlusskappe nach hinten abgenommen werden kann. Innen sind beide Griffstücke völlig verschieden. Außen fehlt der MP 41 der Riemenbügel an der Schaftunterseite; sie hat stattdessen einen Schlitz für den Trageriemen.

Was tatsächlich neu ist, ist das Unauffälligste an der Waffe: die Verbindung der beiden Hälften. Ein dünnwandiges, aus nahtlosem Rohr gezogenes Verschlussgehäuse muss fest auf einem Holzschaft sitzen. Die MP 28 löste das mit einer massiven Achse vorn und einer federgeführten Kappe hinten, die MP 38/40 mit einer Art Bajonettkupplung. Schmeissers eigene Lösung verlängert und verstärkt die beiden Schrauben des Abzugsbügels, wie bei einer Repetierbüchse, und führt sie in Gewindeplatten am Boden des Verschlussgehäuses; im Griffstück sind Ausnehmungen für Platten und Gewindebüchsen eingearbeitet. Zwei Schrauben tragen damit die ganze Waffe. In seiner Patentschrift beschreibt Schmeisser die Aufgabe schlicht: Waffenteile würden zunehmend aus nahtlosem Rohr oder Blech gestanzt, gezogen und gepresst und dabei so dünnwandig wie möglich gehalten; die Haltbarkeit genüge, die Verbindung mit dem Griffstück bereite Schwierigkeiten.

Fertigungstechnisch ist der Holzschaft ein Rückschritt, und zwar ein vollständiger. Er bringt genau den Arbeitsgang zurück, den die MP 40 abgeschafft hatte: Holz auswählen, trocknen, einpassen, Griffstück und Abzugsplatte einlassen. Was oben in der Presse entsteht, muss unten am Schäftungsbock nachgearbeitet werden.

Bedienungstechnisch soll er ein Gewinn sein, und hier ist Vorsicht geboten. Gemessen hat das niemand. Eine englischsprachige Darstellung nennt als Entwurfsziel eine für die Infanterie besser geeignete Waffe; eine andere schreibt, die MP 41 liege in der Hand weitgehend wie die MP 40. Ein Urteil zugunsten des Holzschafts geben die Quellen also nicht her, nur eine Absicht. Konstruktiv naheliegend bleibt der Vorteil, denn ein fester Schaft überträgt den Rückstoß in die Schulter, und ein Vorderschaft gibt der linken Hand einen Griff, den die MP 40 nicht anbietet — dort wird notgedrungen der Magazinschacht gefasst, was den Magazinmund verkantet.

Beides gleichzeitig zu behaupten ist kein Widerspruch, sondern die Beschreibung eines Zielkonflikts, den 1941 jede Maschinenpistole hatte. Zu entscheiden wäre er über zwei Zahlen: Fertigungsstunden je Waffe und Treffergenauigkeit im Feuerstoß. Keine davon liegt diesem Eintrag für die MP 41 vor, und für die MP 40 ebenfalls nicht. Der Zielkonflikt ist damit benannt und nicht entschieden.

Der Patentstreit

Hier steht die Angabe, die dieses Register selbst weitergegeben hat und die einer Prüfung nicht standhält. Im MP-40-Eintrag hieß es bislang, die ERMA habe wegen Patentverletzung geklagt und die Fertigung sei nach rund 26.700 Stück beendet worden. Der erste Halbsatz ist unbelegt, der zweite falsch.

Was belegt ist. Die Patentlage war real und für Schmeisser hinderlich. Die ERMA hielt seit Juli 1937 das Reichspatent 750348 auf die Kupplung von Verschlussgehäuse und Griffstück der MP 38/40. Diesen Weg konnte Schmeisser nicht gehen. Er meldete deshalb im August 1941 in Deutschland eine eigene Verbindung an, die als Schweizer Patent 223799 vom 7. März 1942 und als französisches Patent 880350 vom 20. März 1942 greifbar ist. Am selben Bauteil, um das es geht, hat er das fremde Schutzrecht also umgangen und nicht verletzt. Umgekehrt lief die Sache ebenfalls, allerdings nur an einem Bauteil sicher: Der zweiteilige Spannhebel mit eingebauter Sperre, mit dem die MP 40 ab etwa 1942 ihre gefährlichste Schwäche verlor, ist Schmeissers DRP 748441, angemeldet am 13. Dezember 1941 und erteilt im August 1942. Ein Suhler Schutzrecht steckte damit in der Erfurter Waffe.

Nicht dazu zählt die Teleskop-Schließfeder. Dieselbe Spezialdarstellung führt auch sie auf Schmeisser zurück, und der Eintrag zur Erma EMP weist nach, dass sie an anderer Stelle Heinrich Vollmer als Inhaber nennt — beides auf derselben Seite. Wer die Feder hier als Suhler Beitrag verbucht, tut genau das, was dieser Abschnitt der Patentklage vorwirft: eine offene Frage als Feststellung führen, weil sie in die Erzählung passt.

Was nicht belegt ist. Ein Verfahren. Mehrere englischsprachige Darstellungen, Beschreibungen des Handels und sogar der Sammlungsdatensatz eines großen Museums nennen die Klage in nahezu gleichem Wortlaut; keine nennt Gericht, Aktenzeichen, Datum oder Ausgang. Die deutschsprachige Darstellung erwähnt den Vorgang gar nicht.

Was der behaupteten Folge widerspricht. Wenn eine Klage Ende 1941 die Fertigung beendet hätte, dürfte es keine späteren Lieferungen geben. Es gibt sie. Ein Lieferbuch aus dem Werksbestand verzeichnet tausend Waffen der Nummern 23000 bis 24000, überwiegend im November und Dezember 1943 beschossen, einzelne im Januar 1944; die Empfänger stehen mit Datum daneben. Eine unmittelbar nach dem Krieg für die sowjetische Besatzungsmacht getippte Notiz aus demselben Bestand nennt für 1944 noch 1.602 Stück. Die Ausfuhrgenehmigungen des Berliner Haenel-Büros belegen Lieferungen über das ganze Jahr 1942.

Damit greift die dritte Zuschreibungsregel dieses Registers in ihrer einfachsten Form: Ein Jahr prüft eine Zuschreibung. Ein Vorgang, der eine Fertigung Ende 1941 beendet haben soll, ist mit Lieferungen von 1944 nicht vereinbar.

Für die Registerfrage, wem eine Konstruktion gehört, ist der Fall trotzdem lehrreich, und zwar gerade weil das Verfahren fehlt. Zwei Häuser bauten gleichzeitig aufeinander: Ein Suhler Patent steckte in der Erfurter Waffe, ein Erfurter Patent zwang den Suhler Konstrukteur zu einer Umgehungslösung. Wer die MP 40 als Erfurter und die MP 41 als Suhler Konstruktion führt, hat in beiden Fällen nur die halbe Rechtslage vor sich.

Achtzig Jahre später steht derselbe Betrieb wieder in einem Patentstreit, und dort ist die Akte vollständig: 2020 gewann die C. G. Haenel GmbH die Bundeswehr-Ausschreibung zur G36-Nachfolge, 2021 schloss das Verteidigungsministerium sie nach festgestellter Patentverletzung vom Verfahren aus, das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigte den Ausschluss, und den Auftrag erhielt Heckler & Koch. Dieses Register hat den Vorgang zunächst unvollständig dargestellt und dazu eine Korrektur veröffentlicht; daraus stammt die zehnte Zuschreibungsregel. Die beiden Fälle sind nicht gleich zu behandeln. 2021 gibt es eine Entscheidung, 1941 gibt es eine Erzählung. Ein Register, das die eine wie die andere führt, verwechselt Beleg mit Wiederholung.

Fertigung

Gefertigt wurde bei C. G. Haenel in Suhl, und zwar parallel zur Lohnfertigung der MP 40 im selben Werk. Die Zuschreibung ist ungewöhnlich gut belegt, weil die Waffe ihren Hersteller ausschreibt. Das Verschlussgehäuse trägt oben in drei Zeilen:

M.P.41
PATENT SCHMEISSER
C.G. HAENEL, SUHL

Bemerkenswert ist das für 1941. Deutsche Waffen trugen zu dieser Zeit an Stelle des Firmennamens einen Fertigungscode, zuerst als Zahl, dann als zwei- oder dreistellige Buchstabengruppe; wann genau die Umstellung erfolgte, geben die eingesehenen Übersichten unterschiedlich an — 1940 oder 1941. Haenels Buchstabencode lautete fxo und steht ordnungsgemäß auf den MP 40 und den Maschinenkarabinern desselben Hauses. Auf der MP 41 steht er nicht, auch nicht auf ihren Magazinen, die den Firmennamen im Haenel-Pfeil führen. Warum die Tarnbezeichnung hier entfiel, ist nicht geklärt. Naheliegend wäre der Exportzweck, denn ein Ausfuhrerzeugnis nennt seinen Hersteller; belegt ist auch das nicht.

Hinzu kommen Kleinstempel: Adler mit der Prüfnummer 37 an Verschluss, Lauf und Gehäuse, das Abnahmezeichen von Haenel, und an einzelnen Zukaufteilen wie Magazinhalteknopf und Kornsockel der Code cos der Merz-Werke in Frankfurt am Main.

Die Zahl 26.700

Sie kursiert als Fertigungsergebnis und ist keines. Die deutschsprachige Darstellung, aus der sie stammt, sagt das Gegenteil: Die Gesamtzahl sei unbekannt, und es seien Stücke mit höheren Seriennummern als 26.700 bekannt. Das ist eine aus Seriennummern abgeleitete Untergrenze. In den englischsprachigen Darstellungen ist daraus eine Ausbringung geworden, und in einer weiteren schon eine Jahresangabe: „26.000 im Jahr 1941 und weitere 1.800 im Jahr 1944.”

Die einzige Rechnung, die an Akten hängt, sieht anders aus:

Die Zahl 26.700
JahrGrundlageStück
1941Fertigungsbeginn gegen Jahresende, geschätzteinige hundert
1942Ausfuhrgenehmigungen: 6.550 Stück für acht Monate belegt, vier Monate fehlen und sind hochgerechnetrund 9.700
1943Rest bis zur Nummer 24000, Lieferbuch für die Nummern 23000–24000rund 14.000
1944Nachkriegsnotiz für die Besatzungsmacht1.602

Die Summe liegt bei rund 25.600, gerundet bei etwa 26.000. Sie ist keine Fertigungsstatistik: Für 1941 und für vier Monate des Jahres 1942 sind Schätzanteile enthalten, und die Aktenbefunde selbst sind hier nicht im Original nachgeprüft. Sie stammen aus einer Zeitschriftendarstellung, die die Reste des Haenel-Archivs ausgewertet hat. Ihr Gewicht beruht darauf, dass sie Seriennummern, Beschussdaten und Empfänger einzeln mitteilt und damit nachprüfbar ist. Dieses Register führt deshalb die Größenordnung „gut 26.000” und keine Zahl als gesichert.

Verwendung

Der auffälligste Befund des Eintrags steht in der Empfängerliste und nicht in der Technik. Die MP 41 wurde bei der Wehrmacht nie amtlich eingeführt. Was aus den Ausfuhrgenehmigungen und dem Lieferbuch hervorgeht, sieht so aus:

Verwendung
EmpfängerZeitraumStück
Rumänien1942 (Ausfuhrgenehmigungen)3.600
RumänienNovember/Dezember 1943 (Lieferbuch)567
Kroatien19422.450
BulgarienJanuar 1942500
Sicherheitspolizei Berlin17.–21. Dezember 1943 und 8. März 1944126
Organisation Todt7. Januar 19446
Feldkommandantur Lüttich22. Mai 19444
Maschinenfabrik Drabert Söhne, Minden6. Januar 19442

Für vier Monate des Jahres 1942 fehlen die Aufstellungen, und für 295 Waffen des Lieferbuchs ist kein Empfänger vermerkt. Darüber hinaus nennen die Darstellungen Waffen-SS, Polizei und Sicherheitsdienst. Die Tabelle deckt damit rund 7.250 Waffen ab und keine 26.000: Für den größeren Teil der Fertigung ist überhaupt kein Empfänger überliefert. Dass die Waffe „überwiegend ins Ausland ging”, ist die Aussage über das Belegte und nicht über die Ausbringung.

Ein Truppengebrauch bei der Wehrmacht wird in einer Darstellung behauptet und ist mit dem Abnahmestempel gerade nicht zu belegen — das Verschlussgehäuse ist ein MP-40-Bauteil und kann den Adler mit der 37 bereits als solches erhalten haben. Die deutschsprachige Darstellung führt diesen Einwand selbst und zieht damit dieselbe Trennung, die dieses Register beim Karabiner 98a zwischen Baujahr und Zubehördatierung zieht: Ein Stempel datiert das Bauteil, an dem er sitzt, und nicht die Waffe, in die es später kam.

Warum ein Werk mitten im Krieg neben der MP 40 eine zweite Maschinenpistole baute, die überwiegend ins Ausland ging, beantwortet keine der Quellen. Denkbar sind ein Wunsch der Sicherheitspolizei nach einem Nachfolger der MP 28,II mit Holzschaft, eine Bündnislieferung, bei der die Standardwaffe nicht abgegeben werden sollte, und Devisenbedarf. Die Zeitschriftendarstellung, die die Akten kennt, stellt die Frage ausdrücklich und lässt sie offen; der größere Teil des Haenel-Archivs liegt seit 1946 in der Sowjetunion.

Für die Bestimmung

Die MP 41 ist eine der wenigen Waffen dieses Registers, die sich aus zwei Metern Entfernung sicher ansprechen lässt — und zugleich eine, bei der die naheliegende Ansprache in eine Namensfalle führt.

  1. Durchgehender Holzschaft an einem MP-40-Verschlussgehäuse. Das gibt es an keiner anderen Waffe dieser Linie. Klappstütze → MP 40 oder MP 38. Holzschaft mit gelochtem Kühlmantel und waagerechtem Magazin von links → MP 28,II.
  2. Querbolzen über dem Abzug mit den Marken „D” und „E”. Links Dauerfeuer, rechts Einzelfeuer. Jede MP 40 kann nur Dauerfeuer und hat dieses Bauteil nicht.
  3. Beschriftung des Verschlussgehäuses, drei Zeilen: „M.P.41 / PATENT SCHMEISSER / C.G. HAENEL, SUHL”. Der ausgeschriebene Firmenname ist hier das Regelbild, nicht die Ausnahme; der Code fxo gehört auf die MP 40 desselben Hauses.
  4. Magazin. „M.P.41 / PATENT SCHMEISSER / HAENEL” mit dem Haenel-Pfeil. Ein MP-40-Magazin passt und funktioniert, sagt über die Waffe aber nichts — die Magazine sind austauschbar. Ein MP-41-Magazin an einer MP 40 ebenso wenig.
  5. Lauf. Unmittelbar mit dem Verschlussgehäuse verbunden, ohne die dicke Laufmutter der MP 40, und ohne den hakenförmigen Haltebügel unter dem Lauf. Beides sitzt außen und ist am Foto zu prüfen.
  6. Kleinstempel. Der Adler mit der Nummer 37 weist auf die Abnahmestelle, die bei Haenel saß — also nach Suhl. Er belegt die Abnahme des Bauteils und weder den Fertiger zwingend noch eine Truppeneinführung.

Die Namensfalle steht im Eintrag zur PPSch-41 und gehört hierher wiederholt: Unter „MP 41” begegnet in Sammlerquellen auch die erbeutete sowjetische PPSch-41 in ihrem Umbau auf 9 × 19 mm, und unter „MPi 41” führen DDR-Bestandslisten teils diese Waffe, teils die Suhler. Die Bezeichnung in einer Liste bestimmt das Stück nicht. Das tun Kaliber, Magazinlage und Beschriftung.

Einordnung

Erstens korrigiert der Eintrag zwei Angaben, die dieses Register selbst verbreitet hat. Die Patentklage der ERMA ist unbelegt, und 26.700 ist keine Fertigungszahl, sondern eine Seriennummern-Untergrenze. Beides stand im MP-40-Eintrag, beides ist von dort in die Zusammenfassungen anderer Einträge gewandert. Die Fehlerklasse ist bekannt: eine Angabe, die mehrfach gleichlautend zu finden ist, wird für belegt gehalten, obwohl sie nur mehrfach abgeschrieben ist.

Zweitens steht die Waffe quer zur üblichen Erzählung von der Kriegsfertigung. Sie vereinfacht nichts, sie greift zurück. Angefordert hat sie die Wehrmacht nicht; wo sie nachweisbar hinging, ging sie an Verbündete und an die Sicherheitspolizei. Das Suhler Werk baute 1941 bis 1944 also drei Dinge nebeneinander: die MP 40 im Lohn, das MKb 42(H) und das StG 44 im Entwicklungsauftrag und dazwischen ein eigenes Erzeugnis mit eigenem Namensschild. Wer die Region an Rüstungsaufträgen misst, sieht die mittlere Zeile nicht.

Drittens beantwortet der Vergleich mit der PPSch-41 die naheliegende Frage dieses Eintrags. Am Holzschaft lag es nicht. Die sowjetische Waffe hatte ihn ebenfalls, war ebenfalls eine Blechpresskonstruktion mit Masseverschluss, entstand im selben Jahr und wurde über fünf Millionen Mal gebaut. Über die Stückzahl entscheiden die Fertigungsauslegung der übrigen Waffe und die Frage, wer sie bestellt; das Material des Schafts entscheidet nichts. Für die MP 41 lautet die Antwort auf die zweite Frage: fast niemand im eigenen Land.

Waffenrechtliches

Vollautomat und damit verbotene Waffe nach Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.2.1.1 des Waffengesetzes. Das gilt unabhängig von der Stellung des Umschalters; maßgeblich ist die Fähigkeit zum Dauerfeuer.

Kriegswaffe nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz führt dieses Register die Waffe, und der Punkt verdient eine Erläuterung, weil er sich von der MP 28,II unterscheidet. Nr. 29 b) der Kriegswaffenliste nimmt Maschinenpistolen aus, die „als Modell vor dem 2. September 1945 bei einer militärischen Streitkraft eingeführt worden sind”. Für die MP 28,II greift die Ausnahme, weil ihre Einführung 1934 bei der belgischen und der niederländischen Armee belegt ist. Für die MP 41 ist ein solcher Einführungsakt gerade nicht belegt: Die Wehrmacht hat sie ausdrücklich nicht eingeführt, und ob die Lieferungen nach Rumänien, Kroatien und Bulgarien dort zu einer förmlichen Einführung führten oder Beschaffungen ohne Modelleinführung blieben, ist aus den hier eingesehenen Quellen nicht zu entscheiden. Solange das offen ist, führt dieses Register die schärfere Einordnung. Die Einordnung im Einzelfall trifft die zuständige Behörde; dieser Eintrag ersetzt keine Feststellung und wird ausschließlich industrie- und technikgeschichtlich geführt. Siehe Methodik.

Offene Forschungsfragen. Erstens der Patentstreit: Existiert ein Verfahren der ERMA gegen Haenel, und wenn ja, wo? Ohne Gericht und Aktenzeichen bleibt die Angabe eine Erzählung, und mit ihnen wäre sie in einer Stunde belegt. Zweitens die Ausbringung: Die Reste des Haenel-Bestands im Staatsarchiv Meiningen und der 1946 in die Sowjetunion abtransportierte Teil würden die Rechnung ersetzen, die hier aus Ausfuhrgenehmigungen und einem Lieferbuch gebildet ist. Drittens der Zweck: Wer bestellte die Waffe, und wozu? Eine einzige Beschaffungsakte der Sicherheitspolizei oder ein rumänischer Beschaffungsvorgang beantwortet die Frage, an der die gesamte Literatur vorbeigeht. Viertens der Verschluss: unverändert von der MP 40 oder für den Unterbrecher geändert — an einem zerlegten Stück in Minuten zu klären. Fünftens, und für dieses Register nicht nachrangig: Die Fertigungsjahre 1941 bis 1944 fallen vollständig in den Zeitraum, für den bei Haenel der Zwangsarbeitereinsatz archivalisch belegt ist. Welche Arbeitsgänge dieser Fertigung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern ausgeführt wurden, ist nicht belegt und wird hier weder behauptet noch ausgeschlossen.

Konstruktion

Verschluss
Unverriegelter Masseverschluss der MP 40, zylindrisch, mit fest im Verschlussboden stehendem Schlagbolzen. Ob er unverändert übernommen wurde, ist strittig: Eine Sammlerdarstellung nennt ihn unmittelbar kopiert, eine andere hält fest, die Verschlussform sei geringfügig geändert worden, damit der Unterbrecher der Einzelfeuerstellung angreifen kann.
Ladeprinzip
Rückstoßlader, unverriegelt, zuschießend. Die Schließfeder sitzt im dreiteiligen Teleskoprohr der MP 40, das sie gegen Schmutz kapselt und beim Vorlauf als Luftpuffer wirkt.
Zuführung
Gerades Stangenmagazin für 32 Patronen, senkrecht von unten, im Magazinschacht der MP 40. Die Magazine sind mit denen der MP 40 austauschbar und unterscheiden sich nur in der Beschriftung.
Abzug
Einzel- und Dauerfeuer, umschaltbar — die Abzugsgruppe der MP 28,II. Der Umschalter ist ein quer durch das Gehäuse geführter Druckbolzen oberhalb des Abzugs: links „D" für Dauerfeuer, rechts „E" für Einzelfeuer. Das ist das Bauteil, das die MP 40 nicht hat.
Sicherung
Zweiteiliger Spannhebel mit eingebauter Sperre, der sich bei vorderer Verschlussstellung eindrücken und in einer Ausnehmung des Gehäuses verriegeln lässt — dieselbe Lösung, die die MP 40 erst ab etwa 1942 erhielt. Sie steht auf Hugo Schmeissers Patent DRP 748441, angemeldet am 13. Dezember 1941, erteilt im August 1942.
Visierung
Feste Kimme 100 m mit klappbarem Blatt für 200 m, Korn im Schutzring — von der MP 40 übernommen. Kein Kurvenvisier wie bei der MP 28,II; die Gewehrgewohnheit von 1928 ist hier bereits abgelegt.
Züge und Drall
6 Züge, Rechtsdrall

Maße und Leistung

Länge
860 mm (deutschsprachige Darstellung, Lexikon der Wehrmacht und Objektbeschreibungen übereinstimmend). Die Angabe 660 mm einer englischsprachigen Darstellung liegt in der Größenordnung der MP 40 mit eingeklappter Stütze (630 mm) und ist mit einem durchgehenden Holzschaft unvereinbar
Lauflänge
250 mm (MP 40: 251 mm)
Gewicht
3,87 kg ohne Magazin nach Objektbeschreibungen, rund 3,7 kg nach einer Sammlerdarstellung, 4,4 kg nach dem Lexikon der Wehrmacht — eine Spanne von über einem halben Kilogramm, die in diesem Eintrag nicht aufgelöst ist
Magazin
32 Patronen, Stangenmagazin der MP 40
V₀
365 m/s. Die daneben kursierenden 400 m/s stammen aus dem Datenkasten des englischsprachigen MP-40-Artikels und gelten nicht der MP 41 (siehe Belegnotiz). Für die MP 40 mit nahezu gleicher Lauflänge nennt dieses Register rund 380 m/s
Kadenz
500 Schuss/min, übereinstimmend in allen eingesehenen Darstellungen. Die Angabe „500 bis 550" gehört zur MP 40

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Ruhelage — Verschluss offen

    Der Verschluss steht hinten, gehalten vom Abzugsstollen, der von unten in seine Bahn ragt. Das Patronenlager ist leer. Gesichert wird durch Eindrücken des zweiteiligen Spannhebels in die Gehäuseausnehmung; die offen stehende Waffe ohne eingerastete Sperre kann bei Stoß oder Sturz auslösen.

  2. 2

    Auslösen und Vorlauf

    Der Abzug drückt den Stollen aus der Verschlussbahn. Die im Teleskoprohr geführte Schließfeder treibt den Verschluss nach vorn; die eingeschlossene Luft wird komprimiert und bremst den Vorlauf leicht ab. Bis hierher arbeitet die Waffe wie eine MP 40.

  3. 3

    Zuführung und Zuführwinkel

    Der Stoßboden streift die oberste Patrone aus dem senkrecht von unten eingeführten Magazin. Die Ausnehmung im Verschlussboden mit den Zuführrillen steht dabei in einem anderen Winkel zum Spannhebel als bei der MP 28,II — dort kommt die Patrone von links, hier von unten. Der Verschluss der MP 28 ist deshalb kein Ersatzteil für diese Waffe.

  4. 4

    Zündung im Vorlauf

    Der Schlagbolzen steht fest im Verschlussboden. Sobald die Patrone am Lager anliegt und der Verschluss noch Restschwung nach vorn hat, zündet sie. Die vorwärts laufende Masse arbeitet dem Rückstoß entgegen — der Kunstgriff des zuschießenden Prinzips, unverändert seit 1918.

  5. 5

    Rücklauf — ohne Erstauszug

    Einen Erstauszug im Sinne des Zylinderverschlusses gibt es hier nicht und braucht es nicht: Der Gasdruck über den Hülsenboden löst die Hülse selbst aus dem Lager und treibt den Verschluss zurück. Die Hülse setzt sich also unter noch stehendem Druck in Bewegung. Deshalb entscheidet allein die Verschlussmasse darüber, ob die Hülse hält oder reißt.

  6. 6

    Auszug und Auswurf

    Die Auszieherkralle im Verschlussboden hält den Hülsenrand über den ganzen Rücklaufweg. Der feste Auswerfer greift erst im späteren Teil der Bewegung, wenn die Hülse den Magazinmund überfahren hat; sie kippt nach rechts aus. Ein zu früher Auswurf würde sie gegen die nächste Patrone schlagen.

  7. 7

    Stellung „D" — Wiederholung

    Der Umschalter steht links. Der Stollen bleibt unten, solange der Finger zieht; der zurücklaufende Verschluss überfährt ihn, erreicht die hintere Endlage und läuft sofort wieder vor. Der Zyklus wiederholt sich, bis der Abzug losgelassen oder das Magazin leer ist.

  8. 8

    Stellung „E" — der Unterbrecher

    Der Umschalter steht rechts. Noch während der Verschluss zurückläuft, trennt der Unterbrecher die Verbindung zwischen Abzug und Stollen, obwohl der Finger den Abzug weiter gezogen hält. Der Stollen kommt hoch, bevor der Verschluss ihn passiert hat, und fängt ihn. Erst Loslassen und erneutes Ziehen stellt die Verbindung wieder her.

  9. 9

    Fangen und Halt

    In beiden Stellungen endet der Vorgang gleich: Der Stollen fängt den Verschluss hinten, die Waffe bleibt mit leerem, offenem Patronenlager stehen. Das Lager kühlt zwischen den Feuerstößen aus — der Vorteil des zuschießenden Prinzips, den alle Waffen dieser Familie teilen.

Masseverschluss — unverriegelter Rückstoßlader

Schemaskizze, nicht maßstäblich

1 2 3
  1. 1 Verschlussruhelage: Die Schließfeder presst den Verschluss gegen den feststehenden Lauf. Verriegelt ist nichts — es hält allein die Masse.
  2. 2 Schuss: Der Gasdruck treibt Geschoss und Hülse auseinander. Der Verschluss beginnt zurückzuweichen, bewegt sich wegen seiner Trägheit aber nur wenige Zehntelmillimeter, bis das Geschoss den Lauf verlassen hat.
  3. 3 Rücklauf: Erst nach dem Druckabfall öffnet der Verschluss weit, wirft die Hülse aus und spannt die Feder.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

MP 40

ERMA Erfurt, C. G. Haenel Suhl, Steyr-Daimler-Puch · Deutschland und Österreich · 1940
System
Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, 9 × 19 mm, Blechpressgehäuse, Teleskop-Schließfeder, nach vorn klappbare Metallstütze, nur Dauerfeuer
Unterschied
Übernommen sind Verschlussgehäuse, Verschluss, Schlagbolzen, Teleskop-Schließfeder, Magazinschacht, Magazin und Visierung. Neu sind Holzschaft, Griffstück, Abzugsgruppe mit Umschaltung und die Verbindung zwischen beiden Baugruppen. Am Lauf fehlt die dicke Laufmutter der MP 40, ebenso der hakenförmige Haltebügel für das Schießen aus Fahrzeugen und Schießscharten.
Befund
Der Vergleich trennt Lohnfertigung von Eigenentwicklung. Haenel baute die MP 40 im Auftrag und daneben aus deren Teilen eine eigene Waffe. Die Grenze verläuft nicht zwischen zwei Häusern, sondern quer durch eine Fertigungshalle.

MP 28,II

C. G. Haenel Waffenfabrik, Suhl · Deutschland (Suhl) · 1928
System
Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, 9 × 19 mm, gefrästes Gehäuse im gelochten Kühlmantel, waagerechtes Stangenmagazin von links, Kurvenvisier, Umschaltung Einzel-/Dauerfeuer
Unterschied
Übernommen ist die Abzugsgruppe mit dem Querbolzen und den Marken „D" und „E". Alles Übrige trennt die beiden. Die verbreitete Erzählung, Haenel habe für die MP 41 liegengebliebene MP-28-Schäfte aufgebraucht, ist an den Stücken widerlegt: Die Abzugsplatte der MP 28 ist kürzer, ihr Verschlussgehäuse endet vor dem Schaftende, und die Griffstücke sind innen völlig verschieden aufgebaut.
Befund
Für die Zuschreibungsfrage der aufschlussreichere Punkt: Was Schmeisser 1941 mitnahm, war kein Material. Es war eine dreizehn Jahre alte Abzugslösung; übernommen wurde ein Schutzrecht und kein Lagerbestand.

PPSch-41

Staatliche Werke der UdSSR, unter anderem in Moskau und Wjatskije Poljany · Sowjetunion · 1941
System
Unverriegelter Masseverschluss, zuschießend, 7,62 × 25 mm, Blechpressteile im Gesenkbiegeverfahren, Holzschaft, Trommelmagazin für 71 Patronen, Umschaltung Einzel-/Dauerfeuer
Unterschied
Dieselbe Bauart, dasselbe Jahr, dieselbe Grundentscheidung für einen Holzschaft — und ein Fertigungsergebnis, das um mehr als zwei Zehnerpotenzen auseinanderliegt. In Moskau, in Wjatskije Poljany und in den ausweichenden Werken entstanden über fünf Millionen Stück, in Suhl gut 26.000.
Befund
Der Vergleich widerlegt die naheliegende Erklärung dieses Eintrags. Am Holzschaft lag es nicht; die PPSch hatte ihn auch und war die meistgebaute Maschinenpistole des Krieges. Über die Stückzahl entscheidet, was am Rest der Waffe gefertigt werden muss — und wer sie bestellt.

Orița M1941

Uzinele Metalurgice Copșa Mică și Cugir · Rumänien · 1941 ungeklärt
System
Unverriegelter Masseverschluss, 9 × 19 mm, aus dem Vollen bearbeitetes Gehäuse, fester Holzschaft mit Halbpistolengriff, 894 mm, rund 3,45 kg, 400 bis 600 Schuss/min
Unterschied
Die rumänische Eigenentwicklung derselben Klasse und derselben Patrone, 1941 entworfen und nach der englischsprachigen Darstellung 1943 bei der Armee eingeführt. Die deutschen Lieferungen der MP 41 nach Rumänien laufen ab Januar 1942 und damit vor dieser Einführung.
Befund
Rumänien war der größte Abnehmer der MP 41 und entwickelte gleichzeitig eine Waffe gleicher Klasse mit demselben Erscheinungsbild. Eine deutsche Darstellung vermutet daraus, die MP 41 sei der Orița angeglichen worden. Die Reihenfolge der Daten stützt das nicht und widerlegt es nicht; belegt ist der Zusammenhang nicht.

Bekannte Schwächen

Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.

  • Die Verbindung zwischen Blechrohr und Holzschaft

    Der eigentliche konstruktive Kern der Waffe ist zugleich ihre kritische Stelle. Ein dünnwandiges, gezogenes Stahlrohr muss fest auf einem Holzschaft sitzen; die Bajonettkupplung der MP 38/40 stand dafür nicht zur Verfügung. Schmeissers Lösung führt die beiden Schrauben des Abzugsbügels verlängert und verstärkt nach oben in Gewindeplatten am Gehäuseboden. Damit tragen zwei Schrauben die Verbindung der ganzen Waffe. Bei der Zustandsbeurteilung eines Altstücks ist das Holz um die Plattenausnehmungen der erste Prüfpunkt; Risse quer zur Faser sind dort erwartbar.

    plausibel

  • Fertigungsaufwand des Unterteils

    Der Oberbau ist Blechpresstechnik von 1940, der Unterbau ist Büchsenmacherarbeit von 1928: Schaftholz auswählen, trocknen, einpassen, Griffstück und Abzugsplatte einlassen. Genau der Arbeitsgang, den die MP 40 abgeschafft hatte, kommt hier zurück. Fertigungsstunden nennt keine der eingesehenen Darstellungen, für beide Waffen nicht; der Vergleich stützt sich hier auf Verfahrensmerkmale und nicht auf zwei Stundenwerte.

    plausibel

  • Zuschießendes Prinzip auch im Einzelfeuer

    Die Umschaltung beseitigt die Ursache der schlechten Einzelschussleistung nicht. Auch auf „E" läuft vor jedem Schuss die volle Verschlussmasse nach vorn und verzieht den Halt. Gewonnen sind Munitionsersparnis und Feuerdisziplin, nicht Präzision. Denselben Befund trägt die MP 28,II von 1928 und noch das MKb 42(H) von 1942.

    plausibel

  • Magazin mit einreihiger Abgabe

    Mit dem Magazin der MP 40 ist deren bekannteste Störquelle mit übernommen: Das doppelreihig gefüllte Magazin gibt einreihig ab, der Übergang erzeugt Reibung, Staub und verharztes Öl führen zu Zuführstörungen. Die ab März 1942 eingeführten gesickten Magazingehäuse betreffen die MP 41 damit ebenso.

    plausibel

  • Kein Haltebügel, keine Gerätliste

    Zwei Folgen der fehlenden Truppeneinführung. Erstens fehlt der hakenförmige Haltebügel unter dem Lauf, mit dem die MP 40 aus Fahrzeugluken und Schießscharten abgestützt wird. Zweitens gab es für eine nie eingeführte Waffe keinen Platz in der Gerätliste und damit keine geordnete Ersatzteilversorgung — abgemildert allein dadurch, dass Magazine und ein Teil der Oberbauteile mit der MP 40 gleich sind.

    plausibel

Verwendung

  • Ausfuhr an verbündete Staaten, nach den Ausfuhrgenehmigungen des Berliner Haenel-Büros für 1942: 3.600 Stück nach Rumänien, 2.450 nach Kroatien, 500 nach Bulgarien; für April, Juli, November und Dezember fehlen die Aufstellungen
  • Weitere 567 Stück nach Rumänien im November und Dezember 1943 nach dem Lieferbuch des Werks
  • Sicherheitspolizei Berlin: 125 Stück am 17., 18. und 21. Dezember 1943, ein weiteres am 8. März 1944, jeweils mit Seriennummern im Lieferbuch verzeichnet
  • Einzelabgaben nach demselben Lieferbuch: sechs Stück an die Organisation Todt am 7. Januar 1944, vier an die Feldkommandantur Lüttich am 22. Mai 1944, zwei an die Maschinenfabrik Drabert Söhne in Minden am 6. Januar 1944
  • Waffen-SS, Polizei und Sicherheitsdienst; bei der Wehrmacht NICHT amtlich eingeführt, ein Truppengebrauch wird in Darstellungen behauptet und ist über den Abnahmestempel nicht zu belegen

Quellen

  1. [Literatur] Martens, Maschinenpistole MP41 Maschinenpistole MP41 — The Schmeisser M.P.41 Sub-machinegun: why, and for whom? , Zuerst niederländisch in SAM Wapenmagazine 196, August 2015; wertet Reste des Haenel-Archivs in Suhl aus. Ausfuhrgenehmigungen 1942 (Rumänien, Kroatien, Bulgarien), Lieferbuch 1943/44 mit Seriennummern 23000–24000, Nachkriegsnotiz mit 1.602 Stück für 1944, Gehäuse- und Magazinbeschriftung, Schweizer Patent 223799 und französisches Patent 880350 auf die Gehäuse-Schaft-Verbindung, ERMA-Patent DRP 750348 vom Juli 1937, Schmeissers Spannhebelpatent DRP 748441; ausdrückliche Zurückweisung der Erzählung vom Fertigungsende 1941 Link
  2. [Online] Wikipedia (de) Schmeisser MP 41 , 860 mm, 250 mm Lauf, 500 Schuss/min, v0 365 m/s, 6 Züge rechts; Feuerwahlschieber links „D" und rechts „E"; Formänderung des Verschlusses für den Unterbrecher; „Die gesamte Stückzahl der MP 41 ist unbekannt. Es sind aber Exemplare mit einer höheren Seriennummer als 26.700 bekannt"; Einwand gegen den Abnahmestempel als Einführungsbeleg Link
  3. [Literatur] Wollert / Lidschun Illustrierte Enzyklopädie der Infanteriewaffen aus aller Welt. Infanteriewaffen gestern (1918–1945) , Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1998, ISBN 3-89488-036-8, S. 148–149 — hier NICHT eingesehen, sondern als Literaturangabe der deutschsprachigen Darstellung geführt
  4. [Online] Lexikon der Wehrmacht Maschinenpistolen — Maschinenpistole Schmeisser-Haenel 41 , 860 mm, 250 mm Lauf, 4,4 kg, 500 Schuss/min, Einzel- und Dauerfeuer, Holzkolben; Verwendung bei Polizei, Waffen-SS und Sicherheitsdiensten; „Auch ein Einsatz bei der Wehrmacht ist nachgewiesen, die Waffe wurde dort aber nicht offiziell eingeführt" Link
  5. [Online] Modern Firearms MP.41 Schmeisser , Klage der ERMA Ende 1941 und Fertigungsende als Folge; 26.700 Stück; 3,87 kg; Längenangabe 660 mm; Querbolzen als Feuerwahlschalter Link
  6. [Online] Wikipedia (en) MP 40, Abschnitt „MP 41" , „MP 41" ist dort kein eigener Artikel, sondern eine Weiterleitung in den MP-40-Artikel. Der Abschnitt umfasst vier Sätze: Oberbau der MP 40 mit Unterbau und Schaft der MP 28,II, Ausgabe vorrangig an SS- und Polizeieinheiten sowie nach Rumänien, Klage der Erma Werke wegen Patentverletzung, Fertigungsende als deren Folge. Maßangaben zur MP 41 enthält er nicht; die Zahlen des Datenkastens gelten der MP 40 Link
  7. [Online] Forgotten Weapons The Schmeisser MP41: A Hybrid Submachine Gun , Rund 3,7 kg, 500 Schuss/min, Umschalter über dem Abzug; keine amtliche deutsche Einführung, Rumänien als Hauptempfänger; Stückzahlangabe „26.000 im Jahr 1941 und weitere 1.800 im Jahr 1944" — hier als Fehlwiedergabe der Aktenrechnung geführt Link
  8. [Objektbefund] International Military Antiques German WWII MP 41, Serie 5757, mit Magazin , Seriennummer auf Gehäuse und Lauf, 860 mm, 250 mm Lauf, 3,87 kg; Kleinstempel Waffenamt 37 an mehreren Bauteilen; Magazinbeschriftung „M.P. 41 / PATENT SCHMEISSER / HAENEL"; Magazinhalteknopf und Kornsockel mit dem Fertigungscode „cos" (Merz-Werke, Frankfurt am Main) Link
  9. [Objektbefund] Imperial War Museums MP41 , Sammlungsdatensatz: Masseverschluss, Kastenmagazin, Fingerrille von 8,5 cm an der linken Schaftseite; Lauf und Verschluss der MP 40 mit Holzschaft und dem Umschaltknopf der MP 28. Der Datensatz gibt die ERMA-Klage und ein daraus folgendes Fertigungsende ebenfalls wieder und nennt die SD-Feldeinheiten als Hauptnutzer — hier als Beispiel dafür geführt, dass die Erzählung auch in Museumsdatensätzen steht und nicht nur im Handel Link
  10. [Online] Wikipedia (en) Orița M1941 , Rumänische Maschinenpistole, 9 × 19 mm, 894 mm, 3,45 kg, gefrästes Gehäuse, fester Holzschaft; Fertigung bei Copșa Mică și Cugir, Einführung bei der rumänischen Armee 1943 Link
  11. [Online] Bundesministerium der Justiz Kriegswaffenkontrollgesetz, Anlage (Kriegswaffenliste) , Nr. 29 b): „Maschinenpistolen, ausgenommen solche, die als Modell vor dem 2. September 1945 bei einer militärischen Streitkraft eingeführt worden sind" Link
  12. [Online] Bundesministerium der Justiz Waffengesetz, Anlage 2 (Waffenliste) , Abschnitt 1 Nr. 1.2.1.1 — Vollautomaten sind verbotene Waffen Link

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