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OD WH

Modell

Gewehr 88 (Kommissionsgewehr)

Fertigung
Gewehrfabrik Spandau , DWM Berlin , Gewehrfabrik Erfurt , Haenel , V. C. Schilling
Kaliber
8 × 57 mm I (Patrone 88, Rundkopfgeschoss 14,6 g) — Erstausstattung, 8 × 57 mm IS / 7,92 × 57 mm (S-Patrone) an den ab 1904/05 umgearbeiteten Stücken, kenntlich am Buchstaben S über dem Patronenlager. Der Buchstabe bezeichnet die Einrichtung für die S-Patrone; ausgeführt wurde sie durch Aufreiben des Patronenlagers ODER durch Laufaustausch
Zeitraum
1888–1899
Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden

GESICHERT bis gut bezeugt sind: die Entwicklung durch die 1877 gegründete Gewehr-Prüfungskommission mit Sitz in Spandau-Ruhleben, seit 1883 unmittelbar dem preußischen Kriegsministerium unterstellt; die Einführung im November 1888; die Verriegelung vorn mit zwei Warzen an einem abnehmbaren Kammerkopf und ohne dritte Sicherheitswarze; das Mannlicher-Rahmenmagazin zu fünf Patronen mit Durchfall des leeren Blocks nach unten; der Laufmantel; die Maße des Langgewehrs mit 1245 mm bei 740 mm Lauf und rund 3,8 kg; die Patrone 88 mit Rundkopfgeschoss von 8,08 mm und rund 620 m/s; die Umarbeitung auf die S-Patrone; das Bestehen der Karabinerfassungen Karabiner 88 und Gewehr 91. NICHT EINHEITLICH sind dagegen die Maße der Karabinerfassungen: 955 mm bei 435 mm Lauf gegen 950 mm bei 488 bis 490 mm Lauf gegen 18 Zoll an einem beschriebenen Stück. Eine Laufdifferenz von über 50 mm ist keine Rundungsfrage; sie bleibt hier offen. Ebenso schwanken die Geschossgewichte der Patrone 88 (14,6 g gegen 14,8 g) und der S-Patrone (9,9 g gegen 10,2 g) zwischen der englisch- und der deutschsprachigen Darstellung. NICHT BELEGT ist die Zuschreibung an J. P. Sauer & Sohn. Eine Übersichtsdarstellung nennt für Suhl „Haenel, Schilling, Sauer and Sohn"; für Haenel und Schilling liegen datierte Objektbeschreibungen vor, für Sauer nicht. Nach der vierten Zuschreibungsregel dieses Registers wird der Betrieb deshalb NICHT geführt, sondern der Vorbehalt sichtbar danebengestellt. Zu prüfen wäre er an Hülsenkopfbeschriftungen erhaltener Stücke. WIDERSPRÜCHLICH ist die Fertigungsmenge. Die deutschsprachige Darstellung nennt 1,9 Millionen Stück allein bis 1890 und schätzt die Gesamtfertigung auf 2,4 Millionen; die englischsprachige nennt rund 2,8 Millionen für 1888 bis 1899; eine Übersichtsdarstellung spricht von „knapp zwei Millionen". Die Zahlen sind nicht miteinander vereinbar, und keine davon ist werksbezogen aufgeschlüsselt. Für die im Untersuchungsraum gefertigte Menge liegt diesem Eintrag daher KEINE Zahl vor, mit einer Ausnahme: die 25.000 Karabiner, die Erfurt 1891 übernahm. Als Anhaltspunkt dient die bayerische Abnahme, die Dieter Storz auswertet: 274.333 Gewehre 88, 26.960 Karabiner 88 und 17.000 Gewehre 91 bis 1899, hochgerechnet auf reichsweit 2,4 Millionen Gewehre, 240.000 bis 250.000 Karabiner und 150.000 Gewehre 91. WIDERSPRÜCHLICH sind auch die Umbauzahlen, allerdings anders, als es auf den ersten Blick aussieht. Für das Gewehr 88/05 liegen die Angaben mit rund 350.000 und „über 300.000" nahe beieinander. Auseinander gehen sie beim 88/14: über 750.000 nach der deutschsprachigen, über 700.000 nach einer zweiten, aber nur 75.000 nach einer dritten Darstellung — ein Faktor zehn. Die deutschsprachige Darstellung führt darüber hinaus an, Paul S. Scarlata habe bislang nur ein einziges Gewehr auffinden können, das die für ein G 88/14 geforderten Merkmale trägt, und bezweifle deshalb, dass das G 88/14 überhaupt ordonnanzmäßige Änderungen aufweist. Dieser Eintrag führt die Variante deshalb, aber nicht als gesicherte Ordonnanzausführung. NICHT WIDERSPRÜCHLICH, sondern nur oft verwechselt sind Fertigungsbeginn und Einführung des Karabiners: Die Serienlieferung lief im Sommer 1890 an, auf 1890 datierte Stücke von V. C. Schilling und C. G. Haenel belegen das am Objekt; der Einführungsbefehl datiert auf den 4. November 1891. Die deutschsprachige Darstellung nennt beides nebeneinander. Ein früher Fertigungsstempel ist damit kein Beleg gegen das spätere Einführungsdatum. WIDERSPRÜCHLICH ist dagegen die Stückzahl des Gewehr 91: rund 65.000 nach der Karabiner-Darstellung, 150.000 nach der Hochrechnung von Storz. NICHT GEKLÄRT ist der innere Aufbau des Kammerkopfs. Eine Darstellung bezeichnet ihn als drehenden Kopf, eine zweite ausdrücklich als beim Ver- und Entriegeln NICHT mitdrehend. Da die Verriegelungswarzen unstreitig am Kopf sitzen und beim Verriegeln in ihre Rastflächen treten müssen, spricht die Mechanik für die erste Angabe; entscheidbar ist die Frage nur an einem zerlegten Verschluss, der diesem Eintrag nicht vorlag. Ebenso NICHT GEPRÜFT sind Sitz und Bauart von Auszieher und Auswerfer im Einzelnen. Belegt ist, dass der Auswerfer am Kammerkopf sitzt und vom Kammerfang ausgelöst wird und dass der Auszieher ein gesondert einzupassendes Teil ist; die Beschreibungen gehen darüber hinaus auseinander. ZUR S-UMARBEITUNG ist die Quellenlage genauer zu fassen, als sie meist wiedergegeben wird — aber auch genauer, als es die Gegenthese verträgt. Falsch ist die verbreitete Angabe, für die S-Patrone sei die LAUFBOHRUNG aufgebohrt worden. Richtig ist: Der Regelfall war das Aufreiben des PATRONENLAGERS im Hals- und Übergangsbereich, damit das dickere Spitzgeschoss und der stärkere Hülsenhals Platz finden. Die deutschsprachige Darstellung nennt daneben ausdrücklich eine zweite Ausführungsart: „tauschte man entweder die Läufe aus oder rieb die Patronenlager im Halsbereich auf". Der Buchstabe S bezeichnet also die Einrichtung für die S-Patrone und sagt für sich genommen NICHT, auf welchem der beiden Wege sie erfolgte. Ein Beleg dafür sind die türkischen Überholungen, bei denen neue Läufe von 8,20 mm eingesetzt wurden. Die Bohrungsfrage war zudem schon 1894/95 in anderem Zusammenhang entschieden worden, als die Züge auf 8,20 mm vertieft wurden; Stücke mit dieser Bohrung tragen den Stempel Z. Bei früheren Läufen mit 8,10 mm Zugdurchmesser bleibt ein 8,20-mm-Geschoss ein Übermaß. Messungen an erhaltenen Stücken werden in der Sammlerliteratur zwischen 8,08 und 8,20 mm angegeben. Dieser Eintrag stellt die Angaben nebeneinander und leitet daraus ausdrücklich keine Schießfreigabe ab.

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Auch dieses Gewehr lädt nicht von selbst nach. Nach jedem Schuss hebt der Schütze einen Griff an der rechten Seite an, zieht das Stahlstück, das den Lauf von hinten zuhält, ganz nach hinten und schiebt es wieder vor; dabei fliegt die leere Patronenhülse heraus, und die nächste Patrone rutscht von unten nach. Zugehalten wird der Lauf dadurch, dass sich beim Niederdrücken des Griffs zwei Nasen dicht hinter der Patrone im Gehäuse verhaken, also ganz vorn und auf kürzestem Weg. Diese beiden Nasen sitzen allerdings nicht an dem langen Stahlstück selbst. Sie sitzen an einem kurzen Kopf, der vorn aufgesteckt ist und sich abziehen lässt. Anders als bei späteren Gewehren ist der Verschluss hier also zweiteilig, und der vordere Teil kann beim Reinigen liegen bleiben. Ungewöhnlich ist auch das Nachfüllen. Die fünf Patronen stecken in einem Blechrahmen, und dieser Rahmen wird mitsamt den Patronen von oben in den Kasten gesetzt; er bleibt darin liegen und hält die Patronen in der Spur. Ist die letzte verschossen, fällt der leere Rahmen unten durch eine Öffnung aus dem Kasten heraus. Ohne einen solchen Rahmen muss jede Patrone einzeln von Hand eingelegt werden. Von außen fällt vor allem ein glattes Rohr auf, das den eigentlichen Lauf auf ganzer Länge umschließt und ihn vor Stößen schützen soll. Wasser, das zwischen Rohr und Lauf gerät, kommt dort allerdings kaum wieder heraus.

Dieser Eintrag entsteht aus einer Korrektur, die vor ihm da war. Im Vergleichsblock des Gewehr 98 stand das Gewehr 88 als Zylinderverschluss „mit hinten liegenden Warzen”. Das ist falsch, und der Fehler ist im Korrekturregister protokolliert, bevor die Waffe überhaupt einen eigenen Eintrag hatte. Sie hat ihn hiermit.

Wie der Irrtum zustande kam, ist lehrreicher als er selbst. Das Gewehr 88 wurde 1898 abgelöst; daraus wurde die Erklärung gebastelt, es habe schwächer, nämlich hinten verriegelt. Aus einer Bewertung wurde ein Baumerkmal. Die achte Zuschreibungsregel dieses Registers hält seither fest, dass Verriegelungsart und Verriegelungsgüte zwei verschiedene Aussagen sind.

Entwicklung

Den Anstoß gab Frankreich. Das 1886 eingeführte Lebel-Gewehr verschoss rauchschwaches Pulver, und damit war jede europäische Ordonnanzwaffe der Zeit über Nacht überholt: kürzere Flugzeit, größere Reichweite, keine verräterische Rauchwolke, kein Zusetzen der Züge. Deutschland hatte 1884 gerade erst das Röhrenmagazingewehr 71/84 eingeführt, eine Schwarzpulverwaffe.

Zuständig für die Antwort war eine Behörde, keine Firma. Die Gewehr-Prüfungskommission war 1877 in Spandau-Ruhleben eingerichtet und seit 1883 unmittelbar dem preußischen Kriegsministerium unterstellt. Sie erprobte, schrieb der Industrie Anforderungen vor und entwickelte selbst. Genau das tat sie hier, und daraus entstand der Beiname: Ein Kommissionsgewehr ist ein Gewehr, hinter dem kein Konstrukteurname steht, sondern ein Gremium.

Zusammengesetzt wurde es aus vorhandenen Lösungen.

Entwicklung
BaugruppeHerkunft
Verschlussin Anlehnung an das Modell 71/84, Ausführung dem Spandauer Oberbüchsenmacher Schlegelmilch zugeschrieben
Magazinverbessertes Rahmenmagazin nach Ferdinand Mannlicher
LaufmantelEntwurf des bayerischen Offiziers Armand Mieg
PatroneNeuentwicklung der Kommission; im Kaliber am französischen Vorbild orientiert, in der randlosen Bauart an der Patrone Eduard Rubins für die Schweiz, von der der bayerische Militärbeobachter Oskar von Xylander berichtet hatte
Seitengewehrkeines eigens entwickelt, geführt wurde das Seitengewehr des Modells 71/84

Der Einführungsbefehl datiert vom 20. November 1888. Von der französischen Herausforderung bis zur eigenen Antwort vergingen damit zwei Jahre, für ein vollständig neues Waffen- und Munitionssystem eine bemerkenswert kurze Zeit. Ein Teil der späteren Mängel hat hier seinen Grund, und die Munition zeigt es am deutlichsten: Von der Annahme der Patrone 1888 dauerte es nach der deutschsprachigen Darstellung bis 1895, bis sie kriegsverwendungsfähig war. Sieben Jahre lang war also die Waffe eingeführt und ihre Patrone noch nicht fertig.

Konstruktion

Die Gegenüberstellung mit dem Nachfolger zeigt, worin die beiden Systeme sich tatsächlich unterscheiden und worin nicht.

Konstruktion
Gewehr 88Gewehr 98
Lage der Verriegelungvorn, hinter dem Patronenlagervorn, hinter dem Patronenlager
Verriegelungswarzenzwei, an einem abnehmbaren Kammerkopfzwei, am einteiligen Kammerkopf
Sicherheitsreservekeinedritte Warze am Kammerkörper
ZuführungLadeblock nach Mannlicher, fällt unten herausLadestreifen, Kasten im Schaft
Magazinbodenoffengeschlossen, Kasten versenkt
Laufim Blechmantelfrei, abgesetzte Kontur
Hülsenbrückegeteiltgeschlossen
Patrone88 mit Rundkopfgeschoss, ab 1904/05 auf S eingerichtetPatrone 88, ab 1904/05 auf S eingerichtet

Die erste Zeile ist der Anlass dieses Eintrags. Sie enthält keinen Unterschied.

Der abnehmbare Kammerkopf

Der Verschluss besteht aus zwei Hauptteilen. Vorn sitzt ein kurzer Kopf, der die beiden Verriegelungswarzen, den Auszieher und den Auswerfer trägt; dahinter der Kammerkörper mit Kammerstängel, Schlagbolzen und Schlagbolzenfeder. Der Kopf lässt sich abziehen.

Fertigungstechnisch ist das eine vernünftige Entscheidung, und sie steht nicht allein: Auch das britische Lee-Enfield hat einen abnehmbaren Kammerkopf. Der Kopf ist das am aufwendigsten zu bearbeitende Stück des ganzen Verschlusses. Als Einzelteil lässt er sich gesondert härten, gesondert prüfen, gesondert einpassen und im Schadensfall ersetzen, ohne die gesamte Kammer zu verwerfen.

Betrieblich ist der Preis dafür hoch. Er hat vier Posten:

  1. Der Kopf geht verloren. Mit ihm verschwinden Auszieher und Auswerfer, weil beide an ihm sitzen. Die englischsprachige Darstellung nennt genau das als geläufigen Befund bei unsachgemäßem Zerlegen.
  2. Die Waffe lässt sich ohne ihn schließen und abfeuern. Hier sitzt der schwerwiegende Punkt. Fehlt der Kopf, fehlen zugleich die Verriegelungswarzen; abgestützt wird dann nichts, und der Gasdruck arbeitet gegen den Schützen. Beide eingesehenen Darstellungen nennen das ausdrücklich: die englischsprachige Übersicht als Warnung, die deutschsprachige mit „Explosionen, da das G 88 ohne aufgesetzten Verschlusskopf abgefeuert werden konnte” in der Mängelliste. Eine Konstruktion, deren gefährlichster Fehlzustand erreichbar ist, ohne dass etwas klemmt oder hakt, hat ein Konstruktionsproblem und kein Bedienungsproblem.
  3. Der Kraftfluss läuft über eine Trennfuge. Zwischen Patronenboden und Rastflächen liegt die Bauhöhe des Kopfes und die Verbindung zum Kammerkörper. Die Warzen sitzen deshalb, wie eine ältere Darstellung sachlich festhält, weiter vom Patronenboden entfernt als beim späteren Mauser.
  4. Der Kopf ist eingepasst. Kopf und Körper sind ein Paar. Ein zusammengewürfelter Verschluss ist deshalb bei dieser Waffe nicht bloß ein Sammlermangel, sondern eine Frage des Verschlussabstands.

Das System Mauser 98 beantwortet alle vier Punkte mit derselben Maßnahme: ein einteiliger Kammerkopf, dahinter eine dritte Warze als Reserve. Hierin liegt der Fortschritt von 1898 und nicht in einer verlagerten Verriegelung.

Der Laufmantel

Das auffälligste Merkmal am Objekt ist ein glattes Blechrohr, das den Lauf auf ganzer Länge umschließt und vorn auf die Hülse geschraubt ist. Es hatte drei erklärte Zwecke: den dünnwandigen Lauf vor Stößen schützen, ihn vom Schaftholz freistellen, damit quellendes oder schwindendes Holz die Treffpunktlage nicht verzieht, und die Hand des Schützen vor dem heißen Lauf bewahren.

Der Gedanke ist richtig, und er ist im modernen Sportwaffenbau als frei schwingender Lauf Standard. Nur ist die Ausführung von 1888 ein geschlossener Hohlraum, in den Wasser hinein- und kaum wieder herausfindet. Die Laufaußenseite rostet dort, wo niemand sie sieht, und der Mantel lässt sich im Feld nicht abnehmen.

Der zweite Einwand betrifft ausgerechnet den Zweck, für den der Mantel da war. Weil er anfangs nicht fest mit dem System verbunden war, gab es „Schlechtschießer”: Waffen, deren Treffpunktlage nicht stand. Abgeholfen wurde durch Festlöten. Diese Systeme tragen einen Körnerpunkt. Der freigestellte Lauf war also nicht schon dadurch ein guter Lauf, dass er freigestellt war; er musste es reproduzierbar sein. Eine sächsische Darstellung ergänzt, der Mantel habe rasch verschlissen und alle paar Jahre getauscht werden müssen.

Für die Beurteilung eines erhaltenen Stücks folgt daraus die wichtigste Einzelregel dieses Eintrags. Der äußere Zustand des Mantels sagt über den Zustand des Laufs nichts. Ein Gewehr 88 mit tadellosem Blech kann darunter durchgerostet sein. Aufschlussreich ist die Zahl der chinesischen Nachbauten: Dort ließ man den Mantel ab 1904 weg und legte Holz an seine Stelle.

Fertigung

Gefertigt wurde in vier staatlichen Gewehrfabriken, nämlich Spandau, Danzig, Erfurt und Amberg, dazu bei Ludwig Loewe in Berlin und bei der Österreichischen Waffenfabriksgesellschaft in Steyr. Diese sechs hatten bis 1890 zusammen bereits 1,9 Millionen Stück gefertigt; allein von der ÖWG kamen ab 1890 mehr als 300.000 Gewehre.

Von den sechs liegen drei im Untersuchungsraum dieses Registers: die Gewehrfabrik Erfurt, die Gewehrfabrik Spandau und Ludwig Loewe in Berlin, aus dem 1896 die DWM wurde. Spandau war bis 1920 kreisfreie Stadt der Provinz Brandenburg, Berlin-Charlottenburg und der Kreis Niederbarnim ebenfalls; die preußische Ordonnanzfertigung des Kaiserreichs lag damit zum überwiegenden Teil in Brandenburg. Dieses Register hat an dieser Stelle lange „einer” geschrieben — siehe Korrekturen.

Erfurt bleibt gleichwohl besonders: Es ist der einzige Betrieb, der sowohl das Gewehr 88 als auch später das Gewehr 98 und den Karabiner 98a baute — Spandau fertigte den Karabiner nur in einer Randserie, Loewe/DWM gar nicht.

Bei den Karabinern kehrt sich das Bild um, und darin liegt der eigentliche Regionalbefund dieses Eintrags. Die Serienfertigung des Karabiners 88 lief ab Sommer 1890 nicht in einem Arsenal an, sondern bei zwei privaten Suhler Firmen: C. G. Haenel und V. C. Schilling. Erfurt trat erst 1891 mit einer Serie von 25.000 Stück hinzu. Auch das Gewehr 91 für die Artillerie entstand ab 1891 überwiegend in diesen beiden Häusern. Wie lange dessen Fertigung lief, war den eingesehenen Quellen nicht zu entnehmen.

Die Beleglage ist dabei ungleich. Für die Suhler Karabinerfertigung liegen datierte Objektbeschreibungen vor: Karabiner 88 von V. C. Schilling mit den Jahreszahlen 1890 und 1891, Karabiner 88 von C. G. Haenel mit 1890, ein Gewehr 91 von C. G. Haenel mit 1891 und bayerischen Truppenstempeln. Für das lange Gewehr 88 aus Suhler Fertigung war eine vergleichbare Objektbeschreibung nicht aufzufinden; die englischsprachige Übersichtsdarstellung nennt Haenel unter den Fertigern des Gewehrs, ohne das zu belegen. Der Satz „Suhl baute das Gewehr 88” ist deshalb hier nicht zu haben. Zu haben ist: Suhl baute die Karabiner.

Eine dritte Suhler Firma bleibt außen vor. Eine ältere Übersichtsdarstellung nennt für Suhl „Haenel, Schilling, Sauer and Sohn”. Für J. P. Sauer & Sohn war weder ein datiertes Stück noch eine zweite unabhängige Nennung zu finden. Nach der vierten Zuschreibungsregel dieses Registers wird der Betrieb daher nicht eingetragen, sondern der Vorbehalt sichtbar danebengestellt.

Die Kampagne von 1892

Zur Fertigungsgeschichte dieser Waffe gehört ein Vorgang, der keine technische Frage ist. Im April 1892 veröffentlichte der aus dem Schuldienst entlassene Berliner Volksschulrektor und antisemitische Agitator Hermann Ahlwardt eine Schrift mit dem Titel „Neue Enthüllungen. Judenflinten”; einen Monat später folgte ein zweiter Teil. Sie behauptete, die Firma Ludwig Loewe habe dem Heer vorsätzlich unbrauchbare Gewehre geliefert, rund 425.000 Stück, und wirke damit an einer jüdisch-französischen Verschwörung zur militärischen Schwächung Deutschlands mit. Der Leiter des Unternehmens, Isidor Loewe, war Jude, und darauf zielte die Schrift.

Die Vorwürfe erwiesen sich als unhaltbar. Ahlwardt wurde im Dezember 1892 wegen Verleumdung zu fünf Monaten Zuchthaus verurteilt. Angetreten hat er die Strafe nie. Parlamentarische Immunität hielt ihn zunächst davon frei, und später trat er sie auch nicht mehr an. Die gelegentlich zu lesende Angabe von vier Monaten gehört zu einem anderen Verfahren, nämlich zu seinen Schriften von 1890 und 1891.

Der Fall gehört hierher, weil er zeigt, was mit einem technischen Mangel geschehen kann. Die Anlaufschwierigkeiten des Gewehr 88 waren real. Was genau sie verursachte, ist allerdings umstritten: Die ältere Forschung führte sie auf die Konstruktion und die überhastete Einführung zurück, Dieter Storz sieht die wesentlichen Ursachen im anfänglich zu geringen Kohlenstoffanteil des Stahls und in zu wenigen Beschussproben. Abgestellt wurden sie über Jahre und auf mehreren Wegen: tiefere Züge, besserer Stahl ab 1895, festgelöteter Laufmantel, verbesserte Munition, bessere Ausbildung. Aus einem lösbaren Beschaffungs- und Fertigungsproblem wurde in der Zwischenzeit eine Verschwörungserzählung, deren Wortschöpfung sich Jahrzehnte hielt. Dieses Register führt den Vorgang aus, statt ihn als Fußnote zur Munitionsqualität abzutun.

Varianten

Die Waffe wurde in ihrer Dienstzeit zweimal grundlegend geändert, einmal am Kaliber und einmal am Ladeprinzip. Beides geschah nach ihrer Ablösung als Standardgewehr.

Varianten
BezeichnungJahrWas geändert wurde
Karabiner 88Fertigung ab 1890, Einführungsbefehl 4. November 1891umgebogener flacher Kammerstängel, massive Endkappe, Laufmantel auch hier; für Kavallerie sowie Artillerie-, Versorgungs- und Radfahrertruppen. Maße siehe Maßblatt, die Quellen weichen ab
Gewehr 91ab 1891wie Karabiner 88, zusätzlich Zusammensetzhaken unter der Mündung und Schutz gegen austretende Gase über eine erweiterte Schlagbolzenmutter; für die Artillerie. Stückzahl umstritten: rund 65.000 oder 150.000
Gewehr 88/Sab 1904für die S-Patrone eingerichtet, Buchstabe S über dem Patronenlager; ausgeführt durch Aufreiben des Patronenlagers oder durch Laufaustausch; Rahmenmagazin bleibt
Gewehr 88/05ab 1905zusätzlich Umstellung auf Ladestreifen: angenietete Führung an der geteilten Hülsenbrücke, Daumenausschnitt in der linken Hülsenwand, geänderter Zubringer, Blechdeckel über der Magazinöffnung. Rund 350.000 Stück
Gewehr 88/14ab 1915dasselbe in Kriegsausführung, Ladestreifenführung aufgeschweißt statt angearbeitet, gröbere Ausführung. Stückzahl und Ordonnanzcharakter umstritten, siehe unten

Die Umarbeitung auf die S-Patrone

Hier sitzt ein Fehler, den man leicht macht, und dieses Register macht ihn nicht noch einmal.

Die S-Patrone wurde am 3. April 1903 von der Gewehr-Prüfungskommission angenommen und löste in den Jahren 1904/05 die Patrone 88 ab: Spitzgeschoss von 9,9 g anstelle des Rundkopfgeschosses von 14,6 g, dafür 878 statt rund 620 m/s aus dem 740-mm-Lauf. Das neue Geschoss misst 8,20 mm, das alte 8,08 mm, und auch der Hülsenhals ist stärker.

Ein Rechenhinweis dazu, weil die Zahlen oft ungeprüft weitergereicht werden: Die englischsprachige Darstellung fasst den Gewinn als „rund 38 Prozent mehr Anfangsgeschwindigkeit und 27 Prozent mehr Mündungsenergie”. Beides geht mit ihren eigenen Messwerten nicht auf. 620 auf 878 m/s sind rund 42 Prozent, und die Mündungsenergie steigt von etwa 2.800 auf etwa 3.800 Joule, also um rund 35 Prozent und nicht um 27. Dieser Eintrag führt deshalb die Messwerte und nicht die Prozentangaben.

Umgearbeitet wurde für die neue Patrone das Patronenlager und nicht die Laufbohrung. Der Übergangskonus und der Hülsenhalsbereich wurden aufgerieben, damit das dickere Geschoss und der stärkere Hals hineinpassen.

Hier ist allerdings eine zweite Korrektur nötig, und sie richtet sich gegen die Gegenthese selbst. Die deutschsprachige Darstellung nennt ausdrücklich zwei Wege: Man „tauschte entweder die Läufe aus oder rieb die Patronenlager im Halsbereich auf”. Der Buchstabe S über dem Patronenlager bezeichnet damit die Einrichtung für die S-Patrone und nicht zwingend ein aufgeriebenes Lager. Was er sicher nicht bezeichnet, ist ein aufgebohrter Lauf. Wer aus dem S auf die Bohrung schließt, schließt in beiden Richtungen zu schnell.

Die Bohrungsfrage war ohnehin schon vorher entschieden worden, und zwar aus einem ganz anderen Anlass. In den Jahren 1894/95 wurden die Züge vertieft: 0,15 statt 0,10 mm, also 8,20 mm Zugdurchmesser statt 8,10 mm bei unverändert 7,90 mm Feld. Der Anlass waren nach der deutschsprachigen Darstellung massive Nickelablagerungen im zu flachen Zug, nicht die Laufaufbauchungen, die in derselben Mängelliste als eigener Punkt und mit anderer Ursache stehen. Das Geschoss der Patrone 88 blieb dabei bei 8,08 mm. Diese Läufe tragen einen Stempel Z. Sie hatten damit zehn Jahre vor der S-Patrone bereits deren Zugdurchmesser.

Für die Praxis heißt das:

  • Ein Lauf mit Z-Merkmal hat 8,20 mm Zugdurchmesser. Bei ihm konnte die S-Einrichtung durch bloßes Aufreiben des Lagers erledigt werden.
  • Ein früherer Lauf hat 8,10 mm. Ein Geschoss von 8,20 mm ist darin ein Übermaß. Ob ein solches Stück deshalb bei der S-Einrichtung einen neuen Lauf erhielt, sagt der S-Stempel nicht.
  • Was an einem einzelnen erhaltenen Stück tatsächlich vorliegt, ist eine Messfrage. In der Sammlerliteratur werden ausgeschlagene Werte zwischen 8,08 und 8,20 mm berichtet, dazu eingesetzte Fremdläufe späterer Überholungen, etwa aus türkischen Arsenalen.

Dieser Eintrag stellt die Angaben nebeneinander und leitet daraus ausdrücklich keine Schießfreigabe ab. Wer ein Stück beurteilt, misst.

Für die Bestimmung

Vier Fragen in dieser Reihenfolge klären, was vorliegt.

  1. Ist ein Laufmantel vorhanden? Ja → deutsche Fertigung oder früher Nachbau. Nein, bei sonst gleichem System → mit hoher Wahrscheinlichkeit chinesischer Hanyang 88. Ab wann der Nachbau ohne Mantel lief, geben die Quellen mit 1904 und mit 1910 verschieden an; als Datierungsgrenze taugt das Merkmal deshalb nur grob.
  2. Wie wird geladen? Offener Magazinboden ohne Ladestreifenführung → unveränderte Ausführung von 1888, gegebenenfalls mit S. Blechdeckel unten plus Ladestreifenführung an der Hülsenbrücke → umgearbeitete Ausführung. Die Unterscheidung angearbeitete Führung = 88/05 gegen aufgeschweißte Führung = 88/14 steht so in der Literatur, ist aber nicht sicher: Paul S. Scarlata hat nach der deutschsprachigen Darstellung nur ein einziges Stück mit den für ein 88/14 geforderten Merkmalen auffinden können und bezweifelt, dass es sich um eine ordonnanzmäßige Änderung handelt. Wer ein Stück als 88/14 anspricht, sollte den Vorbehalt mitschreiben.
  3. Steht ein S über dem Patronenlager? Dann ist die Waffe für die S-Patrone eingerichtet. Nicht mehr. Ob das durch Aufreiben des Lagers oder durch einen neuen Lauf geschah, sagt der Stempel nicht, und über den Zugdurchmesser sagt er erst recht nichts.
  4. Was steht auf dem Hülsenkopf? Arsenalname oder Firmenname mit Jahreszahl. V. C. SCHILLING SUHL und C. G. HAENEL SUHL weisen auf die Karabinerfertigung des Untersuchungsraums, ERFURT auf die staatliche. Nicht zusammenpassende Teilenummern und auffällig viele Beschusstempel deuten auf eine Arsenalüberholung; die Türkei erhielt im Ersten Weltkrieg rund 142.000 Gewehre 88/05 und arbeitete sie dort weiter.

Drei weitere Stempel auf der Systemhülse sind für die Datierung nützlich und werden leicht übersehen: Z für die 1894/95 vertieften Züge, n.m. für „Neues Material”, also das ab 1895 verwendete widerstandsfähigere Krupp-Stahl-System, und ein Körnerpunkt für den nachträglich festgelöteten Laufmantel.

Am Verschluss ist ein letzter Punkt zu prüfen, und er geht der Frage nach dem Sammlerwert vor: Ist der Kammerkopf vorhanden, und passt er zur Kammer? Ein Gewehr 88 ohne Kammerkopf sieht vollständig aus und ist es nicht.

Zur Abgrenzung gegen das Gewehr 98 genügt der Blick von der Seite. Der Mantel, der vorstehende Magazinkasten und die durchgehend gleich starke Laufkontur sind auf zehn Schritte zu erkennen. Wer dagegen die beiden Waffen über die Lage der Verriegelung unterscheiden will, unterscheidet sie nicht. Sie ist bei beiden dieselbe.

Einordnung

Erstens ist das Gewehr 88 die einzige deutsche Ordonnanzwaffe dieses Registers, die vollständig in staatlicher Regie entworfen wurde. Zehn Jahre später übernahm eine private Konstruktion, und die staatlichen Werke wurden zu Ausführenden. Der Vorgang von 1898 ist damit mehr als ein Modellwechsel; er beendet die Entwicklungszuständigkeit der Militärverwaltung für die Handfeuerwaffe. Erfurt hat beide Zustände erlebt.

Zweitens ist die Waffe der Beleg dafür, dass ein Zusammenbau aus je einzeln guten Lösungen keine gute Waffe ergeben muss. Der Verschluss war brauchbar und liegt richtig; das Rahmenmagazin ist eine ernstzunehmende Bauart, die 1936 im M1 Garand wiederkehrt; der freigestellte Lauf ist heute Sportwaffenstandard. Zusammengesetzt ergaben die drei ein Gewehr mit verlierbarem Kammerkopf, offenem Magazinboden und einer nicht zu reinigenden Rostfalle. Was fehlte, war nicht die einzelne Idee, sondern die Durchbildung des Ganzen.

Drittens ist der Eintrag ein Prüfstein für die eigene Arbeitsweise. Der Fehler, der ihn ausgelöst hat, entstand nicht aus einer schlechten Quelle. Er entstand daraus, dass eine Bewertung („wurde abgelöst, war also schlechter”) als Beschreibung weitergeschrieben wurde. Solche Fehler sind schwerer zu finden als falsche Zahlen, weil sie plausibel klingen. Die Gegenprobe ist einfach: Zu jeder Merkmalsangabe gehört eine Quelle, die das Merkmal beschreibt, und nicht eine, die die Waffe beurteilt.

Waffenrechtliches

Das Gewehr 88 ist ein Repetierer und keine Kriegswaffe; es fällt nicht unter das Kriegswaffenkontrollgesetz. Als Langwaffe mit Zylinderverschluss ist es auf eine Waffenbesitzkarte eintragbar; eine Freistellung als Altwaffe greift nicht, weil das Modell nach 1871 entwickelt wurde. Dieses Register gibt keine Rechtsauskunft. Siehe Methodik.

Ein Hinweis, der nicht das Waffenrecht betrifft, sondern die Sicherheit: Die hier zusammengetragenen Angaben zu Zugdurchmesser, Patronenlager und S-Kennzeichnung sind Bestimmungsmerkmale und keine Freigabe. Ein über hundert Jahre altes Stück mit einer Rostfalle unter dem Laufmantel und einem eingepassten, verlierbaren Kammerkopf gehört vor jedem Schuss in die Hand eines Büchsenmachers.

Offene Forschungsfragen. Erstens die Fertigungsmengen: Existieren werksbezogene Ausbringungszahlen für Erfurt sowie für Haenel und Schilling, mit denen sich der Anteil des Untersuchungsraums beziffern ließe? Bislang liegt nur die Erfurter Karabinerserie von 25.000 Stück vor. Zweitens die Zuschreibung an J. P. Sauer & Sohn, die an einer Hülsenkopfbeschriftung zu entscheiden wäre. Drittens die Frage, ob das lange Gewehr 88 überhaupt in Suhl gebaut wurde oder ob die dortige Zuständigkeit von Beginn an bei den Karabinern lag. Viertens der innere Aufbau des Verschlusses: Dreht der Kammerkopf beim Verriegeln mit? Die Darstellungen widersprechen sich, ein zerlegter Verschluss entscheidet es in Minuten. Fünftens die Bohrungsfrage am Einzelstück. Eine Messreihe an einem Dutzend erhaltener Läufe, getrennt nach Z-Stempel und Fertigungsjahr, wäre für die Bestimmungsarbeit unmittelbar nützlich und ist diesem Register nicht bekannt. Sechstens die Karabinermaße, deren Lauflängenangaben um über 50 mm auseinandergehen und die an einem gestempelten Originallauf zu klären wären. Siebtens das Gewehr 88/14: Gibt es einen Beschaffungs- oder Änderungsbefehl, der es als ordonnanzmäßige Ausführung ausweist? Solange nur Einzelstücke und Stückzahlen zwischen 75.000 und 750.000 im Umlauf sind, steht die Variante auf schwachem Grund. Achtens die Stückzahl des Gewehr 91, für die 65.000 und 150.000 nebeneinanderstehen.

Konstruktion

Verschluss
Zylinderverschluss mit zwei gegenüberliegenden Verriegelungswarzen an einem ABNEHMBAREN Kammerkopf, die unmittelbar hinter dem Patronenlager in Rastflächen des Hülsenkopfs greifen — front verriegelt wie das spätere System Mauser 98, aber mit geteiltem Verschluss und OHNE dritte Sicherheitswarze. Kammerdrehung 90 Grad, Öffnungsspanner. Hülse mit geteilter Brücke (Kammerstängel läuft durch den Schlitz)
Ladeprinzip
Repetierer, Handrepetierung über den geraden Kammerstängel (am Karabiner umgebogen); Spannen der Schlagbolzenfeder beim Öffnen
Zuführung
Mittelschaftmagazin nach Mannlicher für einen Ladeblock (Rahmen) zu 5 Patronen, einreihig. Der Block wird mitgeladen und bleibt im Magazin; nach der letzten Patrone fällt er durch eine Öffnung im Magazinboden heraus. Der Block ist symmetrisch und lässt sich in beiden Lagen einsetzen. Am Gewehr 88/05 und 88/14 auf Ladestreifen nach Art des Gewehr 98 umgestellt
Abzug
Druckpunktabzug, zweistufig
Sicherung
Flügelsicherung am Verschlusshinterteil
Visierung
Offenes Visier mit Schieber auf gerader Bahn; Teilung nach Umstellung auf die S-Patrone neu geschnitten. Kein Lange-Visier — dieses gehört zum Gewehr 98

Maße und Leistung

Länge
1245 mm (deutschsprachige Darstellung); 1240 mm bzw. 48,8 Zoll in englischsprachigen Darstellungen. Karabiner 88 und Gewehr 91: 955 mm nach der Karabiner-Darstellung und einer sächsischen Quelle, 950 mm nach zwei weiteren
Lauflänge
740 mm (29,1 Zoll). Für Karabiner 88 und Gewehr 91 gehen die Angaben auseinander: 435 mm nach der Karabiner-Darstellung und einer sächsischen Quelle, 488 bis 490 mm nach zwei anderen, 18 Zoll (457 mm) in einer Objektbeschreibung. Diese Spanne ist mit den eingesehenen Quellen NICHT aufzulösen; am Einzelstück ist sie zu messen
Gewicht
rund 3,8 kg ohne Zubehör (8,4 lbs); Karabiner 3,15 kg
Magazin
5 Patronen im Ladeblock (Mannlicher-Rahmen)
V₀
rund 620 m/s mit der Patrone 88 (Rundkopfgeschoss 14,6 g nach der englischsprachigen, 14,8 g nach der deutschsprachigen Darstellung; 2,75 g Nitrocelluloseladung). Nach Umarbeitung auf die S-Patrone gilt der Wert der Patrone, für das Gewehr 98 aus gleicher Lauflänge mit 878 m/s angegeben; ein eigener Messwert für das umgearbeitete Gewehr 88 lag diesem Register nicht vor
Kadenz
Kein Quellenwert und hier auch keine Schätzung. Für das Gewehr 98 werden üblicherweise 12 bis 15 Schuss/min genannt; ob das Gewehr 88 darüber, darunter oder gleichauf liegt, hängt am Verhältnis von Kammerweg und Ladevorgang und ist diesem Eintrag nicht belegt. Der Ladeblock spart Handgriffe gegenüber dem Ladestreifen, erlaubt dafür kein Auffüllen zwischendurch — welcher der beiden Posten im Gefecht überwiegt, ist eine Messfrage

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Verriegelt und schussbereit

    Die beiden Warzen sitzen am abnehmbaren Kammerkopf und stehen unmittelbar hinter dem Patronenlager in den Rastflächen des Hülsenkopfs. Der Kraftfluss läuft damit auf kurzem Weg vom Hülsenboden in das Gehäuse, wie beim späteren System Mauser 98. Zwei Unterschiede bleiben: Zwischen Patronenboden und Warzen liegt die Bauhöhe des aufgesteckten Kopfes, und eine dritte Warze als Sicherheitsreserve gibt es nicht. Die Hülsenbrücke ist geteilt, der Kammerstängel läuft durch den Schlitz.

  2. 2

    Schuss und Gasabfuhr

    Der beim Öffnen gespannte Schlagbolzen wird freigegeben und zündet. Reißt eine Hülse, tritt Gas in die Kammerbohrung und in den nach unten offenen Magazinschacht. Die Ursprungsausführung von 1888 hatte dagegen keinen Schutz; „gefährliche Gasströmungen nach hinten" stehen in der Mängelliste der deutschsprachigen Darstellung. Nachgebessert wurde an der Schlagbolzenmutter: Das Gewehr 91 erhielt gegenüber dem Karabiner 88 ausdrücklich einen Schutz gegen austretende Gase bei Hülsenreißern in Form einer erweiterten Schlagbolzenmutter, und die Systeme des Gewehr 88 wurden nachträglich mit einer neuen Schlagbolzenmutter mit Gasschild versehen. Ein erhaltenes Stück kann diesen Schild also tragen — das Fehlen gehört zur Erstausführung, nicht zur Gattung.

  3. 3

    Entriegeln mit Erstauszug

    Das Hochdrehen des Kammerstängels um 90 Grad dreht die Warzen aus den Rastflächen. Zugleich wird die Schlagbolzenfeder gespannt; der Öffnungshub trägt bei einem Öffnungsspanner beide Lasten. Ob dabei zusätzlich eine Steuerfläche die Kammer um wenige Millimeter zurückzieht und so einen Erstauszug bewirkt, wie es bei Verschlüssen dieser Bauart üblich ist, war an den eingesehenen Darstellungen nicht zu belegen und an einem Einzelstück nicht nachzumessen. Dieser Eintrag behauptet es deshalb nicht.

  4. 4

    Zurückziehen und Ausziehen

    Der Auszieher hält den Hülsenrand über den gesamten Rückweg. Er sitzt am Kammerkopf und ist ein eingepasstes Teil, das nach der Ersatzteilpraxis nicht einfach getauscht, sondern angepasst werden muss. Ob der Kopf die 90 Grad Kammerdrehung mitmacht, geben die Darstellungen widersprüchlich an — siehe Belegnotiz.

  5. 5

    Auswerfen

    Der Auswerfer sitzt ebenfalls am Kammerkopf und wird erst am hinteren Ende der Bewegung ausgelöst: Die Stirnfläche des Kammerfangs drückt gegen den Auswerferstift, der daraufhin vorschnellt und die Hülse abkippt. Der Zeitpunkt hängt damit am Kammerfang. Ist der Auswerferstift gebrochen, unterbleibt der Auswurf, während der Auszug weiter funktioniert. Für die Fehlersuche ist das die entscheidende Trennung.

  6. 6

    Vorschieben und Zuführen

    Der Zubringer hebt die oberste Patrone im Ladeblock an; der Stoßboden nimmt sie auf. Weil das Magazin einreihig ist und die Patronensäule unmittelbar unter der Seelenachse steht, ist der Zuführwinkel klein und für jede Patrone derselbe. Das gestaffelte Kastenmagazin des Gewehr 98 muss demgegenüber zwei verschiedene Ausgangslagen auf dasselbe Patronenlager abbilden. Der Vorteil des Mannlicher-Magazins liegt hier und nicht im Nachladen allein.

  7. 7

    Verriegeln — und warum es keinen Abzugsunterbrecher gibt

    Das Niederdrücken des Kammerstängels dreht die Warzen zurück in die Rastflächen. Einen Abzugsunterbrecher trägt die Waffe nicht und braucht sie nicht: Bei einem Repetierer trennt der Handbetrieb die Schüsse, weil der Schlagbolzen erst beim Öffnen wieder gespannt wird. Die Unterbrecherfrage stellt sich erst bei Selbstladern.

  8. 8

    Nachladen mit dem Rahmen und Ausfallen des leeren Blocks

    Bei geöffneter Kammer wird ein Ladeblock mit fünf Patronen von oben in den Kasten gedrückt; er ist symmetrisch und passt in beiden Lagen. Der Block bleibt im Magazin und führt die Patronen — ohne ihn hat die Waffe keine Patronenführung und ist Einzellader. Nach Aufnahme der letzten Patrone fällt er durch die Öffnung im Magazinboden heraus. Teilweises Auffüllen ist ausgeschlossen: Wer nach drei Schuss nachladen will, muss den angebrochenen Block verwerfen oder leerschießen.

Zylinderverschluss System Mauser 98 — Handrepetierer

Schemaskizze, nicht maßstäblich

1 2 3
  1. 1 Verriegelt: Zwei vordere Verriegelungswarzen am Kammerkopf liegen unmittelbar hinter dem Patronenlager in Rastflächen des Hülsenkopfs; eine dritte, hintere Warze dient als Sicherheitsreserve.
  2. 2 Entriegeln: Der Kammerstängel wird nach oben gedreht. Die Warzen treten aus den Rastflächen, und eine Steuerfläche zieht die Kammer zugleich ein Stück zurück — das löst die Hülse aus dem Lager (Erstauszug).
  3. 3 Zurückziehen und Vorschieben: Die Kammer läuft zurück, der Auszieher hält die Hülse, der Auswerfer wirft sie aus. Beim Vorschieben nimmt der Stoßboden die oberste Patrone aus dem Kastenmagazin mit; Niederdrücken des Stängels verriegelt erneut.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

Gewehr 98 (Erfurter Fertigung)

Gewehrfabrik Erfurt und weitere · Deutsches Reich · 1898
System
Zylinderverschluss System Mauser 98, zwei vordere Warzen an einem EINTEILIGEN Kammerkopf plus hintere Sicherheitswarze, gestaffeltes Kastenmagazin für 5 Patronen, Füllung über Ladestreifen, kein Laufmantel
Unterschied
Die Verriegelung liegt bei beiden Waffen vorn. Das ist der Punkt, an dem dieses Register geirrt hat. Verschieden sind drei andere Dinge: der geteilte Verschluss mit abnehmbarem Kammerkopf gegenüber dem einteiligen, das Fehlen der dritten Warze als Sicherheitsreserve und die Zuführung aus dem Mannlicher-Rahmen gegenüber dem versenkten Ladestreifen-Kasten. Dazu entfällt 1898 der Laufmantel.
Befund
Der Systemwechsel von 1898 ist zugleich ein Machtwechsel. Der Staat baute nicht länger seine eigene Konstruktion, sondern fertigte in seinen eigenen Werken eine fremde; Erfurt blieb Fertiger und Abnehmer und hörte auf, Entwickler zu sein.

Karabiner 98a (Kar 98AZ)

Gewehrfabrik Erfurt, Danzig, Amberg, Spandau · Deutsches Reich · 1908
System
System Mauser 98 mit kleinem Hülsenring, 590 mm Lauf, 1090 mm Gesamtlänge, Kastenmagazin und Ladestreifen, von Beginn an S-Patrone
Unterschied
Der unmittelbare Ablöser des Karabiner 88 und des Gewehr 91 in der Truppe. Beide Waffenfamilien decken dieselbe Rolle ab: kurze Waffe für berittene, bespannte und technische Truppen. Zwischen ihnen liegen zwanzig Jahre und ein vollständiger Systemwechsel — Rahmenmagazin gegen Ladestreifen, geteilter gegen einteiligen Verschluss, Laufmantel gegen blanken Lauf.
Befund
Für die Werkslinie dieses Registers der interessantere Befund: Beide Karabinerfamilien entstanden zu erheblichen Teilen im Untersuchungsraum, die eine in Suhl, die andere in Erfurt. Die Karabinerfertigung ist damit keine Randerscheinung der Region, sondern eine über Jahrzehnte gehaltene Zuständigkeit.

Lee-Enfield SMLE Mk III

Royal Small Arms Factory Enfield und weitere · Großbritannien · 1907 plausibel
System
Zylinderverschluss System Lee mit zwei Warzen am HINTEREN Ende des Kammerkörpers, abnehmbarer Kammerkopf, abnehmbares Kastenmagazin für 10 Patronen, Spannen beim Schließen
Unterschied
Die Verwechslungsgefahr sitzt genau hier, und aus ihr ist der Fehler dieses Registers entstanden. Beide Waffen haben einen abnehmbaren Kammerkopf; nur die Lee-Enfield verriegelt hinten. Der abnehmbare Kopf ist also kein Hinweis auf die Lage der Verriegelung. Beim Lee dreht der Kopf nicht mit, weil die Warzen am Kammerkörper sitzen; beim Gewehr 88 tragen die Warzen am Kopf selbst.
Befund
Zwei Konstruktionen derselben Jahre lösen dieselbe Fertigungsaufgabe — einen aufwendig zu bearbeitenden Kammerkopf als Einzelteil herzustellen — mit demselben Mittel und ganz verschiedener Verriegelung. Merkmal und Wirkung sind eben zwei verschiedene Aussagen.

M1 Garand

Springfield Armory, Winchester und weitere · Vereinigte Staaten · 1936
System
Gasdrucklader mit Drehkopfverschluss, Ladeblock zu 8 Patronen, .30-06 Springfield
Unterschied
Dasselbe Zuführprinzip achtundvierzig Jahre später und mit umgekehrtem Auswurf des Blocks: Beim Gewehr 88 fällt er nach unten heraus, beim Garand wird er nach oben ausgeworfen. Die Nachteile bleiben in beiden Fällen dieselben — kein Teilnachladen, Waffe ohne Block nur Einzellader, Block als Verbrauchsteil.
Befund
Der Vergleich entlastet die Konstruktion von 1888 in einem Punkt. Das Rahmenmagazin war keine Fehlentscheidung der Kommission, sondern eine Bauart mit klar benennbaren Vor- und Nachteilen, die eine der erfolgreichsten Militärwaffen des 20. Jahrhunderts noch einmal wählte. Verworfen wurde 1898 die nach unten offene Ausführung, nicht der Gedanke.

Hanyang 88

Arsenal Hanyang, später 21. Arsenal Chongqing · China · 1895 plausibel
System
Nachbau des Gewehr 88, 7,92 × 57 mm, Mannlicher-Rahmenmagazin zu 5 Patronen; ohne Laufmantel, mit hölzerner Handschutzabdeckung und mit Visier nach Art des Kar 98. Wann der Mantel entfiel, geben die Quellen verschieden an: 1904 nach der englischsprachigen, 1910 nach der deutschsprachigen Darstellung, die bis dahin 121.974 Infanteriegewehre und 8.062 Karabiner in deutscher Bauart zählt
Unterschied
Der Nachbau ließ genau das Bauteil weg, das in Deutschland als Verbesserung galt. Das Rahmenmagazin dagegen behielt er über die gesamte Fertigungszeit bei.
Befund
Die Fertigung lief nach den eingesehenen Angaben von 1895 bis 1944 und erbrachte über 1,08 Millionen Waffen — eine Nutzungsdauer, die die deutsche um ein Vielfaches übertrifft. Das relativiert das deutsche Urteil über die Konstruktion, ersetzt es aber nicht: China erhielt die Waffe nach Behebung der Anlaufmängel und stellte an sie andere Anforderungen.

Bekannte Schwächen

Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.

  • Der abnehmbare Kammerkopf

    Der Kopf, der die beiden Verriegelungswarzen trägt, lässt sich vom Kammerkörper abziehen. Drei Folgen sind dokumentiert oder unmittelbar einsichtig. Erstens geht er beim Zerlegen verloren, und mit ihm Auszieher und Auswerfer. Zweitens, und darin liegt der eigentliche Vorwurf, lässt sich die Waffe ohne ihn zusammensetzen, verschließen und abfeuern; dann trägt nichts. Beide eingesehenen Übersichtsdarstellungen führen diesen Zustand ausdrücklich als Explosionsursache. Drittens liegt zwischen Patronenboden und Warzen die Bauhöhe des aufgesteckten Kopfes und dazu eine Trennfuge im Kraftfluss. Das System Mauser 98 rückte die Warzen an den einteiligen Kammerkopf und legte eine dritte Warze als Reserve dahinter. Beides fehlt hier.

    plausibel

  • Der nach unten offene Magazinschacht

    Die Öffnung, durch die der leere Ladeblock herausfällt, ist im Feld ein offener Schmutzeintritt und steht bei jedem Kriechen und Liegen dem Gelände zu. Die deutschsprachige Darstellung führt Waffenstörungen ausdrücklich darauf zurück, ordnet sie allerdings der älteren Forschung zu. Der Umbau zum Gewehr 88/05 hat die Öffnung mit einem Blechdeckel geschlossen. Möglich wurde das erst dadurch, dass derselbe Umbau die Waffe auf Ladestreifen umstellte und den Durchfall nicht mehr brauchte; beides gehört zu einem Vorgang und nicht zu zweien.

    plausibel

  • Der Laufmantel als Rostfalle

    Das Blechrohr um den Lauf sollte diesen vor Stößen schützen und ihn vom Schaftholz freistellen. Der Zwischenraum ist aber von außen weder einzusehen noch zu reinigen: Eingedrungenes Wasser bleibt stehen, und der Rost arbeitet an der Laufaußenseite, wo ihn niemand sieht. Für die Zustandsbeurteilung eines erhaltenen Stücks ist das die wichtigste Einzelfrage: Ein makelloses Äußeres sagt über den Zustand unter dem Mantel nichts. Dazu kommt ein Treffpunktproblem. Weil der Mantel anfangs nicht fest mit dem System verbunden war, galten die betroffenen Waffen als „Schlechtschießer"; abgeholfen wurde durch Festlöten, kenntlich an einem Körnerpunkt auf der Systemhülse. Eine sächsische Darstellung führt zudem an, der Mantel habe rasch verschlissen und alle paar Jahre getauscht werden müssen.

    plausibel

  • Ohne Ladeblock ein Einzellader

    Der Rahmen ist Teil des Magazins und nicht bloßes Hilfsmittel. Fehlt er, entfällt die Patronenführung, und die Waffe muss von Hand einzeln geladen werden. Er ist zugleich Verbrauchsteil und muss nachgeschoben werden. Teilweises Auffüllen ist nicht möglich. Dass das Gewehr 98 zehn Jahre später den Ladestreifen und einen geschlossenen Kasten führt, liegt in derselben Richtung; ein Beschaffungsvorgang, der diese Abhängigkeit ausdrücklich als Grund nennt, lag diesem Eintrag aber nicht vor.

    plausibel

  • Zu flache Züge und der Stempel Z

    Die Züge des Ursprungslaufs waren mit 0,10 mm zu flach. Die deutschsprachige Darstellung nennt als Anlass der Abhilfe massive Nickelablagerungen; abgeholfen wurde, indem alle Gewehre 88 tiefere Züge erhielten: 0,15 statt 0,10 mm, also 8,20 statt 8,10 mm Zugdurchmesser bei unverändert 7,90 mm Felddurchmesser und unverändertem Geschoss von 8,08 mm. Diese Waffen tragen einen Stempel Z auf der Systemhülse. Für die spätere S-Umarbeitung ist das folgenreich, siehe unten. Getrennt davon führt dieselbe Liste Laufaufbauchungen auf, die auf Munitionsprobleme zurückgeführt wurden — zwei Mängel, nicht einer.

    plausibel

  • Die Mängelliste der Anlaufjahre insgesamt

    Die deutschsprachige Darstellung führt sieben Punkte, schreibt sie aber ausdrücklich der ÄLTEREN Forschung zu: Explosionen bei geöffnetem Verschluss durch versehentliches Aufeinandertreiben zweier Patronen; Schießunfälle durch unsachgemäßen Zusammenbau des Schlosses; Explosionen, weil sich die Waffe ohne aufgesetzten Verschlusskopf abfeuern ließ; Laufaufbauchungen durch Munitionsprobleme; gefährliche Gasströmungen nach hinten; „Schlechtschießer" im Zusammenhang mit dem Laufmantel und dessen Befestigung; Waffenstörungen durch den nach unten offenen Magazinschacht. Dieter Storz kommt demgegenüber neuerdings zu dem Schluss, die wesentlichsten Mängel lägen im anfänglich zu geringen Kohlenstoffanteil des verwendeten Stahls und in der unzureichenden Zahl an Beschussproben; auch die verbesserte Munition habe erheblichen Anteil am Rückgang der Unfälle gehabt. Die Werkstoff- und Prüfthese verschiebt den Vorwurf von der Konstruktion auf Beschaffung und Abnahme. Vorgangsberichte oder Untersuchungsakten lagen diesem Eintrag zu keinem der Punkte vor; Häufigkeit und Ursachenzuordnung sind hier NICHT geklärt.

    ungeklärt

Verwendung

  • Ab 1888/89 Hauptgewehr der deutschen Infanterie, bis das Gewehr 98 es in den Jahren nach 1898 aus der ersten Linie verdrängte
  • Karabiner 88 bei Kavallerie sowie bei Artillerie-, Versorgungs- und Radfahrertruppen; Gewehr 91 bei der Artillerie, dort wegen des Zusammensetzhakens, der dem Karabiner fehlte. Ob damit die Fußartillerie oder die Artillerietruppe insgesamt gemeint ist, geben die Quellen unterschiedlich an
  • Im Ersten Weltkrieg wieder in großer Zahl im Gebrauch, überwiegend in der umgearbeiteten Gestalt als Gewehr 88/05 und 88/14, bei Ersatz-, Etappen- und Landsturmformationen und zeitweise auch an der Front
  • Abgabe und Export nach Österreich-Ungarn, in das Osmanische Reich, nach China und nach Lateinamerika: Brasilien führte die Waffe 1896/97 im Canudos-Krieg, Peru bestellte 1896 bei Steyr 12.000 Gewehre und 2.000 Karabiner. Die Türkei erhielt im Ersten Weltkrieg rund 142.000 Gewehre 88/05; viele erhielten dort neue Läufe von 8,20 mm für die S-Patrone. Türkisch überholte Stücke tragen zahlreiche Beschusstempel und durchmischte Teilenummern
  • In China ab 1895 als Hanyang 88 nachgebaut und dort bis 1944 gefertigt — die mit Abstand längste Nutzungsgeschichte dieser Konstruktion
  • Nach 1918 auf Grundlage des Versailler Vertrags in großem Umfang vernichtet; erhaltene deutsche Karabiner sind entsprechend selten

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (de) Gewehr 88 , Entwurf durch die Gewehr-Prüfungskommission, Verschluss nach Schlegelmilch als Öffnungsspanner in Anlehnung an das Modell 71/84, Laufmantel nach Armand Mieg, verbessertes Mannlicher-Magazin, Einführungsbefehl 20. November 1888, Maße 1245/740 mm und 3,8 kg, 1,9 Millionen bis 1890 und geschätzt 2,4 Millionen insgesamt, Fertiger Spandau, Danzig, Erfurt, Amberg, Loewe Berlin und ÖWG Steyr; siebenteilige Mängelliste ausdrücklich als Stand der ÄLTEREN Forschung, dagegen Dieter Storz mit zu geringem Kohlenstoffanteil des Stahls und zu wenigen Beschussproben; Abstellen der Mängel mit tieferen Zügen wegen massiver Nickelablagerungen (Z-Stempel), festgelötetem Laufmantel gegen „Schlechtschießer" (Körnerpunkt), Krupp-Stahl ab 1895 (Stempel „n.m."), neuer Schlagbolzenmutter mit Gasschild; S-Umstellung ab 1904 wahlweise durch Laufaustausch ODER Aufreiben des Patronenlagers im Halsbereich; Patrone nach dem Vorbild der 8 mm Lebel im Kaliber und der Rubin-Patrone in der randlosen Bauart, vermittelt durch Oskar von Xylander, kriegsverwendungs- fähig erst 1895; bayerische Abnahmezahlen und Hochrechnung von Storz; G 88/05 mit rund 350.000 Stück, G 88/14 mit über 750.000 samt Scarlatas Zweifel an dessen Ordonnanzcharakter; Hanyang-Nachbau ohne Laufmantel ab 1910 Link
  2. [Online] Wikipedia (en) Gewehr 1888 , Zwei vordere Verriegelungswarzen am abnehmbaren Kammerkopf, Verlustgefahr von Kopf, Auszieher und Auswerfer, Rahmenmagazin mit Durchfall nach unten als Schmutzeintritt, Laufmantel und Rostgefahr, .318 gegen .323, Fertiger einschließlich C. G. Haenel, rund 2,8 Millionen Stück 1888–1899, geteilte Hülsenbrücke, Ahlwardt-Kampagne 1892 Link
  3. [Online] Modern Firearms Rifle Gew.88 („Gewehr modell 1888") or „Kommissionsgewehr" , Zwei vordere Warzen, abnehmbarer Kammerkopf und die Angabe, er drehe beim Ver- und Entriegeln nicht mit; Warnung, dass die Waffe ohne Kammerkopf zusammensetzbar und abfeuerbar ist; symmetrischer, in beiden Lagen einsetzbarer Ladeblock; aufgeschraubter Laufmantel; G.88/05 mit Blechdeckel über der Magazinöffnung und Daumenausschnitt in der linken Hülsenwand, G.88/14 mit aufgeschweißter Ladestreifenführung; Maße; Umbauzahlen über 300.000 und über 700.000 Link
  4. [Online] Wikipedia (de) Gewehr-Prüfungskommission , Gründung 1877, Sitz Spandau-Ruhleben, bis 1883 der Infanterie-Schießschule unterstellt, danach unmittelbar dem preußischen Kriegsministerium; Aufgaben von der Truppenerprobung bis zur eigenen Entwicklung; Auflösung nach 1918 Link
  5. [Online] Wikipedia (en) Patrone 88 , Geschoss 14,6 g bei 8,08 mm, Ladung 2,75 g, rund 620 m/s; Bohrung ursprünglich 7,90 mm Feld und 8,10 mm Zug, 1894/95 auf 8,20 mm Zug geändert bei unverändertem Geschoss; Ablösung durch die S-Patrone 1904/05; Umarbeitung durch Ausreiben des Patronenlagers Link
  6. [Online] Wikipedia (en), 7,92 × 57 7.92×57mm Mauser , Annahme der S-Patrone am 3. April 1903 durch die GPK, Umstellung 1904/05, rund 38 Prozent mehr Anfangsgeschwindigkeit und 27 Prozent mehr Mündungsenergie, Bezeichnungsverwirrung I gegen J Link
  7. [Online] Forgotten Weapons Germany's First Smokeless Carbines: the Kar 88 and Gewehr 91 , Serienfertigung der Karabiner ab Sommer 1890 bei den privaten Suhler Firmen C. G. Haenel und V. C. Schilling, Erfurt ab 1891 mit einer Serie von 25.000 Stück; Gewehr 91 gleich dem Karabiner 88 bis auf den Zusammensetzhaken unter der Mündung; Ablösung durch die Mauser-Karabiner ab 1909/10 Link
  8. [Online] Wikipedia (de) Karabiner 88 , 955 mm Gesamtlänge, 435 mm Lauf, 3,15 kg; umgebogener Kammerstängel; Produktionszeit 1890 bis 1892, erste große Stückzahlen ab 1890, Einführungsbefehl 4. November 1891; Fertigung überwiegend bei C. G. Haenel und V. C. Schilling in Suhl, Auftrag über 25.000 Stück an die Gewehrfabrik Erfurt 1891; Bedarf bei Kavallerie, Artillerie-, Versorgungs- und Radfahrertruppen; Gewehr 91 mit Zusammensetzhaken und Schutz gegen austretende Gase bei Hülsenreißern durch erweiterte Schlagbolzenmutter, rund 65.000 Stück, „nur bei der Artillerietruppe" ausgegeben; Vernichtung der Bestände nach Versailles Link
  9. [Online] The Truth About Guns The German Gewehr 88/05 Commission Rifle , Geteilte Hülsenbrücke, Öffnungsspanner, drehender Kammerkopf; Ladestreifenführung angenietet, Ausfräsung an der Hülsenstirn für das Spitzgeschoss, Daumenausschnitt in der linken Hülsenwand, Zubringer geändert, Magazinöffnung mit Blechdeckel geschlossen, Buchstabe S über dem Patronenlager; rund 350.000 Waffen zum 88/05 und 75.000 zum 88/14; rund 142.000 Gewehre 88/05 im Ersten Weltkrieg an die Türkei, dort vielfach mit neuen Läufen von .323 Zoll versehen, durchmischte Teilenummern und zahlreiche Beschusstempel als Überholungsmerkmale Link
  10. [Literatur] Sportsman's Vintage Press Gewehr 88 — 1888 Commission Rifle, Caliber 7.9mm , Vordere Verriegelungswarzen, aber durch den aufgesetzten Kammerkopf weiter vom Patronenboden entfernt als beim späteren Mauser; Laufmantel zum Schutz des dünnwandigen Laufs und der Hand; Maße 29,1 und 48,8 Zoll, 8,4 lbs, vier Züge; Fertiger einschließlich Haenel, Schilling sowie Sauer und Sohn in Suhl Link
  11. [Objektbefund] International Military Antiques Karabiner 88 Cavalry Carbine by V. C. Schilling, datiert 1891 , Hülsenbeschriftung des Suhler Fertigers am datierten Stück; weitere Stücke desselben Hauses von 1890 Link
  12. [Objektbefund] International Military Antiques Karabiner 88 Cavalry Carbine by C. G. Haenel, datiert 1890 , Hülsenbeschriftung des Suhler Fertigers am datierten Stück Link
  13. [Objektbefund] International Military Antiques Gewehr 91 S Artillery Carbine by C. G. Haenel, datiert 1891 , Zusammensetzhaken am Mündungsstück, bayerische Truppenstempel, S-Kennzeichnung der Umarbeitung Link
  14. [Objektbefund] International Military Antiques Karabiner 88 S Cavalry Carbine, Erfurt Arsenal, datiert 1895 , Erfurter Karabinerfertigung am datierten Stück Link
  15. [Objektbefund] International Military Antiques Gewehr 88/05 S Commission Rifle, Spandau Arsenal, datiert 1890 , Umgearbeitetes Langgewehr mit S-Kennzeichnung; Vergleichsstück zur Erfurter und Suhler Fertigung Link
  16. [Online] sachsen-waffen.de Karabiner 88 , 955 mm bei 435 mm Lauf, vier Züge, umgebogener flacher Kammerstängel, massive Endkappe, Laufmantel auch am Karabiner; Belieferung sächsischer Truppenteile durch Schilling und Haenel in Suhl sowie später Erfurt; S-Umarbeitung 1904/05; Ablösung um 1909/10; sächsische Truppenstempel Link
  17. [Literatur] RWM-Depesche Gewehr 88 eine „Judenflinte"? Der Ahlwardt-Prozeß , Ahlwardts Schrift „Neue Enthüllungen. Judenflinten" von 1892, Vorwurf gegen die Firma Loewe und rund 425.000 beanstandete Gewehre, Untersuchungen und Prozessverlauf; hier nur über die frei zugängliche Ankündigung eingesehen, nicht im Volltext. Die Ankündigung nennt Verleger Glöß in Dresden, den Folgeteil „Judenflinten II. Theil" einen Monat später und die Zahl von 425.000 Gewehren aus der Fabrik Loewe; Urteil und Prozessverlauf stehen erst im kostenpflichtigen Volltext Link
  18. [Online] Wikipedia (de) Hermann Ahlwardt , Volksschullehrer, ab 1881 Rektor an einer Berliner Volksschule, wegen Veruntreuung von Schulgeldern aus dem Schuldienst entlassen; frühere viermonatige Gefängnisstrafe für die Schriften von 1890 und 1891; im Judenflinten-Verfahren 1892 Verurteilung wegen Verleumdung zu FÜNF Monaten Zuchthaus, die er wegen parlamentarischer Immunität zunächst nicht antrat und später auch nicht mehr antrat Link
  19. [Online] Wikipedia (en) Hanyang 88 , Fertigung 1895 bis 1944, 1.083.480 Stück, Arsenal Hanyang und ab 1938 21. Arsenal Chongqing, Wegfall des Laufmantels ab 1904, Beibehaltung des Rahmenmagazins Link

Aus derselben Fertigung