Hersteller · Suhl
V. C. Schilling & Cie., Suhl
Die Firma V. C. Schilling — nach Valentin Christoph Schilling — war seit dem 18. Jahrhundert in Suhl als Büchsenmacherei tätig und galt für ihre Präzisionsarbeit als so verlässlich, dass auswärtige Konstrukteure ihre Entwicklungen dort fertigen ließen.
Das Suhler Prinzip: Konstruktion außerhalb, Fertigung hier
Schilling ist der klarste Fall eines Musters, das für die ganze Region gilt und in der Sammlerliteratur regelmäßig zu Fehlzuschreibungen führt: Der Name auf der Waffe ist oft nicht der Fertiger.
- Bergmann-Pistolen. Theodor Bergmann (1850–1930) betrieb seine Firma in Gaggenau in Baden. Seine Pistolen ließ er ab dem Modell 1894 bei V. C. Schilling in Suhl fertigen; die Ausführungen des Modells 1896 (No. 2, No. 3, No. 4) entstanden überwiegend im Auftragsverhältnis dort. Auktionskataloge führen diese Waffen deshalb korrekt als „T. Bergmann Gaggenau / V. C. Schilling Suhl”.
- Reichsrevolver. Schilling gehörte zum Suhler Konsortium, das den Reichsrevolver M1879/M1883 für das Heer lieferte.
Ein Nebenstrang verbindet die Häuser: Hugo Schmeisser arbeitete bei Bergmann und verbesserte dort die Pistolenkonstruktion, bevor er 1921 zu C. G. Haenel nach Suhl ging — wo aus seiner Hand später der Maschinenkarabiner hervorging.
1904: eine Übernahme mit europäischen Folgen
Der interessanteste Vorgang dieses Eintrags ist ein Eigentümerwechsel. 1904 übernahm Krieghoff die Firma Schilling und beendete das Lohnfertigungsverhältnis mit Bergmann.
Was daraus folgte, lässt sich Schritt für Schritt verfolgen:
| 1896–1904 | Bergmann lässt seine Pistolen bei Schilling in Suhl bauen — er hat keine eigene nennenswerte Fertigung |
| 1904 | Krieghoff kauft Schilling und kündigt den Auftrag |
| 1905 | Eine spanische Prüfkommission empfiehlt das Modell 1903; Spanien bestellt 3.000 Stück |
| Bergmann kann nicht liefern. Nur wenige Pistolen gehen heraus. | |
| danach | Bergmann verkauft Patente und spanischen Auftrag an die Anciens Etablissements Pieper in Herstal |
Aus dieser Notlage entstand die Bergmann-Bayard — eine Waffe mit deutschem Namen, belgischer Fertigung und späterer dänischer Ordonnanzkarriere. Ein Suhler Firmenkauf verlegte damit eine europäische Ordonnanzpistole von Thüringen nach Wallonien.
Eine naheliegende Vermutung, die hier nicht als Befund geführt wird. Wenige Jahre später betrieb Theodor Bergmann eine eigene Waffenbauabteilung in Suhl — jenen Betrieb, in dem 1918 die MP 18,I entstand. Dass er sie nach dem Verlust der Schilling-Kapazität aufbaute, liegt nahe. Ein Beleg dafür fehlt, und dieses Register führt die Annahme deshalb ausdrücklich als Vermutung; siehe Theodor Bergmann Suhl.
Warum das für die Bestimmung zählt
Wer eine Bergmann-Pistole der 1890er Jahre einem badischen Hersteller zuordnet, verfehlt die Fertigungsgeschichte. Umgekehrt gilt: Suhler Lohnfertigung erscheint auf Objekten, die nirgends „Suhl” im Firmennamen tragen, und das Beschusszeichen der Suhler Anstalt ist in solchen Fällen der verlässlichere Befund als jeder Schriftzug.
Offene Forschungsfragen. Gründungsjahr und Rechtsformwechsel, Anteil an der Reichsrevolver-Lieferung, Verbleib der Firma nach 1904 innerhalb der Krieghoff-Struktur. Ob Bergmanns Suhler Waffenbauabteilung eine Folge der Übernahme war. Und die Frage, warum Krieghoff den lukrativen Bergmann-Auftrag kündigte — die Darstellungen nennen die Entscheidung, nicht ihren Grund. Die hier angegebenen Eckjahre 1750 und 1930 sind ausdrücklich vorläufig und dürfen nicht zitiert werden.
Rechtsform und Firmierung
- 1904
- Übernahme durch Krieghoff · Übernahme
Der Erwerber beendete das Lohnfertigungsverhältnis mit Theodor Bergmann — eine Entscheidung mit Folgen weit über Suhl hinaus.
Fertigungsprogramm
- 18. Jahrhundert bis 1900er Jahre
- Büchsenmacherei, bekannt für Präzisionsarbeit
- 1879–1908
- Anteil an der Konsortialfertigung des Reichsrevolvers M1879/M1883
- 1894–1904
- Bergmann-Pistolen im Lohnauftrag
Die Ausführungen des Modells 1896 (No. 2, No. 3, No. 4) entstanden überwiegend hier. Auktionskataloge führen sie korrekt als „T. Bergmann Gaggenau / V. C. Schilling Suhl". Das Auftragsverhältnis endete 1904 mit der Übernahme durch Krieghoff.
Standorte
- Suhl
Personen
- Valentin Christoph Schilling — Namensgeber der Firma
- Theodor Bergmann — Auftraggeber aus Gaggenau in Baden, 1850–1930; ließ seine Pistolen hier fertigen, ab 1894
- Hugo Schmeisser — arbeitete bei Bergmann und verbesserte dort die Pistolenkonstruktion, bevor er 1921 zu C. G. Haenel nach Suhl ging
Kennzeichen
Firmen-, Fertigungs- und Abnahmekennzeichen dieses Betriebs. Jede Zuordnung ist einzeln zu belegen — Kennzeichen bezeichnen eine Firma, nicht zwingend ein Werk.
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V.C.S. C.G.H. SUHLKennzeichnung der Konsortialfertigung des Reichsrevolvers; V. C. Schilling und C. G. Haenel nebeneinander plausibel
Modelle dieses Herstellers
Quellen
- [Online] Dorotheum — Pistole T. Bergmann Gaggenau / V. C. Schilling Suhl, Modell 1896 No. 3 Link
- [Online] International Military Antiques — M1879 Reichsrevolver by Suhl Consortium Link
- [Online] Wikipedia (en) — Bergmann Mars — Übernahme Schillings durch Krieghoff 1904, Ende des Lohnauftrags, Verkauf an Pieper Link
- [Online] Forgotten Weapons — Bergmann Mars 1903 Link
- [Online] German Hunting Guns — Schilling, Valentin Christoph Link