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Stempelkunde

Heeresabnahme — Adler über WaA-Nummer

1922–1945

Abnahmezeichen des Heereswaffenamts: ein stilisierter Adler über einer Zahl. Die Zahl bezeichnet die **Abnahmestelle**, nicht den Hersteller — und eine Abnahmestelle war häufig für mehrere Firmen der Umgebung zuständig. Ein WaA-Stempel belegt deshalb, dass ein Stück vom Heer abgenommen wurde; wo es gefertigt wurde, sagt er nur mittelbar.

plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden

Gründung des Reichswaffenamts am 8. November 1919 und Umbenennung in Heereswaffenamt am 5. Mai 1922, Umfang der Heeresabnahme 1940 und die Freistellung von rund 8.000 Abnahmebeamten Mitte 1944 sind über Lexikondarstellung belegt. Schwächer belegt ist der Kern dieses Eintrags: Dass die Zahl die Abnahmestelle bezeichnet und dass eine Stelle mehrere Firmen betreute, steht so in einer Forendarstellung, die sich auf den Bestand RL 3 des Bundesarchiv-Militärarchivs beruft, ohne die Aussage einzeln zu belegen. Eine Sekundärliteratur eigens zur WaA-Stempelung ist dort nicht genannt. Die verbreitete Angabe, die Zahl habe zunächst den einzelnen Prüfer und erst später die Stelle bezeichnet, stammt aus Sammlerquellen und ist hier NICHT als belegt geführt. Die Zeichenformen selbst sind hier nicht wiedergegeben — sie liegen nur als Abbildung vor.

Kaum ein Zeichen wird in Sammlerkreisen so selbstverständlich zur Herstellerbestimmung benutzt wie der Abnahmeadler mit Nummer — und kaum eines trägt diese Last so schlecht.

Was das Zeichen ist

Das Heereswaffenamt ging aus dem am 8. November 1919 gegründeten Reichswaffenamt hervor und trug seinen Namen ab dem 5. Mai 1922. Seine Abnahmebeamten prüften, was die Industrie lieferte, und setzten bei Annahme ein kleines Zeichen: einen stilisierten Adler über einer Zahl, geschlagen an mehreren Bauteilen eines Stücks.

Der Umfang dieses Apparats wird selten mitgedacht. 1940 umfasste die Heeresabnahme 25.000 Personen in fünf Abteilungen und 16 Inspektionsbezirken. Mitte 1944 wurden rund 8.000 dieser Abnahmebeamten für den Fronteinsatz freigestellt — ein Einschnitt, dessen Folgen für die Abnahmepraxis der letzten Kriegsmonate hier nicht untersucht sind, der aber zur bekannten Verschlechterung der Spätfertigung passt.

Was die Zahl bedeutet — und was nicht

Die Zahl bezeichnet die Abnahmestelle, nicht den Hersteller. Und diese Stellen saßen zwar in der Regel bei größeren Betrieben, waren aber „häufig auch zuständig für mehrere Firmen in der Umgebung oder in den Zeugämtern”.

Damit steht dieses Zeichen in derselben Reihe wie die Fertigungskennzeichen: Es ordnet einer Organisation zu, nicht einem Werk. Für ein Register, dessen Leitsatz „Werk zählt, nicht nur Firma” lautet, ist der Unterschied nicht akademisch — er ist der Kern der Sache.

Konkret heißt das für die Bestimmung:

Was die Zahl bedeutet — und was nicht
Schlusszulässig?
Dieses Stück trägt einen WaA-Stempel → es wurde vom Heer abgenommenja
Dieses Stück trägt WaA37 → es lief über die Abnahmestelle mit der Nummer 37ja
Dieses Stück trägt WaA37 → es wurde bei dem Betrieb gefertigt, bei dem diese Stelle saßnicht ohne Weiteres
Dieser Betrieb hatte die Abnahmestelle 37 → alle seine Erzeugnisse tragen WaA37nein

Die dritte Zeile ist die, an der die Sammlerliteratur regelmäßig zu weit geht — und dieses Register bislang mit ihr. In mehreren Modelleinträgen steht sinngemäß „WaA37 ist das Abnahmezeichen von C. G. Haenel”. Richtiger wäre: WaA37 ist die Nummer der Abnahmestelle, die bei Haenel saß. Ob sie ausschließlich Haenel betreute, ist damit nicht gesagt — und gerade in Suhl, wo mehrere Waffenfabriken wenige hundert Meter auseinanderlagen, ist die Frage nicht müßig.

Was dieses Register an Zuordnungen führt

Was dieses Register an Zuordnungen führt
Zeichenim Register zugeordnetVorbehalt
WaA37Abnahmestelle bei C. G. Haenel, SuhlZuständigkeit für weitere Suhler Betriebe nicht geprüft
WaA135an Spätstücken belegt, oft mit Adler über NZuordnung zu einem Betrieb hier nicht geführt
WaA613, WaA103, WaA140am selben Modell im Fertigungsverlauf überliefertWechsel der Nummer an einem Modell — Ursache ungeklärt
WaA 76tschechische Fertigung, ČZ vz. 27Abnahme deutscher Stellen in besetztem Gebiet

Die dritte Zeile verdient Beachtung: Dass an einem Modell im Lauf der Fertigung drei verschiedene Nummern auftreten, lässt sich mit „die Nummer steht für den Hersteller” nicht erklären. Es lässt sich zwanglos erklären, wenn die Nummer für eine Stelle steht — Stellen werden umgegliedert, umbenannt und neu zugeschnitten, Werke nicht.

Abgrenzungen

  • Adler über N ist kein Abnahmezeichen, sondern das Beschusszeichen (Nitro-Beschuss). Beide stehen oft nebeneinander und werden regelmäßig verwechselt. Siehe Beschusszeichen Suhl.
  • BAL und BA sind die entsprechenden Zeichen der Luftwaffe — BAL für die Bauaufsichtsleitung, BA für die Betriebsabnahme durch Werkspersonal. Ein Stück mit BA wurde nicht vom Heer abgenommen.
  • WaA-Zeichen wurden bereits bei der Reichswehr verwendet, also vor 1935. Ein WaA-Stempel ist damit kein Beleg für NS-zeitliche Fertigung.
  • Fehlt die Heeresabnahme ganz, ist das ein eigener Befund: Beim Volkssturmgewehr ist keine nachweisbar — es entstand als Notbeschaffung der Gauführung am Heereswaffenamt vorbei.

Warum dieser Eintrag spät kommt

Das Zeichen wird in 22 Dateien dieses Registers berührt, hatte aber bis heute keinen eigenen Eintrag. Das ist ein Muster, das sich hier wiederholt: Was überall vorkommt, wird nirgends erklärt, weil es als bekannt gilt. Genau darin liegt die Gefahr — die Kurzform „WaA37 = Haenel” wandert durch die Einträge, ohne dass irgendwo steht, was sie eigentlich behauptet.

Offene Forschungsfragen. Welche Betriebe betreute die Abnahmestelle 37 tatsächlich, und gab es in Suhl weitere Stellen? Woher rührt der Wechsel zwischen WaA613, WaA103 und WaA140 an einem Modell — Umgliederung der Stelle, Verlagerung der Fertigung oder Wechsel des Zulieferers? Wechselte die Bedeutung der Zahl tatsächlich vom einzelnen Prüfer zur Stelle, und wann? Und welche Folgen hatte die Freistellung von 8.000 Abnahmebeamten Mitte 1944 für die Abnahmepraxis — lässt sich am Objekt ein Nachlassen der Prüfdichte zeigen?

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (en) Waffenamt , Gründung als Reichswaffenamt am 8. November 1919, Umbenennung in Heereswaffenamt am 5. Mai 1922; die Heeresabnahme umfasste 1940 25.000 Personen in fünf Abteilungen und 16 Inspektionsbezirken; Mitte 1944 wurden rund 8.000 Abnahmebeamte für den Fronteinsatz freigestellt Link
  2. [Online] Radiomuseum BAL, BA und WaA-Stempelung , „Die Zahl bezeichnet die Abnahmestelle" und diese war „häufig auch zuständig für mehrere Firmen in der Umgebung oder in den Zeugämtern"; Abgrenzung zu den Luftwaffenzeichen BAL und BA; Verwendung bereits bei der Reichswehr. Beruft sich auf den Bestand RL 3 des Bundesarchiv-Militärarchivs Link