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OD WH

Modell

MG 08 und MG 08/15

Fertigung
Gewehrfabrik Spandau , DWM Berlin , Gewehrfabrik Erfurt
Kaliber
7,92 × 57 mm
Zeitraum
1908–1918
Belegstatus
plausibel Begründung anzeigenBegründung ausblenden

ÜBEREINSTIMMEND belegt sind: Einführung 1908 auf Grundlage des Maxim-Systems; Lizenzvertrag Ludwig Loewes mit Hiram Maxim von 1892 über sieben Jahre und Gründung der DWM 1896 zur Abwicklung; Fertiger DWM Berlin, Arsenal Spandau und Arsenal Erfurt, dazu MAN erst 1918; Bestand am 3. August 1914 von 4.411 MG 08; Steigerung der Monatsfertigung von rund 200 (1914) über 3.000 (1916) auf 14.400 (1917); Gesamtzahlen 72.000 MG 08, 130.000 MG 08/15 und über 23.000 LMG 08/15; Maße und Gewichte (1.175 mm, Lauf 721 mm, 69 kg vollständig mit 26,5 kg Waffe, 38,5 kg Lafette, 4 kg Wasser; MG 08/15 rund 18 kg; Mantelinhalt rund 3,7 l); Kadenzen 450–500/min mit dem Schloss 08 und 600/min mit dem Schloss 16, vor dem Rückstoßverstärker 300–350/min; V0 878 m/s mit der S-Patrone und 765 m/s mit der s.S.-Patrone; Gurt zu 250 beziehungsweise 500 Patronen; Bedienung von vier Mann; Rückstoßverstärker 08 S ab 1915 als patentgeschützte Vickers-Erfindung; MG 08/15 1915 erprobt und im April 1917 erstmals im Gefecht, entworfen unter Oberst Friedrich von Merkatz; Verhältnis von sechs MG 08/15 je Kompanie und 72 je Regiment bis 1918; MG 08/18 luftgekühlt, rund 2,7 kg leichter, nur wenige hundert Stück, sein Laufmantel als Grundlage für den Laufmantel des MG 34. FÜR DIESES REGISTER erheblich: Alle drei Fertiger des MG 08 lagen im Untersuchungsraum — Spandau und Berlin gehörten bis 1920 zur Provinz Brandenburg, Erfurt zu Thüringen. Erst 1918 kam mit MAN in Augsburg ein Fertiger von außerhalb hinzu. Das ist derselbe Befund wie beim MG-Wettbewerb von 1937, bei dem alle drei aufgeforderten Firmen in dieser Region saßen. ZUM NAMEN „SPANDAU": Die englischsprachige Darstellung führt ihn auf die Vorkriegsfertigung bei DWM in Berlin UND im staatlichen Arsenal Spandau zurück. Der Eintrag zur Gewehrfabrik Spandau begründet ihn mit der Gehäuseaufschrift der dort gefertigten Fliegerausführung. Beide Erklärungen schließen einander nicht aus; belegt ist, dass Spandau die luftgekühlten Fliegerausführungen entwickelte und fertigte. NICHT ERMITTELT sind: die Aufteilung der Gesamtstückzahlen auf die drei Fertiger, die Sicherung, und ob Spandau tatsächlich ALLEINIGER Fertiger des LMG 08/15 war — diese Angabe steht im Spandau-Eintrag und ist dort bereits als ungeprüft gekennzeichnet.

So funktioniert sie

Ohne Fachbegriffe erklärt. Die genaue technische Beschreibung folgt darunter; wenn doch ein Wort unklar bleibt, steht es im Glossar.

Dieses Maschinengewehr arbeitet mit dem Rückstoß, nicht mit abgezweigtem Gas. Beim Schuss läuft der Lauf zusammen mit dem Verschluss ein kurzes Stück nach hinten. Zusammengehalten werden beide von einem Gestänge aus zwei Gliedern, das wie ein durchgestrecktes Knie wirkt: Solange es gestreckt steht, lässt es sich von hinten nicht zusammendrücken. Nach dem kurzen gemeinsamen Weg läuft eine Kurbel gegen eine feste Bahn im Gehäuse und knickt das Knie auf — erst jetzt trennt sich der Verschluss vom Lauf, zieht die leere Hülse heraus und wird von einer Feder wieder vorgetrieben, wobei er die nächste Patrone aus dem Gurt nimmt. Genau dasselbe Prinzip steckt in der Pistole 08, und beide kamen aus demselben Berliner Werk. Das Besondere an dieser Waffe ist ihre Kühlung: Der Lauf steckt in einem Mantel, der rund dreieinhalb Liter Wasser fasst. Das Wasser nimmt die Wärme auf und beginnt bei langem Feuern zu kochen — dafür kann die Waffe minutenlang ohne Pause feuern, während ein luftgekühltes Maschinengewehr längst einen neuen Lauf bräuchte. Bezahlt wird das mit Gewicht: Die vollständige Waffe auf ihrem Schlitten wiegt neunundsechzig Kilogramm und braucht vier Mann.

Das MG 08 ist die bestimmende Waffe des Ersten Weltkriegs — und für dieses Register aus einem Grund bemerkenswert, den man erst beim Nachzählen sieht.

Drei Fertiger, drei Mal im Untersuchungsraum

Drei Fertiger, drei Mal im Untersuchungsraum
FertigerOrtab
DWMBerlinvor dem Krieg
Arsenal SpandauSpandau1908
Arsenal ErfurtErfurtim Krieg

Berlin und Spandau gehörten bis 1920 zur preußischen Provinz Brandenburg, Erfurt zu Thüringen. Alle drei Fertiger des deutschen Standard-Maschinengewehrs lagen damit im Untersuchungsraum dieses Registers. Erst 1918 kam mit MAN in Augsburg ein Fertiger von außerhalb hinzu.

Das ist derselbe Befund wie beim MG 42: Dort saßen 1937 alle drei Firmen, die zum Wettbewerb um das neue Einheitsmaschinengewehr aufgefordert wurden, in dieser Region. Zweimal, im Abstand von drei Jahrzehnten, wurde das deutsche Maschinengewehr hier gebaut.

Dieselbe Jahreszahl, dasselbe Prinzip, dasselbe Haus

1908 führte das Deutsche Reich zwei Waffen ein, die beide die Zahl 08 tragen:

Beide verriegeln mit einem Kniegelenk. Beide wurden bei der DWM in Berlin gefertigt.

Das ist kein Zufall, sondern die Handschrift eines Hauses. Der Kniegelenkverschluss — ein Gestänge aus zwei Gliedern, das unterhalb der Strecklage steht und sich von hinten deshalb nicht zusammendrücken lässt — war die Berliner Antwort auf die Verriegelungsfrage, in der Faustfeuerwaffe wie im Maschinengewehr.

Der Unterschied liegt darin, wie das Knie geöffnet wird. Bei der Pistole laufen seitliche Rollen auf schräge Anlaufflächen des Griffstücks. Beim Maschinengewehr treibt eine Kurbel gegen eine feste Bahn im Gehäuse. Dieselbe Idee, zwei Maßstäbe.

Die Lizenz dafür kam von Hiram Maxim: Ludwig Loewe schloss 1892 einen Siebenjahresvertrag mit ihm, und 1896 wurde die DWM unter anderem gegründet, um diese Fertigung abzuwickeln. Siehe DWM Berlin.

Was Wasserkühlung bedeutet

Der Lauf steckt in einem Mantel mit rund 3,7 Litern Wasser. Es nimmt die Wärme auf und beginnt bei anhaltendem Feuern zu kochen.

Der Gewinn ist erheblich: Die Waffe kann minutenlang ohne Unterbrechung feuern, dort wo ein luftgekühltes Maschinengewehr längst einen Lauf wechseln müsste. Genau das machte sie im Stellungskrieg zur beherrschenden Waffe — ein MG 08 hinter einer Brustwehr konnte einen Angriffsstreifen so lange bestreichen, wie Wasser und Gurte reichten.

Der Preis steht daneben:

  • 69 kg vollständig: 26,5 kg Waffe, 38,5 kg Schlittenlafette, 4 kg Wasser.
  • Vier Mann Bedienung.
  • Das Wasser kocht, muss nachgefüllt werden und gefriert im Winter.
  • Der aufsteigende Dampf verrät die Stellung.

Es ist die richtige Lösung für einen Krieg, in dem sich nichts bewegt — und untauglich für alles andere.

Die Zahlen, die den Krieg beschreiben

Die Zahlen, die den Krieg beschreiben
ZeitpunktBestand oder Fertigung
3. August 19144.411 MG 08 im Heer
1914rund 200 Stück je Monat
19163.000 je Monat
191714.400 je Monat

In drei Jahren stieg die Monatsfertigung auf das Zweiundsiebzigfache. Insgesamt entstanden 72.000 MG 08, 130.000 MG 08/15 und über 23.000 Fliegerausführungen.

Diese Kurve ist die eigentliche Aussage des Eintrags. Sie zeigt, was ein Industriestaat aus einer Waffe macht, sobald sich herausstellt, dass sie den Krieg entscheidet — und sie erklärt, warum Erfurt 1917 auf annähernd 20.000 Beschäftigte im Dreischichtbetrieb kam.

Das MG 08/15 und die Frage, die es nicht beantwortete

Ab 1915 wurde versucht, aus dem schweren Maschinengewehr ein tragbares zu machen. Ergebnis war das MG 08/15: Mantel von 109 auf 89 mm verengt, kurzes Zweibein, Holzschaft, Pistolengriff. Entworfen unter Oberst Friedrich von Merkatz, 1915 erprobt, erstmals im Gefecht in der Zweiten Aisne-Schlacht im April 1917.

Es wog rund 18 kg. Zum Vergleich: Das MG 42 wiegt 24 Jahre später 11,6 kg mit Zweibein. Eine Übersichtsdarstellung nennt das MG 08/15 einen „ziemlich fehlgeleiteten Versuch”.

Trotzdem war es zahlenmäßig ein Erfolg: Bis 1918 stand es mit sechs Stück je Kompanie und 72 je Regimentviermal so oft wie das schwere MG 08 im selben Regiment.

Beides ist wahr, und der Widerspruch ist lehrreich. Die Waffe erfüllte den Zweck nicht, für den sie gedacht war, und wurde trotzdem in großer Zahl beschafft — weil es nichts Besseres gab und weil auch ein schlecht tragbares Maschinengewehr mehr Feuerkraft in die Kompanie bringt als keines.

Die bessere Antwort kam 1918 aus Suhl. Die MP 18,I löste dieselbe Aufgabe, indem sie die Gewehrpatrone aufgab — und kam auf 4,18 kg statt 18. Der Weg über die schwächere Patrone war der erfolgreichere: Die Maschinenpistole wurde eine Gattung, das leichte wassergekühlte Maschinengewehr nicht.

Zwei Bauteile, die weiterwanderten

Der Rückstoßverstärker. Ab 1915 saß an der Mündung ein Aufsatz, der die austretenden Gase auffing und den Lauf zusätzlich nach hinten trieb: der Rückstoßverstärker 08 S, eine patentgeschützte Vickers-Erfindung. Er hob die Kadenz von 300–350 auf 450–600 Schuss je Minute.

Dasselbe Bauteil liefert 34 Jahre später beim MG 42 einen erheblichen Teil der außergewöhnlich hohen Kadenz. Es überlebt den Wechsel der Verriegelung, der Kühlung und des Fertigungsverfahrens — weil es ein Problem löst, das von all dem unberührt bleibt.

Der Laufmantel des MG 08/18. Ganz am Ende des Krieges entstand eine luftgekühlte Ausführung, rund 2,7 kg leichter als das 08/15, ohne schnellen Laufwechsel und deshalb überhitzungsanfällig. Nur wenige hundert Stück wurden gebaut.

Ihr Laufmantel diente als Grundlage für den Laufmantel des MG 34 — und damit für die Bauform, die über das MG 42 bis zum MG 3 reicht. Ein Bauteil aus den letzten Kriegsmonaten 1918 wandert unmittelbar in die Standardwaffe der Wehrmacht.

Der Name

Die englischsprachige Darstellung führt die Bezeichnung „Spandau MG 08” auf die Vorkriegsfertigung zurück — bei DWM in Berlin und im staatlichen Arsenal Spandau.

Der Eintrag zur Gewehrfabrik Spandau begründet den Namen anders: mit der Aufschrift SPANDAU auf dem Gehäuse der dort gefertigten Fliegerausführung, die alliierte Flieger vor Augen hatten. Beide Erklärungen schließen einander nicht aus, und beide laufen auf dasselbe hinaus: Ein Ortsname wurde zum Gattungsnamen und verlor damit seine Aussagekraft über die Herkunft.

Wie weit das trägt, zeigt sich beim MG 42: Auch dieses hieß auf britischer Seite „Spandau” — obwohl es in Döbeln entworfen und unter anderem in Suhl gebaut wurde.

Für die Bestimmung

  1. Wassermantel vorhanden? Dann MG 08 oder MG 08/15. Ein durchbrochener Mantel weist auf eine luftgekühlte Ausführung: lMG 08, LMG 08/15 oder MG 08/18.
  2. Manteldurchmesser. MG 08 109 mm, MG 08/15 89 mm, LMG 08/15 92,5 mm.
  3. Schaft und Pistolengriff vorhanden? Dann MG 08/15 oder eine spätere Ausführung, nicht das MG 08 auf der Schlittenlafette.
  4. Schloss. Das Schloss 08 ergibt 450–500 Schuss/min, das Schloss 16 rund 600 — ein Merkmal am zerlegten Stück.
  5. Gurtbreite. Die Fliegerausführung LMG 08/15 verwendete 30-mm-Gurte mit zwei Löchern gegenüber den Dreiloch-Gurten der Infanterieausführung.
  6. Rückstoßverstärker an der Mündung: ab 1915, davor nicht.

Offene Forschungsfragen. Wie verteilen sich die 72.000 MG 08 und 130.000 MG 08/15 auf Spandau, DWM und Erfurt? — War Spandau tatsächlich alleiniger Fertiger der luftgekühlten Fliegerausführung? Die Angabe steht im Spandau-Eintrag und ist dort als ungeprüft gekennzeichnet. — Und welche Kennzeichen führten die drei Werke am MG 08? Für die Stempelkunde wäre das der Zugang zu einer Waffe, die in großer Zahl erhalten ist.

Waffenrechtliches

Vollautomatische Waffe und damit Kriegswaffe nach dem KWKG. Sie wird hier ausschließlich technik- und zeitgeschichtlich dokumentiert. Siehe Methodik.

Konstruktion

Verschluss
Kniegelenkverschluss nach Maxim mit kurzem Laufrücklauf. Eine Kurbel läuft nach dem gemeinsamen Rücklauf gegen eine feste Bahn im Gehäuse und knickt das Gelenk auf. Dasselbe Grundprinzip wie bei der Pistole 08.
Ladeprinzip
Rückstoßlader mit kurzem Laufrücklauf. Ab 1915 unterstützt durch den Rückstoßverstärker 08 S an der Mündung — eine patentgeschützte Vickers-Erfindung, die die Kadenz von 300–350 auf 450–600 Schuss/min hob.
Zuführung
Gewebegurt zu 250 Patronen; Fliegerausführungen mit 500er Gurten. Die Gewebegurte dehnten sich und machten bei Nässe Auszieherprobleme.
Abzug
Nur Dauerfeuer
Sicherung
Nicht ermittelt
Visierung
Offenes Visier; wirksame Entfernung 2.000 m, Höchstschussweite 3.700 bis 4.700 m

Maße und Leistung

Länge
1.175 mm
Lauflänge
721 mm
Gewicht
MG 08 vollständig 69 kg — Waffe 26,5 kg, Schlittenlafette 38,5 kg, Wasser 4 kg. MG 08/15 rund 18 kg. MG 08/18 rund 2,7 kg leichter als das 08/15.
Magazin
Gurt zu 250 Patronen (Flieger 500)
V₀
878 m/s mit der S-Patrone; 765 m/s mit der s.S.-Patrone
Kadenz
450–500/min mit dem Schloss 08, 600/min mit dem Schloss 16; vor Einführung des Rückstoßverstärkers nur 300–350/min

Funktionsablauf im Einzelnen

Der Zyklus vom Schuss bis zur erneuten Verriegelung, Schritt für Schritt. Wer ihn benennen kann, hat die Waffe verstanden — Schwächen, Varianten und Ausfallbilder folgen daraus. Unbekannte Begriffe stehen im Glossar.

  1. 1

    Verriegelt

    Lauf, Laufverlängerung und Kniegelenk stehen als starre Einheit. Das Gelenk steht unterhalb der Strecklage und lässt sich von hinten nicht aufdrücken — dieselbe Geometrie wie bei der Pistole 08, nur in anderem Maßstab.

  2. 2

    Gemeinsamer Rücklauf

    Der Rückstoß treibt die Einheit ein kurzes Stück nach hinten. Ab 1915 hilft der Rückstoßverstärker an der Mündung nach: Er fängt die austretenden Gase auf und treibt den Lauf zusätzlich zurück. Dasselbe Bauteil, das 34 Jahre später beim MG 42 einen erheblichen Teil der hohen Kadenz liefert.

  3. 3

    Entriegelung durch die Kurbel

    Eine seitliche Kurbel läuft gegen eine feste Bahn im Gehäuse und knickt das Kniegelenk auf. Erst jetzt trennt sich der Verschluss vom Lauf.

  4. 4

    Auszug, Auswurf, Gurttransport

    Der zurücklaufende Verschluss zieht die Hülse aus, wirft sie aus und transportiert den Gewebegurt weiter.

  5. 5

    Vorlauf

    Die Schließfeder streckt das Gelenk wieder und führt die nächste Patrone zu. Solange der Abzug gedrückt bleibt, wiederholt sich der Ablauf.

  6. 6

    Was das Wasser leistet

    Der Laufmantel fasst rund 3,7 Liter Wasser. Es nimmt die Wärme auf und beginnt bei anhaltendem Feuern zu kochen. Solange Wasser da ist, kann die Waffe minutenlang ohne Unterbrechung feuern — dort, wo ein luftgekühltes MG längst einen Laufwechsel bräuchte. Genau dafür wurde sie im Stellungskrieg zur bestimmenden Waffe.

Kniegelenkverschluss — verriegelter Rückstoßlader

Schemaskizze, nicht maßstäblich

1 2 3
  1. 1 Verriegelt: Die beiden Kniegelenkglieder stehen knapp unterhalb der Strecklage. Der Gasdruck kann sie nur weiter strecken, nicht aufknicken — das Gelenk sperrt sich selbst.
  2. 2 Gemeinsamer Rücklauf: Lauf, Gabelstück und gestrecktes Gelenk laufen verriegelt zurück. Die seitlichen Gelenkrollen erreichen die schrägen Anlaufflächen des Griffstücks.
  3. 3 Entriegelt: Die Rampen drücken die Rollen nach oben, das Gelenk knickt aus. Erst jetzt trennt sich der Verschluss vom Lauf.

Vergleichsstücke außerhalb der Region

Ohne Maßstab ist eine Regionalgeschichte eine Aufzählung. Erst der Vergleich mit der zeitgleichen Konkurrenz zeigt, was an einer Konstruktion eigenständig ist, was zeittypisch — und was schlicht übernommen wurde.

Pistole 08

DWM Berlin, Erfurt, Simson, Krieghoff · Deutsches Reich · 1908 plausibel
System
Kniegelenkverschluss mit kurzem Laufrücklauf, 9 × 19 mm
Unterschied
Dasselbe Verschlussprinzip, dieselbe Jahreszahl, dasselbe Berliner Haus — und zwei völlig verschiedene Waffen. Bei der Pistole knicken die Gelenkrollen auf schrägen Anlaufflächen des Griffstücks auf, beim Maschinengewehr treibt eine Kurbel gegen eine feste Bahn.
Befund
Dass das Deutsche Reich 1908 gleichzeitig eine Pistole und ein Maschinengewehr mit Kniegelenkverschluss einführte und beide bei der DWM in Berlin fertigen ließ, ist kein Zufall, sondern die Handschrift eines Hauses. Der Kniegelenkverschluss ist die Berliner Antwort auf die Verriegelungsfrage.

MG 42

Großfuß Döbeln, Gustloff Suhl u. a. · Deutsches Reich · 1942 plausibel
System
Rückstoßlader mit kurzem Laufrücklauf, Rollenverriegelung, Rückstoßverstärker, Blechpressbauweise
Unterschied
Der späte Nachfahre in derselben Rolle. Beide sind Rückstoßlader mit kurzem Laufrücklauf und Rückstoßverstärker an der Mündung — das Bauteil wandert also über 34 Jahre und zwei Kriege weiter. Verschieden sind Verriegelung, Kühlung und Fertigungsverfahren.
Befund
Zwischen beiden liegt der Wechsel von der Wasserkühlung zum Wechsellauf und vom gefrästen zum gepressten Bauteil. Der Rückstoßverstärker überlebt beides — er löst ein Problem, das die Bauweise nicht berührt.

MG 34

Mauser-Werke u. a. · Deutsches Reich · 1934 plausibel
System
Rückstoßlader, Drehkopfverschluss, luftgekühlt mit Wechsellauf
Unterschied
Der Zwischenschritt. Bemerkenswert ist eine Einzelheit: Der Laufmantel des MG 08/18 — der luftgekühlten Spätausführung von 1918 — diente als Grundlage für den Laufmantel des MG 34.
Befund
Ein Bauteil aus den letzten Kriegsmonaten 1918 wandert damit unmittelbar in die Standardwaffe der Wehrmacht. Die Linie von der Wasserkühlung zum Wechsellauf verläuft über wenige hundert Stück einer Waffe, die nie in Serie ging.

MP 18,I

Theodor Bergmann, Suhl · Deutsches Reich (Suhl) · 1918 plausibel
System
Zuschießender Masseverschluss, 9 × 19 mm, 4,18 kg
Unterschied
Die Antwort auf dieselbe taktische Lücke von der anderen Seite. Das MG 08/15 versuchte, das schwere Maschinengewehr tragbar zu machen, und kam auf 18 kg. Die MP 18 gab die Gewehrpatrone auf und kam auf 4,18 kg.
Befund
Beide entstanden aus derselben Frage — wie bekommt ein Mann Dauerfeuer in den Graben? — und beide 1915 bis 1918. Der Weg über die schwächere Patrone war der erfolgreichere; die Maschinenpistole wurde eine Gattung, das leichte wassergekühlte Maschinengewehr nicht.

Bekannte Schwächen

Konstruktive und fertigungsbedingte Mängel gehören zur Objektkunde: Sie erklären Umbauten, Varianten und Ausfallbilder — und sind bei der Zustandsbeurteilung am Einzelstück unmittelbar praktisch.

  • Das MG 08/15 war kaum leichter

    Es wog rund 18 kg — gegenüber 26,5 kg für die reine Waffe des MG 08. Der Mantel wurde von 109 auf 89 mm verengt, ein kurzes Zweibein, ein Holzschaft und ein Pistolengriff kamen hinzu, und das Wasser blieb. Eine Übersichtsdarstellung nennt das Ergebnis einen „ziemlich fehlgeleiteten Versuch", ein tragbares leichtes Maschinengewehr zu bauen. Zum Vergleich: Das MG 42 wiegt 24 Jahre später 11,6 kg mit Zweibein.

    plausibel

  • Gewebegurte

    Die Stoffgurte dehnten sich im Gebrauch, und bei Nässe kam es zu Problemen beim Ausziehen der Patrone aus dem Gurt. Metallgliedgurte lösten das erst später — beim MG 42 ist der nicht zerfallende Metallgliedgurt Standard.

    plausibel

  • Wasser als Verbrauchsstoff

    3,7 Liter im Mantel sind ein Vorteil, solange sie da sind. Sie kochen bei anhaltendem Feuern, müssen nachgefüllt werden, wiegen 4 kg und gefrieren im Winter. Der Dampf verrät zudem die Stellung. Die Wasserkühlung ist die Lösung für den Stellungskrieg und ungeeignet für alles, was Bewegung verlangt.

    plausibel

  • Vier Mann Bedienung

    69 kg vollständig, verteilt auf Waffe, Schlittenlafette, Wasser und Munition. Das ist keine Waffe, die ein Mann führt — und genau das war der Anlass für das MG 08/15 und, auf anderem Weg, für die MP 18.

    plausibel

Verwendung

  • Eingeführt 1908; am 3. August 1914 hatte das Heer 4.411 MG 08, dazu 398 MG 01, 18 MG 99 und zwei MG 09
  • MG 08/15 als Muster 1915 erprobt, im Gefecht erstmals in der Zweiten Aisne-Schlacht im April 1917
  • Bis 1918 sechs MG 08/15 je Kompanie, 72 je Regiment — viermal so viele wie schwere MG 08 im selben Regiment
  • Fliegerausführungen: lMG 08 ab 1915 auf der Fokker Eindecker, LMG 08/15 ab Mai 1916 in Fertigung

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (en) MG 08 , Einführung 1908 nach Hiram Maxims Konstruktion von 1884; Lizenzvertrag Ludwig Loewes mit Maxim 1892 über sieben Jahre, DWM 1896 zur Abwicklung gegründet; Fertiger DWM Berlin, Arsenal Spandau ab 1908, Arsenal Erfurt, MAN nur 1918; Bestand am 3. August 1914: 4.411 MG 08, 398 MG 01, 18 MG 99, zwei MG 09; Monatsfertigung rund 200 (1914), 3.000 (1916), 14.400 (1917); Gesamtzahlen 72.000 MG 08, 130.000 MG 08/15, über 23.000 LMG 08/15; 69 kg vollständig (Waffe 26,5 kg, Schlittenlafette 38,5 kg, Wasser 4 kg), Länge 1.175 mm, Lauf 721 mm; Kadenz 450–500/min (Schloss 08) und 600/min (Schloss 16); V0 878 m/s (S) und 765 m/s (s.S.); Gurt 250 bzw. 500; Mantelinhalt rund 3,7 l; Bedienung vier Mann; wirksame Entfernung 2.000 m, Höchstschussweite 3.700–4.700 m; Rückstoßverstärker 08 S ab 1915 als Vickers-Patent, Kadenz von 300–350 auf 450–600/min; MG 08/15 1915 erprobt, Entwurf unter Oberst Friedrich von Merkatz, erster Gefechtseinsatz Zweite Aisne-Schlacht April 1917, rund 18 kg, Mantel 89 statt 109 mm, Zweibein, Holzschaft, Pistolengriff, Gewebegurte dehnten sich und machten bei Nässe Auszieherprobleme; bis 1918 sechs Stück je Kompanie und 72 je Regiment, viermal so viele wie schwere MG 08; lMG 08 luftgekühlt aus Spandau ab 1915 auf der Fokker Eindecker, LMG 08/15 ab Mai 1916 in Spandauer Fertigung, Mantel 92,5 mm; MG 08/18 luftgekühlt, rund 2,7 kg leichter, kein schneller Laufwechsel, nur wenige hundert Stück, Laufmantel als Grundlage für den des MG 34; Name „Spandau MG 08" aus der Vorkriegsfertigung bei DWM Berlin und im Arsenal Spandau Link
  2. [Online] The Vintage Aviator The Spandau LMG 08/15 , Umbau des wassergekühlten MG 08 zum luftgekühlten Fliegermaschinengewehr, durchbrochener Laufmantel Link

Aus derselben Fertigung