Hersteller · Suhl
Gustloff-Werke, Werk Suhl
1939 wurde der aus dem enteigneten Simson-Betrieb hervorgegangene Suhler Betrieb in die Gustloff-Werke eingegliedert.
Die Wilhelm-Gustloff-Stiftung, der das Kombinat gehörte, war 1936 gebildet worden — und ihr Grundstock bestand aus dem Vermögen, das der Familie Simson unter Zwang entzogen worden war. Die Stiftung ist damit keine Eigentümerin, die einen Betrieb erwarb, sondern die Rechtsform, in die das Raubgut überführt wurde. Einzelheiten unter Die Waffenregion im Nationalsozialismus. Das Kombinat wuchs rasch zu einem der größten Hersteller von Infanteriewaffen des NS-Staats. Neben dem Suhler Stammwerk entstanden Zweigwerke unter anderem in Weimar und Meiningen.
Fertigungsprogramm
| Waffe | Gattung |
|---|---|
| Karabiner 98k | Repetierbüchse, Ordonnanz |
| Gewehr 43 / Karabiner 43 | Selbstladegewehr |
| Pistolen im Kaliber 7,65 mm | Kurzwaffe |
| Lafetten für die 7,5-cm-Pak 40 | Geschützteile |
Der Maßstab
1944 verließen das Suhler Werk annähernd 62.000 MG 42 und 2.500 Lafetten für die 2-cm-Flak 38. Das ist die größte belegte Fertigungsleistung des Untersuchungsraums in dieser Epoche und ordnet den Betrieb neben die Gewehrfabrik Erfurt des Ersten Weltkriegs.
Bemerkenswert daran: Das MG 42 ist eine Konstruktion aus Döbeln in Sachsen. Entwurf und Großserie lagen also beide im Untersuchungsraum, aber in zwei Betrieben, die nichts miteinander zu tun hatten.
Verbreitet ist die Angabe, die Werke der Stiftung hätten rund ein Viertel der deutschen Maschinengewehrfertigung gestellt. Dieses Register führt sie als Zitat, nicht als geprüften Befund.
Zwangsarbeit
Für das Suhler Stammwerk — in den Lagerakten auch Heinrichswerk Suhl genannt — ist ein eigenes Außenlager des KZ Buchenwald dokumentiert.
| Bestand | 15. Juli bis 1. Oktober 1943 |
| Häftlinge | 91 insgesamt, Belegstärke konstant 80 |
| Herkunft | überwiegend polnische politische Häftlinge, im Frühjahr 1943 aus Majdanek verlegt; daneben aus Deutschland, der Sowjetunion, Belgien, der Tschechoslowakei, Jugoslawien und den Niederlanden |
| Unterbringung | eine einzelne Baracke auf dem Werksgelände westlich der Innenstadt, umgeben von elektrisch geladenem Stacheldraht |
| Arbeit | ausschließlich Bauarbeit; nur fünf der Häftlinge waren Facharbeiter |
| Arbeitszeit | zunächst Montag bis Samstag, ab Mitte August bis Ende September 1943 durchgehend sieben Tage |
Der Zweck dieser Bauarbeit verdient es, ausgeschrieben zu werden: Die Häftlinge errichteten das Barackenlager, in dem anschließend die ausländischen Zwangsarbeiter des Werks untergebracht wurden. Zwangsarbeit baute hier die Unterkunft für die nächste Zwangsarbeit.
Ein Todesfall ist dokumentiert. Am 19. Juli 1943 erschoss ein SS-Wachmann den polnischen Häftling Edward Piskorz; als Begründung wurde ein Fluchtversuch angegeben. Nach Fertigstellung der Baracken brachte die SS die Häftlinge am 1. Oktober 1943 nach Buchenwald zurück; die meisten wurden von dort nach Wuppertal weiterverlegt. Auf dem Gelände, heute ein Gewerbepark, ist nichts davon erhalten.
Das weit größere Ausmaß im Zweigwerk Weimar — dem Gustloff-Werk II mit über 3.000 Häftlingen in Elfstundenschichten — steht im eigenen Eintrag.
Dieses Register behandelt Zwangsarbeit nicht als Randnotiz zur Betriebsgeschichte, sondern als Bestandteil der Fertigungsgeschichte selbst. Die 62.000 MG 42 des Jahres 1944 und die Baracken von 1943 gehören in dieselbe Darstellung; siehe Methodik.
Werkslinie
Das Suhler Werk steht in der Mitte einer Kette, die von der Gründung 1856 bis 1990 reicht: Simson & Co. → BSW → Gustloff-Werke → SAG Awtowelo → VEB Ernst-Thälmann-Werk.
Offene Forschungsfragen. Wie viele zivile Zwangsarbeiter das fertiggestellte Barackenlager aufnahm und woher sie kamen — das ist die unmittelbare Anschlussfrage an den belegten Befund. Ferner: Stückzahlen des Suhler Werks nach Modell, Fertigungskennzeichen der einzelnen Werke des Kombinats, das Verhältnis zwischen Stammwerk und den Zweigwerken Schmiedefeld, Greiz und Litzmannstadt, und der Verbleib der Fertigungseinrichtungen nach 1945.
Rechtsform und Firmierung
- 1936
- Wilhelm-Gustloff-Stiftung · Stiftung
Grundstock der Stiftung war das der Familie Simson entzogene Vermögen. Die Stiftung ist damit keine Erwerberin, sondern die Rechtsform, in die das Raubgut überführt wurde.
- 1939
- Gustloff-Werke, Werk Suhl · Eingliederung
Fertigungsprogramm
- 1939–1945
- Karabiner 98k
- 1943–1945
- Gewehr 43 / Karabiner 43
Neben Walther und der Berlin-Lübecker Maschinenfabrik einer von drei Fertigern.
- NS-Zeit
- Pistolen im Kaliber 7,65 mm
- NS-Zeit
- Lafetten für die 7,5-cm-Pak 40
- 1944
- MG 42 und Lafetten für die 2-cm-Flak 38
Allein 1944 annähernd 62.000 MG 42 und 2.500 Flak-Lafetten. Die Konstruktion des MG 42 stammt aus Döbeln in Sachsen; die Großserie lief unter anderem hier.
- 1944/45
- Volkssturmgewehr (Gustloff)
Konstruktion Karl Barnitzke. Ob die Fertigung in Suhl oder im Zweigwerk Weimar lief, ist NICHT geklärt — siehe Modelleintrag.
Standorte
- Suhl
Stammwerk, hervorgegangen aus dem enteigneten Simson-Betrieb.
- Weimar
Zweigwerk „Gustloff-Werk II", zugleich Außenlager des KZ Buchenwald — eigener Eintrag.
- Meiningen
Weiteres Zweigwerk des Kombinats; Fertigungsprogramm und Umfang sind hier nicht erfasst.
- Schmiedefeld, Greiz und Litzmannstadt
Weitere Zweigwerke. Litzmannstadt ist der von den Besatzern vergebene Name für Łódź im besetzten Polen.
Personen
- Fritz Sauckel — Thüringer Gauleiter; betrieb die Enteignung von Simson, aus deren Vermögen die Stiftung gebildet wurde. Ab 1942 Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz, in Nürnberg zum Tode verurteilt
Zwangsarbeit — belegt
Für das Suhler Stammwerk — auch unter dem Namen Heinrichswerk Suhl geführt — ist ein eigenes Außenlager des KZ Buchenwald belegt: vom 15. Juli bis zum 1. Oktober 1943, 91 Häftlinge insgesamt bei einer Belegstärke von 80, überwiegend polnische politische Häftlinge aus Majdanek, daneben aus Deutschland, der Sowjetunion, Belgien, der Tschechoslowakei, Jugoslawien und den Niederlanden. Ihre Arbeit bestand ausschließlich darin, ein Barackenlager zu errichten — die Unterkunft für die ausländischen Zwangsarbeiter, die danach im Werk arbeiten sollten. Ein Häftling, der Pole Edward Piskorz, wurde am 19. Juli 1943 von einem SS-Wachmann erschossen. Für das Zweigwerk Weimar ist der weit größere Umfang gesondert ausgewiesen.
Stehende Regel dieses Registers: Bei jedem Betrieb, der zwischen 1933 und 1945 gefertigt hat, wird der Einsatz von Zwangsarbeit geprüft und der Stand ausgewiesen — auch wenn die Prüfung noch aussteht. Siehe Die Waffenregion im Nationalsozialismus .
Modelle dieses Herstellers
- Gustloff-Volkspistole (Volkspistolen-Programm 1944/45)
- Karabiner 98k
- MG 42 (Kriegswaffe — nur Dokumentation)
- Volkssturmgewehr VG 1-5 (Gustloff)
Quellen
- [Online] Wikipedia (en) — Wilhelm Gustloff Stiftung Link
- [Online] Gedenkstätte Buchenwald — Rüstungswerk Gustloff-Werk II Link
- [Archiv] Gedenkstätte Buchenwald — Außenlager Suhl — Belegstärke, Herkunft, Arbeit, Todesfall Link
- [Online] Wikipedia (de) — Wilhelm-Gustloff-Stiftung — Umbenennung 1939, Werke des Konzerns Link
- [Online] Wikipedia (de) — Simson (Unternehmen) — Stückzahlen Suhl 1944, Zweigwerke Link