Hersteller · Zella-Mehlis
Carl Walther Waffenfabrik, Zella-Mehlis
Carl Walther gründete die Waffenfabrik 1886 in Zella St. Blasii (ab 1919 Teil von Zella-Mehlis). Aus einer Jagd- und Scheibenwaffenfertigung wurde unter den Söhnen — vor allem Fritz Walther — der prägende deutsche Hersteller von Selbstladepistolen.
Die Polizeipistolen PP und PPK
Mit der PP (Polizeipistole, 1929) und der kompakteren PPK (1931) gelang Walther der Doppelschlag, der die Gattung definierte: Hahnschlagsystem mit Spannabzug, sichere Tragweise mit Patrone im Lager, industrielle Serienqualität. Beide Modelle wurden von Polizei und Behörden im In- und Ausland eingeführt und weltweit kopiert.
Die P38
Die P38 wurde 1938 als Ersatz der Pistole 08 zur Ordonnanzpistole der Wehrmacht bestimmt — technisch ein Generationssprung (verriegelter Rohrrücklauf, Spannabzug) und fertigungstechnisch deutlich günstiger als die 08. Die Fertigung lief in Zella-Mehlis (Code „ac”) sowie bei Lizenznehmern. Die Nachfrage überstieg die eigene Kapazität: Nach Darstellung des Unternehmens lieferte Walther bis Kriegsende rund 580.000 der bis dahin gefertigten 1,2 Millionen P38 — den Rest bauten Mauser in Oberndorf und die Spreewerke in Berlin-Spandau.
Zwangsarbeit
Der Befund ist zweigeteilt, und der schwerer wiegende Teil liegt nicht in Thüringen: Walther gehört zu den wenigen Rüstungsfirmen, die ein eigenes Werk innerhalb eines Konzentrationslagers errichten ließen. Der zweite Teil betrifft den Stammsitz und ist deutlich schlechter aufgearbeitet.
Die Fertigungsstelle im KZ Neuengamme
Im Spätsommer 1942 fiel die Entscheidung, beim Hauptlager Neuengamme bei Hamburg eine Fertigung der P38 einzurichten — bei der SS als „Fertigungsstelle” beziehungsweise „Fertigungsstelle P + 38” geführt, offiziell Metallwerke Neuengamme, von den Häftlingen nach den Eigentümern Walther-Werke genannt. Im Januar 1943 lief eine provisorische Produktion in Baracken an. Wegen der niedrigen kriegswirtschaftlichen Dringlichkeitsstufe kam der Bau nur langsam voran; im Spätsommer 1943 wurde auf das neue Selbstladegewehr G 43 umgestellt. Die volle Kapazität erreichte das Werk erst im zweiten Halbjahr 1944, nach Anlieferung aller Fertigungseinrichtungen — darunter viele hochmoderne Maschinen —, mit 900 bis 1.000 Häftlingen. Weil sich das G 43 als technisch nicht immer zuverlässig erwies, nahm das Werk Anfang 1945 zusätzlich die Fertigung des einfach herzustellenden Volksgewehrs für den Volkssturm auf.
Gebaut wurde das Werk von Häftlingen. Die Vertragsvereinbarungen mit dem Hamburger Architekten Paul Alfred Richter und die Ausführungsplanung waren Ende 1942 abgeschlossen, ab Anfang 1943 begannen Häftlingskommandos mit dem Rohbau. Die Montagehalle — ein Mitteltrakt von 210,00 × 20,76 Metern mit sechs Querflügeln — hatte 9.034 Quadratmeter stützenfreie Grundfläche; dazu kamen Schmiede, Heiz- und Umspannwerk, Tischlerei, Garagen und Baracken für die Zivilangestellten der Walther-Werke, ferner eine 7,5 Kilometer lange Hochspannungsleitung und eine 1,5 Kilometer lange Gasleitung. Trotz des Einsatzes von bis zu 764 Häftlingen auf der Baustelle geriet der Bau in Verzug: Bis Februar 1944 waren nur der erste und der zweite Bauabschnitt fertig, die Schmiede wurde nie fertiggestellt, ein geplanter Schießstand gar nicht erst begonnen.
Die Bauleitung lag beim Leiter der Zentralbauleitung der Waffen-SS und Polizei Hamburg-Neuengamme, dem Architekten Karl Fricke; vor Ort führten überwiegend Angehörige der SS-Wachmannschaften die Baukommandos und trieben die Häftlinge mit äußerster Brutalität an. Die Aufsicht über den Bau der Walther-Werke führte von April bis Dezember 1943 SS-Unterscharführer Johann Reese, der im ersten Neuengamme-Prozess vor dem britischen Militärgericht in Hamburg am 3. Mai 1946 zum Tode verurteilt und am 8. Oktober 1946 in Hameln hingerichtet wurde. Auf der Baustelle wurden 1943 zahlreiche Häftlinge über die Postenkette getrieben: Übertrat ein Häftling die Linie zwischen zwei SS-Posten, wurde er „auf der Flucht” erschossen — bei der SS galt das als besondere Leistung, der Wachmann erhielt eine zusätzliche Ration Alkohol, zeitweise auch Sonderurlaub.
Wie in dieser Halle gearbeitet wurde, ist durch Häftlingsberichte im Archiv der Gedenkstätte belegt. Der Pole Mieczysław-Franciszek Bartosiński, von September 1944 bis Mai 1945 in Neuengamme, wurde am Fräsen der Gewehrläufe eingesetzt: „In 11 Arbeitsstunden forderte man von mir die Anfertigung von 220–230 Läufen.” Wer weniger schaffte, bekam Hiebe. Zugleich hielt er fest, das Kommando bei den Metallwerken sei besser gewesen als andere, „weil man in warmen Räumen arbeitete” — dieselbe Ambivalenz findet sich beim Dänen Jørgen Barfod, der die Facharbeit hervorhebt und eine „Zulage” von zwei Stück Schwarzbrot am Tag erwähnt. Der Franzose Henri Solbach berichtet über den Kommandoführer, der Häftlinge „aus Sadismus” verprügelte, obwohl der zivile Meister einwandte, sie arbeiteten für die Kriegsproduktion — „bei der Behandlung der Häftlinge konnte ihm kein Meister oder Ingenieur hineinreden”. Dieselbe Aussage unterscheidet ausdrücklich zwischen den Aufsichtskräften und schließt mit dem Satz: „Der Besitzer, Herr Walther, war ebenfalls anständig.” Der Satz gehört zur Quelle und wird hier nicht weggelassen; er bewertet das Auftreten einer Person gegenüber einem Häftling und sagt nichts darüber aus, wer die Fertigungsstelle im Lager veranlasst und betrieben hat.
Ein Nachspiel gehört dazu: Auf Bitten der Inhaber Fritz und Gerhard Walther gab der ehemalige Häftling Alfred Baumbach 1946/47 Erklärungen über deren Verhalten in den Walther-Werken ab. Fritz Walther wurde 1948 im Entnazifizierungsverfahren als Mitläufer eingestuft.
Zella-Mehlis: der Stammsitz
Am Stammsitz ist der Einsatz von Zwangsarbeit belegt, aber nicht beziffert. Zwischen 1940 und 1945 lebten nach der örtlichen Aufarbeitung insgesamt etwa 8.000 Kriegsgefangene sowie Zwangsarbeit verrichtende Männer und Frauen in Zella-Mehlis, eingesetzt an mehr als 110 Arbeitsstellen — bei einer Stadt, die im Oktober 1946 17.352 Einwohner zählte. Das größte Zwangsarbeiterlager war die Beckerwiese in der Talstraße; dort und im gegenüberliegenden Kriegsgefangenenlager befanden sich am 8. März 1945 8.219 Menschen. Seit dem 1. September 2003 erinnert eine Gedenktafel an der Kreuzung Sommerauweg/Talstraße daran.
Widerspruch, nicht aufgelöst. Beide Zahlen stammen aus derselben Darstellung und passen nicht zusammen: 8.219 Menschen an einem einzigen Stichtag in zwei benachbarten Lagern stehen gegen „insgesamt etwa 8.000” für den gesamten Zeitraum 1940 bis 1945. Entweder ist die Gesamtzahl zu niedrig oder die Stichtagszahl bezieht sich auf einen größeren Bezugsraum. Ohne die zugrunde liegende Ortsstudie ist das nicht zu entscheiden; hier stehen beide Angaben nebeneinander.
Dass Walther zu den Nutznießern gehörte, ist ausdrücklich belegt. Das Verzeichnis Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus der Bundeszentrale für politische Bildung von 1999 schreibt zum Alten Friedhof in Zella: Dort ruhen „sowjetische und polnische Zwangsarbeiter, die an den Folgen von Entbehrungen und schweren Arbeitsbedingungen, Krankheit oder Misshandlungen in den Zella-Mehliser Waffenfabriken Walther, Weihrauch, IG Anschütz und anderen Firmen der Rüstungsindustrie verstarben”. Der 1959 eingeweihte Obelisk trägt unter dem Sowjetstern die Inschrift „Ruhm, Ehre und Dank den tapferen Sowjetbürgern”; rechts und links liegen je acht Steine mit jeweils zwei oder drei Namen in kyrillischer Schrift. Die offizielle Gräberliste des Freistaats Thüringen führt unter der Objekt-Nummer 406 35 Einzelgräber verstorbener Zwangsarbeiter. Der Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 nennt für denselben Friedhof 34 Opfer der Zwangsarbeit zuzüglich sowjetischer Kriegsgefangener aus Benshausen; welche der beiden Zählungen wen einschließt, ist aus den zugänglichen Angaben nicht zu klären.
Die Überlieferung ist dabei bis heute widersprüchlich, und die Stadtverwaltung sagt das selbst: Unter den 35 Bestatteten sind sieben Polen, die weder in der Inschrift noch auf dem Obelisken erwähnt werden; nur in einem Fall ist „Frankreich” als Nationalität genannt. Bei der Recherche des Stadtarchivs fielen 2021 „teils gravierende Abweichungen der Personendaten” auf — Namen und Sterbedaten auf den Steinplatten entsprechen oft nicht den Listen und Registern, Einzelne stehen auf der Liste, aber nicht auf den Platten, andere umgekehrt, und im standesamtlichen Sterberegister sind weitere Menschen verzeichnet, augenscheinlich ebenfalls Zwangsarbeiter, die bisher weder in den Listen noch auf den Platten auftauchen. Der Abgleich mit polnischer Seite steht aus.
Ein Name
Für Walther in Zella-Mehlis ist ein Einzelschicksal öffentlich dokumentiert. Marcel Callo (6. Dezember 1921 in Rennes – 19. März 1945), französischer Drucker und katholischer Jugendarbeiter, kam im März 1943 über den Service du travail obligatoire nach Zella-Mehlis und musste in der Waffenfabrik Walther arbeiten — nach den Gedenkquellen täglich zehn bis elf Stunden in der Fertigung von Karabinern. Im Lager organisierte er Gottesdienste, leitete den Chor der Christ-König-Kirche und gründete eine Aktionsgruppe. Am 19. April 1944 verhaftete ihn die Gestapo als „Schädling”; über das Gefängnis Gotha und das KZ Flossenbürg kam er im Oktober 1944 nach Mauthausen und am 7. November 1944 in das Außenlager Gusen II, wo er in der unterirdischen Flugzeugfertigung eingesetzt wurde. Er starb am 19. März 1945 im Sanitätslager Mauthausen. 1987 wurde er seliggesprochen; in Zella-Mehlis trägt der Platz vor der katholischen Kirche seinen Namen, und am Gedenkstein im Sommerauweg findet das jährliche Gedenken statt.
Was offen bleibt
Vier Punkte bleiben offen oder sind ausdrücklich nicht belegt.
- Der Umfang am Stammsitz. Wie viele der in Zella-Mehlis eingesetzten Zwangsarbeiter bei Walther arbeiteten und welchen Anteil sie an der Belegschaft hatten, geht aus keiner zugänglichen Quelle hervor. Die Ortsdarstellung von Lutz von Nordheim (zella-mehlis-geschichte.de) spricht von der „Zella-Mehliser Produktion durch Hunderte von Zwangsarbeitern”; eine betriebsbezogene Zahl gibt es nicht. Auch eine Beschäftigtenreihe für 1939 bis 1944 ließ sich nicht belegen — die einzige Kriegszahl, 2.500 Beschäftigte Anfang 1945, stammt aus einer Sammlerdarstellung ohne Archivbeleg. Der in solchen Fällen zu erwartende Sprung der Belegschaft bei gleichzeitigem Einzug der Facharbeiter lässt sich hier also nicht nachrechnen; er wird deshalb auch nicht behauptet.
- Kein KZ-Außenlager in Zella-Mehlis. Das Außenlager-Portal der Gedenkstätte Buchenwald verzeichnet für den Raum Suhl/Zella-Mehlis genau ein Lager, und zwar bei den Gustloff-Werken in Suhl: vom 15. Juli bis 1. Oktober 1943, konstant 80 Häftlinge, insgesamt 91 Durchgänge, überwiegend Polen, eingesetzt ausschließlich zum Bau eines Barackenlagers für ausländische Zwangsarbeitende; ein Todesfall ist belegt — der 36-jährige Pole Edward Piskorz, am Morgen des 19. Juli 1943 von einem SS-Wachmann bei einem angeblichen Fluchtversuch erschossen. Ein Lager in Zella-Mehlis führt das Portal nicht.
- Die Buchenwald-Behauptung. Der Wikipedia-Artikel Zella-Mehlis schreibt, die Walther-Waffenwerke hätten „Karabiner direkt im KZ Buchenwald montieren” lassen, und belegt das mit der Website geschichte-zella-mehlis.de, die nicht mehr erreichbar ist; eine nachprüfbare Fundstelle bleibt damit aus. Das ist so nicht bestätigt: Der im Hauptlager Buchenwald dokumentierte Waffenfertiger ist das Gustloff-Werk II, in dem Mitte 1944 über 3.000 Häftlinge in elfstündigen Tag- und Nachtschichten Gewehre, Geschützteile und Feinmechanik für Raketenwaffen fertigten und beim Luftangriff vom 24. August 1944 315 Häftlinge starben. Welche Gewehrmodelle das waren, gibt die Gedenkstätte nicht an. Ob die Ortsdarstellung damit Walther als Konstrukteur einer dort gefertigten Waffe mit dem Fertiger verwechselt oder ob es eine eigene Walther-Fertigung in Buchenwald gab, ist ohne Archivarbeit nicht zu entscheiden.
- Tote im Kommando Walther-Werke. Für die Fertigungsstelle in Neuengamme ist in den ausgewerteten Gedenkstättenmaterialien keine Zahl der Todesopfer angegeben. Belegt sind Erschießungen an der Postenkette während der Bauphase, nicht aber eine Bilanz.
Die Firmengeschichte auf der Website der heutigen Carl Walther GmbH behandelt die Jahre 1933 bis 1945 als Erfolgsgeschichte der P38 und erwähnt weder die Fertigungsstelle im KZ Neuengamme noch Zwangsarbeit in Zella-Mehlis. Zur Einordnung des Zusammenhangs siehe Die Waffenregion im Nationalsozialismus.
1945: kein Bruch, sondern das Ende des Werks am Ort
Der Ablauf ist bemerkenswert und unterscheidet Zella-Mehlis von den Suhler Betrieben. Im April 1945 wurde das unzerstörte Werk der US-Armee übergeben; als Thüringen im Juli 1945 der sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen wurde, übernahm die Rote Armee die Anlagen, demontierte sie und zerstörte die Gebäude.
Damit gibt es hier keine Fortführung am Ort — anders als bei Simson, wo das Werk über vier Systemwechsel hinweg in Betrieb blieb. Zella-Mehlis verlor seinen größten Betrieb vollständig.
Die Familie wurde im Mai 1945 interniert und im Sommer freigelassen. Fritz Walther wurde 1948 im Entnazifizierungsverfahren als Mitläufer eingestuft, und über Bissingen-Oblohn bei Heidenheim kam das Unternehmen 1953 nach Ulm, wo die Waffenfertigung wieder anlief.
Für dieses Register endet die Betrachtung 1945. Die Ulmer Fortsetzung dient als Kontrast — und liefert zugleich das praktische Bestimmungsmerkmal: Der Ortsname auf der Waffe entscheidet. Siehe 1945 — Demontage, Enteignung, Volkseigentum.
Rechtsform und Firmierung
- 1886
- Waffenfabrik Carl Walther · Familienbetrieb
Gegründet von Carl Wilhelm Freund Walther (geboren 22. November 1858).
- ab den 1920er Jahren
- Waffenfabrik Carl Walther AG, Zella-Mehlis · Aktiengesellschaft
- Juli 1945
- Demontage und Zerstörung · Enteignung
Im April 1945 wurde das unzerstörte Werk der US-Armee übergeben. Im Juli 1945 übernahm die Rote Armee die Anlagen, demontierte sie und zerstörte die Gebäude.
- 1953
- Carl Walther, Ulm · westdeutsche Neugründung
Nach Internierung im Mai 1945 und Freilassung im Sommer desselben Jahres zunächst Bissingen-Oblohn bei Heidenheim; Fritz Walther wurde 1948 im Entnazifizierungsverfahren als Mitläufer eingestuft. Fertigung in Ulm ab 1953.
Fertigungsprogramm
- ab 1886
- Jagd- und Scheibenbüchsen
Scheibenbüchsen für den deutschen Schießsport waren das Ursprungsprogramm — Selbstladepistolen kamen erst zwei Jahrzehnte später hinzu.
- ab 1908
- Selbstladepistolen, Modellreihe 1 bis 9
Die erste Selbstladepistole entwarf Fritz Walther, ein Sohn des Gründers.
- 1929–1945
- Walther PP und PPK
Die PP gilt als erste Serienpistole der Welt mit Spannabzug und außenliegendem Sicherungs- und Entspannhebel.
- 1938–1945
- Pistole 38
- 1943–1945
- Gewehr 43 / Karabiner 43
Standorte
- Zella St. Blasii
Gründungsort 1886; die Gemeinde ging 1919 in der Stadt Zella-Mehlis auf. Das Werk war bei Kriegsende unzerstört.
Personen
- Carl Wilhelm Freund Walther — Gründer, geboren 22. November 1858, ab 1886
- Fritz Walther — Sohn des Gründers und prägender Konstrukteur; entwarf 1908 die erste Selbstladepistole des Hauses und bestimmte die Entwicklungslinie über Jahrzehnte
- Georg, Willy, Erich und Lothar Walther — die vier weiteren Söhne des Gründers; Willy fiel im Ersten Weltkrieg, Georg und Erich führten das Unternehmen nach 1915 gemeinsam mit Fritz
Beschäftigte
- 1908 · 15 (Beginn der Serienfertigung des Pistolenmodells 1.)
- 1914 · 80 (an 50 Maschinen im alten Werk.)
- 1917 · 500 (an 750 Maschinen im 1915 bezogenen Neubau an der Langewiese.)
- Anfang der 1920er Jahre · rund 350 (Einbruch nach dem Versailler Vertrag; aufgefangen durch die ab 1924 aufgebaute Rechenmaschinenfertigung.)
- Anfang 1945 · 2.500 (Höchststand nach einer Sammlerdarstellung, zusammen mit einer Monatsleistung von 25.000 Karabinern 43 und Volksgewehren sowie ebenso vielen Pistolen. Eine Reihe für 1939 bis 1944 ließ sich nicht belegen, und wie viele der 2.500 unfreiwillig arbeiteten, geht aus keiner der ausgewerteten Quellen hervor.)
Kennzeichen
Firmen-, Fertigungs- und Abnahmekennzeichen dieses Betriebs. Jede Zuordnung ist einzeln zu belegen — Kennzeichen bezeichnen eine Firma, nicht zwingend ein Werk.
-
acFertigungskennzeichen der Wehrmacht ab 1940/41 plausibel -
Zella-MehlisOrtsangabe auf der Waffe bis 1945 gesichert
Zwangsarbeit — belegt
Belegt für beide Werksteile. Im KZ Neuengamme betrieb die Firma eine eigene Fertigungsstelle — die „Metallwerke Neuengamme", von Häftlingen „Walther-Werke" genannt: Entscheidung im Spätsommer 1942, provisorische Fertigung der P 38 ab Januar 1943 in Baracken, ab Spätsommer 1943 Umstellung auf das G 43, ab Anfang 1945 zusätzlich das Volksgewehr. Auf der Baustelle arbeiteten bis zu 764 Häftlinge, in der Fertigung im zweiten Halbjahr 1944 900 bis 1.000. Am Stammsitz Zella-Mehlis lebten zwischen 1940 und 1945 etwa 8.000 Kriegsgefangene sowie Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, eingesetzt an mehr als 110 Arbeitsstellen; das Gedenkstättenverzeichnis der Bundeszentrale für politische Bildung nennt Walther ausdrücklich als einen der Betriebe, in denen sowjetische und polnische Zwangsarbeiter zu Tode kamen. Nicht belegt ist, wie viele Zwangsarbeiter das Werk in Zella-Mehlis selbst einsetzte; ein KZ-Außenlager ist für die Stadt nicht nachgewiesen.
Stehende Regel dieses Registers: Bei jedem Betrieb, der zwischen 1933 und 1945 gefertigt hat, wird der Einsatz von Zwangsarbeit geprüft und der Stand ausgewiesen — auch wenn die Prüfung noch aussteht. Siehe Die Waffenregion im Nationalsozialismus .
Verbleib
Das Werk wurde im Juli 1945 demontiert und die Gebäude zerstört — anders als bei den Suhler Betrieben gab es hier keine Fortführung am Ort. Der Markenname wanderte in den Westen: über Bissingen-Oblohn nach Ulm, wo die Fertigung 1953 wieder anlief.
Modelle dieses Herstellers
Quellen
- [Online] Wikipedia (en) — Carl Walther GmbH Link
- [Online] Wikipedia (de) — Walther-Pistolen Link
- [Online] Carl Walther — Company — The first century Link
- [Online] KZ-Gedenkstätte Neuengamme — Die Metallwerke Neuengamme (Walther-Werke) Link
- [Archiv] KZ-Gedenkstätte Neuengamme — Arbeitsbedingungen im Kommando Walther-Werke (Klappbuch, Neudruck 2020) Link
- [Archiv] KZ-Gedenkstätte Neuengamme — Baukommandos — Die Errichtung des Rüstungsbetriebs „Metallwerke Neuengamme" 1943/44 Link
- [Online] KZ-Gedenkstätte Neuengamme — Baugeschichte des KZ Neuengamme — „Metallwerke Neuengamme" („Walther-Werke") Link
- [Online] KZ-Gedenkstätte Neuengamme — ehem. Walther-Werke — Ausstellungsort Link
- [Online] Wikipedia (de) — Metallwerke Neuengamme Link
- [Online] Gedenkstätte Buchenwald — Außenlager Suhl (Gustloff-Werk), 15. Juli bis 1. Oktober 1943 Link
- [Online] Gedenkstätte Buchenwald — Rüstungswerk Gustloff-Werk II Link
- [Literatur] Bundeszentrale für politische Bildung — Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus, 1999 — Eintrag Alter Friedhof Zella , zitiert nach inSüdthüringen, 16. Juni 2021
- [Online] inSüdthüringen — Opfergräber in Zella-Mehlis — Verwirrung um Namen und Nationalitäten, 16. Juni 2021 Link
- [Online] inSüdthüringen — Schicksal der Besiegten — Warum ein Franzose durch Zella-Mehlis starb, 16. März 2025 Link
- [Online] Stadt Zella-Mehlis — Gedenken an Marcel Callo Link
- [Online] Mauthausen Memorial — Raum der Namen — Marcel Callo, 1921–1945 Link
- [Online] Lutz von Nordheim — zella-mehlis-geschichte.de — Carl Walther-Waffenfabrik Link
- [Online] Wikipedia (de) — Zella-Mehlis — Zwangsarbeit, Lager Beckerwiese, Einwohnerentwicklung Link
- [Literatur] Autorenkollektiv Zella-Mehlis — Faschistische Diktatur — Widerstandskampf und Verfolgung in Zella-Mehlis 1933 bis 1945, 1. Auflage, Januar 2005 , als Belegquelle der Ortszahlen anzunehmen, aber nicht nachgewiesen: Die Zahlen stehen in der Wikipedia mit Verweis auf geschichte-zella-mehlis.de (offline), nicht auf dieses Buch. Nicht im Original eingesehen.
- [Literatur] Thüringer VVN-BdA — Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Band 8: Thüringen, Frankfurt am Main 2003, S. 263 ff. , nicht im Original eingesehen
- [Online] Deutsche Biographie — Walther (Familie) — Fritz Walther, Entnazifizierung 1948 Link
- [Online] vestpockets.bauli.at — Waffenfabrik Carl Walther, Zella-Mehlis/Thüringen — Firmenchronik Link