Stadt
Weimar
Landeshauptstadt Thüringens 1920–1952 — und Standort zweier Rüstungswerke am Lager
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Die Angaben zu beiden Werken stammen aus dem Außenlager-Portal und der Ortsdarstellung der Gedenkstätte Buchenwald und sind gut abgesichert. Dieser Eintrag entstand aus einem Fehler: Das Register führte beide Werke als eines, unter dem Namen des einen und mit den Zahlen des anderen; siehe Korrekturregister. Ungeklärt bleibt, welche Waffenmuster in welchem der beiden Werke entstanden und unter welcher Kennzeichnung — eine Bestimmung auf „Gustloff-Werke Weimar" trennt die beiden Anlagen derzeit nicht.
Weimar steht in diesem Register nicht wegen einer Handwerkstradition — es gab hier keine. Es steht hier aus zwei Gründen, die nichts miteinander zu tun haben und doch beide diese Landschaft bestimmen: als Hauptstadt und als Lagerstandort.
Die andere Hauptstadt
Die Waffenlandschaft dieses Registers hatte zwei Verwaltungsspitzen, und beide lagen außerhalb der Fertigungsorte:
| Behördensitz | zuständig für | Zeitraum |
|---|---|---|
| Erfurt | Suhl im Kreis Schleusingen — preußischer Regierungsbezirk | 1816–1945 |
| Weimar | Zella-Mehlis und Meiningen — Land Thüringen | 1920–1952 |
Wer für die Zeit zwischen 1920 und 1945 Behördenschriftgut zu dieser Region sucht, muss deshalb wissen, in welchem Staat der Ort lag: Suhler Vorgänge liefen über Erfurt, Zella-Mehliser und Meininger über Weimar. Die Trennung, die im Beschusswesen zwei Ämter erzwang, setzt sich in der Aktenüberlieferung fort.
Ab 1952 endete das: Thüringen wurde in Bezirke aufgelöst, Weimar verlor die Hauptstadtfunktion an keine Nachfolgerin, sondern an drei Bezirksstädte — Erfurt, Gera und Suhl. Meiningen wurde Kreisstadt im Bezirk Suhl, Weimar Kreisstadt im Bezirk Erfurt. Das Verhältnis kehrte sich um.
Zwei Werke, nicht eines
Hier liegt der eigentliche Grund für diesen Eintrag, und er ist zugleich ein Eingeständnis.
Das Suhler Kombinat der Wilhelm-Gustloff-Stiftung betrieb im Raum Weimar zwei Anlagen. Beide trugen den Namen der Stiftung, beide beruhten auf der Arbeit von Buchenwaldhäftlingen, beide wurden aus der Luft zerstört. Sie waren trotzdem nicht dasselbe:
| Fritz-Sauckel-Werk | Gustloff-Werk II | |
|---|---|---|
| Lage | Kromsdorfer Straße, Norden der Stadt | Blutstraße auf dem Ettersberg, hundert Meter vor der Lagereinfahrt |
| Art | Waffen- und Werkzeugmaschinenfabrik | Rüstungswerk in von der SS vermieteten Hallen |
| Außenlager | „Kommandos Gustloff-Werk Weimar”, 11.10.1943–04.04.1945 | Häftlingseinsatz ab März 1943 |
| Häftlinge | Höchstbelegung 2.290 Ende 1944 | über 3.000 Mitte 1944 |
| Erzeugnisse | Karabiner 98k unter 337 und bcd; Gewehre, Minenwerfer, Dreharbeiten | Gewehrmontage, Geschützteile, Feinmechanik für Raketenwaffen |
| Luftangriff | 9. Februar 1945 — 356 tote Häftlinge | 24. August 1944 — 315 Tote, 525 Schwerverletzte |
| danach | Gedenkstein Ecke Andersenstraße/Kromsdorfer Straße | Gelände nach 1945 nicht weiter genutzt |
Dieses Register hat beide bis zum 11. August 2026 für ein einziges Werk gehalten. Der Eintrag trug den Namen des einen, die Adresse des anderen, die Zahlen des zweiten und als Quelle die Darstellung des ersten. Dadurch fehlte das größere der beiden Werke — das mit über 3.000 Häftlingen — im Register vollständig. Wie das geschah und welche Prüfregel daraus folgt, steht im Korrektureintrag.
Zusammengerechnet starben bei den beiden Angriffen 671 Häftlinge. Das ist mehr als bei jedem anderen Ereignis, das dieses Register führt.
Was das für die Bestimmung heißt
Ein Karabiner 98k mit dem Fertigungskennzeichen 337 oder bcd gilt in der Sammlerliteratur
als „Gustloff-Werke Weimar”. Diese Angabe ist nach dem Vorstehenden nicht eindeutig: Sie
umfasst zwei Anlagen, die zehn Kilometer und eine Lagermauer voneinander trennten. Welche Teile
wo entstanden, ist aus den ausgewerteten Darstellungen nicht zu entscheiden.
Das ist kein Sonderfall, sondern das wiederkehrende Muster dieses Registers, hier nur besonders scharf: Codetabellen ordnen Kennzeichen einer Firma zu, nicht einem Werk. Dieselbe Ursache steht hinter mehreren Einträgen des Korrekturregisters.
Buchenwald
Das Konzentrationslager lag auf dem Ettersberg, acht Kilometer von der Stadt. Für dieses Register ist es kein Hintergrund, sondern ein Betriebsdatum: Von hier kamen die Häftlinge, die in Suhl, an der Kromsdorfer Straße, am Ettersberg selbst und — nach heutigem Kenntnisstand nicht in Zella-Mehlis — in der Waffenfertigung arbeiten mussten. Das Außenlager-Portal der Gedenkstätte ist deshalb eine der meistgenutzten Quellen dieses Registers, und zwar in beide Richtungen: Es hat eine falsche Zuschreibung zu Zella-Mehlis widerlegt und eine für Sömmerda bestätigt.
Was daraus für dieses Register folgt
- Ein Firmenname ist keine Ortsangabe, und ein Ortsname ist kein Werk. „Gustloff-Werke Weimar” bezeichnet zwei Anlagen. Wer daraus eine Fertigungszuweisung macht, hat noch nichts bestimmt.
- Behördensitz und Fertigungsort fallen auseinander. Für die Aktensuche zählt, welchem Staat der Ort unterstand — Erfurt für Suhl, Weimar für Zella-Mehlis und Meiningen.
- Die Gedenkstätte ist beidseitig zu befragen. Sie taugt nicht nur zum Widerlegen falscher Zuschreibungen, sondern ebenso zum Prüfen der scheinbar sicheren.
Offene Forschungsfragen. Welche Muster entstanden in welchem der beiden Werke, und unter welcher Kennzeichnung? Welche Raketenwaffe betraf die Feinmechanik am Ettersberg? Wurde nach dem 24. August 1944 dort noch gefertigt? Und wie verhielten sich die beiden Weimarer Werke zum Suhler Stammwerk und zum Meininger Zweigwerk — gab es eine Aufteilung nach Erzeugnissen oder nach Fertigungsstufen?
Quellen
- [Online] Gedenkstätte Buchenwald — Außenlager Weimar — Kommandos Gustloff-Werk Weimar , Fritz-Sauckel-Werk an der Kromsdorfer Straße, Bestand 11. Oktober 1943 bis 4. April 1945, Höchstbelegung 2.290 Männer Ende 1944, 356 Todesopfer beim Luftangriff am 9. Februar 1945 Link
- [Online] Gedenkstätte Buchenwald — Rüstungswerk Gustloff-Werk II , Lage an der Blutstraße hundert Meter vor der Lagereinfahrt, über 3.000 Häftlinge Mitte 1944, Zerstörung am 24. August 1944 mit 315 Toten und 525 Schwerverletzten Link