Stempelkunde · Zella-Mehlis
Beschusszeichen Zella-Mehlis
Zeichen der Beschussanstalt Zella-Mehlis, die am 1. April 1893 den Betrieb aufnahm und 1949 zugunsten Suhls aufgelöst wurde. Ein Zella-Mehliser Zeichen datiert eine Waffe damit zuverlässig auf die Zeit vor 1949 — und verortet sie im ehemals sachsen-coburg-gothaischen Rechtsraum.
Zella-St. Blasii und Mehlis lagen zwar nur wenige Kilometer von Suhl entfernt, gehörten aber zu Sachsen-Coburg und Gotha, während Suhl preußisch war. Weil die Beschussprüfung Landessache war, brauchten die Orte eine eigene Anstalt. Sie nahm am 1. April 1893 den Betrieb auf, in einem eingeschossigen Gebäude zwischen den beiden heutigen Stadtteilen, und gehörte damit zu den ersten drei Prüfstellen des Reichs.
1949 wurde die Anstalt zugunsten des Beschussamts Suhl aufgelöst.
Warum das für die Bestimmung wertvoll ist
Ein Zella-Mehliser Beschusszeichen ist ein harter zeitlicher Endpunkt: Die Waffe wurde spätestens 1949 geprüft. Für die Zella-Mehliser Betriebe — allen voran Carl Walther und J. G. Anschütz — ist das der entscheidende Befund im Ost-West-Problem: Eine Waffe mit Zella-Mehliser Beschuss stammt aus der thüringischen Fertigung, nicht aus den westdeutschen Neugründungen in Ulm.
Damit trennt ein einziger Stempel, was der Firmenname nicht trennt. Siehe 1945 — Demontage, Enteignung, Volkseigentum.
Offene Aufgabe. Zeichenformen der Anstalt über die Perioden 1893–1918, 1918–1933, 1933–1945 und 1945–1949 — zu erheben aus Primärquellen und Objektbefunden, nicht aus Sekundärtabellen.