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Hersteller · Suhl

Simson & Co., Suhl

1856–1936 KaiserreichErster WeltkriegWeimarer Republik1933–1945 plausibel

Simson & Co. wurde 1856 in Suhl von der jüdischen Unternehmerfamilie Simson gegründet und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Betriebe der Stadt — neben Waffen entstanden Fahrräder, später Fahrzeuge.

Reichswehr-Alleinlieferung 1925–1934

Der Versailler Vertrag beschränkte die deutsche Waffenfertigung scharf, und für die Belieferung der Reichswehr mit der Pistole 08 fiel die Wahl auf Simson — nicht trotz, sondern wegen der geringen Kapazität des Unternehmens: Große Hersteller wie DWM galten als zu leistungsfähig. Die Fertigungseinrichtungen stammten aus der aufgelösten Gewehrfabrik Erfurt. In diesem Zeitraum entstanden rund 12.000 Pistolen; daneben übernahm Simson Instandsetzung und Überholung des vorhandenen Reichswehrbestands.

Enteignung 1933–1936

Der Zugriff auf das Unternehmen erstreckte sich über gut zwei Jahre und war juristisch verkleidet:

  • September 1933 — Simson & Co. KG verpachtet den Betrieb an die eigens gegründete Berlin-Suhler Waffen- und Fahrzeugwerke GmbH; Zweck ist die Entfernung des Familiennamens aus der Firma. Als Treuhänder wird der Berliner Kaufmann und NSDAP-Mitglied Herbert Hoffmann eingesetzt.
  • 1934/35 — Das mit rund 18 Millionen Reichsmark bewertete Unternehmen wird Friedrich Flick für 8 bis 9 Millionen angeboten. Flick lehnt ab.
  • August 1935 — Der Thüringer Gauleiter Fritz Sauckel erwirkt ein Revisionsverfahren vor dem Oberlandesgericht Jena unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es endet mit einem Schuldspruch und einer Geldstrafe von 9,75 Millionen Reichsmark.
  • 28. November 1935 — Die Summe ist nur durch Herausgabe des Unternehmens aufzubringen. Julius und Arthur Simson übertragen den Betrieb unter vorgehaltener Waffe an Sauckel.
  • 1936 — Der Familie gelingt die Flucht in die Schweiz, sie emigriert in die USA. Aus dem entzogenen Vermögen wird der Grundstock der Wilhelm-Gustloff-Stiftung gebildet.

Der Mann, der sich den Betrieb aneignete, wurde 1942 Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz und damit verantwortlich für die Verschleppung von Millionen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern; er wurde in Nürnberg zum Tode verurteilt. Der Zusammenhang zwischen Enteignung und späterer Zwangsarbeit in denselben Werken ist damit personell und nicht nur strukturell — siehe Die Waffenregion im Nationalsozialismus.

Offene Forschungsfrage. Die Darstellung stützt sich auf Sekundärquellen. Summen, Daten und der genaue Verfahrensgang sind an Beständen des Thüringischen Hauptstaatsarchivs zu prüfen, bevor sie zitiert werden.

Rechtsform und Firmierung

1856
Simson & Co. · Familienunternehmen

Gegründet von der jüdischen Unternehmerfamilie Simson. Neben Waffen entstanden Fahrräder, später Fahrzeuge.

September 1933
Berlin-Suhler Waffen- und Fahrzeugwerke GmbH · Pachtkonstruktion

Verpachtung an eine eigens gegründete GmbH mit dem Zweck, den Familiennamen aus der Firma zu entfernen. Treuhänder Herbert Hoffmann, NSDAP-Mitglied.

28. November 1935
Übertragung an Fritz Sauckel · erzwungene Eigentumsübertragung

Nach einem Revisionsverfahren vor dem OLG Jena mit Geldstrafe von 9,75 Millionen Reichsmark; die Übertragung erfolgte unter vorgehaltener Waffe.

1936
Wilhelm-Gustloff-Stiftung · Stiftung

Grundstock der Stiftung ist das der Familie entzogene Vermögen.

Fertigungsprogramm

1856–1918
Handfeuerwaffen, Fahrräder, ab den 1900er Jahren Fahrzeuge
1925–1934
Pistole 08 für die Reichswehr

Einziger zugelassener Lieferant; rund 12.000 Stück auf den aus Erfurt übernommenen Fertigungseinrichtungen. Daneben Instandsetzung und Überholung des vorhandenen Reichswehrbestands.

ab 1924
Luxusautomobile der Reihe Simson Supra

Die zivile Ausweichfertigung unter den Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrags — dieselbe Bewegung wie bei der Ortgies-Großserie in Erfurt.

Standorte

  • Suhl

    Werksgelände, das über alle Rechtsformwechsel hinweg bis 1990 in Betrieb blieb — von Simson über Gustloff und Awtowelo bis zum VEG Ernst-Thälmann-Werk.

Personen

  • Julius und Arthur Simson — Eigentümer bis zur erzwungenen Übertragung 1935
  • Herbert Hoffmann — eingesetzter Treuhänder, NSDAP-Mitglied, ab 1933
  • Fritz Sauckel — Thüringer Gauleiter, Betreiber der Enteignung; ab 1942 Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz, in Nürnberg zum Tode verurteilt, ab 1935

Zwangsarbeit — belegt

Für den Suhler Betrieb selbst ist der Einsatz in der Simson-Zeit nicht einschlägig; die Enteignung ist jedoch der Ausgangspunkt der Kette, die zur Zwangsarbeit in den Gustloff-Werken führte. Der Mann, der sich 1935 den Betrieb aneignete, organisierte ab 1942 als Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz die Verschleppung von Millionen Menschen in die deutsche Rüstungsindustrie — darunter in die aus diesem Betrieb hervorgegangenen Werke.

Stehende Regel dieses Registers: Bei jedem Betrieb, der zwischen 1933 und 1945 gefertigt hat, wird der Einsatz von Zwangsarbeit geprüft und der Stand ausgewiesen — auch wenn die Prüfung noch aussteht. Siehe Die Waffenregion im Nationalsozialismus .

Verbleib

Das Werk bestand über alle Systemwechsel hinweg fort: Gustloff-Werke (1939), SAG Awtowelo (1946), VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann" (1952). Der Markenname Simson lebte in der DDR bei Zweirädern weiter — während die Familie, die ihn begründet hatte, seit 1936 in den USA lebte.

Modelle dieses Herstellers

Quellen

  1. [Online] Forgotten Weapons — Lugers Under Versailles: The 1926 Simson P08 Link
  2. [Online] Rock Island Auction — 1925 Dated Simson & Co. Suhl Luger Semi-Automatic Pistol Link
  3. [Online] Bundeszentrale für politische Bildung — EXIL #22 — Simson & Co.: Eine Familie, geschmiedet aus Stahl Link
  4. [Online] Wikipedia (de) — Simson (Unternehmen) Link