Hersteller · Berlin
Waffenwerke Oberspree, Kornbusch & Co.
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Belegt sind Firmenbezeichnung, Ort und Verwaltungszugehörigkeit durch einen Nachweis des Bundesarchivs (R 154/11398, Laufzeit 1916–1926) — der allerdings aus einem sachfremden Zusammenhang stammt, einer Einzelfallakte der Reichsanstalt für Wasser- und Luftgüte über Wasser-, Boden- und Luftproben. Er belegt die Existenz der Firma am Ort, nichts zur Fertigung. Alles Weitere stammt aus Sammlerdarstellungen und Forenbeiträgen: Gründungsjahr 1915, Zweck der Gründung, Stückzahl von rund 100.000, Jahresverteilung, Übernahme durch die DWM 1918 und die Herkunft der Maschinen aus Herstal. Eine firmengeschichtliche Darstellung ließ sich online nicht finden; die angefragte Museumsseite und eine einschlägige Spezialdarstellung zum Gewehr 98 enthielten zu diesem Betrieb nichts. Der Belegstatus steht deshalb auf ungeklärt. Widersprüchlich sind außerdem die Angaben zum Fertigungsende — siehe unten.
Der DWM-Eintrag dieses Registers schließt mit einer Frage: „Und wer waren die Waffenwerke Oberspree, die die Fertigerliste des Gewehr 98 für 1915–1918 nennt? Das wäre ein weiterer Berliner Betrieb, der in diesem Register fehlt.”
Dieser Eintrag beantwortet die Frage — so weit sie sich beantworten lässt, und das ist weniger weit, als der Umfang dieses Textes vermuten lässt.
Was belegt ist
Ein Nachweis des Bundesarchivs führt die Firma als „Kornbusch u. Co., Waffenwerke Oberspree” in Berlin-Niederschöneweide, Reg. Bez. Potsdam (R 154/11398, Laufzeit 1916–1926).
Zwei Dinge daran sind bemerkenswert.
Erstens die Verwaltungszugehörigkeit. Niederschöneweide lag im Regierungsbezirk Potsdam — also in der Provinz Brandenburg, bis Groß-Berlin 1920 gebildet wurde. Damit reiht sich dieser Betrieb in einen Befund ein, den dieses Register im August 2026 protokolliert hat: Spandau, Charlottenburg und der Kreis Niederbarnim gehörten vor 1920 ebenfalls zu Brandenburg. Die Berliner Waffenfertigung des Kaiserreichs war zum großen Teil brandenburgisch — und wer nach heutigen Grenzen sucht, findet sie nicht.
Zweitens die Art des Nachweises. Die Akte stammt nicht aus einem Rüstungsbestand, sondern aus den Einzelfallakten der Reichsanstalt für Wasser- und Luftgüte über Wasser-, Boden- und Luftproben. Sie belegt, dass die Firma dort war — zur Fertigung sagt sie nichts. Dass ein Waffenwerk seine deutlichste Spur in einer Umweltprobe hinterlässt, ist ein Kommentar zur Überlieferungslage, den man nicht erfinden könnte.
Was nur Sammlerquellen sagen
Alles Folgende steht nicht in einer firmengeschichtlichen Darstellung, sondern in Sammlerforen. Es wird hier wiedergegeben, weil es das Einzige ist, was greifbar war — und ausdrücklich als ungesichert gekennzeichnet:
| Angabe | Inhalt |
|---|---|
| Gründung | 1915, als Kriegsgründung; Verbindung staatlicher Beschaffung mit privatem Kapital |
| Erzeugnis | Gewehr 98 |
| Stückzahl | rund 100.000 insgesamt |
| Jahre | 1915, 1916, 1917 und wenige 1918; 1915 als schwächstes Jahr mit etwa 1.000 |
| Übernahme | 1918 durch die DWM |
Widersprüchlich. Dieselben Quellen nennen die Jahrgänge 1915, 1918 und 1919 als die seltensten — was eine Fertigung 1919 voraussetzt, die anderswo nicht erwähnt wird. Die Fertigerliste des Gewehr-98-Eintrags führt „1915–1918”. Ob 1918 noch gefertigt wurde, ob 1919 Restbestände zusammengebaut wurden oder ob die Angabe schlicht falsch ist, lässt sich hier nicht entscheiden.
Die Maschinen aus Herstal
Eine Angabe sticht heraus, und sie wäre, wenn sie zutrifft, der wichtigste Satz dieses Eintrags:
Die Maschinen des Werks sollen aus dem besetzten Belgien stammen. Bei FN in Herstal seien 1.576 Maschinen beschlagnahmt und in 117 Eisenbahnwagen nach Oberspree verlagert worden.
Die Zahlen sind zu genau, um erfunden zu wirken, und zu schwach belegt, um sie zu übernehmen. Sie stehen deshalb hier als Behauptung mit Herkunftsangabe, nicht als Befund.
Träfe sie zu, hätte dieses Register einen Fall vor sich, der sein Grundthema verschärft: Ein Berliner Werk, das 100.000 Gewehre baut, tut das auf geraubten Maschinen — dreißig Jahre bevor dieselbe Bewegung in umgekehrter Richtung lief und sowjetische Brigaden die Suhler und Zella-Mehliser Werke demontierten. Siehe 1945 — Demontage, Enteignung, Volkseigentum.
Das ist ausdrücklich keine Gleichsetzung und schon gar keine Aufrechnung. Es ist die Feststellung, dass Verlagerung von Fertigungsmitteln über Grenzen hinweg zum Gegenstand dieses Registers gehört, und dass sie hier zum ersten Mal in dieser Richtung auftaucht.
Was zu tun wäre
Die Frage des DWM-Eintrags ist damit halb beantwortet: Der Betrieb hat einen Namen, einen Ort und eine Verwaltungszugehörigkeit. Seine Geschichte hat er noch nicht.
Offene Forschungsfragen. Wer war Kornbusch, und wer stand hinter der Gründung? Auf welcher Rechtsgrundlage lief die Verbindung von staatlicher Beschaffung und privatem Kapital? Stimmen die 1.576 Maschinen aus Herstal, und wo wäre das zu belegen — in den Akten des Heereswaffenamts oder in belgischer Überlieferung? Wurde 1918 oder 1919 noch gefertigt? Was geschah nach der Übernahme durch die DWM mit dem Werk, und wozu diente es bis 1926, als die Bundesarchivakte endet? Und trugen die Gewehre eine eigene Kennzeichnung, die sie von der DWM-Fertigung trennt?
Rechtsform und Firmierung
- 1915
- Waffenwerke Oberspree, Kornbusch & Co. · Kriegsgründung
Nach Sammlerdarstellung eine Verbindung staatlicher Beschaffung mit privatem Kapital, eigens zur Gewehrfertigung gegründet.
- 1918
- Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken · Übernahme
nur für 1918 angegeben
Fertigungsprogramm
- 1915–1918
- Gewehr 98
rund 100.000 Stück insgesamt; 1915 als schwächstes Jahr mit etwa 1.000 Gewehren. Beide Zahlen stammen aus Sammlerdarstellungen.
Standorte
- Berlin · Niederschöneweide
Der Bundesarchivnachweis führt den Ort als „Berlin-Niederschöneweide, Reg. Bez. Potsdam" — Niederschöneweide gehörte bis zur Bildung Groß-Berlins 1920 zur Provinz Brandenburg.
Zwangsarbeit — noch nicht geprüft
Für dieses Werk ist nichts ermittelt. Der Betrieb bestand im Ersten Weltkrieg; ob und in welchem Umfang dort Kriegsgefangene oder dienstver- pflichtete Arbeitskräfte eingesetzt wurden, ist offen. Der Status steht deshalb auf „ungeprüft" und nicht auf „kein Befund".
Stehende Regel dieses Registers: Bei jedem Betrieb, der zwischen 1933 und 1945 gefertigt hat, wird der Einsatz von Zwangsarbeit geprüft und der Stand ausgewiesen — auch wenn die Prüfung noch aussteht. Siehe Die Waffenregion im Nationalsozialismus .
Verbleib
1918 an die DWM übergegangen. Was danach mit dem Werk geschah, ist hier nicht ermittelt; ein Bundesarchivnachweis führt die Firma noch für die Laufzeit bis 1926.
Quellen
- [Archiv] Bundesarchiv über die Deutsche Digitale Bibliothek — Kornbusch u. Co., Waffenwerke Oberspree — Berlin-Niederschöneweide, Reg. Bez. Potsdam , Bestand BArch R 154 (Reichsanstalt für Wasser- und Luftgüte), Signatur R 154/11398, Laufzeit 1916–1926; Einzelfallakte zu Wasser-, Boden- und Luftproben Link
- [Online] Sammlerforen — Waffenwerke Oberspree Kornbusch — Gewehr 98 , Kriegsgründung 1915 als Verbindung staatlicher Beschaffung mit privatem Kapital; Fertigung 1915 bis 1917 und wenige Stücke 1918; rund 100.000 Gewehre insgesamt, 1915 etwa 1.000; Übernahme durch die DWM 1918; Maschinen aus Herstal — 1.576 bei FN beschlagnahmte Maschinen in 117 Eisenbahnwagen nach Oberspree verlagert Link