Hersteller · Jena, Saalfeld
Carl Zeiss, Jena — mit dem Werk Saalfeld
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Gründung 1846, Abbe ab 1866, Carl-Zeiss-Stiftung 1889, die Verbringung von Fachleuten nach Heidenheim im Juni 1945, die Demontage 1946/47, die Verstaatlichung am 1. Juli 1948, der Neuanfang in Oberkochen 1946 und die Aufspaltung nach 1990 stammen aus Lexikondarstellung. Die Angaben zu Saalfeld und zu den DDR-Erzeugnissen TPD-K1 und INEJ-70 gehen auf eine Darstellung des Vereins Technik-Geschichte in Jena zurück und sind im Technikaufsatz dieses Registers näher belegt. Ausdrücklich UNGEPRÜFT bleibt die Entwicklungsgeschichte der Zeiss-Zielfernrohre — wann Jena das erste baute, welche Typen in den Weltkriegen entstanden, wie sich ZF 4/S und Ziel4/S dazu verhalten und in welchen Stückzahlen gefertigt wurde. Die greifbaren Angaben dazu stammen aus Händler- und Sammlerangeboten, nicht aus Werksunterlagen. Zur Zahl der 1945 nach Westen gebrachten Fachleute nennen die Quellen 86 oder 126; der Widerspruch ist unten benannt.
Dieses Register führt Waffenhersteller. Carl Zeiss ist keiner — und gehört trotzdem hierher, denn hinter fast jeder Zieloptik, die das Register nennt, steht dieser Betrieb. Der Technikaufsatz zur Zieloptik hielt bislang ausdrücklich fest, dass ein Herstellereintrag fehlt. Er wird hiermit nachgetragen.
Zwei Orte, ein Unternehmen
| Ab | Ort | Was dort geschah |
|---|---|---|
| 1846 | Jena, Neugasse 7 | Carl Zeiß eröffnet eine feinmechanisch-optische Werkstatt |
| 1866 | Jena | Ernst Abbe tritt ein; Otto Schott liefert später das Glas |
| 1889 | Jena | Abbe gründet die Carl-Zeiss-Stiftung |
| 1911 | Saalfeld | feinmechanisch-optische Werkstatt |
| 1915–1945 | Jena | Kommandogeräte zur Flugabwehr |
| ab 1935 | Saalfeld | Militärgerät: Baugruppen für Entfernungsmesser, Bombenzielgeräte, Winkelzielfernrohre |
Beide Orte liegen in Thüringen, also mitten im Untersuchungsraum. Für die Zieloptik ist Saalfeld der interessantere: Dort wurde ab 1935 gezielt Militärgerät gefertigt.
1945 — die Teilung, und was sie von den anderen unterscheidet
Der Suhler Eintrag dieses Registers hält als Regel fest: „Namen wandern, Orte nicht.” Sauer, Walther und Anschütz gingen nach Westen, die Werke blieben und wurden volkseigen. Bei Zeiss war es mehr als der Name.
Thüringen war zunächst von US-Truppen besetzt. Im Juni 1945 brachten die Amerikaner Fachleute des Unternehmens nach Heidenheim — mit Konstruktionszeichnungen und Patenten. Danach übernahmen die Sowjets, demontierten das Werk 1946/47 fast vollständig und verstaatlichten es am 1. Juli 1948 als VEB Carl Zeiss Jena. In Oberkochen genehmigten die Amerikaner im Februar 1946 einen Neuanfang; im August 1946 nahm der Betrieb mit rund 200 Mitarbeitern die Arbeit auf.
Wie viele Fachleute es waren, ist strittig. Die Darstellung nennt 86 oder 126 Personen und vermerkt ausdrücklich, dass die Angaben schwanken. Der Widerspruch wird hier nicht aufgelöst.
Das schärft die Regel des Registers. Bei den Suhler Waffenfabriken wanderte die Marke, und das Können blieb an den Werkstätten hängen. Bei Zeiss wanderte das Konstruktionsbüro — und was zurückblieb, wurde zusätzlich demontiert. Wer Zeiss-Optik bestimmt, hat es deshalb nicht mit einem verlagerten Namen zu tun, sondern mit zwei Unternehmen, die beide auf denselben Wissensstand von 1945 zurückgehen und ihn getrennt weiterentwickelten.
Die DDR-Linie
Der VEB Carl Zeiss Jena wuchs zu einem Kombinat mit bis zu 70.000 Beschäftigten in 25 Betrieben in den 1980er Jahren. Für dieses Register sind drei Erzeugnisse greifbar:
| Zeitraum | Erzeugnis |
|---|---|
| DDR | Zielfernrohre ZF 4/S und Ziel4/S 4 × 32 — letzteres unter anderem am SSG 82 |
| 1979–1990 | Zielfernrohr-Entfernungsmesser TPD-K1 in sowjetischer Lizenz, 6.200 Geräte |
| 1981–1990 | thermischer Zielsuchkopf INEJ-70, geheime Fertigung |
Was hier ausdrücklich fehlt
Die Entwicklungsgeschichte der Zeiss-Zielfernrohre ist nicht ermittelt: nicht, wann Jena das erste baute, nicht, welche Typen in den Weltkriegen entstanden, nicht, wie sich die DDR-Reihe zu den älteren verhält, und nicht, in welchen Stückzahlen gefertigt wurde. Was greifbar ist, stammt aus Händler- und Sammlerangeboten, nicht aus Werksunterlagen.
Das ist bemerkenswert: Über ein Unternehmen dieser Größe — 70.000 Beschäftigte — ist die militärische Fertigungsgeschichte online schlechter zugänglich als über eine Suhler Büchsenmacherwerkstatt. Der Grund dürfte in der Sache liegen: Optik wird gesammelt, aber selten bestimmt, und Werksunterlagen zur Militärfertigung eines DDR-Kombinats sind kein Gegenstand der Sammlerliteratur.
Zwangsarbeit
Im Zweiten Weltkrieg beschäftigte Zeiss nach der greifbaren Darstellung „Tausende von Zwangsarbeitern”. Mehr steht dort nicht: keine Zahl, keine Aufschlüsselung nach Standorten, nichts zu Herkunft und Unterbringung. Für das Werk Saalfeld ist dazu nichts ermittelt.
Das Feld steht deshalb auf belegt — dass Zwangsarbeit stattfand, ist unstrittig —, aber die Darstellung bleibt so dünn, wie die Quellenlage es zulässt. Sie ist damit die schwächste Zwangsarbeits-Darstellung im Herstellerregister, und das ist kein Zufall der Recherche, sondern ein Befund über die Überlieferung.
Offene Forschungsfragen. Wann baute Jena das erste Zielfernrohr, und welche Typen entstanden in den Weltkriegen? Wie verhalten sich ZF 4/S und Ziel4/S zu den älteren Reihen, und in welchen Stückzahlen wurden sie gefertigt? Waren es 86 oder 126 Fachleute, die 1945 nach Heidenheim gingen? Wie viele Zwangsarbeiter beschäftigte das Unternehmen, und wie viele davon in Saalfeld? Und trugen die DDR-Zielfernrohre eine eigene Kennzeichnung, die eine Datierung erlaubt — die Frage entspricht der nach den Fertigungskennzeichen bei den Waffen selbst.
Rechtsform und Firmierung
- 1846
- Optische Werkstätte Carl Zeiß · Werkstatt
- 1889
- Carl-Zeiss-Stiftung · Stiftung
von Ernst Abbe gegründet
- 1948
- VEB Carl Zeiss Jena · Volkseigener Betrieb
Verstaatlichung am 1. Juli 1948
- 1990
- Carl Zeiss Jena GmbH und Jenoptik · Aufspaltung
1990/91 aufgeteilt; 1995 übernahm Oberkochen die Jenoptik-Anteile am optischen Geschäft.
Fertigungsprogramm
- 1915–1945
- Kommandogeräte zur Flugabwehr
in Jena
- ab 1935
- Baugruppen für Entfernungsmesser, Bombenzielgeräte, Winkelzielfernrohre
im Werk Saalfeld
- ab Juli 1945
- Bombenzielgerät Lotfe, Entfernungsmesser
in Saalfeld unter sowjetischer Leitung
- DDR
- Zielfernrohre ZF 4/S und Ziel4/S 4 × 32
unter anderem am SSG 82; die Entwicklungsgeschichte dieser Reihe ist nicht ermittelt.
- 1979–1990
- Zielfernrohr-Entfernungsmesser TPD-K1
sowjetische Lizenz, 6.200 Geräte
- 1981–1990
- thermischer Zielsuchkopf INEJ-70
geheime Fertigung
Standorte
- Jena · gegründet in der Neugasse 7
Stammsitz seit 1846; im Zweiten Weltkrieg unter anderem Kommandogeräte zur Flugabwehr.
- Saalfeld
Feinmechanisch-optische Werkstatt ab 1911; ab 1935 Militärgerät — Baugruppen für Entfernungsmesser, Bombenzielgeräte und Winkelzielfernrohre.
Beschäftigte
- 1980er Jahre · bis zu 70.000 (Kombinat VEB Carl Zeiss Jena mit 25 Betrieben)
Zwangsarbeit — belegt
Im Zweiten Weltkrieg beschäftigte Zeiss nach der greifbaren Darstellung „Tausende von Zwangsarbeitern". Eine Zahl, eine Aufschlüsselung nach Standorten und Angaben zu Unterbringung und Herkunft liegen hier NICHT vor; für das Werk Saalfeld ist dazu nichts ermittelt.
Stehende Regel dieses Registers: Bei jedem Betrieb, der zwischen 1933 und 1945 gefertigt hat, wird der Einsatz von Zwangsarbeit geprüft und der Stand ausgewiesen — auch wenn die Prüfung noch aussteht. Siehe Die Waffenregion im Nationalsozialismus .
Verbleib
Das Unternehmen besteht in beiden Linien fort. Die Jenaer Linie wurde 1990/91 in die Carl Zeiss Jena GmbH und die Jenoptik aufgeteilt; 1995 übernahm Oberkochen die Jenoptik-Anteile.
Quellen
- [Online] Wikipedia — Carl Zeiss (Unternehmen) , Gründung 1846 in der Neugasse 7 in Jena, Zusammenarbeit mit Ernst Abbe ab 1866 und Otto Schott, Carl-Zeiss-Stiftung 1889; wichtiger Produzent rüstungsrelevanter Optik in beiden Weltkriegen; Tausende Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg; Verbringung von 86 oder 126 Personen mit Konstruktionszeichnungen und Patenten nach Heidenheim im Juni 1945; fast vollständige Demontage 1946/47; Verstaatlichung am 1. Juli 1948 als VEB Carl Zeiss Jena; Oberkochen mit Genehmigung Februar 1946 und Betriebsaufnahme August 1946 mit etwa 200 Mitarbeitern; Kombinat mit bis zu 70.000 Beschäftigten in 25 Betrieben in den 1980er Jahren; Aufspaltung 1990/91 in Carl Zeiss Jena GmbH und Jenoptik, Übernahme der Jenoptik-Anteile durch Oberkochen 1995 Link
- [Online] Technik-Geschichte in Jena — Militärtechnik bei Carl Zeiss Jena und im Werk Saalfeld , Feinmechanisch-optische Werkstatt in Saalfeld ab 1911, Militärgerät ab 1935, Wiederaufnahme unter sowjetischer Leitung ab Juli 1945, Lizenzfertigung des TPD-K1 von 1979 bis 1990 mit 6.200 Geräten, geheime Fertigung des INEJ-70 von 1981 bis 1990 Link