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Hersteller · Suhl

SAG Awtowelo, Werk Suhl

1946–1952 SBZ 1945–1949DDR 1949–1990 plausibel

Dieser Eintrag stand längere Zeit als Entwurf mit dem Vermerk, die zentrale Frage sei ungeklärt: ob in der SAG-Phase Waffen gefertigt wurden. Sie ist es nicht mehr, und die Antwort ist aufschlussreicher als erwartet.

Die Antwort: nein

Waffenherstellung war in Deutschland nach 1945 zunächst nicht erlaubt. Das Suhler Werk baute in diesen Jahren Motorräder — zuerst ein Viertakt-Krad mit 250 cm³, später Sportmodelle mit 350 cm³. Die bekannteste ist die AWO 425.

Damit hat die Suhler Waffenfertigung eine Unterbrechung von rund einem Jahrzehnt: von der Einstellung 1945 bis zum Wiederanlauf nach der Übergabe in Volkseigentum 1952. Das ist die längste Lücke in einer Linie, die sonst von 1751 bis in die Gegenwart reicht — und sie erklärt mehr über den Bruch von 1945, als jede Demontagestatistik es könnte.

Die Zweiradlinie war dabei keine Erfindung der Sowjets. Sie beginnt 1936 mit dem BSW 98, lief über die AWO weiter und wurde in der DDR zur bekanntesten Marke der Stadt. Wer heute „Simson” hört, denkt an Mopeds, nicht an Waffen — dieser Bedeutungswandel hat hier seinen Ursprung.

Was eine SAG war

Rechtsgrundlage war der SMAD-Befehl Nr. 167 vom Juni 1946; er überführte deutsche Betriebe, die zur Demontage vorgesehen waren, stattdessen in sowjetisches Eigentum. Der Gedanke: Ein laufender Betrieb liefert dauerhaft Reparationen, ein abtransportierter nur einmal.

SAG-Betriebe waren damit sowjetisches Eigentum auf deutschem Boden — juristisch Ausland inmitten der SBZ. Die SAG Awtowelo entstand im September 1946; das Suhler Werk firmierte ab dem 5. März 1947 als „Staatliche Aktiengesellschaft Awtowelo, Werk vormals Simson & Co., in Suhl (Thüringen)”.

Dieser Firmenname verdient eine Bemerkung. Der Name Simson, den die Nationalsozialisten 1933 mit eigens gegründeter GmbH aus der Firma entfernt hatten, steht hier wieder — aber nur als Herkunftsangabe, „vormals”. Die Familie erhielt nichts zurück. Der Betrieb wechselte von NS-Enteignung in sowjetisches Eigentum und von dort in Volkseigentum, ohne dass die Enteigneten je wieder vorkamen. Siehe Berlin-Suhler Waffen- und Fahrzeugwerke.

Der Verbund

Awtowelo — russisch verkürzt aus awto-welossiped, „Auto-Fahrrad” — war kein Suhler Alleinunternehmen, sondern ein Verbund. Dazu gehörten unter anderem:

WerkOrtErzeugnis
BMW-Werk (beschlagnahmt 1945)EisenachAutomobile, EMW 340
Simson-WerkSuhlMotorräder AWO
RheinmetallwerkSömmerda
Keilpart, FeinmessgeräteSuhl
Elite Diamantwerkebei ChemnitzFahrräder
KugellagerwerkBöhlitz-Ehrenberg bei Leipzig
Uhren- und MaschinenwerkeRuhla

Für dieses Register ist die Zusammensetzung selbst der Befund: Zwei der drei größten Waffenbetriebe des Untersuchungsraums — Suhl und Sömmerda — landeten im selben sowjetischen Fahrzeugkonzern. Nicht in einem Rüstungsverbund, sondern in einem Verbund für Autos, Motorräder und Fahrräder. Die Umwidmung war gründlich.

Sie war auch nicht dauerhaft. 1952 gingen die Werke an die DDR, und in Suhl lief die Waffenfertigung wieder an — als VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann”. Der Betriebsname hält die Doppelnatur fest: Fahrzeuge und Jagdwaffen. Genau die Kombination aus ziviler Massenware und Waffenbau, die diese Region seit dem Kaiserreich kennzeichnet. Siehe 1945 — Demontage und Volkseigentum.

Offene Forschungsfragen. Umfang der vorangegangenen Demontage in Suhl. Stückzahlen und Beschäftigtenzahlen der AWO-Fertigung. Der genaue Zeitpunkt, zu dem die Waffenfertigung nach 1952 wieder anlief, und mit welchen Erzeugnissen sie begann. Ob in der SAG-Phase Reparationen in Form von Waffen aus Altbeständen geleistet wurden — das wäre etwas anderes als Fertigung und ist hier nicht geprüft.

Rechtsform und Firmierung

Juni 1946
SMAD-Befehl Nr. 167 · Rechtsgrundlage

Überführung der zur Demontage vorgesehenen deutschen Betriebe in sowjetisches Eigentum, statt sie abzubauen und abzutransportieren.

September 1946
Sowjetische Aktiengesellschaft Awtowelo · SAG

Gründung des Verbunds. SAG-Betriebe waren sowjetisches Eigentum auf deutschem Boden und produzierten auf Reparationskonto.

5. März 1947
Staatliche Aktiengesellschaft Awtowelo, Werk vormals Simson & Co., in Suhl (Thüringen) · Firmierung des Suhler Werks

Der enteignete Familienname kehrt hier als bloße Herkunftsangabe zurück — „vormals Simson & Co." —, ohne dass die Familie etwas zurückerhielt.

1952
VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann" · Übergabe in Volkseigentum

Übergang von sowjetischem Eigentum an die DDR. Erst danach lief in Suhl wieder eine Waffenfertigung an.

Fertigungsprogramm

1946–1952
Motorräder der Marke AWO

Zunächst ein Viertakt-Krad mit 250 cm³, später auch Sportmodelle mit 350 cm³. Die AWO 425 ist die bekannteste. Keine Waffenfertigung — Waffenherstellung war in Deutschland nach 1945 zunächst nicht erlaubt.

Standorte

  • Suhl

    Dasselbe Werksgelände wie zuvor Simson, BSW und Gustloff.

Zwangsarbeit — Zeitraum nicht einschlägig

Der Betrieb bestand ab 1946 und liegt außerhalb des Zeitraums, für den die Prüfregel gilt. Für den unmittelbaren Vorgängerbetrieb am selben Standort — die Gustloff-Werke — ist der Einsatz von Zwangsarbeit gesondert ausgewiesen.

Stehende Regel dieses Registers: Bei jedem Betrieb, der zwischen 1933 und 1945 gefertigt hat, wird der Einsatz von Zwangsarbeit geprüft und der Stand ausgewiesen — auch wenn die Prüfung noch aussteht. Siehe Die Waffenregion im Nationalsozialismus .

Verbleib

1952 in Volkseigentum überführt und als VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann" fortgeführt. Die Zweiradlinie blieb und wurde zur bekanntesten Marke der Stadt; die Waffenfertigung kam daneben zurück. Der Betriebsname „Fahrzeug- UND Jagdwaffenwerk" hält diese Doppelnatur fest — dieselbe Doppelnatur, die schon Haenel und Simson im Kaiserreich hatten.

Quellen

  1. [Online] Wikipedia (de) — Awtowelo — Zusammensetzung des SAG-Verbunds und Fertigung Link
  2. [Online] Wikipedia (de) — Sowjetische Aktiengesellschaft — SMAD-Befehl Nr. 167 Link
  3. [Online] Wikipedia (en) — Simson (company) — SAG-Phase 1947–1952 Link